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Rechtskraft des Ueberweisungsbeschlusses, sondern erst von dem Zeitpunkt an, wo er an die Ausführung deS Beschlusses heran- geht oder heranzugehen in der Lage ist. Er hat also nicht die vor empfangener Kenntnis des UnterbringungSbeschlusseS entstandenen Kosten zu tragen.

I. 5629. Der Königliche Landrat von GruneliuS.

Hersfeld, den 26. Mai 1908.

Unter dem Schweinebestand des Johannes Aumann zu Holzheim ist Rotlaufseuche ausgebrochen.

I. 5463. Der Königliche Landrat

von GruneliuS.

nichtamtlicher teil.

Tie Wirren in Marokko.

Casablanca über Tanger, 31. Mai. Die Situation Abdul AsiS' verschlechtert sich fortwährend. Da fein Fiasko in Mazagan bekannt ist, so ist die beabsichtigte Einschiffung der Mazaganmahalla nach Saffi zwecklos. Die nichtbesoldeten Uladsorj-Leute verließen Mazagan, die zurückbleibenden Soldaten sind wegen schlechter Löhnung völlig demoralisiert. Das ganze Dokalagebiet hängt der Hafidischen Sache an und ist für Abdul Asis verloren. Aus Rabat entwichen trotz scharfer Bewachung, und trotzdem auf sie vom Heerlager geschossen wurde, eine Anzahl weiterer Hofbeamter. Ein einflußreicher Kaid, dessen Güter in Mckines konfisziert und dessen Angehörige zurück­behalten wurden, erbat von Abdul AsiS seine Entlassung, die ihm gewährt wurde. Er hat sich nach MekineS begeben und ist zu Mulay Hafid übergetreten. Die Funktionen des Maghzen in Rabat sind jetzt gleich Null.

Casablanca über Tanger, 31. Mai. Angesichts der Tatsache, daß die Franzosen aus der Behauptung beharren, der deutsche Schutzgenosse Mohammed Ben Arbi sei bewaffnet im Kampfe im GebirgSwalde des MdakragebieteS an dem sog. Rosenbrunnen gefallen, sind die Aussagen seines gestern in Casablanca eingetroffenen ältesten SohneS und eines Guts­verwalters wertvoll. Ich sprach beide, und sie machen einen durchaus glaubwürdigen Eindruck. Sie erzählen, daß Mohammed Ben Arbi, nachdem seine Besitzung in der Mdakra- Ebene verwüstet und ausgeplündert worden war, gegen seinen Willen von StammeSgenoffen im GebirgSwalde festgehalten worden sei. Er benutzte das Anrücken der Franzosen, um unter Begleitung seiner Dienerschaft zu entweichen und nach seiner zerstörten Besitzung zurückzukehren. Die Franzosen kamen unter Führung von Eingeborenen näher. Der Schutzgenoffe befahl seiner Dienerschaft, nicht zu schießen, da die Christen auch nicht schießen dürften. Seine erschrockenen Begleiter ent­flohen mit Ausnahme von drei unbewaffneten in die Schluchten hinein. Mohammed Ben Arbi, den die Führer der Franzosen alsben aus dem Maultiere reitenden Mann" bezeichneten, wurde mit seinen drei Dienern aus nächster Nähe, ohne auch nur aufgefordert zu werden, sich zu ergeben, erschossen. Die französischen Mannschaften (Senegalesen) verstümmelten die Leiche des Schutzgenossen, während die Leichen der Diener nicht verstümmelt wurden. Die Familie des Schutzgenossen kehrte später nach der zerstörten Besitzung zurück. Die Fran­zosen forderten den Sohn des Erschossenen auf, sich in ihrem Lager einzustellen. Er entwich aber in der Nacht zum 30. Mai nach Casablanca. Die von den Franzosen geraubten Vieh- Herden und Pserde sind verkauft worden. DieS ist der Sachverhalt nach den durchaus wahrheitsgemäß scheinenden Angaben des eigenen Sohnes Mohammeds Ben Arbi.

Paris, 2. Juni. Aus Casablanca wird dem Matin in einem Funkentelegramm gemeldet, daß es vorgestern abend zwischen spanischen und französischen Soldatm wieder zu einer Rauferei gekommen sei, die damit geendet habe, daß die Spanier einen eingeborenen französischen Trainsoldaten gewaltsam in das spanische Wachtlokal führten. Der Befehlshaber des spanischen Postens sei genötigt gewesen, den französischen Soldaten alsbald wieder freizulassen. Die Spanier hätten sich außerdem das Recht angemaßt, Patrouillen auszuschicken. General d'Amade, dem der Vorfall gemeldet worden sei, habe einen Obersten zum Platzkommandanten von Casablanca er­nannt und besohlen, daß bezüglich einer fremden Intervention gegen französische Truppen die Algeciras-Akte streng beobachtet werde.

Bus Jn- und Ausland.

Berlin, den 2. Juni 1908.

Se. Maj^estät der Kaiser machte gestern näch­

stens rücken unsere Abteilungen Seite an Seite vor, da bleiben wir vier doch gewissermaßen zusammen."

Die Kost war verzehrt, die Pfeifen dampften und vertrau­liche Worte wurden ausgetauscht.

Da ein Rufen eine freudige Bewegung.

Was ist los?" erkundigte sich Stetten und sprang auf.

Ein Offizier, der eilig vorbei ging, rief zu der Gruppe herüber,das Vorrücken aller Abteilungen an die feindliche Stellung erfolgt am 10. August nachmittags, der allgemeine Angriff am 11. um 6 Uhr morgens. Soeben ist der Befehl eingegangen."

Die letzten Worte waren von dem Hurra verschlungen, das durch das Lager brauste.

Der mit so großer Ungeduld erwartete Befehl zum Angriff weckte stürmischen Jubel. Die vier aus derselben Heimatecke stimmten freudig mit ein, und eifriger noch als vorher wurde Rede und Gegenrede ausgetauscht.

Der Mond war schon untergegangen, nur die Sterne leuchteten noch, als dasGlücksAeeblatt", wie Siegfried scherzte, sich in die Zeltbahnen wickelte und zum Schlummer hinstreckte.

Wir sind uuser vier", murmelte Stetten beim Einschlafen. War das sein letzter Gedanke gewesen oder umgaukelte ihn dabei schon der TraumI!!

VI.

Bei der Abteilung Müller-MühlenfelS am 11. August 04.

Es war eine kalte Nacht ohne Mond und ohne Sternen- schein, als die Abteilung Müller, der sich das Hauptquartier angeschloffen hatte, von Ombuatjipiro aufbrach.

Lautlos wurde die Marschordnung hergestellt, ernst und schweigend, vor Kälte zitternd, bewegten sich die Truppen vorwärts.

Reckling, der der 11. Kompagnie unter Hauptmann Gausser zugeteilt war, die zur Avantgarde gehörte, ritt in gehobener Stimmung vorwärts.

An das afrikanische Klima mit dem jähen Wechsel von Kälte und Hitze gewöhnt, kümmerte ihn die frische Nachtlust

mittag eine Ausfahrt im Automobil. Um 57a Uhr empfing Se. Majestät den bisherigen Vizepräsidenten deS chinesischen Verkehrsministeriums $u shi mei in Gegenwart des chinesischen Gesandten und des Staatssekretärs v. Echoen. Um 6 Uhr fand bei Ihren Majestäten im Weißen Saal des Königlichen Schlosses Paradetasel statt. Unter großem Vortritt hielt der Hof seinen Einzug.

Die F a h r k a r t e n st e u e r soll nicht abgeschafft, sondem nur reformiert werden und zwar in der Weise, daß ein aller­dings sehr niedriger Wertstempel aus die Fahrkarten aller Klassen im Betrage von über 2 Mark, also auch der 4. Klasse gelegt werden soll. Dies wird durch eine Berliner Meldung derKöln. Ztg." angekündigt. Es heißt da: Nach unseren Erkundigungen ist nicht anzunehmen, daß über die Abschaffung, Abänderung oder Beibehaltung der Fahrkartensteuer irgend­welche Beschlüsse gefaßt werden, ehe man sich darüber klar geworden ist, welche Gestalt der ReichSfinanzreform gegeben werden soll. Die sämtlichen VerkehrSministerien der deutschen Eisenbahnstaaten sind nach den bisherigen Erfahrungen durchweg Gegner einer Fahrkartensteuer und sind es auch früher immer gewesen. Aber man muß, wie an amtlicher Stelle betont wird, bedenken, daß der jährliche Ertrag der Fahrkartensteuer, wenn sich auch die auf sie gesetzten Erwartungen keineswegs erfüllt haben, für den Reichssäckel auf 1820 Millionen zu schätzen ist, und daß daher die Abschaffung der Steuer erst dann inS Auge gefaßt werden könne, wenn die Reichsfinanz- resorm Ersatz für den EinnahmeauSfall schaffe. Man weist darauf hin, daß es ein Fehler und ein Mangel bei einer wirklich großzügigen Finanzresorm sein würde, wenn nicht die Abschaffung, sondern nur die Abänderung der Fahrkartensteuer beschlossen würde. Im letztem Falle würde dann wohl das richtigste sein, um neuerdings Fehlschläge und Fehlwirkung bei der Fahrkartensteuer zu vermeiden, unter Freilassung der Fahr­karten mit einem Fahrpreise von unter 2 Mark, einen durch­gehenden, sehr niedrigen Wertstempel auf die Fahrkarten aller Klassen zu legen. Eine derartige Fahrkartensteuer ist nach den Erfahrungen in andern Ländern verhältnismäßig leicht zu veranlagen und zu erheben und sie hat auch, falls sie ihrer Höhe wegen nicht zu drückend wirkt, auf die Benutzung der verschiedenen Wagenklassen keinen Einfluß. Sie würde also die Abwanderung von einer Fahrklasse in die andere, die die Fahrkartensteuer in ihrer jetzigen Gestalt in großem Umfange mit sich gebracht hat, nicht verursachen.

DieN. A. Z." schreibt: Die von einer Berliner Korre­spondenz verbreitete Nachricht, daß Oberstleutnant Quade vom Kommando der Schutztruppen wegen an­geblicher Meinungsverschiedenheiten mit dem Staatssekretär des ReichskolonialamtS seinen Abschied einreichen wolle, entbehrt jeder Begründung. Irgend welche Differenzen zwischen dem Staatsseftetär Dernburg und dem Oberstleutnant Quade bestehen nicht und haben niemals bestanden. Oberstleutnant Quade hat lediglich einen Erholungsurlaub bis Ende dieses Monats angetreten.

Die Teuerungszulagen sür die Reichsbeamten sind am 1. d. M. in Höhe von über 23 Millionen Mark (davon 21 sür die Reichspostverwaltung) zur Auszahlung ge­langt. Die mittleren Beamten erhielten 150, die unteren 100 Mark. Die vom Reichstage bewilligten Ostmarkenzulagen können erst mit Beginn des dritten Quartals gezahlt werden und kommen dann mit rückwirkender Kraft vom 1. April ab zur Auszahlung.

Vor dem Reichsgericht zu Leipzig begann 'am Montag der Hochverrats Prozeß gegen den Schriftsteller Schi - w a r a. Der Angeklagte ist beschuldigt, fortgesetzt Schriften und Zeichnungen, deren Geheimhaltung im Interesse der Sicher­heit des Reiches geboten war, zur Kenntnis der französischen Regierung gebracht zu haben. Neben Schiwara sind noch drei Militärpersonen des Unteroffizierstandes, die durch Schiwara verführt wurden, angeklagt. Bald nach Beginn der Verhand­lung wurde die Oeffentlichkeit für die ganze Dauer des Pro­zesses wegen Gefährdung der Staatssicherheit ausgeschlossen.

Aus Provinz u. nachbarsebiet.

* Mit der Erbauung der Baraken im Gelände des Truppenübungsplatzes sür das XI. Armeekorps wird voraussichtlich im kommenden Herbst der Anfang gemacht werden. Die Zahl der zur Unterbringung von Mannschaften, Pferden, Geschützen usw. bestimmten Gebäulichkeiten soll sich im ganzen aus 126 belaufen. Aus dem für die Anlegung des ausge­dehnten Truppenlagers bestimmten Terrain in nördlicher be­ziehungsweise östlicher Richtung unweit der Stadt macht sich vor der Bauausführung die Fortbewegung nicht unerheblicher Mengen von Erde und dergl. erforderlich. Die

roenig, er war nur von dem brennenden Wunsch erfüllt, das Blut seiner qualvoll hingemordeten Landsleute zu sühnen.

Blutrot, ein glühender Ball, ging am Morgen die Sonne auf, kein Lufthauch war zu spüren, und der wolkenlose Himmel verkündigte afrikanische, sengende Hitze

Sie näherten sich dem Hamakari-Revier. Gestern war hier noch ein starker Feind gewesen, war der abgezogen? Lauerte er im Hinterhalt? Der dichte Busch verhinderte den Ueberblick, jeden Augenblick konnten die Herero überraschend daraus hervorbrechen.

Oberstleutnant Müller ließ die Abteilung zum Gefecht ausmarschieren, und in dieser Bereitschaft rückte die Truppe gegen den Rivier vor.

Durch einen Fehltritt seines Pferdes stürzte der Führer so unglücklich, daß Major von Mühlenfels das Kommando über­nehmen mußte.

Dröhnend tönten jetzt aus weiter Ferne die ersten Kanonen­schüsse, sie muhten von der Abteilung Heyde herrühren. Zu­gleich kam die Meldung, daß der Rivier in der Gegend von Ombujomatemba vom Feinde geräumt sei, und so rückte die Avantgarde vorwärts im Rivierbette auf die Wasser­stelle zu.

Da plötzlich, als die vorn befindlichen Witboi eine Lich­tung erreicht hatten, wurden sie mit Kugeln überschüttet. AuS den Wasserlöchern und den gegenüberliegenden Kraalen feuerte der Feind.

Die Witboi erwiderten die Schüsse, und die 10. und 11. Kompagnie kam ihnen zu Hilfe.

Ruhig und kaltblütig, wie es seine Art war, übersah Reckling das Gesechtsseld.

Die 10. Kompagnie war in ein sehr heftiges Feuergefecht verwickelt worden, während ihnen gegenüber die Schüsse aus den Wasserlöchern nur schwach erwidert wurden. Er brannte vor Ungeduld, vorwärts zu gehen und seine Augen lenchteten förmlich, als Hauptmann Gausser jetzt den Befehl gab, stür­mend die Wasserlöcher zu nehmen.

Die Maschinengewehre, die auf dem Flügel in Tätigkeit waren, stellten ihr Feuer ein, und die Kompagnie erhob sich zum Anlauf.

an Stelle der über Tambachshof-Buttstädt nach Arnstadt führenden Landstraße herzustellende Chaussee, die vom Jonastal aus in der Richtung Goßel-, Crawinkel-Wölfis-Ohrdruf am zweck­mäßigsten anzulegen sein dürste, wird aller Wahrscheinlichkeit nach am ehesten mit in Angriff genommen werden. Die Kosten für diese wichtige Wegeverbindung werden vermutlich den Betrag von 500 000 Mk. erheblich übersteigen.

):( Hersfeld, 3. Juni. Die Zahl der F r e m d e n, welche im Monat Mai in den hiesigen Gasthäusern über­nachteten, betrug 532.

):( Hersfeld, 3. Juni. Bei den heute vormittag statt- gesundenen Urwahlen zum Preußischen Abge­ordnetenhause wurden in hiesiger Stadt folgende Wahl- männer gewählt: 1. Bezirk: 1. Abt.: Kaufmann Wilhelm Gies u. Kaufmann Fritz von Osterhausen, 2. Abt.: Fabrikant Ludwig Braun und Bauunternehmer Hrch. Bätza, 3. Abt.: Tuchbereiter Peter Pforr und Kaufmann Hrch. Altenburg. 2. Bezirk. 1 Abt: Dr. Hillebrecht und Professor Stamm, 2. Abt.: Gastwirt B. Bolender und Spinnmeister Mannschott, 3. Abt.: Privatsekretär I. Schandua und Malermeister Peter Brandau. 3. Bezirk. 1. Abt.: Metzgermeister Konrad Sander und Fabrikant Jacob Seelig, 2. Abt.: Professor Dr. Schaas und Fabrikant Alex Rehn, 3. Abt.: Lehrer Ackert und Färb- meister Georg Wolff. 4. Bezirk. 1. Abt.: Fabrikdirektor Ferd. Altenburg und Kaufmann L. Mohr, 2. Abt.: Färberei- besitzer Daniel Stern und Kaufmann Philipp Altenburg, 3. Abt.: Rentner Herm. Rössing, Gastwirt Const. Otto. 5. Bezirk. 1. Abt.: Fabrikant Herm. Braun und Weiß- bindermeister W. Mänz, 2. Abt.: Rechtsanwalt Suntheim und Bankier Hahn, 3. Abt.: Fabrikdirektor Joh. Sauer und Uhrmacher Ernst Andr6. 6. Bezirk. 1. Abt.: Professor Dr. Klippert, 2. Abt.: Schreinermeister Reinh. Pforr u. Kauf­mann Bal. Seelig, 3. Abt.: Buchbindermeister Peter Both. Von diesen Wahlmännern werden 32 für den seitherigen Abgeordneten Herrn Ludwig Werner und 2 für Herrn Landrat Tuercke in Rotenburg stimmen. Nach den bisjetzt vor­liegenden Nachrichten wurden im Wahlkreise Hersfeld-Rotenburg 99 Wahlmänner für Herrn Werner, 97 für Herrn Landrat Tuercke und 35 für Herrn von Bodelschwingh gewählt. In Asbach und Holz heim wurden je 2 Wahlmänner für Herrn Werner und 1 Wahlmann für Herrn v. Bodelschwingh gewählt.

Bebra, 31. Mai. Gestern wütete ein furchtbares Hagelwetter. Die herabsallenden Eisstücke waren durchweg von der Größe eines Taubeneies und haben an Roggen, Weizen und Feldbohnen erheblichen Schaden getan. Die Baumblüten und Fruchtansätze sind größtenteils abgeschlagen, sodaß die Aussichten auf eine gute Obsternte dahin sind. Arge Verwüstungen hat das Wetter auch in unserem Orte selbst angerichtet. Viele Dachziegeln und Fensterscheiben wurden zertrümmert; die Glasdächer aus einem Photographischen Atelier und auf dem Treibhaus der Gärtnerei wurden total demoliert. Auf dem Bahnhof wurden an der Maschinen- werkstatt 170 Scheiben eingeschlagen, außerdem wurden 30 Bogenlampen der elektrischen Anlage zerstört. Mehrere während des Hagels im Freien befindliche Gänse wurden getötet.

Caffel, 1. Juni. Dieser Tage hat sich ein in einer Familie in der Kaiserstraße in Diensten stehendes Mädchen mit Lysol vergiftet. Das junge, hübsche Mädchen hatte vor kurzem Streit mit dem Bräutigam, einem hiesigen Unter­offizier, bekommen, als ihr dieser Untreue vorwarf. Sie nahm sich den Bruch so zu Herzen, daß fie heimlich von gier ab» reiste. Nachdem polizeiliche Nachforschungen nach ihrem Verbleib tagelang ohne Erfolg waren, kommt nunmehr aus Elberseld die Nachricht, daß das unglückliche Mädchen im dortigen Stadtwalde tot ausgcsunden wurde, und zwar ist Lysolvergistung festgestellt worden. Sie hatte noch von hier aus einen Abschiedsbrief an eine Freundin geschrieben, worin sie die Gründe zu ihrem Entschluß mitteilt.

Caffel, 1. Juni. Eine aufregende Szene spielte sich am Sonnabend abend in einem Gartenrestaurant im Stadtteil Rothenditmold ab. Eine Dogge fiel einen etwa 12jährigen Knaben mitten unter den Gästen an und schleppte denselben unter einen Tisch. Erst nach hartem Stampfe gelang es schließlich, den Knaben zu befreien. Dem Ueberfallenen war von dem wütenden Tier das linke Bein vollständig zerfleischt worden. Er mußte nach dem Krankenhause übergesührt werden.

Melsunge«, 2. Juni. Die in den ersten Nachmittags­stunden des heutigen Tages hier und in der Umgebung nieder­gegangenen Gewitter haben in hiesiger Stadt und in deren Gemarkung eine schwere Katastrophe hervorgerufen. Starker Regen mit Hagelschlag, welch letzterer Eisstücke von der Größe eines halben Hühnereies herabsank, haben in der Feldgemarkung

Doch da schlug ihnen auch schon ein mörderisches Feuer entgegen. Vom dichten Busch so gedeckt, daß auch nicht einer von ihnen sichtbar war, schössen die Herero einen wahren Hagel von Kugeln aus die Anstürmenden. Vor der Front seiner Kompagnie, die mit ausgepflanztem Seitengewehr vor- rückte, fiel Hauptmann Gausser durch den Kopf geschossen und Oberleutnant Strecius sank schwer verwundet zusammen. Offi­ziere, Unteroffiziere und Reiter bezahlten mit ihrem Blute ihr kühnes Vorwärtsdringen, aber das schreckte die Braven nicht zurück, das Ziel im Auge hieß es nur:Vorwärts und durch!"

Dicht vor der feindlichen Stellung trafen mehrere Kugeln zugleich den Leutnant Leplow, der, zu Tode getroffen, liegen blieb.

(Fortsetzung folgt.)

Berlin, 1. Juni. Beim heutigen Trabrennen in Weißensee ist der Fahrer Stolzenberg tödlich verunglückt.

Berlin, 1. Juni. Ein 41jähriger Arbeiter wurde vom Blitz getroffen und sofort getötet.

Magdeburg, 1. Juni. Wegen drohenden Kon­kurses erschoß sich der Besitzer eines größeren Papiergeschäftes namens Kunitz, nachdem er Gift genommen hatte.

Duisburg, 1. Juni. Auf der Strecke Düsseldors- Cleve rannte bei Rheinberg ein mit fünf Personen besetztes Automobil mit voller Wucht gegen einen Baum. Der Führer des Wagens, zwei Kinder und eine Dame wurden schwer und der andere Insasse leicht verletzt.

Mailand, 1. Juni. Gestern stürzte ein Wagen der Provinzbahn Lodi-Treviglio bei Monastero von dem Bahndamm in das bedeutend tiefer gelegene Gelände herab. Der Heizer des ZugeS wurde getötet. 25 Personen wurden verletzt, unter ihnen 8 schwer.

Innsbruck, 1. Juni. Gestern stürzte die 21jährige Tochter des Magistratsrates Widmann in Hall beim Blumen­suchen aus der hohen Wand etwa hundert Meter tief ab und war sofort tot. Ihre Leiche wurde geborgen. Die zwei Be­gleiterinnen der Verunglückten hatten sich verstiegen und mußten dnrch eine RettungSexpedition herabgeholt werden.