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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage“
Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 65. Donnerstag den 4. Juni 1908.
Amtlicher teil
Hersfeld, den 1. Juni 1908.
Diejenigen Herren Bürgermeister des KreiseS, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 1. April d. Js., A. 1778, Kreisblatt Nr. 41, betreffend die Ausstellung der Gemeinderechnungen, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 8. Juni d. Js. unter Androhung einer Geldstrafe von 5 Mk. erinnert.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses:
J. A. 3037. von Grunelius.
Berlin W. 9, den 30. April 1908.
In letzter Zeit sind verschiedentlich Anträge auf Gewährung von Beihülfen für Errichtung von Gemeindestierställen, die schon in der Ausführung begriffen oder bereits fertiggestellt waren, vorgelegt worden. Die technische Nachprüfung der den Anträgen beigegebenen Kostenanschläge und Projektstücke ergab wiederholt, daß die Bauten bei sparsamer und zweckmäßiger Ausführung nicht unerheblich billiger hätten hergestellt werden können.
Dies veranlaßt mich, die Anordnung in Erinnerung zu bringen, daß derartige Anträge vor Inangriffnahme der Bauten mit den erforderlichen Unterlagen und den Prüfungsbemerkungen des technischen Referenten der Regierung einzureichen sind.
Für bereits fertige oder begonnene Bauten werden künftig Beihülfen grundsätzlich nicht mehr bewilligt werden. Etwaige Anträge aus Unterstützung solcher Bauten wollen Euer Hochgeboren nicht mehr vorlegen, da sie keine AuSsicht auf Berücksichtigung haben. (GeschäftS-Nr. L A. III a. 3227.)
Ministerium für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.
I. A.: gez. Richter.
An den Herrn Regierungspräsidenten zu Caffel.
* *
Hersfeld, den* 29. Mai 1908.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntnis der Herren Orts- vorstände des Kreises.
J. A. 3021. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 30. Mai 1908.
Die Militär-Intendantur des XI. Armeekorps hat darauf hingewiesen, daß die unmittelbaren Einlieferungen der Produzenten an die Proviantämter sowohl nach Menge wie nach Beschaffenheit noch sehr zu wünschen übrig lassen, obgleich die Proviantämter überall bestrebt seien, möglichst unmittelbar mit den Produzenten landwirtschaftlicher Verbrauchsgegenstände in Verkehr zu treten.
Sie glaubt die Ursache u. A. in folgenden Umständen suchen zu müssen.
1. Die Produzenten sind, abgesehen davon, daß sie ihre Ländereien vielfach noch nicht rationell bewirtschaften, kein reines
Olir waren unser vier.
Von A. von Liliencron.
(Fortsetzung.)
„Eckard, Sie sind verwundet?"
„Hat nichts zu sagen", antwortete der, „aber ich wäre tot, wenn der Herr Vize-Feldwebel nicht gewesen wäre, und das wird Ihnen das Mädel, die Anni, bis an ihr Lebensende danken und ich auch."
„Das ist Kameradschaftspflicht, nichts Besonderes", erklärte Stetten.
„Es hätte aber das Leben kosten können, diese Minute Versäumnis bei solchem blutigen Hetzritt."
„Ach was", wehrte der andere, „heute dir, morgen mir. Nun lassen Sie sich mal den Notverband anlegen, ich verstehe mich darauf."
Der Schuß hatte nicht den Knochen verletzt, das Bluten ließ nach, als Stetten einen Verband angelegt hatte, und dann ging es weiter.
Sie fand sich bald zusammen, die kleine Patrouille, noch vor dem verabredeten Ziel, und als der Himmel sich mit seinen funkelnden Lichtern schmückte und am Bergeshang der Mond aufging, da ritt die Patrouille in das Lager ein.
Todtmüde waren Reiter und Pferde, Dornenrisse und Wunden brachten sie mit, aber die Züge der Leute strahlten, sie hatten ihren Auftrag durchsühren können und in ihren zerfetzten, blutigen Röcken, mit ihren geschwollenen heißen Augen wurden sie umdrängt und beneidet von den anderen, die noch nicht so glücklich gewesen waren, einen Patrouillenritt mitzu- erleben.
Stetten hatte seine Meldung gemacht. Eckard stand neben ihm.
Da drängte sich Wolf zu ihnen durch.
„Alter Junge, da bist du ja! Gott sei Dank! Nicht gerade salonfähig, aber richtig kriegSmäßig heimgekehrt. Komm aus Lagerfeuer. Ich habe uns waS zusammengebraut, und eine Ueberraschung habe ich auch für dich. Eckard, Sie müssen mitkommen!"
Saatgut verwenden, Unkraut aus den Aeckern nicht beseitigen, in der Bereitung ihrer Produkte für den Verkauf auch nicht sorgsam genug; insbesondere besitzen viele keine zeitgemäßen Reinigungsmaschinen, um das Getreide magazinfähig zu machen.
2. Die Produzenten machen sich von dem Einflüsse der Händler und Makler, unter welchen sie vielfach stehen, oft noch nicht frei; sie lassen sich von diesen einreden, daß sie seitens der Proviantämter unfreundlich ja chikanös behandelt würden, daß die Abwicklung von unmittelbaren Geschäften mit denselben sehr zeitraubend sei, überhaupt sich für sie nicht eigne.
3. Selbst die landwirtschaftlichen Genossenschaften machen die Geschäfte mit den Proviantämtern vielfach nicht unmittelbar sondern durch Makler.
4. Die Bürgermeistereien zeigen nicht immer das notwendige Interesse, um in ihren Ortschaften dem Verkehr der Produzenten mit den Proviantämtern Eingang zu verschaffen, indem sie Bekanntmachungen der Proviantämter ohne Interesse behandeln, erbetene Auskünfte unvollständig oder überhaupt nicht erteilen.
Um diesen Uebelständen entgegen zu wirken und den unmittelbaren Verkehr zwischen dem Produzenten und dem größten Consumenten, dem MilitärfiskuS zu fördern, werden die Herren Ortsvorstände veranlaßt, dahin zu wirken,
1. daß die Produzenten sich bemühen, bei Verkäufen an die Proviantämter nur reelle und gut gereinigte Ware zu liefern, und daß sie sich hieM nötigenfalls eventuell ortschaftsweise, die anderwärts üblichen Putzmühlen — Preis cirka 150 Mk. — anschaffen,
2. daß sich die Produzenten persönlich, nötigenfalls durch den Bürgermeister oder einen Vertrauensmann aus ihrer Mitte wegen Einlieferung ihres Naturals unter Bei- feiteschiebung der Händler «ub Makler, Ln die Proviantämter wenden,
3. daß die an sie gerichteten Aufforderungen der Proviantämter wegen der unmittelbaren Einlieferung von Naturalien ordnungsmäßig bekannt gemacht und erbetene Auskünfte bald und eingehend erteilt, ferner, daß die die Ortschaften bereisenden Proviantamts-Beamten mit Rat und Tat in ihren Absichten, den Verkehr mit den Produzenten zu beleben, in bereitwilligster Weise unterstützt werden,
4. daß die Landwirte bei jeder sich bietenden Gelegenheit dahin belehrt werden, daß sie bei den Proviantämtern für gute Ware jederzeit die höchsten Tagespreise erhalten und immer schnelle und entgegenkommende Abfertigung finden. Der Verdienst, welcher bei Umgehung des Händlers in die eigene Tasche des Produzenten fließt, ist nicht klein und macht eventuell mit der direkten Zufuhr verbundene Arbeit reichlich bezahlt.
Die näheren Bestimmungen für Lieferung landwirtschaftlicher Erzeugnisse an Proviantämter sind im Kreisblatt Nr. 38 de 1900 bereits bekannt gegeben worden.
I. 5664. Der Königliche Landrat.
J. V.: T h a m e r.
Und da trat auch schon von seitwärts eine hohe, schlanke Gestalt heran und streckte Stetten die Hand hin.
Der jubelte auf.
„Reckling, du — du — alter Freund, das ist einfach himmlisch!" und er umarmte ihn stürmisch.
Auch in Eckards Augen leuchtete es hell auf, kannte doch auch er Reckling gut von der Heimat her, und voller Wärme schüttelten diese beiden sich die Hand, als Stetten eine Pause machte in seiner BegrüßungSfreude.
„Verwundet?" forschte Reckling, als er den zerrissenen, blutigen Rock des Unteroffiziers bemerkte und sah, daß erden einen Arm schonte.
„Nicht der Rede wert, eine Fleischwunde", wehrte Eckard, „aber daß ich überhaupt noch hier bin, danke ich nur meinem Vize-Feldwebel, der den Kameraden aus der Knabenzeit nicht stecken ließ."
„Den Kriegskameraden", betonte Stetten und legte ihm die Hand auf die Schulter, der mir als solcher noch viel mehr wert ist als jener."
„Das mußt du erzählen, Siegfried, überhaupt den ganzen Patrouillenritt", drängte Wolf, „aber zuerst kommt, es muß für die Gemütlichkeit gesorgt werden. Hier am Dornbusch haben wir den Platz erwählt. Leckere Kost ist klar gemacht, afrikanisches Gebräu zur Stelle und der Mond leuchtet uns dazu. Was wollt ihr mehr, um glücklich zu sein."
„Mein Mädel möchte ich hier haben, mein herziges Mädel," dachte Eckard, und Stetten, mochte wohl etwas Aehnliches durch den Sinn gehen, aber sie sagten es beide nicht.
„Wer hätte das voraussehen können, daß wir vier aus derselben Heimatgegend einmal auf afrikanischem Boden in der Cordjacke zusammensitzen würden am Vorabend von ernsten Kampfestagen!"
„Es ist einfach köstlich", erklärte Stetten. „Wir vier zusammen — das Glückskleeblatt, nannte uns mein seliger Vater — das ist doch was Großes. Wir werden auch zusammen losgehen, wenn wir die Schwarzen um den Mater- berg einkreisen. Heute ist der 7. August, unsere Abteilung Deimling ist bei Okateitei ausgeschlossen, wir warten ungeduldig. Hurra! Es muß bald losgehen!"
Hersfeld, den 30. Mai 1908.
Die Herren Ortsvorstände der Gemeinden, die an der Eisenbahn liegen, wollen in geeignet erscheinender Weise darauf hinwirken, daß die Lagerung von Heu und Aufstellung von Getreidegarben in der Nähe des Bahnkörpers möglichst eingeschränkt und nicht länger ausgedehnt wird, als zum Trocknen unbedingt nötig ist, damit der Gefahr einer Entzündung durch Funkenauswurs der Lokomotiven oder Fahrlässigkeit der Reisenden vorgebeugt wird.
I. 5610. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Berlin W. 66, den 30. April 1908.
In der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts, IV. Senats, vom 3. Juni 1907 — abgedruckt in Nr. 27 des Preußischen Verwaltungsblatts von 1908, Seite 538 — wird eingehend erörtert, daß der bei staatlichen Eisenbahnbauten angenommene Untemehmer von dem Wegeunterhaltungspflichtigen nicht nach Maßgabe des Gesetzes vom 18. August 1902 (Gesetzsamml. S. 315) zu Vorausleistungen beim Wegebau herangezogen werden kann.
Indem ich auf die Entschcidnng verweise, bemerke ich, daß sie bei den übrigen Bauten des Reflorts, namentlich bei den Bauten zur Ausführung des Wasserstraßengesetzes vom 1. April 1905, sinngemäß Anwendung finden dürste. (III. 1109.) Der Minister der öffentlichen Arbeiten. I. V.: (Unterschrist.) An die sämtlichen Herren Regierungs-Präsidenten pp.
* *
Caffel, den 14. Mai 1908.
Abschrift übersende ich zur gefälligen Nachachtung und weiteren Mitteilung an die Bürgermeister in dm Landgemeinden Ihres Kreises. (A. II. 3971.)
Der Regierungspräfromr. J. V.: gez. Schenk.
An die Herren Landräte des Bezirks.
*
Hersfeld, dm 27. Mai 1908.
Den Bürgermeistern der Landgemeinden des hiesigen Kreises zur Beachtung.
I. 5476. Der Königliche Landrat
. von Grunelius.
Hersseld, den 30. Mai 1908.
Ich weise die Ortsarmenverbände daraus hin, daß das Honorar für die bei der Ueberführung von Fürsorgezöglingen von den Polizeibehörden beizubringenden ärztlichen Zeugnisse über das Fehlen ansteckender Krankheiten von den Kommunalverbänden und nicht von den Ortsarmenverbänden zu tragen ist. Dagegen fallen die Kosten der Ueberführung und der reglementmäßigen ersten Ausstattung eines vorläufig zur Fürsorgeerziehung überwiesenen Minderjährigen im Falle endgültiger Ueberweisung dem Ortsarmenverband des Unterstützungswohnsitzes zur Last.
Die Verpflichtung zur Tragung der Kosten der Fürsorgeerziehung für den Kommunalverband beginnt nicht mit der
Er warf seinen Hut, der bei dem Ritte die Hälfte der Krempe verloren hatte, in die Luft. Alle Müdigkeit war vergessen, er war voll sprudelnder Lebendigkeit.
Reckling sah mit dem ihm eigenen tiefen Blick aus die drei Kameraden, die mit iljm um das Feuer faßen.
„Ihr seid noch ganz dieselben geblieben wie früher. Siegfried bringt Sonne und sieht nur Sonne, dem lacht Glück und Leben, wo er hinkommt. Unser grimmiger Wolf wirft heute noch mit ähnlichen Schlagwörtern um sich wie damals, nur daß sie jetzt eine afrikanische Färbung erhalten haben. Da schwärmt er hier von „weltenerschließender Einsamkeit" und „dornendurchwucherter Melancholie", aber dabei bleibt er doch das geborene Schlachtroß, das sofort die Ohren spitzt und vorwärtSdrängt, sowie er ein Kriegssignal schmettern hört. Und unser HanS, der achtet keine Munde, wie er es schon als Knabe nicht tat, und geht ruhig immer feste darauf, ganz rücksichtslos gegen sich selbst. Ich bin überzeugt, so macht er eS genau wie damals."
Stetten schlug ihm lachend aus das Knie. „Wenn du mit der Kritik über uns fertig bist, dann rücke heraus damit, bei welcher Abteilung du bist? Wie du hierherkommst und was du von uns willst?"
„Viel Fragen auf einmal. Aber du sollst alles wissen." Und Reckling erzählte vvn seinen Gefechten bei der Abteilung Estorff, von dem schweren Pad nach der Wasserstelle Karupuka und seiner Erkrankung. Es war ein leichter Typhusansall gewesen, den seine gesunde Natur aber bald genug überwunden hatte. Man hatte ihn damals rückwärts transportiert in ein Feldlazarett. Jetzt nach seiner eben erfolgten Genesung die Abteilung Estorst wieder aufzusuchen, wäre zu schwierig gewesen, so hatte er sich denn bei der Abteilung Müller gemeldet und war dort eingestellt worden. Heute war er hier eingetroffen mit verschiedenen Meldungen. Er sollte Verbindung mit Abteilung Deimling suchen, außerdem aber Befehl bringen, einen Offizier — guten Kavalleristen — hinüberzufordern, der Ordonnanzdienste tun sollte. Wolf von Eschen war dazu bestimmt worden.
„Kerl, da verläßt du unS ja", schall Stellen, „aber wenig-