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herchlder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 61.
Dienstag den 26. Mai
1608.
Amtlicher Teil.
Hersfeld, den 21. Mai 1908.
Nach Verfügung vom 8. Januar 1898 (Kreisblatt Nr. 7) ist mir alljährlich bis zum 15. April eine Abschrift des über die Anmeldung von Gewerbebetrieben zum Handel mit Drogen und chemischen Präparaten zu führenden Verzeichnisses einzu- reichen. Diejenigen Ortspolizeibehörden, die dies trotz meiner Erinnerung vom 27. v. Mts. I. 4083 — Kreisblatt Nr. 51 — bisher nicht getan haben, haben dies nunmehr binnen 5 Tagen zu tun, widrigenfalls ich mich gezwungen sehen würde, mit Zwangsstrafen vorzugehen.
Fehlanzeige muß, wo erforderlich, wie dies in der er-" wähnten Erinnerung ausdrücklich gesagt ist, ebenfalls erstattet werden.
I. 4083. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
In Kleba im Kreise Hersfeld ist eine Telegraphen anstatt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.
Casfel, 20. Mai 1908.
Kaiserliche Ober-Postdirektion. Hoffma nn.
Nichtamtlicher Teil.
Am In- und Busland.
Berlin, den 23. Mai 1908.
Die Entwürfe betreffend die Gehaltsreform der Reichsbeamten, der preußischen Beamten sowie betreffend die Neuregelung des Wohnungsgeldzuschusses und der Service und die Beseitigung des Steuerprivilegs sind vom Reichsfchatzamt und dem Finanzministerium soweit sertiggestellt, daß einschneidende Aenderungen kaum noch Platz greisen werden. Für Reichszwecke verlangen die Entwürfe über 7672 Millionen, für die preußischen Beamten etwa 130 Millionen. Die Entwürfe werden nicht veröffentlicht werden, dem Bundesrate gehen sie erst im Herbst zu, wenn die Entwürfe betreffend die Finanz- und Steuerreform fertiggestellt sind.
Die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes, die sich im Verhältnis zum Vorjahre schon in den letzten Monaten sehr stark verschlechtert hatte, hat sich im April wenig einheitlich gestaltet. Einmal ist in gewissem Umfange eine Besserung eingetreten, die normalerweise in jedem Frühjahr eintritt und in erster Linie mit der vollen Wiederaufnahme der Bautätigkeit zusammenhängt, außerdem hat sich im Kohlenbergbau, mit Ausnahme von Schlesien, bereits wieder eine gewisse Erholung vollzogen, und auch die elektrische Industrie ist bisher nur wenig von der Verschlechterung berührt. Dagegen zeigt sich eine ungünstigere Gestaltung der Lage in Teilen der Textilindustrie, im Buchdruckgewerbe und in der Papierindustrie. In der Industrie der Bekleidung und Reinigung (Konfektion) und in den Nahrungsmittelgewerben hat sich zum Teil im Zusammenhang mit Saisonverhältnissen eine erhebliche Verschlechterung im Arbeitsmarkt für die weiblichen Arbeitskräfte vollzogen. Auch in der chemischen Industrie macht sich ein gewisses Nachlassen bemerkbar. In der Metallindustrie liegen die Verhältnisse günstiger in Süddeutschland als in Norddeutschland. In der Maschinenindustrie macht sich ein gewisser Rückgang auch bemerkbar. Alles zusammengenommen hat sich zwar in gewissen Teilen des Arbeitsmarkts im April eine normale Besserung vollzogen, zumal in Süddeutschland, anderseits ist für eine Reihe obengenannter Gewerbe eine gewisse Verschlechterung eingetreten. Das Gesamtniveau liegt nicht unerheblich tiefer als in dem sehr günstigen Vorjahr. Bei den an das Kaiserliche Statistische Amt berichtenden Krankenkassen- zeigte sich im April 1908 eine Zunahme der Beschäftigungsr ziffer um 91112 Personen gegenüber einer Zunahme in dee gleichen Zeit des Vorjahres um 148 806 Personen. Di- Berichte der Arbeitsnachweise, ebenso die zahlenmäßigen Er gebnisse dieser Stellen zeigen mehrfach eine Verschlechterung, zum Teil erheblicher Natur; am günstigsten lauten die Berichte aus Bayern. Die Verkehrseinnahmen aus dem Güterverkehr der deutschen Eisenbahnen waren im April um 3 427 728 Mk. niedriger als im gleichen Monat des Vorjahres; es bedeutet dies gegen das Vorjahr eine Mindereinnahme von 98 Mk. oder 3,77 pCt. auf 1 Kilometer.
Zur Jahrhundertfeier der Stadt Barmen trafen der Kronprinz und die Kronprinzessin vormittags dort ein und wurden vom Oberbürgermeister Voigt und anderen hervorragenden Persönlichkeiten der Stadt empfangen. Auf dem Rathausplatz begrüßte der Oberbürgermeister die hohen Herrschaften durch eine Ansprache, in der er besonders die Besitzergreifung des belgischen Landes durch den König von Preußen im Jahre 1850 erwähnte. Der Kronprinz tat drei Hammerschläge zur Grundsteinlegung des neuen Rathauses. Hierauf begaben sich die Herrschaften zur Einweihung der Ausstellung für altbcrgische Jnnenkunst und modernes Kunstgewerbe. Später nahmen die hohen Herrschaften
an einem Frühstück in der Konkordia teil. Auf eine Ansprache des Oberbürgermeisters erwiderte der Kronprinz, er danke im Namen seiner Frau und in seinem eigenen Namen für den freundlichen Empfang. Der Festzug, der auf überaus künstlerischer Grundlage und sorgsam vorbereitet gewesen sei, habe ihn und seine Gemahlin tief erfreut und dankbar gestimmt. Besonders habe er sich gefreut, ehemalige Angehörige seiner alten Kompagnie und alten Schwadron begrüßen zu können. Er bedauere herzlich, daß die Zeit ihm nicht vergönne, länger hier zu bleiben, um die großen industriellen Unternehmungen eingehend zu besichtigen, die die Größe und Macht der Industrie ausmachten. Er glaube aber, daß dies ein anderes Mal geschehen könne. Der Kronprinz schloß: Alle meine Wünsche, die ich für die Stadt Barmen und besonders für das neue Rathaus an diesem Tage habe, fasse ich in den Ruf zusammen: Die Stadt Barmen und ihr verehrter Herr Oberbürgermeister hurra!" Um 2V* Uhr begaben sich die kronprinzlichen Herrschaften im Automobil unter begeisterten Kundgebungen des Publikums über Barmen und Mettmann nach Düsseldorf. Um 6 Uhr fuhren Ihre Kaiserlichen Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin unter dem Jubel der Menge nach dem Ständehaus. Hier fand die Ueberreichung des Hochzeitsgeschenkes im Foyer des Ständehauses statt, wobei Exzellenz Freiherr v. Landsberg eine Ansprache hielt. Das ganze Land, so führte er aus, habe aus vollem Herzen Anteil an dem für das Herrscherhaus und das Land so bedeutungsvollen Ereignis der Vermählung des Kronprinzen genommen. Um diesen Gefühlen Ausdruck zu geben, hatten die Provinzen Rheinland und Westfalen beschlossen, ein gemeinschaftliches Geschenk darf zubringen. Im weiteren Verlause schilderte der Redner die Entstehungsgeschichte des Werkes.
In Wolgast in Pommern kam es in den letzten Tagen mehrfach zu ernsten Zusammenstößen zwischen Streikenden und Arbeitswilligen, so daß auf Ersuchen der Stadtverwaltung zwei Kompagnien Infanterie aus Greifswald nach Wolgast kommandiert wurden. Da die Menge bei der Ankunft des Militärs eine drohende Haltung annahm, mußte sie auseinandergetrieben werden. Einige Personen wurden leicht verletzt.
Nach den neuesten Berichten betrug die Baumwollernte in Togo und Deutsch-Ostafrika im Jahre 1907 ca. 3000 Ballen gegen 1435 Ballen im Jahre 1906, so daß sich also die Produktion mehr als verdoppelt hat.
Für den Plantagenbau in Togo war das Jahr 1907 im wesentlichen günstig, wenn auch die Trockenzeit in Mitteltogo recht heftig austrat. Die Plantage Kpeme hat durch die tröcknen Jahre einen erheblichen Ausfall durch Eingehen von Palmen in den jüngsten Beständen erlitten, zeigt aber eine bedeutende Vermehrung der Kapra-Ernte, mit der auch die Olympiosche Kokosnußplantage rechnet. Der Sisalan- bau wurde weiter ausgedehnt. Die Agupflanzung kann auf erhebliche Zunahme der Kakao-Ernte und abermals günstige Ergebnisfe von Manihotanzapfungen verweisen, befindet sich aber noch im Baustadium. Neu ist die Anlegung einer Ver- suchspflanzung der Deutschen Togogesellschaft in der Landschaft Gadja an der Eisenbahn Lome—Palime, bisher werden Sisalagaven und Manihot angebaut. Das Jahr 1908 läßt eine weitere erfreuliche Entwickelung der Kolonie erwarten. Wohl wird der Handel geschädigt durch den starken Preisrückgang bei fast allen afrikanischen Produkten, aber eine weitere Einschränkung der Produktion ist wohl nur bei Kautschuk zu erwarten. Im übrigen wird die Ausfuhr voraussichtlich weiter zunehmen.
Die fortdauernden Wirren im russisch-persischen Grenzgebiet geben Rußland einen anscheinend nicht unwillkommenen Vorwand zu einem energischen Auftreten gegenüber Persien. Der russische Oberbefehlshaber im Grenzgebiet gegen Persien, General Snarski hat ein Ultimatum an den Führer der räuberischen Nomadenstämme gestellt und in ihm die Zahlung einer bestimmten Entschädigung verlangt, widrigensalles General Snarski mit seinen Truppen über die persische Grenze zu rücken droht. Der persische Geschäftsträger in Petersburg überreichte dem Minister v. Jswolski ein Gefuch seiner Regierung, in welchem sie um eine Hinausschiebung der im Ultimatum Snarskis gestellten Zahlungsfrist bittet und versichert, sie werde mit aller Enfchiedenheit für die Wiederherstellung der Ruhe im persisch-russischen Grenzgebiete eintreten. Jswolski las dem persischen Geschäftsträger einigermaßen die Leviten wegen der bisherigen schwächlichen Haltung der persischen Regierung gegenüber den unruhigen Nomadenstämmen an der russischen Grenze, doch erklärte er zuletzt, er werde in Anbetracht des Gesuches und der Versicherungen der persischen Regierung das Gesuch an den Statthalter des Kaukasus weitergeben.
Bus Provinz u. naebbargebiet
* (Garde-Appell.) Zu dem am Himmelsahrtstage, 28. Mai d. Js. in Mühlhausen i. Th. stattfindenden Garde- Appell sind zahlreiche Anmeldungen aus allen Teilen des Deutschen Reiches eingegangen, wie: Königreich Sachsen, Kurhesscu, Wcstpreußen^ Pommern, Schlesien, Brandenburg, Anhalt, Prov. Sachsen, Thüringen, Hannover, Westfalen,
Hessen-Nassau, Rheinprovinz, Elsaß-Lothringen etc. Es verspricht demnach die Beteiligung eine recht große zu werden und wird dadurch manchen Kameraden Gelegenheit gegeben, einen lieben Freund und Compagnie-Kollegen anzutreffen. Anmeldungen sind zu richten an den Vorsitzenden des Verein- ehemal. Gardisten, Kamerad Chr. Eberlein, Mühlhausen i. Th.
* In H a f e l st e i n, Kreis Hünfeld ist eine Telegraphenanstalt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.
* Versetzt der Telegraphenassistent Otto von Düsseldorf nach H ers feld.
* Auf die dem Reichstag vorgelegte Denkschrift über daS Ergebnis des Rekrutierungsgeschästes im Jahre 1906 weist die Voss. Ztg. hin, indem sie schreibt: „Wir erhalten durch diese Denkschrift interessante Ausschlüsse über die jährlich zur Verfügung stehenden Rekruten, über den den Bedarf übersteigenden Ueberschuß, über die Zahl der Unbrauchbaren und auch über die pronzentuale Beteiligung von Stadt und Land an der Zahl der Felddiensttauglichen. Ausschließlich der in der Restantenliste Stehenden und der Unauffindbaren waren 1905 1105816 Mann gestellungspflichtig, 1906 aber 1145 386, also rund 40 000 Mann mehr. Aus der Zahl 1145 386 für 1906 wurden 421079 für dienstbrauchbar erachtet; zu dieser Zahl kommen 31189 vor dem 20. Lebensjahre freiwillig Eingetretene hinzu. Von den 421079 Dienstbrauchbaren wurden 219 995 eingestellt (211093 in das Heer, 8902 in die Flotte). Es konnte demnach fast die Hälfte aller Dienstbrauchbaren zur Ersatzreserve und zum Landsturm zurückgestellt werden. Bon den 207 935 Rekruten für das Heer wurden 192954 auf 2 Jahre den Fußtruppen, 12 767 auf 3 Jahre bc berittenen Truppen und 2214 auf 1 Jahr dem Train zugen-lu. — Aus den statistisch feftgelegten Zahlen über die Leistungen von Land und Stadt und die durch gegenseitigen Umzug bewirkten Veränderungen ist aber zu entnehmen, daß die Wehrhaftigkeit des Reiches durch die Abwanderung vom Lande nach der Stadt stark vermindert wird. Von etwa 200 000 auf dem Lande Geborenen und dort Beschäftigten sind 60,18 v. H. als felddienstfähig anerkannt worden, dagegen von den in der Stadt Geborenen und dort Beschäftigten nur 50.49 v. H.; diese letztere ungünstige Zahl steigt aus 58,63, sobald der in der Stadt Geborme aus dem Lande beschäftigt wird. Umgekehrt sinkt die Zahl 60,18 der auf dem Lande Geborenen und dort Beschäftigten auf 58,28, sobald sie vom Lande in die^Stadt wandern."
*(FürdieJnvalidenausDeutsch-Südwest- a fr i k a.) Die vom Alldeutschen Verbände eingeleitete Sammlung von Liebesgaben für die Kämpfer in Deutsch-Südwest- afrifa hat das stattliche Ergebnis von 160,000 Mk. gehabt. Dieser Betrag ist durch Bewilligung von Unterstützungen an kranke und notleidende Kämpfer und ihre Angehörigen bis aus einen kleinen Rest aufgebraucht. Da indessen die Not noch immer groß und in vielen Fällen demnächst eine Herabsetzrmg der Rentenbezüge für die Teilnehmer am südwestasrikanischm Feldzuge zu erwarten ist, so wird um weitere Gaben gebeten. Gütige Spenden wolle man an die VermögenS-Berwaltung des Alldeutschen Verbandes, Berlin W 35, Steglitzer Stoße 77, gelangen lassen.
* (Neue Regeln für den Radfahrverkehr.) Zur einheitlichen Neuregelung des RadfahrverkehrS hat daS Reichsamt des Innern Grundzüge aufgestellt, die laut Beschluß des Bundesrats im gesamten Gebiet des Deutschen Reiche vom 1. August 1908 an gleichmäßig Anwendung finden sollen. Die bisher geltenden Polizeiverordnungen sind allenthalben genau dem Wortlaut dieser Grundzüge anzupassen. Dabei ist zu beachten, daß die Bemessung der Gebühren für die Ausstellung der Radfahrkarten den einzelnen Bundesregierungen überlassen bleibt, jedoch soll eine Ausstellung der Karten mit zeitlich beschränkter Gültigkeit nicht mehr zulässig sein. Die landesrechtlichen Bestimmungen, durch die zu steuerlichen Zwecken die Mitführung von Quittungen über Fahrradsteuern oder die Führung von Nummerschildern an den Fahrrädern angeordnet werden, bleiben in Geltung.
h. Hersfeld, 23. Mai. Vorigen Donnerstag fand dahin im Saale des Herrn Gastwirts Kniese die amtliche Frühjahr s k o n f e r e n z der Lehrer der KreisschulinspektionSbezirke Hersfeld I und II statt. Zu derselben hatten sich außer den Lokalschulinspektoren und Lehrern dn Bezirke auch Herr Landrat von Grunelius sowie HnrKreisphysikus Or. EberS eingefunden. Die Tagesordnung war eine sehr reichhaltig«. Zuerst folgte ein Orgelvortrag des Herrn Lehrers R ö d e r von Mecklar. Hieran schloß sich eine Lehrprobe an übn die Behandlung des kulturhistorischen Bildes: „Germanische Gehöfte", gehalten von Herrn Lehrer Most zu GerSdorf. Nachdem sodann dn Vorsitzende, Hen Kreisschulinspektor G o n n er m a n n, eine kurze Ansprache im Anschluß an ZohS. 14,6 gehalten hatte, wurde Herr Kreisphysikus gebeten, einen Vortrag über Schulgesundheitspflege zu halten, derselbewieSnach» daß in diesem Stücke noch viel geschehen müsse. Es erhielten nun Herr Lehrer Baumgardt zu Solms und Herr Lehrer S ch w e i z e r zu F r i e l i n g e n daS Wort zu dem Referat und Korreferat über das Thema: „Die erziehliche und unter- richtliche Bedeutung der Wiederholung, und wie gestattet sie