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Herchlder Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Kernsprech-^nschlutz Nr. 8
Nr. 59.
Donnerstag den 21. Mai
1908,
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 18. Mai 1908. Jie Nemchlen W füllst her Abzesriiileteil Mr.
Die Herren Bürgermeister der in meiner Verfügung vom 23. April d. I. — Kreisblatt Nr. 48 — näher bezeichneten Urwahlorte ersuche ich, die Ihnen in den nächsten Tagen zugehende Abteilungsliste gemäß den einschlägigen Bestimmungen der §§ 4 und 6—9 des Reglements über die Ausführung der Wahlen zum Hause der Abgeordneten vom
20. Olt°b„ IMS °m 26. 26. und 27. d. Mt8. mSSrem
Geschäftszimmer öffentlich auszulegen.
Vor der Auslegung der Liste ist auf ortsübliche Weise in der Gemeinde bekannt machen zu lassen, daß die Urwählerliste — wie angeordnet — öffentlich ausliegt und daß Einwendungen gegen ihre Richtigkeit und Vollständigkeit innerhalb dreier Tage, nachdem die Auslegung begonnen hat und die Bekanntmachung darüber erlassen ist, bei Ihnen schriftlich angebracht oder zu Protokoll gegeben werden können.
Die Listen sind mir a m 29. M a i c r. u n t e r A n s ch l u ß d e r etwa erhobenen Einsprüche sowie der Anzeige, daß die Liste nach vorgängiger Bekanntmachung am 25., 26., 27. Mai er. in Ihrem Geschäftszimmer öffentlich ausgelegen hat, und nur die überreichten bezw. keine Einsprüche gegen die Richtig- und Vollständigkeit der Liste erhoben worden sind, bestimmt — soweit etwa erforderlich — durch einen Extra-Boten wieder zuzusenden.
Die Listen, die am 29. — bis spätestens 6 Uhr abends — hier nicht eingegangen sein sollten, werde ich durch einen Warteboten sofort abholen lassen.
Die Herren Bürgermeister der übrigen Orte des Kreises bezw. die Herren Gutsbezirksvorsteher ersuche ich, in gleicher Weise s o s o r t in Ihrem Gemeinde- bezw. Gutsbezirk öffentlich bekannt zu machen, daß die Abteilungsliste in dem Ke- schäftszimmer des Bürgermeisters des zuständigen U r w a h l o r t e s während der bezeichneten drei Tage öffentlich ausliegt und etwaige Einsprüche gegen ihre Richtig- und Vollständigkeit bei diesem schriftlich oder zu Protokoll anzubringen sind.
Spätestens bis zum 25. Mai er. ist mir bei Mcidung der Zusendung eines Warteboten a n z u z e i g e n, daß die entsprechende Bekanntmachung erfolgt ist.
I. 5239. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 9. Mai 1908.
Die diesjährigen Impf- und Nachschautermine für den Kreis Hersfeld sind wie folgt anderweit anberaumt:
1. Station Oberaeis.
Impfung: Freitag, den 12. Juni 1908, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau: Freitag, den 19. Juni 1908, Nachmittags 4 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Ernst.
2. Station Schenklengsfeld.
Wir waren unser vier.
Von A. von Liliencron.
(Fortsetzung.)
Langsam schlenderte er dann dem Bahnhöfe zu, seine Gedanken waren bei Wolf. Wie er ihn mit seinem Entschluß überrascht hatte und nun war er gar schon einberufen! Wann würde auch er so weit sein?
Der Zug, von Potsdam kommend, brauste herein und hielt. Zerstreut glitt Stettens Blick an den Wagen entlang. Jetzt aber blieb er an dem Abteil vor ihm haften. Dicht am Fenster saß ein Paar, das hatte offenbar alles um sich herum vergessen und wußte wenig davon, ob der Zug hielt oder ob er fuhr.
Das war Hans Eckards scharf gezeichnetes Profil, das sich zu dem Mädchen niederbeugte, das ihm zur Seite saß. Er sprach mit ihr und über ihr Gesicht zog ein rosiger Schimmer, der sich mehr und mehr vertiefte. Stetten kannte dieses Gesicht, „herzig" hatte er es vor einem Jahre genannt, und so meinte er es auch heute zu finden. Die braunen Augen strahlten, aber die Lippen zuckten. Das war Glück und Schmerz zugleich. Was mochte der Eckard ihr sagen? Es war das alles nur wie ein Gedankenblitz, der ihm durch den Sinn fuhr!
Ein Mädchrn mit einem Korbe voll Rosen trat an ihn heran, sie bot ihm einen Strauß zum Verkauf.
„Abfahren", scholl es auf dem Bahnsteig.
Stetten griff nach den Blumen und reichte sie in das offene Fenster des Abteils.
„Eckard! Rosen! 's ist heute Sonntag", und er machte ein Zeichen nach dem jungen Mädchen hin.
Erglühend sprang der junge Unteroffizier auf — er stand stramm — grüßte dienstlich — er war ganz verwirrt.
Impfung: Samstag, den 13. Juni 1908, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau: Samstag, den 20. Juni 1908, Nachmittags 4 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Steinhauer.
3. Station Ransbach.
Impfung: Montag, den 15. Juni 1908, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau: Montag, den 22. Juni 1908, Nachmittags 4 Uhr. Jmpflokal: Schule.
4. Station Philippsthal. Impfung: Montag, den 15. Juni 1908, Nachmittags 1 Uhr, Nachschau: Montag, den 22. Juni 1908, Nachmittags 1 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Zinn.
5. Station Asbach.
Impfung: Mittwoch, den 17. Juni 1908, Nachmittags 2Va Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 24. Juni 1908, Nachmittags 2V2 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Fink.
6. Station Unterhau n.
Impfung: Donnerstag, den 18. Juni 1908, Nachmittags 4 Uhr, Nachschau: Donnerstag, den 26. Juni 1908, Nachmittags 4 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Großkurth.
7. Station Niederaula.
Impfung: Dienstag, den 23. Juni 1908, Nachmittags 2V2 Uhr, Nachschau: Dienstag, den 30. Juni 1908, Nachmittags 2V2 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Stein.
8. Station Frielingen. Impfung: Mittwoch, den 1. Juli 1908, Nachmittags 3 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 8. Juli 1908, Nachmittags 3 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Schmidt.
9. Station Kirchheim.
Impfung: Mittwoch, den 1. Juli 1908, Nachmittags 4V2 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 8. Juli 1908, Nachmittags 4^2 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Eydt.
10. Station Friedewald. Impfung: Freitag, den 3. Juli 1908, Nachmittags 3 Uhr, Nachschau: Freitag, den 10. Juli 1908, Nachmittags 3 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Träger.
11. Station Widdershausen. Impfung: Dienstag, den 7. Juli 1908, Mittags 12 Uhr, Nachschau: Dienstag, den 14. Juli 1908, Mittags 12 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Schneider.
12. Station Heringen. Impfung: Dienstag, den 7. Juli 1908, Nachmittags 3 Uhr, Nachschau: Dienstag, den 14. Juli 1908, Nachmittags 3 Uhr. Jmpflokal: Gemeindehaus.
13. Station Heimboldshausen. Impfung: Dienstag, den 7. Juli 1908, Nachmittags 5 Uhr, Nachschau: Dienstag, den 14. Juli 1908, Nachmittags 5 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Bock.
14. Station Holzheim.
Impfung: Mittwoch, den 15. Juli 1908, Mittags 2 Uhr, Nachschau: Mittwoch, den 22. Juli 1908, Mittags 2 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Hochhaus.
15. Station Hersfeld,
a. Stadt Hersfeld, Impfung.
Termin vorbehalten.
b. Stadt Hersfeld Wiederimpfung u. Land. Termin vorbehalten.
Jmpflokal bet a und b: Saal des Gastwirts Constantin Otto.
16. Station Sorga.
Impfung: Montag den 20. Juli 1908, Nachmittags 3 Uhr, Nachschau: Montag, den 27. Juli 1908, Nachmittags 3 Uhr. Jmpflokal: Saal des Gastwirts Daube.
17. S tatio n Friedlos.
Impfung: Dounerstag, den 23. Juli 1908, Vormittags 10 Uhr, Nachschau: Donnerstag, den 30. Juli 1908, Vormittags 10 Uhr, Jmpflokal: Saal des Gastwirts Grebe.
Dabei gehören zu
Zu Station Obergeis: Neuenstein, Aua, Biedebach, Untergeis, Gittersdorf.
Zu Station Schenklengsfeld: Oberlengsfeld, Unterweisenborn, Landershausen, Conrode, Wüstfeld, LampertSseld, Schenksolz, Dünkelrode, Hilmes, Malkomes.
Der Zug hatte sich bereits in Bewegung gesetzt. Aus dem Fenster eines Abteils erster Klasse lehnte ein Offizier vom Oberkommando der Schutztruppe.
„Stetten, ich gratuliere", rief er heraus.
„Wozu?" fragte dieser erregt und folgte eilend dem Zuge.
„Sie sind einberufen für Südwest! Der Brief muß schon in Ihrer Wohnung sein!"
Fort brauste der Zug! Stetten schwenkte den Hut; Jubelte — jubelte — und dabei zog ein eigentümlich weiches Gefühl ihm durch das Herz. — Glück und Schmerz, wie nahe wohnt ihr beisammen I---
So — da war der Zug nun weg, mit dem er hätte nach Berlin fahren können.
Zuerst hatte er keine Eile gehabt, da interessierte ihn Eckard und sein Mädchen, darüber hatte er das Einsteigen verpaßt, und nun brannte ihm der Bodeu unter den Füßen. Als könnte er ihm noch entwischen, so rasch ging er dem zunächst einlausenden Zuge entgegen, riß die Tür des ersten besten Abteils aus und sprang hinein.
Unterdessen war Eckard mit seiner Braut und deren Familie in Schlachtensee ausgestiegen.
Vater und Mutter wollten mit dem Jüngsten noch auf dem Dampfer nach der Fischerhütte fahren und bald zurückkommen, am Wasser sollte dann Abendbrot gegessen werden. So war beschlossen worden.
„Anni und ich bleiben hier", sagte Eckard, als sie den Landungssteg beim Dampfer erreicht hatten, „wir finden uns zum Abendessen wieder zusammen."
Nun gingen sie zu zweien weiter am User des Sees entlang.
Sie sprachen dies und das — langsam — abgerissen. Das Herz war ihnen zu voll — Glück und Schmerz hielten die Wage, beide wollten zu ihrem Rechte gelangen,
Zu Station Ransbach: WehrShausen, AuSbach, F. H. Stöckig.
Zu Station Asbach: Beiershausen, KerSpenhausen, Roßbach, Kohlhausen, O. F. Niederaula, F. H. Falkenbach.
Zu Station Unterhaun: Rotensee, Oberhaun, Sieglos, Eitra, Wippershain.
Zu Station Niederaula MengShausen, SolmS, Niederjossa, Engelbach, Hattenbach.
Zu Station Frielingen: Willingshain, Gersdorf, Heddersdorf.
Zu Station Kirchheim: Kleba, GerShausen, Reimboldshausen, Allendorf, Kemmerode, Goßmannsrode, Reckerode.
Zu Station Friedewald: Motzfeld, Lautenhausen, Hillartshausen.
Zu Station Widders Hausen: Leimbach, Kleinensee.
Zu Station Heringen: Bengendors, WölferShausen, Lengers.
Zu Station Heimboldshausen: Unterneurode, Gethsemane, Harnrode, Röhrigshof.
Zu Station Holzheim: Kruspis, Hilperhausen, Stärklos.
Station Hersfeld Land folgende Gemeinden: BingarteS, Meisebach, Kalkobes, Heenes, Allmershausen mit HählganS.
Zu Station Sorga: Petersberg, Kathus, Oberrode, Wilhelmshof, Hermannshof.
Zu Station Friedlos: ReiloS, Rohrbach, Tann, Mecklar, Meckbach.
Die Impfung ist unentgeltlich.
Außer denjenigen, welche sich aus freier Entschließung impfen lassen wollen, unterliegen der Impfung im Jahre 1908
1. jedes im Jahre 1907 geborene Kind, sofern es nicht nach ärztlichem Zeugnis die natürlichen Blattern überstanden hat, 2. die Kinder, die im Jahre 1907 ohne Erfolg oder gar nicht geimpft worden find, sofern sie nicht nach ärztlichem Zeugnis die natürlichen Blattern überstanden haben,
3. jeder Schüler einer öffentlichen oder Privatschule, welcher a. in diesem Jahr das 12. Lebensjahr zurückgelegt, bezw. zurücklegt, oder
b. den Nachweis der geschehenen Impfung, oder wenn er über 12 Jahre alt ist, auch denjenigen der Wievernnpsung nicht erbracht hat.
Die Herren Ortsvorstände haben Vorstehendes, namentlich die Termine aus ortsübliche Weise zu wiederholten Malen bekannt machen zu lassen und dafür Sorge zu tragen, daß alle zu impfenden Kinder und Schüler an Ort und Stelle sind. Sie haben ferner darauf zu achten, daß die Impflinge sauber gewaschen und mit reiner Wäsche und Kleidern erscheinen.
Bei der Bekanntmachung der Termine ist gleichzeitig ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen, daß nach § 14 des oben erwähnten Gesetzes Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, welche es Unterlasten, den Nachweis zu führen, daß die Impfung ihrer Kinder oder Pflegebefohlenen erfolgt oder au§ einem gesetzlichen Grunde unterblieben ist, mit einer Geldstrafe bis zu 20 Mark und Eltern, Pflegeeltern und Vormünder, deren Kinder und Pflegebefohlenen ohne gesetzlichen Grund und trotz amtlicher Aufforderung der Impfung oder der ihr folgenden Nachschan entzogen geblieben sind, mit Geldstrafe bis zu 50 Mark oder mit Hast bis zu 3 Tagen bestraft werden. Die Herren Lehrer haben ebenfalls als Vorsteher der Schulanstalten die Verpflichtung, bei der Aufnahme von Schülern durch Einfordern der vorgeschriebenen Bescheinigungen festzustellen, ob die gesetzliche Impfung erfolgt ist bezw. dafür zu sorgen, daß die während des Besuchs der Anstalt impspflichtig werdenden Zöglinge dieser Verpflichtung genügen.
Schließlich mache ich noch darauf aufmerksam, daß gemäß der zur Sicherung der gehörigen Ausführung des JmpfgeschäftS ergangenen Vorschriften ein Vertreter der Ortspolizeibehörde und (für die Wiederimpfung) ein Lehrer in dem betreffenden Impf- geschäftstermine zur Unterstützung des Jmpfarztes und Aufrecht- erhaltung der Ordnung zu erscheinen haben.
Für Bereithaltung des Jmpflokals und Stellung der erforder- lichen Schreibhülse beim Jmpfgeschäft ist seitens der Herren
„Komm, Anni, heute wag ich nicht das Menschengewühl" erklärte der junge Unteroffizier, „wir wollen uns da oben einen Platz suchen, da ist's hübsch still."
Sie stiegen die grüne Böschung hinauf und setzten sich auf den Grabenrand.
Das Mädchen blickte gedankenverloren hinab auf den See. Der lag so still da, so grau! Kein glitzernder Sonnenschein funkelte auf seinem Spiegel, kein Lustzug kräuselte lustige Wellen und der Himmel, der sich darüber wölbte, war dunkel, Wolken bedeckten ihn.
Langsam füllten sich die Augen des Mädchens mit Tränen, sie wandte den Blick davon ab und dem geliebten Mann an ihrer Seite zu. Die feuchten Augen leuchteten wieder.
„Wenn es doch noch lange, lange heute bliebe", sagte sie, „ich möchte den Tag sesthalten."
Er rückte dicht an sie heran, legte den Arm um sie und nahm ihre Hand in die seine. Zärtlich sah er in ihr liebes Gesicht.
„Wird es dir so schwer, daß ich fortgehe, kleiner Kerl? Bangt dir so vor meiner Einberufung?"
Sie nickte, sprechen konnte sie in dem Augenblicke nicht, ihr war der Hals wie zugeschnürt.
„Und warst doch so tapfer und brav", fuhr er fort. „Hast mir keine Schwierigkeiten gemacht, wie ich mit meinem Vorsätze herausrückte, und nicht den Kopf warm gemacht mit Jammern in dieser ganzen Wartezeit."
Das Mädchen hatte die aussteigenden Tränen niedergckämpst und sie zwang sich sogar zu einem Lächeln. „Ich bin doch auch ein Soldatenkind, da darf ich dir und dem Vater keine Schande machen", sagte sie, „aber schwer ist's, bitter schwer, daß ich dich hergeben soll."
Eckard drückte sie fester an sich. „Mädel, weiß Gott, mir wird die Trennung auch blutsauer! Aber du verstehst mein Handeln und bist mit mir einverstanden!"