Mus Provinz u. Nachbargebiet.
* (Versendung von Paketen während der Psingstzeit.) Die Versendung mehrerer Pakete mittels einer Postpaketadresse ist sür die Zeit vom 31. Mai bis einschl. 7. Juni weder im innern deutschen Verkehr noch im Verkehr mit dem Ausland — ausgenommen Argentinien — gestattet. Nach Argentinien können auch in dieser Zeit mehrere, jedoch höchstens drei Pakete, mit einer Postpaketadresse versandt werden.
* (Monats- und Schülerkarten.) Vielfach bestehen Zweiscl bei den Tausenden von Monatskarteninhabern, welche Züge sie benutzen dürfen und welche ausgeschlossen sind. Nach einer neueren Bestimmung berechtigen Monats-, Monats- neben- und Schülerzeitkarten zum Fahren in allen der Personenbeförderung dienenden Zügen, in D- und L-Zügen jedoch nur gegen Entrichtung des Schnellzugzuschlags. In L-Zügen ist außerdem noch die dort übliche Extragebühr zu entrichten. Fast ganz unbekannt ist noch die Einrichtung der Monatsnebenkarten. Jeder Inhaber einer Monatskarte kann nach den bestehenden Bestimmungen beliebige viele Monatsnebenkarten sür seine Familienangehörigen lösen, für die nur die Hälfte des Preises der Monatskarte zu entrichten ist.
* (D i e E i s h e i l i g e n.) Die von den Gärtnern und Landwirten so sehr gesürchteten Eisheiligen Mamertus, 11. Mai, Pankratius, 12. Mai, und Servatius 13. Mai, die fast alljährlich nochmals Frostnächte bringen und dadurch großen Schaden an Obstblüten und Pflanzungen (Bohnen u. dergl.) anrichten, sind Heuer schadlos vorü^ergegangen. Die ersten zwei Nächte waren fast schwül, und auch die Nacht zum Donnerstag war nur eine kühle Regennacht. Die Landwirte atmen erleichtert auf, denn die Baumblüten sind gerade sehr gut entwickelt und die Bäume hängen derart voll, daß sie zu den hoffnungsvollsten Obsternteaussichten berechtigen. Auch sind dieses Jahr die Blüten gesund, d. h. sie sind frei von Ungeziefer. Schuld mag wohl der lange, heftige Winter und auch die feuchtkalte Frühjahrswitterung fein, die Insekten nicht auskommen ließ. Auch der Saatenstand ist herrlich und verspricht eine reiche Ernte. Das Korn ist durch die letzten warmen Tage schon über einen halben Meter hoch und ist dickschastig, auch der Weizen steht schön.
) :( Hersfeld, 18. Mai. Die gestern nachmittag im Bolenderschen Saale abgehaltene Versammlung der DeutschenReformparteiwar wohl infolge des schönen Wetters nicht so zahlreich besucht wie dies sonst sicherlich der Fall gewesen wäre. Mit einem Kaiserhoch eröffnete Herr I. S ch a n d u a die Versammlung und erteilte alsdann dem Reichstagsabgeordneten Herrn Zimmermann das Wort. Der Redner legte zunächst seine Ansicht über das jetzige Landtagswahlrecht dar und trat für ein neues Gesetz ein, wonach die Wahl zum Abgeordnetenhause gleich wie zum Reichstage direkt und geheim sein müsse. Der Abgeordnete Herr Werner vertrete ebenfalls diese Ansicht. Auch trete er sür eine Fachaussicht in den Schulen ein. Der Herr Abgeordnete entwickelte dann in kurzen Zügen das Programm der Deutschen Resorm- partei in wirtschaftlichen Fragen, trat für das Wohl des Arbeiterstandes ein, sowie für einen gesunden Mittelstand und Bauernstand, wie auch für die Beamten. Er empfahl die Wahl des seitherigen Abgeordneten Herrn Werners, der durch die Tat bewiesen habe, daß er dieses Programm mit allen Kräften vertreten habe. Bei der Besprechung der beiden andern Landtagskandidaten im hiesigen Wahlkreise erklärte er sich als Gegner einer jeden Landratskandidatur. Unverständlich sei ihm die Stellungnahme des Bundes der Landwirte, da doch Herr Werner stets die Interessen der Landwirtschaft auf das tatkräftigste vertreten habe, was auch vom Bund der Landwirte schriftlich anerkannt worden wäre. Die Doppelkandidatur des Herrn Werner sei nach seiner Meinung kein Grund einen andern Kandidaten aufzustellen, zumal der Bund der Landwirte selbst eine Anzahl Doppelmandate inne hätte. Zum Schluß forderte Herr Zimmermann auf, an der Kandidatur Werner festzuhalten. Hierauf ergriff Herr Abgeordneter Werner das Wort und verbreitete sich zunächst über seine beiden Gegenkandidaten im Wahlkreise Hersfeld-Rotenburg. Er legte dar, daß die Konservativen nicht sür eine Aenderung des jetzigen Wahlrechts ein- trcten würden, da der Abgeordnete Malkewitz im Namen der konservativen Fraktion wörtlich erklärt habe: „Meine Herren, ich kann zu Beginn meiner Ausführungen nicht unterlassen, daraus hinzuweisen, daß jedes unnötige Rühren an dem wohl- gesügten Gebäude des preußischen Wahlrechts bei meinen politischen Freunden den lebhaftesten Bedenken begegnet." Er selbst würde, wie sein Vorredner Herr Zimmermann schon bemerkt habe, sür eine Aenderung des jetzigen Landtagswahlrechts eintreten. Er führte hierbei an, daß selbst Fürst Bismarck in einer Ansprache am 23. März 1867 bereits gesagt habe: Wenn der Erfinder dieses Wahlgesetzes sich die praktische Wirkung desselben vergegenwärtigt hätte, so hätte er es nicht gemacht. Herr Werner führte aus, daß er stets für Hebung der Industrie, der Landwirtschaft und des Mittelstandes eingetreten wäre. Auch in Zukunft würde er alles für die Kräftigung eines gesunden Mittelstandes in Stadt und Land tun. Für den Beamten- und Lehrerstand würde er stets wie seither nach Möglichkeit sorgen. Für die Fachaussicht in den Schulen werde er eintreten, was er übrigens schon im Jahre 1906 getan habe. Den Bau von Kleinbahnen würde er auch in Zukunft auf das tatkräftigste fördern. Er gab seiner Genugtuung Ausdruck, daß die Bahnen nach Alsfeld und Schlitz, sür die er 10 Jahre lang eingetreten sei, nunmehr gebaut würden. Dem Bau der Bahnen Hersseld-Heimboldshausen und Hersfeld-Homberg werde er im Falle seiner Wiederwahl seine ganze Kraft widmen. Die Ausübung des Doppelmandats glaubt Herr Werner auch in Zukunft noch übernehmen zu können, da er die Kraft hierzu noch voll und ganz besitze. Er hoffe am 3. Juni wieder die Stimmen der Wähler zu erhalten. Lebhafter Beifall dankte dem Herrn Redner für seine Ausführungen. Da sich zur Diskussion niemand zum Worte meldete, sprach Herr Werner zum Schluß noch allen Erschienenen seinen Dank aus und schloß mit einem Kaiserhoch. Gegen Vs5 Uhr erklärte Herr Schandua die Versammlung für geschlossen.
) :( Hersfeld, 18. Mai. Am Sonnabend vormittag erschoß sich in seiner Wohnung der Schachtmeister Z. mit einem Revolver. Nach einem Streite mit seiner Ehefrau war diese zur Polizei gegangen, um ihren Mann wegen Brand- stistung anzuzeigen. Als sie gerade zu Protokoll vernommen werden sollte, brächte man die Nachricht, daß sich Z. erschossen hatte. Dies nahm sich die Frau so zu Herzen, daß sie schon zweimal versuchte, durch Erhängen resp. Erwürgen Selbstmord zu begehen, woran sie aber jedesmal noch rechtzeitig gehindert wurde. Die Frau wurde daher in das hiesige Landkrankenhaus gebracht, wo sie nochmals einen vergeblichen Selbstmordversuch machte. Da sie geistesgestört ist, soll ihre Ueberführung nach Marburg erfolgen.
* Im Amtsblatt des Reichspostamts wird eine Verfügung vom 29. April 1908, betr. die Einziehung von Zeitungsgeldern durch das Bestell-
p'erjonal, veröffentlicht. Bei den jetzigen Bestimmungen, wonach das Publikum die Einziehung von Zeitungsgeldern bei der Postanstalt schriftlich beantragen darf, ist davon aus- gegangen, daß derartige Anträge von den künftigen Beziehern selbst gestellt werden können. Da aber vom Publikum aus Unkenntnis der bestehenden Bestimmungen Zeitungsbcstellungen mitunter anstatt an die Absatzpostanstalt an den Verlag der Zeitung gerichtet werden, so haben die Postanstalten fortan, falls in solchen Ausnahmesällen die Einziehung von Zeitungsgeld von den Verlegern unter Einsendung der Bestellung des künftigen Beziehers beantragt wird, auch diesen Anträgen zu entsprechen. Diese Maßnahme ist insofern sehr praktisch, als sie Verzögerungen bei der Lieferung der Zeitungen verhindern kann, indem der Verlag den Besteller nicht erst zu veranlassen braucht, bei der Post zu bestellen.
) :( Hersfeld, 16. Mai. Der Schuhmacherlehrling Wilhelm Q u e n t e l dahin, hat vor der Prüsungs-Komission in Hünseld die Gesellenprüfung mit sehr gut bestanden.
Casfel, 16. Mai. In der Müllergasse war gestern nachmittag ein Arbeiter im Hose einer Gastwirtschaft beim Abladen eines Heuwagens beschäftigt. Das voll beladene Gefährt war direkt unterhalb der Dachluke des Heubodens vorgefahren. Im Heu steckte mit der Spitze nach oben eine Gabel. Auf dem Wagen band ein Arbeiter das Heu zu Bündeln, das der oben an der Luke Stehende an einer Leine in die Höhe zog. Bei solcher Gelegenheit bückte er sich weit nach vorn, um zu beobachten was unten vorging. Er verlor jedoch das Ueber- gewicht und stürzte ab mit der Brust auf die im Heu steckende Gabel. Schwer verletzt wurde der Mann von seinen Mitarbeitern nach seiner in der Mühlengasse gelegenen Wohnung gebracht.
Gelnhausen, 15 Mai. Im Landtagswahlkreise Geln- Hausen-Schlüchtern haben die Sozialdemokraten den praktischen Arzt Dr. Wagner in Hanau als Kandidaten ausgestellt.
Hanau, 13. Mai. Aus der abschüssigen Straße zwischen Hörstein und Wasserlos kam der bei dem Bauunternehmer Zeller in Alzenau in Stellung stehende 53jährige Fuhrknecht Haas unter den beladenen Wagen und wurde auf der Stelle getötet. — Im Rousselleschen Steinbruch bei Kleinsteinheim stürzte der 33 Jahre alte verheiratete Arbeiter K. Brauneis aus Seligenstadt von einer Felswand und wurde durch das nachstürzende Geröll verschüttet. Man brächte ihn bewußtlos in seine Wohnung.
Frankfurt, 16. Mai. Hier erschoß sich der Inhaber des Wachtmeisterhotels am Theaterplatz, Käthe, der früher Besitzer des Hotels Porta Nigra in Trier war.
Büdingen (Oberhessen), 15. Mai. Der Maurer Gottlieb Karl Bauer aus Glashütten, der am 11. September 1905 dahier den Fuhrmann Wilhelm Bieber erschoß und vom Schwurgericht Gießen 10 Jahre Zuchthaus erhielt, ist aus dem Philippshospital in Gießen, in dem er zur Beobachtung seines Gesundheitszustandes untergebracht war, entwichen. Der Flüchtige ist ohne Mittel.
Grosizimmern, 15. Mai. Erhängt hat sich, wie der „Gieß. Anz." schreibt, heute der hiesige, 13 Jahre alte Schüler Heinrich Schott in der Scheuer seines Vaters aus bisher unbekannten Gründen. Nach dem Nachtessen verschwand er, und als man um 10 Uhr nach ihm suchte, fand man ihn bereits tot in der Scheuer.
Crfurt, 13. Mai. Von unterrichteter Seite wird ge- fchrieben, daß die Garnifon unserer Stadt demnächst eine wesentliche Verstärkung insofern erfahren soll, als am 1. Oktober d. J. eine Maschinengewehrabteilung nach Erfurt gelegt werden wird. Die für die Unterbringung des neuen Truppenteils nötige Räumlichkeiten sind auf dem hiesigen militärfiskalischen Grunde bereits vorhanden.
Halle, 12. Mai. Im nahen Pischwitz fuhr ein Blitz in einen Stall des Gutsbesitzers Reich und tötete sechzehn Schweine und zwei Kälber.
Erfurt, 16. Mai. Das in Erfurt zu errichtende Heim des deutschen Eisenbahn-Töchterheims soll nach einem neuen Beschluß in bedeutend größerem Umfange ausgeführt werden, als ursprünglich geplant war. Aus diesem Grunde hat der Eisenbahn-Töchterhort von der Stadt noch ein Grundstück von 1849 Quadratmeter Größe käuflich erworben.
Nordhaufen, 14. Mai. Das Eisenbahnunglück am Darrwege, das im Dezember v. I. den Tod des Geschirr- führers Broeder herbeiführte, hat gestern vor der Strafkammer seine Sühne gefunden. Wegen schwerer Transportgesährdung hatte sich der ehemalige Eisenbahn-Schrankenwärter, jetzt Bahnarbeiter Aug. Krapf aus Salza zu verantworten, der am 16. Dezember 1907 in grober Fahrlässigkeit drei beladene, hintereinander fahrende Gespanne durch die bereits für den Schnellzug geschlossene Schranke hindurchgelassen und dadurch den Tod des Kutschers Albert Broeder aus Nordhausen und die Vernichtung von Pferden und Wagen herbeigeführt hat. Das Gericht lehnte neue Beweisanträge ab und verurteilt den Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis unter Zubilligung mildernder Umstände.
Uermischtes.
— Frankfurt a. O., 16. Mai. Wie die Frankfurter Oder-Zeitung meldet, ertranken heute nachmittag gegen 4 Uhr in der Oder beim Winterhafen drei Arbeiter der Strombau- verwaltung. Sie hatten einen Handkahn bestiegen, um einen Anker fest zu machen. Da sie sich alle auf eine Seite stellten, kippte das kleine Fahrzeug um; die Insassen fielen ins Wasser und ertranken. Die Leiche des einen konnte geborgen werden.
— Ernten, ohne gesät zu haben, kann in diesem Jahre ein Pößnecker Handwerksmeister. Als er sich dieser Tage auf fein Feld begab, um die Kartoffelaussaat vorzunehmen, fand er beim Ausackern bereits gelegte Kartoffeln vor. Was vielleicht in der Kirmeszeit eher möglich ist, war hier geschehen: Der Feldnachbar hatte dieses für sein eigenes Feld gehalten und die Aussaat dort begonnen.
— Das reichste Kind der Welt ist der Sohn Vanderbilts, denn nicht weniger als 400 000 000 Mk. beträgt die Erbschaft, die ihm einst zufallen wird. Einen Begriff von seiner luxuriösen Lebensweise erhält man, wenn man erfährt, daß die Spielsachen, die er auf der Reise nach England bei sich hat, mit 100000 Mk. versichert sind.
— (Die Langlebigkeit der Ehemänner.) Einem deutschen Gelehrten ist eS gelungen an Hand eines eingehenden Studiums der Krankenhauslisten und der Versicherungsgesellschaften festzustellen, daß durchschnittlich verheiratete Männer bedeutend älter werden, als Junggesellen, und daß letztere viel eher Krankheiten ausgesetzt sind, als die vom Ehejoch. Nach seiner Aufzeichnung werden Junggesellen in älteren Jahren meist magen- und halskrank, zudem sind die Fälle von Irrsinn im späteren Alter meist der Junggesellenschaft zuzuschreiben. Demnach ist das beste Rezept zur Langlebigkeit .....das Standesamt.
— („Die Kündigung des Rekruten".) Die
Züricher Post erzählt folgenden lustigen Scherz: Letzten Samstag wurde hier die erste diesjährige Rekrutenschule entlassen. Ein harmloser Zürcher Oberländer Rekrut wurde bei dieser Gelegenheit das Opfer eines wirklichen ulkigen Scherzes seiner offenbar intelligenteren Kameraden. Vor etwa 14 Tagen meinte nämlich im Schlassaal ein Rekrut zu seinem Bettnachbar, unserem biederen Oberländer: „So, jetzt müend mer (müssen wir) dänn usschünde (auskündigen), i ierzäh Tage simmer fertig!“ Die übrigen Schiaskameraden, die den Spaß verstanden, bestätigten unserem Mann, daß ihrerseits die Kündigung schon erfolgt und die Sache pressant sei. Am anderen Tage reichte der Rekrut wirklich das Kündigungsschreiben ein, das dann aus dem Dienstwege vom Feldwebel bis zum Schulkommandanten lies. Als am letzten Sonnabend die junge Truppe zur Entlassung aus dem Kasernenhof stand, verlas der Hauptmann u. a. die Kündigung des pflichteifrigen Rekruten, bemerkte aber, daß die Kündigung leider einen Tag zu spät eingegangen fei und der Betreffende dazubleiben habe. Als sich die lachenden Kameraden vor den Augen des verblüfften Füsiliers verzogen halten, meinte der Hauptmann, dem die Sache viel Spaß bereitet hatte: „So, min Füsilier, jetzt chönd'r au hei (könnt Ihr auch heim), 's nächst Mol müend'r (müßt Ihr) aber dänn bi Ziite (beizeiten) chünde, potz saperlot!"
— (Ein französischer Viermaster untergegangen.) Einer telegraphischen Meldung zufolge ist in Havre die Nachricht eingetroffen, daß der Viermaster „Präsident Felix Faure", eines der größten französischen Segelschiffe, aus der Fahrt von Neukaledonien nach Havre mit einer Nickelladung bei den Antipodeninseln bei Neuseeland untergegangen sei. Die Mannschaft sei gerettet. Der Kreuzer „Pegasus" kam mit 22 verschlagenen Schiffbrüchigen von dem französischen Segelschiff „Präsident Felix Faure" in Lyttellon an. Die Schiffbrüchigen verließen ihr Schiff im Rettungsboot, welches von der Brandung zertrümmert wurde. Alle gelangten wohlbehalten ans Land und fanden auf der Insel, auf die sie verschlagen waren, eine Proviantniederlage von der Neuseeländischen Regierung. Die da gesundenen Speisen sowie die von der Mannschaft geschossenen Vögel machten es ihnen möglich, 60 Tage zu leben, bis der „Pegasus" eintraf, doch litten die Leute erheblich unter der Witterung. Kapitän Noel vom „Präsident Felix Faure" drückte dem Kreuzer „Pegasus" und der neuseeländischen Regierung feinen Dank aus. Der „Präsident Felix Faure" war ein Schiff von 2651 Registertonnen und segelte am 16. Februar aus Neukaledonien nach Havre ab.
— Eine Liebestragödie hat sich in Beilngrier in der Oberpsalz abgespielt. Dort wurden im Garten des Privatiers Prinster die Leichen von dessen Neffen, des Privatstudierenden Hermann Schuh aus München, und eines Fräulein Rosa Hager, Rechtsanwaltstochter aus Traunstein, aufgefunden. Die beiden Liebesleute sind abends 11 Uhr mit der Post von Eichstätt eingetroffen und haben bald daraus im Garten Selbstmord durch Vergiftung begangen.
— London, 16. Mai. Wie Daily Mail aus Entebbe in Uganda erfährt, hat eine Mißemte in Bananen im Busoga- Distrikt im Norden vom Viktoria-Nyanza eine Hungersnot hervorgerufen. Tausende von Todesfällen sind zu verzeichnen. Die Regierung hat die Lieferung von Lebensmitteln übernommen.
— Innsbruck, 15. Mai, Infolge der abnorm warmen Witterung und der dadurch verursachten Schneeschmclze find viele Wildbäche ausgetreten und haben die umliegenden Kulturen überschwemmt. Aus allen Seilen Tirols laufen Hiobsposten ein. In Brixen beschädigten die ausgebrochenen Fluten das elektrische Werk, so daß die Stadt seit gestern abend ohne Licht ist. In Pfunds im Oberinntal richtete das Hochwasser große Verheerungen an. Täler und Wiesen in Fläche von 10 000 Quadratmetern sind auf Jahre hinaus von einem Ernteertrag ausgeschlossen. Viele Ortschasten sind vom Verkehr gänzlich abgeschnitten. — Eines der bekanntesten Gasthöse Tirols, das große Hotel Alpenhos ist durch eine Feuersbrunst vollständig eingeäschert worden.
— (Ein Mädchenmord.) Im Burtscheider Walde, bei Achen wurde die Leiche eines jungen Mädchens gesunden die nach ärztlicher Feststellung etwa 10—14 Tage im Walde gelegen hat. Die Leiche war halb verscharrt und bereits von Wild angefreffen. Sie wurde durch ein mit L. gezeichnetes Taschentuch und durch Rabattkupons von Geschäften, in denen die Ermordete Einkäufe gemacht hat, als die 15jährige Laura Klinkenberg rekognosziert. Man nimmt Lustmord an,„ weil die Lage der Leiche und der Kleider darauf schließen läßt. Auf einen Raubmord schließt man aus dem Fehlen des Geldes. Das junge Mädchen trug 50 M. bei sich, weil sie zu einem Zahnarzt in Aachen wollte. Dagegen wurde noch die goldene Uhr bei der Leiche gefunden. Der Mörder hat, wahrscheinlich mit einem schweren Eisen, den Kops des Mädchens bis zur Unkenntlichkeit zertrümmert und die Leiche dann ins Gebüsch geschleppt. Eine Gerichtskommission weilt zurzeit am Talort. Bei dieser Gelegenheit weist mair darauf hin, daß vor fünf bis sechs Jahren ein Mord im Aachener Walde unter genau den gleichen Umständen erfolgte. Auch die damals Ermordete führte den Namen Klinkenberg. Der Mörder konnte nicht ermittelt werden.
Eetzte Nachrichten.
Straßburg, 17. Mai. Bei dem Rennen des Reitervereins stürzte der bekannte Herrenreiter Leutnant Frhr. Geyr v. Schweppenburg so schwer, daß er in das Lazarett gebracht werden mußte.
München, 16. Mai. Amtliche Meldung. Infolge Schienenbruchs entgleiste vormittags 11 Uhr bei der Einfahrt in die Station München-Laim der Augsburger Güterzug 6133 mit Maschine und 5 Güterwagen. Der Lokomotivheizer sprang ab, es wurden ihm jedoch von den nachfolgenden Packwagen beide Füße abgedrückt. Der Zugführer erlitt anscheinend innere Verletzungen, der Lokomotivsührer leichtere Prellwunden, ebenso drei Wagenwärter. Der Materialschaden ist bedeutend. Die fünf entgleisten Wagen sind fast völlig zertrümmert.
London, 17. Mai. Einem Telegramm aus MaaslufS zufolge kollidierte der deutsche Dampfer Nordsee, von Harwick nach Rotterdam unterwegs, mit dem britischen Dampfer Avoca, der von Hoeck van Holland nach Hamburg fuhr. Die Nordsee sank. Die Mannschaft ist mit Ausnahme eines Matrosen und des Lotsen ertrunken.
Oeffentlicher Wetterdienst
Dienststelle Weilbnrg (Landwirtschastsschule). Wetteraussichten für Dienstag den 19. Mar: Fortdauer der bestehenden Witterung.