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hersWer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Snschlutz Nr. 8
Nr. 58.
Dienstag den 19. Mai
1908.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 14. Mai 1908.
Die diesjährige technische Revision der Maße, Wagen und
Gewichte erstreckt sich auf die Gewerbetreibenden in den nach stehend aufgeführten Ortschaften:
am 11. Juni
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Kohlhausen, Hilperhausen und Roßbach, Kalkobes, Heenes und Allmershausen, Gittersdorf, Untergeis und Aua, Obergeis, Mecklar und Meckbach, Friedlos, Reilos und Rohrbach, Tann und Biedebach, Wilhelmshof, Sorga und Kathus, Petersberg, Wippershain und Rotensee, Unterhaun und Oberhaun, Sieglos und Eitra, Eichhof und Meisebach, Oberrode und Bingartes.
3690 — Kreisblatt Nr. 42 — die Prüfung der Bierdruckapparate nachgesucht, die sich in den Gastwirtschaften des Gemeindebezirks befinden.
Ich ersuche daher die Herren Ortsvorstände des Kreises, die meiner vorbezeichneten Verfügung inzwischen noch nicht entsprochen haben, nunmehr alsbald den Sachverständigen Bürkle hier mit der Revision der Bierdruckapparate der Gastwirtschaften im Gemeindebezirk zu beauftragen.
I. 4890. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher ersuche ich um Einreichung der G e m e i n d e st e u e r l i st e n für 1908 bestimmt binnen 3 Tagen.
Hersfeld, den 15. Mai 1908.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission.
St. 1112 von Grunelius.
nichtamtlicher teil.
Die Herren Ortsvorstände der vorbezeichneten Ortschaften erhalten die Weisung, die Gewerbetreibenden alsbald von den angesetzten Terminen in Kenntnis zu setzen, sie auf die Folgen einer etwa vorgefundenen Unrichtigkeit der Maße u. s. w. aufmerksam zu machen und sie aufzusordern, die Letzteren, soweit deren Richtigkeit zweifelhaft erscheint, zuvor zur aichamt- lichen Prüfung zu bringen, auch sämtliche revisionspflichtigen Gegenstände am Tage vor der Revision einer gründlichen Reinigung zu unterziehen. Die Revision, welcher bestimmungsgemäß der Ortsvorstand oder ein Vertreter desselben beizu- wohnen hat, wird von dem Eichtechniker Klempnermeister Georg Rössing, dahier, ausgeführt.
I. 4928. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 14. Mai 1908.
Nachdem die Wetterdienststelle in Weilburg a/d Lahn mit dem 1. Mai den telegraphischen Wetternachrichtendienst wieder ausgenommen hat, weise ich unter Bezugnahme aus mein Ausschreiben vom 9. Oktober 1906 I. 7868 (Kreisblatt Nr. 121) aufs Neue auf die außerordentliche Bedeutung des Wetternachrichtendienstes gerade für die ländliche Bevölkerung hin und empfehle den Herren Ortsvorständen dringend den Bezug der Wetterkarten. In denjenigen Gemeinden, in denen Aushängekasten bisher nicht angejchafft sind, erwarte ich, daß dies unverzüglich geschieht.
L 4984. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 13, Mai 1908.
Der Direktor der Hessischen BrandversicherungS-Anstalt in Cassel hat den Straßenmeister Mantel hier widerruflich zum Versicherungs-Schätzer der Hessischen Brandversicherungs-Anstalt für den Bezirk III und zum stellvertretenden VersicherungsSchätzer für den Bezirk V des Kreises Hersseld bestellt.
Diese Bezirke bestehen aus folgenden Ortschaften: Bezirk III.
Conrode, Dünkelrode, HilmeS, Kathus mit Klappermühle, Lampertsfeld, Landershausen, Malkomes, Motzfeld, Ober- lengsseld, Oberrode, Petersberg, Schenklengsseld, Schenksolz, Sorga mit Sötzerhöfe, U.iterweisenborn, Wehrshausen, Wippershain, Wüstfeld.
Bezirk V.
Ausbach, Bengendorf, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Hersa, Heringen, Leimbach, Lengers, Philippsthal mit Hof Thalhausen, Ransbach, Röhrigshöfe mit Nippe, Unterneurode, Widdershausen, Wölsershausen.
I. 4972. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Hersfeld, den 14. Mai 1908.
Der Sachverständige für die Revision der Bierdruckapparate hat mir mitgeteilt, daß bisher nur wenige Ortsvorstände des Kreises gemäß meiner Verfügung vom 4. April d. Js. I. Nr.
Hersfeld, den 13. Mai 1908.
Im Verlage von Carl Neubner, Cöln, Hohestraße 137 ist ein von dem Königlichen Polizeikommissar H. Eiben heraus- gegebenes Handbuch „Die Ortspolizei" erschienen, welche- die in den Geschäftskreis der Ortspolizeibehörden fallenden Aufgaben behandelt. Der Preis des Buches beträgt 7,20 Mark.
Den Ortspolizeibehörden des Kreises empfehle ich seine Anschaffung.
I. 4983. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Frankreich und England.
Die schon seit geraumer Zeit recht freundschaftlichen Beziehungen zwischen England und Frankreich haben ihren Höhepunkt offenbar noch immer nicht erreicht, im Gegenteil, die Versicherungen und Bekundungen der gegenseitigen Freundschaft der Westmächte nehmen einen stetig intimeren Charakter an. Zu ihnen gehört auch die Veranstaltung einer französisch- englischen Ausstellung in London, welche vergangene Woche vom englischen Thronfolger, dem Prinzen von Wales, feierlichst in Gegenwart der französischen Minister Cruppi und Ruau eröffnet worden ist; beide Herren waren zu diesem Zweck eigens nach England gekommen. Genannte Ausstellung ist zu dem Behufe ins Werk gesetzt, zunächst die handelspolitischen Beziehungen der großen Westmächte zu einander möglichst zu fördern, dann aber auch ihr Gesamtverhältnis in recht günstigem Lichte nach außen erscheinen zu lassen. In seiner Eröffnungsrede wies denn auch der Prinz von Wales unverblümt auf diesen Doppelzweck der französisch-englischen Ausstellung hin, und weiter ist sie auf dem nachgefolgten Festmahle von den ebenfalls wieder anwesenden französischen Ministern gleicherweise in solchem Sinne gepriesen worden. Offen sprachen die Herren in den Banketreden von der Londoner Ausstellung als einer der ersolgreichsten Kundgebungen der entente cordiale zwischen England und Frankreich hin und gaben gleichzeitig der Hoffnung aus weiteste Ausdehnung der guten Beziehungen zwischen Frankreich und England Aus- druck. Zweifellos ist also die Intimität zwischen Frankreich und England noch fortgesetzt im Wachsen begriffen, was sich des ferneren auch in dem vom französischen Botschafter in London gemachten und von der englischen Regierung bereits wohlwollend aufgenommenen Vorschläge zu einem neuen französisch-englischen Handelsvertrag zeigt. Die mündlichen Vorverhandlungen hierüber zwischen dem englischen Minister des Aeußeren Sir Edward Grey und dem sranzösischen Handelsminister Cruppi haben sogar schon begonnen, und bei der gegenwärtigen Stimmung in den maßgebenden Londoner und Pariser Kreisen steht mit Sicherheit zu erwarten, daß sie den Abschluß eines neuen Handelsvertrages des britischen Reiches mit der französischen Republik nach sich ziehen werden; unter den obwaltenden Umständen aber könnte ein solcher Vertrag auch auf rein politischem Gebiete feine Bedeutung gewinnen.
Ihre Krönung jedoch werden diese abermaligen französischenglischen Annäherungsversuche und Freundschastsbekundungen durch den mehrtägigen Besuch erfahren, welchen Herr Fallieres, der Präsident der französischen Republik, in der zweiten Junihälfte dem Londoner Hofe abzustatten gedenkt. Nach dem vorläufigen Programm für die Aufnahme des französischen Staatsoberhauptes jenseits des Kanales wird Herr Fallieres auf
Air
unser vier.
Von A. von Liliencron.
(Fortsetzung.)
Stetten ereiferte sich. „Ich versichere dir, das alles lag in dem Blick und in dem Tone der Stimme, wie sie zögernd sagte: „Oh — Hans!" Und ihr Hans hat das alles richtig herausgehört, denn er meinte ganz bittend: „Anni, es ist ja heute Sonntag! “ Weg war er, holte die Rosen, gab sie ihr und nun strahlten die beiden sich an. Hübsche kleine Episode, nicht wahr?" wandte er sich fragend an den Freund.
„Hm — ja — wer die Welt mit deinen Augen an- sieht . . ."
„Der jubelt mit mir: „O Königin, das Leben ist doch schön!" unterbrach ihn Stetten und atmete tief. Das Glücks- bewußtfein durchströmte alle Fibern seiner sonnigen Persönlichkeit.
Wolf sah ihn nachdenklich an. Ja, dies Wort bezeichnete so recht die Herzensstimmung dieses Glückskindes; für ihn aber hatten die Verhältnisse und Charakteranlagen ein anderes Wort über seinen Lebenslaus gesetzt, das lautete: „Prüfe, kämpfe, suche das Große in der Welt!"
Und weiter spann er die Fäden seiner Gedanken. Sie stammten alle vier aus einer Gegend, Stetten und er waren Kinder von Gutsnachbarn gewesen, Hans Eckard ihr Spielgenosse aus dem Kirchdorf, und Reckling, der um etliche Jahre ältere, hatte dort in dem nahen Städtchen gelebt.
Alle vier nannten dieselbe Scholle ihre Heimat, alle vier verbanden mehr oder minder fest die Jugend- und KindheitS- erinnerungen, alle vier lebten jetzt in der Welt zerstreut, innerlich und in den äußeren Verhältnissen verschieden, und doch hier und da mit einem gleichen Zuge begabt, jedenfalls mit einem Verständnis füreinander. Wie würde das Schicksal die Lebenswege dieser vier noch ineinanderschlingen oder aus- einanderreißen?
Dreiviertel Jahr später.
Einer der ersten Maitage des JahreS 1904 war eS, frisches
Grün und sprossendes, neuerwachendes Leben überall. In Wannsee, im Kaiserpavillon, saß Siegfried von Stetten, ein ZeitungSblatt in der Hand.
Was er las, mußte ihn völlig in Anspruch nehmen, denn er blickte nicht ein einziges Mal auf, und der Ausdruck seiner Züge war ernst, eine gewisse Spannung lag darin.
Jetzt legte er das Blatt fort, stand auf und sah sich suchend um.
Den Weg vom Bahnhof her kam ein junger Ulanenoffizier. Er eilte ihm entgegen.
„Endlich, Wolf, ich habe dich so sehnsüchtig erwartet!" rief er ihm zu, „begreifst du denn nicht, daß in einer Zeit wie in dieser jede Minute mir kostbar ist, und daß ich darauf brenne, mit dir zu sprechen, da dich gerade jetzt ein Glücks- zufall nach Berlin führt und ich dich noch just am Rockzipfel erwischen konnte?"
Wolf hatte ihm die Hand geschüttelt. Er sah ernst aus, aber dabei leuchtete etwas wie Siegessreudigkeit aus seinen Augen.
„Ich begreife alles, weil ich dich durch und durch kenne", antwortete er ihm. „Die meisten Menschen verstehen dich und die Gründe deines Entschluffes absolut nicht, weil sie eben für so etwas keine Auffassung haben. Laß dich das nicht kümmern, geh du nur ruhig deinen Weg."
Stetten hatte seinen Arm in den des Freundes geschoben, er sah ihn strahlend an. „Ich wußte es, Wolf, ich wußte eS, und darum hatte ich wahres Verlangen nach dir. Warum hast du mich aber heute am Sonntag gerade hierher bestellt?"
Ein Lächeln glitt über die Züge des Offiziers. „Wenn ich mich in deine Liebhabereien hineinphantasieren wollte, könnte ich dir antworten, in Erinnerung an den Sonntag, den wir so herrlich im Grunewald mitten unter dem Sonn- tagSpublikum genossen. Bei meiner nüchternen Auffassung aber heißt es, weil das am praktischsten war. Du schriebst mir, daß du bis 5 Uhr in Potsdam zu tun habest, und ich hatte um dieselbe Zeit hier in Wannsee Sachen zu erledigen. Da machte sich das ganz einfach. Eine geschlagene halbe Stunde habe ich Zeit, mehr nicht.
Sie hatten den Tisch erreicht, den Stetten schon mit seinem Stock und Paletot belegt hatte und nahmen Platz.
„Also du willst nach Südwest ? Hast dich bei der Truppe als Kriegsfreiwilliger gemeldet und hoffst mitzukommen?"
Wolf stellte diese Fragen in seiner knappen Weise und fügte — gleich auf das Ziel losfahrend — hinzu: „Wie aber faßt deine Auserwählte die Sache auf?"
„Die läßt mich nicht im Stich, die ist mein guter Kamerad und geht mit mir durch dick und dünn", versicherte Stetten.
Wolf sah nachdenklich in die Ferne, seine Gedanken schweiften weit ab.
„Wirklich ?" jagte er und verstummte, während der Freund lebhaft fortfuhr:
„Recklings Farm ist zerstört, was er unter tausend Entbehrungen errungen hat, vernichtet. In dem Freunde verkörperte sich für mich das Deutschtum in seinem herrlichsten Streben und darum sühle ich jetzt doppelt schaff, was den Freund und was den Deutschen drüben betroffen hat. Solche Freveltaten schreien zum Himmel. Wer ein deutsches Herz im Leibe hat, den muß das packen, und wer, wie ich, dem Freunde einst gelobte, mit ihm gute und böse Tage zu teilen, der kann gar nicht taub bleiben für den Hülferuf unserer deutschen Brüder. Ich will zugeben, daß du in deiner Lage das nicht so intensiv empfinden kannst wie ich. Für mich aber, der ich Recklings intimster Freund bin, gibt es gar nichts anders als ein — Hinüber zu ihm, wo er jetzt als Kriegsfreiwilliger für seine neue Heimat, für unser Jung- Deutschland kämpst."
Mit wahrem Feuereifer hatte Stetten gesprochen und gar nicht bemerkt, daß des andern Züge einen halb lächelnden, halb überlegenen Ausdruck annahmen, als er meinte, der Freund könne in dieser Sache nicht so intensiv fühlen wie er.
Aber er hatte seinen Siegfried nicht unterbrochen und sagte jetzt nur in seiner ruhigen Weise: „Das alles versteht sich ganz von selbst, du hättest dir die Auseinandersetzung schenken können. Aber eins erläutere mir eingehender. Wie stellten sich -eine Schwiegereltern in spe zu der Sache, und