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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, wa

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Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein- gespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.^^^ns

Herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 5«. Donnerstag, den 14. Mai 1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 30. April 1908.

Bei der Plankammer der, Königlichen Landesaufnahme zu Berlin sind die den Kreis Hersfeld berührenden Meßtischblätter 1 : 25000 und zwar:

Nummer:

Sektion:

2925

Rotenburg a/F.

2926

Hönebach

2988

Hersseld

2989

Friedewald

2990

Vacha

3051

Eiterseld

3052

Geisa

neu erschienen.

Da die weiteste Verbreitung dieser Blätter, welche in der Hauptsache Staats- und wirtschaftlichen Zwecken dienen, im allgemeinen Interesse liegt, mache ich auf das Erscheinen der neuen Meßtischblätter besonders aufmerksam. Dieselben sind durch die Verlagsbuchhandlung R. Eisenschmidt zu Berlin N. W. 7, Dorotheenstraße^Oa zu beziehen. Der Preis eines Blattes beträgt 1 Für Staats- und Kommunal- behörden ist er aus 0,50 <M ermäßigt worden. Bezügliche Anmeldungen dieser Behörden zum Dienstgebrauche sind mög­lichst nach vorgeschriebenem Muster an die Plan kämm er zu richten. Anmeldeformulare sind durch diese und die vor­genannte Eisenschmidt'sche Handlung gratis zu beziehen.

Muster der neu erschienenen Meßtischblätter können in meinem Geschäftszimmer während der Dienststunden einge- sehen werden.

I. 4484. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Dom Vogelschutz.

Das Vogelschutzgesetz hat die drittte Lesung passiert und ist nach schwerem Kämpfe gemäß den Beschlüssen der Kommission angenommen worden.

Es dürste von Interesse sein, die wichtigsten Neuerungen sich kurz zu vergegenwärtigen.

1. Verboten ist in Zukunft jede Art der Fangens mittels Vogelleims.

Diese Neuerung ist um dessentwillen von besonderer Be­achtung für den Vogelschutz, weil die Vogelfänger die ge­fangenen Weibchen gewöhnlich nicht verwerten können, solche daher einfach bei Seite werfen. Von den mit Vogelleim ge­fangenen Weibchen, welche für die Fortpflanzung besonders ins Gewicht fallen, gehen die meisten durch Hunger ein oder

Oiir

unser vier.

Von A. von Liliencron. (Fortsetzung.)

Erlaube mal, Siegfried, dagegen möchte ich protestieren." Hilft dir aber nichts. Mit gefangen, mit gehangen. Das Programm ist fertig und muß ausgespielt werden. Dn bist in Zivil, hast also keine begründete Ausrede, und faule lasse ich nicht gelten. Punktum, du mußt mit."

Sie hatten Paulsborn erreicht und Stetten hielt die Pferde an.

Der junge Offizier mußte sich wohl oder Übel in die Lage finden. Sympathisch war sie ihm nicht, aber wer konnte den lachenden Augen und der fröhlichen Ueberredungsgabe dieses Sonntagskindes", wie Stetten von seinen Kameraden genannt wurde, widerstehen!

Wir haben wieder einmal Glück", erklärte dieser, während sie durch den vorderen Teil des Gartens schritten.Hier steht Tisch an Tisch, und alles ist besetzt, aber da unten am Wasser, gerade da. wo es am schönsten ist, sehe ich noch solch einen heimlichen Platz sür zwei. Vorwärts, marsch, den erobern wir!"

Und sie eroberten ihn, saßen gemütlich beieinander, ließen es sich trefflich schmecken und mit dem Blick aus Wald und Wasserkneipten Natur", wie Stetten behauptete. Nun, sei mal ehrlich, alter Junge", examinierte er,stört dich nun im geringsten dieser vergnügte Menschenschwarm, der sich hier rund um uns herum amüsiert?"

Nein, ich drehe der Welt den Rücken, sehe nichts als den blauen Himmel, das stille Wasser und den grünen Wald, vielleicht auch mal dein lachendes Gesicht, sonst habe ich mich hermetisch gegen alles andere abgeschlossen."

Kannst du gar nicht", neckte der andere,du müßtest dir denn wie Odysseus die Ohren verkleben, denn das summt und zwitschert alles vergnüglich um dich herum. Man atmet ordentlich bei diesem lustigen Geschwirr den Frohsinn mit ein."

Und du strahlst ihn aus", schnitt ihm Eschen das Wort

fallen dem Raubzeug zum Opfer. Es rechtfertigt sich daher das allgemeine Verbot des Vogelleims.

2. In der Zeit vom 1. März bis zum 1. Oktober (früher 15. September) ist nicht allein wie bisher das Fangen und die Erlegung von Vögeln sowie der Verkauf toter Vögel unter­sagt, sondern es ist während dieser Zeit auch der Ankauf, Verkauf und das Feilbieten sowie die Ein-, Aus-, und Durch­fuhr von lebenden Vögeln der unter Schutz gestellten Arten untersagt. Dieses Verbot erstrekt sich für Meisen, Kleiber und Baumläufer sogar auf das ganze Jahr.

Diese Bestimmung entspricht den analogen Vorschriften der Wildschongesetze über den Handel mit Wild während der Schonzeit.

Durch diese neuere Vorschrift wird den Vogelhändlern während der Früjahrs- und Sommermonate das Handwerk gelegt, gleichzeitig den Vogelfängern der Absatz ihrer während der Schutzzeit gefangenen Vögel unmöglich gemacht.

3. Der Vogelschutz ist ausgedehnt auf einige zwar mehr oder weniger schädliche Vögel wie Schreiadler, Seeadler, Gabel­weihe, Kolkraben, um ihr völliges Aussterben zu verhüten.

4. Besonders bedeutsam ist die Beseitigung des Dohnen- stiegs, überhaupt das Verbot des Fangens mittels Schlingen.

Sie AufkliimMbeit her Sums in Wand.

Die Bedeutung einer Volksvertretung in der Verwaltung eines Staates wird in erster Linie immer darin erblickt, daß die Steuern zahlenden Staatsbürger auch über die Ausgaben des Staates und über die Art der Gesetzgebung ein Mitbe­stimmungsrecht haben müssen. Im modernen Staate ist ja dieses Recht verfassungsmäßig festgestellt, und man denkt in solchen Staaten nicht daran, daß eine richtige Volksvertretung auch noch eine große Arbeit der Aufklärung über die Zustände in einem Lande zu vollbringen in der Lage ist, und in Ruß­land zeigt es sich jetzt mehr und mehr, daß die Duma dem Zaren Nikolaus und auch dem ganzen Lande gegenüber keine segensreichere Aufgabe erfüllen kann, als die Aufklärung über schreckliche Zustände in Rußland. Bei der Beratung des russischen Budgets konnten die Minister und Beamten, sowie auch das ganze russische Volk von der Duma Wahrheiten hören, die man bisher in Rußland totzuschweigen pflegte. Die Forderungen für den Neubau der russischen Marine und die Aufstellung der Ausgaben im allgemeinen haben nämlich ge­zeigt, daß Rußland inbezug auf die Höhe seiner Ausgaben schon seit Jahren weit, sehr weit über seine Einnahmen geht, also in der schrecklichsten Weise Schulden macht. Soll nun Rußland nicht vollständig wirtschaftlich ruiniert werden, so muß an den riesigen Staatsausgaben gespart und innere Re­formen auf den wirtschaftlichen und sozialen Gebieten durch­geführt werden. Die russische Großmachtspolitik nach außen ist also ein Größenwahn schon seit Jahrzehnten gewesen, und der russische Staat besitzt in keiner Weise die Kräfte für die maßlose Ausdehnungspolitik, welche die russische Regierung in

ab.Weiß der Himmel, man kann mit dir nicht zusammen sein, ohne daß etwas von deiner Lebensfreudigkeit auf einen selber übergeht. Mir ist das nicht so gegeben, ich sehe pessimistisch in die Welt, kann nicht gleich Feuer sangen wie du und". .

Verbarrikadiere mein Herz, damit ja keiner herankommen kann", ergänzte Stetten.Aber ebensogut, wie ich diese wohl­verwahrte Feste im Sturm genommen habe, so wird Gott Amor auch schon einmal Bresche schießen und einen jubelnden Einzug halten."

Trotzige Abwehr blitzte in den grauen Augen des jungen Offiziers auf.

Du kennst mich, das ewig Weibliche hat für mich nicht den Zauber, wie für die meisten andern. Flirt reizt mich nicht, Kleinkram und oberflächliches Geschwätz stößt mich ab. Ich bin zu kritisch angelegt, um nicht sofort die Schatten zu entdecken, die mir das Bild trüben. Strenge dich also nicht meinetwegen an, es ist vergebliche Mühe, mich zur Liebe ver­locken zu wollen. Sage mir lieber von dir, von deinen Er­fahrungen, die du vorhin andeutest."

Stetten hob abwehrend die Hand.Nicht jetzt, nicht hier! Wir wandern nachher in den Wald. Hier sollst du keinen Herzenserguß von mir anhören, sondern sollst nur Augen und Ohren einmal offen haben für den frischen, kräf­tigen Herzschlag unseres Volkslebens in der freien Natur und dabei erzählen sich am besten ein paar lustige Geschichten."

Und so machten es die beiden nun auch, verzehrten wohl­gemut ihren Imbiß, rauchten, plauderten und beobachteten das Treiben um sich her.

Dann gings in den Wald. Wie bunte Schmetterlinge huschten die Mädchen in ihren hellen Kleidern durch das Grün, Blumen wurden gepflückt, Erdbeeren gesammelt und lustige Neckereien getrieben.

Dazwischen jubelten Kinderstimmen, während einzelne Paare, die sich Vertrautes zu sagen hatten, die einsameren Wege aussuchten. Stetten schlug allmählich mit dem Freunde den Weg nach Hundekehle ein. Sie wanderten auf der Böschung unter den Bäumen. Der See lag zu Füßen.

Hier ist es schön, hier wollen wir rasten", erklärte Stetten und warf sich in das Gras.Idyllisch, nicht wahr?"

Asien betrieben hat und am liebsten sogar auch auf der Balkan­halbinsel in Szene gesetzt hätte. Die nähere Untersuchung der Steuereinnahmen des russischen Staates durch die Duma hat aber auch ergeben, daß in Rußland ungefähr der britte Teil der Bevölkerung so arm ist und meistens in so großer Not lebt, daß er gar keine regelmäßigen Steuern zahlen kann, und daß Rußland, wirtschaftlich betrachtet und die Einkommen auf den Kops der Bevölkerung berechnet, das ärmste Land in ganz Europa, ja vielleicht in der ganzen Welt ist, soweit man von kultivierten Staaten sprechen kann. Dazu kommen unheilvolle Zustände für viele russische Gouvernements infolge von häufigen Mißernten und Viehseuchen. Aber nicht nur in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht haben die Beratungen der Duma eine Aufklärungsarbeit für Rußland vollbracht, fondern diese Beratungen haben auch über andere grauenhafte Zustände in Rußland den Zeitgenossen die Augen geöffnet und wiederum gezeigt, wie erbärmlich und tiefgesunken die russische Verwüstung ist. Die Beratung des Etats für die Gefängnisse in Rußland, hat nämlich die erschreckende Tat­sache ergeben, daß Rußland für die ungeheuere Menge der Gefangenen gar nicht genug Gefängnisse besitzt. Mitglieder der Duma haben der Regierung vorgeworfen, daß sie in Ge­fängnissen, die nicht einmal Raum für tausend Gefangene hätten, über zweitausend Gefangene zusammengepfercht habe, so daß die armen Gefangenen vielfach auf den Korridoren und Treppen kampieren und in sitzender Stellung schlafen müssen. Solche Zustände machen die Wut begreiflich, die bei vielen Russen gegenüber den Polizeibeamten in Rußland vorhanden ist und zu immer neuen Attentaten auf die Polizeibeamten führt. Aber diese Beamten sind für die Uebersüllung der Ge­fängnisse gar nicht verantwortlich, sondern die Schuld liegt in der russischen Verwastung, welche mit bodenloser Rücksichts­losigkeit und altem schimpflichen Schlendrian die Gefangenen wie Tiere zu behandeln gewohnt ist. Auch begünstigt die Uebersüllung in den russischen Gefängnissen den Ausbmch ge­fährlicher Krankheiten und sollen jetzt in 65 Gefängnissen Rußlands schwere Typhusepidemien herrschen. Die Arbeit der Duma wird sich also in Rußland hauptsächlich als eine wohl­tätige Ausklärung über die wahren Zustände des Landes zeigen und in einer Resorm der Behandlung der ganzen öffentlichen Angelegenheiten gipfeln müssen.

M Wirre« in Marokko.

In Marokko scheint sich nun doch eine Entscheidung zugunsten des Gegensultans Mulay Hafid vorzubereiten. Der Einzug Mulay Hafids in Fez soll nach Kabelmeldungen aus Tanger entweder schon erfolgt sein oder doch unmittelbar be- vorstehen. Die unter dem Besehle Buchta Ben Bagdadais von Rabat gegen Fez gezogenen, etwa 7000 Mann starke Mahalla des Sultans Abdul Asis ist, wie verlautet, zu Mulay Hafid übergegangen, was allerdings ein furchtbarer Schlag für Abdul Asis wäre.

meinte er zu Wolf, der etwas umständlich neben ihm Platz nahm.

Hm ja ganz schön! Aber ich will nicht leugnen, die Sitzgelegenheit könnte etwas bequemer sein, und daß diese vergilbten alten Papiere, die hier herumliegen, den Reiz der Idylle erhöhten, muß ich abstreiten."

Menschenkind, sei kein Philister", wurde er gescholten. Sieh mal, wie die untergehende Sonne ganz rot auf den Fichtenstämmen glüht, und wie der Abendhimmel sich im Wasser spiegelt. Da unter uns wogt noch das Leben, und hier ist's still, stimmungsvoll, einfach köstlich!"

Wolf von Eschen hatte sich eine Zigarre angezündet, sah den blauen Ringeln gedankenvoll nach und meinte dann, sollte dies nicht der geeignete Augenblick sein zu dem ver­sprochenen Herzenserguß?"

Ganz recht", nickte Stetten,denn gerade solch ein Abend war's wie heute, und hier im Grunewald wars auch, wo die Geschichte sich abspielte."

Aha, also daher heute die Entführung hierher, es ist ge­heiligter Erinnerungsboden, den wir betreten!"

Stetten beachtete die Randbemerkung des Freundes nicht, sondern fuhr fort, während der sonnige Ausdruck seiner Züge sich immer mehr vertiefte.

Vor einem Jahre haben wir uns zum ersten Male ge- sehen, Hilda von Bartenstein und ich.

Sie war erst vor kurzem eingesegnet und lief noch mit langen Blondzöpfen, die ihr über den Rücken hingen, umher. Ich stand damals als Einjähriger bei den Ulanen und lag im Manöver auf ihrem väterlichen Gut im Quartier. Einen Ruhetag hatten wir dort, Biwak und Manöver dicht dabei. Nun, wie das denn so kommt, wir zwei waren die jüngsten, hatten uns gefunden wie ein Paar lustige Kameraden und freuten uns zusammen der köstlichen Stunden. Erst als wir wieder getrennt waren, sind wir uns klar geworden, daß da­hinter mehr steckte, als Manövertändelei. Aber siehst du, ich bin solch ein vernünftiger Kerl . . . ."

Wolf räusperte sich vernehmlich, aber Stetten ließ sich nicht irre machen, sondern betonte nur stärker,solch ein urverstän- diger Mensch, daß ich doch nicht Hals über Kopf in AmorS