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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Kernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 54. Sonnabend, den 9. Mai 1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 5. Mai 1908.

Im Monat April d. Js. sind für die nachbezeichneten

Persönlichkeiten diesseits Jagdscheine ausgestellt worden:

A. Jahresjagdscheine:

a. entgeltliche:

am 8/4. für den stud. med. Bernhard Sperber in Philipps-

thal,

25/4. Gastwirt Justus Göbel in Wüstfeld,

Königlichen Landrat von Grunelius in Hersfeld,

Referendar Freiherr Riedesel zu Eisenbach in Marburg,

28/4. Oberpostassistenten Ernst Valentin Glebe in Hersseld,

Schachtarbeiter Johann Georg Friedrich Rudolph in Heringen,

b. unentgeltliche:

27/4. Forstbeflissenen Hans Heß in Niederaula. ß. Tagesjagdscheine: Keine! Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 4. Mai 1908.

Der Straßenmeister Mantel in Gudensberg ist infolge Beschlusses des Landes-Ausschusses vom 10. April d. Js. ab an Stelle des erkrankten Straßenmeisters Kranz nach Hersfeld versetzt worden.

1. 4559. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Thamer.

Hersfeld, den 4. Mai 1908.

Diejenigen Ortspolizeibehörden des Kreises, die bisher den in meinen Verfügungen vom 30. Januar d. Js. I. 632 und 31. Januar d. Js. I. 801 (Kreisblatt Nr. 14) erforderten Bericht über die Durchführung der ministeriellen Vorschriften betr. Legitimationspapiere ausländischer Arbeiter noch nicht eingesandt haben, werden hierdurch an Einsendung desselben mit Frist von 5 Tagen erinnert.

I. 4621. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 6. Mai 1908.

Diejenigen Herrn Ortsvorstände bezw. Gutsvorflände, die bisher in Gemäßheit meiner Verfügung vom 16. 4. 08. I 3995, (Kreisblatt Nr. 48), die Hebelisten für die zu den

Der Beburtstagsstrauss. )

In dem Städtchen H. hatte die Tanzstunde für die Herren Gymnasiasten begonnen. Unter der kunstsinnigen Leitung des gelenkigen Tanzmeisters waren schon fast alle Tänze mit hin­reichender Sicherheit eingeübt. Dennoch gab es manchen, der an der Seite seinesIdeals" im unbemerkten Augenblicke mehr auf dessen schöne Augen und Wangen geschaut hatte als auf die Bewegungen des Tanzmeisters, der mehrihren" zierlichen Schritten seine Aufmerksamkeit geschenkt hatte als den eignen. Die Folge war, daß gar mancher mitiTerpsichores Geheimnissen noch wenig vertraut war.

Unter dieser Klasse derUnachtsamen" war auch Ernst Werth zu finden. Nicht um seinen etwas steifen Gliedmaßen eine größere Gelenkigkeit zu verschaffen, hatte er sich am Tanz- stundenkursus beteiligt. Nein, ihn zog eine andre unwider­stehliche Macht in den Tanzsaal: Else Braun, das hübsche, einzige Töchterlein seines Ordinarius. Das Glück^wollte es, daß er sie, für die er schon lange Zeit schwärmte, als Tänzerin bekam. Sie war mit ihren 16 Jahren ein allerliebstes Mädel, Ihre hellblauen Augen, der zierliche Mund, hinter dem bei anmutigem Lächeln hell und glänzend die weißen Zähne her- vorlugten, ihre hübschen roten Bäckchen, die beim Tanze noch mehr erröteten, die schönen lockigen Blondhaare, die hinten am Kopfe in einem wohlgebundenen Zopfe endigten, alles das war geeignet, das Herz eines Primaners stark zu erregen und ihm den Zauber der ersten Liebe zu verleihen.

Auch Ernst Werth spürte tief im Innern die Gewalt der ersten Minne. Schüchtern und zaghaft wie er war, wagte er zwar niemals, sein Herz zu öffnen, aus Furcht, einenKorb" zu bekommen. Er überließ deshalb den größten Teil der Unterhaltung Else selbst, die durch ihre freundliche Gesprächig­keit ihm oft die Gewißheit herzlicher Neigung verschaffte. Heute, beim Tanze, sollte diese Gewißheit von Elsas Liebe bei Ernst neue Hoffnungen erwecken.

Herr Werth", fragte Elfe zutraulich, doch nicht ohne rot

*) Aus dem BucheLustige Pennälergeschichten von August Heinz" Modernes Verlagsbureau Curt Wigand, Berlin), vorrätig in der Westphalschen Buchhandlung.

Kosten der Landwirtschaftskammer zu zahlenden Beiträge noch nicht eingesandt haben, werden hierdurch an sofortige Einsendung derselben erinnert.

I. 3995. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

In Harnrode im Kreise Hersfeld ist eine Telegraphenanstalt mit Unfallmeldedienst und öffentlicher Fernsprechstelle in Wirksamkeit getreten.

Cassel, 4. Mai 1908.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. I. V.: B u ch h o l z.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Der Reichstag, der nach den Osterferien wieder zu­sammengetreten war, ist nunmehr bis zum Herbste vertagt worden. War die Tagung auch nur von kurzer Dauer, so hat doch noch eine ganze Reihe von Vorlagen ohne besondere Schwierigkeiten ihre Erledigung gefunden, da die Parteien entweder darüber im wesentlichen von vornherein einig waren, oder in den Kommissionen eine Verständigung zustande ge­kommen war. Die wichtigste, seit Monaten brennende Frage der neuen Reichssteuern, für welche die Vorbereitungen noch nicht weit genug gediehen sind, wird den Reichstag erst im Herbst beschäftigen. Zurzeit ist der neue Reichsschatzsekretär Sydow in persönliche Unterhandlungen mit den Ministern der Bundesstaaten getreten, um über die Grundzüge der dem Reichstage dann vorzuschtkgxnden Maßnahmen eine Ver­ständigung herbeizuführen. Schon jetzt aber spricht die Wahr­scheinlichkeit dafür, daß der Geldbedarf des Reiches auch in Zukunft im wesentlichen auf dem Wege indirekter Steuern ge­deckt werden wird. Nachdem schon das preußische Herrenhaus direkte Reichssteuern für unannehmbar erklärt hat, ist eine gleiche Aeußerung jetzt auch von feiten des bayrischen Finanz­ministers in der bayerischen Kammer erfolgt.

Das alte Habsburger Residenzschloß Schönbrunn in Wien war in der abgelaufenen Woche der Schauplatz einer ganz eigenartigen Begebenheit. Zum sechzigjährigen Re­gierungsjubiläum des Kaisers Franz Josef von Oesterreich war daselbst der deutsche Kaiser mit den vornehmsten deutschen Bundesfürsten versammelt, um dem greifen Herrscher des mit Deutschland treu verbündeten Nach­barreiches durch persönliche Darbringung ihrer Glückwünsche eine besondere Ehrung zu erweisen. Welch eine Wandlung in den fast 20 Jahren von den achtundvierziger Revolutions­stürmen bis zur Auseinandersetzung zwischen Preußen und Oesterreich, dann wieder in den nahezu vierzig Jahren zwischen der Gründung des Deutschen Reiches und dem heutigen Zeit­punkte des immer enger werdenden Zusammenschlusses der

zu werden,haben Sie morgen bei meinem Vater Stunde?"

Jawohl, Fräulein Braun, Latein und Deutsch."

Nun, da brauchen Sie sich heute nicht viel anzustrengen, Herr Werth, ich habe nämlich morgen Geburtstag; da ist mein Vater gut gelaunt."

Sie hat Geburtstag!" stammelte Ernst leise vor sich hin. Erst dann bekundete er seine Freude über Eises klugen Einfall durch ziemlich lautes Lachen.

Herr Werth, wollen Sie bitte die Güte haben, auf meine Bewegungen zu achten?" mahnte der Tanzmeister.

Ernst blickte zwar hin und gab sich den Anschein großer Aufmerksamkeit, doch seine Gedanken waren bei einer andern Sache; er überlegte, womit er Elfe eine Geburtstagsfreude bereiten könne.

Er war herzlich froh, als die Tanzstunde beendigt war, denn nun konnte er ungestört in seinem Zimmer über ein möglichst sinniges Geburtstagsgeschenk nachgrübeln.

Am anderen Morgen zeigte Professor Braun tatsächlich eine ungewohnte Milde und Gemütlichkeit. Ernst, der ver­gessen hatte,, die aufgegebenen Daten aus der Literaturgeschichte zu lernen, bekam keine Strafe, sondern nur die Aufforderung, sich morgen vor der Stunde zu melden.

Er hat heute die gute Hose an, der Alte", sagte der dicke Steiner zu seinem Nachbarn.

Wird halt Geburtstag haben," meinte dieser. In der nächsten Stunde stand einGratulamur" an der Tafel, und ein schnell in der Pause gekauftes Blumenbukett prangte auf dem Katheder. Ernst sah den andern heimlich lachend zu, ließ aber kein Wort verlauten.

Was ist denn das?" bemerkte der Herr Professor bei seinem Eintritte scherzend,gilt das mir?"

Ein zaghaftesJa" erscholl.

Ich habe nicht Geburtstag", erklärte Braun lachend; wenn Sie wirklich in aufmerksamer Weise meinen Geburtstag feiern wollen, so müssen Sie den hübschen Blumenstrauß noch ein Vierteljahr ausheben..."

Uebrigens wäre es doch recht schade," fuhr der Herr Professor fort, nachdem er eine Zeitlang das schöne Bukett betrachtet hatte,die prachtvollen Blumen verwelken zu lasten;

beiden großen stammve: wandten und verbündeten Völker! Dem treuen Verbündeten des neuen Deutschen Reiches galt die Ehrung, die Kaiser Wilhelm und die deutschen Bundes- fürften ihm in Schönbrunn bereiteten, aber sie galt auch zu­gleich dem echt deutschen Fürsten. Und darum ist der Fürsten­tag von Schönbrunn nicht nur für alle Welt ein neuer Beweis für die Unerschütterlichkeit des Bündnisses zwischen dem Deutschen Reiche und dem Hause Habsburg, sondern er ist auch ein Freuden- und Ehrentag für das deutsche Volk Oesterreichs, das auf exponiertem Posten unerschüttert und in deutscher Treue Wacht hält an der Ostmark der Grenzen, bis wohin deutsche Zunge klingt.

Ernste Gefahren drohen England an der indisch-afghanischen Grenze. Der Emir von Afghanistan ist ungehalten darüber, daß England mit Rußland über seinen Kopf hinweg einen auch sein Land betreffenden Vertrag abgeschlossen hat, und legt daher den Brandreden seiner Mollahs gegen die Ungläubigen keinerlei Hindernisse in den Weg. Durch den Ausmf zumHeiligen Kriege" werden Hunderttausende gläubiger Mohammedaner den Reihen der die indischen Grenzen bedrängenden halbwilden Stämme der Moh- mands und Rhagianis zugesührt, und die englischen Truppen haben den fanatischen Angreifern bereits sehr ernsthafte Treffen liefern müssen. England sieht sich durch die indisch-afghanische Verwicklung vor eine neue schwere Aufgabe gestellt, und zwar in einem Augenblicke, wo auch aus Aegypten Meldungen über das Bcvorstehcn neuer Erhebungen der Eingeborenen gegen die englische Herrschaft eingelaufen sind.

Sie ZubilsWsfeittliWltN in Wies.

Ein Vorgang von toeu^iftouhb einziger Art spielt sich heute in dem an Erinnerungen so reichen Schönbrunner Schlosse ab. Seine Majestät der Kaiser Wilhelm ist mit den deutschen Bundesfürsten und dem Bürgermeister von Hamburg als Vertreter der drei Freien Städte erschienen, um Seine Majestät den Kaiser und König Franz Joses zum bevor­stehenden Abschluß einer sechzigjährigen RegierungSzeit zu be­glückwünschen. In dieser Kundgebung innigster Sympathie gelangt die hohe Verehrung zum weithin vernehmbaren Aus­druck, die der ehrwürdige Monarch auf dem Throne der Habsburger bei den deutschen Fürsten wie beim deutschen Volke genießt. Als leuchtendes Vorbild treuester Pflicht­erfüllung, als Verkörperung einer auf umfassendsten Er­fahrungen ruhenden abgeklärten Lebensweisheit, als Träger vornehmster Gesinnung, die strenge Anforderungen gegen sich selbst mit Milde gegen andere vereinigt, steht Kaiser und König Franz Josef seit Jahrzehnten vor den Augen der Welt da eine erhabene Herrschererscheinung! Unserem Volke, ohne Unterschied des Stammes, ist der Monarch des Habs­burgischen Reiches längst nicht mehr allein der seit vielen Jahren bewährte, treue Verbündete und Freund unseres Kaisers; vielmehr verbinden viele Millionen des deutschen Volkes mit

ich habe ja nur Spaß gemacht; einer von Ihnen besitzt vielleicht die Güte, den Strauß nach der Stunde in meine Wohnung zu bringen."

Die ganze Klasse antwortete mit beifälliger Zustimmung. Jetzt stand der Primus auf.

Herr Professor, nehmen Sie das vermeintliche Geburts­tagsgeschenk von uns an als Zeichen der Verehrung und Liebe!"

Recht so, so soll es fein."

Dann schlug man Grillparzer auf. In seinem Stücke: Des Meeres und der Liebe Wellen" wurde fortgefahren. Ernst befand sich in mißlicher Lage. Einmal wollte er sich die schöne Liebesszene im dritten Akte zwischen Hero und Leander nicht entgehen lassen, sodann dachte er darüber nach, wie er den hübschen Blumenstrauß zugleich mit seinem Ge­schenke unmittelbar an seine Angebetete abgeben könne. Von wechselnden Empfindungen gemartert, erwartete er voll Un­geduld daS Ende der Stunde. Sobald die Glocke ertönte, sprang er auf, eilte vor allen andern hin zum Katheder und bot dem Herrn Professor seine Dienste an. Verdächtig blickte dieser über seine Brille hinweg auf Ernst, dessen Gesicht alsbald eine dunkle Röte übelflog.

Wissen Sie, wo ich wohne, Werth?" fragte er mißtrauisch.

Ja, Herr Professor."

Bahnhofsstraße 28, II."

Wenn der Herr Professor gewußt hätte, wie bekannt unserm Werth die Wohnung in der Bahnhofsstraße war, wie oft dieser schon im Vorbeigehen Ausschau gehalten hatte nach einem gewissen Fenster, "in der Erwartung, daß sich dort ein mit Blondhaar umrahmtes Köpfchen zeigte!

Kaum hatte es geläutet, da kam auch unser Werth schon als erster aus dem Gymnasium. Schnurstracks eilte er zunächst der eignen Wohnung zu, stürmte in sein Zimmer, schloß ein Kästchen auf, nahm das Geschenk heraus und steckte es ein. Dann zog er seine gelbenGlaces" an, ergriff daS Bukett und verließ, so schnell er gekommen war, die Wohnung.

Schon von weitem spähte er durch das Grün des Gartens, der sich rings um die Villa des Professors hinzog, nach dem wohlbekannten Fenster im zweiten Stock. Und wirklich be-