Giftpflanze, die in allen ihren Teilen ein böses Herzgift enthält! Glücklicherweife schmeckt es rechtschaffen bitter und warnt so vor sich selbst. — Sollen wir uns nun diese Blumen und Blüten verleiden lassen? Bewahre, wir freuen uns ihrer. Unser Auge dankt dem Oleander und dem Goldregen ihre Schönheit, und am Geruch eines holden Maiblümchens labt sich unser Geruchsörgan. Aber was darüber ist, das ist vom Uebel und taugt weder zum Kauen, noch zum Essen, ihr Kinder! Und wenn es ein Esel frißt, so ist er ein Esel und muß daran sterben.
Homberg, 2. Mai. Im Austrage des Konsistoriums zu Cassel hält sich augenblicklich Herr Pfarramtskandidat Schafft an der Taubstummenanstalt auf, um sich durch Anhören des Unterrichts mit dem Wesen der Taubstummen und des Taubstummenunterrichts vertraut zu machen. In dieser Weise sollen Geistliche gewonnen werden, welche die Scelsorge an den Taubstummen in geeigneter Form auszuüben vermögen. Herr Kandidat Schafft ist ein Sohn des Herrn Superintendenten Sch. aus Hers feld, der als Sohn des ehemaligen Inspektors der hiesigen Taubstummenanstalt den Taubstummen seit jeher ein weitgehendes Interesse entgegengebracht hat. (H.P.)
Fulda, 5. Mai. Der Bischof von Fulda, der augenblicklich in Rom weilt, wurde am Montag vom Papst in Audienz empfangen, in deren Verlauf der Bischof 16 800 Fr. als Peterspsennig überreichte.
Wenzingerode, 3. Mai. Eine schreckliche Tat verübte hier vor einigen Tagen die Frau M. Durch Schelten, Drohungen usw. reizte dieselbe ihren Schwiegersohn Urspruch — aus Albertshausen gebürtig — so lange, bis dieser schließlich vor sie hintrat und ihr Ruhe gebot. Diesen Augenblick benutzte Frau M. und schüttete dem bedauernswerten Manne kochendes Wasser in die Augen. Ob Urspruch sein Augenlicht vollständig wiedererhält, dürste eine große Frage sein, da der eine Augapfel arg verbrüht ist.
Mengeringhausen (Waldeck), 4. Mai. Ein Unglücksfall hat sich im benachbarten Strotha zugetragen. Dem einzigen Sohn des Gutsbesitzers Zinsenheim wurde beim Futterschneiden von der Maschine ein Arm dermaßen verletzt, daß dessen Amputation erfolgen mußte.
Frankfurt, 3. Mai. Im Telephonamt der Hauptpost wurde am Donnerstag nachmittag eine Telephonistin durch das wiederholte Anschellen eines Anrufenden von einem Nervenschock betroffen und verlor plötzlich das Gehör. Sie wurde nach dem Krankenzimmer des Amtes und von da aus nach ihrer Wohnung verbracht.
Frankfurt a. M., 4. Mai. Der 49jährige Schiffer Nikolaus Höfling, Dreikönigsberg 13, wollte heute nacht aus sein im Main ankerndes Schiff zurückkehren. Er fiel dabei in den Main und ertrank. — Ein Auto der Adlerwerke Überfuhr auf der Mainzerlandstraße derart einen jungen Radler aus Griesheim a. M., so daß beide Beine des Unglücklichen verloren sind. — Auf dem Grabe seines Freundes auf dem Sachsenhäuser Friedhof erschoß sich heute früh der 26jährige Schreinergeselle Heinrich Ahrens aus Sachsenhaufen.
Schlitz, 3. Mai. Eine heikle Angelegenheit bildet seit einigen Tagen das Tagesgespräch, nämlich das Zerwürfnis des Grafen Görtz mit der hiesigen Stadtverwaltung. Schon seit fast 30 Jahren ist der Gras Inhaber der hiesigen Gemeindejagd und zahlt dafür, wie von jeher, 400 Mark Pacht. In der Bürgerschaft erregte es schon oft Erbitterung, daß Ersatzansprüche auf die zahlreiche Wildschäden von der gräflichen Verwaltung rundweg abgelehnt wurden. Auch der Preis für Bezug von Holz aus den gräflichen Waldungen wurde nach allgemeiner Ansicht gegen die bestehenden Abmachungen erhöht, was das gegenseitige Einvernehmen weiter trübte. Die Gemeindeverwaltung, die bei der letzten Wahl verschiedene neue Mitglieder erhielt, erachtete den Jagdpreis von 400 Mark als zu niedrig und wünschte die Ablösung, die auch am 1. Mai erfolgte. Graf Görtz pochte darauf in einem Schreiben an die Stadtverordneten auf alte Privilegien, was die Stadtväter aber nicht anerkennen. Unwillig hierüber hat nun die Gräfliche Verwaltung den Schloßpark für daS Publikum geschlossen. Das macht bei den Einwohnern keinen besonderen Eindruck, da sie den Schloßpark wenig besuchten, nur die von Bad Salzschlirf herüberkommenden Kurgäste pflegten sich in dem Park zu ergehen. Man spricht auch viel von einem beabsichtigten Boykott des Bieres aus der Brauerei des Grafen Görtz. Das Verhältnis zwischen Graf Görtz und der Stadt wird, wie es scheint, immer gespannter, da der Graf auch mit Wegzug von Schlitz gedroht haben soll. (C. A. Z.)
Friedberg, 2. Mai. Ein Vitriolattentat verübte eine in einem hiesigen Geschäft angestellte Verkäuferin gegen einen das hiesige Technikum besuchenden jungen Mann. Dieser soll ziemlich verbrannt sein.
Naumburg, 4. Mai. Ein von Kösen kommendes Automobil Überfuhr gestern abend im benachbarten Almrich einen 4jährigen Knaben, welcher so schwer verletzt wurde, daß er bald darauf starb.
Weimar, 4. Mai. Große Freude herrschte dieser Tage hier unter den Kindern, die als A-B-C-Schützen in eine der hiesigen Bürgerschulen eintraten. Neben der herkömmlichen großen Zuckertüte erhielt nämlich jedes Kind ein auf seinen Namen ausgestelltes Sparkassenbuch über den Betrag von 1 Mark zum Geschenk. Die Verwaltung unserer Sparkasse war die Spenderin dieser Gabe, durch welche der Sparsinn der Jugend angeregt werden soll. Ein eingeklebtes Druckblatt auf dem Umschlag der Sparbücher besagt, daß der Betrag nur dann ausgezahlt wird, wenn die Kinder zu der ersten Mark noch weiteres Geld hinzugespart haben, andernfalls aber an die Sparkasse zurückfällt. Außerdem erfolgt die Auszahlung nicht früher als einige Wochen vor der Konfirmation oder nach dem etwaigen Tod während der Schulzeit. Hinsichtlich derjenigen Kinder, welche im Laufe der Schuljahre Weimar verlassen, behält sich die Verwaltung der Sparkasse besondere Entschließung vor.
Eisfeld, 1. Mai. Im nahen Gießübel war die Frau des Hch. Brückler im Walde mit Leseholzsammeln beschäftigt, als sich plötzlich ein großer Stamm in Bewegung setzte und über die Frau Hinwegrollte. Die Bedauernswerte r^urde derart verletzt, daß schon nach einer halben Stunde der Tod eintrat.
Halle, 4. Mai. Der Schlosser Willy Dietzmann hier wurde in seiner Wohnung von dem Tischler Jänsch nach kurzem Wortwechsel niedergestochen. Der Täter wurde verhaftet.
Aus Südhannover, 2. Mai. Große Sorge herrscht zur Zeit in zahlreichen ländlichen Häusern, nachdem der Getreide- und Pferdehändler Katz in Göttingen mit Hinter- lassung einer riesigen Wechselschuld (angeblich mindestens 600 000 Mark) plötzlich verstorben ist. Für diese Wechselschuld werden nämlich jetzt ländliche Besitzer (bisher schon 57) haftbar gemacht. Katz hatte es verstanden, die allzu vertrauensseligen Landleute zur Hergabe von Blankowechseln zur Begleichung kleiner Schulden für von ihm entnommene Futter- und Dünge
mittel zu bewegen. Diese Wechsel füllte K. mit viel höheren Summen aus, als die wirkliche Schuld Betrug. So soll z. B. ein namhaft gemachter Besitzer, der 300 Mark schuldete, einen über 3000 Mark lautenden Wechsel bei der Bank einlösen, und ist ihm bereits sämtliches Inventar dafür gepfändet worden. Ganz ähnlich ergeht es vielen anderen allzu vertrauensvollen Landleuten.
Vermischtes.
— (Ein eifrig er Parlamentarier.) Provinzler, welche nach Berlin kommen, um in der Reichshauptstadt für einige Wochen Aufenthalt zu nehmen, lieben es» wenn ihr Besuch in die Reichstagssession fällt, ins Parlament zu gehen, um die Reden des Abgeordneten ihres Kreises mit anzuhören. Sie sind gewöhnlich, unter der Voraussetzung, daß der Betreffende ihrer politischen Richtung angehört, sehr stolz auf ihren Abgeordneten und versäumen keine Sitzung. Kürzlich trafen sich nun rein zufällig in einem Restaurant der Friedrichstadt zwei einflußreiche Bürger desselben Städtchens, welche ihr Möglichstes getan hatten, um ihrem Kandidaten zum Siege zu verhelfen, und welche diesen so ein wenig als das Geschöpf ihres Willens betrachteten. — „Haben Sie ihn gehört", fragte neugierig der zuletzt in Berlin Angekommene. — Gewiß, lautete die in würdevollem Tone gegebene Antwort; ich bin jeden Tag im Reichstag und versäume keine Sitzung. — Haben Sie auch immer ausgepaßt, wenn er gesprochen hat? — Ich habe mir kein Wort von dem, was er sprach, entgehen lassen. — So, so, das ist ja sehr schön, ich wünschte nur, ich hätte die Zeit, auch hinzugehen, leider habe ich sehr viele und dringende Geschäfte in Berlin zu erledigen. Der Mann hat mir immer sehr gefallen. Wie er in unserem Kreise für den Ausbau der neuen Chausseen plaidierte, war schon einfach großartig. Und wie er für Steuerermäßigung eintrat! — Ganz Ihrer Ansicht, mir imponiert er auch sehr, und ich bin sicher, daß er unsere Interessen im Reichstag ganz vorzüglich wahrt. — Nun sagen Sie mal weiter — ist er ein guter Redner? Ich glaube, seine Stimme muß sehr markant, seine Ausdrucksweise eine sehr präzise sein. — Ja, ja, lautete die nur zögernd gegebene Antwort. — Worüber hat er denn bisher gesprochen? — Nun, wissen Sie — hüstelte der andere — ich bin, wie schon bemerkt, ganz sicher, daß mir keines seiner Worte entgangen ist; weil er mich eben sehr interessiert, habe ich scharf aufgepaßt. Ich habe ihn fünfmal sprechen hören — dreimal sagte er „Hört, Hört" und zweimal sagte er „Nein, Nein!"
— Et-tre ergötzliche Geschichte ist kürzlich in Olten im Kanton Solothurn vorgekommen. Dort hatten schweizerische Kavallerieoffiziere eine Versammlung, die auf Einladung des Stadtrats zu Ölten abgehalten wurde. Der Saal war mit Fahnen und Kanonen geziert. Nach der Versammlung fand ein gemeinsames Essen der Offiziere statt, bei dem viel Wein getrunken wurde. In der Weinlaune lud man eine der Kanonen mit Pulver, stopfte dann mehrere Servietten hinein und entzündete die Ladung. Es gab natürlich eine arge Detonation, die ganz Olten alarmierte und durch welche die hübsche Decke des Saales zerstört wurde. Der Stadt erwuchsen hierdurch Kosten von fast 400 Franks, welche die rafch ernüchterten jungen Offiziere ersetzen mußten.
— Die Konkurrenz der Frau wächst unauf- haltsam. Vor der Gesellenprüfungskommission der Kottbuser Perückenmacherinnung hat der erste weibliche Friseurlehrling die Prüfung mit gut bestanden. Wie lange noch? und das erste „weibliche" Friscurgeschäft tut sich auf!
— (Beim Rasieren gestorben.) In Dresden ließ sich ein Herr bei einem Friseur rasieren. Eine plötzliche Veränderung im Gesicht des Mannes während des Einseisens machte dem Barbier stutzig und führte zu der Erkenntnis, daß der Mann, ohne einen Laut von sich zu geben, gestorben war.
— Königshütte, 4. Mai. Auf der Maxgrube wurden beim Pfeilerabbau drei Bergleute verschüttet. Der eine wurde getötet und die anderen schwer verletzt geborgen. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt.
— Aus der Chaussee nach K u n z e n d o r f wurde der Rentier Kluge aus Obernigk von einem Automobil überfahren und getötet. Das Automobil, dessen Insassen ein Ehepaar aus Breslau war, wurde polizeilich beschlagnahmt.
— Berlin, 5. Mai. Gegen den der Ermordung des Leutnants v. Schmidt angeklagten Privatoberförsters Lewan- dowsky wurde nach zweitägiger Verhandlung die Schuldfrage wegen Totschlags bejaht, doch wurden ihm mildernde Umstände nach § 213 zugebilligt. Das Urteil lautete aus drei Jahre Gefängnis unter Anrechnung von 4 Monaten Untersuchungshaft.
— (Ein Schlaumeier.) Aus einem unweit Obern- dorf gelegenen Ort erzählt der Schwarzw. Bote folg, heitere Ge- fchichtchcn: Der Schultheiß entdeckt in der Gemeindekasse ein falsches 2Markstück und berichtet hierüber an die Staatsanwaltschaft in R., die ihn auffordert, das Falschstück unverzüglich an sie abzuliefern. Gehorsam dem Wink, geht der Ortsvorsteher hin und schickt es der Behörde mit — Postanweisung. Die kleine Poststelle beargwohnt natürlich das vom Schultheißenamt ihr behändigte Geldstück nicht im geringsten, und nun kann dieses ruhig weiter kursieren.
— Der Oberzahlmeister Müller vom 1. Bataillon des Jns.-Regts. Nr. 92 in Braunschweig hat sich erschösse n. Müller war 66 Jahre alt. Er machte 1866 im 2. Kurhes- sischen Infanterieregiment Nr. 82 den Feldzug gegen Preußen mit und nahm an dem Feldzuge 1870/71 gegen Frankreich teil. Nervosität soll die Urfache zu der unglücklichen Tat sein.
— (Er tutS onnabendskeinen Dienst.) Das Kriegsgericht der 7. Division in Magdeburg verurteilte den „Adventisten vom 7. Tage", Musketier Karl Reidt von der 1. Kompagnie des 26. Infanterie-Regiments, wegen Beharrens im Ungehorsam vor versammelter Mannschaft im dritten Rück- falle zu 3 Monaten Gefängnis. Der Verurteilte berief sich zur Rechtfertigung seines Standpunktes, am Sonnabend keinen Dienst zu tun, auf die Bibel und auf § 28 der Kriegsartikel, der den Soldaten verpflichte, ein gottessürchtiges Leben zu führen.
— Abgestürzt ist nach einer Meldung aus Salzburg der Geograph und Geologe der Universität Czernowitz, Pros. Dr. Loewl. Der Gelehrte, der im 52. Lebensjahre stand, hatte am Freitag den Gaisberg bestiegen. Er wurde tot ausgesunden.
Petersburg, 4. Mai. In den Städten Mohilew, Homel, Kopys, Marom und Krementschug und in den Bezirken Gorygorki und Orscha liefen weitere Meldungen über Ueberschwemmungen ein. Fast überall stehen Hunderte von Häusern unter Wasser. In dem Oka-Distrikt, wo Menschenleben in Gefahr sind, gehen Dampfer und Barken ab. Bei Tschernigow ist der Bahnverkehr unterbrochen. Aus Kiew und vielen Städten des Südwestgebiets wird dagegen ein Sinken des Wassers gemeldet. Die Bahnverbindung ist dort wieder hergestellt. Auch wird die Verantwortung für den Frachtverkehr wieder übernommen.
— (Mitten mang das Publikum.) Bei einem
mißglückten Wettflug von zwei Flugapparaten in Paris schoß der eine mitten zwischen das Publikum, eine Heidenangst verursachend. Wie durch ein Wunder ist niemand verletzt.
— (Schreckliches Ende zweier Lokomotiv- Heizer.) Der auf der Ostbahnlinie beschäftigte Lokomotiv- Heizer Bodier wurde auf entsetzliche Weise das Opfer seiner Unvorsichtigkeit. Als der Expreßzug Paris—Trotzes nur noch einige Kilometer von der Endstation entfernt war, machte Bodier eine Kopsbewegung, und ein Eisenteil der nächsten Brücke trennte ihm den Kopf vom Rumpfe. Der Maschinist brächte den toten Kameraden zur Seite, beschleunigte die Fahrt und erstattete in Trotzes Meldung. Auf gleiche Weife endete der Heizer Serrain unterhalb einer Brücke in der Nähe von Bar-le-duc.
— D onaueschingen, 5. Mai. In Sundhausen wurden in der vergangenen Nacht durch Großfeuer 16 Häuser und die Kirche zerstört. Man vermutet Brandstiftung.
— (EinTotschlag als „kleineGefälligkeit".) Ein fchier unglaublicher Fall, der sich aber bewahrheitet hat, befchästigte die Berliner Strafkammer. Ein wegen Diebstahls vorbestrafter Schlosser hatte bei seiner wieder einmal erfolgten Verhaftung eine wertvolle goldene Uhr im Besitz. Dem Untersuchungsrichter erzählte er eine Geschichte, die zunächst für Lug und Trug gehalten wurde. Auf dem Tempelhofer Felde habe ihn ein feingekleideter Herr gebeten, ihm eine „kleine Gefälligkeit" zu erweisen und ihn mit einem Stein tot zu schlagen. Dafür solle er die Uhr und die wohlgefüllte Brieftasche erhalten. Der Fremde selbst habe dm Stein ausgesucht und sich in Erwartung des Schlages hingesetzt. Ihm, dem Angeklagten, habe jedoch der Mut gefehlt, und so sei er mit der Uhr davongelaufen. Tatsächlich meldete sich der Herr und bestätigte alles; er sei lebensüberdrüssig gewesen, habe aber mit Rücksicht auf seine Familie keinen Selbstmord begehen wollen. Der Angeklagte wurde wegen des Diebstahls zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt.
Letzte Nachrichten.
Westheim, 5. Mai. In Osdors stürzte der Stol- bergsche Hofmeister Brune, als er bei einem Feuer aus dem brennenden Hause Sachen heraustragen wollte, die Treppe hinunter und war sofort tot.
Wien, 5. Mai. Die erste Begegnung des Kaisers Franz Joses mit dem deutschen Kaiser findet schon am 7. Mai in Meidling statt, wo der Hofsonderzug aus Pola um 9Va Uhr vormittags eintrifft. Kaiser Franz Joses wird von Schön- brunn aus zum Meidlinger Bahnhof fahren, dort in den Sonderzug der deutschen Majestäten einsteigen und im Salonwagen den Kaiser und die Kaiserin begrüßen. Die Ankunft der Majestäten auf den Penzinger Bahnhof erfolgt um 10 Uhr vormittags. ,.
Kiel, 5. Mai. In der Nähe der Kaiserlichen Werft im Kriegshasen stießen eine Werftbarkasse und eine Dampspinasse der Schulfregatte Charlotte so festig zusammen, daß die Pinasse schwer leck sprang und unterging. Die Besatzung wurde durch die Barkasse gerettet.
Köln, 5. Mai. Der Assistenzarzt Gottheim vom Augusta- Hospital stürzte in der Nacht in den Fahrstuhlschacht, ohne daß der Unfall bemerkt wurde. In der Frühe wurde die Leiche auf dem Dach des Fahrstuhls gefunden.
Oldenburg, 5. Mai. In Visquara schlug ein 12- jähriger Knabe einen gleichalterigen Spielgenossen auf den Kopf, daß er bald darauf starb.
Frankfurt a. M., 5. Mai. Die Strafkammer ver- urteilte den Kaufmann Ahrens wegen Portohinterziehung zu .2400 Mark Geldstrafe. Ahrens hatte mehrere Jahre nach der Schweiz bestimmte Briefe in Postpaketen gesandt und durch Vertrauensmänner zur Post geben lassen.
Bern, 5. Mai. Durch die vorzeitige Explosion einer Granate wurden bei einer Schießübung sechs Kanoniere erheblich verletzt.
Berlin, 5. Mai. Gestern nacht erschoß sich in Char- lottenburg der 15jährige Sohn des Oberlehrers Professors Klette. Der Knabe war zu Ostern nicht versetzt worden und hatte sich dieS zu Herzen genommen.
Oldenburg, 5. Mai. In den letzten Monaten kamen in der Umgegend 20 Brandstiftungen vor. Der 22jährige Landwirt Bruns wurde als Täter verhaftet und gestand bereits mehrere Brandstiftungen ein.
Eingesandt.
(Unter Verantwortlichkeit des Einsenders.)
Wahlbetrachtungen.
Ein interessantes Bild entrollt sich gelegentlich der Heurigen Landtagswahl vor unsern Augen, ein Bild, wie es wohl selten noch in einem andern Wahlkreis zu finden ist, indem Konservativ gegen Konservativ, Bündler gegen Bündler, Blockbrudcr gegen Blockbruder auf die Wahlstatt treten und um die Palme ringen wollen. Wehmütig möchte man angesichts dessen ausrufen: Armer Block, wirst du nicht doch noch, ohne den Wunsch eines Andern, in die Brüche gehen, wenn nicht alle die beteiligten Parteien es auch hier schon zeigen, daß sie Blockbrüder sind? Wenn man nun die Gründe ins Auge faßt, die die Herren bewegen, so möchte man fragen, ist es nicht ein gewisser Ehrgeiz, der den Einen antreibt, sich als Kandidaten aufzuschwingen? Der Andere möchte vielleicht auch etwas mitwirken zum Wohle des Ganzen. Der Dritte sagt, ich bin schon lange drinn gewesen, ich habe stets meine Schuldigkeit getan und ich gehe auch nicht weg.
Doch mögen die Gründe auch sein, wie sie wollen, ich will nur das eine betonen: Schade um das viele Pulver, das dabei verschossen wird, denn schließlich bleibts doch — beim Alten.
Ein Unparteiischer.
Oeffentticher Wetterdienst
Dienststelle Weilburg (Landwirtschaftsschule).
Wetteraussichten für Donnerstag, den 7. Mai 1908:
Trübe, Regenfälle, windig, kühler.