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herrselder Kreisblatt

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Sernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 53.

Donnerstag, den 7. Mai

1908.

Amtlicher teil.

Unter Bezugnahme auf die Verordnung des Herrn Ober­präsidenten der Provinz Hessen-Nassau vom 13. Mai 1905, betr. Verbot der Ausfuhr von Reben aus reblausverseuchten Gemarkungen (veröffentlicht im Amtsblatt Nr. 21 von 1905) wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß derzeit die Gemarkungen Wellmich, Nochern, Lierscheid, St. Goarshausen, Patersbcrg, Bornich, Lorch, Geisenheim, Biebrich, Wiesbaden, Hochheim und Wicker, sämtlich im Regierungsbezirk Wiesbaden, als reblausverseucht zu gelten haben. (A. 111. 1055 a.)

Cassel, am 2. April 1908.

Der Regierungspräsident.

I. V.: Schenk zu Schweinsberg.

Polizei-Verordnung.

Auf Grund des § 5 der Verordnung vom 20. September 1867 und des § 143 des Gesetzes über die allgemeine Landes­verwaltung vom 30. Juli 1883 wird mit Zustimmung der Gemeindevertretung für den Gemeindcbezirk Heenes folgende Polizeiverordnung erlassen.

Einziger Paragraph.

Wer während der Saatzeit vom 1. April bis 15. Mai und vom 20. September bis 1. November sowie während der Erntezeit vom 20. Juli bis 1. September seine Haus­tauben ins Feld fliegen läßt, wird mit einer Geldstrafe bis zu neun Mark oder mit entsprechender Hast bestraft.

Heenes, am 5. Mai 1908.

Der Bürgermeister Heer.

nichtamtlicher teil.

Reichstag.

Im Reichstage ist in den letzten Tagen mit Volldampf gearbeitet worden, um vor der sommerlichen Vertagung des Hauses noch möglichst viel von dem schwebenden gesetzgebenden Material des Reichsparlamentes zu erledigen. So wurden am Montag in erster Lesung der Nachtragsetat betr. die Spczialzulage für die Reichsbeamten in den Ostmarken, in zweiter Lesung, die neue Maß- und Gewichtsordnung und der Nachtragsetat, welcher die Forderung für die Teuerungs­zulagen für die mittleren und unteren Reichsbeamten (3272 Millionen Mark) enthält, erledigt und genehmigt. Den breitesten Raum in diesen Debatten des Sitzungstages nahm die Beratung der neuen Maß- und Gewichtsordnung ein, zu welcher eine Anzahl Abänderuugsanträge vorlagen, doch wurde die Vorlage schließlich wesentlich in der Kommifsionsfassung angenommen. In der Diskussion über die sogenannte Ost-

Das Seblangenarmbaml.

Kriminalnovelle von Antonie Heidsieck.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Eine Spur der Mörderin, denn dies Schmuckstück trug Luise Dittrich am Abend ihrer Verlobung im Kursaal von Wiesbaden. Ob Emilie Relling wohl hier war upd von hier entfloh! Jetzt muß ich unter Menschen und sehen, ob ich etwas über sie erfahren kann."

Sie verließen den Turm und gingen zum Marktplatz, an dem ein Gasthaus lag, vor dem in der guten Jahreszeit Tische und Stühle standen, die zur Rast im Freieneinluden; jetzt um die Mittagszeit hatte freilich die liebe Sonne die Besucher fortgescheucht, die sich erst mit der Abendkühle wieder einfanden.

Hellers traten daher in den zu ebener Erde gelegenen Speisesaal und bestellten erfrischende Getränke. Flugs erschien der Wirt selber, seinen Gästen die Honneurs zu machen. Zu anderer Zeit wäre Heller die Anwesenheit des Fremden, der gern reden wollte, störend gewesen und er womöglich darum gleich wieder gegangen, auch wenn ihn wirklich der Durst hergetrieben hätte, heute war ihm der Besuch sehr erwünscht und er lud freundlich den behäbigen Mann zum Sitzen, der ersterben wollte vor Freude über die ihm widerfahrene Ehre.

Ihr Städtchen liegt allerliebst", begann Heller das Ge­spräch.

Das haben schon viele Fremde gesagt, die nicht gerade von dem Rhein und den Alpen herkamen. Die Herrschaften kommen vermutlich zum Badeaufenthalt, See oder Stahl, wenn man fragen darf?"

Wir sind schon mehrere Wochen im Stahlbade und unser Weg hat uns nur auf weiteren Spaziergängen durch die Stadt geführt, heute aber kommen wir direkt vom Domturm, da wußten wir erst eine kleine Rast machen, ehe wir unseren Wanderstab heimwärts setzen."

Es soll ja sehr schön dort oben sein", meinte der Wirt,

markenvorlage sprachen sich nur der Pole Brejski und der Sozialdemokrat Ledebour entschieden gegen diese Vorlage aus. Bei der Erörterung der Teuerungszulagen wurde aus dem Hause wiederholt das Bedauern ausgesprochen, daß die eigent­liche Gehaltsaufbesserungsvorlage für die Reichsbeamten sich bis jetzt noch immer nicht habe ermöglichen lassen.

Im Reichstag erbat und erhielt am Dienstag der Präsident Gras Stolberg-Wernigerode die Ermächtigung, dem Kronprinzen zu seinem morgigen Geburtstag die Glückwünsche des Hauses auszusprechen. Danach trat das Haus in die Tagesordnung ein. Die internationalen Abkommen über das Verbot der Nachtarbeit der gewerblichen Arbeiterinnen und über das Verbot der Verwendung von weißem (gelbem) Phosphor zur Anfertigung von Zündhölzern wurden in zweiter, die Vereinbarung mit der Schweiz über die Verlegung der deutsch-schweizerischen Grenze bei Leopoldshöhe in dritter Beratung debattelos angenommen. Ebenso fanden drei.am 17. Juli 1905 im Haag unterzeichnete Abkommen über das internationale Privatrecht Annahme, nachdem sich in der Generaldiskussion sämtliche Redner für die vom Staatssekretär des Aeußern von Echoen vertretenen Vor­lagen ausgesprochen hatten. Es folgte die zweite Beratung der Novelle zu den Gesetzen über die Postdampfersubventionen. Dazu hatten die Abgeordneten Lattmann (wirtsch. Vgg.) und Genossen einen Antrag eingebracht, statt der von der Regierung geforderten 500,000 M. nur 230,000 M. zu bewilligen und die Linie Neuguinea-Singapore fallen zu lassen, und die Ab­geordneten Albrecht (Sozd.) und Genossen eine Resolution, die sich gegen die Verwendung farbiger Mannschaften auf den subventionierten Dampfern richtet.

Das Weißbuch.

Das in Materien geordnete, in 14 Abschnitte eingeteilte Weißbuch über Marokko muß auf jeden unbefangenen Leser den Eindruck machen, daß sich die deutsche Regierung bei ihrer Behandlung der marokkanischen Angelegenheiten vom Geist und Wortlaut der Algesirasakte leiten ließ und in den Beziehungen zu den nächstbeteiligten Mächten Frankreich und Spanien vollste Loyalität bewiesen hat. Wir sind nicht klein­lich und engherzig gewesen, sagte Fürst Bülow vor Ostern im Reichstage. Das Weißbuch bringt den urkundlichen Beweis dafür. Die deutsche Regierung hat nur zweimal ernste Ein­wendungen gegen das Vorgehen Frankreichs erhoben. Das eine Mal handelt es sich darum, daß die Ausschiffung von Truppen zum Schutze der fremden Kolonien während der Be­drohung der Stadt durch Raisuli nicht von dem Gutdünken des französischen und des spanischen Gesandten, sondern von der Ansicht des gesamten diplomatischen Korps abhängen dürfe. Das andere Mal wurde Einspruch dagegen erhoben, daß die beiden mit dem Polizeimandat betrauten Mächte im Gegensatz zu den Bestimmungen der Algesirasakte die Polizei aus französischen und spanischen, statt aus marokkanischen, wenn

ich bin mein Lebtag noch nicht oben gewesen und, wie ich glaube, noch viele aus Miranda, ich begnüge mich mit dem Blick darauf, von hier unten aus."

Welche hübsche Lage Ihr Gasthaus hier am Markt hat!"

Allerdings" meinte der Wirt geschmeichelt,aber den schönsten Blick hat man doch von der Apotheke aus, von wo man die abschüssige Straße hinabsehen kann bis zum Bodden, dafür ist es aber hier überwindiger, dort an der Apotheke konnten sie sich nicht einmal einen Balkon anbringen des Zuges wegen."

Wie heißt der Besitzer derselben?" fragte Heller leichthin, ohne jedes Interesse, nur um die Unterhaltung nicht stocken zu lassen.

Jetzt heißt er Winter zum erstenmal seit hundert Jahren. Ja, seit einem Jahrhundert war die Apotheke in den Händen der Fiedler, die in direkter Linie mit unserm guten Johann Gotthelf ausgestorben sind. Vor länger als zwei Jahren verlor derselbe seine Frau, die ihm keine Kinder hinterließ, und er zog aus der Etage, wo er mit ihr zufammengelebt, herunter in das Erdgeschoß. In einem Flügel wohnten der Provisor und der Lehrling. Da mußte Anfang dieses Jahres ihn das Unglück treffen, daß der Provisor an einem unheil­baren Leiden erkrankte und ins Krankenhaus gebracht wurde. Mit dem Lehrling allein die Apotheke verwalten, konnte er nicht und Ersatz war hier nicht zu finden. Da, es war Ende Januar, stieg bei mir ein junges Ehepaar ab, das auf das Auslaufen des ersten Schiffes warten wollte, um nach der neuen Welt zu fliehen, denn sie hatten sich aus Liebe gegen den Willen ihrer Eltern geheiratet, sie soll eine sehr vornehme reiche Dame gewesen sein, deren Verwandten die Heimat mit einem Apotheker nicht haben zugeben wollen. Nun fürchteten sie Verfolgung und wollten sich ihr junges Glück drüben in Amerika sichern. Als der Herr, der sich Müller nannte, von dem Unglück unseres guten Fiedler hörte, ging er sofort hinüber nach der Apotheke, bot sich dem Besitzer als Geschäfts­führer an und wurde auch sogleich angenommen. Die Frau mußte auch kommen und beide richteten sich in der bevor­stehenden ersten Etage ein. Nun, ich verlor zwar meinen

auch nur provisorisch, bilden wollten. Das eine wie das andere Mal drangen die deutschen Einwände durch.

In fast allen anderen Fällen haben wir ein weites Ent­gegenkommen gezeigt, so bei der Wahl des ersten Ingenieurs für die Vergebung der öffentlichen Arbeiten es wurde ein Franzose gewählt, bei der Frage, ob die internationale Kommission für Regelung der Schäden in Casablanca die bereits abgeschätzten deutschen Schäden ohne Nachprüfung an­erkennen sollte wir gaben uns mit ernster Berücksichtigung zufrieden, so namentlich auch in der sehr nachsichtigen Be­urteilung der militärischen Aktionen Frankreichs in der Stadt und im Hinterlande von Casablanca. Aus dem Kapitel über Casablanca geht auch hervor, daß der deutsche Gesandte Rosen auf mehrere Versuche Abdul Asis' ihn an seinen Hof nach Rabat zu ziehen, nicht eingegangen ist, nachdem sich der Sultan mit seiner Uebersiedelung nach Rabat ganz unter französischen Einfluß begeben hatte.

Auf die wiederholten Erinnerungen an die Algesirasakte haben die französischen Staatsmänner Clemenceau und Pichon immer mit der Versicherung geantwortet, daß sie sich im Rahmen der Akte halten, weder nach Fez noch nach Mara- kesch marschieren, überhaupt ihre Truppen so rasch als möglich zurückziehen wollten. Dabei haben sie in allen wirtschaftlichen Angelegenheiten unzweifelhaft stark unter dem Einfluß ihrer Marokkointeressenten gestanden. Den heimlichen Bau von Telesunkenstationen konnten sie nur beschönigen nicht recht­fertigen. Anderseits machte der Gesandte Regnault mit ganz unhaltbaren Gründen Schwierigkeiten gegen die. deutschen Unternehmern gesicherten Hafenanlagen in Tanger und Larasch. Diese Engherzigkeit sticht gegen das deutsche Entgegenkommen unerfreulich ab. Wir möchten wünfchen, daß man das auch in Frankreich empfinde und von weiteren Versuchen der Um­gehung der Algesirasakte abstehe.

Aus 3*- und Ausland.

Berlin, den 5. Mai 1908.

Gestern früh lief, begleitet von den anderen deutschen Schiffen und den griechischen Torpedobooten, die Hohenzollern in den Hasen von Santa Mama ein. Die Behörden be­grüßten Seine Majestät den Kaiser. Hierauf nahm die Hohenzollern Professor Dörnpseld an Bord und trat eine Kreuzfahrt um die Insel an.

In Betreff des Telegraphendienstes an den beiden Tagen der L a n d t a g s w a h l e n hat das Reichspostamt, laut Blättermeldung, verfügt: Die in Betracht kommenden Telegraphen» anstalten und Fernsprechstellen, bei welchen nicht ohnehin un­unterbrochener Dienst stattfindet, haben am Tage der Wahlen so lange Dienst zu halten, als ein Bedürfnis dafür vorliegt. Die Gesprächsverbindungen sind nur innerhalb der festgesetzten Sprechbereiche zulässig.

Die Ansiedlungskom mission hat das im Kreise

Verdienst, den ich im Winter gern mitgenommen hätte, aber ich Habs unserm guten Johann Gotthelf doch gern gegönnt, denn was hätte werden sollen, wenn das Paar nicht ge­kommen wäre, wo es doch nur zufällig unsern Hafen aufge­sucht, weil derselbe der kleinste der deutschen Ostseehäfen ist, wo sie am wenigsten Verfolgung fürchteten."

Und wann reisten Sie wieder ab?" fragte Heller, den das Ehepaar Müller weit mehr interessierte, als die seit hundert Jahren zum erstenmal in andern Besitz gekommene kleinstädtische Apotheke.

Im Frühjahr, als das erste Dampfschiff ging. Frau Müller übernahm den Haushalt, denn die alte taube Magd konnte nichts mehr leisten. Bald darauf erkrankte Herr Fiedler und obgleich er wochenlang an das Krankenlager gefesselt war, pflegte ihn das Ehepaar, bis er an einem Nierenleiden starb. Erst als er den letzten Seufzer getan, Übergaben sie dem Bürgermeister, Fiedlers Freund, die Schlüssel, der für das Begräbnis sorgte, und die Apotheke schloß bis zur Ankunft des jetzigen Besitzers, des Neffen des Verstorbenen, der nicht rechtzeitig benachrichtigt war, denn Fiedlers Zustand gab lange Zeit hindurch keine Veranlassung zu Besorgnissen, sodaß wir hofften, er werde genesen. Solange er bei Kräften war, durfte man ihn an den Schwestersohn nicht erinnern, mit dem er sich nicht gut stand, da er meinte, dieser, sein nächster Erbe, lauere auf seinen Tod. Das Ende kam aber dann plötzlich in einer Nacht. Eines Abends ging der Bürgermeister noch mit den besten Hoffnungen fort, und hatte das Telegraphieren an den Erben nach einer Rücksprache mit Müller noch nicht für nötig erachtet und am andern Morgen war letzterer tot. Für Müller war dieser Tod freilich eine Erlösung, denn gerade an diesem Tage fuhr der erste Dampfer, und als sie die Verantwortung in die Hände des Freundes des Entschlafenen niedergelegt, gingen sie zu Schiff. Ich habe sie selber noch begleitet, um mich von den liebenswürdigen Menschen zu verabschieden, wo­bei mir Frau Müller noch unter dem Siegel der Verschwiegen­heit von ihrem Mißgeschick erzählte, sie habe ein sehr wertvolles Schlangenarmband in Miranda eingebüßt."

Auf wen lenkte sie den Verdacht?"

Auf niemanden. Die edle Frau wollte nicht, daß einer