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herchl-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 51.

Sonnabend, den 2. Mai

1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 27. April 1908.

Diejenigen Ortspolizeibehörden des Kreises, welche bisher die nach der Verfügung vom 8. Januar 1898 (Kreisblatt Nr. 7) erforderliche Abschrift des über die Anmeldung von Gewerbebetrieben zum Handel mit Drogen und chemischen Präparaten zu führenden Verzeichnisses nicht eingereicht haben, werden hierdurch aufgefordert, dies bis zum 15. Mai d. Js. nachzuholen. Wo Gewerbebetriebe der gedachten Art nicht bestehen, ist mir ebenfalls bis zum gleichen Termin Fehlanzeige zu erstatten.

I. 4083. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 27. April 1908.

Der past. extr. Bierschenk ist an Stelle des xast. extr. Rohde, der zum Pfarrer in Friedxwald ernannt worden ist, vom 1. April d. Js. an mit der Versetzung der Hilfspfarrerstelle zu Niederaula beauftragt worden.

I. 4366. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 27. April 1908.

Die unter dem Schweinebcstande des Gastwirts Wilhelm Weber hier ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 4388. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Der R e i ch s t a g hat in der abgelaufenen Woche feine durch die Osterserien unterbrochenen Arbeiten wieder ausge­nommen. Voraussichtlich wird die Tagung nur von kurzer Dauer sein, aber trotzdem soll noch eine ziemliche Anzahl wichtiger Vorlagen erledigt werden, darunter daS Münzgesetz, die Teuerungszulage für Beamte, die Postdampfervorlage, die Gesetze betreffend den Wechselprotest und die Haftung des Tierhalters, der Befähigungsnachweis und die Kolonialbahnen. Auch darf angenommen werden, daß der Reichstag sich noch mit einer Vorlage über die Ostmarkenzulage für Beamte zu besassen haben wird. Das noch zu bewältigende Arbeitspensum ist also recht ansehnlich, und die Reichsboten werden sich sputen müssen, wenn sie in der vorgesehenen Frist alle Vorlagen er­ledigen wollen.

In Magdeburg hat der n ati o n a l l i b e r a l e Partei­tag für Preußen stattgefunden, auf dem der Geh. Re­gierungsrat Pros. Dr. Friedberg über die Stellung der nationalliberalen Partei zu den preußischen Landtagswahlen und der Geh. Justizrat Krause über das Landtagswahlrecht sprachen. Durch die Haltung, die man auf der Magdeburger Tagung zur preußischen Wahlrechtsfrage einnahm, und die augenscheinlich auch von den jugendlichen Drängern und Stürmern gebilligt wurde, scheint eine neue Brücke zur Rechten geschlagen worden zu sein; denn man hat sich endlich mit aller Deutlichkeit gegen den Gedanken gewendet, das Reichs- tagswahlrecht auch auf den größten Bundcsstaat zu übertragen und hierdurch das beste Gegengewicht aus dem Wege zu räumen, das den Auswüchsen dieses schrankenlosen Wahlrechts gegenüber noch in die Wagschale der Entscheidungen gelegt werden kann.

Zwei wichtige Vertragsabschlüsse sind in der Berichtswoche von der deutschen Regierung unterzeichnet worden. Das Nordsee-Abkommen, das den gegenwärtigen Besitz­stand an den Nordseeküsten gewährleistet und monatelang Gegenstand eines lebhaften Meinungsaustausches zwischen dem Deutschen Reiche, Großbitannien, Frankreich, Holland, Däne­mark und Schweden war Belgien und Norwegen schieden als neutrale Länder aus ist endlich zustande gekommen. Die Anregung zu diesem Abkommen ist nicht von deutscher Seite ausgegangen, wie denn das Deutsche Reich sicherlich dasjenige Staatswesen ist, das an solchen, die Friedenspolitik in feste Grenzen bannenden, im Kriegsfalle aber wertlosen Ver­einbarungen das geringste Interesse hat. Wenn wir an den Unterhandlungen teilnahmen, so war das ein besonders augen- sälliger Beweis unserer friedlichen und freundnachbarlichen Gesinnung, der hoffentlich den wiederholt in böswilliger Ab­sicht ausgesprengten Gerüchten von feindseligen Plänen Deutsch­lands gegen Belgien, Holland und Dänemark die Spitze abbrechen wird.

Von ungleich größerer Bedeutung für uns ist das mit Frankreich geschlossene Abkommen über die Grenzregu- lierung zwischen Kamerun und Französisch- Kongo. Es ist gelungen, die seinerzeit nur auf dem Papiere festgesetzten theoretischen Grenzen durch natürliche, an Ort und Stelle festgelegte Linien zu ersetzen. Durch die von Frankreich gewährten^Entschädigungen hat jetztjjKamerun einen Gebiets­zuwachs von 2500 Quadrat-Kilometer Urwald erhalten und

ist unsere Uferstrecke an dem das ganze Jahr hindurch schiff­baren Sanga-Fluß von 30 Kilometer auf 150 Kilometer verlängert worden. Den berechtigten Interessen beider Teile ist durch daS Abkommen in befriedigender Weise Genüge geschehen.

In die Kette der Niederlagen der liberalen Partei Eng­lands hat sich als neues Glied die Wahlniederlage Winston Churchills eingesügt, der in Manchester, der Hochburg des Freihandels, dem konservativen Kandidaten unterlegen ist. Die liberalen Blätter schreiben zwar die Nieder­lage der Agitation der Brauereibesitzer gegen den Schankgesetz- entwurf zu, die durch das Schlagwort, daß das liberale Kabinett das Bier verteuere, zahlreiche Wähler auf die Seite des konservativen Kandidaten gebracht haben, aber es hat doch den Anschein, als ob der konservative Gedanke immer tiefer ins Volk dringe und die Schutzzollpolitik an Freunden ge­winne. Jedenfalls ist die schwere Niederlage der liberalen Regierung ein nicht zu übersehendes Zeichen in der Volks­stimmung, und es wird sich nun zu zeigen haben, ob der neue Premierminister Asquith der Mann ist, das Abebben der liberalen Flut aufzuhalten.

Reichstag.

In der Sitzung vom Mittwoch verabschiedete der Reichstag die Vorlage, betr. die Beschäftigung von Hilfsarbeitern im Kaiser!. Postamte nach ganz kurzer Diskussion durch ihre de­finitive Genehmigung in dritter Lesung. Es folgte die zweite Lesung der Novelle zum Unterstützungswohnsitz nach; der Ge­setzentwurf schlägt hauptsächlich die Herabsetzung der Alters­grenze der Armenmündigkeit von 18 auf 16 Jahre und der Erwerbs- und Verlustfrist von zwei Jahren aus ein Jahr vor, welchen Vorschlägen die Kommission zugestimmt hat. In der Debatte traten eigentlich nur die sozialdemokratischen Redner Kaden und Stolle als Gegner der Vorlage auf, die sie als eineagrarische" charakterisierten. D^ sozialdemokratischen AbänderungSanträge fanden indessen keine Gegenliebe bei den übrigen Partcien und die Novelle wurde in ihren einzelnen Bestimmungen in der Kommissionsfassung gutgeheißen. Den Rest der Sitzung füllte die Spezialberatung der Novelle zum Vogelschutzgesetz aus, die in verschiedenen Punkten auf eine Verschärfung des jetzigen Gesetzes zielt. Nach stellenweise recht lebhafter Debatte wurde die Novelle im wesentlichen den Kommissionsbeschlüssen gemäß genehmigt, es soll also künftig das Fangen von Krammetsvögeln und noch andern Vogel­arten mittels Schlingen (Dohnenstieg) verboten sein.

Die Sitzung am Donnerstag eröffnete der Präsident Graf zu Stolberg-Wenigerode mit folgender Ansprache:

Aus Athen habe ich von dem Herrn Präsidenten der Kammer der Hellenen die Mitteilung erhalten, daß die Kammer dem Kaiser beim Betreten des griechischen Bodens eine ehr­furchtsvolle Begrüßung ausgesprochen und daß sie zugleich der wärmsten Sympathie des griechischen Volkes für das deutsche Volk und seine Vertretung Ausdruck gegeben hat. (Lebhafter Beifall.) Ferner hat der Herr Präsident hingewiesen aus den idealen Zusammenhang der Bildung und Kultur, welche die beiden befreundeten Völker stets miteinander verbunden hat. Meine Herren! Ich bitte Sie um die Ermächtigung, dem Herrn Präsidenten der Kammer der Hellenen den wärmsten Dank des Deutschen Reichstages aussprechen zu dürfen. (Leb- hafter Beifall.) Ich nehme an, daß mir diese Ermächtigt erteilt ist."

Das Haus trat darauf in die erste Beratung der N zum Gesetz betreffend die Postdampfschiffsverbindungen überseeischen Ländern. Unterstaatssekretär Wermuth begründete, da der Staatssekretär von Bethmaun-Hollweg durch ein vorübergehendes Unwohlsein dem Parlamente ferngehalten wurde, die Vorlage mit einer längeren Rede. Graf Kanitz (kons.) meinte, unsere Finanzlage sei derart, daß man auch eine halbe Million nur dann bewilligen dürfe, wenn die ab­solute Notwendigkeit nachgewiesen sei, und das sei hier, wie ihm scheine, nicht der Fall. Er beantragte Ueberweisung der Vorlage an die Budgetkommission in der Hoffnung, daß die Mehrausgabe der Reichskasse erspart bleiben werde. In ähn­lichem Sinne äußerten sich der Zentrumsabgeordnete Erzberger und der Abg. Lattmann von der wirtschaftlichen Vereinigung. Hingegen trat der nationalliberale Abgeordnete Dr. Semler entschieden für daS Gesetz ein.

Aus 3m- und Ausland.

Berlin, den 30. April 1908.

Ihre Kaiserlichen Majestäten unternahmen gestern vormittag mit Familie vom Achillcion auf Korfu aus einen längeren Spaziergang. Zur Mittagstafel waren die Offiziere der Hohenzollern und der Hamburg geladen. Am Nachmittag unternahmen die Majestäten mit Familie und Gefolge einen Ausflug in Automobilen aus den Monte Deka. Das Wetter war sehr schön. Die Majestäten verbrachten den gestrigen Abend auf den Terrassen des Schlosses und machten heute am früheren Vormittag einen Spaziergang mit

Prinz August Wilhelm. Der Kommandant der Hohenzollern Konteradmiral Jngenohl, ist für einige Tage auf Schloß Achilleion übersiedelt. Die Hamburg ging für heute in See zu Schießübungen. Die Kronprinzessin von Griechenland und Prinzessin Helena besuchten gestern den Sleipner, besichtigten das Boot unter Führung des Kommandanten Kapitänleutnants Frhrn. v. Padeske und nahmen an Bord Erfrischungen.

Die Hochzeit des Prinzen August Wilhelm von Preußen, deS vierten Sohnes des Kaiserpaares, mit der Prinzessin Alexandra Viktoria zu Schleswig-Holstein wird im Herbst dieses Jahres stattfinden. Als Hochzeitstag ist der 22. Oktober, der Geburtstag der Kaiserin, in Aussicht ge­nommen. Prinz August Wilhelm steht im 22. Lebensjahre, während seine Braut in diesem Monat ihr 21. Lebensjahr vollendet hat. Für das junge Paar wird die Villa Liegnitz, die bis vor einem Jahre von dem Prinzen Eitel-Friedrich und seiner Gemahlin bewohnt wurde und sich für den prinz- lichen Haushalt als zu klein erwies, umgebaut und erweitert.

Infolge der Annahme der Flottennovelle und des Marine- etats 1908 ist bei der Kaiserlichen Marine auch ein erhöhter Bedarf an Marine-Ingenieuren ein getreten, so daß für junge Leute, die das Zeugnis für den einjährig-freiwilligen Dienst besitzen und eine zweijährige praktische Ausbildung auch auf einer der nicht für die Ausbildung vorgeschriebenen Wersten oder beim Bau von Dampfmaschinen nachweisen können, Aussicht vorhanden ist, im Oktober 1908 und 1909 als Jngenieuranwärter eingestellt zu werden, sofern sie die Eintrittsprüfung bestehen und sonst den Bedingungen genügen. Meldungen für den Eintritt find bis zum 15. August 1908 bezw. 1909 an die H. Werstdivision in Wilhelmshaven ein- zureichen, die auch weitere Auskunft über die näheren Be­dingungen erteilt.

König Eduard von England, der kaum erst von seinem Rundbesuche an den drei skandinavischen Höfen nach London zurückgekehrt ist, soll schon im Laufe der nächsten Tage wiederum eine Zusammenkunft mit einem europäischen Herrscher planen, nämlich mit dem Zaren. Es verlautet, daß die Begegnung an der finnländischen Küste stattfinden werde. Sollte sie in der Tat vor sich gehen, so wäre ihre besondere politische Bedeutung schwerlich zu leugnen.

Die Holländer können in ihrem ewigen Kolonial­kriege in Niederländisch-Jndien wieder einmal einen größeren Erfolg verzeichnen. Eine Depesche des AmsterdamerHandels- blad" aus Batavia meldet, daß die Ortschaft Klongkong (Insel Bali) mit Festung nach lebhaftem Bombardement beinahe ohne Widerstand genommen worden ist. Im Kampfe fielen zwei Eingeborenen-Führer und hervorragende Mitglieder des eingeborenen Adels. Die niederländischen Truppen hatten keine Verluste. Die Bevölkerung hißt allenthalben weiße Fahnen.

In Lissabon ist die feierliche Eröffnung der portu­giesischen Cortes mit einer Thronrede des jungen Königs Manuel erfolgt. Die Thronrede erinnert an die Ermordung des Königs Carlos und knüpft daran die Auf­forderung zum Zusammenschluß als einer Verpflichtung aller. Portugal lebe mit allen Mächten in Frieden und Freundschaft, seine äußere Lage sei gesichert. Weiterhin erinnert die Thronrede an die Abschaffung der diktatorischen Maßnahmen, spricht von der notwendigen Revision der Verfassung sowie der Schaffung eines Wahlgesetzes und stellt mehrfache Reformen in Aussicht.

Nach einem Telegramm aus Innsbruck haben italienische Jrredentisten einen neuen Vorstoß gegen das deutsche Sprachgebiet in Tirol gemacht. In einem Extrazug unter- ahmen mehrere hundert Personen von Trient aus nach dem arg gefährdeten deutschen Orte Eichholz bei Salurn einen Ausflug. Die Menge zog dort mit zwei Musikkapellen unter lärmenden Rufen: Abasso Volksbund! Evviva Jtalia! (Nieder mit dem Volksbund, hoch Italien!) in den Ort ein. Mehrere Deutsche wurden mißhandelt, Frauen wurden angespien, viele Fenster wurden eingeschlagen. Der Bezirkshauptmann Arz, welcher mit einem Dutzend Gendarmen eingetroffen war, unterhandelte lange mit den Ruhestörern, bis endlich gegen abend die Jrredentisten abzogen. Es herrscht große Erregung. Dieser unerhörte Angriff italienischer Raufbolde aus ein friedliches deutsches Dorf kennzeichnet so recht die Art, wie auf jener Seite der Sprachenkampf geführt wird.

Untergang eines japanischen Kreuzers durch Explosion.

Zu den vielen schweren Schiffsunfällen, die gerade während der jüngsten Tage bei verschiedenen Marinen in europäischen Gewässern eingetreten sind, gesellt sich der Untergang eines japanischen Kreuzers in den Beeren des fernen Ostens, bei dem leider eine besonders gryße Zahl von braven Seeleuten ihr Leben lassen mußten. Ueber die Ursache der Katastrophe liegen zur Stunde zwei von einander abweichende Dar­stellungen vor.

Tokio, 30. April. Der SchulkreuzerMatsuschima" ist heute vormittag bei den Pescadores auf eine Mine gestoßen und untergegangen. Von der Mannschaft sind 30 Mann ge­rettet. Die Zahl der Umgekommenen, unter denen sich ver­mutlich auch der Kommandant befindet, wird auf 200 geschätzt.