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herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 50.
Donnerstag» den 30. April
1908.
Amtlicher teil
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des KreiseS ersuche ich, die S t a a t s st e u e r l i st e n, nachdem sie zur Ausstellung der Wählerlisten gebraucht sind, umgehend zurück- zusenden.
Ich erwarte den Eingang derselben bestimmt binnen 3 Tagen.
Hersfeld, den 27. April 1908.
Der Vorsitzende der Einkommensteuer-
Veranlagungs-Kommission
St. Jr. Nr. 962. von Grunelius.
Der Saatenstand Mitte April 1908.
Regierungsbezirk Cassel, Kreis Hersfeld. Begutachtungsziffern (Noten): 1 — sehr gut, 2 = gut, 3 — mittet, 4 — gering, 5 — sehr gering Vergleiche den Runderlaß der Herren Minister für Landwirtschaft rc. sowie des Innern vom 16. November 1901.
— I B c 9476 M. f. L. — I b 3646 M. d. J. —)
Fruchtarten usw.
Durc noten
)schnitts- für den
Reg.-Bez.
Cassel
Anzahl der von den Vertrauensmännern abgegebenen Noten
Staat
CM
CÖ
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4
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Winterweizen .
Sommerweizen .
Winterspelz (Dinkel) .
Winterroggen .
Sommerroggen.
Sommergerste .
Hafer . .
Erbsen
Ackerbohnen
Wicken
Kartoffeln .
Zuckerrüben
Winterraps u. -Rübsen
Flachs (Lein)
Klee ....
Luzerne
Wiesen mit künstlicher Be-(Ent-)wässerung
Andere Wiesen .
Königlich Preu Dr.
2,7
2,5
2,7
2,7
2,7
2,6
2,7
3,1 gisches Blen
2,6
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Hersfeld, den 24. April 1908.
Unter Hinweis auf den Erlaß des Herrn Ober-Präsidenten vom 28. Februar 1878 (cfr. die landratsamtliche Verfügung vom 9. März 1878 Nr. 24443, im Kreisblatt Nr. 20), wonach die Abhaltung von Hauskollekten wegen Beschädigungen durch Hagelschlag nicht genehmigt wird, veranlasse ich die Herren Ortsvorstände des Kreises, die Landwirte in ihren Gemeindebezirken hierauf speziell aufmerksam zu machen, und
(Oabrbtit, Klarheit
Von A. von Liliencron.
(Schluß.)
Als die ersten stürmisch freudigen Augenblicke vorübergerauscht waren, drängte Ellern: „Nun mußt du alles wissen, Liebling."
Von seinem Arm umschlungen, den Kopf an seine Brust gelehnt, lauschte sie seinen Worten nicht mehr angstvoll, sondern in der festen Ueberzeugung: Schlimmes kann es nicht sein, was er mir zu enthüllen hat.
„Gott sei Dank, liegen die Verhältnisse jetzt so, daß ich ganz frei sprechen kann", sagte er. „An jenem Tage hatte ich mit meinem Bruder und dem jungen Grafen Herbert eine weite Fußtour gemacht. Herbert ist ein entfernter Vetter von uns, ein junger Mensch, den seine verwitwete Mutter mir unter unzähligen Verhaltungsmaßregeln und Vorsichtsempfehlungen für einige Wochen anvertrant hatte. Es ist ein etwas jüngerer Altersgenosse meines Bruders, der viel Freundlichkeiten in bem Hause empfangen hat und gewissermaßen auch abhängig ist von dem Wohlwollen der Gräfin Herbert. Laut Testament ihres Mannes liegt es in ihren Händen, das letzte Wort zu sprechen, ob mein Bruder dermaleinst Besitzer des einen Fa- miliengutes sein wird, oder ob es an eine entferntere Linie fallen soll.
Das Wetter hatte uns überrascht, wir waren im Hotel Chrysvpruas eingekehrt, wollten aber noch weiter und brachen auf, sobald sich der tollste Regen gelegt hatte. Unterwegs bemerkte ich, daß ich mein Reisehandbuch vergessen hatte, und kehrte um, um es zu holen. Die beiden jungen Leute sollten den Weg vorangehen, ich wollte sie einholen. Als ich aus dem Hotel trat, brach der Regen von neuem los, ich zog die Kapuze so, wie du mich gesehen hast, tief ins Gesicht und eilte vorwärts. Als ich die Lichtung betrat, sah ich den Bruder den Revolver heben. Ich stürze zu — der Schuß ging los — Herbert brach zusammen, meinen Arm hatte die Kugel gestreift. Es war alles das Werk eines Augenblicks. Mein Bruder stürmte in kopflosem Entsetzen davon und ich beugte mich über
dieselben bei jeder sich darbietenden Gelegenheit auf die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Versicherung ihrer Feldfrüchte gegen Hagelschaden hinzuweisen.
I. 4085. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
nichtamtlicher Ccil
Aus Jtlitsch-MUslasrika.
Ueber das letzte Gefecht gegen Simon Copper veröffentlicht die Augsburger Abendzeitung folgende ergänzenden Mitteilungen aus Keetmanshoop: Den eingegangenen Nachrichten zufolge soll Simon auf den Schlag nicht gefaßt gewesen sein. Die Hottentotten haben sich tief in der Kalahari sicher gefühlt und den Vorstoß einer großen Truppe dorthin nicht für möglich gehalten. Ohne Kameele wäre es auch nicht denkbar gewesen, in die wasserlose Dünenwelt einzudringen, wo die kürbisartige Tsama für Mensch und Tier das einzige wasserspendende Gewächs ist. Simon soll erst den Befehl gegeben haben, nicht zu schießen» wenn unsere Truppen eine weiße Flagge zeigten, denn er glaubte, daß nur eine kleinere Abteilung käme, um wieder mit ihm zu verhandeln. Das Gesechtsfeld liegt etwa 289 Kilom. östlich von Arahoab, das, am Nossob gelegen, den Ausgangspunkt der Expedition bildete. Der ganze Zug wurde ohne Fahrzeuge durchgesührt. Unsere Soldaten waren meist auf Kameelen beritten, die auch als Lasttiere zum Wassertransport verwendet wurden. Unsere Truppen waren in drei Abteilungen geteilt und erreichten nach Marschleistungen von 50 bis 60 Kilom. pro Tag in der Nacht zum 16. März die Nähe des Lagers der Eingeborenen. Heller Mondschein — zwei Tage vor Vollmond — begünstigte die nächtliche Umstellung, und bei Tagesgrauen fielen die ersten Schüsse vom Gegner, der sich nun von einer zahlreichen Truppe umstellt sah. Die Hottentotten waren etwa 180 Mann stark, die Hälfte mit Gewehren „bewaffnet und reichlich mit Munition versehen. Das Gefecht dauerte nur zwei Stunden, von halb
6 bis halb 8 früh. Hauptmann v. Erckert fiel gleich zu Beginn des Gefechts in vorderster Linie bei der Abteilung Willecke. Hauptmann Grüner übernahm sodann den Oberbefehl. Schon nach kurzem Feuergefecht wurden einige Stellungen des Gegners mit dem Bajonett gestürmt, wobei vermutlich unsere Verluste eingetreten sind. Die Eingeborenen entwichen, so weit noch möglich, nach allen Richtungen, begünstigt durch verhältnismäßig dichten Busch. Eine Verfolgung der einzelnen zerstreuten Spuren war nicht möglich, da auch unsere Tiere und Mannschaften erschöpft waren. Es gab nur noch wenige Tsamas, weil die ganze Umgebung von den seit langer Zeit dort sitzenden Hottentotten abgeweidet war. Diese wären in Kürze gezwungen gewesen, aus Mangel an Tsamas
den Verletzten. „Niemand verraten, daß er mich anschoß!" raunte der mir zu, als ich mich entsetzt um ihn bemühte.
Das war der Augenblick, wo du kamst. Begreifst du nun, daß ich so verzweifelt, vielleicht in kopfloser Uebereilung, von dir das Gelübde des Schweigens forderte? Ich klammerre mich an die Hoffnung, daß der Schuß nicht so tief gegangen sei, daß wir die Sache unter uns dreien abmachen konnten. Denn ich wußte, wurde sie ruchbar, erfuhr die Gräfin etwas davon, dann war es vorbei mit jeder Zukunftsaussicht für meinen Bruder, dann blieb der Riß unheilbar zwischen unsern Familien.
Heidi, verstehst du meine Verzweiflung in jener Stunde? Ich wußte ja noch nicht, wie alles enden würde."
Sie drückte ihm stumm die Hand, ihre Augen gaben ihm beredte Antwort.
Ihn faßte ein Schauer bei der Erinnerung an jene unglückselige Stunde.
„Die Kugel war in den Arm gegangen, der Blutverlust sehr stark", fuhr er fort. „Ich suchte die Wunde zu verbinden, aber das Blut sickerte hindurch, ich mußte die durchtränkten Tücher beseitigen. Mein Bruder hatte sich wieder herangeschlichen, verzweifelt, völlig gebrochen, war er kaum imstande, mir hilfreiche Hand zu leisten. Mit unserer Wäsche, die wir in Streifen rissen, machten wir einen neuen Verband. Gott fei Dank, der hielt und Herbert kam wieder zu sich. Ich flößte ihm von dem Wein ein, den ich bei mir führte, und mein Bruder verschaffte uns einen Wagen. Wir fuhren nach Rudolstadt.
Unterwegs beichtete mir mein Bruder seine Schuld. Um einer Nichtigkeit willen waren sie in Streit geraten. Er, jähzornig und leidenschaftlich, hatte den Revolver, den ich mir tags vorher getauft, und den er sich umgeschnallt hatte, aus dem Futteral gerissen und in seiner Wut gerufen: „Ich könnte dich auf der Stelle niederknallen."
Daran hatte er nicht gedacht, daß wir tags zuvor uns zum Zeitvertreib damit im Schießen geübt hatten, er war ahnungslos, daß der Revolver geladen war. Ich selbst weiß noch heute nicht, wer von uns den Leichtsinn beging, die Waffe nicht zu entladen. Den Finger am Hahn, drückte der
weiter nördlich oder östlich zu ziehen, und unsere Truppe hat sie glücklicherweise noch vorher erreicht. Auf dem Gefechtsfelde wurden 56 tote Männer gesunden, eine größere Zahl Verwundeter ist entkommen. Unter den Toten sind zwei G>oß- leute und der Bruder des Kapitäns. Dessen Frau wurde gefangen und sagte aus, daß in letzter Zeit wiederholt Weiße aus der Kapkolonie kommend, im Lager der Hottentotten gewesen sind. Soldaten wollen auch beim Sturm zwei Weiße in den Reihen der Hottentotten gesehen haben. Erbeutet wurden außer Groß- und Kleinvieh 30 Gewehre, darunter 10 Henri-Martini, und viel Munition. Ebenso alte Briefe von Hendrik Witboi und dem englischen Händler Scotty Smith, dem Gewehr- und Patronenlieferanten. Am Gefecht teilgenommen hat auch die Bande, die acht Tage vorher bei Koes die Patrouille des Sergeanten Jaeger im Schlaf Überfällen hatte, wobei die ganze Patrouille, der Sergeant Jaeger, 3 Reiter und 2 Eingeborene, niedergemacht wurden. Auch all die anderen berüchtigten Führer und Orlogmänner, wie die Bastards Lambert, der Hottentott Vielding u. a. hatten zu Simon Copper ihre Zuflucht genommen, um unter seinem Anhang den Aufstand sortzufetzen. Bis jetzt läßt sich noch wenig sagen, wie sich die Lage wohl gestalten wird. Der Verlust von 56 Toten und 30 Gewehren ist ein schwerer Schlag für die Eingeborenen. Von ihren Verwundeten werden sicher noch eine Anzahl den Wunden und Entbehrungen erliegen, weshalb man hier annimmt, daß sie sich kaum mehr zu ernster Gegenwehr unseren Truppen stellen werden. Wahrscheinlich ist es vielmehr, daß ein Teil des Orlogs müde über die englische Grenze geht, um sich dort dauernd niederzulassen. Bis die Kundschastermeldungen über den jetzigen Aufenthalt Simon Coppers eingehen, sind unsere Truppen nach Arahoab zurückmarschiert, um sich Don für einen etwaigen neuen Zug vorzubereiten und sich von den riesigen Strapazen an Hunger und Durst zu erholen.
3« AsWe ihr das Norhset-AbkWiile».
Es ist behauptet worden, daß Frankreich erst auf Wunsch Hollands zu den Verhandlungen über die Nordsee zugezogen worden sei. Das stimmt nicht. Die Verhandlungen über die Ostsee begannen im Oktober vorigen Jahres. Als sich voraussehen ließ, daß sie zu einem Ergebnis führen würden, hielten es Rußland und Deutschland für gut, den Westmächten Kenntnis davon zu geben. Das war Anfang Dezember 1907. Rußland übernahm die Mitteilung an seinen französischen Bundesgenossen, und der deutsche Botschafter in London setzte Sir Edward Grey, den englischen Minister, in Kenntnis, was in gleicher Weise auch der russische Botschafter in London tat. Mit der deutschen Mitteilung an die englische Regierung über den in Aussicht stehenden Abschluß eines Ostsee-Abkommens war der Vorschlag verbunden, nunmehr auch ein ähnliches Abkommen zwischen den Uferstaaten der Nordsee in Angriff
Unglückliche ab, ehe er wußte, wie ihm geschah — und nun war das Elend da.
Der Arzt in Rudolstadt beruhigte mich einigermaßen; die Sache würde keine Folgen haben, hoffte er, aber hohe Bergluft, absolute Ruhe und eine Mastkur sei unbedingt nötig. Wir gingen auf den Axenstein, ich pflegte meinen kranken Freund; du weißt das und weißt auch, daß er wenige Tage nach eurer Abreise als genesen den Axenstein verlassen durfte. Ich hatte ihn euch fcrngehaltcn, einmal, weil völlige Ruhe Vorschrift war, und dann auch, weil ich befürchtete, daß im Gespräch, bei den Eckundigungen nach seinem Befinden doch ein Wort mehr gesagt werden könnte, als mir lieb war. Jetzt ist auch diese kindische Sorge unnötig geworden. Die beiden jungen Leute sind bei Gräfin Herbert, der Sohn hat seiner Mutter diese aus einem unglücklichen Versehen herbeigeführte Verletzung gebeichtet, aber als etwas mehr Unwesentliches hingestellt. Dagegen hat er in warmen Farben geschildert, wie treu zuerst wir beide ihn gepflegt hätten, und wie dann, als mein Bruder fortgemußt, ich mich seiner angenommen hätte. Die zärtliche Mutter, nun sie ihren Liebling wieder frisch und rotwangig um sich sieht, ist beruhigt und zürnt meinem Bruder nicht mehr, behauptet doch ihr Sohn, er sei allein an dem Unglück schuld gewesen."
Ellern hätte wohl noch mehr erzählt, aber die Tür öffnete sich und der Oberst steckte den Kopf herein.
„Noch immer nicht zum Punktum gekommen?" rief er, und herzutretend fuhr er heiter fort, als er auf die beiden blickte, „nun das Schlußbild ist so gestellt, wie Figura zeigt! Aber jetzt will ich auch etwas davon abhaben. Ellern, wenn das Mädel da Sie so lieb hat, will ich's auch damit versuchen."
Er öffnete die Arme und seine Stimme bebte vor Rührung als er den Grasen umarmte und ihm zuraunte: „Jetzt werde ich einen Sohn haben, der in mir einen treuen Vater finden soll!"
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Villa Felseck war festlich geschmückt, das Brautpaar wurde erwartet. Doktor Pauli und Schwester Marie hatten Frau