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herrMer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 47.

Donnerstag, den 33. April

1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 15. April 1908.

Der Gastwirt und Metzger Heinrich Sippe! in Schenklengsfeld beabsichtigt aus seinem Hausgrundstück ein

Schlachthaus

zu errichten.

Ich bringe dies zur öffentlichen Kenntnis mit dem Be­merken, daß Einwendungen hiergegen binnen 14 Tagen dahier schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll an- zubringen sind.

Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen nicht mehr geltend gemacht werden.

Die rechtzeitig etwa erhobenen Einsprüche werden in mündlichem Verhandlungstermin am

Sonnt* den 7. Mai K U

Morgens 10 Uhr dahier erörtert werden und zwar auch im Falle des Aus­bleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden.

Die Zeichnung und Beschreibung liegen während der Dienststunden hier zur Einsicht der Beteiligten offen.

I. A. 2056. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Gefundene GegenKande:

Eine Sturmlaterne. Meldung des Eigentümers beim Ortsvorstand in Obergeis.

nichtamtlicher teil.

Italien und die Türkei.

Während der Ostertage hat Italien eine große Flotte aus­geschickt, um durch Besetzung von Inseln des Aegäischen Meeres gegen die hohe Pforte zu demonstrieren. Die Sache ist sehL plötzlich vorgenommen worden, wenn italienische Blätter jetzt auch versichern, die anderen Mächte seien vorher unterrichtet worden. Wahrscheinlich ist die Unterrichtung der Aussührung des Planes unmittelbar voraufgegangen, sonst hätte sicher die Presse schon früher Wind davon bekommen.

Der Hauptgrund für das Vorgehen lag darin, daß Italien unter Berufung auf die Meistbegünstigung und auf die be­stehenden deutschen, englischen, französischen und österreichisch­ungarischen Postanstalten in der Türkei die Erlaubnis, ebenfalls mehrere Postanstalten einrichten zu dürfen, verlangte, und daß die Pforte darauf nicht eingehen wollte. Die Berufung auf die Meistbegünstigung ist insofern nicht ganz stichhaltig, als

Wahrheit, Klarheit

Von A. von Liliencron.

(Fortsetzung.)

Das Mädchen an seiner Seite hielt den Kopf tief gesenkt, der große Hut verdeckte ihr Gesicht, er konnte nicht darin lesen. Sie meinte, ihr müsse das Herz Brechen vor tiefem Weh und über ihr klang noch immer das schmetternde Vogellied. Der kleine gefiederte Sänger jubelte jubelte!

Guten Morgen, meine jungen Herrschaften! Bereits wie immer tief in der Unterhaltung", begrüßte der alte Freund ihres Vaters Elsa und den Grafen.

Ja, ja", fuhr er lachend fort und schüttelte Ellern die Hand,das ist heute solch ein Morgen, der junge Seelen weltentrückt stimmen kann. Nun, nichts für ungut, ich will nicht stören."

Um keinen Preis hätte der Graf es zugegeben, daß ein Unberufener jetzt einen Blick in sein Herz getan hätte, in dem - Zorn um die Herrschaft rangen. Elsa, von dem- felven Gefühl getrieben und von scheuem Stolze angestachelt, alles Weh zurück und zwang ein Lächeln auf die blassen Lippen.

Gut, daß Sie kommen, fast hätte ich über diese Morgen- ^u^ meine Pflichten vergessen. Ich muß dem Vater das Frühstück zurechtmachen."

Dalli! Dalli! Kinder! Heran zum Futtern! Es ist hohe Zeit", klang es jetzt hinter ihnen.Töchterchen, fix, fix! Die Brötchen gestrichen, den Kaffee eingeschenkt!"

Der Oberst ließ sich am Frühstückstisch nieder, griff nach den Rosen und meinte zu Elsa, die eilig herangekommen war: Natürlich eine kleine Aufmerksamkeit von einem gewissen, jungen Herrn. Solch junges, verliebtes Volk holt diese seltenen Exemplare bis hierher, würde für dich noch am liebsten den Mond vom Himmel herunterholen, wenn es anginge."

Elsa antwortete nicht, sie strich eifrig die Frühstücks- brotchen.

Kind, du siehst übrigens ganz erbärmlich aus", fuhr der Vater fort.Na, das ist wohl solch eine rührsame Kater-

die bestehenden fremden Postanstalten gegen den Willen der Pforte errichtet worden sind und von ihr nur geduldet werden. Auch bei Errichtung der deutschen Postanstalten vor etwa acht Jahren hat sich die Pforte geweigert, ein Recht darauf anzu- erkennen, und sogar dagegen protestiert. Als die Anstalten einmal eröffnet waren, ist von den türkischen Behörden kein weiterer Widerstand geleistet worden. Italien hätte wohl auf gleiche Weise zum Ziele kommen können, ohne gerade ein Recht auf die türkische Erlaubnis in Anspruch zu nehmen.

Einen weiteren Beschwerdepunkt bildete die Behandlung von Italienern in Tripolis und einer italienischen Schiffahrts­linie an der tripolitanischen Küste. Es mag auch richtig sein, daß der Sultan und die Pforte übertrieben mißtrauisch gegen alles sind, was die Beziehungen Italiens zu Tripolis betrifft, da ihnen bekannt ist, daß Italien die Zusicherung Frankreichs und Englands besitzt, die Entwickelung der italienischen In­teressen in Tripolis nicht zu stören. Zurzeit beabsichtigt aber Italien jedenfalls nicht, sich in Tripolis sestzusetzen; denn da­mit würde die ganze türkische Frage, d. h. die Entfernung der türkischen Herrschaft aus Europa wie aus Afrika mit der Wirkung einer schweren Beunruhigung des europäischen Friedens ausgerollt werden.

Durch die Erklärung des türkischen Botschafters in Rom, daß die italienischen Postanstalten ebenso wie die anderen ge­duldet werden würden, ist der Hauptgrund für die Flotten- demonstration im Aegäischen Meere weggefallen. Das ist gut. Denn wenn sich der italienische Minister Tittoni auch bemüht hat, eine Rückwirkung der Flottendemonstration aus die Lage in Mazedonien auszuschließen, so wäre eine solche doch vielleicht nicht ausgeblieben. Schon das Vorgehen einer einzelnen Macht konnte an sich nichts dazu beitragen, das Konzert der Mächte zu stärken. Bei den widerstreirenoen Juteresser^ der Nächstbe­teiligten ist nun einmal eine vorsichtige Mäßigung aller er­forderlich, um auf der Grundlage des status quo eine fried­liche Entwickelung zu sichern.

Sit Wirren in Mnrnkkn.

London, 20. April. Das Reutersche Bureau meldet aus Mogador, daß Mulay Hafid wiederum Bevollmächtigte entsenden wird, um die Mächte um ihre Intervention zu bitten.

Tanger, 20. April. Mulay Hafid hat am 14. mit dem letzten Rest seines Heeres bei Mechra Halib den Umrbia passiert und an demselben Abend bei dem Stamme der Beni Meskin kampiert. Angeblich soll er von dort nach Fez ziehen, nachdem er im Gebiete der Schauja den Kaid Hammu Sejani zurückgelassen habe. Ueber die Operationen General d'Amades in der Gegend von Settat und darüber hinaus sind nur spär­liche Nachrichten vorhanden. Am 12. soll d'Amade einen weiteren Vorstoß nach Ulaad Sidi ben Naud und Ulad Busiri gemacht und dort zahlreiche marokkanische Streitkräfte ange­troffen haben; jedoch sei es zu ernsteren Kämpfen nicht ge­kommen, nachdem die Marokkaner sich jenseits Umrbias zurück­

stimmung Trennungsschmerz Abschiedstränen Strich durch sprechen wir nicht darüber."

Ja, sprechen wir nicht darüber, rühre jetzt nicht daran", drängte Elsa und ihre Lippen zuckten verräterisch.

Denken wir an das Wiedersehen! Es ist nicht mehr lange hin, dann kommt er nach", beruhigte der Freiherr. Aber sein Töchterchen flehte:Nur jetzt nicht über Trennung und Wiedersehen reden."

Aergerlich rührte der Oberst in seinem Kaffee.Kerlchen, mach doch keine Geschichten! Kopf in die Höhe und ver­nünftig sein!"

Die beiden anderen Herren, in einer Unterhaltung begriffen, traten heran und ein allgemeines Gespräch half dem jungen Paar über die peinliche Viertelstunde fort.

Der Reisewagen fuhr vor.Ich will Acht haben, daß die Sachen alle herunterkommen", war ElsaS Entschuldigung, als sie jetzt rasch die Herren verließ.

Der Vater hatte Mitleid mit seinem blassen Töchterchen, er wollte den beiden noch Gelegenheit geben, sich ohne Zeugen Lebewohl zu sagen.

Liebster Gras", bat er,sagen Sie doch der Elsa, sie solle aufpassen, daß mein Stock herunterkäme. Der steht in der Ecke am Fenster."

Ellern ging in das Haus, langsam stieg er die Treppe hinauf. Der Kellner kam ihm mit den Sachen entgegen. Er sah, daß der Stock des Obersten dabei war, eine Erinnerung für Elsa war also unnötig. Ihr zu folgen, konnte er sich nicht entschließen, aber das letzte Wort mit ihr vor Zeugen auszutauschen, erschien ihm ebenso als etwas Undenkbares. So blieb er denn mit verschränkten Armen am Treppengeländer lehnen, die Augen aus das große Wandgemälde gerichtet, das ihm gegenüber hing, und das er eifrig zu betrachten schien.

Elfe, Kind! Wo bleibst du denn? Es ist die aller­höchste Zeit zum Abfahren!" rief der Oberst von unten herauf.

Die Tür am Ende des Flurs wurde geöffnet, ba§ junge Mädchen trat reisefertig heraus und ging müde schleppenden Schrittes den Flur entlang.

gezogen hatten. Die Mdraka, unterstützt durch Streitkräfte des Kaids Sejam, haben dieser Tage das befestigte Lager Boucherons am Uad Aseila angegriffen, angeblich jedoch ohne Erfolg. Die Franzosen hoffen, diesen Stamm durch Ab- schneidung der wichtigsten Subsistenzmittel zur Unterwerfung zu bringen. Mulay Hafid sendet, nachdem seine Verhandlungen mit Regnault und Lyautey gescheitert sind, drei Gesandtschaften nach Europa, von denen eine nach Madrid und Paris die zweite nach London und die dritte nach Berlin gehen soll, um für Herstellung des Friedens zu wirken.

Paris, 18. April. Nach einem Telegramm des Generals d'Amade haben die französischen Truppen gestern einen Er­kundungszug im Nordwesten von Settat bis zur Kasbah Tellouit unternommen. Die Truppen säuberten, ohne Verluste zu erleiden, das Terrain und empfingen von den Stämmen Freundschaftsversicherungen. Wie ferner Admiral Philibert meldet, rechnet die Mahalla Bagdadis darauf, Dienstag oder Mittwoch in Fez anzukommen.

Paris, 19. April. General Ugy telegraphiert, daß drei französische Kolonnen ihre Vereinigung auf dem Terrain voll­zogen haben, das die jüngst geschlagene Harka vor ihrer Niederlage besetzt gehalten hatte. Der General traf nur einige kleine Abteilungen der Harka an; diese hatte El-Mengub in Unordnung geräumt. Es wurden etwa fünfzig Gewehrschüsse gewechselt, ohne daß ein Mann verwundet wurde. Die Harka ist schließlich gegen Westen abgezogen. Die französischen Truppen sind mehr als genügend, um sie zu hindern, sich zu sammeln.

London, 20. April. Wie das Reutersche Bureau meldet, ist den britischen Staatsangehörigen in Mogador durch die Regierung mitgeteilt worden, daß dieselbe künftig keinen Schutz für die Gefahren gewährleisten könne, die mit dem Aufenthalt in Marokko verbunden sind.

Aus jn- und Ausland.

Berlin, den 22. April 1908.

Ihre Kaiserlichen Majestäten wohnten am ersten Osterseiertage mit der kaiserlichen Familie und den Um­gebungen, sowie dem Könige und der Kronprinzessin von Griechenland dem Gottesdienste bei, welchen Militäroberpfarrer Goens in der Kapelle des Achilleions auf Korfu abhielt. Später verteilten die Majestäten Ostergeschenke an die Damen und Herren der Umgebungen und begaben sich hierauf mit Familie und Gefolge in Automobilen nach der Stadt Korfu. Dort fand eine große feierliche Prozession zu Ehren des heiligen Spiridion statt, zu welcher von der ganzen Insel Tausende der Landbevölkerung in den mannigfaltigsten bunten und reichen Trachten zusammengeströmt waren. Der König von Griechen­land und seine Familie nahmen vor dem Königlichen Schlosse Ausstellung, während die Kaiserlichen Majestäten mit Familie und Umgebungen vom Balkon aus die Prozession betrachteten,

Plötzlich stutzte sie und blieb für einen Augenblick zögernd stehen. Sie hatte den Grafen erblickt und alles Blut drängte sich dabei nach ihrem Herzen. Doch nur für eine kurze Minute hielt sie den Schritt an, dann ging sie auf den Grafen zu, der regungslos stehen geblieben war. Tränen standen in ihren Augen und zitternd streckte sie ihm die Hände hin.DaS letzte Lebewohl" flüsterte sie.

Er nahm ihre Hand und sah ihr fest in die Augen, aber er sprach kein Wort.

Langsam suchten sich ihre Finger aus den seinen zu lösen.

Also das ist nun die Scheidestunde", sagte er, und alle Bitterkeit seiner Empfindung klang daraus.

In langen Sätzen sprang ein Kellner die Treppe herauf. Der Herr Oberst lassen dringend bitten, sich zu beeilen", be­stellte er.

Sie folgten beide dem Rufe, sie hatten sich auch nichts mehr zu sagen.

Daß so ein paar junge Menschenkinder doch bis zuletzt kein Ende finden können", brummte Bodenstein ärgerlich, als Elsa zu ihm in den Wagen stieg. Dann schüttelte er dem Grafen herzlich die Hand.

Aus Wiedersehen in vier Wochen, dann sehen Sie sich mal meine Garnison an."

Der Kutscher knallte mit der Peitsche, die Pferde zogen an. Die Herren im Wagen schwenkten die Hüte, Ellern ver­beugte sich tief.

Herr Gras, die Rosen sind vergessen! Soll ich nach­laufen?" Der Kellner stand, die Blumen in der Hand, ihm zur Seite.

Nein", lautete die herbe Antwort.Die Rosen sind ver­blüht, sie gehören auf den Kehrichthaufen.

*

Als der Oberst mit Elsa in Blankenburg eintraf, hatte Doktor Pauli sich das Vergnügen gemacht, die beiden auf der Bahn zu empfangen.

Er wollte sich an.Kindchens" roten Backen erfreuen. Der Oberst hatte ihm ja geschrieben: Heidi blühe wie eine