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Herrselder Kreisblatt

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Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 46

Sonnabend, den 18, April

1908

Amtlicher teil.

Für die Wahlen zur einundzwanzigsten Legislaturperiode des Hauses der Abgeordneten habe ich auf Grund der §§ 17 und 28 der Verordnung vom 30. Mai 1849 (Gesetz­sammlung S. 205) als Wahltermine:

für die Wahl der Wahlmanver:

den 3. Juni d.

für die Wahl der Abgeordneten: den 16. Juni d. 3*»

festgesetzt.

Wo infolge der Einführung von Frist- oder Gruppen- wahlen (Artikel I §§ 3, 4 des Gesetzes vom 28. Juni 1906, Gesetzsammlung S. 318 ff.) die Beendigung der Wahlen an den bezeichneten Tagen nicht möglich ist, sind die Wahlen der Wahlmänner am 4. und 5. Juni, die Wahlen der Abgeord­neten am 17. Juni fort- und zu Ende zu führen.

Berlin, am 8. April 1908.

Der Minister des Innern, von M o l t k e. * *

Hersfeld, den 16. April 1908.

Wird veröffentlicht.

I. 4121. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Cassel, den 20. März 1908.

Betrifft die Strafregisterbehörden.

Seitens des ersten Staatsanwalts in Hanau wird neuer­dings darüber geklagt, daß die von den Polizeibehörden zufolge Erlasses des Herrn Ministers des Innern vom 14. Juli 1890 (Minist. Bl. für die innere Verwaltung S. 139) über das Ableben bestrafter Personen einzureichenden Verzeichnisse oft viel zu wünschen übrig lassen. Meistens sei nur der Name -und das Alter der verstorbenen Person angegeben, die Angabe des Geburts o r t e s und der Geburts zeit und bei Frauen der Geburts namen fehle fast durchgängig, so daß fortwährend Rückfragen notwendig wurden. Außerdem reichten manche Orts- und Gutsvorsteher die Verzeichnisse erst dann ein, wenn sie von den Landratsämtern wiederholt und zuletzt bei Straf­androhung dazu aufgefordert seien.

Mit Bezug aus das dortseitige gefl. Schreiben vom 10. April 1902, A. II. 4873, ersuche ich daher Ew. Hochwohl- geboren ergebenst die beteiligten Beamten wiederholt an die genauere Befolgung der fraglichen Vorschriften erinnern und auf den Zweck und die Bedeutung derselben Hinweisen zu wollen.

Der Oberstaatsanwalt. I. V.: gez. von Ditfurth.

An den Herrn Regierungs-Präsidenten hier. (III. 27. 726.)

* *

Cassel, den 3. April 1908.

Abschrift zur Kenntnisnahme unter Hinweis auf die Rund­verfügung vom 10. April 1902 (A. II. 4873) und zur weiteren Veranlassung. A. II. 2437.

Der Regierungspräsident, gez. B e r n st o r f f.

An die Herren Landräte des Bezirks.

* *

Hersfeld, den 10. April 1908.

Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnisnahme mit.

Unter Bezugnahme auf meine Verfügung vom 18. April 1902 I. Nr. 2187, Kreisblatt Nr. 47, mache ich die Einsendung der Berichte über das Ableben bestrafter Personen bis zum 1. F e b r u a r und 1. A u g u st j. I s. an die Königliche Staatsanwaltschaft in Cassel hiermit aufs Neue zur Pflicht. I. 3865. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersfeld, den 13. April 1908.

Der Schmiedegeselle Johannes Apel zu Gittersdors hat am 1. April d. Js. die durch das Gesetz vom 18. Juni 1884 vorgeschriebene Prüfung vor der staatlichen Hufschmiede» Prüfungskommission für den Regierungsbezirk Cassel bestanden.

2878. Der Königliche Landrat von Grunelius.

Hersfeld, den 13. April 1908.

Die am 4. d. Mts. erfolgte Wiederwahl des Bürgermeisters Johannes Steinhauer in Wüstfeld als solcher für einen am 7. Mai d. Js. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum ist von mir bestätigt worden.

A- 2022. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Ostern.

In das erste Erwachen deS jungen Frühlings hinein fällt das Fest der Ostern, das höchste und gewaltigste der Christen- Hert. Nie ist in unseren Gemeinden die Stimmung so feierlich gehoben, nie klingen von Turm zu Turm die Glocken so hell

wie heute und verkünden mit ihren ehernen Zungen:Der Herr ist auferstanden von den Toten, er lebt!"

Und wunderbar, wie immer das Leben am Leben sich entzündet, so auch hier. Welch eine Wandlung im Herzen der Jünger vom Karfreitag bis Ostern! Unter dem Kreuz und unter dem Eindrücke des Todes verzagte und geängstete Ge­müter! Unter dem Eindrücke des Lebendigen selbst Lebende! Mit kühnem Wagemute sind die elf Fischer hinausgezogen in die Welt. Sie achteten nicht der Machtmittel des heidnischen Staates, auch nicht der Weisheit des Weltweisen, erst recht nicht der Genußfreude der damaligen Zeit; das alles ist für sie eine untergehende Sonne. Sie haben und bringen Größeres: der Welt eine Erneuerung des Lebens, durch einen neuen Glauben eine neue Liebe und eine neue Hoffnung. Die Ostertatsachc im Herzen, können sie es nicht lassen von dem zu zeugen, was sie gesehen und gehört hatten. Die Oster­glocken sind somit die Morgenglocken, die die junge Christen­heit an die Arbeit rufen und ihr den unverwüstlichen Glauben an das Gelingen predigen.

Freilich, wenn es nur einen Karfreitag gäbe und ein Kreuz und ein Grab, dann würde es heißen:Sei getreu bis an den Tod, und du wirst schmachvoll zugrunde gehen."Tu deine Pflicht, und du wirst leiden, die Ungerechtigkeit wird obsiegen und das Laster triumphieren und der Gerechte am Ende verlassen sein!" Das Leben Christi wäre das größte Trauerspiel der Weltgeschichte, und die Christen wärmdie elendesten unter allen Menschen". Aber so ist es nicht! Die Osterglocken verkünden den endlichen Sieg jedem redlichen Kämpfen und Ringen. Wie der Frühling endlich kommen muß, fo muß auch dieKrone des Lebens" kommen nach der Dornenkrone harter, treue» Arbeit. Darum verzagen wir nicht! Osterglocken sind Morgenglocken, die uns zu fröhlicher Arbeit rufen. Sie klingen mit Hellem Klang von den Türmen über die Häuser zu allem arbeitenden, kämpfenden Volke, zu allen Leid- und Kreuzträgern, aber sie klingen noch weiter. Ueber das Gewühl der Menschen hinüber, über das Weichbild der Stadt dringt ihr Schall bis auf unsere Gottesäcker und grüßt dort die stillen Schläfer. Die Arbeit ist für sie getan, auch das Leiden kennen sie nicht mehr; sie haben sich, so scheint es, von den Lebenden getrennt, und uns wollte darüber fast das Herz zerbrechen, aber getrennt das ist die tröstende Predigt von Ostern um einzugehen in ein neues, besseres Leben. Wie die Sonne jetzt aus unseren Grabhügeln Früh­lingsblumen hervorgehen läßt, so gibt uns der lebendige Christus die Hoffnung des Lebens für die Toten aus sich selbst:Ich lebe, und ihr sollt auch leben!"

So klinget denn, ihr Osterglocken, mit eurem Friedens­geläute auch über unsere Gräber und weihet sie zu Kammern des Lebens und der Auferstehung; klinget hinein in alle trauernden Herzen und lasset sie in dem Auferstandenen ein Leben ahnen, über das der Tod keine Gewalt hat, ein Leben, stark genug, auch unsere Verstorbenen mit zu umschließen. Denn heute ist ein Tag, wo alle hoffen und alle sich freuen, alle ausschauen sollen zu den Bergen, von welchen uns Hülfe kommt. Ja, die Osterglocken läuten Friede und Freude, mögen sie uns allen ein neues Leben künden!

2l«f erstanden!

Osterglocken, Osterglocken, Läutet durch die weite Welt! O welch himmlisches Frohlocken, Da die Fessel brach der Held! AuS des dunkeln Grabes Banden Stieg er siegreich nun empor: Auserstanden! Auferstanden! Schallt'S in frommer Andacht Chor.

Osterglocken klingen leise Ueber Feld und Flur dahin; Muntrer Sänger Frühlingsweise Labt aufs neue Herz und Sinn; Ihre ersten Kränze wanden Wald und Feld und Wiesenplan Auferstanden! Auserstanden! Jauchzt die Losung himmelan.

Osterglocken! O das tönet Mild wie Friedensglockenklang! Alles, alles sich versöhnet, Da der Herr den Feind bezwäng; Herzen, die sich wiederfanden, Ahnen Osterseligkeit Auferstanden! Auserstanden! Friede wird eS weit und breit.

Osterglocken, läutet, läutet Tröstend auch ins bange Herz, Daß eS, trauernd, gramerbeutet, Gläubig schaue himmelwärts. Aus des ew'gen Friedens Landen Klingt,ihm süße Botschaft zu: Auferstanden! Auferstanden! Menschenkind, was weinest du?

Politischer Wochenbericht.

Das heilige Osterfest ist gekommen, und angesichts dieser Tatsache wenden sich die Gedanken des christlich gesinnten Teiles unseres Volkes für einige Zeit dem irdischen Treiben ab und den ewigen Dingen zu. Auch die Politik verschwindet für eine kurze Weile aus dem Vordergründe des Interesses. Da sind rückwärts gewandte Betrachtungen angebracht, und wir dürfen mit Dank gegen Gott sagen, daß solche Betrach­tungen diesmal in ihrem Grundton nicht anders als freudig gehalten sein können. Die Blockpolitik hat im R e i ch s- tag e mit Annahme des Vereinsgesetzes und des Börsengesetzes zwei schwere Belastungsproben glücklich bestanden. Alle Quertreibereien und aller vorzeitiger Hohn der Gegner sind kläglich zuschanden geworden. Völlig nnverständ- lich erscheint das Verhalten des Zentrums, das in seiner augenblicklichen Verärgerung alle politischen Grundsätze über Bord geworfen zu haben scheint. Noch vor wenigen Jahren legte sich das Zentrum mit aller Macht für eine Beschränkung der politischen Vereins- und Versammlungsfreiheit der Jugend­lichen ins Zeug, und heute kann dasselbe Zentrum, das doch bisher immer eine Partei der Autorität sein wollte und auch gewesen ist, nicht laut und lärmend genug dafür eintreten, daß den grünen Jungen die Arena deS öffentlichen Lebens sperrangelweit geöffnet werde. Das verstehe wer's kann, wir verstehen es nicht. Im übrigen steht dem Block die schwerste Belastungsprobe noch mit der R e i ch s s i n a n z r e s o r m be­vor. Die bisherige Entwickelung der Dinge aber läßt hoffen, daß auch diese Schwierigkeit überwunden werden wird.

Die österliche Stille, die sonst in der inneren Politik in Preußen und Deutschland immer herrschte, wird diesmal einigermaßen.durch, die Vorbereitungen für die preußischen Landtagswahlen unterbrochen. Da letztere bekanntlich am 3. Juni stattfinden, so ist die Zeit bis zu der wahlpoli- tischen Entscheidung allerdings nur eine kurz bemessene und es begreift sich daher, wenn die Parteien in Preußen bereits lebhaft ihre Zulüftungen für die Wahlen treffen. Ein spezielles interessantes Moment weisen die bevorstehenden preußischen Wahlen dadurch auf, daß sich auch die sozialdemokratische Partei an ihnen beteiligen wird, sie hat sogar in einer Reihe von Wahlkreisen eigene Kandidaten aufgestellt. Aus eigener Kraft werden indessen die Sozialdemokraten in Hinblick auf das preußische Dreiklassenwahlsystem wohl keinen ihrer Land­tagskandidaten durchbrmgen, höchstens könnte dies bei Stich­wahlen durch Hilfeleistung von entschieden-liberaler Seite geschehen.

Als Ergebnis der R o m r e i s e des F ü r st e n B ü l o w, bei welcher der deutsche Reichskanzler auch vom König Viktor Emanuel in besonderer Audienz empfangen worden ist, wird von den italienischen Blättern die volle Einmütigkeit des Drei­bundes in den Balkanfragen hervorgehoben. Zwar galt die Reise des Reichskanzlers vor allem her Erwiderung von Be­suchen, die ihm die italienischen Minister Tittoni und Giolitti aus deutschem Boden abgestaltet haben, aber daß mit den italienischen Staatsmännern auch politische Gespräche geführt worden sind, liegt auf der Hand. Durch das Ergebnis dieser Gespräche ist nun die Fabel, es sei die Sorge um ein Ab­schwenken Italiens in der Balkansrage, die den Reichskanzler nach Rom geführt habe, gründlich widerlegt worden.

Galiziens Hauptstadt Semberg ist durch die Ermordung des Statthalters Grafen Potocki, der von einem ruthenischen Studenten Miroslaw Siczynski meuchlings niedcr- geschossen worden ist, in Aufregung versetzt worden. Wie der Mörder selbst bekundet, hat er seine unselige Tat auS rein politischen Motiven verübt. Ohne Zweifel ist der Mord auf die Hetzereien der radikalen ruthenischen Presse und der radikalen Abgeordneten zurückzuführen, die bisher die Anwendung roher Gewalttätigkeiten gepredigt haben, um zu erzwingen, daß die ruthenische Sprache als zweite Amtssprache aus der Universität eingeführt werde. Wie man auch die von den herrschenden Polen gegenüber den Ruthenen in Galizien beobachtete Hal­tung beurteilen mag, die Tat des ruthenischen Studenten ist nichts als ein feiger Meuchelmord und muß als ein verwerf­liches Kampfmittel bezeichnet werden, dessen Anwendung auch von der Mehrheit der Ruthenen nicht gebilligt werden wird. Der Lemberger Mord, der nach russisch-revolutionärem Vor­bild verübt worden ist, zeigt aber zugleich die andauernde Gefahr, die von Rußland her der inneren Sicherheit der europäischen Staaten droht.

In England ist der seit längerer Zeit erwartete Rück­tritt des schwer erkrankten Premierministers Campbell-Bannerman erfolgt, und der bisherige Schatzkanzler Asquith ist vom Könige mit seiner Nachfolge betraut worden. Wie gewöhnlich, hat der Wechsel in der Person des Leiters auch Aenderungen in der Zusammensetzung des Kabinetts nach sich gezogen. Der neue englische Premier­minister vertritt den rechten Flügel der Liberalen, der mit den gemäßigten Konservativen stets in Fühlung geblieben ist und imperialistischen Ideen huldigt. Es läßt sich von dem neuen britischen Ministerium eine energische Vertretung der auswär­tigen Interessen Englands sowie im Innern eine kraftvolle Abwehr der irischen und sozialistischen Bestrebungen erwarten.