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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 45.
Donnerstag, den 16. April
1908.
Amtlicher teil.
Hersseld, den 10. April 1908.
Die 14. Vollversammlung der Landwirtschaftskammer für den Reg.-Bez. Cassel hat mit Genehmigung des Herrn Landwirtschaftsministers beschlossen, für das Jahr 1908 2/s% (zweidrittel Prozent) des Grundsteuer-Reinertrags als Beitrag zu den Unkosten der Landwirtschaftskammer zu erheben.
Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 29. Juni 1906 I. Nr. 5204, Kreisblatt Nr. 77, ersuche ich, die Herren Orts- bezw. Gutsvorstände des Kreises wegen Eintragung der Beiträge für das laufende Jahr in die Hcbeliste sowie wegen Einziehung und Abführung derselben demnächst das Weitere zu veranlassen.
Das Jahressoll der aufzubringenden Landwirtschaftskammerbeiträge ist mir bis zum 1. Juli d. Js. anzuzeigen.
I. 3816. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher teil.
Karfreitag.
Die Geschichte, die uns der Karfreitag wieder fo nahe rückt, ist zugleich weit mehr, sie ist der Anfang einer neuen Menschheit gewesen. Vor ihrer herzerschütternden Hoheit ist alle Herrlichkeit des Altertums dahingesunken; alle Weisheit der Denker und Dichter der alten Zeiten ist durch sie zunichte gemacht worden, und ganz neue Antriebe sittlicher Bildung und Lebensgestaltung, neue Richtungen ■ des Erkenntnisstrebens und der Wissenschaft haben sich an sie angeknüpft. Was die in der Kultur am meisten fortgeschrittenen Völker an auszeichnenden Vorzügen in langer geschichtlicher Arbeit seitdem errungen haben, das führt auf das Kreuz von Golgatha als auf seinen tiefsten Grund und seine erzeugende Kraft zurück. Am Kreuze des göttlichen Dulders hängt nicht weniger als die Gesamtheit aller Güter der idealen Kultur für die ganze Menschheit. Könnte jemals die Kunde vom Kreuze Christi aus Erden verdunkelt werden, so wäre aus dem Wachstum der Menschheit das Herzblatt herausgerissen; die eigentliche Triebkraft aller idealen Weiterbildung im sittlichen, im künstlerischen, im intellektuellen Leben wäre abgebrochen, und der Rest wäre die Verkümmerung und das Verderben.
Und doch, — mit dem allen ist die eigentliche Bedeutung des Leidens und Sterbens unseres Heilandes auch noch nicht einmal von ferne angedeutet. Diese größte aller Geschichten stände so noch immer, wenn auch in überschwänglicher Hoheit, in gleicher Reihe mit anderem, was auch aus Erden vorgefallen ist. Einzig und unvergleichbar ist sie erst dadurch, daß sie den Himmel auf die Erde gebracht und die Erde zum Himmel erhoben hat, indem sie uns eine ewige Erlösung gebracht hat.
Wahrheit, Klarheit
Von A. von Liliencron. (Fortsetzung.)
IV.
Oberst von Bodenstein hatte seinen zukünftigen Schwiegersohn von Herzen willkommen geheißen. Er freute sich an dem Glück der beiden und kämpfte sieghaft gegen ein Gefühl der Eifersucht, das ihn überkam, wenn er daran dachte, daß er nun nicht mehr den ersten Platz in dem Herzen seines Töchter- leins einnehmen sollte. Eins aber hatte er sich von vornherein ausgemacht, und das war, daß die Verlobung noch für einige Zeit nicht veröffentlicht werden solle. Er tat das einerseits, um seine Frau langsam darauf vorbereiten zu können, anderseits, weil ihm das Kennenlernen, Lieben unb Verloben zu sehr im Sturm gegangen war und er den jungen Herzen ge- wissermaßen eine Frist geben wollte, in der sie sich näher kennen lernen sollten.
Acht Tage waren dem jungen Paare wie ein einziger strahlender Sommertag vergangen, dessen wolkenloser Himmel sich m blauem Duft ungetrübt über sie wölbte.
Willig hatte Elsa am Vor- und Nachmittag sich auf Stunden von dem Geliebten 'getrennt, die dieser seinem kranken Freunde widmete. Sie war eine viel zu selbstlose und zu groß angelegte Natur, um nicht freudig entsagen zu können, dem Erwählten zuliebe.
Graf Hans hatte ihr schon am ersten Tage nach ihrem Verlöbnis gesagt: „Mein armer Kranker, für den ich zu sorgen habe, hat ein Recht an mich. Das Glück darf mich nicht selbstsüchtig machen. Wie denkt meine Heidelerche darüber?"
Sie hatte sich damals an ihn geschmiegt, ihn mit den "eben Grauaugen freundlich angeblickt und ihm geantwortet: »Deine Aufgaben sollen meine Ausgaben sein, dein Glück mein Gluck, deine Pflichten meine Pflichten. Was du um des kranken Freundes willen aufgibst, das will auch ich freudig hmgeben." 3
Und einer heißen Aufwallung folgend, hatte sie ihren Arm
Hier ist für jede einzelne Menschenseele der Ausgangspunkt ihres wahren Lebens, der Quell ihrer Wiedergeburt, die Macht ihrer Heiligung, die Hoffnung ihres ewigen Bestandes. Das Rätsel unseres Daseins und das Geheimnis unserer Bestimmung — von hier aus empfängt es Licht; ohne Christi Kreuz wären wir in Nacht versenkt.
Die Geschichte, wie des Menschen Sohn vor der Menschen Gericht steht, wie er den schmachvollen Tod des Verbrechers erleidet, wie er am Kreuze seine göttliche Seele in seines Vaters Hände befiehlt, für seine Feinde bittet und mit brechendem Auge und Herzen das gewaltige Wort spricht „Es ist vollbracht!", ist wohl einmal zu bestimmter Zeit, am bestimmten Ort, dort auf dem Boden des heiligen Landes, im Angesichte der Stadt Jerusalem, auf der Anhöhe vor ihren Toren vor- gefallen. Aber es ist doch nicht bloß eine einmalige Geschichte von bloß zeitlicher, örtlicher Bedeutung: es ist eine ewige Geschichte von unvergänglichem Werte, von immer gleicher Neuheit, die niemals veraltet, so lange es einen Himmel und eine Erde gibt. Gewiß ist es auch eine Tatsache, aber diese Tatsache umschließt einen Gehalt, der immer wieder durchlebt wird, und von dem unser zeitliches und unser ewiges Leben als von einem tiefsten Grunde getragen und ernährt wird. So viele hundert Jahre, ehe wir in dies zeitliche Dasein eingetreten sind, ist das alles geschehen: und doch ist das für uns geschehen.
Die hohe Kunde darf nicht untergehen; sie darf auch keine Trübung, keine Verdunkelung oder Entstellung erleiden. Es muß der Unwissenheit, es muß dem Zweisel und der Ver- kennung begegnet werden. Das neu Heranwachsende Geschlecht bedarf der Unterweisung, die Gemeinde der Erwachsenen der Stärkung, der Befestigung, der tieferen Einführung in das wunderbare, das offenbare Geheimnis. Da ist nirgends bloßer Buchstabe, der als solcher rein äußerlich aufgefaßt und fcstge- halten sein will. Da ist ein unerschöpflicher geistiger Gehalt, den ein jeder Christenmensch nach dem Maße der Gnade, die gerade ihm zuteil geworden, zum Grunde seines Lebens in Gott zu machen berufen ist.
Der gegenwärtige Stand der deutschen Kriegsflotte.
Die kürzlich vom Reichstage endgültig angenommene Marinevorlage ist bekanntlich nur eine Ergänzung der Flotten- vorlage vom Jahre 1900, die unsere damalige Schlachtflotte verdoppelte und auf 4 Geschwader zu je 8 Linienschiffen, 8 großen und 24 kleinen Kreuzern brächte. Sie bezweckt vor allem einen wesentlich schnelleren Ausbau unserer teilweise recht veralteten Linienschiffe und wird uns bis zum Jahre 1914 dahin bringen, daß die Hälfte unserer für eine Seeschlacht ausschlaggebenden Linienschiffe, also 2 Geschwader, aus sogenannten Dreadnoughts besteht.
Seit einem Jahre hat unsere Kriegsflotte sich um 10 Schiffe
um seinen Hals gelegt und ihm zugeflüstert: „Ich liebe dich noch viel, viel mehr um dieser deiner Treue willen für deinen Freund."
In den letzten Tagen, so hatte Ellern ihr freudig berichtet, war eine so entschiedene Besserung bei dem Kranken eingetreten, daß vielleicht noch eine Woche genügen würde, daß er dann allein feine weitere, vollständige Genesung abwarten könne.
Dem Grafen schien durch diese Zusicherung des Arztes ein Stein vom Herzen genommen zu sein, und fröhlich plante er mit seiner Heidi freundliche Zukunftsbilder. Als erstes malten sich die beiden ein Wiedersehen in der Garnison des Obersten aus, wo Frau von Bodenstein ebenso im Sturm genommen werden sollte, wie es den Ihrigen ergangen war.
Heute am letzten Abend, wo Elsa noch mit ihrem Vater aus dem Axenstein weilte, war daS Wetter trübe und kalt. Trotzdem aber wanderten die drei aus der bekannten Straße, die sie tagtäglich durchstreift hatten. Der Weg war schlüpfrig geworden durch den Regen, der den ganzen Tag angedauert hatte, stoßweise fuhr der Wind durch die Bäume und drohend standen finstere Wolken am Himmel.
Der Oberst, der kein Wetter scheute, war mit dem jungen Paare fast den ganzen Weg den Axenstein heruntergegangen. Dort traf er einen alten Bekannten und ergriff nicht ungern die Gelegenheit, mit diesem plaudernd voranzugehen und das junge Paar sich selbst zu überlassen.
Die beiden folgten langsam den Herren, die den Rückweg einschlugen. Sie hatten einander noch so viel zu sagen, so viel zu fragen, daß sie die kurze Spanne Zeit gern zu einer kleinen Ewigkeit ausgedehnt hätten. Unbewußt gingen sie immer langsamer, so daß sie die Voranschreitenden bald ganz aus dem Auge verloren hatten.
Zukunftsbilder beschäftigten sie, ihr Heim, ihr In- und Miteinanderleben malten sie sich aus.
„Du wirst mich verwöhnen, Heidi", meinte er, „wenn du es weiter so treibst wie jetzt, wo du mir jeden Gedanken von der Stirn abliest und alles mit mir teilst!"
Elsa lächelte den Grafen an. „Macht es dich glücklich,
vermehrt, und zwar um die Linienschiffe „Pommern" und „Hannover", die großen Kreuzer „Scharnhorst" und „Gneisenau", die kleinen Kreuzer „Danzig" und „Königsberg" und 3 Hilfs- schiffe sowie den Bergungsdampfer „Vulkan". Vom Stapel gelaufen sind im vergangenen Jahre die beiden kleinen Kreuzer „Stettin" und „Dresden", 3 Hilfsschiffe und am 7. März die „Nassau" als Ersatz für das Linienschiff „Sachsen", das erste Schiff vom Dreadnoughttyp. Dagegen sind in nächster Zeit mehrere Stapelläufe zu erwarten, so der Stapellauf vom Ersatz Sachsen, eines großen Kreuzers E und eines kleinen Kreuzers Ersatz Pfeil. Im ersten Baustadium befinden sich außerdem noch die Linienschiffe Ersatz Württemberg, Ersatz Baden, ein großer Kreuzer F, die kleinen Kreuzer Ersatz Greif und Ersatz Jagd sowie eine Torpedobootsflottille. Der Personalbestand ist nach dem diesjährigen Etat gegen das Vorjahr um 3576 Mann erhöht und auf 50 323 Köpfe gebracht worden. Der größte Teil dieser Mehreinftellungen kommt auf die Mattosendivision, wo er allein 3043 Köpfe beträgt. Wichtig ist, daß bei der Hochseeflotte die beiden letzten Linienschiffe der Brandenburgklasse gegen die Neubauten „Pommern" und „Hannover" umgetauscht worden sind, weil dadurch die Flotte gleichartiger wird, ihre Kampffähigkeit wächst und außerdem ihre Höchstgeschwindigkeit um 1,5 Seemeilen erhöht wird.
Ein erst seit drei Jahren bestehender Sonderzweig unserer Marine sind die in Cuxhaven stationierten Minenformationen. Sie bestehen aus Minenabteilungen, die für den Dienst an Land bestimmt sind, und Minensuchdivisionen. Die erste halbe Minenabteilung in Stärke einer Minenkompanie wurde im Jahre 1905 ausgestellt und bald darauf die erste Minensuch- division formiert. Im vorigen Jahre wurde die Minenkompanie durch Hinzufügung einer zweiten Minenkompanie zu einer Minenabteilung in der Stärke von 11 Oberdeckoffizieren, 21 Deckosfizieren, 2 Feldwebeln, 4 Vizefeldwebeln und 609 Unteroffizieren und Gemeinen erweitert und außerdem Mittel für eine zweite Minensuchdivision bewilligt. Jede Minensuch- division besteht aus 12 Torpedobooten einschließlich eines Führerboots.
Schließlich ist noch zu erwähnen, daß wichtige Aenderungen in der Schaffung und Ausbildung des seemännischen Unteroffiziers- und Deckosfiziersersatzcs getroffen worden sind. Zu diesem Zwecke bestand bisher in Friedrichsort die Schiffsjungendivision, wo die jungen Leute eine lV2jährige Ausbildung erhielten. Da diese sich nicht immer als ausreichend bewies, hat man sie jetzt auf 2 Jahre ausgedehnt und ist außerdem daran gegangen, die Ausbildung der Schiffsjungen von Grund aus umzugestalten und der Neuzeit anzupassen. Während die Schiffsjungen bisher auf alten Schiffen der Stoschklasse untergebracht waren, ist aus diesem Grunde im vorigen Jahre als erstes zeitgemäßes Schulschiff die Freya eingestellt worden und sollen im laufenden Jahre zum selben Zwecke noch die Viktoria Luise und Hertha hinzukommen sowie im Jahre 1909 Hansa und Vincta.
Diese kurzen Angaben, die selbstverständlich nicht alles ent-
Hans?" fragte sie, nur um wieder und wieder zu hören, was sie doch längst wußte.
Fester zog er den Arm des geliebten Mädchens an sich. „Ob mich's beglückt! Kind, unentbehrlich bist du mir geworden. Dein Frohsinn ist Lebenselixier für mich, und dies Bewußtsein, daß du mich verstehst, daß du mit mir durch dick und dünn gehen willst, wie du mir's versprochen hast, das verscheucht alle Schatten und alle Sorgen, die ich mir nur zu oft mache."
Elsa drückte ihren Kopf an seine Schulter. „Durch gute und durch böse Tage, durch Sturm und Sonnenschein will ich mit dir gehen, aber eins würde ich immer verlangen!"
„Nun und dies eine? Das ist doch die Liebe, die große Liebe, Heidi; die soll dir immer gehören, schrankenlos und unwandelbar. Das kannst du erlangen, das will ich geben." Er hatte rasch gesprochen und die letzten Worte mit großer Bestimmtheit. Es war, als ob er den Punkt nicht weiter erörtern wollte.
Elsa jedoch nahm ihn wieder auf. „Nein, Hans, außer der Liebe ist eS noch etwas anderes, was ich verlangen würde, schrankenloses Vertrauen, unbegrenzte Offenheit."
Er antwortete nicht gleich und sie sah erstaunt in fein Gesicht, das ernst geworden war.
Eine gewisse Unruhe bemächtigte sich ihrer und erregter, als sie wollte, klang ihr Drängen. „Du mußt mir recht geben, Hans, zwischen zwei Menschen, die eins sein wollen in ihrem Tun und Denken, muß alles klar liegen. Jedes Verschweigen ist da ein himmelschreiendes Unrecht, ein Mangel an Mut, an Liebe."
„Heidi, halt ein! Du schießt über das Ziel hinaus", warf er ein, und seine Stirn zog sich in Falten.
Aber Elsas temperamentvolles Empfinden riß sie fort, sie glühte vor Eifer.
„Nein Hans, ich sage genau nur das, was mir heiliger Ernst ist, und woran ich auch immer festhalten werde. Ich will dir angehören mit allem, was ich bin und habe, aber ich werde von dir immer rückhaltlose Offenheit verlangen."
Die Stirn des Grafen rötete sich. „Es könnten Fälle eintreten, wo ein Verschweigen geboten, ein Sprechen unrecht