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herrselder Kreisblatt
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt' und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 43.
Sonnabend, den 11. April
1908.
Amtlicher teil.
Das Königliche Staatsministerium hat beschlossen, daß bei den diesjährigen Landtagswahlen statt des durch § 5 Absatz 2 des Wahlreglements vom 14. März 1903/20. Oktober 1906 vorgeschriebenen Musters ein Formular mit nachstehender
Kopfinschrift der Listenausstellung zugrunde zu legen ist.
Cassel am 28. März 1908. (A I. 1429/08./A 1.1430.)
Der Regierungspräsident Graf v. B e r n st o r s s.
* *
Hersfeld, den 9. April 1908.
Vorstehendes bringe ich zur Kenntnis der Herren Bürgermeister und Gutsbezirksvorsteher des KreiseS mit dem Hinzu-
sügen, daß die vorgeschriebenen Formulare zu den Urwähler- und Abteilungslisten von der L. Funffchen Buchdruckerei hier in aller Kürze übersandt werden.
Der Königliche Landrat von GruneliuS.
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§ 's a
Zuname
Vorname
Stand oder
Gewerbe
Wohnort
Lebensalter
Jahresbetrag der staatlich veranlagten
Jahresbetrag der staatlich veranlagten Realsteuern (Spalte 7—10) zusammen
Jahresbetrag der direkten
Urwähler ist nicht zur Staatseinkommensteuer veranlagt daher sind ein- zusetzen
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Staatssteuern und zwar
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nichtamtlicher Leil.
Palmsonntag.
Tag der Palmen! Froh begrüßt, Nahst du dich auf Lenzesschwingen, Und das erste Veilchen grüßt, Und die ersten Lerchen singen.
Ueberall auf weitem Runde Lacht des jungen Lebens Lust, Und die süße Osterkunde Schwellt die wintermüde Brust.
Tag der Palmen! Froh bewegt
Grüßt dich junger Christen Hoffen: Ahnungsvoll das Herz heut schlägt, Und ein Himmel steht ihm offen.
Neues Leben, neue Freude Zieht in fromme Seelen ein, Und nach langem Herzensleide Liegt die Welt im Sonnenschein.
Tag der Palmen! Warum glänzt
Uns im Aug' die stille Zähre?
Wenn der Lenz das Fest bekränzt, Winkt noch nicht die reife Achre: Maiensrost und Wetterblitze Hindern junger Saat Gedeihn; Erst bewährt in Sommers Hitze Wird die Ernte dich erfreu'n.
Tag der Palmen! Tausendmal Sei dem Herzen drum willkommen! Hast des langen Harrens Qual Siegesfroh von uns genommen. Hin zum Auferstehungsmorgen Führst du auf des Leidens Pfad: Freude blüht aus Kampf und Sorgen, Aus dem Leid des Lebens Saat!
Politischer Wochenbericht.
Nach harter Arbeit und heißer Redeschlacht hat der Reichs- tag das R e i ch S v e r e i n s g e s e tz, dessen Kulminationspunkt der vielumstrittene § 7, der sogenannte Sprachenparagraph ist, gegen die Stimmen des Zentrums, der Polen und der Sozial- demokraten angenommen, ein Erfolg der Blockparteien, der in allen nationalgesinnten Kreisen die lebhafteste Befriedigung hervorgerufen hat. Denn erst jetzt wird es möglich sein, die Umtriebe der Polen und Dänen gründlich zu überwachen und der Möglichkeit vorzubeugen, daß in offenen Versammlungen gegen das Deutschtum gehetzt und die Losreißung deutscher Landesteile gepredigt wird. Das wurde bisher ungemein begünstigt durch bestehende Gesetze, die es den Polen und Dänen erlaubten, sich in offenen Versammlungen ausschließlich ihrer Sprache zu bedienen, und so kam es, daß der Polizeibeamte dabei saß und in der Unkenntnis des gesprochenen Idioms es nicht verwehren konnte, wenn ein Redner nach dem anderen unter dem stürmischen Beisalle der Menge zum Landesverräte aufforderte. Von großer Bedeutung ist auch der von den Konservativen eingeschaltete § 10a, der Jugendliche unter 18 Jahren von politischen Vereinen und Versammlungen aus- schließt und so eine Handhabe gegen die sozialdemokratische Jugendverhetzung bietet. Junge Leute haben nun einmal in politischen Versammlungen nichts zu suchen, sie sollen etwas lernen, aber sich nicht politisch betätigen. Dazu fehlt ihnen in dem Alter doch noch die nötige Reife. Nach einem arbeitS?-, aber auch erfolgreichen Vierteljahr find die Reichsboten nun in die Osterserien gegangen, und wir gönnen ihnen die Ferien- ruhe und den Osterfrieden von Herzen.
Vom Auslande ist ferner der durch ein andauernde- Leiden
veranlaßte und seit längerer Zeit erwartete Rücktritt des britischen Premierministers Sir Henry Campbell- Bannerman bemerkenswert, an dessen Stelle der bisherige Schatzsekretär Asquith getreten ist. Wie in seinem Vaterlande erfreute sich der im zähen Kampfe für seine politischen Ideale ergraute britische Staatsmann auch im Auslande hoher Wertschätzung. In Deutschland insbesondere soll es ihm unvergessen bleiben, daß, während er die Führung der Regierungsgeschäste in der Hand hielt, die Besserung des deutsch-englischen Verhältnisses eingeleitet wordenes! Sir Henry hat diesen Vorgang nicht nur mit Wohlwollen beobachtet, sondern zum Gelingen der auf eine Verständigung zwischen der öffentlichen Meinung drüben und hüben gerichteten Bestrebungen in dankenswerter Weise tätig beigetragen. Am Ende seiner politischen Laufbahn genießt er die wärmste Verehrung seiner Gesinnungsgenossen und die aufrichtige persönliche Achtung seiner Gegner, die durch den Mund des Führers der Opposition Balfour im Unterhause ihren herzlichen Empfindungen Ausdruck geben ließen, auch in diesem Falle von neuem die vorbildliche Art bekundend," in der das britische Parlament öffentliche Angelegenheiten zu behandeln pflegt. Sir Henry Campbell- Bannerman wünschen wir eine baldige und völlige Genesung und den Genuß eines langen heiteren Lebensabends.
In Rom ist es bei der Beerdigung eines verunglückten Arbeiters zu einem scharfen Zusammenstoß zwischen Polizei und revolutionären Elementen gekommen, weil sich die auS etwa 1500 Köpfen bestehende Menge, die den Leichenzug begleitete, den Anordnungen der Polizei widersetzte und diese tätlich angriff, so daß sie schließlich durch Revolverschüsse zerstreut werden mußte. Es gab Tote und Verwundete. Von den vier Erschossenen sind drei Anarchisten, das vierte Opfer ist ein unbeteiligter Zuschauer, der sich, soweit man weiß, zu gar keiner politischen Partei bekannte. Auch der verunglückte Arbeiter, dessen Leichenzug die Katastrophe herbeiführte, gehörte keiner Partei als tätiges Mitglied an. In mutwilliger Weise trachteten die Anarchisten und Sozialdemokraten, selbst noch die Leiche des Verunglückten der staats- und ordnungsfeindlichen Propaganda dienstbar zu machen. Dieses Verhalten hat denn auch die italienische Regierung zu tatkräftigem Vorgehen gegen die Sozialdemokraten und Anarchisten veranlaßt, von denen 70 verhaftet wurden.
Die portugiesischen Corteswählen haben einen vollständigen Sieg der beiden monarchistischen Parteien der Regeneratoren (Konservativen) und Progressisten (Liberalen) ergeben, und die Republikaner sind völlig unterlegen. Im Lande sind die Wahlen im ganzen ruhig verlausen, während eS in der Hauptstadt Lissabon zu wiederholten Unruhen kam, die zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei und dem bereit gehaltenen Militär führten. Die Republikaner sind in großer Aufregung, da ihre Hoffnung, auf parlamentarischem Wege zur Macht zu gelangen, durch das Wahlergebnis zunichte geworden ist, und es ist vielleicht nicht ausgeschlossen, daß das in letzter Zeit schwer heimgesuchte Land neuen Erschütterungen entgegengeht.
Zur Konfirmation.
Ein bedeutungsvoller Tag für Eltern und Kinder ist der Tag der Konfirmation, der dem weitaus größten Teile der Kinder unseres Volkes mit der Schulentlassung zusammensällt und für sehr viele von ihnen den Abschied aus dem Eltern- Hause mit sich bringt.
Wie sind sie so schnell dahingegangen, die schönen Tage der Jugend, dieses Paradieses auf Erden, auf dem noch ein Wiederschein des verlorenen Paradieses ruht, der Jugend mit dem allzeit heiteren Blick des Auges, mit dem allzeit sorglosen Pulsschlag des Herzens, da über dem fröhlichen Kinde das treue Vater- und Mutterauge wachte und seine Schritte lenkte! Nicht mehr wie bisher an treuer Eltern Hand, unter der heilsamen Zucht ihrer Lehrer sollen sie in Zukunft ihren Lebensweg gehen. Mehr als bisher werden sie von jetzt ab
auf sich selbst angewiesen sein, des Vaters treues Auge kann sie nicht mehr begleiten, der Mutter sürsorgende Liebe wird ihnen nicht mehr so sichtbar und fühlbar nahe sein wie in den Tagen der Kindheit. Gar manches Kind muß aus dem Vaterhause scheiden mit dem Bewußtsein, sich eine neue Heimat suchen zu müssen, weil das ärmliche Elternhaus ihnen nur noch zu flüchtigem Aufenthalt Raum zu gewähren vermag. O da ist's euch allen, ihr lieben Eltem, die ihr ein Kind zum Konfirmationsaltare geleitet, wohl zu Mute, als müßtet ihr euer ganzes Herz noch einmal vor ihnen auSschütten, um mit einem letzten liebreichsten 'blichen, aber auch ernsten Worte ihre jungen Herzen anzufassen und ihnen ein treues Elternwort als Leitstern mit auf den Lebensweg zu geben.
Aber ihr könnt noch mehr tun. Laßt eure Kinder nicht aus den Augen, wenn sie das Elternhaus verlassen und in die Welt hinausziehen! Mit leiblichen Augen könnt ihr freilich ihr Tun und Treiben nicht mehr beobachten wie einst in den Tagen der Kindheit, könnt nicht mehr jede Gefahr von ihnen fern zu halten suchen, könnt nicht mehr, so gern ihr es auch wolltet, an ihrem Krankenbette sitzen, die fiebernde Stirn zu kühlen, könnt nicht mehr ihren Umgang überwachen, so dringend not es auch vielleicht tut. Aber das Auge der Liebe sieht weiter als das leibliche Auge und hat einen scharfen Blick für die Entwickelung des Kindes, um zu erfennen, ob sie in richtigen Bahnen geht oder auf Abwege geraten ist. Vater, Mutter, haltet die liebevolle Verbindung mit euren in der Ferne weilenden Kindern aufrecht, soviel nur immer möglich ist! Laßt nicht ab mit ernsten brieflichen Ermahnungen, um eure Kinder zu bewahren vor den Abgründen der Bittender- derbnis, die gleich einer Pest im Finstern schleicht, und haltet darauf, daß sie vertrauensvoll in ihren Briefen ihr Herz euch öffnen!
Aber die Liebe sei nicht weichlich, auf daß sie den Kindern nicht verderblich werde! Bei einem großen Teile derselben geht's nach der Einsegnung in den Dienst oder in die Werkstatt. Und Lehrling und Lausbursche, Knecht und Magd merken bald, daß die Welt dort draußen nicht so rosig aus- sieht, wie es vom lieben Elternhause aus den Anschein hatte. Da klingt das Wort des Dienst- und Lehrherrn viel härter als das von Vater- und Mutterlippen, und vielleicht gibt'S sogar einmal eine gar unsanfte Berufung von Dienst- und Lehrherr oder deren gestrenger Ehehälfte, wenn eine Arbeit gar zu wenig gelungen oder eine Anordnung verkehrt auSge- sührt worden ist. Nur da nicht gleich den Klagen deS verwöhnten Kindes ein williges Ohr leihen oder gar schnell bei der Hand sein, des Kindes Dienst und Stellung zu kündigen, um es mit ihm anderswo zu versuchen! Wie mancher Sohn ist zum Taugenichts geworden, weil die Eltern in unbegreiflicher Verblendung sich schwach zeigten bei den unberechtigten Klagen desselben und ihm gegenüber dem strengen, aber gerechten Dienstherrn oder Meister die Stange hielten! Prägt eS euren Kindern ein, daß Lehrzeit schwere Zeit ist, daß man ohne pünktlichen Gehorsam, ohne Fleiß und Ausdauer nicht vorwärts kommt in der Welt, und daß nur der Treue die Krone des Lebens verheißen ist.
Reichstag.
Fast gleichzeitig ist die Ostervertagung deS Reichstages und der Schluß deS preußischen Landtages erfolgt; am Schlüsse feiner Sitzung vom Mittwoch ging der Reichstag in die Oster- ferien, am nächsten Tage aber fand der Schluß der Session des preußischen Landtages statt, womit bekanntlich zugleich die laufende Legislaturperiode in Preußen zum Abschluß gelangt ist. Im Reichsparlamente sind am genannten letzten Tage seiner vorösterlichen Sitzungsperiode noch zwei wichtige Entscheidungen getroffen worden, es wurden das ReichsvereinS- gesetz und die Novelle zum Börsengesetz in dritter Lesung endgiltig genehmigt. Zunächst wurde in die Generaldiskussion über das Reichsvereinsgesetz eingetreten, in welcher die einzelnen Parteien durch die vorgeschickten Redner nochmals ihre