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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 40.
Sonnabend, den 4. April
1908.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 1. April 1908.
Im Monat März d. Js. sind diesseits den nachbezeichneten
Persönlichkeiten Jagdscheine ausgestellt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche:
am 7/3. dem Maschinisten Friedrich Schneider in Widdershausen,
„ „ „ Maschinisten Karl Ruch daselbst,
„ 11/3. „ Hans Rosenstock von Rhöneck in Philippsthal.
b. unentgeltliche: Keine!
B. Tagesjagdscheine: Keine! Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Alarnung.
Die Firma „Dr. Arthur Erhard G. m. b. H." in Berlin, die von dem Kaufmann Ernst Markier und dem Schriftsteller Dr. phil. Arthur Erhard begründet wurde, preist in Zeitungsinseraten und Broschüren ihre Mittel „Visnervin" als „Nerven- Tonikum" und „Levathin" gegen Korpulenz in aufdringlicher Reklame an. „Visnervin" wird in Gestalt von Tabletten verkauft, die im wesentlichen aus einem mit Vanillin und Rosenöl parfümierten Gemenge von getrocknetem Eigelb, Kleber (Pflanzeneiweiß, Milchzucker und Weizenstärke) bestehen und ähnelt in der Zusammensetzung dem in meiner Warnung vom 17. Juni 1907 angeführten, auf der neuen Geheimmittelliste des Bundesrats befindlichen „Antineurasthin" der Firma „Dr. med. Hartmann," deren Mitinhaber ebenfalls der genannte Kaufmann Ernst Marlier ist. „Levathin" wird gleichfalls in Tablettensorm hergestellt und besteht zum weitaus größten Teil aus Weinstein mit Zusatz von kohlensäurem Natron, Milchzucker und etwas apselsaurem Natron; es ähnelt in seiner Zusammensetzung dem auf der neuen Geheimmittelliste des Bundesrats befindlichen „Antipositin" der Firma „Dr. med. Wagner und Marlier", deren Mitinhaber ebenfalls der Kaufmann Ernst Marlier ist. Vor dem Bezug des wirkungslosen Antipositin habe ich am 2. Oktober 1906 öffentlich gewarnt.
Der Kaufmann Ernst Marlier hat ferner mit dem inzwischen verstorbenen Dr. med. Schröder die Firma „Dr. med. Schröder G. m. b. H." in Berlin begründet, die in aufdringlicher und prahlerischer Reklame ihre „Blut-Salz- nahrung Renascin" angekündigt, die ein mit Vanillin und Zitronenöl aromatisiertes Gemisch, verschiedenen Salzen und von Lecithin, Weinsäure, Milchzucker und Ceralienstärke dargestellt und in Pastillenform verkauft wird.
Vor Bezug der drei bezeichneten, unverhältnismäßig teuren Mittel Visnervin, Levathin und Renascin, denen die ihnen von den betreffenden Firmen beigelegten Wirkungen keineswegs innewohnen, wird hiermit gewarnt. (I. A. 765.)
Berlin, den 20. Februar 1908.
Der Polizei-Präsident, gez. v. S t u b e n r a u ch.
nichtamtlicher cU
Politischer Wochenbericht.
In der inneren Politik Deutschlands interessiert zurzeit naturgemäß das Schicksal des Vereinsgesetzes und der Börsenreform am meisten, da von diesen beiden Gesetzentwürfen die Zukunft des Blocks wesentlich mitbedingt wird. Hinsichtlich der Börsenreform sind von den Nationalliberalen jüngst Kompromißvorschläge gemacht worden, doch steht die Stellungnahme der einzelnen Parteien zu diesen Vorschlägen noch aus. Was aber das Vereinsgesetz anbetrifft, so machen sich da, wie vorauszusehen war, innerhalb des freisinnigen Lagers Quertreibereien geltend, um einzelne Abgeordnete dem Kompromisse abwendig zu machen und den Entwurf so im Plenum zum Scheitern zu bringen. An der Spitze dieser Fronde stehen die Herren Barth, v. Gerlach und der bekannte Caligula-Quidde. Nun, der Regierung und den Konservativen kann es recht sein ; sie sind auch in diesem Falle wieder zugunsten der Erhaltung des Blockes mit ihrer Opserwilligkeit bis an die Grenze des Möglichen gegangen. Mag auch die formale Einheitlichkeit des Vereins- und Versammlungsrechts eine noch so schätzenswerte Errungenschaft sein, wichtiger und bedeutungsvoller bleibt doch der materielle Inhalt der Rechtsbestimmungen, und in dieser Hinsicht läßt sich nicht leugnen, daß der Vereinsgesetz- entwurf mit seinem abgeschwächten und verstümmelten Paragraphen 7 zu mancherlei Bedenken Anlaß gibt. Will der Freisinn also die Verantwortung für das Scheitern deS Kompromisses aus sich nehmen, so mag er es immerhin tun, die Vereinsgesetzgebung bleibt dann nach wie vor Sache der Einzelstaaten. Ihren Freunden und Schützlingen, den Polen, aber dürften die Freisinnigen mit solchem Verhalten jedenfalls keinen Dienst erweisen.
Der Zusammenkunft der Herrscher Deutschlands und Italiens in Venedig ist unmittelbar aus dem Fuße die Reise unseres Reichskanzlers Fürsten von Bülow nach Wien gefolgt. Man wird daher nicht umhin können, auch ihr für die Festigung der innigen Beziehungen zwischen den Mächten des Dreibundes eine besondere Bedeutung beizulegen, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß auch in dem Besuche des Fürsten Bülow beim österreichischen Minister des Auswärtigen Freiherrn v. Aehrenthal die ungetrübten herzlichen Beziehungen zwischen den beiden leitenden Staatsmännern Deutschlands und Oesterreichs sowie den von ihnen vertretenen großen Nachbarreichen klar zum Ausdrucke gekommen sind. Hat auch kein spezieller politischer Anlaß unsern Reichskanzler nach Wien geführt, so ist es doch zweifelsohne zwischen ihm und Freiherrn v. Aehrenthal zu einer Aussprache über die schwebenden Fragen der internationalen Politik gekommen. Daß hierbei aber eine völlige Uebereinstimmung zwischen den beiden Staatsmännern erzielt worden ist, dürste ebenfalls mit völliger Sicherheit anzunehmen sein.
Die innerpolitische Lage Oest erreichs, die Fürst Bülow bei seinem Besuche in Wien angetroffen hat, ist keine besonders erfreuliche, vielmehr hat sich die parlamentarische Situation an der Donau wieder einmal recht kritisch zugespitzt. Den Anlaß hierzu bietet die böhmische Sprachenfrage und im besondern der Egerer Sprachensall. Am Egerer Landgerichte sind nämlich Eingaben in tschechischer Sprache von deutschen Richtern zurückgewiesen worden. Dieses Verhalten wird von den Tschechen, die auf Grund der sogenannten Stremayrschen Verordnung auch für die innere Amtssprache der Gerichte allenthalben die Gleichberechtigung des Tschechischen verlangen, heftig angefochten, während die Deutschen wiederum der genannten Verordnung keinerlei Rechtskraft beigelegt missen wollen. Als einziger Ausweg empfiehlt sich die klare und unzweideutige gesetzliche Regelung der betreffenden Materie, und eine solche Regelung ist denn auch von dem Justizminister Dr. Klein im Budgetausschusse des österreichischen Abgeordnetenhauses soeben in Aussicht gestellt worden. Bis dahin aber ist sowohl den tschechischen wie den deutschen Parteien des österreichischen Parlaments dringend ein Waffenstillstand anzuraten; denn kommt es infolge des nationalen Sprachenhaders zu einer parlamentarischen Krisis, so dürsten die einzig Gewinnenden dabei Ungarn und die Sozialdemokratie sein.
Die russischen Reformvorschläge in der B a l k a n s r a g e, die in der Berichtswoche dem Auswärtigen Amte in Berlin durch den russischen Botschafter übermittelt worden sind, stellen eine ziemlich umfangreiche und sehr eingehende Arbeit dar, zu deren Einzelheiten die Mächte noch Stellung zu nehmen haben. Es herrscht im allgemeinen der Eindruck vor, daß die Vorschläge Aussicht haben, im wesentlichen die Grundlage zu bilden, auf der das europäische Konzert in der mazedonischen Frage weiter arbeiten kann. Die Aufnahme der russischen Denkschrift ist dementsprechend überall günstig gewesen. Die englische Regierung hält zwar an ihren eigenen Vorschlägen fest, ist jedoch nach wie vor bereit, auch andere Gesichtspunkte in Erwägung zu ziehen.
In der mexikanischen Magdalena-Bai hält die a m e r i k a - n i s ch e S ch l a ch t f l o t t e, die den langgestreckten Körper der neuen Welt rasch und erfolgreich umschifft hat, ihre Schießübungen ab. Von dort geht es zunächst nach San Francisco, wo die Vorräte ergänzt werden und der an die Altersgrenze gelangte Admiral Evans das Kommando abgibt, und dann nach Australien. Zum Schluß wird die amerikanische Flotte auch der Einladung Japans Folge leisten, und die klugen Japaner werden sich die amerikanische Streitmacht sehr genau ansehen, den Gästen aber wohl kaum einen Einblick in das Stadium ihrer eigenen Flottenrüstnngen gewähren, an denen sie mit großem Eifer arbeiten.
Abgeordnetenhaus.
Am Mittwoch wurde in zweiter und dritter Lesung ohne erhebliche Debatte die Sekundärvorlage mit dem Antrag Arnim (kons.), von der Summe für die Beschaffung von Betriebsmitteln 50 Millionen abzusetzen und demgemäß die Schlußsumme der Anleihe auf 452 850 000 Mark herabzusetzen, angenommen.
Am Donnerstag trat das Haus nach der Erledigung einiger kleinen Vorlagen in die Beratung des Polizeikostengesetzes, das an Stelle des bisherigen Kopsbeitrages der Kommunen das Quotensystem setzen will. Der Entwurf hat bereits in der Kommissionsberatung mancherlei Aenderungen erfahren, die jedoch an seiner prinzipiellen Gestalt nichts ändern.
Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses hat gestern den Nachtragsetat, der die Teuerungszulagen für die Beamten enthält, erledigt. Unter Abänderung der Regierungsvorlage ergab sich als Endresultat folgende Gestaltung der Vorlage: Ausgeschlossen von der Zulage bleiben alle diejenigen Unterbeamten und mittleren Beamten, die bereits durch die im Etat für 1907 vorgesehenen Diensteinkommensverbesserungen eine Erhöhung ihrer Diensteinkünste erfahren haben. Von den mittleren Beamten werden ferner diejenigen ausgeschlossen, die den Wohnungsgeldzuschuß höherer Beamten beziehen. Alle übrigen Unterbeamten und mittleren Beamten erhalten 150
beziehungsweise 100 M. Bei den Lehrern und Lehrerinnen ist die Beschränkung auf diejenigen, in Verbänden mit 25 oder weniger Schulstellen endgültig oder einstweilig angestellten in Wegfall gebracht. Die Zulage für die Lehrerinnen ist von 100 auf 125 M. erhöht und ferner eine Bestimmung dahin getroffen, daß alle die Lehrer und Lehrerinnen, deren Grundgehalt weniger als 1350 bezw. 1025 M. beträgt, die ganze bezw. eine Teil-Zulage erhalten. Das ganze Gesetz wurde schließlich mit 16 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen angenommen.
Reichstag.
Im Reichstage gelangten am Mittwoch die eingebrachten Interpellationen von freisinniger und sozialdemokratischer Seite wegen der Schiffahrtsabgaben aufs Tapet. Nach der Begründung der Interpellationen durch die Abgeordneten Frank und Kämps wurde regierungsseitig zunächst vom Staatssekretär des Reichsamtes des Inneren v. Bethmann-Hollweg eine kurze Erklärung abgegeben, wonach in der Angelegenheit der Schiff- sahrtsabgaben der Weg der Reichsgesetzgebung betreten werden soll. Dann solgte der preußische Eisenbahnminister Breitenbach mit einer längeren Rede, in der er hauptsächlich bemüht war, nachzuweisen, daß die Schiffahrtsabgaben keineswegs nur den finanziellen Interessen des preußischen Fiskus entsprächen, sondern auch eine nationale Bedeutung für ganz Deutschland hätten. In der nun folgenden Debatte sprachen sich die Abgeordneten Gerstenberger (Zentr.), Kreth (kons.), Vogt (wirtsch. Verein.) und Hauß (Elsäßer) zu grinsten der Schiffahrtsabgaben aus, während die Abgeordneten Wölzl (natlib.) und Schrader (fr. Verein.) mehrere Bedenken vorbrachten, indessen doch zu erkennen gaben, daß sie keine prinzipiellen Gegner der Schiff- fahrtsabgaben seien. Entschieden bekämpft wurde aber dieses Projekt von den Abgeordneten David (soz.), Günther (freist Volksp.), Zimmermann (Reformp.) und Heinze (natlib.). Minister Breitenbach griff nochmals in die Debatte ein, um gegen die Ausführungen der Abgeordneten Frank und David zu polemisieren.
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Die Eisenbahnen für die Kolonien.
Die Budgetkommission des Reichstages beriet am Donnerstag über die Forderung, als Darlchn an die Ostafrikanische Eisenbahngesellschaft zur Fortführung der Eisenbahn Daressalam bis Tabora als erste Rate acht Millionen zu bewilligen.
Staatssekretär Dernburg schildert ausführlich die Vorarbeiten für die sogenannte Zentralbahn, die in Betracht kommenden Varianten, die wirtschaftlichen Grundlagen, die Jnteresfenge- biete rc. Der Ausbau der Bahn sei rentabler als das stückweise Bauen. Die Verwaltungskosten der kurzen Strecken seien unverhältnismäßig hoch. Er bitte um Annahme der Regierungsvorlage. — Ein konservativer Redner fragt, wie es mit den Aussichten des von anderer Seite befürworteten Projektes einer andersgerichteten großen Zentralbahn Tanga über Kondoa—Jrangi, nördlich an Tabora, vorbei, stehe. — Staatssekretär Dernburg verbreitet sich eingehend über die wirtschaftlichen Verhältnisse dieser Gegenden. Der Ausgangspunkt sei nicht so günstig wie Daressalam, die geographischen Verhältnisse ungünstiger, die Bevölkerungsdichtigkeit der zu berührenden Gegenden weit geringer als der in den von dem Regierungsprojekte betroffenen Gegenden.
Von freikonservativer Seite wird der Wunsch ausgesprochen, sich an das Erreichbare zu halten und alle neuen Projekte zugunsten der finanz- und bautechnisch durchgearbeiteten Projekte fallen zu lasten. Redner empfiehlt aus eigener Anschauung und Erfahrung die Annahme der Regierungsvorlage. Ein nationalliberaler Redner erkennt die Notwendigkeit der Zentralbahn an, die Südbahn müsse einstweilen zurückstehen. Bezüglich der Beurteilung des Bahnprojektes Tanga-Moam- bo-Jrangi stimmt er dem Staatssekretär zu.
Nach einigen weiteren Erörterungen wird der Titel genehmigt und die Diskussion geht über zum Ergänzungsetat für Südwestasrika. Zunächst wird der Titel 1 des Kapitels 2 behandelt, der 7 800 000 Mk. fordert zur Fortführung der Eisenbahn Lüderitzbucht—Kubub nach Keetmanshoop nebst einer Abzweigung von Seeheim nach Kalkfontein, dritte Rate. Auf Anfrage eines Zentrumsmitgliedes wird regierungsseitig zugesagt, daß die englische Gesellschaft ebenso wie die Kolonial- gesellschaft zu den Kosten herangezogen werden soll. — Die Bahn wird bewilligt.
Aus Ju- und Ausland.
Berlin, den 2. April 1908.
Die Hohenzollern und die Hamburg liefen gestern nachmittag um 3 Uhr in den Hafen von Syrakus ein. Am Montag hatten die deutschen Schiffe eine prächtige Fahrt durch die Adria. Gegen Abend erhielt die Hohenzollern durch Funkenspruch ein Telegramm aus Ancona, worin die Deutschen Anconas durch ihren Konsul ihre Huldigung und ihre Wünsche für eine glückliche Fahrt ausdrückten. Mit Sonnenuntergang