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hersselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 39.

Donnerstag, den 2. April

1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 28. März 1908.

Dem Maurer Johannes Fischer zu Heimboldshausen ist eine Kuh an Milzbrand verendet.

I. 3406. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil

Zu Bismarcks Gedächtnis.

Der 1. April, an dem einst des Deutschen Reiches Schmied, Fürst Otto von Bismarck, geboren wurde, wird immer ein besonderer Gedenktag für das deutsche Volk bleiben; denn überall, in Schule und Haus, bei all den zahlreichen Verehrern des großen Kanzlers wird dieser Tag in treuer Erinnerung des Großen, das Bismarck für uns geschaffen hat, als Weihetag festlich begangen werden, hat sich doch Fürst Bismarck ein unvergängliches Denkmal gesetzt in den Herzen aller derer, denen der Name Bismarck unzertrennlich ist von dem Gedanken an die Größe und Herrlichkeit des deutschen Vaterlandes. Deshalb wird der 1. April der Bismarck-Tag bleiben, so­lange wir deutsch leben, denken und fühlen. Wie uns Goethe immer größer geworden ist seit seinem Tode, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, wie er dem deutschen Volkb, immer teurer wurde und immer enger ans Herz wuchs, je ferner die Tage seines Erdenwallens der Gegenwart rückten, so ist auch des Fürsten , Bismarck volle Größe.immer noch deutlich ^geworden, seine unermeßliche Bedeutung für das Deutschtum und das Vater- Aland uns immer leuchtender aufgegangen, seit er im Sachsen­walde, umrauscht von den Melodien, die der Sturmwind den Wipfeln der alten Eichen entlockt, zum ewigen Schlummer gebettet wurde.

Noch zwar sucht der Parteien grimmer Gram und Groll das Licht, von dem dieses eherne Heldenbild umstrahlt ist, künstlich zu dämpfen, aber immer aussichtsloser werden die Versuche. Gewiß hatte auch er seine menschlichen Fehler und Schwächen, von denen kein Sterblicher befreit bleibt; denn ein Mann wie er, mit flammendem Herzen, voll lodernden Zornes, voll trotzigen Kampsesmntes, derb und knorrig wie die Eichen seines Sachsenwaldes, hingestellt in eine Welt voll hitziger Kämpfe, kann nicht wie ein Heiliger seinen Weg gehen. Aber was von den Schwächen kleiner menschlicher Leidenschaft an ihm war, das wird weit, weit in den Hintergrund gedrängt von den herzerquickenden, hinreißenden und begeisternten Helden- tugenden dieses einzigartigen Mannes, in dem kerndeutscher Mut und germanische Kraft sich so herrlich verkörperten.

Kraft ist dein Wort, Entscheidung dein Schwert," sang einst Klopstock, der Sänger des Messias, vom deutschen Volke. Zur rechten Wahrheit gemacht hat dieses Wort erst Fürst

Der 6lück$bort.

Roman von H. von K l i p h a u s e n.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Als die Nacht schon hereingebrochen war, am Himmel die hellen Sterne flimmerten und nächtliches Dunkel die Erde ver­hüllte, saß Schwester Julie noch in dumpfem Brüten auf ihrem Bette. Endlich schlug die Uhr die Mitternachtsstunde und die Nonne erhob sich von ihrem Lager, wandte sich nach der Wand und schob eine Diele, welche nur lose auflag, zurück; dann nickte sie befriedigt, der Dolch war noch an seiner Stelle.

Doch wie komme ich nun hinaus?" seufzte sie schmerzlich. Ich bin ja eingeschlossen in dieser Zelle! Aber ich muß heraus, noch ehe der Morgen graut. Frei! O welch ein be­rückendes Wort!"

Rasch eilte sie ans vergitterte Fenster. Mit wilder Hast begann sie an den Stäben zu rütteln. Aber sie wichen und rührten sich nicht, sie mußte etwas anders ersinnen. Der ein­zige Weg, der in die Freiheit führte, ging durch die Tür. Der Schlüssel steckte zwar im Schlosse, aber die Tür selbst war dünn. Es dauerte eine geraume Weile, dann aber flogen die Späne nach allen Seiten und nach etwa zwei Stunden hatte die verzweifelte Frau ein so großes Loch in die Tür geschnitten, daß sie die Hand durchstecken konnte. Ein triumphierender Ausruf entschlüpfte ihren Lippen, dann griff sie durch die Oeffnung und im nächsten Augenblick war die Tür aufgeschlosfen.

Jetzt bin ich frei!" murmelte sie triumphierend.

«Und nun hinaus in die Welt mit dem Dolche zu Albrecht!"

Hastig schlug sie einen dicken, dunkeln Mantel um ihre Schultern und eilte geräuschlos den langen, öden Korridor hinunter.

Am Ende desselben lag die Treppe, welche zu einem stets unverschlossenen Gartenpförtchen führte, und als sie dieses erreicht hatte, atmete sie erleichtert auf.

Bismarck. Denn wie Luther den deutschen Glauben weckte, wie Goethe dem deutschen Geiste tiefe und unsterbliche Worte lieh, so stellte Bismarck die Verkörperung der deutschen Kraft dar, die durch die Entscheidung des Schwertes das neue Deutsche Reich schuf. Aus der alten, unheilvollen staatlichen Zersplitterung ist durch seine Kraft und durch seinen schier übermenschlichen Willen das neue Reich entstanden, das in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Beziehung eine ge­festigte, geachtete und ehrfurchtgebietende Stellung im Rate der Völker einnimmt. Dazu haben vor allem der wirtschaftliche Aufschwung, die Begründung überseeischer Kolonien und der Ausbau der Flotte beigetragen. Aber dieses neue Deutsche Reich hat er nie als den Abschluß unserer nationalen Bestrebungen betrachtet. Den ihm in Friedrichsruh huldigenden Deputationen, namentlich der stürmischen Jugend gegenüber hat er es oft genug ausgesprochen, daß er nicht allen nationalen Wünschen habe gerecht werden können.

An uns ist es daher, zu sorgen und zu ringen, daß unser Vaterland nicht bloß die Machtstellung behält, die ihm unseres Volkes unvergeßliche Helden, in erster Reihe dertreue Diener Wilhelms I ", wie er sich selbst schlicht und treu aus seinem Grabsteine nennt, errangen, sondern daß das Reich auch im Bismarckschen Sinne und Geiste weiter ausgebaut werde. Das aber kann nur geschehen bei voller Hingabe aller deutschen Männer an das Vaterland bis zum letzten Atemzüge. Bismarcks Vorbild soll uns immer zu edler Tat begeistern und uns mahnen, mit allen Kräften danach zu streben, der Väter wert zu sein, die so Großes und Herrliches vollbracht, daß wir in Erinnerung daran nur aus vollem Herzen dem Jubelgruße des edlen Sängers Max v. Schenkendors an das befreite Vaterland bestimmen können: .Vaterland, ich muß versinken hier in deiner Herrlichkeit." In diesem Sinne wollen wir Bismarcks Gedächtnis feiern.

Reichstag.

Der Reichstag brauchte am Montag nicht weniger als drei Sitzungen, um die dritte Etatslesung, wie geplant war, an diesem Tage zu Ende zu bringen. In der ersten Sitzung, welche um mittags begann und um V24 Uhr nachmittags endete, trat das Haus in die Erörterung des Militäretats ein; die Diskussion über den AusgabepostenGehalt des Kriegsministers" füllte die gesammte Sitzung aus. Die Debatte galt zunächst einem Anträge des reformparteilichen Abgeordneten Liebermann von Sonnenberg, die in zweiter Lesung im Etat für die Expedition nach Ostasien gestrichene Position für einen aktiven Stabsoffizier als vortragenden Rat beim Kriegsministerium wieder einzustellen und dafür die Gehaltssorderung für einen inaktiven Stabsoffizier in gedachter Stellung zu streichen. Der Antrag wurde vom Abgeordneten Erzberger (Zentr.) bekämpft, von den Abgeordneten Paasche (nat. lib.) und v. Oertzen (Ions.) befürwortet. Weiter kamen u. a. der Fall Lynar, die Lieferungen und die Stellung der Firma Krupp, deren an­

Wenn ich erst im Park bin", dachte sie bei sich,findet mich niemand."

Sie schlüpfte eilig in die dunkeln Gebüsche des Parkes und erreichte gleich darauf die Grenze desselben. Ohne sich zu besinnen, kletterte sie über den niedrigen Zaun und lies dann weiter auf dem zwischen Wiesen dahinführendeu Wege. Mitunter blieb sie lauschend stehen, aber nichts rührte sich, öde und schweigsam lag ringsum die Landschaft, kein Ton war zu hören.

Als der neue Tag graute, gelangte Julie zu Tode erschöpft in das nächste Dorf und pochte an eine Tür.

Wer ist da?" rief eine barsche Stimme und gleich daraus schaute ein struppiger Bauernkopf aus dem Fenster.Ah, eine Nonne!" und ehrerbietig verbeugte sich der Mann.Wo kommt Ihr denn her zu so früher Stunde?"

Ich, ich bin ausgesandt zur Krankenpflege, mein Freund, und Ihr verdient Euch einen Gotteslohn, wenn Ihr mir ein Tröpfchen Morgenkaffee schenkt."

Mit tausend Freuden, ehrwürdige Schwester, kommt nur herein unter mein armseliges Dach. Ist das ein Ehrentag für uns, solch frommen Gast zu beherbergen."

Halb bewußtlos vor Müdigkeit und Hunger sank die flüchtige Nonne, kaum, daß sie im Zimmer war, in einen Stuhl, während die ganze Familie sich eifrig um sie bemühte. Erst nach einer geraumen Weile kam sie wieder zu sich.

Ich danke Euch, Ihr lieben Leute", sagte sie würdevoll herablassend,unsere ehrwürdige Mutter wird Euch Dank wissen, daß Ihr eine ihrer Nonnen vom Tode errettet habt. Ich hatte mich in der Nacht verirrt und war vom Wege ab­gekommen."

Glaubs gern, fromme Schwester; 's ist besonders für eine Frauensperson nicht Geringes, im Dunkeln herumzuirren und nicht Weg noch Steg zu finden."

Wo komme ich am raschesten nach W . . ."

W . . . ? Das kenne ich nicht und ist wohl weit von uns fort?"

Julie besann sich und lenkte ein.Ich komme nämlich von dort am leichtesten in das Kloster zurück, wenn ich mit der übernommenen Pflege fertig bin."

gebliche Beziehungen zur Kronfideikommißkasse wie solche wenigstens vom Sozialdemokraten Südekum behauptet wurden das leidige Thema der Soldatenmißhandlungen, die Nicht- beförderung jüdischer Einjährig-Freiwilliger zu Reserveoffizieren und noch anderes zur Sprache. Schließlich wurde das Gehalt des Kriegsministers bewilligt. Bei der Abstimmung über den erwähnten Antrag des Abgeordneten v. Liebermann stellte sich die Beschlußunsähigkeit des Hauses heraus, die Sitzung mußte also aufgehoben werden. Gegen vier Uhr begann die zweite Sitzung. In ihr wurde zunächst der Militäretat nach un­wesentlicher Debatte erledigt, worauf diskuffionslos der Marineetat Genehmigung fand. Die alsdann begonnene Beratung des Etats des Reichsjustizamtes wurde nach einer Weile durch die bis dahin ausgesetzte Abstimmung über den Antrag Liebermann unterbrochen; sie wurde mittelsHammel­sprunges" vorgenommen und ergab die Ablehnung des Antrages mit 132 gegen 116 Stimmen. Bald darauf trat Vertagung des Hauses bis abends acht Uhr ein. In dieser Abendsitzung wurde zunächst der Reichsjustizetat genehmigt, in rascher Reihenfolge gelangten dann die übrigen noch restierenden Etats und das Etatsgesetz zur Annahme, zuletzt wurde der Reichs­haushaltsetat in der Gesamtabstimmung gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Polen angenommen.

Iie Wirren in Marokko.

Nach den neuesten Meldungen aus Marokko steigen die Aussichten Mulay Hafids, die Hauptstadt Fez früher als sein im Herbst von dort ausgezogener'Bruder und Nebenbuhler Abdul Asis zu erreichen. Ueber des letzteren Truppenmacht liegt heute nachstehende nicht sehr zuversichtlich klingende Depesche aus Rabat vor:Die Mahalla des Sultans, von der man geglaubt hatte, daß sie nur ein Phantom fei, ist tatsächlich errichtet worden. Abdul Asts hat um sich mehr als 6000 Mann geschart, die bereit sind, abzumarschieren, sobald die Rekruten genügend ausgebildet sind.

Paris, 31. März. In Casablanca sind im Gefolge der 800 Senegalschützen 150 mit Hausrat und Lebensmitteln schwerbepackte Weiber eingezogen. Ein Teil der Einrichtung wurde von den dazu gehörenden 80 Kindern geschleppt. Während d'Admades Zug gegen die Mdakra wird Lytautey zwei Kasbahs in jener Richtung befestigen lassen, um dort ständige französische Posten zu errichten, wie solche in Mediuna, Berreschid, Tedellah und Buznika schon bestehen. Lyautey will jeden künftigen Aufstand in der Schaujarcgion verhindern.

Paris, 31. März. Der Mulay Hasiü ergebene Gouver­neur der Hafenstadt Azemur hat nach zwölsstündigem Kampfe die Abdul Asis treuen Stämme, deren Führer getötet wurde, geschlagen.

Zu wem wollt Ihr denn, fromme Schwester?" forschte der Bauer.

Zu Graf Freienberg bei W . . ., er bedarf meiner Pflege."

Hm, ich will Euch in einem Wagen zur Bahn bringen, wenn es Euch recht ist."

Aber erst gegen Abc: d", bat die Nonne hastig,jetzt jetzt fühle ich mich noch zu angegriffen,"

Gut, gut", nickte der freundliche Mann,dann fahre ich Euch selbst. Bis dahin seid Ihr unser Gast'"

Julie nickte herablassend und nahm ruhig den Ehrenplatz auf der Ofenbank ein, um sich lächelnd von den braven Leuten bedienen zu lassen.

Sie spielte ihre Rolle meisterhaft und niemand konnte auch nur ahnen, daß er es mit einer Flüchtigen zu tun habe. Zwischendurch jedoch horchte sie immer angestrengt nach der Tür, denn sie meinte jeden Augenblick einen Abgesandten des Klosters vor sich zu sehen, der sie zurückholen könnte.

Sonderbar, daß man Euch, edle Schwester, nicht einen Wagen gab, sondern Euch zu Fuß gehen ließ", meinte der Bauer, als Julie beim Essen eine mühsame Geschichte der verflossenen Nacht austischtc.

Es war mitten in der Nacht", gab sie sanft zurück,als der Eilbote kam und ich wollte nicht einen Kutscher wecken, deshalb machte ich mich allein auf den Weg."

Als die Sonne zur Neige ging, spannte der Bauer sein mageres Rößlein an einen Korbwagen und brächte den hohen Besuch zu dem etwas entfernt gelegenen Bahnhöfe, küßte der frommen Frau demütig die Hand und fuhr dann wieder heim. Julie ihrerseits konnte kaum die Ankunft des nach W. ab­gehenden Zuges erwarten.

Als er endlich einlief, stürzte sie hastig nach dem nächsten leeren Coupee, denn sie wähnte immer noch vorn Kloster aus verfolgt zu werden.

Endlich brauste der Zug davon und Julie atmete er­leichtert auf.

Gras Freienberg war einige Tage vor diesem Ereignis nach W. gefahren. Er suchte sogleich den Fürsten Lermanoff