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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" ,

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 37.

Sonnabend, den 28. März

1908.

Amtlicher teil

Bekanntmachung.

Die diesjährigen Frühjahrskontrollversammlungen im Kreise Hersfeld finden wie folgt statt:

gu Hersseld I

(Turnplatz an der H a inst ra ße) Mittwoch, den 1. April 1908, Vormittags 9 Uhr für sämtliche Reservisten aus der Stadt Hersseld.

gu Obergeis

(bei Gastwirt Ernst)

Mittwoch, den I. April 1908, Nachmittags 3 Uhr sür die Mannschaften aus den Gemeinden Allmershausen mit Hof Hählgans, Aüa, Biedebach, Gittersdorf, Obergeis und Untergeis.

gu Heimboldshausen

(bei Gastwirt Echtermeyer)

Montag, den 6. April 1908, Vormittags 980 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Heimboldshausen, Ausbach, Harnrode, Gethsemane, Philippsthal, Röhrigshof mit Nippe und Unterneurode.

gu Heringen (Schulplatz) Montag, den 6. April 1908, Vormittags 11 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Bengendorf, Heringen mit Hof Füllerode, Leimbach, Lengers, Widdershausen und Wölfershausen.

gu Friedewald

(aus dem Schloßplatz)

Dienstag, den 7. April 1908, Vormittags 1O Uhr sür die Mannschaften aus den Gemeinden Friedewald, Herfa, Lautenhausen und Hillartshausen.

gu Schenklengsseld

(bei Gastwirt Kroneberg)

Dienstag, den 7. April 1908, Nachmittags 3 Uhr sür die Mannschaften aus den Gemeinden Conrode, Dünkel- rode, Malkomes, Motzseld, Oberlengsfeld, Hilmes, Lamperts- seld, Landershausen, Ransbach, Schenklengsseld, Schenksolz, Unterweisenborn, Wehrshausen und Wüstfeld.

gu Oberhaun

(bei Gastwirt Kiel)

Freitag, den 10. April 1908, Vormittags S ° Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Eitra, Hilperhausen, Kohlhausen, Oberhaun, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Unterhaun und Wippershain.

Ju Niederaula

(K i r ch p l a tz)

Sonnabend, den 11. April 1908, Mittags 12 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Asbach, Beiershausen, Hattenbach, Kerspenhausen, Solms, Stärklos, Gutsbezirk Engelbach mit Hof Sternberg, Kruspis, Mengshausen, Nieder­aula, Niederjossa und Holzheim.

gu Kirchheim

(bei Gastwirt Nutzn)

Sonnabend, den 11. April 1908, Nachm. 330 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Allendorf, Frielmgen, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode mit Hof Siebenmorgcn, Heddersdorf, Kemmerode, Kirchheim mit Weich und Eichmühle, Kleba, Reckerode, Reimboldshaufen, Rotterterode mit Hof Beiersgraben and Willingshain mit Hof Löscher.

gu Hersseld II

(Turnplatz an d er Hainstraße)

Montag, den 13. April 1908, Vormittags 9 Uhr für sämtliche Wehrleute I. Aufgebots sowie die Ersatz-Reservisten aus der Stadt Hersfeld.

gu Hersseld in

(Turnplatz an der Hainstraße)

Montag, den 13. April 1908, Nachmittags 3 Uhr für die Mannschaften aus den Gemeinden Kathus, Gutsbezirk Oberrode, Petersberg, Gutsbezirk Wilhelmshof, Sorga, Guts­bezirk Bingartes, Meisebach, Friedlos, Kalkobes, Reilos, Mecklat, Meckbach, Gutsbezirk Eichhof, Eichmühle, Heenes, Rohrbach, Tann, Hermannshof unb Wehueberg.

Zur strengen Beachtung sür die Beteiligten fügt das Be­zirkskommando folgende Bemerkung hinzu:

1. Zu den Frühjahrskontrollversammlungen haben sich alle Mannschaften, welche der Reserve und Marinereserve, Landwehr und Seewehr 1. Aufgebots, der Ersatzreserven und Marineersatzreserven angehören, sämtliche zur Dis­position der Ersatzbehörden entlassenen, sowie die zur Disposition der Truppenteile und Marineteile beurlaubten Mannschaften zu gestellen. Ferner sämtliche Invaliden der Reserve und Landwehr I mit Ausnahme der dauernd abgesundenen Ganzinvaliden.

Nur diejenigen Wehrmänner und Secwehrmänner, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1896 eingetreten sind und deshalb bei den diesjährigen Herbstkontrollversammlungen zur Landwehr zweiten Auf­

gebots übertreten, sind von der Frühjahrskontroll-Ver­sammlung d. Js. entbunden,

2. Die Einberufung zu den Kontrollversammlungen findet lediglich durch diese öffentliche Aufforderung und durch Ausrufen in sämtlichen Ortschaften statt.

Die Nichtbefolgung der Berufung zu den Kontroll- Versammlungen hat Arrest zur Folge.

3. Die Mannschaften aus den einzelnen hier nicht ge­nannten Höfen, Mühlen rc. werden zu den Ortschaften gerechnet, zu deren Gemeinden sie gehören.

4. Die Mannschaften haben den Militär­paß und das Führungsattest mit zur Stelle zubringen.

5. Gesuche um Befreiung von der Kontrollversammlung sind rechtzeitig bei dem Hauptmeldeamt des Königlichen Bezirks-Kommandos Hersfeld anzubringen und können nur durch das Bezirks-Kommando genehmigt werden. Erhält der Betreffende keinen Bescheid, so hat er zu der Kontrollversammlung zu erscheinen.

6. Etwaige plötzliche Krankheits- oder sonstige Verhinderungs­fälle müssen entweder durch ärztliche Atteste oder durch Atteste der Orts- oder Polizeibehörde, welche spätestens auf dem Kontrollplatz abzugeben sind, bescheinigt werden. In allen ärztlichen Attesten ist die Krankheit anzugeben. Atteste, welche nur die Bemerkung enthalten, daß ein Mann am Erscheinen zur Kontroll-Versammlung ge­hindert ist, ohne Angabe des Grundes, sind ungültig und werden nicht angenommen.

7. Alle Mannschaften gehören während des ganzen Tages, zu welchen sie zur Kontrollversammlung berufen sind, zum aktiven Heer und sind demnach dem Militärstraf­gesetzbuch unterworfen.

8. Es wird noch ausdrücklich ",.werkt, daß diejenigen Mann­schaften, welche zur Fahrt nach bem Kontrollversamm­lungsort die Eisenbahn benutzen, keinerlei Anspruch aus Verabsolgung einer Militärsahrkarte seitens der betreffen­den Eisenbahnstation haben.

9. Die kontrollpflichtigen Mannschaften werden aufgesordert vor dem Erscheinen zur Kontrollversammlung ihre Kriegsbeorderung oder Paßnotiz, falls sie dieselben noch nicht zugestellt erhalten haben, beim Bürgermeisteramt abzuholen und in die Pässe einzukleben.

Die Pässe werden daraushin nachgesehen.

Hersfeld, den 5. März 1908.

Königliches Bezirkskommando.

* *

Hersfeld, den 6. März 1908.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises haben die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeindebe­zirken alsbald wiederholt zur öffentlichen Kenntnis zu bringen und namentlich den betreffenden Mannschaften noch besonders mitzuteilen.

Der Gendarm, zu dessen Bezirk der Kontrollort gehört, hat zwecks Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung bei den Kontrollversammlungen zugegen zu sein.

I. M. 439. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Die Versäumnisgebühren der Mitglieder derVoreinschätzungs- Kommissionen sind zur Zahlung angewiesen und können bei der Königlichen Kreiskasse hier in Empfang genommen werden. Die Herrn Bürgermeister ersuche ich, die Empfangsbe­rechtigten hiervon zu benachrichtigen.

Hersfeld, den 23. März 1908.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission:

St. 726. von Grunelius.

Hersseld, den 24. März 1908.

Die unter dem Schweinebestande des Andreas Mathias zu ülmes ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.

3232. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 25. März 1908.

Die Zimmerlehrlinge der Kreise Hersseld und Hllnseld, welche ihre Gesellenprüfung ablegen müssen, werden aufge­fordert, bis zum 10. April 1908 bei dem Unterzeichneten in Hersseld sich zu melden unb nachstehendes einzusenden: 1. Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung. 2. Einen eigenhändig geschriebenen Lebenslauf. 3. Ein Zeugnis des Lehrmeisters. 4. Ein Zeugnis der Volksschule. 5. Ein Zeugnis der Fortbildungsschule wenn eine solche besucht. 6. Den Lehrvertrag oder den Nachweis der Eintragung in - die Lehr­lingsrolle. Die Prüfung findet am 28. April 1908 morgens

8 Uhr auf dem Geschäftsplatz des Unterzeichneten statt. Der Bors, des Prüfungsausschusses für Zimmerlehrlinge in den Kreisen Hersseld und Hünfeld.

Georg Lämmerzahl, Zimmermst.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Die verflossene Woche hat uns im Reichstage ein­gehende Debatten über die auswärtige Politik gebracht. Den Höhepunkt der Verhandlungen bildete auch diesmal eine Reichs­kanzlerrede. Fürst Bülow legte zunächst die Stellung Deutsch­lands gegenüber der Aktion Frankreichs in Marokko fest. Er erklärte, man habe Frankreich nie Ursache zu der Klage ge­geben, daß Deutschland die Algeciras-Akte kleinlicher oder engherziger Weise auslege. Eben deshalb aber dürften wir auch erwarten, daß Frankreich seinerseits die Akte ebenso in friedlicher und freundlicher Weise anerkenne und beachte. Jnbezug auf die Stellung, die Deutschland zur mazedonischen Frage einnimmt, legte Fürst Bülow dar, daß es sich bei den Unruhen in Mazedonien nicht so sehr um den Gegensatz zwischen Christen und Mohamedanern handele als vielmehr um erbitterte Kämpfe der verschiedenen christlichen Nationalitäten untereinander, von denen sich jede die Suprematie in Mazedonien und für den Fall der Beseitigung der Oberhoheit der Pforte einen möglichst großen Anteil des Gebiete? sichern möchte. Gegenüber diesem trüben tatsächlichen Zustande bilde der Grundsatz der Aufrechterhaltung des Status quo den Einigungspunkt, von dem aus die Mächte eine Besserung der Lage anstrebten. An der Aufrechterhaltung dieses Status quo, dessen internationale Grundlage der Berliner Bertrag darstelle, sei Deutschland nicht am nächsten, aber mindestens ebenso ehrlich interessiert wie irgend eine andere Großmacht. An dritter Stelle endlich be­schäftigte sich der Reichskanzler in feiner Rede mit dem Briefe des Kaisers an Lord Tweedmouth. Hier war besonders die Versicherung bemerkenswert, der Brief des Kaisers sei derart gewesen, daß ermm lebe > ~on uns, von jedem aufrichtigen Freunde guter Beziehungen Mschcn'Deutschland und Engyrnd unterschrieben werden könne." DieTimes" und ihr Anhang aber mögen sich die Worte des deutschen Kanzlers gesagt sein lassen, die dahin lauteten, es fei eine durch nichts gerechtfertigte Unterstellung, wenn behauptet worden fei, der Brief deS deutschen Kaisers an Lord Tweedmouth bedeute einen Versuch, den für das englische Marinebudget verantwortlichen Minister im deutschen Interesse zu beeinflussen oder, mit andern Worten, einen heimlichen Eingriff in innere Angelegenheiten des britischen Reiches. An dieser bündigen Erklärung des verantwortlichen deutschen Staatsmannes gibt es nichts zu deuteln, und wir hoffen, daß sie dazu beitragen wird, den letzten in England noch vorhandenen Rest von Mißtrauen gegen die Absicht des Kaisers zu beseitigen.

Wie in der Presse mehrfach behauptet wird, soll die Reichs- kanzlerrede auf die Beilegung des I o u r n a l i st e n st r e i k s eingewirkt haben, indem nämlich Fürst Bülow seine allseitig mit größter Spannung erwarteten Ausführungen so lange hinausgeschoben hätte, bis den beleidigten Journalisten eine ausreichende Genugtuung zuteil geworden sei. Unter dem Drucke dieser Tatsache hahe sich dann der Abgeordnete Gröber zu seiner Entschuldigung bequemt. Wie dem auch sein mag, soviel steht jedenfalls fest, daß der genannte Herr bei dieser Affäre keine beneidenswerte Rolle gespielt hat. Es scheint leider so, als wenn mit der Vorherrschaft des demokratischen Flügels im Zentrum auch die guten Manieren innerhalb dieser Partei eine Einbuße erlitten hätten. Herr Gröber hat ja bereits an Herrn Roeren mit seinemgrünen Assessor" einen unrühmlichen Vorgänger gehabt. Gerade das Recht der parla­mentarischen Immunität, das dem Beleidiger Straffreiheit zu- sichert, stellt an den Takt der Volksvertreter hohe Anforderungen, wenn anders dieses Recht nicht herabgewürdigt und mit einem schweren Odium belastet werden soll. Es ist dringend zu wünschen, daß solche Vorkommnisse wie der Fall Gröber im parlamentarischen Leben Deutschlands keine Wiederholung finden möge.

Unter dem Zeichen herzlichen Einvernehmens hat sich die Begegnung zwischen dem deutschenKaiserpaar und König ViktorEmanuel vonJtalien in der alten Dogenstadt Venedig vollzogen. Allenthalben sind bei dieser Gelegenheit freundschaftliche Empfindungen für Deutschland zum Ausdrucke gekommen, die wir Deutschen mit besonderer Genugtuung zur Kenntnis nehmen und mit herzlichem Danke erwidern. DaS deutsche Volk weiß sich einig mit dem italie­nischen in der Freude über jede weitere Bürgschaft für daS freundschaftliche Verhältnis zwischen Deutschland und Italien sowie für ben Fortbestand deS mitteleuropäischer! FriedenS- bunbeS, und als eine solche Bürgschaft darf die Monarchen­begegnung in Venedig zweifelsohne angesehen werden.

Zu dem englischen Vorschläge bezüglich neuer Maß­nahmen in Mazedonien ist nun auch noch ein rus­sischer getreten, der in wesentlichen Punkten von dem englischen abweichen soll. Wie verlautet, hegt Rußland trotz der Be­mühungen gewisser englischen Kreise den Wunsch, auch in Zu­kunft in der Behandlung der mazedonischen Angelegenheit mit Oesterreich wie bisher Hand in Hand zu gehen. Unter diesen Umständen dürfte, zumal da die Pforte sich inzwischen mit der Tätigkeit der internationalen Reformbehörden für eine weitere