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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 35.

Dienstag, den 24. März

1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 19. März 1908.

Bei stattgesundenen Revisionen der errichteten trigonometrischen Punkte ist wiederholt festgestellt worden, daß die Marksteine zum Teil ganz verschwunden, zum Teil aus dem Acker heraus­genommen und niedergelegt und zum Teil an Ort und Stelle liegend vergraben sind. Die Besitzer der Grundstücke sind vielfach im Unklaren über den Zweck und Wert der trigono­metrischen Marksteine. Sie beackern die Marksteinschutzflächen in der irrigen Annahme, daß ihnen zwar der Boden nicht gehöre, ihnen aber die Nutznießung überlassen sei. Die Marksteinschutzfläche, d. i. die kreisförmige Bodenfläche von 2 qm um den Markstein, darf beim Ackern nicht berührt werden. Da anderenfalls die errichteten Punkte leicht beschädigt werden können, solches aber bei deren großen Wichtigkeit tunlichst vermieden werden muß, wird hierauf wiederholt aufmerksam gemacht.

Die Herren Ortsvorstände werden angewiesen, die in Be­tracht kommenden Grundstücksbesitzer noch besonders darauf binzuweisen, daß Zuwiderhandlungen nach den gesetzlichen Bestimmungen mit Geldstrafe bis zu 150 <M bestraft werden. I. 3183. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 20. März 1908.

Die Prüfung der vorgelegten Aufzeichnungen über die Ergebnisse der polizeilichen Maß- und Gewichtsrevisionen im Jahre 1907 durch den Königlichen Eichungsinspektor hat er­geben, daß die in den Vorjahren vorgefundenen und bekannt gegebenen Mängel von einer Anzahl der Ortspolizeibehörden unberücksichtigt geblieben sind.

Unter Bezugnahme auf daS Ausschreiben vom 10. April 1906 J. I. 2931 Kreisblatt Nr. 43 ersuche ich, die betreffenden Bemerkungen bei Aufstellung der fraglichen Tabellen für das Jahr 1908 genau zu beachten.

I. 3031. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Bekanntmachung.

a. Die Zustellung derKriegsbeordernugen" und Paß­notizen wird in der Zeit vom 25. 31. März d. Js. durch die Ortsbehörden, in der Stadt Hersfeld durch Ordonnanzen, erfolgen.

b. Die noch nicht zur dienstlichen Kenntnis gebrachten Wohnungs-Beräuderuugen" sind sofort zu melden.

c. Die Mannschaften des Beurlaubtenstandes haben, falls sie während der obengenannten Zeit nicht selbst zu Hause sein können, eventuell eine andere Person des Hausstandes

Der OlUcksbort.

Roman von H. von K l i p h a u f e n.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Der unselige kranke Mann war völlig in das dämonische Spiel versunken. Seine zitternden Finger vermochten kaum rasch genug die Karten einzuziehen und wieder hinzuwerfen. Sein Atem ging keuchend, und sein gieriger Blick verschlang sörmlich die Goldrollen und -Häufchen, welche sich vor seinem Platze immer mehr ansammelten.

Zum Teufel, Morand, Ihr Glück ist unheimlich!" schrie einer der Mitspielenden und schlug dröhnend mit der Faust aus den Tisch.Es kann nicht anders sein, als daß der Böse mit Ihnen im Bunde ist!"

Der Direktor lachte aus und bemerkte dann höhnisch: »Ich bin eben wahrscheinlich ein Sonntagskind!"

»Oder ein ganz abgefeimter, raffinierter Fälscher", erklang hinter den Herren eine feste Stimme und eine schwere Hand legte sich auf die Schulter Morands. Dieser fuhr herum und blickte starr den kühnen Sprecher an:Wer wagt es, hier so ZU sprechen? Ich schlage ihn nieder, wie einen Hund."

Ich sage es, Fürst Lermanoff", entgegnete vornehm und ruhig der Russe.

»Hrrr, sind Sie toll?" schäumte Morand und wollte den altdeutschen Humpen, der vor ihm stand, ergreifen, um ihn auf den Ankläger zu schleudern.

Meine Herren«, wandte sich nun der Fürst an die übrigen Herren,bitte untersuchen Sie die Karten! Sie gehören doch gleichviel, sie sind durchstochen."

Ein Schrei der Wut ertönte aus dem Kreise, als man die geforderte Prüfung vorgenommen hatte.

Schurke", schrie ein Marineoffizier empört,und das wagen Sie uns zu bieten? Fort sogleich, oder ich hole die Polizei."

Die Karten gehören nicht mir, sondern der Fürstin", ächzte Morand und griff mit zitternden Händen nach dem gewonnenen Goldhaufen, hoch der Fürst trat dazwischen.

mit Empfangnahme der Kriegsbeorderung bezw. Paßnotiz zu beauftragen.

d. Die jetzt in Händen der Mannschaften befindlichen vom 1. April ab nicht mehr gültigen alten Kriegsbeorderungen und Paßnotizen sind beim Empfang der neuen Be­orderung abzugeben. Werden sie bis zum 31. März nicht eingezogen, so sind sie zu vernichten.

e. Die Bürgermeisterämter werden nochmals ersucht, die Aushändigung der Kriegsbeorderungen pp. bis zum 31. d. Mts. zu erledigen und die namentlichen Listen an das Hauptmeldeamt HerSfeld zurückzusenden.

Hersfeld, den 18. März 1908.

Königliches Bezirhshommando»

Gefundene GegenSande:

Eine Peitsche. Meldung des Eigentümers bei dem Orts­vorstand zu Oberlengsfeld.

nichtamtlicher Ceil.

Sie Ksiserreise nach Arfu.

Kaiser Wilhelm verläßt an diesem Dienstag Berlin für mehrere Wochen, um seine schon angekündigte Mittelmeerfahrt mit dem Endziele Korfu auszuführen, wo er seiner neu er­worbenen Besitzung, dem prächtigen Achillcion, das ehemals der verewigten Kaiserin Elisabeth von Oesterreich gehörte, einen längeren Besuch abzustatten wünscht. Schon aus diesem eigentlichen Zwecke der Kaiserreise nach Korsu erhellt zur Genüge, daß die in gewissen Auslandsblättern ausgetauchten Behauptungen und Mutmaßungen, Kaiser Wilhelm verfolge mit seiner jüngsten Mittelmeerfahrt hochpolitische Pläne und Absichten, der Begründung entbehren, es handelt sich hierbei tatsächlich nur um müßiges Geschwätz. Der Umstand, daß nicht nur die Kaiserin Auguste Viktoria, sondern auch Prinz August Wilhelm nach einer anderen Version Prinz Oskar und die Prinzessin Viktoria Luise den erlauchten Gatten und Vater auf der Fahrt nach der Insel Korsu begleiten, ver­leiht ihr sogar den Charakter eines Familienausfluges, und mit einem solchen lassen sich hochpolitische Pläne und Tendenzen erst recht nicht vereinigen. Ueberhaupt ist diese Reise vor allem als eine der Erholung des Kaisers nach arbeitsreichen Wintertagen gewidmetes Unternehmen zu betrachten, wie er ein solches aus gleichen Beweggründen ja bereits seit Jahren zum Beginne des Frühlings ins Werk zu setzen pflegt, und auch deshalb kann man die Bemühungen der Auslandspresse, aus dem ganzen Vorgänge hochpolitisches Kapital zu schlagen, auf sich beruhen lassen.

Trotzdem weist aber die Kaiserreise nach Korfu doch un­verkennbar politische Momente auf, wie namentlich die gleich zu ihrem Beginne, an diesem Mittwoch, in Venedig erfolgende

Sie rühren auch nicht eine Doppelkrone an", befahl er streng,sondern zahlen noch außerdem alles zurück, was Sie bisher mit diesen Karten gewonnen haben. Ohne Wider­rede"

Morand zuckte zusammen und trotzdem die Zornesader auf seiner Stirn scharf hervortrat, gehorchte er doch der ge­bieterischen Weigerung und wollte sich taumelnd erheben, um sich zu entfernen. Die Fürstin hatte bereits vor einer ge­raumen Weile die Spielzimmer verlassen.

Halt, mein Herr, nicht von der Stelle", rief einer der Mitspieler.Erst die schriftliche Erklärung ihres Betruges! Wir wollen die verlorenen Summen zurückhaben. Erst vor drei Tagen verlor ich zweitausend Mark an Sie."

Ich habe nichts", stöhnte der Unselige, in den Sessel zurücksallend,all mein Vermögen ist zerronnen und meine Tochter und ich sind Bettler von nun an."

Finster und beobachtend ruhte des Fürsten Blick auf dem Elenden. Wars denn möglich, daß ein Wesen, engelschön und rein wie Hedwig, ihn einst geliebt hatte?

Meine Herren", sagte er endlich, sich zu den Uebrigen wendend,überlassen Sie mir diese dunkle Angelegenheit. Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, es soll alles zu Ihrer Zufrieden­heit ausfallen und Sie werden Ihr Geld wiedererlangen."

Ihr Name, mein Herr?"

Ich nannte ihn schon vorhin jenem Morand, doch hier meine Karte! Ich wohne im englischen Hose."

Die Herren verbeugten sich achtungsvoll, dann aber be­gannen sie den Gewinn des Fälschers wieder zurückzunchmen, und diesen selbst führte ein Diener vor dem Fürsten her zum Zimmer hinaus.

In fieberhafter Unruhe hatte die unglückliche Margarete indes die Rückkehr ihres väterlichen Freundes erwartet und als endlich der Wagen vor dem Tore hielt, eilte sie selbst hinab, um zu erfahren, was er bringe. Starr und leblos wie einen Toten hob man ihren Vater heraus. Ein neuer Schlag- anfall hatte den Unglücklichen unterwegs in seiner Erregung betroffen. Ein Arzt, den Lermanoff unterwegs mitgenommen hatte, half sorgsam den Ohnmächtigen Hinausttagen.

Begegnung Kaiser Wilhelms mit König Viktor Emanuel von Italien. Es darf als zweifellos gelten, daß in dem voraus­sichtlichen mehrstündigen Zusammensein der beiden Herrscher das eine und das andere aktuelle Thema der europäischen Politik zur Besprechung gelangen wird, wobei man in erster Linie an die Balkanangelegenheiten zu denken hat, wie sie in jüngster Zeit besonders durch die auch Italien interessierenden Balkanbahnprojekte wiederum aufs Tapet gelangt sind. Da der italienische Minister des Auswärtigen, Signore Tittoni, der Monarchenzusammenkunst von Venedig beiwohnt, so tritt ihre politische Umrahmung allerdings ohne weiteres hervor, und man kann ihr daher immer eine bedingte Wichtigkeit bei­messen. Aber dessenungeachtet darf die Bedeutung des Er­eignisfes gewiß nicht überschätzt werden, mindestens stehen von der Unterredung Kaiser Wilhelms mit König Viktor Emanuel II. keinerlei bestimmten Beschlüsse und Abmachungen zu erwarten, zu welchen ja auch kein zwingender Anlaß vorliegt. Das Bündnisverhältnis zwischen Deutschland und Italien ist genau sestgelegt; um Abänderungen hieran zu treffen, müßten schon ganz außerordentliche Fälle eintreten, die aber nach der ganzen jetzigen europäischen Situation nicht gegeben sind. Außerdem muß hervorgehoben werden, daß keiner der verantwortlichen Staatsmänner des Reiches, weder der Staatssekretär des Auswärtigen v. Schön, noch der Reichskanzler Fürst Bülow selber, sich im Gefolge des Kaisers auf dessen Reise befindet, was doch sicher zu erwarten gewesen wäre, wenn wirklich hoch­politische Abmachungen in Venedig getroffen werden sollten. Die Bedeutung der Venediger Entrevue ist eben mehr darin zu suchen, daß sie die Wiederherstellung der Bündnisfreund- schast zwischen Deutschland und dem Apenninenkönigreich nach der vorübergehenden Trübung der deutsch-italienischen Be­ziehungen durch die bekannteExtratour" Italiens auf der Algeciras-Konferenz vor Augen führt, und das ist allerdings eine hocherfreuliche Tatsache, welche der jüngsten Begegnung Kaiser Wilhelms mit dem König Viktor Emanuel die warmen Sympathien aller Anhänger einer Fortdauer der deutsch­italienischen Freundschaft zuwendet. Ein ferneres politisches Moment weist dann die Mittelmeerfahrt Kaiser Wilhelms in ihrem Ausgangs auf, den projektierten Besuch des Kaisers beim Kaiser Franz Josef in Wien. Es bedarf wohl keiner besonderen Versicherung, wie diese weitere Monarchenbegegnung, nament­lich da sie der Entrevue von Venedig so bald nachfolgt, ein neues Dokument von der noch immer trotz aller Anfeindungen weiterbestehenden Existenz des Dreibundes und hiermit der eigentlichen Friedensgarantie für Europa seit fast dreißig Jahren darstellt.

Das letzte Gefecht in Südwestafrika.

Die Tatsache, daß es dem Expeditionskorps des Haupt­manns v. Erckert unter den denkbar größten Schwierigkeiten am 16. d. Mts. gelungen ist, den Eingeborenenführer Simon Copper zu stellen und ihm eine empfindliche Niederlage beizu-

Was ist geschehen?" stammelte das arme Mädchen tonlos, lebt mein Vater noch?«

Ja, doch scheint er gelähmt zu sein. Er kann sich nicht bewegen, und der Arzt hält es für ein rapides Fortschreiten der unglücklichen Krankheit."

O mein Himmel, auch das noch!" stöhnte daS arme Mädchen, die Hände ringend.Jsts nicht schon genug, die Achtung und Liebe für den Vater einbüßen zu müssen, und nun noch dieser schreckliche Zustand!"

Sie müssen mit ihm nach Wiesbaden reisen. Die dortigen Massagekuren sind berühmt und sollen auch Rückenmarkleidenden bedeutende Erleichterungen verschaffen."

Ich will es, wenn es sein muß", sagte Margarete mit bebenden Lippen.Aber sagen Sie nur, was war die Ur­sache dieses Schlages, der ihn so krank gemacht hat?"

Fragen Sie nicht, armes Kind", entgegnete Lermanoff tief erschüttert.Nur eins kann ich Ihnen sagen: hüten Sie sich mit derjenigen jemals wieder zusammenzutreffen, die meinen Namen trägt mit der Fürstin Lermanoff."

Am nächsten Morgen saß Margarete erschöpft und ver­weint am Bette des nun ruhiger schlummernden Vaters, als man ihr ein elegantes Billett brächte., Hastig riß sie es auf; es enthielt nur wenige höhnische Zeilen:

Mein schönes Fräulein!

Sie werden gewiß noch nicht erfahren haben, daß man Ihren Vater gestern im Salon einer vornehmen Familie entlarvte, als er mit falschen Karten spielte und Unsummen gewann. Die Herren, welche die Verluste erlitten, sind nun keineswegs gesonnen, dieselben zu tragen, sondern drohen, wenn sie nicht binnen vierundzwanzig Stunden alles zurück haben, den Herrn Direktor Morand als Fälscher und Dieb anzuklagen und ins Zuchthaus zu bringen. Also entscheiden Sie sich rasch, der Bote wartet."

Die Fürstin!" murmelte das schöne Mädchen dumpf. Es kommt von ihr. Sie will mich verderben. Aber nimmer- mehr! Solange ich noch gesund und jung bin, will ich mir meinen Lebensunterhalt verdienen, so wahr mir Got helfe!"