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dort gesichtet und bearbeitet, ehe es an das Reichsamt des Innern weitergegeben wird. Darüber dürfte eine geraume Zeit vergehen, so daß der Entwurf, der auf Grund der ein- gehendeß Gutachten sicher noch manche Abänderung erfahren wird, schwerlich vor nächstem Winter an den Bundesrat und Reichstag gelangen kann. Unabhängig von dieser geplanten Neuregelung, zu der die Mitwirkung des Reichstags erforderlich ist, wird der Bundesrat allein die von ihm erlassenen Verord­nungen über Ausnahmen von der gewerblichen Sonntagsruhe, also für besondere Industrie- und Gewerbezweige, einer um- sassenden Revision und Neuordnung unterziehen.

Giornale d'Jtalia widmet der demnächst bevorstehenden Zusammenkunft des Deutschen K a i s e r s mit dem König von Italien einen längeren Artikel, in dem es heißt, die Zusammenkunft beweise nochmals, daß das Bündnis zwischen Deutschland und Italien nicht nur der gemeinsamen Friedensabsicht entspreche, sondern auch keine der beiden Mächte hindere, ihre eigenen Interessen zu schützen. Es sei bemerkens­wert, daß bei den diplomatischen Verhandlungen über die Balkanbahnen die Verständigung Italiens mit Rußland bezüglich der Eisenbahn DonauAdriatisches Meer in Berlin nicht den leisesten Widerstand fand. Daher habe die jetzt diesen Ver­handlungen unmittelbar folgende Zusammenkunft politische Bedeutung. Giornale d'Jtalia fügt hinzu, es sei sicher, daß gelegentlich der Zusammenkunft ein italienisches Geschwader nach Venedig fahre und die kaiserliche Jacht nach Korsu be­gleite.

Die Agenzia Stefani meldet aus Saloniki: Der erste Dragoman des griechischen Konsulats Askitis wurde gestern abend auf offener Straße durch zwei Revolver­schüsse tödlich verletzt. Wie gerüchtweise verlautet, wird das Verbrechen dem bulgarischen Komitee zugeschrieben.

Die Präsidentschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten von Nordamerika zieht ihre Kreise weiter. Die in Omaha versammelte demokratische Konvention sprach sich für die Präsidentschaft Bryans aus, welcher dann in einer Rede die republikanische Partei scharf angriff.

Der japanisch-chinesische Zwischenfall wegen der Beschlagnahme des japanischen DampfersTatsu Maru" durch die Chinesen verschärft sich wieder. Der Vizekönig von Kwantung hat beschlossen, das japanische SchiffTatsu Maru" sestzuhalten, trotz der Befehle von Peking, die Angelegenheit in freundschaftlicher Weise zu regeln. Vielleicht hat der Vize­könig geheime Anweisungen aus Peking empfangen?

Hur Provinz u. Nachbargebiel.

*(DerneueKommandierende.) Als Nachfolger des zum kommandierenden General des 13. Armeekorps er­nannten Herzogs Albrecht von Württemberg wurde Frhr. v. Scheffer-Boyadel, General-Leutnant und Kommandeur der 2. Garde-Division, unter Beförderung zum General der Infanterie, zum kommandierenden General des 11. Armeekorps ernannt.

* (Ehejubiläumsmedaillen.) Während des Jahres 1907 sind 1672 Ehejubiläumsmedaillen verliehen worden; davon entfallen auf die Provinzen: Ostpreußen 46, Westpreußen 46, Brandenburg mit Berlin 200, Pommern 91, Posen 55, Schlesien 104, Sachsen 188, Schleswig-Holstein 91, Hannover 204, Westfaleu 175, Hessen-Nassau 105, Rheinprovinz 364 und auf den Regierungsbezirk «Sigmaringen 3, zusammen 1672. 1243 Ehepaare gehörten der evangelischen, 344 der katholischen, 37 der mosaischen Konfession an. Ferner erhielten 18 reformierte und 26 in gemischter Ehe lebende Jubelpaare die Medaille. Ein Ehepaar gehörte der menno- nitischen, 3 der Baptistensekte an. 14 Paare feierten das 60= jährige Ehejubiläum.

* (Herabsetzung des R e i ch § b a n k d i s k o n t s.) Die Reichsbank setzte den Diskont auf 5Vs Prozent, den Lombardzinssuß auf 6Va Prozent herab.

):( Hersfeld, 9. März. Ein 15jähriger Junge, welcher hier bei einer Tante zu Besuch weilte, hatte derselben ein 10 Markstück entwendet. Als die Frau das Geld zurück­verlangte, bedrohte sie der Bursche mit einem Messer und ent­floh durchs Fenster. Er wurde dann in einer Wirtschaft sestgenommcn als er gerade das Geldstück gewechselt hatte. Auch seiner Mutter hatte er erst 10 Mark zur Reise hierher entwendet.

):( Hersfeld, 9. März. (Theater.) Die gestrigen Vorstellungen hatten sich eines recht guten Besuches zu er­freuen, besonders die am Abend stattgefundene. Die Dar­stellung war auch hier wieder eine recht gut gelungene und das Publikum spendete reichen Beifall. Morgen abend geht das Sudermannsche SchauspielHeimat" in Szene. Ein Besuch dieser Vorstellung kann nur bestens empfohlen werden.

b Willingshain, 7. März. Bei der am 3. d. Mts. stattgefundenen Wahl der ausscheidenden Gemeinde- vertreter wurden einstimmig gewählt: Klasse III Land­wirt Johannes Steinert, Klasse II Landwirt Joh. Bechstein, Klaffe I Landwirt Heinrich Heupel. In den Schulvorstand wurden die Landwirte Jakob Dippel, Johs. Schmidt und Jakob Knott gewählt. Wie man aus sicherer Quelle erfährt, soll am 1. April d. Js. das Bergwerk am Eisenberg in Angriff genommen werden. Mit den Bohrversuchen hat man bereits vergangenen Herbst schon begonnen, wobei wertvolle Funde gemacht worden sind, die aus eine hoffnungsvolle Zu­kunft blicken lassen. Im Südwesten des Eisenberges, nament­lich in der Willingshainer Gemarkung, hat man Eisenerze und Braunkohlen gesunden. Auch hat man schon die Steinkohlen- schicht angebohrt; aber da war es gleich mit der Bohrerei zu Ende, da die Bohrer abbrachen. Wegen der schlechten Witterung und der schwachen Bohrwerkzeuge wurden die Bohrversuche eingestellt, die jetzt wieder in Angriff genommen werden sollen. Hoffentlich werden bald die Schätze des Eisen­berges erschlossen, und mancher Arbeiter aus unserer Gegend, der nach Westfalen macht, kann dann hier ebenso seinen reich­lichen Verdienst finden. Darum:Glück auf! Nur frisch ans Werk."

Wrexen, 6. März. Im Zuge von Brilon-Cassel über- fielen dieser Tage 8 ausländische Arbeiter im Abteil 4. Klasse einen Reisenden, entleerten seine Taschen und öffneten auch sein Reisegepäck. Als ein zweiter Reisender dem Bedrängten zu Hilfe kommen wollte, mürbe auch dieser tätlich angegriffen. Auf seinen Hilferuf rief ihm ein im angrenzenden Abteil fahrender Eisenbahnarbeiter zu, er solle doch die Notbremse, welche links von ihm sei, ziehen. Der Mann tat dies und der Zug hielt darauf in der Nähe des Weilers Pulvermühle. Die herbeieilenden Zugbeamten befreiten nun zuerst die Ueber- fallenen, schloffen die räuberischen Gesellen in dem Abteil ein und hielten sie unter scharfer Beobachtung. Die Gesellschaft wurde dem nächsten Amtsgericht in Marsberg, wo auf vorge­sandtes Telegramm die Polizei bereit stand, zugesührt und wird der verdienten Strafe nicht entgehen.

Holzhäuser, bei Battenberg, 5. März. Die Frau eines hiesigen angesehenen Einwohners hat sich gestern, während ihr

Mann zum Arzt ging, die Kehle durchgeschnitten, sodaß sie sogleich eine Leiche war. Man vermutet die Ursache in geistiger Umnachtung, hervorgerufen durch eine vor einiger Zeit aufgetretene Erkrankung.

Frankfurt a. M., 6. März. In einem Hotel am Hauptbahnhof erschoß sich gestern nachmittag der 40jährige Kausmann Adolf Grünbaum aus Nürnberg, angeblich wegen unglücklichen Familienlebens. Auf dem Grabe seiner Frau erschoß sich gestern der 50jährige Dienstmann Heinrich Ruppel von hier.

Niedervellmar, 9. März. Durch Sturz aus der Bodenluke erlitt gestern abend der Landwirt Arendt von hier den Tod.

Meiningen, 6. März. Ueber den Brand des Hos- theaters wird noch folgendes berichtet: Die ersten Anzeichen des Feuers wurden von einer zufällig nach der am Mittag abgehaltenen Dekorationsprobe die Bühne betretenden Schau­spielerin in der Nähe der herzoglichen Loge in der nordöstlichen Ecke des Theaters bemerkt. Es stieg Rauch aus dem Kellergeschoß auf, in dem sich die Zentralheizräume befanden. Es wurde festgestellt, daß der untere Bühnenraum vollständig verqualmt war. Telephonisch wurde die Feuerwehr in Kenntnis gesetzt, um Vs2 Uhr stand jedoch der ganze Bühnen­raum bis zum Schnürboden in Hellen Flammen. Der eiserne Vorhang konnte der ungeheuren Glut nicht standhalten und senkte sich rotglühend nach dem Zuschauerraum, der auch bald in Flammen stand. Um V23 Uhr schlugen mächtige Feuergarbcn zum Dache hinaus. Inzwischen hatten nach ersolgter Absperrung die Rettungsarbeiten zur Bergung der Requisiten, Garderoben, Waffen, Rüstungen, die in ungeheurer Menge von hohem Werte in den Räumen des Theaters lagerten, begonnen. Dank des Zugreifens zahlreicher Personen konnte fast das gesamte Inventar außer einer Anzahl historischer Damenkoflüme gerettet werden, die äußerst umfangreiche und wertvolle, zum Teil kaum erschliche Bibliothek des Theaters sowie der Hoskapelle und die Instrumente sind ebenfalls in Sicherheit. Trotz angestrengter Tätigkeit der Feuerwehr war an eine Bewältigung des entfesselnden Elements nicht zu denken. Bald war der ganze Zuschauerraum und die Garderobe ebenfalls vom Feuer erfaßt und nunmehr stand der ganze Bau bis zum Dach in Hellen Flammen. Abends um 8 Uhr war auch die Hauptfront des Theaters vom Feuer so weit geschwächt, daß die Decke des herrlichen Reunion-Saales in sich zusammenstürzte, so daß nur noch Mauerreste und Trümmer von dem stolzen Bau Zeugnis geben. Zwei wertvolle Flügel, von denen einer im Werte von 6000 Mark der Hoskapelle probeweise überlassen war, konnten, wegen ihrer Schwere nicht gerettet werden. Das Theater ist versichert, an dem Schaden sind acht Gesellschasten beteiligt.

Eisenach, 6. März. Zur Wahrung des landschaftlichen Bildes bei der Bebauung des von der Stadt erworbenen Johannistals beschloß der Gemeinderat in der gestrigen Sitzung, ein Preisausschreiben zur Erlangung eines geeigneten Bebauungsplanes zu erlassen und stiftete für diesen Zweck 5000 Mark.

vermischtes.

Berlin, 8. März. Die Schreckenstat einer Mutter hat heute mittag im Schönhauser Viertel großes Aussehen erregt. Aus ihrer im vierten Stock des Hauses Treskowstr. 12 gelegenen Wohnung hat die Arbeiterfrau Lina Bock ihren vierjährigen Sohn auf die Straße geworfen und sich dann selbst auf das Pflaster gestürzt. Mutter und Kind waren sofort tot.

(Folgenschwere Explosion in einer pyrotechnischen Fabrik.) Nach einer Meldung aus Güntersberge im Harz sind heute früh zwischen 6 und 7 Uhr die Arbeitsräume der Abteilung I und II des dortigen Teiles der pyrotechnischen Fabrik von G. F. Eisseldt in Silberhütte in die Lust geflogen. Mehrere Personen wurden verletzt, darunter zwei schwer.

(Lawinenkatastrophe in Ungarn.) Nach einer Meldung aus Budapest wurden im Dubravatale, im Komitat Liptau, durch eine Lawin^ zwölf Holzarbeiter ver­schüttet. Sechs Arbeiter sind tot, vi^r sind schwerverletzt, zwei leichtverletzt.

(Aschermittwoch.) Der Präsident der großen Karnevalgesellschast in Nürnberg, Kaufmann Breuer, der noch am Dienstag wegen seiner Verdienste sehr gefeiert worden war und einen Lorbeerkranz erhalten hatte, ist am Aschermittwoch wegen Veruntreuung von 7000 Mark verhaftet worden, die er als Buchhalter der Beckschen Dachpappenfabrik unter­schlagen hat.

Ein Bild sittlicher Verworfenheit ist durch eine jetzt in Würzburg erfolgte Verhaftung ans Tageslicht gebracht worden. Dort wurde der Schmiedcgeselle Johann Höfling festgenommen, der mit seinen 23 und 24 Jahre alten Stieftöchtern sechs Kinder gehabt hat, von denen er fünf ermordete. Das eine Mädchen hat bereits eingestanden, daß ihre Schwester ein Kind ertränkt hat, das der Vater dann im Keller vergrub. Der Bruder des Höfling hatte, empört über dessen Treiben, die Anzeige erstattet, die seine Ehefrau zu machen sich nicht getraute aus Furcht, von ihrem Mann umgebracht zu werden.

Die Zeitung Pioneer Mail bringt aus Bombay die Nachricht von einem furchtbaren Verbrechen, dem man in der Stadt Bangalorc auf die Spur kam. Eine Bande von fünf Männern, die von der Polizei festgenommen wurde, gestand, junge Leute an sich gelockt, vergiftet, aus­geplündert und dann mit durchschnittenem Halse vergraben zu haben. Man hat bis jetzt sieben Leichen aufgefunden. Einer der Ermordeten ist nach Ansicht der Aerzte offenbar lebendig begraben worden. Die Mörder erklären, sie seien bei der Betäubung dieses Opsers gestört worden und hätten den jungen Mann deshalb schnell verscharren müssen. Einen anderen jungen Mann töteten die Mörder, indem sie ihn unter Wasser hielten, bis er tot war. Die Ermordeten sind in allen Fällen junge, reiche Leute.

(Sonderbare Reisen.) Zu Anfang des vorigen Jahres wettete, wie der Gaulois erzählt, ein Handlungs­reisender aus Salzburg, der sich gerade in New-Iork aufhielt, mit einem Millionär, daß er ein ganzes Jahr lang Tag und Nacht ans der Eisenbahn, und zwar die ganze Zeit über auf derselben Strecke reifen würde. Der Einsatz der Wette betrug 40 000 Fr., und zu ihrem Austrag wurde die Srrecke WienLinzSalzburgInnsbruck gewählt. Soeben hat nun der Reisende seine Wette gewonnen. 365 Tage lang hat er unter Kontrolle der Stationsvorsteher, die dazu vom Eisenbahnminister ermächtigt waren, ununterbrochen die Strecke von Wien bis Innsbruck und zurück befahren, hat im Zuge gesessen und geschlafen, Kleider und Wäsche gewechselt. Von Zeit zu Zeit kam seine Gattin, die in Salzburg wohnt, wenn der Zug diese Stadt passierte, aus die Station, ihm

Guten Tag zu sagen und seine Garderobe zu erneuern. Der unermüdliche Reisende hat unter diesem ständigen Ausent- Halt im Eisenbahnzuge nicht im geringsten gelitten, und die einzige üble Folge für ihn ist, daß er jetzt, da er den Zug verlassen hat, im gewöhnlichen Bett nicht mehr schlafen kann. Der Amerikaner aber hat seelenrnhig seine 40 000 Fr. bezahlt nnd ist durchaus der Meinung, daß er bei diesem sonderbaren Experiment genug für fein Geld gehabt hat. ... In Rom ist anderseits ein holländisches Ehepaar namens Saeys eingetroffen, das am 27. Oktober eine Fußreise um die Erde angetreten hat. Saeys ist ein tüchtiger Geograph, der bis jetzt jedoch durchaus noch keine großen Leistungen als Tourist auszuweisen hatte, und seine Frau ist jedenfalls die erste Reisende, die jemals ein derartiges Wagnis unternommen hat. Auch hier handelt es sich um eine Wette, die Saeys mit einem andern Geographen namens Bring abgeschlossen hat. Bring wird dem Ehepaar 160 000 Mark zu zahlen haben, wenn sie ihre Fußreise um die Erde in sechs Jahren vollenden können, während er im andern Falle dieselbe Summe erhalten wird. Beide Einsätze, also ein Betrag von 320 000 Mark, sind bei der Nationalbank in Amsterdam deponiert. Das wagemutige Ehepaar verließ Amsterdam ohne einen Pfennig in der Tasche. Ihren Unterhalt müssen sie während der Reise durch den Verkauf von Ansichtskarten mit ihren Bildnissen zu erwerben suchen. Ihr Weg führte sie bisher über Lüttich und Brüssel nach Paris, wo sie sich fünf Tage aushielten; dann setzten sie die Reise fort über Marseille, Nizza, Genua, Lucca, Pisa, Florenz und Perugia und trafen schließlich glücklich in Rom ein. Nachdem sie noch eine Reihe anderer italienischer Städte besucht haben, wollen sie sich in Marsala nach Afrika einschiffen. Ihr Reiseplan führt sie weiter durch den schwarzen Erdteil, dann mit dem Dampfer nach Südamerika, wo sie von Montevideo aufbrechen wollen, um über den Isthmus von Panama nach Ncw-Iork zu wandern. Von New-Aork werden sie mit dem Dampfer nach Holland zurückkehren und in Amsterdam ihre Rundreise beenden, auf der sie im ganzen über 40 000 Kilom. zurückzulegen haben werden.

(Die selte nste T 0 desart.) Im Staate Ohio in Nord-Amerika soll der meckwürdige Fall eingetreten sein, daß ein Mensch von einem Meteor erschlagen wurde. Wenn diese Nachricht zutrifft, so würde dieser Mann die seltenste Todesart erlitten haben, die es überhaupt gibt, denn bisher war nur ein ähnliches Vorkommnis bekannt, und der davon betroffene böhmische Bauer hat dadurch eine gewisse Be­rühmtheit erlangt. Die Wahrscheinlichkeit, daß ein aus dem Weltraum auf die Erde niederstürzendes Meteor einen Menschen trifft, ist in der Tat sehr gering, eine Behauptung, für die sogar ein rechnerischer Nachweis erbracht werden könnte. Immerhin steht es mit der ganz genauen Abschätzung dieser Möglichkeit noch ziemlich schlecht, weil keine sichere Angabe darüber gemacht werden kann, wieviel Meteore im Durchschnitt jährlich auf unseren Planeten niederfallen. In wissenschaftlichen Werken findet sich die Angabe, daß diese Zahl auf jährlich 6700 anzunehmen wäre, aber großes Vertrauen kann diese Ziffer nicht beanspruchen. Zunächst muß die oft vergessene Tatsache berücksichtigt werden, daß noch vor 150 Jahren gerade von Seiten der Gelehrten die Behauptung, es könnten Steine aus dem Weltraum aus die Erdoberfläche stürzen, als durchaus unsinnig bezeichnet wurde. Ferner wird nur ein recht kleiner Teil der Meteore wirklich beobachtet, und von diesen Beobachtungen wird wiederum nur ein kleiner Teil bekannt. Etwa Zweidrittel der Erd­oberfläche ist vom Meere bedeckt und daher ganz unbewohnt, und so werden die ins Meer fallenden Meteore dem Auge des Menschen bis auf verschwindende Ausnahmen sämtlich entgehen. Auch das letzte Drittel der Erdoberfläche ist nur zum kleinen Teil so dicht besiedelt, daß eine gewissc Wahrscheinlichkeit für die Beobachtung der Meteore vorhanden ist. Die meisten der Himmelsgeschoffe sind auch recht klein, denn wenn sie auch eine gewaltige Größe besessen haben mögen, als sie in die obersten Schichten des Luftmeeres eintraten, erleiten sie bei ihrer ungeheuren Geschwindigkeit durch die Reibung mit der Luft eine so starke Erhitzung, daß sie in viele Teile und Teilchen zerspringen, häufig wahr­scheinlich bis zu feinem Staub zersplittert werden. Aus diesem Umstand geht hervor, daß ein viel größerer Zufall dazu gehört, von einem Meteor getroffen zu werden, als das große Los selbst in der unsichersten aller Lotterien zu gewinnen.

Letzte Nachrichten.

London, 8. März. Das Reut.. Bureau erfährt, da die chinesische Regierung in der Angelegenheit des Dampfers Tatsu Maru" die definitive Antwort hinausgeschoben habe, habe die japanische Regierung ihre Forderungen wiederholt und aus prompter Antwort bestanden. Die chinesische Regierung antwortete am 6., sie drücke wegen der Niederholung der japanischen Flagge ihr tiefes Bedauern aus und stellte die Bestrafung der verantwortlichen Personen in Aussicht. Bezüglich der Beschlagnahme der Waffen und Munition werde sie später antworten.

Paris, 8. März. Aus Mazagan wird vom 5. gemeldet, daß Mulay Hafid etwa 90 km von der Stadt entfernt lagere und daß sich bei Asammor hafidische Banden ansammeln, die unaufhörlich neuen Zuwachs an Reitern erhalten. Der Gouverneur von Afammor habe die Abfahrt deS französischen Kreuzers Galcl^e verlangt, der vor der Stadt kreuzt und gedroht, Mazagan anzugreifen, falls seine Forderung nicht erfüllt werde. Die Sache Mulay Hafids mache in Mazagan zweifellos Fortschritte.

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