Hersfeld, den 4. März 1908.
An Stelle des auf seinen Antrag vom Amte entbundenen Bürgermeisters Valentin Hartwig in Stärklos ist der Landwirt Heinrich Witzel daselbst am 29. v. MtS. als Bürgermeister dieser Gemeinde bestellt und eidlich verpflichtet worden.
A. 1260. Der Königliche Landrat
von G r u n e l i u s.
Infolge Versetzung des Lehrers Bachmann zu Heringen kommt vom 1. April d. Js. ab eine Lehrerstelle an der evangelischen Schule daselbst zur Erledigung.
Das Grundgehalt beträgt neben freier Dienstwohnung 1100 Mark, der Einheitssatz der Dienstalterszulage 130 Mark, außerdem wird eine persönliche Zulage von 100 Mark gewährt.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche und Zeugnisse bis zum 28. März d. Js. an den Königlichen Ortsschulinspektor — Herrn Pfarrer Martin zu Heringen — einreichen.
Hersfeld, den 4. März 1908.
Der königliche Schulvorstand:
1. 2413. von Grunelius.
nichtamtlicher teil.
Zum 9. März.
Der 22. März 1797 gab dem deutschen Volk seinen nachmaligen über alles geliebten ersten Kaiser, und der 9. März 1888 führte ihn nach achtundzwanzigjähriger reich gesegneter Regierung hinauf zu den lichten Höhen in das selige Jenseits. So war uns ehedem der Monat März ein Monat endloser Freude, und der Jubel, der am 22. das deutsche Volk erfüllte, fand ein Echo, selbst jenseits der Meere. Nun aber ist der März ein Monat der Trauer geworden, denn — haben wir auch, Gott sei Dank, in dem Enkel des großen Toten einen Kaiser und Herrn, der in den Bahnen seines Herrn Großvaters wandelt und, seinem Eide wie seinem Volke treu, mit kraftvoller Hand das Geschick des deutschen Volkes lenkt, so können wir doch nimmermehr unsern alten Heldenkaiser ver- gesten, der in einer großen Zeit im Verein mit seinen Paladinen Bismarck, Moltke und Roon das Deutsche Reich geschmiedet und den Grundstein zu deutscher Wohlfahrt gelegt hat.
Unzertrennlich waren Kaiser Wilhelm und sein Volk. Wohl hat es Herrscher gegeben, die ihr Volk und Land mit Weisheit regiert haben, Herrscher, deren Ruhm weit hinaus reichte bis in alle Lande, aber wohl nie oder doch nur selten hat ein regierendes Haupt die Liebe seines Volkes in dem Umfange und in dem Maße besessen, wie Kaiser Wilhelm; eine Liebe, die weit hinausreicht über das Grab, und die sich forterbt von Geschlecht zu Geschlecht. Unsere Jugend hat die hehre Heldengestalt nicht mehr geschaut, aber in ihrem Herzen hat auch sie ihm ein Denkmal errichtet.
Wenn wir nun heute des für sein Volk viel zu früh dahin- gegangenen großen Toten gedenken, so sehen wir, daß sein Leben keineswegs nur Rosen gekannt hat; auch er ist durch Nacht zum Licht, das heißt durch namenlos schwere Stunden zu seinem sonnigen Lebensabend hindurchgegangen. Welch eine trostlose Kindheit war ihm beschieden! Nach dem Tilsiter Frieden war Preußen zusammengebrochen, und das preußische Volk seuszte ohnmächtig unter dem Joch des erbarmungslosen Napoleon, unter der Knechtschaft der Franzosen. Unter den Tränen seiner Mutter, unserer unvergleichlichen Königin Luise, verlebte der Prinz seine Kindheit, aber hatte er als Kind die Schmach des Vaterlandes miterlebt, so war es dem Heranwachsenden Jüngling doch vergönnt, die Erhebung Preußens mit eigenen Augen zu schauen und zu erkennen, welch eine Fülle von Kraft, welch eine glühende Vaterlandsliebe und Opferwilligkeit im preußischen Volke lebten. Das gedemütigte Preußen erhob sich, und seine Erhebung bedeutete die gänzliche Niederlage der Franzosen und ihres eroberungslüsternen Kaisers.
Aber noch einmal kamen schwere Stunden für den Prinzen, als das von wilden Leidenschaften durchtobte Volk ihn zwang, im Jahre 1848 nach England zu gehen. Was Prinz Wilhelm damals gelitten, und welche schweren Herzenskämpfe er durchgemacht hat, das erkennen wir leicht wenn wir ihn uns als König und Kaiser vergegenwärtigen und sehen, mit welch inniger Liebe er sich mit feinem Volke verbunden fühlte. Aber diesem letzten Schmerz folgte dann eine ganze Kette großer Ereignisse, die ihn mit Dank gegen Gott erfüllten. Das kleine, im Jahre 1806 noch verachtete Preußen erstarkte unter der Regierung Wilhelms I. immer mehr, und als sich dem ruhmreichen Feldzuge 1870/71, dem die nicht minder ruhmreichen
bringt sie rasch nach der Wohnung des Zirkusdirektors Morand; sie ist seine Tochter."
Als der Wagen wenige Minuten gefahren war, schlug Margarete die Augen mit einem tiefen Seufzer auf.
„Wo bin ich?" murmelte sie vor sich hin. „WaS war daS? Sie wollte mich erwürgen, jene Fürstin, die behauptet hatte, meine Mutter zu lieben."
Nach einer, wie es dem jungen Mädchen vorkam, endlosen Fahrt hielt endlich der Wagen vor der Wohnung des Direktors.
Mit tiefer Verbeugung trat der Portier an die junge Dame(heran. „Gnädiges Fräulein, dem Himmel sei Dank, daß Sie hier sind! Der Herr Direktor ist vor Aufregung ganz außer sich und wir haben in der ganzen Stadt Boten herumgeschickt —"
„Was ist die Uhr?"
„Etwa zwei Uhr. Niemand wußte, wo Fräulein ge- blieben war, und der Herr Direktor —"
„Wo ist mein Vater?"
„Aus seinem Zimmer. Er ließ sich in der Angst einen Punsch machen."
DaS junge Mädchen flog mehr als es ging die Treppen hinan und öffnete dann mit pochendem Herzen die Tür zu dem Zimmer ihres Vaters. Dieser lag mit verzerrten Zügen aus dem Sosa und suhr empor, als es eintrat: „Hedwig, Du hier? Forderst Du Dein Kind von mir?"
„Papa, ich bin'r selbst, Margarete!"
Da löste sich die heiße Todesangst, welche den unseligen Mann ergriffen hatte. Er schrie in erschütternden Tönen auf, sprang empor und schloß unter zahllosen Küssen sein Kind in die Arme.
„Gretchen, mein Gretchen", stammelte er atemlos, „wo warst Du? Ich glaubte schon, Du seiest tot oder von mir gegangen!"
„Nein Papa", erwiderte sie, sich liebevoll an ihn schmiegend, „weshalb hätte ich Dich verlassen sollen? Ich war bei einer Dame."
„Einer Dame! Und WaS wollte sie von Dir?"
Kriege von 1864 und 1866 vorausgegangen waren, der Traum der Deutschen erfüllte und das geeinigte Deutsche Reich neu erstand, da wurde der Ruhm Kaiser Wilhelms I. hinausgetragen in die ganze Welt. Aber so groß Kaiser Wilhelm als Kriegsheld war, so groß stand er auch als Friedenssürst da, so erhaben und weithin leuchtend stand er fest in allen menschlichen Tugenden. Ob er sich auch seines RuhmeS bewußt war, so kannte er doch weder Stolz noch ein Pochen auf eigene Kraft, sondern gerade, als er vor den Menschen am höchsten stand, demütigte er sich vor seinem Gott und gab ihm die Ehre.
Kaiser Wilhelm hat Preußen nicht nur nach außen hin groß gemacht, sondern er hat es auch innen ausgebaut und seine Liebe zu seinem Volke durch die Wohlfahrtsgesetze bewiesen, die zu vollenden freilich erst seinem Enkel, unserm heutigen geliebten Kaiser, beschieden war und ist.
So hat Kaiser Wilhelm I. sich selbst ein Denkmal gesetzt in dem großen Erbe, das er seinem Volke hinterlassen hat. Damm wollen wir heute an seinem Todestage im Geiste nach Charlottenburg inS Mausoleum wandern nnd an seinem Sarge geloben, mit heiligem Eifer und glühender Begeisterung das uns überkommene Erbe zu pflegen, zu erhalten und zu fördern. Nichts sei uns zu viel, nichts zu schwer für unser teures, großes und ruhmreiches Vaterland. Heilig sei uns das Blut unserer Väter, mit dem das Deutsche Reich gebildet ist, und sollte unserm Vaterlande jemals eine Gefahr drohen, so wollen wir der Welt zeigen, daß wir unserer Väter würdige Söhne sind und es wohl verstehen, zu kämpfen, zu siegen, zu bluten oder zu sterben wie sie.
Reichstag.
Im Reichstage wurde auch die gesamte Sitzung vom vergangenen Freitag wieder durch die allgemeine sozialpolitische Debatte zum Ausgabenposten „Gehalt des Staatssekretärs" des Etats des Reichsamtes des Inneren ausgesüllt. Der bayerische Bundesratsbevollmächtigte v. Burkhart berichtigte die Angaben, welche der nationalliberale Abgeordnete Fuhrmann in der vorangegangenen Sitzung über angebliche Steuerpläne des bayerischen Finanzministers gemacht hatte. Der sozialdemokratische Abgeordnete Hoch wandte sich gegen die Kartelle und besprach außerdem noch Dutzende von sozialpolitischen Themata. Der Staatssekretär des Reichsamtes des Inneren, v. Bethmann-Hollweg, ging auf eine Reihe von Aeußerungen in der bisherigen allgemeinen Debatte über den Etat seines Ressorts ein und stellte im weiteren die Reform der Arbeiterversicherungsgesetzgebung als eine der drängendsten Aufgaben seines Amtes hin. Am Schlüsse seiner Rede verbreitete sich der Staatssekretär über die Frage der Kartelle. In der nicht sonderlich bemerkenswerten ferneren Freitagsdiskussion sprachen noch die Abgeordneten Mugdan (sr. VolkSp.), Schack (wirtsch. Verein.) und Neuner (notllib.). Auf der Tagesordnung der aus Dienstag anberaumten nächsten Sitzung des Reichstages stehen neben der Fortsetzung dieser Debatte die Interpellationen wegen der Verzögerung in der Einbringung der Beamtenbesoldungsvorlage.
Abgeordnetenhaus.
Am Freitag wurde znächst nach kurzer Brechung der Antrag Frhr. v. Gamp (srkons.), betreffend die Gewährung freier Fahrt für die Wahlmänner zu den Abgeordnetenwahlen, event, die Stellung von Extrazügen, an die Budgetkommission verwiesen. Darauf wurden die zur Beratung stehenden Einnahmen bewilligt. Mit der Erörterung der dauernden Ausgaben wurde eine allgemeine Aussprache über die Arbeiter- und Beamtenverhältnisse verbunden. Zum Schluß begründete Abg. Dr. v. Korn-Rudelsdors (kons.) seinen Antrag aus Einführung von Maßnahmen, welche in Zukunft eine Schädigung des inländischen Kohlenverbrauchs möglichst zu verhüten geeignet sind. Man sollte nicht immer mit den Syndikaten verhandeln, sondern die Lieserungen ausschreiben. Der Minister bemerkte demgegenüber, daß außer dem Syndikat im Rheinland und den vereinigten Großhändlern in Schlesien keine Konkurrenz vorhanden wäre. Deshalb wäre ein Ausschreiben der Kohlenlieserungen zwecklos.
Das Abgeordnetenhaus, welches am Sonnabend die Beratung des Etats der Eisenbahnverwaltung bei dem Titel „Unterhaltung und Ergänzung der Inventarien sowie Beschaffung der Betriebsmaterialien" fortsetzte, beschäftigte sich zunächst mit einem dazu gestellten Antrag des Abg. von Korn, Rudelsdorf (tonf.), „die Regierung zu ersuchen, gegenüber den herrschenden Mißständen auf bem Kohlenmarkte im Rahmen der Staatseisenbahnverwaltung Maßnahmen zu treffen,
„Sie meinte, sie kenne meine Mutter und deren Familie, und erzählte mir alles, was ich noch nicht wußte."
„Und was Dir besser gewesen wäre, nie zu hören", rief Morand stirnrunzelnd und trat zurück: „aber ihr Frauen selb stets von einer Neugierde beseelt, die sich nicht unterdrücken läßt. Du weißt also nun, daß Deine Mutter —"
„— eine Gräfin Freienberg war und mit Dir heimlich abreiste, sodaß ihre Familie sich zürnend von ihr wandte. O Papa, meine Mutter muß ein Engel gewesen sein!"
„Ja, das war sie", nickte der gebeugte Mann, „und ich kann den Allerhöchsten nur auf den Knieen bitten, mir meine Schuld gegen dies herrliche Weib zu vergeben. Aber wer war die Dame, welche Dich in unser Elend einweihte?"
„Die Fürstin Lermanoff —"
Das junge Mädchen kam nicht weiter. Ein furchtbarer Wutausbruch kam über den finsteren Morand. Er ballte die Fäuste, knirschte mit den Zähnen uud stampfte tobend mit den Füßen.
„Sie, jenes elende Weib, welches nicht wert gewesen ist, Deiner Mutter die Schuhriemen zu lösen, sie hat Dich an sich gezogen und Dir Lügen vorgespiegelt? Glaube ihr nicht, komme ihr nie wieder zu nahe, denn sie will Dich verderben. Sie haßte Deine Mutter und haßt nun den Grafen, obschon sie ihn lieber heute als morgen heiraten möchte, wenn nicht der Fürst dazwischenstände. Sie war mein böser Geist, denn sie sachte meine Leidenschaften mächtig an, und wenn die ihrige gekühlt war, dann stieß sie mich hohnlachend von sich und es fiel ihr nicht ein, nach ihrem Opfer auch nur ein Jota zu fragen."
„Sprich deutlicher, Vater", bat Margarete mit bleichen Lippen, „wie stehst Du im Zusammenhänge mit jenem schrecklichen Weibe? Du kannst sie doch nicht geliebt haben?"
„Es war auch nur Leidenschaft, Gretchen", nickte der Direktor finster, „und heute denke ich, daß es Wahnsinn gewesen sein muß, daß ich an dem Tage, da deine Mutter mich besreite, mit der Fürstin davonging."
„Vater", schrie Margarete entsetzt, „das konntest du tun? Gott im Himmel, ist es denn möglich? Nein, Du sprichst im Wahnsinn, so schlecht konntest Du nicht sein!"
welche geeignet sind, für die Zukunft eine Schädigung des inländischen Kohlenverbrauchs möglichst zu verhüten." Der bereits gestern begründete Antrag rollte natürlich die schon so oft hier wie im Reichstage erörterte Kohlensrage wieder aus. Während der Abg. Voltz (natl.) sich auf die Seite der Kohlen- fyndikate stellte und den Antrag für überflüssig hielt, plädierte der Abg. Gyßling (freis. Vp.), mit dem Grundgedanken einverstanden, für eine Ueberweisung an die Kommission. Darauf entwickelte Abg. Graf Kanitz (kons.) seine wirtschaftlichen und sozialen Grundsätze, anknüpsend an seine Rede im Reichstage, nnd beantragte ebenfalls Verweisung des Antrages an die Budgetkommission. Eine längere Rede deS Abg. Hirsch (natl.), der wieder den Standpunkt der Syndikate verteidigte, fand eine lebhafte Entgegnung durch den Abg. Hager (Zentr.), der mit Eifer für den Antrag v. Korn und die Auffassungen des Grafen Kanitz eintrat.
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 7. März 1908.
Nachdem S e. M a j e st ä t der Kaiser, in dessen Gefolge sich Staatssekretär v. Tirpitz und Admiral Gras v. Baudissin befanden, gestern in Wilhelmshaven die Rekruten begrüßt und die Front abgeschritten hatte, hielten die Marinepfarrer beider Konfessionen Ansprachen. Darauf folgte die Vereidigung und eine kurze Ansprache des Kaisers an die Rekruten. Konteradmiral Werten brächte alsdann ein Hoch auf Se. Majestät aus. Nach der Vereidigung nahm der Kaiser militärische Meldungen entgegen und fuhr dann, von der zahlreichen Menge mit Hurrarufen begrüßt, durch die reichbeflaggten Straßen zum Kasino, um dort das Frühstück einzunehmen. Am Nachmittag besichtigte Seine Majestät der Kaiser aus der Werst den Neubau und die neue Einfahrt. Nach der Besichtigung kehrte Seine Majestätan Bord der Deutschland zurück, um Regierungsgeschäfte zu erledigen.
Gegenüber einem neuen Hetzversuch der „Times" gegen Kaiser Wilhelm stellt der erste Lord der englischen Admiralität Tweedmouth fest, daß ein Brief, den der deutsche Kaiser an ihn geschrieben habe, sich weder mit dem britischen Marineetat beschäftigte noch an ihn in seiner amtlichen Eigenschaft gerichtet sei, sondern daß es sich um einen rein privaten Briefwechsel handle.
Ueber die Errichtung von Assistentenstellen bei den L a n d r a t s ä m t e r n hat der Minister des Innern mit den beteiligten Ressorts Grundsätze vereinbart, denen nachstehendes zn entnehmen ist: Die einzurichtenden Assistentenstellen sollen den Landräten staatlich angestellte Hilkskräste verschaffen, die in erster Linie bestimmt sind zur dauernden Uebernahme von Obliegenheiten mehr schematischer Art (Registratur, Führung der Militärlisten usw.), bei deren Ueber- tragung dessen besondere Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit vorausgesetzt werden muß. Das Amt ist im allgemeinen als Lebensstellung gedacht, so daß ein Aufrücken in andere Stellungen nicht stattfindct. Die Assistenten sühren die Amtsbezeichnung „Kreisassistent". Ihre Besoldung soll derjenigen der Assistenten bei den Land- und Amtsgerichten gleich bemessen werden. Die zu schaffenden Stellen sollen zur Hälfte den Militäranwärtern offen stehen, zur anderen Hälste können sie aus der Zahl der landrätlichen Privatgehilfen oder mit anderen geeigneten Zivilpersonen besetzt werden. Der Anstellung als Assistent geht kein Diätariat voraus.
Bekanntlich ist vor kurzem den Bundesregierungen vom Reichsamt des Innern ein vorläufiger Entwurf über eine Neuregelung der Sonntagsruhe zugegangen. Er bezweckt in der Hauptsache eine möglichst einheitliche Gestaltung der Materie. Nach den gegenwärtigen Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe ist an Sonn- und Feiertagen eine Arbeitszeit bis zu fünf Stunden zulässig. Da aber die einzelnen Gemeindebehörden die Verkaufszeiten für die verschiedenen Geschäftszweige festlegen können, haben sich daraus unhaltbare Zustände ergeben. Mehrfach wurden die fünf Stunden in zwei bis drei Teile zerlegt, so daß namentlich an kleineren Orten die Verkaufsläden bis tief in den Nachmittag hinein geöffnet bleiben dürfen. Das widerspricht aber dem Begriff der Sonntagsruhe. Nach dem neuen Entwurf soll zunächst die Arbeitszeit an Sonn- und Feiertagen allgemein von fünf aus drei Stunden verkürzt werden und unter allen Umständen bis 2 Uhr nachmittags enden. Es sind zunächst hierüber von den Einzelregierungen gutachtliche Aeußerungen ihrer Nachgeordneten Behörden eingesordert worden, die ihrerseits die kaufmännischen Körperschaften befragt haben. Die Erhebungen sind in vollem Gange. Das Material ist zum Teil bereits bei den Einzelregierungen eingegangen und wird
„Ich wars, Margarete, und daß ich nicht mehr sie, die Reine, Heilige, um Vergebung bitten konnte, das nagt an meinem Herzen und bringt mich ins Grab."
Sie schwieg und starrte hochatmend vor sich hin. Morand faßte nach ihrer Hand, doch sie entzog ihm dieselbe erbleichend.
„Gretchen", bat der düstere Mann flehend, „sei lieb und vergib mir, wie auch Hedwig es getan haben würde! Sie ist im Himmel, und ich weiß es, sie betet für mich, daß ich dereinst Vergebung erlange. Gretchen, Kind, habe mich wieder lieb und laß Dich nicht von jenem Weibe betören."
„Sie hat versucht, mich zu töten", murmelte schaudernd das schöne Mädchen. „Nein, ich mag sie nie mehr sehen, mag keinen Menschen mehr sehen, sondern ins Kloster gehen um Deine Schuld zu sühnen und die der Freienbergs."
Laut ausstöhnend preßte sie die-Hände vor das zuckende Antlitz. Sie sah ein anderes Gesicht vor sich, ernst, tiefgebräunt und mit heißem Blicke über sie geneigt. Er hatte ihr gesagt, daß er ohne sie nicht glücklich werden könne, daß sie eines Tages die Seine werden müsse und wußte schon damals, daß sie eigentlich seine Nichte sei. Welche Widersprüche! Wie sollte sich aus dem Labyrinth hinausfinden? Ach ja, im stillen Kloster gabs eine Ruhe, vielleicht auch für sie!
(Fortsetzung folgt.)
— Zu einem eigenartigen Pserdehande l kam es kürzlich auf der Holzauktion in Heidemühl. Ein Bauerhosbesitzer traf dort mit einem Herrn aus Anklam zusammen, und alsbald entspann sich zwischen beiden ein Handel um das Pferd des ersteren. Der Bauer verlangte für sein Pferd den Preis von 450 Mk., der dem Käufer, jedoch etwas zu hoch erschien. Er stellte daher das Ansinnen, den Preis deS Pferdes nach Gewicht festzustellen, und erklärte sich bereit, für daS Pfund 50 Ps. zu zahlen. Das Pferd wurde nun in Anklam gewogen, und dabei ein Gewicht von 1280 Pfund festgestellt, so daß der Käuser 640 Mk. zahleu mußte, also 190 Mk. mehr, als der Verkäufer anfangs gefordert hatte. Der Betrag wurde anstandslos gezahlt.