tung sogar eine Reihe von Verträgen abgeschlossen. Zwischen England und Deutschland bestehe allerdings ein solcher Vertrag nicht, England habe aber allen Grund zu hoffen und zu vertrauen, daß das englische und das deutsche Volk mit jedem Jahre sich freundschaftlich näher kommen würden. Diese Erklärung des Ministers Asquith wurde im englischen Parlamente mit großem Beifall ausgenommen. Auch führte Asquith weiter aus, daß man gewiffe Zwischenfälle und schlimme Combinationen zuweilen noch auf dem internationalen Gebiete befürchte, doch seien sie im höchsten Grade unwahrscheinlich geworden, sogar bezüglich Deutschlands. AuS dieser Erklärung des englischen Ministers geht hervor, daß man in England tatsächlich früher eine Eroberungspolitik von Seiten Deutschlands unter gewissen Umständen und zumal seit den Niederlagen und der Ohnmacht Rußlands befürchtet zu haben scheint, daß aber die andauernde Friedenspolitik des deutschen Kaisers und seiner Staatsmänner den Argwohn Englands in dieser Richtung beseitigt hat. Diese politische Wendung in den Beziehungen Englands zu Deutschland ist mit großer Freude zu begrüßen, denn sie hat nicht nur die Kriegsfurcht zerstreut, sondern auch die Rüstungen und den Ausbau der Flotten in vernünftige und maßvolle Bahnen gelenkt. Die englischen Heißsporne, welche früher bei jedem Bau eines deutschen Kriegsschiffes in Erregung gerieten, haben dabei durch die letzte Parlamentsdebatte über die Abrüstung auch eine Belehrung über ben Stand der Dinge in den Ausrüstungsfragen erhalten, die nur dem Frieden dienen kann. Der Minister Asquith führte nämlich noch aus, daß England kein Recht habe, mit Argwohn oder Furcht die Flottenvergrößerungen der übrigen Großmächte zu betrachten, denn diese Rüstungen entsprächen doch den Bedürfnissen der Großmächte, zumal denen eines Landes, das eine schnellwachsende Bevölkerung habe und Rohstoffe und Nahrungsmittel von allen Seiten herbeiführen müsse, ferner auch seine Grenzen und seinen Handel zu schützen habe. England wünsche deshalb auch gar nicht die Führung in dem Bau von neuen Schiffen zu übernehmen, sondern es sei bestrebt, den Wettbewerb im Baue neuer Schiffe zu verhindern, Englands Stellung zur See sei ja unbestreitbar eine solche, daß seine Vorherrschaft unangreifbar sei und es auch bleiben solle, mit dieser Vorherrschaft zur See stehe und falle England. Aus dieser letzten Erklärung des englischen Ministers geht allerdings hervor, daß England die Vorherrschaft zur See für sich in Anspruch nimmt. England hat aber bisher von dieser Uebermacht nur einen friedlichen Gebrauch gemacht, und es ist auch keiner Macht eingefallen, England diese Vorherrschaft streitig zu machen. Für England wie für jede felbstbewußte Großmacht bleibt daher die beste Politik, den Frieden mit möglichst starken Kräften zu schützen.
Sie Wirren in Mnrvkkn.
Die Absendung weiterer Verstärkungen für das französische Expeditionskorps in Marokko ist nunmehr beschlossene Sache. In der am Montag nachmittag zu Paris abgehaltenen neuen Ministerkonserenz, an welcher Clemenceau, Pichon, Picquart und Thomson teilnahmen, wurde dem Vernehmen nach der bestimmte Beschluß gefaßt, weitere Truppenverstärkungen nach Casablanca abgehen zu lassen. Die Abreise von angeblich 3000 Mann, worunter sich 1200 Mann Senegaltruppen befinden, soll unmittelbar bevorstehen. Dies wäre allerdings erheblich weniger, als bislang über die Höhe dieser Verstärkungen verlautete, denn es hieß immer, 6000 Mann frische Truppen würden nach Marokko geworfen werden. Ob nun die 3000 Mann Verstärkungen den französischen Operationen in Marokko eine entscheidende erfolgreiche Wendung verleihen werden, das bleibt auch noch abzuwarten. Unterdessen ist eine neue Depesche des Generals d'Amade in Paris eingegangen. Sie ist aus dem Biwak Kudia Sidi ben Sliman vom 1. März 8 Uhr abends datiert und meldet, daß der General am 29. Februar Marbut Kudia, im Gebiete der Beni Jussa, erreichte, und den Engpaß Barrebah, den Schauplatz des Gefechtes der Kolonne Taupin vom 16. Februar, durchschritt. Der Engpaß war unbesetzt. Nur einige Schüsse fielen; der Gesundheitszustand der Truppen ist ausgezeichnet.
El Mokri machte heute morgen dem Ministerpräsidenten Clemenceau einen Höflichkeitsbesuch, wobei Clemenceau die Versicherung erneuerte, daß Frankreich keinerlei Hintergedanken habe, Marokko zu erobern. El Mokri erwiderte, sein Besuch in Frankreich habe ihn davon vollkommen überzeugt. Er hege die Ansicht, der Aufstand der Schaujastämme sei auf die Um- triebe von Agenten Mulay Hafids zurückzuführen, und ihre Unterwerfung fei eine Frage der Zeit und der Geduld.
„Sie lieben mich, Herr Graf?" fragte das schöne Mädchen atemlos, „o nein, das ist nicht möglich, Sie hassen mich, die Tochter des Kunstreiters, wie einstmals meine Mutter."
„Ich — Sie hassen, Margarete?" fragte er schmerzlich, und preßte ihre kleine Hand in der seinen, „nie und nimmermehr — ich köunte mein Herzblut vergießen — bis auf den letzten Tropfen, um Sie glücklich zu wissen."
Das junge Mädchen zittterte wie Espenlaub. „Herr Gras, Sie kennen mich kaum, Sie haben mich nur wenige Male gesehen."
„Und Sie glauben nicht an die Liebe auf den ersten Blick? Schon damals, als ich Sie zuerst sah, wie Sie mit Williams auf ungefatteltem Pferde sich produzierten — Sie werden sich dessen nicht mehr entsinnen können, ich aber weiß eS —"
„Weshalb denn haßten Sie meine Mutter?"
„Es ist eine lange, traurige Geschichte, und Sie sollen dieselbe erst später vernehmen — am Tage Ihrer Hochzeit erhalten Sie die Blätter, aus denen die Lebensgeschichte Ihrer unglücklichen Mutter enthalten ist."
„Am Tage meiner Hochzeit! Ich werde niemals heiraten!"
„So sagt jedes junge Mädchen, Margarete, und ich? Soll ich denn mit meinem heißen Herzen untergehen? Wollen Sie denn nicht die Meine sein?"
„Nein", entgegnete sie fest, wennschon mit völlig verfärbten Lippen, „ich kann es nicht, fragen Sie nicht nach dem Grunde, sondern lassen Sie sich an der Tatsache genügen — wir müssen scheiden."
„So wissen Sie — wer ich bin?"
An dem großen, erstaunt aus ihn gehefteten Blicke erkannte Graf Freienberg jedoch sogleich, daß Margarete eS nicht wisse und atmete freier aus.
„Nein" lautete ihre schlichte Antwort, „ich weiß nur Ihren Namen."
„Dann bin ich zufrieden. Leben Sie wohl, gnädiges Fräulein — Fräulein Gretchen, Gott segne Sie — und — vergessen Sie mich nicht —"
Seine zuckenden Lippen hatten ihre schlanken Finger berührt, lange, lange; endlich riß er sich los und eilte hinaus
Aus ]n- und Ausland.
Berlin, den 3. März 1908.
Ihre Kaiserlichen Majestäten unternahmen gestern nachmittag einen längeren Spaziergang im Grunewald. Heute morgen besuchte Se. Majestät der Kaiser den Staatssekretär des Auswärtigen Amts und den Reichskanzler und hörte im Königlichen Schlosse die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des Admiralstabes der Marine,
Die südWest afrikanische Eisenbahn Otavi - Grootfontein, welche von der South West-Asrika Company erbaut wird, hat nach einer an amtlicher Stelle eingetroffenen telegraphischen Meldung ihren Endpunkt Groot- fontein erreicht. Diese Bahn soll in der Hauptsache dem Erztransport aus den bei Grootfontcin teilweise erst noch zu erschließenden großen Kupferlagern dienen. Die neue Bahnlinie hat ebenso wie die Otavibahn eine Spurbreite von 1,06 Meter gegenüber 60 Zentimeter der Bahnlinie Swakopmund-Windhuk.
Die Kaiserin-Witwe von Rußland wurde heute mittag, als sie aus der Reise nach England Berlin passierte, auf dem Schlesischen Bahnhof vom Kaiser Wilhelm begrüßt. Zehn Minuten vor Ankunft des Zuges begab sich der Kaiser, der die Uniform deS russischen Narwa-Dragoner- Regiments trug, nach dem Schlesischen Bahnhof; in seiner Begleitung befand sich auch Prinz Oskar. Der Kaiser betrat hierauf das Fürstenzimmer, in dem sich die Herren der russischen Botschaft unter Führung des Ersten Botschaftssekretärs Murawjew-Apostol, der den Botschafter vertrat, versammelt hatten. Nachdem der Kaiser sich einige Minuten mit den Herren unterhalten hatte, begab er sich, als der Zug signalisiert wurde, auf den Bahnsteig. Wenige Augenblicke später fuhr der Zug ein. Sofort schritt der Monarch auf den Hofwagen zu, begrüßte die Kaiserin-Mutter von Rußland und überreichte ihr ein herrliches Rosenbukett. Nach der Begrüßung begleitete der Kaiser die Kaiserin-Witwe nach dem Salonwagen zurück und verweilte dort 20 Minuten bis zur Abfahrt des Zuges. Nach einer herzlichen Verabschiedung verließ der Kaiser den Bahnhof.
Die Pforte macht jetzt alle Anstrengungen zur Bekämpfung des Bandentreibens in Mazedonien. Zur Verfolgung der Banden ist eine besondere Spezialgarde bestimmt, die zunächst im Bezirke Perlepe gegen griechische Banden operiert. Bei dem Uebcrfalle einer Abteilung dieser Brigade fielen ein Hauptmann und mehrere Soldaten, mehrere andere Soldaten wurden verwundet. Infolgedessen hat der Generalinspektor den Kommandanten des dritten Korpsbereiches beauftragt, ein ganzes Bataillon der neuen Spezialbrigade, das sind 16 Streifdetachements, zur Säuberung 4 des besagten Bezirkes zu verwenden und die Garnison von Tikvesch um zwei Kompagnien zu verstärken.
In den diesjährigen Karneval auf Sizilien hat die Nasibewegung stark hineingefpielt. Die am Sonntag in Syrakus abgehaltene Karnevalfeier gab Anlaß zu heftigen Nasitumulten. Als sich der Maskenzug mit den Karnevalswagen durch die Straßen der Stadt bewegte, stürzte ein großer Volkshaufen unter Vorantragen eines Nasibildnisses sich auf den Maskenzug, warf die Wagen um, verbrannte die karne- valistischen Puppen und suchte die auf der Straße errichteten Karnevalbuden zu zerstören. Die Menge zwang die Stadtmusik, die Nasihymme zu spielen. Zwischen den Demonstranten und den Zugteilnehmern entspann sich ein wildes Handgemenge bis der Erzbischof vom Balkon ^ur Ruhe mahnte. Auf Betreiben des Erzbischofs wurden die gefangenen Tumultuanten freigelassen.
Zur Allensteiner Tragödie.
Zum Allensteiner Morde, dem bekanntlich am 26. Dezember v. I. der Major v. Schöneheck zum Opfer fiel, liegt folgende Meldung vor:
A l l e n st e i n, 2. März. Trotz schärfster Bewachung ist es, wie die Allensteiner Zeitung mitteilt, Hauptmann v. Goeben heute nachmittag, wahrscheinlich zwischen 3 und 4 Uhr, gelungen, sich während des Essens die rechte Halsschlagader zu durchschneiden, so daß beim Eintreffen ärztlicher Hülfe der Tod durch Verbluten bereits eingetreten war.
Allenstein, 3. März. Hauptmann v. Goeben ließ sich gestern nachmittag 3 Uhr das Mittagessen in seine Zelle bringen. Da er stets nur schwachen Appetit hatte, behielt er das Essen gewöhnlich längere Zeit in der Zelle, um in Zwischenräumen etwas zu genießen. So fiel dieser Umstand gestern keineswegs auf. Der vor der Tür der Zelle stehende Posten hatte, seiner Instruktion entsprechend, jede Viertelstunde
Als die Tür hinter ihm zufiel, wars dem ernsten Manne, als höre er ein zitterndes Ausschluchzen drin im Zimmer, aber er hielt nicht iune, er verließ die Villa, als jagten Furien hinter ihm drein.
Erst als das Morandsche Haus außer Sehweite war, blieb er stehen und schlug sich mit der Faust vor die Stirn. „Und ist denn alles aus? Soll ich dies holde Geschöpf nicht mehr sehen und im Schatten des Glückes stehen bleiben — fürS ganze, lange, öde Leben. Nein, Albrecht, nein, es lebt noch ein barmherziger Gott! Ich fühle, daß der Tag kommen wird, an dem ich den Dolch wiederfinde und Gretchen an mein Herz nehme — durch Nacht zum Licht — vorwärts Albrecht, noch ist die Prüfungszeit nicht um!"
„Wir wollen Ende der Woche nach München abreisen" meinte Morand bei Tische ziemlich verdrießlich, „das Klima bekommt mir nicht. Ich habe starke Nervenschmerzen und das Gehen fällt mir schwer.
„Du solltest den Arzt kommen lassen, Papa", bemerkte Gretchen besorgt.
„Wozu, Kind? Er kann mir nichts neues sagen. Mein Rückenmarkleiden geht langsam vorwärts, und kein Arzt der Welt kann ihm Einhalt tun. — Ich habe heute einen Brief bekommen, der mich sehr aufgeregt hat; eine frühere Bekannte schreibt mir, ich würde sie in München Wiedersehen."
„Wer ist denn das?"
„Eine Fürstin Lermanoff, eine schöne Frau, die ich früher sehr vergöttert habe."
„Lebt denn die Dame allein?"
„Ja, sie war einmal nahe daran, sich mit Graf Freienberg zu verloben, doch zog er sich zurück; sie nahm dann den Fürsten Lermanoff. Aber das sind Geschichten aus vergangenen Tagen! Wo ist Williams?"
„Ich suche ihn auch, denn ich wollte ihm sagen —"
„Nun, was denn, ist's ein Geheimnis?"
„Daß ich mich entschlossen habe, ihn zu heiraten, wenn —"
„Ah, das freut mich, liebes Kind I Du erfüllst mir damit einen großen Herzenswunsch, Er liebt Dich nämlich unbeschreiblich.
durch das Guckloch den Gefangenen zu beobachten. Als er nach vier Uhr v. Goeben nicht erblickte, nahm er an, daß dieser sich inS Bett gelegt hätte. Goeben hatte sich jedoch, wie später sestgestellt wurde, auf die Bettkante gesetzt und dabei eine Stelle gewählt, ibie der Posten nicht übersehen konnte. Das stumpfe Tischmesser schärfte v. Goeben an dem Eßgeschirr, schnitt sich dann, aus dem Bettrande sitzend, mit augenscheinlich großer Gewalt den Hals durch. Der Tod muß bei der furchtbaren Verletzung sehr schnell durch Verbluten eingetreten sein, so daß auch, wenn der Selbstmord sofort beobachtet wäre, eine Rettung nicht möglich war. Auf dem Tisch der Zelle fand man zwei Briefe v. GoebenS vor, einer davon an seine nächsten Angehörigen adressiert, der zweite, der wohl für die Militärbehörde bestimmt sein dürfte, ohne Adresse. In diesem Briese legt v. Goeben nochmals ein offenes Geständnis seiner Tat ab. Er hätte, wie er darin angibt, vollkommen unter dem Einfluß der Frau von Schönebeck gestanden. Nach der Tat habe er es selbst nicht begreifen können, wie er sich so weit hinreißen lassen konnte. Es sei ihm dann selbst der Gedanke gekommen, daß er in einem Zustande geistiger Gestört- heit gehandelt hätte. Wenn das der Fall gewesen, so hätte er es für möglich gehalten, weiterleben zu können. Da er nun aber die Ueberzeugung gewonnen habe, daß die Gutachten der Psychiater ihn für geistig normal erklären würden, und er infolgedessen sich wegen Mordes zu verantworten haben würde, so habe er eingesehen, daß er tatsächlich ein Verbrecher sei, und dann die Konsequenz daraus gezogen, daß er nicht mehr weiterleben dürfe, nachdem er dem deutschen Offizierkorps solche Schande gemacht habe.
Durch den Selbstmord des HauptmannS von Goeben wird naturgemäß das gegen seine Mitschuldige Frau von Schönebeck schwebende Verfahren nicht berührt, doch ist kaum anzu- nehmen, daß die Geistesumnacktung dieser Frau, die im Leben zweier Männer eine so verhängnisvolle Rolle gespielt hat, weichen wird und Frau von Schönebeck zur Verantwortung gezogen werden kann.
A l l e n st e i n, 3. März. Die „Allenst. Ztg." berichtet: Frau v. Schönebeck ist nicht nur seelisch, sondern auch körperlich so erkrankt, daß ihr Zustand besorgniserregend ist. Wie ernst die Krankheit ist, beweist der Umstand, daß gegenwärtig noch eine Königsberger Autorität, Professor Lichtheim, zu Rate gezogen worden ist, der gestern bei der Patientin weilte. Die Beerdigung des HauptmannS v. Goeben wird in Allenstein stattfinden.
Bei der Beratung deS Etats der ReichSjustizverwaltung im Reichstage sührte der
Abgeordnete Werner folgendes auS:
Meine Herren, ich werde in meinen Ausführungen lediglich zum Reichsjustizamt sprechen. (Bravo!)
Ich muß zunächst auf einige Ausführungen von gestern zurückkommen. Der Vertreter der polnischen Fraktion, der Herr Abgeordnete Seyda, hat unter anderem auSgeführt, die Justiz erniedrige sich zur dienenden Magd der Politik. DaS ist ebenso wenig wahr wie die weitere Behauptung desselben Herrn Abgeordneten, der HakatismuS beeinflusse in den polnischen Provinzen die Rechtsprechung. Ich meine, gegen derartige schwere Vorwürfe muß man den deutschen Richterstand in Schutz nehmen. (Bravo!)
Der Herr Staatssekrekär deS Reichsjustizamts hat gestern er- klärt, die Vorlage über die Strafprozeßreform gelange im nächsten Winter au den Reichstag. Es ist gewiß erfreulich, daß diese Vorlage endlich das Licht» der Welt erblicken soll. Wir hätten gewünscht, daß eine solche Vorlage schon früher dem Reichstage zugegangen wäre; es ist ppn allen Rednern dieses Hauses gestern und schon in den Vorjahren darauf hingewiesen worden, daß die Strafprozeßordnung und die Zivilprozeßordnung dringend reformbedürftig sei.
Ueber die Gewährung von Tagegeldern an Schöffen und Geschworene hat sich Herr Staatssekretär etwas reserviert geäußert; er hat gesagt, „tunlichst" werde die Justizverwaltung diese Wünsche berücksichtigen. Der Ausdruck „tunlichst" im Munde eines Staatssekretärs erregt bei mir immer großes Bedenken, denn er besagt so gut wie- gar nichts. Möge die Gewährung von Tagegeldern an Schöffen und Geschworene recht bald erfolgen.
Was die reichsgesetzliche Regelung des Strafvollzugs anlangt, so begrüßen wir dieselbe ebenso wie die einheitliche Regelung für entlassene Strafgefangene, wie das gestern mein Freund Bruhn bereits betont hat. Es kommt darauf an, daß man es dem entlassenen Strafgefangenen ermöglicht, wieder in die menschliche Gesellschaft als nützliches Mitglied einzutreten. Ich habe im vorigen Jahre bei diesem Etat nachgewiesen, wie eS so manchem Strafentlassenen unmöglich gemacht wird, wieder dauernde Arbeit zu finden. Ich habe damals an den Streich des HauptmannS von Köpenick erinnert; er hatte die löbliche Absicht, wieder ein ehrenhaftes Mitglied der menschlichen Gesellschaft zu werden; er hatte zu diesem Zwecke bei einem Schuhmachermeister Arbeit genommen, und er hat sich dort gut geführt. Da kam die Polizei und wies den Mann ohne Grund aus. Wenn man diese Leure immer ausweist, dann entzieht man ihnen die Möglichkeit deS Fortkommens und verweist sie wieder auf den Weg des Verbrechens. (Sehr richtig!)
„Schon gut, Vater, ich wills ihm sagen."
Bald darauf standen sich die beiden jungen Leute Hand in Hand gegenüber.
„Hören Sie mich an, Robert Williams", sagte Margarete mit schwankender Stimme, „den Dolch nahm ohne Zweifel ein alter spanischer Bettler, der sich in die Villa einschlich und von Graf Freienberg hinausgewiesen wurde. Suchen Sie den Spanier, bringen Sie mir den Dolch, und zur selben Stunde, da ich Gras Freienberg sein Eigentum zurückgebe, will ich Ihr Weib werden. Und nun gehen Sie! Auf Wiedersehen!"
(Fortsetzung folgt.)
— (EineSchauspielerin derNase beraubt.) In Newyork besuchte eine deutsche Schauspielerin Parsenow eine Hundeausstellung. Sie ließ sich verleiten, einen russischen Wolfshund zu streicheln. Der verstand die Liebkosung falsch und biß der Schauspielerin einen Teil der Nase ab.
— London, 3. März. Der Central-News wird auS Odessa telegraphiert: In der Nähe von Cherson wurde der Gutsbesitzer Dubom, seine Gattin sowie die fünf Kinder deS Ehepaares von bewaffneten Räubern ermordet. Die Verbrecher sind entkommen.
— Chicago, 2. März. Zwei Männer drangen in die Wohnung des Polizeichess Shippy ein und brachten ihm, seinem Sohn und seinem Kutscher durch Revolverschüsse und Dolchstiche schwere Verletzungen bei. Der Polizeiches erschoß einen seiner Angreiser. Man vermutet, die Angreifer seien Anarchisten, die die Tat verübten, um sich an dem Polizeiches wegen seines Vorgehens gegen die Anarchisten gelegentlich der Ermordung des Paters Leo Heinrich am 23. Februar zu rächen.
— Hamburg, 2. März. Auf dem Hamburg-Berliner Personenzug wurde nachmittag zwischen Büchen und Kupfer- mühle ein scharser Schuß abgefeuert. Die Kugel durchschlug das Fenster eines Abteils dritter Klasse, durchbohrte den Hut eines jungen Mädchens nnd zersplitterte dann das gegenüberliegende Fenster. Die Untersuchung ist eingeleitet..