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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 37.
Donnerstag, den 5. März
1908.
Amtlicher teil.
Bekanntmachung.
Am 1. April d. Js. geht die Verwaltung der 4V2%igen Anleihe (Prioritäts-Obligationen I. Emission) der vormaligen Braunschweigischen Eisenbahn-Gesellschaft vom Jahre 1874 auf uns über.
Die Zinsscheine dieser Anleihe werden alsdann eingelöst:
durch die Staatsschulden-Tilgungskassc in Berlin W. 8, Taubenstr. 29,
durch die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) in Berlin W. 56, Markgrafenstr. 46a,
dnrch die Preußische Zentralgenossenschaftskasse in Berlin C. 2, am Zeughause 2,
durch die Reichsbankhauptkasse in Berlin W. 56, Jägerstr. 34, sämtliche Reichsbankhaupt- und Reichsbankstellen und sämtliche mit Kasseneinrichtung versehene Reichsbanknebenstellen,
durch sämtliche preußische Regierungshauptkassen, Kreiskassen und hauptamtlich verwaltete Forstkassen,
durch die Hauptzoll- und Steuerkassen,
durch sämtliche preußische Hauptzoll- und Hauptsteuerämter, durch alle den preußischen Hauptzoll- und Hauptsteuerämtern untergeordneten Amtsstellen der Verwaltung der indirekten Steuern, sofern die vorhandenen Barmittel die Einlösung gestatten,
durch diejenigen Oberpostkassen, an deren Sitz sich keine Reichsbankstelle befindet, sowie durch die Bankhäuser Lehmann, Oppenheimcr u. Sohn in Braunschweig, Mendelssohn u. Co. in Berlin und die Berliner Handels-Gesellschaft in Berlin.
Die Zinsscheine können auch statt baren Geldes i n Zahlung gegeben werden bei allen hauptamtlich verwalteten staatlichen Kassen, mit Ausnahme der Kassen der Staatseisenbahnverwaltung, sowie bei Entrichtung der durch die Gemeinden zur Hebung gelangenden direkten Staatssteuern. Ermächtigt, aber nicht verpflichtet zur Annahme an Zahlungsstatt sind die Reichspostanstalten.
Die Zinsscheine sind den Kassen nach Wertabschnitten geordnet mit einem Verzeichnisse vorzulegen, in welchem Stückzahl und Betrag für jeden Wertabschnitt, Gesammtsumme sowie Namen und Wohnung des Einlieferers angegeben sind. Von der Vorlegung eines Verzeichnisses wird abgesehen, wenn es sich um eine geringe Anzahl von Zinsscheinen handelt, deren Wert leicht zu übersehen und festzustellen ist. Formulare zu deu Verzeichnissen werden bei den beteiligten Kassen vorrätig gehalten und nach Bedarf unentgeltlich verabfolgt. Weniger geschäftskundigen Personen wird auf Wunsch von den Kassen- beamten bei Ausstellung der Verzeichnisse bereitwilligst Hilfe geleistet werden.
Die gekündigten Obligationen werden von dem genannten Tage ab von der Staatsschulden-Tilgungskassc in Berlin eingelöst. Sie können jedoch mit den unentgeltlich
Der ßliickshorf.
Roman von H. von K l i p h a u s e n.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Das werden Sie nicht, Robert, ich selbst will den Grafen fragen —"
„Nimmermehr, Gretchen", schrie der Jongleur außer sich. „Sie sollen jenem Manne fern bleiben, Sie dürfen ihn nicht sprechen — ich will es nicht."
„So?" Und haben Sie denn ein Recht, mir derlei zu verbieten?" rief die junge Dame sich stolz ausrichtend, „ich stehe mit meinem Wort dafür, daß der Graf nichts von Ihrem Dolche gesehen hat —"
»Ich setze ihm die Pistole aus die Brust, bis er mir die Waffe zurückgibt."
«Wenn er weiß, wer dieselbe genommen hat, so wird er mir sagen", entgegnete Gretchen kühl, obwohl ihr Herz in Todesangst pochte, „lassen Sie mich zu ihm —"
„Nein und abermals nein, denn — Sie lieben den Grafen Freienberg."
Sie wurde weiß wie eine Wand und mußte erst ringen, ehe sie die Worte zu einer Antwort hervorzustammeln vermochte.
„Robert, wie dürfen Sie wagen, mir so etwas zu sagen —"
»Aber er haßt Sie wie einstmals Ihre Mutter, er ist solch ein hochmütiger Aristokrat, der alles verachtet, waS keine Krone trägt und kein Wappenschild besitzt. Wollen Sie sich denn demütigen und sich ihm zu Füßen werfen?"
„Niemals", wehrte Margarete unnatürlich ruhig ab, „nur fragen will ich ihn nach dem Dolche, und wenn Sie die Waffe zurückbekommen und in meine Hände gelegt haben — dann — ja dann sei Ihr Wunsch erfüllt, Robert Williams."
Bei seinem lauten Aufschrei des Entzückens schauderte sie zusammen und wandte sich erbleichend ab; er stürzte vor ihr m die Knie, erfaßte ihre Hände und küßte sie leidenschaftlich.
„Sie sind ein Engel, Margarete, mein Engel und mein
abzuliefernden Zinsscheinen nebst Anweisungen auch bei einer der Königlichen Regierungs-Hauptkassen, bei der Königlichen Kreiskasse in Frankfurt a. M. oder einem der oben genannten Bankhäuser eingereicht werden; diese Stellen werden die Effekten der Staatsschulden-Tilgungskassc zur Prüfung vorlegen und nach erfolgtet Feststellung die Auszahlung bewirken.
Berlin, den 15. Februar 1908.
Hauptverwaltung der Staatsschulden, gez.: v. Bischoffs Haufen.
Hersseld, den 2. März 1908.
Die Maurerlehrlinge des Kreises Hersfeld, welche ihre Gesellenprüfung machen müssen, werden aufgefordert, bis zum 15. März d. Js. bei dem Unterzeichneten in Hersfeld sich zu melden und nachstehende Sachen einzuscndcn:
1. Gesuch um Zulassung zur Gesellenprüfung. 2. Einen eigenhändig geschriebenen Lebenslauf. 3. Ein Zeugnis des Lehrmeisters. 4. Ein Zeugnis aus der Volksschule. 5. Ein Zeugnis aus der Fortbildungsschule, wenn dieselben eine solche besucht haben. 6. Den Lehrvertrag oder den Nachweis der Eintragung in die Lehrlingsrolle.
Der Prüfungstermin wird noch mitgeteilt werden. Der Vorsitzende des Prüfungsausschusses für die Maurerlehrlinge im Kreise Hersfeld: Rob. Wölbing, Maurermeister, Hersseld.
nichtamtlicher teil
Reichstag.
Im Reichstage gedachte am Montag Präsident Graf Stolberg vor Eintritt in i& Tagesordnung in kurzen aber herzlichen Worten des 85. Geburtstages des Alterspräsidenten des Hauses v. Winterseld-Menken. Dann wurde die allgemeine Debatte über die „große" Novelle zur Gewerbeordnung und die hiermit zusammenhängende Vorlage, bett, die Regelung der Heimarbeit in der Zigarrenindustrie, fortgesetzt. Es sprachen an diesem Tage noch die Abgeordneten Enders (fr. Volcsp.), Burckhardt (wirt. Vereinig.), Dr. Waumann (fr. Vereinig.), Schiffer (Zentr.), Everling (nat.-lib.), Günther (fr. Volksp.), Stadthagen (soz.-dem.) und Erzberger (Zeiur.) und zwar überwiegend im Sinne der Vorlage. Die Diskussion betraf bc- fonders die Lage in der Heimarbeit überhaupt, wobei namentlich Abg. Naumann die Schattenseiten in der Heimindustrie wirkungsvoll beleuchtete. Er erklärte sich hierbei gegen das angeregte allgemeine Verbot der Heimarbeit, befürwortete jedoch partielle Verbote und vor allem eine Einschränkung der Kinderarbeit. Die Abgeordneten Enders und Güncher hoben mehr die günstigen Seiten der Hausindust ie hervor, Abg. Schiffer forderte Heimarbeiterausschüsse und Abg. Everling suchte die düsteren Ausführungen des Abgeordneten Naumann über die Hausindustrie abzuschwächen. Schließlich gingen die genannten Vorlagen an eine Kommission.
Kleinod! O welches namenlose Glück, Sie zu besitzen! Wie soll ichs Ihnen je genug danken!"
„Indem Sie mir versprechen, nie die Hand gegen den Grasen zu erheben, den ich ebenso hassen will, wie er mich."
Ihre Stimme brach in konvulsivischen Schluchzen, sie eilte aus dem Zimmer und ließ Robert finster brütend zurück. „Soll ich's ihr sagen, daß sie seine Nichte ist? Nein, das Interesse würde sonst steigen; er muß ihr ganz aus den Augen kommen. Also hat er doch wohl den Dolch nicht, sonst würde sie sich nicht seinetwegen opfern; Himmel und Hölle, lerne einer die Weiber gründlich kennen!" —
Direktor Morand war wieder zu sich gekommen, aber noch recht schlechter Laune; das Dienstmädchen erzählte heulend von dem Brand in der Villa, und Morand horchte hoch auf.
„Was soll das heißen?" schrie er empört. „Davon hat mir noch niemand etwas gesagt! Wo ist mein Stock mit dem goldenen Knopf?"
„Nicht da, Herr Direktor, er muß wohl mit fortgenommen worden sein —"
„Ha, was soll das sein? Sind denn Diebe in der Villa gewesen?"
„Müssen doch wohl! Herrn Williams ist auch etwas gestohlen worden; er tobte vorhin ganz wütend herum."
„Oho, da muß ich gleich bei der Polizei Anzeige machen. Der Stock ist kostbar."
An demselben Tage erhielt Gras Freienberg ein in flüchtiger Handschrift geschriebenes Billet von Frauenhand:
„Ich muß Sie bitten, mit mir eine kurze Rücksprache zu halten, ob und wen Sie am Abend des Brandes in unserer Villa angetroffen haben. Um Gottes und aller Heiligen willen enthalten Sie mir nichts vor!
Margarete."
„Mein Liebling, mein Engel, ich komme!" flüsterte der ernste Mann bewegt. „Welche Scelenangst spricht aus diesen wenigen Zeilen! Was ist geschehen, das sie so in Aufregung versetzt?"
Noch in derselben Stunde fand er sich in der Morandschen Villa ein. Margarete empfing ihn allein im Salon mit förmlichem Kopfneigen, ohne ihm die Hand zu reichen, aber
Abgeordnetenhaus.
Am Montag sprachen beim Kapitel „Landgendarmerie" sich die Redner aller Parteien für eine Besserstellung der Gendarmen aus. Eine längere Erörterung knüpfte sich an das Kapitel „Strafanstalten". Einig waren sich die Redner der verschiedenen Parteien darüber, daß der Dualismus in dem Strafvollzüge beseitigt werden müsse. Dem Abg. Rosenow (fr. Vp.), der eine Besserstellung der Anstaltsärzte verlangte und gegen eine Konkurrenz der freien Arbeit durch die Gefängnisarbeit sprach, erwiderte Geheimrat Dr. Krohne, daß das Ministerium mit dem Finanzministerium über eine Besserstellung der Strafanstaltsärzte verhandle. Der Etat des Ministeriums des Innern wurde schließlich bewilligt und sodann noch einige Petitionen erledigt.
Nach langen Wochen ziemlich eintöniger Debatten hatte das Abgeordnetenhaus am Dienstag wieder einen großen Tag: Auf der Tagesordnung stand als erster Gegenstand die Beratung des vom Herrenhaus in abgeänderter Fassung zurückgelangten Gesetzentwurfes über Maßnahmen zur Stärkung des Deutschtums in den Provinzen Westpreußen und Posen. Haus und Tribüne waren überaus stark besetzt und boten ein bewegtes Bild. Nach zweistündiger Debatte wurde schließlich der Gesetzentwurf in seiner zur Beratung stehenden Fassung gegen die Stimmen der Freisinnigen, deS Zentrums und der Polen angenommen.
Mt Htti über Sie MiisiWssriiM in ßuslkck
Im englischen Unterhaufe hat der radikale Abgeordnete Macdonald mieberum ^ eine Interpellation die Abrüstungsfrage für England und die übrigen Großmächte ausgerollt und hat ihm von Seiten der Regierung der Schatzkanzler Asquith eine sehr umfangreiche Antwort erteilt. Macdonald ist bei seiner Interpellation von dem Gedanken ausgegangen, daß die guten Beziehungen, welche England mit allen Großmächten, zumal auch mit Deutschland, unterhalte, zu dem Ziele führen möchten, die gegenseitigen großen Rüstungen zu Wasser und zu Lande einzustellen. Diese Kundgebung des hervorragenden englischen Parlamentsmitgliedes Macdonald ist an sich sehr erfreulich, denn sie bekundet, daß die Mehrheit des englischen Volkes friedlich gesinnt ist und eine Verminderung der Ausgaben für die Flotte und das Heer sehr ernstlich wünscht. Aber auch die Antwort des Schatzkanzlers Asquith darf als eine sehr befriedigende bezeichnet werden. Asquith betonte zunächst, daß England in seinen Ausgaben für die Flotte und das Heer tatsächlich einige Beschränkungen habe eintreten lassen, ferner hob er hervor, daß die diplomatischen Verhandlungen Englands schon seit Jahren den 3k ed verfolgt hätten, gute Beziehungen mit allen Großmächten zu unterhalten und zu befestigen, England habe in dieser Rich-
die großen blauen Augen redeten eine ganz eigene Sprache.
„Herr Gras", bat sie mit bebender Stimme, „wollen Sie mir eine Herzensbitte gewähren? Es liegt mir alles an der Erfüllung derselben!"
„Reden Sie, gnädiges Fräulein! Wenn Sie bitten, kann ich nur gehorchen."
„Haben Sie gestern, als es bei uns brannte, irgend einen fremden Menschen angetroffen, der mit schlechten Absichten hierherkam."
Graf Freienberg war so vertieft in den Anblick dieses süßen Mädchenantlitzes mit den flehenden Augen, daß er beinahe zu antworten vergaß; endlich e-mannte er sich.
„Ja", sagte er langsam, „es war ein alter Spanier, den ich umherschleichen sah und der mir winselnd auswich, als ich ihn fragte, was er hier wolle."
„O, Gott sei Dank, so hat er den Dolch Roberts genommen", schrie Margarete auf in einem so jubelnden Tone, daß der Gras sie aufs höchste erstaunt ansah. „Schnell zur Polizei, man muß auf den Menschen fahnden; er soll Rechenschaft geben, ob er den Dolch und meines Vaters Stock gestohlen hat."
„Margarete", fragte der Gras in sonderbar erregtem Tone, „weshalb ereifern Sie sich derartig? Liegt Ihnen persönlich etwas an jenem Dolche?"
„Nein, aber ich versprach Mr. Williams, daß er die Waffe wieder erhalten solle, und dann liefert er sie Ihnen aus — unter einer Bedingung —"
„Und die ist?"
„Das kann ich Ihnen nicht sagen", murmelte sie gepreßt, „es würde Sie auch nicht interessieren; nur so viel ist sicher, daß ich mein Versprechen an Sie einlösen werde." „Mit meinem Herzblut," setzte sie in Gedanken hinzu und eine Träne schimmerte in dem blauen Auge.
„O, Margarete, sagen Sie mir, welches diese Bedingung ist; ich muß wissen, was Sie bewegt, denn ich — liebe Sie!"
Es war heraus, das verhängnisvolle Wort, und er fühlte, wie die Farbe aus seinem Antlitz wich, aber er konnte nicht zurück.
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