):( Hersfeld, 2. März. Das gestern im Hotel Hohen- zollern veranstaltete Wohltätigkeitskonzert hatte sich eines sehr starken Besuchs zu erfreuen. Der Saal konnte kaum alle Zuhörer fassen. Die gebotenen musikalischen Genüsse waren aber auch des regen Zuspruches wert. Das Männerquartett und die Sopranistin Frl. Schmückte leisteten nur Gutes. Die Begleitung am Klavier durch Herrn Fischer war mustergültig. Reicher Beifall lohnte die Künstler. Mit besonders lebhaftem Beifall ausgenommen wurden die Violin- soli des Herrn B ä r t s ch und die von Herrn W a n k m ü l l e r mit einem prächtigen Bariton vorgetragenen Plüddemann'schen Lieder. Sein Vortrag der Plüddemann'schen Sonate „Jung Dieterich" war eine künstlerisch vollendete Leistung.
):( Hersfeld, 2. März. In dem benachbarten Sieg los gelang es am Sonnabend, drei von aus der Zwangserziehungsanstalt Rengshausen entwichenen 14 Zöglingen festzunehmen. Dieselben hatten in dem Dorfe mehrere Diebstähle begangen und dann in der Richtung nach Hünfeld ihren Weg fortgesetzt. Durch rechtzeitige Benachrichtigung des Gendarmen in Neu- kirchen durch den Herrn Bürgermeister in Sieglos gelang es, die Flüchtlinge aus der Landstraße hinter Sieglos festzunehmen und dem Amtsgerichtsgefängnis hierselbst zuzuführen.
):( Hersfeld, 2. März. Gestern abend gegen 9 Uhr brach in einem Stallgebäude in der Johannisstraße ein Brand aus. Glücklicherweise wurde derselbe von Hausbewohnern rechtzeitig bemerkt und durch tatkräftiges Eingreifen der Nachbarschaft gelöscht.
Casfel, 2. März. In der Nacht zum Sonntag hat nach vorangegangenem Streite ein italienischer Arbeiter einen Mitarbeiter in Weimar bei Casfel erstochen. Der flüchtige Täter wird von der Polizei eifrig gesucht.
Casfel, 1. März. Ein tödlicher Unglücksfall hat sich in einem Hause der Judengasse ereignet. Die Frau eines Arbeiters, die schon siebzig Jahre alt ist, stürzte so unglücklich die Treppe hinab, daß sie eine schwere Verletzung des Schädels erlitt, woran sie nach kurzer Zeit starb.
Casfel, 2. Februar. Eine verwegene Flucht unternahmen am vergangenen Freitag 14 in der Zwangserziehungsanstalt Rengshausen untergebrachte im Alter von ungefähr 18 Jahren stehende junge Leute. Sie waren mit Feldarbeiten beschäftigt, bei denen sie von zwei Aufsehern bewacht wurden. Plötzlich fielen alle vierzehn über die Aufseher her und warfen sie zur Erde und bearbeiteten sie mit Hacken und Messern. Blutüberströmt blieben die Aufseher liegen, während die Zwangszöglinge die Flucht ergriffen. Ehe diese in Rengshausen bekannt war, waren die Ausreißer bereits über alle Berge. Sehr behindert wurden sie dadurch, daß die Holzschuhe, die sie trugen, mit Ketten aneinander befestigt waren, da es sich um sog. „schwere Jungen" handelte. Kurz entschlossen ließen sie die Holzschuhe nach einigen hundert Metern einfach auf dem Felde stehen und setzten so die Flucht fort. Nachdem nun die Flucht bemerkt worden war, spielte natürlich sofort der Telegraph nach allen Richtungen. Es wurde bald festgestellt, daß, während neun Flüchtlinge die Richtung nach Gießen resp. Frankfurt, wo sie beheimatet sind, eingeschlagen hatten, sich die anderen fünf nach Cassel gewandt hatten.
Fulda, 28. Februar. Der Reichstagsabgeordnete Müller- Fulda hat die Raiffeisen-Genossenschaft der Kreise Fulda, Gersseld und Hünfeld mobil gemacht, um gegen die wieder üppig ins Kraut schießende Güterschlächterei energisch Stellung zu nehmen. Dieserhalb ist auf den 8. März d. Js. eine Vertreterversammlung in den „Harmonic"-Saal nach Fulda berufen worden die zunächst den Weck hät, geschlossen gegen die gewerbsmäßigen Güterhändler vorzugehen, um so den An- und Verkauf des ländlichen Grundbesitzes in gesunde Bahnen zu lenken und manche bedrohte Existenz noch zu retten. Außer dem Abg. Müller wird auch der Verbandsanwalt Rexerodt-Cassel in jener Raiffeisenmännerversammlung sprechen.
Hofgeismar, 29. Febr. Ein Kapitulant des rheinischen Dragoner-Regts. Nr. 5 hat sich heute in seiner Stube erschossen. Der Mann, der im vierten Jahre beim Regiment diente, hatte eine Differenz mit einem Vorgesetzten gehabt, weshalb er heute dem Regimentskommandeur vorgestellt werden sollte. Ein Sergeant, der ihn abholen wollte, fand die Stubentür verschlossen. Als man die Tür mit Gewalt öffnete, fand man den unglücklichen Menschen erschossen vor. Er hatte sich mit seinem Karabiner in den Mund geschossen, sodaß der Schädel auseinander gesprengt wurde.
Hanau, 29. Februar. Unter dem Verdachte des Mordversuchs gegen den Direktor Schröder von der Tonwarcnfabrck in Neuenhaslau bei Gelnhausen mürbe der Steinsormer Karl Biek von dort in das hiesige Untersuchungsgefängnis eingeliesert.
Vacha, 2. März. Hier hat sich vorgestern Abend spät ein Eisenbahnunfall ereignet. Ein einfahrender Güterzug rannte
auf einen im Geleise haltenden Teil eines Rangierzuges mit voller Wucht auf. Der Anprall war so heftig, daß der Lokomotivführer von der Maschine stürzte und sich schwere Verletzungen am Oberkörper zuzog, der Lokomotivheizer stürzte mit voller Wucht auf das Kohlenlager im Tender, doch kam er mit geringen Quetschwunden davon. Die Lokomotive und mehrere Güterwagen wurden beschädigt.
Frankfurt a. M, 1. März. Heute nachmittag spielte in der Dreikönigstraße der 18jährige Ausläufer Bastion Boländer mit einem Revolver. Die Waffe entlud sich und Boländer stürzte, durch einen Schuß in das Herz getroffen, nach wenigen Schritten tot auf die Straße.
Frankfurt a. M., 1. März. Gestern abend erschoß in der Sandhosstraße 24 die in den 40er Jahren stehende Marie Landauer ihren Mann aus Eifersucht. Darauf verübte sie einen Selbstmordversuch, indem sie sich einen Schuß in die Herzgegend beibrachte. Sie mußte im städtischen Krankenhaus sofort operiert werden, doch ist sie lebensgefährlich verletzt.
Frankfurt a. M., 28. Februar. Der Festplatz für das im Juli stattfindende deutsche Turnfest ist ideal gewählt. Es ist nicht allein die Lage dicht am Hauptbahnhof und an der Grenze des schönsten Viertels der Stadt, die bequeme Verbindung mit allen Stadtteilen, die weite freie Fläche, die Raum für alles und für alle bietet. Noch wichtiger ist, daß im Juli die größte und sicher auch schönste Festhalle des Festlandes als Mittelpunkt all des bunten Lebens zur Verfügung stehen wird. Schon ragen über dem gewaltigen Mauerwerk schlanke zierliche Eisengewölbe empor, die sich zur mächtigen Kuppel zusammenschließen sollen. So rasch wird die Arbeit gesördert, daß bie Weihe des Hauses zugleich mit den Julisesten vollzogen werden kann. Wie gewaltig groß der Festplatz ist, geht daraus hervor, daß die große Festhalle, die über 15 000 Personen saßt, nur eine bescheidene Ecke ausfüllt. Der Platz für die Freiübungen mit seinen 49,500 Quadratmetern ist fast zehnmal größer und auch der anstoßende Geräteturnplatz umfaßt immerhin 11,300 Quadratmeter. An diese Plätze schließen sich drei große Wetturnzelte entlang der Emserstraße. Den ganzen Platz aber übersieht man von einer großen Tribüne, auf der auch der Kommandoturm angeordnet ist Natürlich sind auch Vorkehrungen getroffen, daß keiner von den 50 000 Turnern und den 100 000 Zuschauern verhungert und verdurstet. Der Wirtschaftsausschuß hat auf ein tüchtiges Stück des verfügbaren Raums Beschlag gelegt,
Frankfurt a. M., 28. Februar. Das Bismarckdenkmal, das vor dem Schauspielhause seinen Platz findet, wird am 10. Mai d. Js. enthüllt, dem Tage, an dem Bismarck hier den Frieden mit Frankreich unterzeichnete. Das Denkmal ist ein Werk von Siemering und wurde nach dessen Tod von dessen Schülern unter Aufsicht von Manzel fertiggestellt.
Büdingen (Oberhessen), 27. Februar. Großes Aufsehen sowohl in hiesiger Stadt wie in ganz Oberhessen erregt der Zusammenbruch des Bankhauses Max Wertheimer u. Co. (Inhaber Hofrat Rotschild) dahier. Die Passiven werden aus 1 Mill. Mk. geschätzt, die Aktiven sollen gering sein. In Mitleidenschaft gezogen sind Gemeinden, Vereine, Private, Beamte, Pfarrer usw. Eine Großfirma in Schotten soll 250 000 Mk. verlieren, ebenfalls soll ein oberhefsischer Vorschußverein mit einer beträchtlichen Summe in Mitleidenschaft gezogen sein. Mitglieder der sürstlich Isenburgischen Familie in Büdingen erleiden ebenfalls Verluste. Auch die Stadt Büdingen hat mit dem verkrachten Bankhause in Rechnung gestanden und erleidet etma 90'000 Mk. Verlust. Als Deckung sind wertlose Papiere vorhanden. Bürgermeister Knaf wurde vom Amte suspendiert und der Beigeordnete mit der Führung der Geschäfte betraut. Der Bankkrach wird leider noch weitere Kreise ziehen. Gestern weilte der Staatsanwalt aus Gießen hier, der die Bücher der Bankfirma beschlagnahmte. Der Inhaber des Geschäftes, Hofrat Rotschild, ist verschwunden.
Hann. Münden, 28. Februar. Gestern abend 10 Uhr fiel der 27 Jahre alte Schiffer Bliesert beim Ueberschreiten eines schmalen Brettes, das von einem Dampfer nach dem Lande führte, in die Fulda. Bliefert geriet unter das Schiff und ertrank. Er hinterläßt eine Frau und drei kleine Kinder.
vermischter.
— (Eine ganze Familie ertrunken.) Bei dem Orte Kuschern im Kreise Guben schlug auf der Oder der Kahn des Baggermeisters Lenz um. Lenz, seine Frau und sein sechsjähriger Sohn ertranken.
— Bremen, 29. Februar. Der deutsche Dampfer Schwalbe von der Bremer Dampfschiffahrts-Gesellschast Argo mit einer Ladung Bohlen auf der Reise von Boston nach Dünkirchen begriffen, kollidierte in einer Entfernung von etwa 15 Meilen von Sunk-Fcuerschiff mit dem englischen Dampfer
Warrenpoint infolge eines falschen Manövers des letzteren. Der englische Dampfer fank etwa eine halbe Stunde nach der Kollision, und es wurde dessen Besatzung, bestehend ans dem Kapitän und 6 Mann, von der Mannschaft des Dampfers Schwalbe gerettet. Der Dampfer Schwalbe erlitt einen zweimaligen Bruch des Vorderstevens und wird zur Reparatur nach hier gebracht.
— (Eine glücklich angewandte Höflichkeitsphrase.) Einer der bekanntesten Industriellen Wiens wollte kürzlich, wie wir im Wiener Fremdenblatt lesen, seinen Gästen ein wenig Meßchaert-Kunst bieten und bat den Sänger zu sich. Die Honorarangelegenheit war bald in der diskretesten Weise geordnet: Ein Kuvert mit 600 Kronen. Programm: Vier Lieder. Meßchaert sang, und es gab nach jedem Lied grandiosen Beifall. Nach der letzten Nummer wollte der Applaus überhaupt kein Ende nehmen. Darauf der Hausherr hocherfreut zum Künstler: „Sie hören den Applaus! Möchten Sie nicht, verehrter Meister, etwas zugeben?" Daraus unser Sänger: „Nach Ihnen, verehrter Hausherr!"
— Folgendes lustiges Geschichtchen wird der „Voss. Ztg." aus Sachsen mitgeteilt: Ein Gutsbesitzer fuhr mit einigen Wagen Roggen in die Stadt Bautzen zu Markte. Nachdem er das Getreide verkauft und die leeren Wagen nach Hause geschickt hatte, kehrte er mit dem gelösten Gelde in einen Gasthof ein, wo er einige Bekannte traf. Als die Herren mehrere Kannen des edlen Gerstensaftes genossen hatten, begannen sie Billard zu spielen. Bei den immer höher werdenden Einsätzen wurde das Spiel immer fesselnder und währte bis zum nächsten Morgen. Der Gutsbesitzer hatte nicht nur" sein Geld, sondern auch seine beiden Pferde nebst Wagen verspielt. Da erschien aber der Retter in der Not. Die Frau des Unglücklichen, die, nebenbei bemerkt, die Tochter eines Hotelbesitzers aus Dresden ist und die edle Kunst des Billardspiels früh erlernt hat, trat ganz erzürnt in das Billardzimmer, und nachdem sie sich über den Verlust ihres Gatten unterrichtet hatte, ergriff sie das Queue und forderte die Gewinner aus, mit ihr weiter zu spielen. Um sich nicht zu blamieren, mußten diese das Anerbieten annehmen, und zwar bei noch bedeutend höheren Einsätzen. Nach etwa zwei Stunden hatte die Spielerin alles Verlorene wiedergewonnen, und ohne ein Wort weiter zu sagen, nahm sie ihren verblüfften Mann an der Hand, führte ihn zu der wieder gewonnenen Equipage und fuhr mit ihm nach Haufe. — Wie aber die darauf folgende Gardinenpredigt ausgefallen sein mag, blieb ein Familiengeheimnis.
Letzte Nachrichten.
Cöppenstein, 1. März. Am Samstag wurde durch den Luftdruck einer gewaltigen Staublawine das Hotel der Bauunternehmung des Lötschbergtunnels weggerissen. 11 Personen wurden getötet, darunter zwei Kinder. Verletzt wurden 12 Personen, unter ihnen mehrere schwer. Das Hotel war ein auf einem Steinfundament ruhender Bretterbau. Das Unglück ereignete sich, als man sich zu Tisch setzen wollte. Der Bau brach wie ein Kartenhaus zusammen. Die Installation für den Tunnel hat nicht gelitten
Paris, 1. März. In einer am 19. v. Mts. in Sauk es Drin aufgegebenen Depesche benachrichtigt General D'Amade den Kriegsminister, daß er sich nach Sauk el Drin begeben habe. Die Operationen seien unter dem Schutz von Bedeckungen von Truppen verschiedener Waffengattungen erfolgt. Die Kavallerie sei von einer Abteilung der Medakras, und zwar Infanterie und Kavallerie, mit Heftigkeit angegriffen worden und habe nach einem ernsten Gefecht einen Vorstoß unternommen. Der Feind sei zurückgetrieben worden. Hierbei habe es auf französischer Seite 10 Tote, darunter zwei Unteroffiziere und 23 Verwundete gegeben, unter diesen zwei Osfiziere und zwei Unteroffiziere. Nach Vernichtung des Gegners habe ihn General D'Amade sieben Kilometer verfolgt und ihm bedeutende Verluste zugefügt. Hierbei seien ein Zuavenunter- offizier und zwei Algerier gefallen und 13 Zuaven verwundet worden. Der Kamps habe von 8 Uhr früh bis nachmittags gedauert.
Bochum, 1. März. Die Kriminalpolizei verhaftete einen Postassistenten, der aus einem Geldbrief 8000 Mark gestohlen und dafür einen mit Papierschnitzel gefüllten Brief unterschoben hatte. Der Verhaftete ist geständig.
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