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Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, va

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herrsel-er Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. S5.

Sonnabend, den SS. Februar

1908.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 24. Februar 1908.

Im Verlage von Behrend und Comp. Berlin W. 64, Unter den Linden 16, erscheinen die Monatsblätter für die Arbeilerversicherung, herausgegeben von Mitgliedern des Reichs­versicherungsamts zum Preise von 1 Mark für den Jahrgang von 12 Nummern. Der Preis ermäßigt sich, wenn mindestens 100 Exemplare aus einmal bezogen werden, nach Vereinbarung mit der Verlagsbuchhandlung. Einzelne Nummern kosten Psg. Bestellungen nehmen außer dem Verlag alle Buch­handlungen und Postämter entgegen.

Der Bezug dieser Monatsblätter empfiehlt sich nicht nur für Versicherungsträger, sondern auch für Versicherte.

I. 2042. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil

Politischer Wochenbericht.

Unter den Fragen der innern Politik Deutschlands dürfte sich zurzeit kaum eine an Bedeutung mit der Frage der Reichsfinanzreform messen können. Hier liegt der eigentliche und wahre Prüfstein für die Befähigung des Blocks, praktische Politik zu treiben. Die Ernennung des bisherigen Unterstaatssekretärs im Reichspostamte S y d o w, eines mit vollster Frische, Rüstigkeit und Arbeitsenergie austzestatteten Mannes, zum Staatssekretär des Reichsschatzamtes deutet zweifelsohne den festen Entschluß der Reichsregierung an, auf diesem Gebiete endlich einmal ganze Arbeit zu leisten. Bis weit in die freisinnigen Kreise hinein gibt man zu, wie dies erst neuerlich der freisinnige Bremer Reichstagsabgeordnete Hormann in der Oeffentlichkeit festgestellt hat, daß durch Steuern auf Tabak und Branntwein keine notwendigen Lebens­mittel getroffen werden, aber bei der Menge sind diese Steuern nun einmal unpopulär, und da anderseits die Menge bei Wahlen den Ausschlag gibt, so gilt es, solche Steuervorschläge im Parteiinteresse abzulehnen.

Durch das von dem österreichischen Minister des Aus­wärtigen Freiherrn v. Aehrenthal angekündigte Projekt der österreich-ungarischen Sandschakbahnist dieBalkan - frage wieder in lebhaften Fluß gekommen. Auch während der Berichtswoche bildete sie mehrfach den Gegenstand be­merkenswerter Ausführungen und Kundgebungen. Während der deutsche Botschafter in England, Graf Wolff-Metternich, aus dem Bankett der Londoner Handelskammer vorbehaltlos das gute Recht Oesterreichs bei feiner geplanten wirtschaftlichen Erschließung des europäischen Orients anerkannte und solchem Vorgehen den Ausdruck vollster Sympathie spendete, war die Haltung, welche die englischen Staatsmänner bei den über diese Angelegenheit stattgehabten Debatten im Ober und Unterhause einnahmen, doch eine wesentlich andere. Zwar sahen auch sie sich genötigt, die formelle Berechtigung des Vorgehens Oester- reichs-Ungarns sowie den rein wirtschaftlichen Charakter der geplanten Unternehmung anzuerkennen, gleichzeitig aber glaubten sie doch auch wiederum den gegenwärtigen Zeitpunkt für ein Sonderabkommen mit dem Sultan als schlecht gewählt be­zeichnen zu müssen. So läßt es sich nicht leugnen, daß zurzeit in dem Konzert der europäischen Mächte eine gewisse Un­stimmigkeit herrscht, die hoffentlich bald beseitigt sein wird.

In Rußland ist wie durch ein Wunder der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch einem Attentat entronnen. Im An­schlüsse hieran haben zahlreiche Verhaftungen stattgefunden, und man hofft, das Hauptnest der Terroristen damit ausge­hoben zu haben. Unter den am Attentate Beteiligten befinden sich ein Italiener, drei Juden und acht junge Mädchen. Es drängt sich angesichts solcher Ereignisse immer wieder die Frage auf, ob denn nicht internationale Vereinbarungen möglich sind, um diese Mörder aus Prinzip unschädlich zu machen. Ein Asylrecht ist solchen Bestien in Menschengestalt gegenüber doch wahrhaftig nicht am Platze. Die letzte terroristische Ver­schwörung in Rußland aber hat wenigstens daS eine Gute gehabt, daß durch sie die dritte Duma veranlaßt wurde, öffent­lich und nachdrücklich ihrem Abscheu vor dem politischen Morde Ausdruck zu geben, was bekanntlich die erste wie die zweite Duma zu tun ablehnte. Man darf hierin wohl mit Recht ein erfreuliches Symptom des sich anbahnenden politischen unb moralischen Gesundungsprozesses erblicken.

Von jenseit des Ozeans drang kürzlich Säbelgerassel her­über. Der amerikanische Kriegssekretär Tast hat in der Stadt Concord eine Rede gehalten, auS der nicht undeutlich Drohungen gegen Japan hervorklangen. So scheint der japanisch-nordamerikanische Konflikt wieder eine Verschärfung erfahren, zu wollen. Sollte es wirklich doch zu dem großen Völkerringen im Stillen Ozean kommen, das sich nun schon seit längerer Zeit in unheilvollem Grollen ankündigt, oder wird das Gewitter auch diesmal wieder vorüberziehen? Wir können im Interesse der Humanität und Zivilisation nur von Herzen das Letztere wünschen, aber freilich, die Geschicke der Völker vollziehen sich unbeirrt von solchen Wünschen und

Empfindungen, und hart und gefühllos rollen in unablässigem Spiel die Würfel der Geschichte weiter.

Reichstag.

Der Reichstag erledigte am Mittwoch zunächst den Rest des Etats des Reichsjustizames in unerheblicher Debatte und beschäftigte sich dann mit Wahlprüfungen. Hierbei entwickelte sich eine lange und lebhafte Debatte über die Wahl des frei­sinnigen Abgeordneten in Saalfeld-Sonneberg, gegen welche von sozialdemokratischer Seite wegen angeblicher Wahlbe­einflussung durch Bürgermeister Protest eingelegt worden war; die Wahlprüfungskommission beantragte Beanstandung der Wahl. Die Diskussion gestaltete sich hauptsächlich zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen den sozialdemokratischen und den freisinnigen Rednern und endete mit Annahme des Kommissionsantrages auf Beanstandung der Wahl des Abge­ordneten Enders. Eine weitere Debatte rief die Wahl des Zentrumsabgeordneten Becker im Arnsberger Wahlkreise hervor, bei deren Erörterung der nationalliberale Abgeordnete Everling mit dem Zentrumsredner Gröber tüchtig zusammengeriet. Die Wahl Beckers wurde dem Kommissionsantrage gemäß für gültig erklärt. In der Budgetkommission des Reichstages sind augenblicklich ausgedehnte kolonialpolitische Verhandlungen über Deutsch-Ostafrika im Gange, bei denen der Staatssekretär Dernburg am Dienstag und Mittwoch sein Programm für dies wichtigste deutsche Schutzgebiet entwickelte.

D^ Reichstag beschäftigte sich am Donnerstag zunächst mit der Gewerbeordnungsnovelle betr. den sog. kleinen Be­fähigungsnachweis. Staatssekretär ^ Bethmaun-Hollweg er­öffnete die Diskussion mit folgenden Ausführungen: Die Einführung des kleinen Befähigungsnachweises entspricht einem alten Wunsche des Handwerks und seiner Freunde. Harren auch noch zahlreiche andere Wünsche des Handwerkerstandes ihrer Erfüllung, so tut man diesen dennoch den größten Dienst, wenn man die vorliegende Materie, die ich für spruchreif halte, ohne Verquickung mit anderen Fragen verabschiedet. Die Tendenz des vorliegenden Entwurfes ist klar: sie stellt den Grundsatz auf, daß nur der lehren soll, der selbst gelernt hat. Mit künstlerischen Bestrebungen hat die Frage nichts zu tun, sie bewegt sich lediglich auf erzieherischem Gebiete. An der Heranbildung eines guten Nachwuchses im Handwerk hat die Allgemeinheit ebenso großes Interesse wie der Handwerkerstand selbst. Den Einwurf, der vorgeschriebene Lehrgang biete keine sichere Garantie für die Ausbildung des späteren Lehrherrn, kann man mit demselben Grunde auf allen Gebieten erheben. Der kleine Befähigungsnachweis wird zudem eine weitere Hebung des Standesbewußtseins bewirken. Wir hoffen, daß diese Vorlage, die allgemeine politische Gegensätze nicht berührt, in diesem hohen Hause freundlich ausgenommen werden wird. Im Namen der Konservativen erklärt Abg. Malkewitz volle Zustimmung zu den Ausführungen des Staatssekretärs und wünscht, daß es nicht bei diesem Flicken auf dem Rock des Handwerkerstandes bleiben, sondern zu einer völligen Neube­arbeitung der Gewerbeordnung kommen möge. Redner bean­tragt Verweisung der Vorlage an eine Kommission von 28 Mitgliedern. In ähnlicher Weise sprechen sich die Abg. Euler (Ztr.) und Linck (natl.) im Namen ihrer Partei für die Vor­lage aus, während Abg. Albrecht (Sozd.) den Gesetzentwurf als einen Eingriff in die Gewerbefreiheit bekämpft.

Her hroliendt ,...../ im BauMrbe.

Im deutschen Baugewerbe kriselt's wieder einmal, die Gegen­sätze zwischen dem Verbände der Arbeitgeber und den Organi- sationen der Arbeitnehmer haben sich erneut derart verschärft, das der Ausbruch eines schweren Konfliktes immer wahrschein­licher wird. Schon seit längerer Zeit sind die Arbeitnehmer des Baugewerbes mit Forderungen von Lohnerhöhungen und entsprechenden Kürzungen der Arbeitszeit an die Unternehmer herangetreten, letztere machten indessen Schwierigkeiten, wobei sie namentlich daraus Hinwiesen, daß ja speziell die Maurer schon jetzt mit zu den bestbezahltesten Arbeiterkategorien Deutsch­lands gehören. Es wurden dann Berständigungsverhandlungen zwischen den beiden Parteien begonnen, und zwar zunächst für das Gebiet des mitteldeutschen Arbeitgeberverbandes des Bau­gewerbes, welche Verhandlungen in Frankfurt a. M. spielten. Aber sie ließen bereits die klaffenden Gegensätze in den An­schauungen der beiden Parteien erkennen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vermochten sich nicht zu einigen, und schließlich mußten die Frankfurter Verhandlungen abgebrochen werden. Inzwischen hat der Gesamtverband der Arbeitgeber im deutschen Baugewerbe feine Generalversammlung in Hannover abgehalten, in welcher die derzeitige Lage eingehend erörtert wurde. Die Verhandlungen in Hannover sind nun der Erhaltung des Friedens im deutschen Baugewerbe leider ebenfalls nicht förder­lich gewesen, vielmehr hat durch sie die Situation eine weitere Verschärfung erfahren. Denn der von der Hannoverschen Versammlung gefaßte Beschluß geht dahin, daß an dem vom Arbeitgeberbund auf seiner letzten Generalversammlung in Berlin

ausgestellten Normaltarif und dem angenommenen Vertrags­muster, das jede Lohnerhöhung und jede Arbeitszeitverkürzung unter zehn Stunden auSschließt, nichts geändert werden darf, und daß, falls die im Frühjahr ablaufen^ i und zu erneuernden Verträge auf der Basis dieses Vertragsmr '"ers nicht zustande kommen sollten, am 1. April d. I. die Baugeschäfte sämtlich geschlossen werden. Ausgeschlossen sind diejenigen Orte, wo Tarifverträge bestehen.

Die zuletzt ausgesprochene Einschränkung hat nicht viel zu bedeuten, denn in den allermeisten Bezirken laufen die Verträge am 31. März ab. Die Arbeitgeber haben schon seit langem alle Schritte vorbereitet, um die Stillegung der Bauten mög­lichst vollständig durchzuführen. Mit den Lieferanten sind Vereinbarungen getroffen worden, um nötigenfalls die Material­sperre zu verhängen. Die einzelnen Bezirksverbände haben sich gegenseitig verpflichtet, keine Arbeiter aus Streikgebieten einzu- stellen. Schließlich hat die Generalversammlung der Arbeit­geber auch den Beschluß gefaßt, daß bei eintretender Arbeits­einstellung den beteiligten Bezirken und Orten nach jeder Richtung hin die weitgehendste Unterstützung gewährt werden soll. Hoffentlich gelingt es, den Kampf noch in letzter Stunde abzuwenden. Die Folgen der Generalaussperrung würden für das Baugewerbe wie für alle damit in Verbindung stehenden Gewerbe wirtschaftlich unabsehbar sein. Es kämen weit über 100 000 Arbeiter nebst ihren Familien in dem drohenden wirtschaftlichen Kampfe in Betracht, und nur den wenigsten von ihnen dürfte es gelingen, bei Verkündigung der General­sperre Beschäftigung in anderen Gewerben zu finden, besonders, wenn man berücksichtigt, daß die bisherige wirtschaftliche Hoch­konjunktur in Deutschland und die hiermit verbundene reichliche Arbeitsgelegenheit abzuflauen beginnt. Aber die Wirkungen eines solchen Machtkampfes zwischen den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern des Baugewerbes würden sich über die Kreise der letzteren noch weit hinaus erstrecken und auch zahlreiche andere Existenzen mittelbar oder unmittelbar bedrohen. Schon im Hinblick hierauf muß man darum dringend wünschen, daß bis zum 31. März doch noch eine Verständigung zwischen Unternehmertum und Arbeiterschaft im Baugewerbe zustande kommt, ganz abgesehen davon, daß die vom Arbeitgeberbunde ins Auge gefaßte Generalaussperrung eine beklagenswerte tiefe Verbitterung in den Schichten der Arbeiterschaft zurücklassen würde.

Aus ]n- und Ausland.

Berlin, den 27. Februar 1908.

Seine Majestät d er Kaiser empfing gestern mittag den früheren Staatssekretär des Reichsschatzamts Frhrn. v. Stengel. Zur Frühstückstafel bei Ihren Majestäten waren geladen Gräfin Carmer, Gräfin Metternich, Graf und Gräfin Czernin. Nach der Abendtafel waren zum Thee geladen Geh. Rat Pros. Slaby und Hofmarschall a. D. Frhr. v. Egloffstein. Heute morgen sprach Seine Majestät der Kaiser beim Staatssekretär des Auswärtigen Amts und danach beim Reichskanzler vor und hörte im Königlichen Schlosse die Vor- träge des Inspekteurs der Verkehrstruppen und des Komman­deurs des Lustschifferbataillons, des Stellvertreters des Kriegs­ministers, des Chefs des Generalstabes der Armee, des Chefs des Militärkabinetts und des Generalinspekteurs der Kavallerie. Heute abend findet bei Ihren Majestäten anläßlich Höchstderen Hochzeitstages eine größere Tafel statt.

Der Senioren-Konvent des Reichstages beschloß, falls die notwendigen Arbeiten bis dahin erledigt werden, im Mai eine Vertagung bis zum Herbst eintreten zu lasten. Die Osterferien sollen am 10. April beginnen.

Die Verjüngung der deutschen Armee schreitet fort. Seit einem Jahre sind allein in Preußen sieben neue kommandierende Generale ernannt worden. Die verabschiedeten Generale hatten lautKöln. Ztg." ein mittleres Lebensalter von 5972 Jahren, während die französische Altersgrenze 65 Jahre beträgt und unsere 1870 ins Feld rückenden komman­dierenden Generale durchschnittlich 62 Jahre zählten. Die deutschen Divisionskommandeure zählen im Mittel 56 Lebens­jahre gegen 61 in Frankreich. Ungünstiger liegen die Ver­hältnisse in den mittleren und unteren Dienstgraden.

Das preußische Herrenhaus beschäftigte sich in seiner Sitzung am Mittwoch, der auch der Kronprinz in der Hofloge beiwohnte, mit der dritten Lesung der Ostmarkeuvor- lage. Die Beratung wurde eingeleitet mit einer Rede des Landwirtschaftsministers v. Arnim, der erklärte, daß die Re­gierung in den Kommissionsbeschlüssen ein brauchbares Mittel nicht erblicken könne, und bat das Haus, den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses beizutreten. Die Herren Adickes und Schmoller schlugen eine Fassung vor, die sich den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses annähett. Graf Mirbach ivanbte sich entschieden gegen die Enteignung. Oberbürgermeister Wilms- Posen erklärte, daß er gegen die Enteignung keine Bedenken habe, dagegen machte der frühere Landwirtschaftsminister Frei­herr von Lucius Bedenken geltend. Dann nahm Fürst Bülow das Wort, um darzulegen, daß nach Ansicht der Staatsre­gierung allenfalls die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses noch genügend seien, um die Ansiedlungspolitik fortzusetzen. Er