Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Na
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile 10 pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.vs^n»^
Herrsel-er Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt“ und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 34.
Donnerstag, den 37. Februar
1908.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 22. Februar 1908.
Von der Kaiserlichen Biologischen Anstalt für Land- und Forstwirtschaft zu Dahlem bei Steglitz ist ein Flugblatt Nr. 43 betitelt „Die Kleeseide" herausgegeben worden, das für Behörden, Körperschaften und Vereine, sowie in einzelnen Abdrücken auch für Privatpersonen durch die genannte Anstalt unentgeltlich bezogen werden kann.
Interessenten des Kreises können durch meine Vermittelung dieses Flugblatt beziehen.
I. 1993. Der Königliche Landrat.
I. V.:
T h a m e r.
Bekanntmachung.
Zum Eintritt in die Schutztruppe für Südwestafrika können sich Mannschaften der gesamten Reserve — in erster Linie solche, die der Schutztruppe bereits angehört haben — und zwar Handwerker aller Art, vornehmlich Beschlagschmiede, Schuhmacher, Maurer und Zimmerleute beim Bezirkskommando Hersfeld melden.
Die Ausreise erfolgt etwa Mitte April d. Js. und muß die Meldung sofort und zwar persönlich erfolgen, damit gleichzeitig die militärärztliche Untersuchung aus Tropendienstfähigkeit erfolgen kann. Die Militärpapiere sind mitzubringen. Reisekosten können nicht erstattet werden.
Die zum Eintritt in die Schutztruppe für Südwestafrika bereiten Mannschaften müssen sich für die normale Zeitdauer von 3V2 Jahren zum Dienst in der Schutztruppe verpflichten.
Vergünstigungen:
1. Die Schutztruppenangehörigen haben Anspruch aus Heimatsurlaub von 4 Monaten unter Belastung der vollen Geldbezüge innerhalb der 3Vsjährigen Dienstverpflichtung. (Näheres vergl. § 18 Schtr.-O.)
2. Den ehemaligen Schutztruppenangehörigen, die nach Ablauf ihrer Dienstverpflichtung bei der Schutztruppe behufs Ansiedelung im Schutzgebiet verbleiben, kann gewährt werden:
a) das Heimreisegeld als Ansiedelungsbeihilfe, falls sie auf Heimbesörderung verzichten und sich verpflichten, als Ansiedler im Lande zu bleiben,
b) sie werden beim Kaufe von Regierungsland hinsichtlich des Preises bevorzugt, wenn sie ein eigenes Vermögen von mindestens 2000 Mk. nachweisen können,
c) diejenigen ausgedienten Schutztruppenangehörigen, die aus eigener Farm wohnen, können ein unverzinsliches Darlehn bis zum Höchstbetrage von 6000 Mk. bewilligt erhalten und finden hierbei gegenüber anderen Bewerbern in erster Linie Berücksichtigung.
Auf die zu 2 erwähnten Vergünstigungen besteht indes ein rechtsverbindlicher Anspruch nicht.
Der Gliicksbort.
Roman von H. von Klip hausen.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Nun gut, ich verspreche Ihnen im Laufe des Nachmittags Bescheid. Robert — d. h. Mr. Williams", verbesserte sie sich errötend, „ist augenblicklich nicht hier, aber sobald er komint, will ich ihn fragen."
„Ich werde Ihnen zu lebhaftestem Danke verpflichtet sein, mein Fräulein. Gestatten Sie mir nur noch die eine Frage: Haben Sie Ihre Mutter gekannt?"
„Nein", erwiderte Margarete erstaunt, „aber man sagt mir, ich solle ihr sehr ähnlich sehen."
„Ja, sehr ähnlich", rief Freienberg leidenschaftlich, „ich habe Ihre Mutter gekannt, mein Fräulein, und als ich Sie sah, ging's mir wie ein Schwertstich durch die Seele. Sie sind ihr getreues Ebenbild; ich habe Sie einzig und allein an der Aehnlichkeit erkannt. Gott segne Sie, Margarete, und vergeben Sie einem einsamen, ältlichen Manne, daß er sich zu Ihnen drängte. Um der Toten willen, vergeben Sie!"
Tief erschüttert drückte er einen Kuß auf ihre bebende Hand und eilte dann ungestüm zum Zimmer hinaus. Beinahe hätte er Mr. Williams umgerannt, der von draußen kam und gleichfalls in das Zimmer eintrat.
„Wer war das, Fräulein Gretchen?" fragte er finster. „Sie hatten Herrenbesuch?"
„— der eigentlich Ihnen galt, Robert", entgegnete sie etwas gezwungen lachend. „(^ war ein Graf Freienberg, der sich erkundigen wollte, ob Sie ihm nicht Ihren Dolch verkaufen möchten. Er sei ein Erbstück, das ihm einst abhanden gekommen, und welches er um jeden Preis wiederzu besitzen wünsche. Sie können ihm bedeutende Summen nennen, er will sie bezahlen."
„Es fällt mir nun und nimmermehr ein!" brach Sullivan los. „Der Dolch ist mein Eigentum, und der Herr Gras mag sehen, wie er zu seinem angeblichen Eigentum kommt. Ich gebe die Waffe nicht heraus."
Es wird noch ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß es unzweckmäßig ist, lediglich auf die Meldung zum Eintritt hin bereits die Stellung zu kündigen oder sonstige Vorbereitungen zu treffen.
Hersfeld, den 24. Februar 1908.
Königliches Bezirkskommando.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Auf der Tagesordnung der Dienstag-Sitzung stand als erster Gegenstand die dritte Lesung der Novelle zum Telegraphengesetz, die nach unwesentlicher Debatte angenommen wurde. Ebenso fand das Scheckgesetz endgültig Annahme. Sodann wurde die Beratung des Justizetats fortgesetzt. Nachdem der Abg. Schack (wirtsch. Vgg.) für die Abschaffung der Konkurrenzklausel eingetreten war, hielt Staatssekretär Sydow eine Ansprache. Daraus begründete Abg. Liebert (Reichs.) die von ihm eingebrachte Resolution betr. die Deportation von Verbrechern. Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Nieberding erklärte sich aus juristischen, finanziellen, kolonialpolitischen und Gründen der internationalen Politik gegen den Antrag. Dem Abg. Schack erwiderte er, daß die Geltung der Konkurrenzklausel zwar nicht beseitigt, aber eingeschränkt werden solle.
In der Budgetkommission des Reichstags führte Staatssekretär Dernburg bei der fortgesetzten Beratung des Etats von Ostasrika aus, die Zukunft Ostasrikas beruhe mehr auf Ein- geborenenwirtschast als auf Plantagenwirtschaft. Die Forderung der Ansiedler, den Eingeborenen die Anlage von Pflanzungen zu verbieten, gehe zu weit. Es sei unmöglich, in Ostasrika die Zukunft auf einen Stand' zu bauen. Eine Besserung ohne Eisenbahnen sei unmöglich. Wenn man keine richtige Eingeborenenpolitik treibe, könnte man alles durch Eingeborenenaufstände wieder verlieren. Bezüglich der Jnderfrage erklärte der Staatssekretär, der Inder sei für den Kleinhandel nicht zu entbehren. Die Hauptsache sei, wirtschaftlich für die Kolonie zu sorgen. Das Deutschtum müsse verbreitet werden durch Verwaltung, Missionen und Gesetze. Die Pflanzer seien als Erzieher zum Deutschtum nicht anzuerkennen.
In der Diskussion erklärte Abg. Dr. Arning (nat.), daß die Ausführungen des Staatssekretärs bei ihm die Ueberzeugung geweckt hätten, Herr Dernburg sei mit dem Herzen bei der Sache. Diese Empfindungen habe er bei dem früheren Kolonialdirektor nicht gehabt. Auch Frhr. von Richthosen (kons.) wünschte, daß den Eingeborenen deutsche Kultur und Sitte gebracht werde und daß zu diesem Zwecke Eisenbahnen gebaut würden. Man brauche deshalb aus Ostafrika noch nicht gleich ein Negerland zu machen. Auch der Abg. Spähn (Z.) äußerte sich zustimmend zu dem Programm des Staatssekretärs, meinte aber, daß man statt der teueren Eisenbahnen auch die natürlichen Wasserstraßen als Verkehrswege im weiteren Umfange benützen solle.
„Auch nicht, wenn ich Sie darum bitte, Robert?"
Verwundert schaute der junge Jongleur das Mädchen an. dessen Blick so freundlich bat, und dessen Stimme so hold und mild erklang.
„Welche Veranlassung haben Sie denn, für den Fremden zu bitten, Gretchen?" fragte er so scharf, daß ihr das Blut in die Schläfen stieg und ihr Trotz erwachte.
„Das ist meine Sache", wies sie den Fragenden hart ab; „was ich tue, kümmert niemanden sonst, höchstens den Vater."
„Und Sie glauben, er würde erfreut sein, wenn er wüßte, daß Sie mit Graf Freienberg bekannt geworden sind?"
„Wer ist denn der Graf eigentlich, daß Sie vor ihm wie vor dem Gottseibeiuns zurückschrecken?" rief Gretchen gereizt. „Ich habe ihn heute znm ersten Male im Leben gesehen und hatte durchaus keinen Grund, ihn unhöflich abzuweisen."
„Mag er selbst zu mir kommen, daß ich ihn persönlich absertigen kann", grollte Robert, „nicht aber sich an die Tochter meines Direktors wenden, die doch keinerlei Beziehungen zu mit oder Einfluß auf mich hat."
„DaS sagte ich ihm schon, erklärte aber zuletzt, ich wolle doch einmal versuchen, ob sich mit Ihnen reden lasse. Doch eS scheint nicht der Fall zu sein; oder würden Sie ihm die Waffe überlassen?"
Robert schaute eine Minute prüfend in die wunderschönen Augen seiner Gefährtin, dann ergriff er leidenschaftlich ihre Hand und preßte Sie an sein Herz. „Vielleicht, Gretchen, unter einer Bedingung."
„Und die wäre? Sie machen mich neugierig!"
„Die Bedingung, daß Sie mein Weib werden wollen an dem Tage, da ich die Waffe von mir gebe."
Das junge Mädchen wich fast erschrocken zurück.
„Robert, was denken Sie? Habe ich Ihnen jemals Anlaß gegeben, solch ein Ansinnen an mich zu stellen?"
„Nein, aber mein Herz drängt mich, Ihnen offen zu sagen, daß ich Sie liebe und niemals glücklich sein kann, ohne Sie zu besitzen. O Gretchen, können Sie mich denn nicht gleichfalls lieben?"
Abgeordnetenhaus.
Am Montag traten bei der Weiterberatung des Kapitels „Medizinalwesen" verschiedene Redner für die Besserung der Kreisärzte ein. Minister Dr. Holle sagte eine wohlwollende Prüfung der Wünsche zu. Beim Kapitel „Universitäten" wandte Dr. Hackenberg (natl.) sich gegen die mechanische Scheidung zwischen kritischen und positiven Theologen und gegen die Angriffe, die von konservativer Seite gegen die kritischen Theologen gerichtet würden. Abg. Strosser (kons.) führte demgegenüber aus, daß die Konservativen von der liberalen Presse noch heftiger angegriffen würden, und erklärte dann, daß die Mehrheit des Volkes positive Geistliche wünsche. Abg. Schroeder-Kasfel (natl.) befürwortete die Vermehrung der Lehrstühle für soziale Medizin. Kultusminister Dr. Holle erwiderte, daß mit der Einrichtung von Lehrstühlen für soziale Medizin weitere Versuche gemacht werden sollen.
Am Dienstag kam bei der Beratung des Kultusetats, die beim Kapitel «Höhere Lehranstalten" fortgesetzt wurde, zunächst ein Antrag der Abgg. Ernst, Casfel und Kopsch (sreis. Vgg. und sreis. Vp.) zur Beratung, der die organische Verbindung der Lehrpläne der Volksschule und der höheren Lehranstalten und die Beseitigung der an diesen noch bestehenden Vorschulen fordert. Nachdem mehrere Redner und ein Regierungskommisfar sich gegen den Antrag ausgesprochen hatten, beantragt der Abgeordnete Dr. Berndt (natl.) ihn abzulehnen und statt seiner den vorjährigen Antrag der Unterrichtskommission anzu- nehmen, die damals empfahl, den Antrag Ernst abzulehnen, aber den Wunsch der Vereinheitlichung der Lehrpläne der Regierung zur Erwägung zu überweisen. Demgemäß beschließt das Haus.
Frankreichs niarakkanischt sorgen.
Die äußerste Linke der französischen Kammer unter Führung des Sozialisten Jamss hat abermals einen Angriff auf das Ministerium Clkmenceau wegen der Marokkopolitik unternommen, und abermals ist er abgeschlagen worden.
Jaurss nennt die Politik der Regierung eine Politik der Mystifikation. Damit ist gemeint, daß sie ein anderes Ziel verfolge als das von der Regierung angegebene, was sich hauptsächlich auf die Unternehmung in Casablanca bezieht. Aus der Sühne-Expedition wegen der Ermordung französischer Hafenarbeiter ist ein mit 8000 Mann unternommener Zug zur Unterwerfung der Schaujastämme im Hinterland von Casablanca geworden, und da diese Stämme Hilfe von Truppen des Gegensultans Mulay Hafid bekommen haben, der seinerseits den heiligen Krieg gegen die Franzosen erklärt hat, so besteht die Gefahr, daß sich die Strafexpedition zn einem richtigen Kriegsabenteuer auswächst. Kommen gar noch Schlappen der französischen Waffen hinzu, und kommt damit die gloire ins Spiel, so ist dann kein Halten mehr. Das ist es, was die Franzosen über die Kreise der äußersten Linken hinaus mit
„Nein, Robert, wenigstens weiß ich nicht, ob ich Sie jemals werde so gern mögen, um Ihr Weib zu werden und — ich kann eben nicht heiraten ohne Liebe."
„Das sollen Sie auch nicht, mein teures Mädchen, ich würde mich dann niemals glücklich fühlen."
„Nun, und der Dolch —"
„Den gebe ich unter diesen Umständen auch nicht von mir, Gretchen, bedenken Sie das! Aber jener Herr Graf, den Sie eben erst kennen lernten, muß Ihnen doch gleichgültig sein, daß es Ihnen nichts ausmacht, ob er die Waffe besitzt oder nicht."
Sie wurde rot unter seinem forschenden Blick, ihr Herz begann eigentümlich heftig zu klopfen und sie brächte nur stotternd die Antwort heraus: „Nun, da er mich darum bat — so möchte ich doch nicht gern wortbrüchig werden — und es liegt ihm so viel an dem Besitz jenes Familienerb- stückes."
„Das ist mir gleichgültig. Ich habe die Waffe aus dem Besitze meines Vaters empfangen, der sie von einer Dame kaufte; ob es nun wirklich derselbe Dolch des Grafen ist oder er sich irrt, ist mir sehr gleichgültig, ich gebe ihn nicht heraus."
„Robert, ich sah Sie noch niemals so erregt und heftig!"
„Ich will nichts zu tun haben mit Graf Freienberg und Sie sollen es ebenfalls nicht, Gretchen! Ihr Vater — kennt den Grafen!"
„Und letzterer kannte meine Mutter. Nun ahne ich den Zusammenhang. Aber ich halte Papa nicht für so niedrig denkend, daß er aus eifersüchtigen Gründen den Grafen haßt!"
„Er ist nicht eifersüchtig, aber der Gras haßte Ihre Mutter."
„Im Gegenteil, er liebte sie; er hat es mir selbst gesagt, und ich glaube ihm —"
Die Worte klangen so eigentümlich warm und vibrierend, daß Roberts Herz sich ausbäumte vor unbezwinglicher Eifersucht.
„Töricht sind doch alle Mädchen! Ein interessant gebräuntes Antlitz, ein Vollbart und eine tiefe Stimme machen sie alle toll! Aber es gereicht mir zur größten Genugtuung,