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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Kernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. SS.

Sonnabend, den 22. Februar

1908.

Amtlicher teil.

Hersfeld den 17. Februar 1908.

Der Weißbinder Christian Stang in Schenklengs- feld beabsichtigt auf seinem in der Gemarkung Schenklengsseld gelegenen Grundstück, Kartenblatt 2 Parzelle 46 (die Ziegel­hütte) nach der hier vorgelegten Zeichnung und Beschreibung einen

Kalkofen zu erbauen.

Ich bringe dieses zur öffentlichen Kenntnis mit dem Be­merken, daß Einwendungen hiergegen binnen 14 Tagen bei der unterzeichneten Behörde schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen sind. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden.

Die rechtzeitig erhobenen Einwendungen werden in mündlichem Verhandlungstermin am

Mittwoch Den 11. März 6. U

10 Uhr Bormittags

dahier erörtert werden und zwar auch im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden.

Die Zeichnung und Beschreibung liegen während der Dienststunden hier zur Einsicht der Beteiligten offen.

A. 846. Der Königliche Landrat

von Grünelius.

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Hersfeld, den 17. Februar 1908.

Der Ackermann Johannes Rüger und der Ackermann Valentin Pfannkuch zu Motzfeld sind heute als Ortsschätzer der dasigen Gemeinde eidlich verpflichtet worden.

Der Königliche Landrat

I. 1591. von Grunelius.

Hersfeld, den 17. Februar 1908.

Zur Ausübung einer schärferen Kontrolle weise ich die Herren Ortsvorstände des Kreises an, vor der Erteilung der polizeilichen Erlaubnis zur Aufstellung von Karusellen, Schau­buden und dergleichen, in allen Fällen aus das Genauste zu prüfen, ob der Antragsteller im Besitze eines für den hiesigen Bezirk und das laufende Kalenderjahr gültigen Wanderge- werbescheines ist. Ist solches nicht der Fall, so darf die Er­laubnis unter keinen Umständen erteilt werden.

I. 1794. Der Königliche Landrat

von Grünelius.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Die verflossene Woche gehörte im Innern den deutschen Landwirten. Es fand wie alljährlich, so auch diesmal, in der Reichshauptstadt eine ganze Reihe von Tagungen der verschiedensten landwirtschaftlichen Organisationen und Vereini­gungen statt. Äabei trat eine Fülle bemerkenswerter Momente zutage. Als ein solches darf in erster Linie die Rede des Stellvertreters des Reichskanzlers, des Staatssekretärs des Innern v. B e t h m a n n - H o l l w e g, auf dem Festmahle des deutschen Landwirtschaftsrates genannt werden. Die Rede war von wärmster Sympathie für unsere Landwirte durch­tränkt und gipfelte in der Anerkennung, daß unsere Landwirt­schaft zurzeit noch vollauf in der Lage fei, den Bedarf des deutschen Volkes an landwirtschaftlichen Konsumartikeln selbst zu decken. Es ist das erste Mal, daß ein solches Urteil über die Leistungsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft vom Re­gierungstische aus gefällt wurde. Aber auch die diesjährige Generalversammlung des Bundes der Landwirte wies zahlreiche interessante und, wie wir gleich hinzusetzen wollen, erfreuliche Züge auf. Man bekannte sich zur Blockpolitik, man nahm in Steuersragen den einzig vernünftigen und sachlich begründeten Standpunkt ein, daß man dem Reiche die indirekten, den Bundesstaaten die direkten Steuern vorbehalten wissen und daß man als neue Steuerquellen an erster Stelle daS bisher noch fast gar nicht benutzte Reservoir der Bier- und Tabak­besteuerung weiter erschließen will, man ermähnte die Land­wirte, die Zeit der beginnenden Prosperität nach Kräften für Entschuldungsmaßnahmen und genossenschaftlichem Zusammen- schluß auszunutzen, und was dergleichen mehr war. Vor allem aber und das ist das Wichtigste durchklang ein Ton des herzlichen Dankes und Vertrauens gegenüber dem Reichs­kanzler und der Reichsregierung alle Ausführungen. Möge es immer so bleiben!

In U n g a r n hat das Mitglied der ungarischen Unab- Hängigkeitspartei Gabriel Ugron die politische Schamlosigkeit besessen, gegen den Ausdruck des Beileids für das portugiesische KönigShauS zu protestieren und in verhüllter Weise damit Drohungen gegen die österreichisch-ungarische Krone zu ver­

knüpfen. Es ist dies ein höchst bedauerliches Zeichen für den Tiefstand, auf dem die politische Bildung in Ungarn unter der Herrschaft des magjarischen Chauvinismus bereits ange­langt ist.

Der zwischen dem Deutschen Reiche, Frankreich, England und Rußland kürzlich geschlossene Vertrag über die Unver- letzlichkeit Norwegens ist nunmehr veröffentlicht worden. Der bekanntgegebene Text desselben enthält nichts, waS irgend eine Beunruhigung hervorzurufen geeignet wäre. Das Abkommen darf vielmehr als eine neue Bürgschaft des Weltfriedens aufgefaßt werden, ebenso wie die in Vorbereitung befindlichen internationalen Vereinbarungen über die Regelung der Verhältnisse in der N o r d - u n d O st s e e, woraus auch der Staatssekretär des Auswärtigen in der Budgetkommission hingewiesen hat.

Die Kongofrage scheint gegenwärtig ihrer Lösung näher zu rücken. Der König von Belgien hat den im Parla­ment auf großen Widerspruch gestoßenen Gesetzentwurf betreffs Uebernahme des Kongostaatcs durch Belgien zurückgezogen. Es soll demnächst der Kammer ein neuer Gesetzentwurf vor­gelegt werden, in dem die Bestimmungen, die besonderen An­stoß erregt haben, abgeändert sind. Bei der Energie, mit der England auf Beseitigung der in der Verwaltung des Kongo­staates hervorgetretenen Mißstände besteht, ist zu erwarten, daß die Regelung der Angelegenheit nunmehr bald ersolgen wird.

Reichstag.

Der Reichstag widmete auch die gesamte Sitzung vom Mittwoch der tags zuvor begonnenen allgemeinen Debatte über den Etat der Reichsjustizverwaltung. Nicht weniger alsfünf- zehn Resolutionen liegen zu dem AusgabepostenGehalt des Staatssekretärs" vor, und sie sind es, welche die Justizdebatte so weitschweifig gestalten. In der Mittwochsitzung sprachen zur Tagesordnung nur drei Abgeordnete, die Herren Stadthagen (soz.), Gröber (Zentr.) und Ablaß (sr. Volksp.); allerdings ließ sich der Abgeordnete Stadthagen fast drei Stunden lang ver­nehmen. Regierungsseitig griff wiederum der Staatssekretär des Reichsjustizamtes in die Diskussion ein. Letztere bezog sich hauptsächlich auf die Themata der angeblichen Klassenjustiz, über welches sich namentlich Abg. Stadthagen verbreitete und zwar durchaus von seinem einseitigen sozialdemokratischen Stand­punkte aus, und der Reformen in der Strafvollstreckung, im übrigen betraf die Debatte die durch die beantragten Reso­lutionen aufgeworfenen juristischen Fragen.

Der Reichstag * nahm am Donnerstag ohne wesentliche Diskussion die Novelle zum Telegraphengesetz (drahtlose Tele- graphie) in zweiter Lesung nach den Beschlüssen der Kommission an und setzte dann die zweite Beratung des Justizelats fort. Der Abg. Roth kennzeichnete die Stellung der Wirtsch. Ver­einigung zu den verschiedenen Resolutionen und richtete an den Staatssekretär eine Anfrage nach dem Stande der Straf- prozeßreform. Dr. Nieberding antwortete, daß der Entwurf zweier Gesetze der Novelle zum Gerichtsverfassungsgesetz und der Strafprozeßordnung fertig vorliegen und der preußischen Regierung zugegangen sind. Beide Entwürfe würden, wenn sich nicht ernste Meinungsverschiedenheiten herausstellen würden, im kommenden Winter dem Reichstag unterbreitet werden.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch wurde die Beratung des Kultusetats beim KapitelElementarunterrichtswesen" fortgesetzt. Abg. v. Bran- denstein (kons.) trat für vermehrte Anstellung von Lehrerinnen ein. Abg. Gyßling (sr. Vp.) wandte sich gegen den Ministerial- erlaß auf Verkürzung der Schulferien und verlangte Gleich- legung der Ferien für alle Schulgattungen in einem Bezirk. Ministerial-Direktor Dr. Schwartzkopff verteidigte den Erlaß. Abg. Dr. Schröder-Cassel (natl.) fchloß sich dem Wunsche des Abg. Gyßling an. Abg. Kopsch (sr. Vp.) beschwerte sich über das Vorgehen zweier Schulräte in Osnabrück. Kultusminister Dr. Holle erbat sich das Material des Falles, den er nicht kenne.

Ae österreichischen ßisenbahWrojekte Hilf her Bolkanholbinset.

Im Berliner Vertrage vom Jahre 1878, welcher nach dem russisch-türkischen Kriege die Verhältnisse aus der Balkanhalb­insel zwischen den Großmächten und der Türkei und den kleineren Balkanstaaten regelte, ist die westliche Hälfte der Balkanhalbinsel bis nach Saloniki hinab dem Einflüsse Oester­reichs zugestanden worden. Man wollte damit einem Ueber- greifen der russischen Machtsphäre auf die ganze Balkanhalb- inscl einen wirksamen Damm entgegensetzen, und keine Macht war eifriger bemüht, als England, damals diese Forderung gegenüber Rußland zu gunsten Oesterreichs durchzusetzen. Oesterreich, dessen südöstliche Grenzen direkt die Balkanstaaten berühren, hatte auch allen Grund, seinen Einfluß auf der Balkanhalbinsel innerhalb gewisser Grenzen gesichert zu sehen, denn die Unruhen und Aufstände auf der Balkanhalbinsel

hatten ja sehr oft auf das österreichische Gebiet mit herüber­gespielt. Ganz im Änne des Berliner Vertrages hat daher Oesterreich die türkischen Provinzen Bosnien nebst der Herzogo- wina in Verwaltung genommen und dort mit großen mili­tärischen und finanziellen Opfern Ordnung geschaffen und der Kultur die Wege geebnet. Oesterreich verfolgt also auf der Balkanhalbinsel unbestritten eine Kulturaufgabe im Rahmen des Berliner Vertrages, und eine weitere Forderung dieser Kulturaufgabe besteht auch darin, daß Oesterreich, um die ge­samte Kultur und den Handelsverkehr auf der Balkanhalbinsel zu heben, einige Eisenbahnen auf derselben baut und zu diesem Zwecke bemüht ist, einen besonderen Vertrag mit dem Sultan von der Türkei abzuschließen, denn die Altersschwäche und stets in Geldnot befindliche Türkei ist ja gar nicht im Stande, Eisenbahnen auf der Balkanhalbinsel zu bauen und moderne Kulturaufgaben zu lösen. Dieses an sich loyale Vorgehen Oesterreichs hat aber in Rußland und auch in England eine große Erregung geschaffen, und man hat dieserhalb sogar den Kriegsteufel an die Wand gemalt, als ob Rußland entschlossen sei, Oesterreich den Krieg zu erklären, wenn es von seinem Vorhaben bezüglich der Eisenbahnbauten auf der Balkanhalb­insel nicht absehe. Diese Erregung in Rußland und England entspringt offenbar dem Argwohne, daß Oesterreich die gegen­wärtige große militärische und politische Schwäche Rußlands dazu benutzen könnte, um über eine gewisse Linie hinaus seinen Einfluß aus der Balkanhalbinsel geltend zu machen. Es fällt aber Oesterreich gar nicht ein, die Verträge zu überschreiten oder von der Türkei etwas zu fordern, was dem Berliner Vertrage oder dem Mürzsteger Abkommen zuwider wäre. Der Lärm ist daher in der englischen und russischen und auch in der französischen und italienischen Presse wegen der öster­reichischen Eisenbahnbauten nur deshalb entstanden, um an Oesterreichs Adresse eine überflüssige Warnung zu richten. Die offiziöse russische Presse gibt ja auch selbst zu, daß Oester­reich-Ungarn auf dem sicheren Rechtboden des Berliner Ver- trages handele und die Richtschnur des Mürzsteger Abkommens um kein Haar breit verlassen habe. Aber etwas hat die offizielle russische Preffe an dem österreichischen Eisenbahnbau­projekte doch zu tadeln, indem Rußland meint, der Zeitpunkt für dieses Vorgehen Oesterreichs sei ganz unzeitgemäß gewählt und stärke die Türkei in ihrer Oppositionslust gegen die ge­meinsamen Forderungen der Großmächte. Tatsächlich hat die Türkei die englische Forderung, die internationale Polizei in der Türkei zu stärken, abgelehnt, und es ist an sich nicht un­wahrscheinlich, daß die stets hinterlistige Politik der Türkei das österreichische Bahnbauprojekt auf der Balkanhalbinsel dazu benutzen will, um Zwistigkeiten zwischen den Großmächten hervorzurufen und daraus Vorteil für den türkischen Schlendrian zu schlagen. Aber die Großmächte werden wohl auf diesen alten türkischen Kniff nicht hereinfallen, und Oesterreich wird sein Eisenbahnprojekt in den Grenzen der Verträge auszuführen bemüht sein, so daß daraus eine Ge­fahr für den europäischen Frieden schließlich doch nicht ent­stehen dürfte.

Sie Wirren in Morokko.

Eine Meldung des Admirals Philibert bestätigt, daß am Dued-Tamasin ein Gefecht gegen den Mdalerastamm stattfand. Die Aktion der französischen Truppen wurde von den Mzab unterstützt, die sich tags zuvor unterworfen hatten. Die Ver­luste der Mdalera sind ziemlich empfindlich. Ebenso bestätigt Philibert, daß Oberst Taupin am 16. und 17. d. Mts. eine bedeutende marokkanische Abteilung in die Flucht schlug, die ihn im Defilee von Berrebah, 25 ktn südöstlich von Fedalah, angegriffen hatte. Die französischen Truppen trieben den Feind mit dem Bajonett siebenmal zurück. Zwei Offiziere und mehrere Mann wurden getötet, drei Offiziere und 20 Mann verwundet. Wie ernst sich bei den Kämpsen die Lage der Franzosen zeitweilig gestaltet, geht aus der nachstehenden Meldung hervor:

Paris, 19. Februar. Das Bajonettgefecht der Kolonne des Obersten Taupin gegen eine Hasidische Uebermacht im Defilee von Berrebah bildete den überaus blutigen Abschluß einer mit Unterbrechungen vom 16 d. Mts. morgens bis zum 17. d. Mts. abends sortgesetzten Verteidigung der Franzosen, welche ihre Toten und Verwundeten nach Tedala bringen konnten. Die Affäre von Berrebah beweist, daß die Hafidischen Truppen, durch Erfahrung belehrt, ihre Taktik jetzt geändert haben. Sie finden sich mit geschickter Terraiuausnützung in großer Anzahl nur an jenen Punkten zusammen, wo die be­stimmten Zielen zustrebenden Franzosen ihre Artillerie nicht ausnützen können.

Tanger, 19. Februar. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus Casablanca hat 6 km von der Stadt entfernt ein wütender Angriff auf die französischen Streit- kräfte stattgefunden. Die Kolonne, die Settat besetzt hält, soll von der Mahalla Mulay Hafids abgeschnitten worden sein. Zur Verteidigung der Stadt seien von den französischen und spanischen Kriegsschiffen Verstärkungen gelandet worden.

Tanger, 20. Februar. Es heißt hier, daß die Franzosen in den neuen Kämpfen bei Casablanca eine schwere Niederlage