Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt sür hersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. na
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Zeile lOpfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.vs^«^
herrsel-er Armblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 21. Donnerstag, den 30. Februar 1908.
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 14. Februar 1908.
Nach § 27 des Unsallversicherungsgesetzes für die Land- und Forstwirtschaft vom 30. Juni 1900 hat während der ersten 13 Wochen nach dem Unfall eines Arbeiters die Gemeinde, in deren Bezirk der Verletzte beschäftigt war, demselben die Kosten des Heilverfahrens in dem im § 6 Abs. 1 Ziffer 1 des Krankenversicherungsgesetzes bezeichneten Umfange zu gewähren. Diese Verpflichtung besteht nicht, insoweit die Verletzten auf Grund gesetzlicher Bestimmungen Anspruch auf eine gleiche Fürsorge haben.
Im Kreise Hersfeld ist die Krankenversicherungs Pflicht für die land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter bisher nicht eingeführt worden.
Nach meinen Beobachtungen ist von Unfallverletzten aus Erstattung der Kosten des Heilverfahrens von den ersten dreizehn Wochen aber nur in den seltensten Fällen bei den Gemeinden angetragen worden.
Ich sehe mich deshalb veranlaßt, auf die jedenfalls nicht überall bekannte, oben angeführte Gesetzesbestimmung hinzuweisen.
Es ist unumgänglich notwendig und liegt insbesondere im Interesse des betreffenden Arbeiters, daß nach jedem landwirtschaftlichen Betriebsunfall (ausgenommen Unfälle von ganz leichter Art) ärztliche Hülfe in Anspruch genommen wird. Die entstehenden Kosten hat nicht der Arbeiter (Verletzte) sondern, sofern er bei einer Krankenkasse nicht angemeldet ist, die G e m e i n d e in der er beschäftigt war, zu übernehmen.
A. 838. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Bekanntmachung.
Einstellung von Dreijährig Freiwilligen für das III. Seebataillon in Tsingtau (China).
Einstellung: Oktober 1908, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1909, Heimreise: Frühjahr 1911. Bedingungen: Mindestens 1,65 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1889 geboren (jüngere Leute nur bei besonders guter körperlicher Entwicklung), Bauhandwerker (Maurer, Zimmerleute, Dachdecker, Tischler, Glaser, Töpfer, Maler, Klempner usw.) und andere Handwerker (Schuster, Schneider, Gärtner usw.) bevorzugt.
In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt auf drei Jahre zu richten an:
Kommando des 111. Stammseebataillons, Wilhemshaveu.
Bekanntmachung.
Einstellung von Dreijährig- und Vierjährig-Freiwilligen
Der Glückshort.
Roman von H. von K l i p h a u s e n.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
„Gott segne Sie!" stieß der Graf bewegt hervor, „Sie sind ein edler Mann, und ich fühle Ihnen gegenüber all meine Niedrigkeit. Der unselige Schwur!"
Seufzend folgte er dem voranschreitenden Freunde, der sich durch einen der Stalldiener ungesäumt zum Direktor führen ließ. Morand empfing sie hochaufgerichtet mitten im Zimmer stehend, neigte sein Haupt ein wenig und fragte dann kühl: „Womit kann ich den Herren dienen?"
„Mein Name ist Fürst Lermanoff", sagte der Russe höflich, „ich war einst beinahe der Verlobte Gräfin Hedwig Freienbergs."
„Meiner Gemahlin?"
„Allerdings! Später freilich gingen Sie jedes Anrechtes aus sie verlustig, als Sie mit meiner Gattin davonreisten."
»Ich weiß es Durchlaucht und ich habe die Stunde verwünscht, da ich jenes unselige, dämonische Weib zum ersten Male sah."
„Haben Sie jetzt keine Beziehungen mehr zu ihr?"
Eine dunkle Röte färbte Morands Antlitz. „Ich habe alle abgebrochen, als sie neulich den Versuch machte, Hedwigs Kind heimlich mir zu nehmen."
„Sie schreibt mir jede Woche und ebenso oft schicke ich den Brief zurück, denn ich kenne sie zu genau und will nichts mehr mit ihr zu schaffen haben."
„Was wünschen Durchlaucht nun aber von mir?"
„DaS Kind, Hedwigs Töchterchen!"
„Und Sie können in der Tat glauben, ich würde Ihnen meinen kleinen blonden Liebling abtreten?" brach Morand in wildem Zorne los. „Eher soll des Himmels Bläue vergehen und er selbst einstürzen, ehe ich mich von meinem süßen Gretchen trenne. Als mein armes Weib noch lebte, als es allein stand mit dem Kinde, mußte eS Zuflucht nehmen zu der treuen Näherin, die ihm Obdach und Nahrung gab, und nun es
für die Matrofevartillerie-Abteilnvg Kiantschou in Tsingtau (China).
Einstellung: Oktober 1908, Ausreise nach Tsingtau: Januar 1909, Heimreise: Frühjahr 1911 bzw. 1912. Bedingungen: Mindestens 1,67 m groß, kräftig, vor dem 1. Oktober 1889 geboren (jüngere Leute nur bei besonders körperlicher Entwicklung).
In Tsingtau wird außer Löhnung und Verpflegung täglich 0,50 Mark Teuerungszulage gewährt.
Meldungen mit genauer Adresse sind unter Beifügung eines Meldescheins zum freiwilligen Diensteintritt auf drei bzw. vier Jahre zu richten an:
Kommando der Stammabteilung der Matrosenartillerie Kiantschou, Cuxhaveu.
Gefundene Gegenstände:
Eine Pferdedecke und ein Schlüssel. Meldung der Eigentümer bei dem Ortsvorstand zu Gershausen.
nichtamtlicher Ceil.
Reichstag.
Der Reichstag brächte am Montag die breite allgemeine Debatte über den Postetat nach viertägiger Dauer endlich zum Abschluß. In der Montagsdiskussion richtete der Sozialdemokrat Eichhorn heftige Angriffe gegen den Staatssekretär des Reichspostamtes Kraetke, sodaß der Redner vom Präsidententische aus sogar zweimal zur Ordnung gerufen werden mußte. Herr Kraetke wehrte die Angriffe des Abgeordneten Eichhorn kurz ab, worauf noch die Abgeordneten Gamp (Reichsp.), Hug (Zentr.), Oertzen (Reichsp.), Duffner (Zentr.) und Lehmann (Soz.) sprachen. Dann erfolgte die Abstimmung über den Ausgabeposten „Gehalt des Staatssekretärs", sie ergab dessen Annahme gegen die Stimmen der Sozialdemokraten. Ziemlich summarisch fanden hierauf noch eine Reihe weiterer Ausgabepositionen Erledigung.
Am Dienstag wurde die zweite Beratung des Postetats fortgesetzt. Dabei brachten verschiedene Redner Einzelsälle vor, in denen Beamte anscheinend zu hart oder überhaupt grundlos bestraft worden seien. Direktor Franck aus dem Rcichs- postamt und Staatssekretär Kraetke traten diesen Darstellungen entgegen. Auf eine Anregung des Abg. Bindewald erklärte der Staatssekretär unter lebhaftem Beifall, auch er sei der Meinung, daß die Landbriesträger besser gestellt werden müßten.
Abgeordnetenhaus.
Das preußische Abgeordnetenhaus verhandelte am Montag zunächst über einen von den Nationalliberalen und Freisinnigen gestellten Antrag, der eine eingehende Auskunft über die vom Handelsminister angestellten Untersuchungen über die Vor
unterm Rasenhügel schlummert, da kommen Sie, mir sein teuerstes Erbteil zu rauben?"
„Wer sagt Ihnen, Herr Morand, daß Hedwig in jenen bösen Tagen keinen Freund zur Seite gehabt hat? Ich bin bei ihr gewesen und half ihr bis zu dem Moment, wo der Zug abging, der sie zu Anna Neidhardt brächte — auf ihren Wunsch ganz allein."
„Sie hätten meinem armen, kranken Weibe geholseu?"
„Allerdings, und wenn es in meiner Kraft gestanden, ich hätte sie, so wahr ein Gott im Himmel lebt, erhalten."
Morand schien schwer mit sich zu kämpfen. Dann plötzlich streckte er dem Fürsten bewegt die Rechte entgegen und sagte mit bebender Stimme: „Ich danke Ihnen, Durchlaucht, danke aus tiefbewegten Herzen! Es kann nur ein Mann so handeln, der aus reinem, edlem und treuem Herzen liebt."
„Ich kann Ihre Hand nicht nehmen, Herr Direktor, denn Sie haben nicht so gehandelt, wie es einem Ehrenmanne zukommt."
Morand ließ seine Rechte sinken und seufzte schwer: „Sie haben recht, Durchlaucht. Wessen Schuld ist aber schwerer? Jenes herrliche, treue, edle Weib zu verstoßen, weil es einem Sänger die Hand reichte, oder — aber nein, meine Schuld wiegt schwerer! Ich besaß ihre volle, reine Liebe, und ich verriet sie um einer elenden Kokette willen!"
„Lassen Sie Vergangenes ruhen, Herr Morand", unterbrach ihn Lermanoff, „wir kommen nicht zu Ihnen, um Rechenschaft zu fordern, sondern um Ihnen meinen besonderen Wunsch zu nennen: geben Sie mir Gretchen, Hedwigs Kind, eS soll von nun an meine Tochter sein."
„Nimmermehr! Sie haben wohl selbst keine Kinder, sonst könnten Sie einem Vater nicht diesen Vorschlag machen. Ich bin ein Kunstreiter geworden, als ich durch eine böse Krankheit die Stimme verlor, und von da an besserten sich meine Ver- Hältnisse auffallend, sodaß ich heute sozusagen ein wohlhabender Mann bin, der seiner einzigen Tochter nicht nur jeden Wunsch erfüllen kann, sondern ihr auch einstmals ein ansehnliches Vermögen hinterlassen wird."
„Ich würde ihr all meine Reichtümer und noch die Fürstenkrone vererben!"
bildung der Fortbildungsschüler und über die Maßnahmen zur Behebung der etwa zutage getretenen Mängel des Volksschulunterrichts verlangte. Kultusminister Dr. Holle erwiderte, daß die Ergebnisse der vom Handelsminister angeordneten Untersuchungen noch nicht vorliegen, die Verschiedenheit der Schulsysteme und des Schülermatcrials erschwere die Ausstellung einheitlicher Lehrpläne für die Fortbildungsschulen außerordentlich. Die Verwaltung sei bemüht, die Volksschule immer mehr zu heben. Der Antrag wurde der Unterrichtskommission über- wiesen, ebenso ein nationalliberaler Antrag auf Bereitstellung von Staatsmitteln, um befähigten Volksschülern die weitere Ausbildung zu ermöglichen. Schließlich wurde noch über einige Anträge auf Erhöhung der Ostmarkenzulagen der Lehrer verhandelt. Die Anträge der Freisinnigen Vereinigung und der Nationalliberalen und Freikonservativen wurden zurückgezogen, während ein konservativer Antrag der Kommission überwiesen wurde, die später die Lehrerbesoldungsvorlage beraten soll.
Am Dienstag nahm die Beratung des Kultusetats beim Kapitel „Elementarunterrichtswesen" ihren Fortgang. Gleichzeitig standen zur Beratung ein Antrag Gottschalk (natl.), Kopsch (freij. Vp.) und Ernst (freif. Vgg.) bett, einheitliche Regelung der Dauer der Schulpflicht sowie ein Anttag Engelbrecht (frkons.) betreffend eine besondere Regelung der Schulpflicht für Schleswig-Holstein. Abg. Gottschalk (Solingen, natl.) fordert in der Begründung feines Antrages eine einheitliche Regelung der Schulpflicht durch Gesetz unter Berücksichtigung berechtigter Sonderverhältnisse. Im Zusammenhang hiermit feien einheitliche Bestimmungen über die Folgen der ungerechtfertigten Schulverfäumnis, die Voraussetzungen ihrer Straf- barkeit, den Kreis der verantwortlichen Personen und das Strafverfahren zu treffen. Kultusminister Holle erklärt in seiner Erwiderung, die Schulpflicht sei bereits gesetzlich geregelt. Von unwesentlichen Ausnahmen abgesehen, währe sie vom sechsten bis zum vierzehnten Jahre. Die Rechtsprechungen des Kammergerichts haben bezüglich des Entlasfungstermins zwar Unklarheiten, aber nicht nennenswerte Schwierigkeiten geschaffen. Ein dringendes Interesse an einheitlicher Regelung der Schulpflicht liege aber nicht vor. Er werde den Antrag wohlwollend prüsen, der gegenwärtige Zeitpunkt sei aber für den Erlaß des Gesetzes ungeeignet, und es empfehle sich, bis zum Jnkraft- treten der neuen Schulorganisation zu warten.
Zur Flsttenfrage.
Wenn auch England auf der Haager Friedenskonferenz den Abrüstungsgedanken verfochten hat, um andere Mächte dadurch zur Einstellung oder Verminderung ihrer kriegerischen Rüstungen zu bewegen, so denkt es selbst keineswegs daran, mit der Abrüstung den Anfang zu machen. Wie der englische Kriegsminister dauernd bemüht ist, das englische Heer immer kriegsbrauchbarer zu machen, so wird auch an dem Ausbau der Flotte fleißig weitergearbeitet. Hier hält England schon
„Die Fürstenkrone macht nicht glücklich, Durchlaucht, und ich muß Ihnen offen bekennen, daß ich gegen alle jene, welche meine arme Hedwig einst von sich gestoßen haben, noch immer einen tiefen Groll hege."
„Und Sie denken nicht daran, daß Sie selbst am treulosesten gehandelt haben, als Sie Ihr krankes Weib fast hungernd und Mangel leidend zurück!.eßen, um mit einer herzlosen Kokette davonzulaufen?" rief Graf Freienberg, dessen Zornesader schwoll. „Herr Morand, wenn ich Sie für satisfaktionsfähig hielte, müßten Sie mir vor die Pistole."
„Wer weiß, Herr Graf! Vielleicht lehnte dann der einfache Kunstreiter seinerseits den Zweikampf ab; Sie haben mit Ihrer Familie nicht wenig dazu beigetragen, all das Elend über uns heraufzubeschwören."
„Weil ich genau erkannte, daß Sie meiner Schwester nicht würdig waren. Vielleicht haben die späteren Schicksalsschläge bessernd auf Sie eingewirkt."
Vor dem flammenden Zornesblick aus Freienbergs Augen senkte Morand beinahe demütig die Augen. Seine Wut schien verflogen und er antwortete nur gepreßt: „Sie haben recht, Graf, ich war jenes Engels nicht würdig. Wie gern würde ich meine Schuld sühnen!"
„Sie können einen Teil davon abtragen, wenn Sie mir den Dolch wiedergeben, den meine Schwester einstmals mitnahm. Es war das Glück unserer Familie, und meine Lebensaufgabe besteht darin, ihn auf Schloß Freienberg zurückzu- bringen."
„Ich besitze ihn nicht, Herr Graf", versicherte Morand ernst. „Wäre er in meinen Händen, so sollte es in der Tat meine Sühne sein, Ihnen denselben zurückzugeben. Doch ich verlor ihn schon längst aus den Augen."
„Also wieder vergebens!" murmelte Freienberg enttäuscht. „Wann werde ich endlich das Erbstück des Ahnen wieder in Händen halten."
„Wie ist Gretchen der Fall vorhin bekommen?" fragte der Fürst ablenkend. „Ich habe noch gar nicht gefragt."
„Es war nur eine Ohnmacht, die sie befiel", erwiderte finster der Direktor. „Ihre Teilnahme ist für meine Tochter",