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Reichstag.

Die Sitzung des Reichstages vom letzten Montag wurde vom Präsidenten Grafen Stollberg mit einer kurzen Ansprache eröffnet, in welcher er auf die Ermordung des Königs und des Kronprinzen von Portugal hinwieS und weiter feststellte, daß der Reichstag durch Erheben von den Plätzen seiner Teil- nähme sür die portugiesische Königsfamilie und seiner Entrüstung über die Bluttat von Lissabon Ausdruck verliehen habe. Die Sozialdemokraten hatten bei Beginn der Ansprache des Präsi- denten den Saal verlassen. Dann trat das Haus in die Be­ratung des Militäretats und der zu dem AusgabentitelGehalt des Kriegsministers" vorliegenden zahlreichen Resolutionen ein. Der Referent der Budgetkommission (Abg. v. Eiern) gab im Anschlüsse an die Mitteilung des Präsidenten, daß Kriegs­minister v. Einem durch Erkrankung verhindert sei, den Ver­handlungen über den Militäretat beizuwohnen, der Hoffnung auf baldige Genesung des Kriegsministers Ausdruck. Abg. v. Byern (kons.) verbreitete sich vorwiegend über die beantragten Resolutionen, wobei er erklärte, die konservative Partei sei für die sozialdemokratischen Resolutionen wegen Sicherung der Oeffentlichkeit des Militärgerichtsversahrens und wegen allge- meiner Einsührung der einjährigen Dienstzeit im Heere nicht zu haben. Abg. Häusler (Zentr.) sprach sich ebenfalls gegen letztere Forderung aus, dafür plädierte er zu Gunsten der zwei­jährigen Dienstzeit bei der Kavallerie, welche Forderung indessen von bayerischen Militärbevollmächtigten Generalmajor von Gebsattel energisch bekämpft wurde. Abg. Graf Oriola (nat.- lib.) unterzog die eingebrachten Resolutionen einer Besprechung und erklärte sich mit denselben einverstanden, ausgenommen die sozialdemokratische Resolution über die einjährige Dienst­zeit. Abg. Bebel (soz.-dem.) erörterte, nachdem er eine Reihe von Einzelstagen berührt, die Kriege von der Zeit Karls des Großen bis zu den Freiheitskriegen, um die Vortrefflichkeit des Milizsystems zu beweisen, und kritisierte die Einrichtung der Kaisermanöver abfällig. Letzter Redner vom Tage war Gene­ralleutnant Sixt v. Arnim, er fixierte die Stellung der Militär­verwaltung zu den vorliegenden Resolutionen.

Die zweite Lesung des Militäretats wurde am Dienstag beim Titel:Gehalt des Kriegsministers" fortgesetzt. Abg. Dr. Mugdan (Frs. Vp.): Die Steigerung der in dem Etat sich vorfindenden Summe, die sich auf 45 Millionen mehr belaufen als im Vorjahr, ohne neue Einrichtungen vorzusehen, ist eine Folge des Hochstandes der Lebens- und Futtermittelpreise. Der Reichskanzler stellte größere Sparsamkeit auch in der Armee in Aussicht. Vielleicht hat dieses Wort des Reichskanzlers auf einer Unterredung mit dem Kriegsminister beruht, und deshalb ist es nicht nur menschlich, sondem auch politisch zu bedauern, daß der Kriegsminister erkrankt ist. Die Ersparnisse dürfen aber nicht auf Kosten der Vcteranenbeihülfe gemacht werden. Die Kavalleriefrage muß gründlich geprüft werden, großes Miß­trauen gegen diese Truppe besteht schon lange. Die Miliz­armee würde viel teurer werden, als unsere jetzige Armee. Der Zweck der Schweizer Miliz ist überdies ein ganz anderer als des deutschen Heeres. Die unterschiedliche Behandlung der jüdischen Einjährigen muß aushören. Armee und Volk gehören zusammen und wir müssen jeder Trennung entgegentreten. Unsere Kritik soll dazu führen, der Armee die Fehler zu nehmen, zum Wohle unseres Volkes. Abg. v. Liebert (Rp.): Der fast eine Milliarde betragende Etat für Armee und Marine ist an­gesichts der erschreckenden Summe ein Memento für die Volks­vertreter. Bei der Marine, die erst ex ovo entsteht, kann nicht gespart werden, aber bei der Armee. Der Löhnungser­höhung für die Mannschaften stehen wir selbstverständlich sympathisch gegenüber, wir wünschen aber keinen Nachtragsctat, sondern ordnungsmäßige Erledigung im nächstjährigen Etat. Ueber den Wert oder Unwert der Kavallerieattacken zu streiten, ist hier nicht der Platz, darüber mögen die technischen Stellen entscheiden. Der Resolution, die Unterricht in der landwirt­schaftlichen Naturkunde beim Militär verlangt, stimmen wir zu. Dadurch bleibt die Liebe zur Scholle bewahrt. Wir wünschen die kleinen Garnisonen; dadurch werden die Landsöhne ihrer Heimat nicht entzogen.

Die Budgetkommission des Reichstages setzte am Dienstag die Beratung des Post-Etats sort. Die Resolution Erzbergcr, im Interesse der Durchführung der Sonntagsruhe die Annahme von Paketen an den Postschaltern an den Vorabenden der Sonn- und Festtage nur bis nachmittags 6 Uhr erfolgen zu lassen, wird angenommen. Die Resolution Gröber, die eine Sicherstellung der Geltendmachung gemeinsamer Wünsche der Beamten und Unterbeamten der Postvcrwaltung bezweckt, wird nach kurzen Erklärungen der verschiedenen Parteien, die Bedenken äußern, vom Antragsteller zurückgezogen. Es folgt der Etat für die Verwaltung der Reichseisenbahnen. Minister Breiten-

Ah, das ist Roberts Vater! Ich kenne ihn, aber er kann mir doch nicht helsen, ich muß sterben!"

O Anna, sei nicht so mutlos," rief der Alte schmerzlich, Du bringst mich zur Verzweiflung! Ich muß zum Strande hinunter, und wenn ich wiederkomme"

Williams fuhr zurück und erbleichte noch mehr. Die Sterbende blickte ihn verwundert an, wandte sich dann jedoch zu ihrem Vater, seine Hand leicht berührend.

Mein armes Väterchen," murmelte sie zärtlich,rege Dich nicht auf; ich bin es gar nicht wert. Geh zum Strande, und Gott wird helfen. Ich bin ganz still und ruhig, und wenn ich heimgerusen werden sollte, will ich Dich und Gretchen segnend stets umschweben."

Eine kurze, ergreifende Abschiedsszene folgte, dann sank Anna erschöpft und kraftlos in die Kissen zurück, und der alte Neidhardt wankte hinaus, das Antlitz von heißen Tränen überströmt.

»Ich habe sie zum letzten Male gesehen," hauchte er schmerzlich,ich weiß es genau, und o, wie soll ich weiter­leben ohne mein Kind, meine teure Anna!"

Aus dem kranken Körper der armen Näherin schien alles Leben geflohen zu sein. Sie lag steif und starr da, und auch als Williams nun näher trat und sie anrief, gab sie kein Lebenszeichen von sich.

Fräulein Neidthardt," fragte er abermals, seine Hand aus ihre Stirn legend,hören Sie mich?"

Sie blieb regungslos, und als er seinen kleinen Taschen­spiegel letzt vor ihre Lippen hielt, blieb die Helle Fläche un­verändert.

Sollte es schon das Ende gewesen sein?" murmelte er beunruhigt.Ich Thor, diese wundervolle Gelegenheit ungenützt vorüberzulassen! Aber vielleicht ist es nur ein Starrkrampf."

Er griff an den Puls. Nach wenigen Augenblicken fühlte er ein mattes, ungleichmäßiges Klopsen desselben und stüsterte befriedigt:Noch lebt sie! Ich gewinne wieder Mut!"

Draußen tappten kleine Hände nach der Thürklinke. Mit weit geöffneten Augen trat Gretchen ins Zimmer und begann

bach führt aus, die Abwanderung aus den höheren Klassen betrage etwa 15 bezw. 34 bezw. 5 v. H. Die Verhand­lungen über eine Revision der Fahrkartenstener seien im Gange. Die Belastung der einzelnen Klassen sei so verschieden, daß die Revision geboten sei. Der Rückgang sei zwar durch die außer­ordentliche Zunahme des Verkehrs in der vierten Klasse aus­geglichen worden. Im Juni 1906 seien 84 v. H. der Fahr- gäste in der dritten Klasse gefahren, 1907 nur 40 v. H. Der Verkehr in der vierten Klasse machte eine Vermehrung der Wagen nötig.

Abgeordnetenhaus.

Im preußischen Abgeordnetenhause erbat und erhielt Präsident v. Kröchcr zu Beginn der Montagssitzung die Er­mächtigung des Hauses, im Namen desselben der portugiesischen Gesandtschaft das Beileid wegen der tragischen Katastrophe in Lissabon aussprechen zu dürfen. Dann führte das Haus die Beratung des Etats des Handelsministeriums weiter und erledigte ihn schließlich.

Das Abgeordnetenhaus nahm am Dienstag zunächst ver­schiedene kleine Gesetzentwürfe ohne Diskussion an. Hieran schloß sich die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. die weitere Ausschließung des staatlichen Besitzes an Steinkohlen- feldern im Oberbergamtsbezirke Dortmund, in Verbindung mit einem Antrag des Abg. Dr. Porsch (Zentr.) betr. die weitere Ausschließung des staatlichen Besitzes an Steinkohlenseldern im Oberbergamtsbezirke Breslau. Abg. Dr. Hager (Zentr.) be­leuchtet die Lage des Kohlenmarktes durch statistische Angaben. Angesichts der herrschenden Kohlenteuerung, die durch die Steigerung der Produktionskosten und der Nachfrage eingetreten sei, erregen die zahlreichen Kohlenlieferungen ins Ausland große Verstimmung. Es muß besonders dahin gewirkt werden, daß das Ausland die Kohle nicht billiger erhalte als das Inland. Die vorgeschlagene Aenderung der Tarife für englische Kohlen würde nur den Konsumenten englischer Kohlen zugute kommen. Es gibt hier kein besseres Heilmittel als die Hebung der Produktion. Deshalb beantrage das Zentrum die Erschließung neuer Kohlenfelder in Schlesien und die Bereitstellung und Tilgung von 25 Millionen Mark für diesen Zweck.

Ist Wirren in Mmkke.

Der französische Marokkofeldzug hat wieder einen größeren Kampf gezeitigt, den die Kolonne des Obersten Boutegourd mit den Mzamzas zu bestehen hatte. Die Franzosen hatten hierbei acht Tote, unter ihnen einen Leutnant, und 50 Ver­wundete, unter ihnen vier Offiziere; der Verlust der Marokkaner ist angeblich ein sehr großer. Die französische Kolonne zog sich schließlich zurück, wie die Depesche des Generals d'Amade über dieses Gefecht selber zugibt, die Franzosen scheinen also eine Schlappe erlitten zu haben. Uebrigens ist eine französische Kompagnie, welche auf dem Marsche nach Fort Haße an der algerisch-marokkanischen Grenze begriffen war, in einen Schnee­sturm geraten, dem über 20 Soldaten zum Opfer sielen.

Tanger, 4. Februar. 5000 Mann haben gestern Marrakesch verlassen, um in den heiligen Krieg zu ziehen. Die Nachricht, daß Marokkaner aus Seiten der Franzosen unter General d'Amade gckämpft haben, hat in marokkanischen Kreisen und beim Wachsen den besten Eindruck gemacht.

Paris, 4. Februar. General d'Amade telegraphiert, daß die Küstenabteilung mit der kürzlich angegriffenen Kolonne bei Darber Reschid in Verbindung getreten ist. 21 Verwundete werden von dort nach Casablanca gebracht.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 2. Februar 1908.

Se. Majestät der Kaiser empfing gestern abend um 7V2 Uhr den General der Infanterie v. Hoepfner, den Polizeipräsidenten v. Stubenrauch und den Generaladjutanten Grasen Hülsen-Haeseler zum Vortrag. Diese Herren waren auch zur Abendtasel geladen, ebenso General der Infanterie v. d. Goltz. Heute vormittag hörte Se. Majestät der Kaiser die Vorträge des Chefs des Militärkabinetts und des Chefs des Marinekabinetts und begab Sich um 11 Uhr im Automobil nach Hubertusstock. um dort einige Tage zu verweilen.

Den Regierungspräsidenten ist vom Minister des Innern folgende Verfügung zugegangen:Die auf den Erlaß vom 25. Mai 1907 erstatteten Berichte haben ergeben, daß die Besoldung der Kommunalbeamten an vielen Orten einer Aufbesserung dringend bedürftig ist. Im Hinblick

sofort zu rufen.Tante Anna, was macht denn Roberts Vater mit Dir?"

Die Kranke lächelte matt bei den geliebten Lauten des feinen Sümmchens und versuchte den Kopf umzudrehen, doch sie war bereits zu schwach dazu.

Er macht mich gesund" hauchte sie mühsam, geh an den Strand Gretchen der Großohm kommt gleich zurück"

Ja, geh hinaus, Kind," fuhr auch Williams rauh die Kleine an,das fehlte auch noch, solches Kinderschreien zu hören!"

Er faßte die Kleine unsanft an der Hand und schob sie zur Tür hinaus, noch ehe Gretchen sich so weit gefaßt hatte, um kläglich loszuschreien.

Die Kranke hatte die Augen weit geöffnet, war aber zu schwach, um einen Laut von sich geben zu können, suchte jedoch offenbar den Blick des Arztes aufznfangen. Dieser bemerkte es und wich dem Flehen der halb gebrochenen Augen hartnäckig aus.

Was will sie von mir?" zischte er zwischen den Zähnen. Ob sie etwas ahnt? Hah nur rasch, sonst"

Er fuhr mit eiskalter Hand in seine Brusttasche, um ein schmales Päckchen herauszuziehen. Als er es jedoch sah, brach ihm der Angstschweiß aus den Poren, und die Zähne klapperten ihm wie im heftigsten Fieber.

Nur rasch, sie ist ja doch verloren und ich muß die Wirkung erproben."

Die großen, starren Augen der Sterbenden hingen unaus­gesetzt an dem zitternden Manne, der kaum das Papier von dem Päckchen zu lösen vermochte. Endlich fiel eS zur Erde und ein altertümlicher Dolch kam zum Vorschein.

Anna machte eine leise Bewegung. Sie hatte in letzter Stunde noch die Waffe erkannt, aber sie konnte keinen Ton mehr von sich geben. Starr hing ihr Blick an dem Damas­zenerdolch, der mit den Schicksalen der Grafen von Freienberg so eng verwachsen war.

Die Spitze ist vergiftet," hauchte Williams,ob aber das Gift noch wirkt? Rasch, einen einzigen Stoß, sie ist ja ohnehin dem Tode verfallen!"

aus die im Reich und in Preußen bevorstehende Gehaltser­höhung der Staatsbeamten und mit Rücksicht auf die allgemeine Verteuerung der Lebensverhältnisse ersuche ich, dieser Ange­legenheit sorgsame Prüfung zuzuwenden, und insbesondere den Gemeinden, vornehmlich den Städten, zu empfehlen, für eine den veränderten wirtschaftlichen Verhältnissen entsprechende Gehaltsaufbesserung, im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit, und soweit dies nicht bereits aus eigenem Antrieb der Kommunen ersolgt ist, ernstlich Sorge zu tragen."

Das von den verschiedensten Seiten gewünschte 25- Pfennigstück wird allem Anschein nach nicht mehr lange aus sich warten lassen. Wie derH. Cour." hört, wird die entsprechende Vorlage dem Bundesrat zugehen, auch wenn die endgültige Form der neuen Münzgattung noch nicht fcststkht.

Wegen Vergehen gegen die Nahrungs - m i t t c l g e s e tz e sind im Deutschen Reiche im Jahre 1905 insgesamt 3145 Personen verurteilt worden. In Rechnung gezogen sind alle Bestrafungen wegen Verfälschung von Nahrungs- und Genußmitteln, wegen Feilhaltens verfälschter oder verdorbener Nahrungs- und Genußmittel und wegen Zu­widerhandlungen gegen die Gesetze betr. den Verkehr mit Er­satzmitteln für Butter, den Verkehr mit Wein, künstlichen Süßstoffen usw. Im Jahre 1904 betrug die Zahl der Ver­urteilungen 3024, so daß eine Zunahme um 121 stattge- funden hat.

Ein Petersburger Telegramm berichtet: Bei dem am 30. Januar durch den finnländischen Staatssekretär Gerhard dem Kaiser unterbreiteten Rapporte über die Deklaration deS s i n n l ä n d i s ch e n Landtages aus die Aufforderung des Kaisers betreffend eine 1906/07 seitens des finnländischen Schatzamtes an das Reichsschatzamt zahlbare Subsidie für den Kriegsbedarf schrieb der Kaiser eigenhändig folgende Resolution auf die Deklaration: Angesichts der in der Deklaration des finnländischen Landtages auf meine Aufforderung hin ausge- stthrten Betrachtungen mache ich den Landtag daraus aufmerk­sam, daß das Verfügungsrecht über die Mittel des Staats­und Milizfonds ausschließlich meinem Gutachten untersteht, weshalb ich die Meinung des Landtages als mit den wirkenden Gesetzen nicht im Einklang befindlich erachte. Ich befehle, 20 Mill. Mark den Ressourcen des Reichsschatzamtes zu zahlen, wobei 16 400 000 Mark den Summen des Milizfonds und 3 600 000 Mark den vom Landtage votierten temporären Steuern zu entnehmen sind.

Aus A i n S e s r a, den 3. Februar, wird gemeldet: Eine Kompagnie des 1. Regiments der Fremdenlegion, welche als Garnison für Fort Hassa bestiinmt war, wurde auf dem Marsche dorthin von einem Schneesturm überrascht und zur Hälste zerstreut. Die meisten Mannschaften konnten in bejammernswürdigem Zustande ein Beduinendorf oder Fort Hassa erreichen, aber 21 Legionäre wurden leblos im Schnee begraben gefunden, und man befürchtet, daß noch mehr Leute ums Leben gekommen sind. Eine spätere Meldung besagt: Von der auf dem Marsche nach Fort Hassa von einem Schneesturm überraschten Kompagnie des 1. Regiments der Fremdenlegion sind vier Unteroffiziere und etwa dreißig Mann ums Leben gekommen.

Aus Provinz u. Nachbargediet.

):( Hersfeld, 4. Februar. Zu der gestern nachmittag 5 Uhr im Rathaussaale abgehaltenen Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung waren 17 Stadtverordnete erschienen; der Magistrat war vertreten durch Herm Bürgermeister Strauß und Herrn Beigeordneter A u e l. Um 5 Uhr eröffnete der Herr Stadtverordneten-Vor- steher Becker die Sitzung. Bei den am 18. und 19. November v. I. stattgehabten Neuwahlen und Ersatzwahlen zur Stadtverordneten-Versammlung sind wieder gewählt worden die Herren Uhrmacher Ernst A n d r 6, Kaufmann Heinrich R u d 0 l p h, Kaufmann Gustav Schreiber, Buch­druckereibesitzer Wilhelm B ä ch st ä d t, Maschinenfabrikant Benno Schilde, Bierbrauereibesitzer Ludwig Engelhardt und Lederfabrikant Jean Rechberg; neu gewählt wurden die Herren Färbmeister Georg Wolfs, Bierbrauereibesitzer Jean Steinweg, Tuchsabrikant Hermann Braun und Tuch- sabrikant Lndwig Braun. Die Wahlen sind bereits durch Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung vom 16. Dezember 1907 für gültig erklärt worden. Der Herr Stadtverordneten- Vorsteher führte die wieder- und neu gewählten Herren in ihr Amt ein, wobei die wiedergewählten Stadtverordneten auf ihre frühere Verpflichtung hingewiesen, die neugewählten aber durch Handschlag an Eides Statt verpflichtet wurden. Bei der nun folgenden Neuwahl des Stadtverordneten-Vorstehers und

Er ergriff die Waffe zum Stoße und trat hart an das Bett Annas. Apathisch starrte diese ihn an; als sich aber endlich der Dolch auf ihre Haut senkte und dieselbe leise ritzte, da kam noch ein letztes Mal alle Lebenskraft in den schon erkaltenden Körper zurück.

Mörder," rief sie mit halbgebrochener Stimme so grausig, daß Williams zurücktaumelte,fort von mir Mörder"

Es war sonst niemand im Zimmer, auch im ganzen Hause nicht, und dennoch gellten diese Worte wie ein Ton des jüngsten Gerichtes in den Ohren des zitternden Mannes dort am Bett. Er hatte sogleich den Dolch zurückgerissen und mit der Hand das winzige Blutströpschen fortgewischt, welches aus der kleinen Ritzwunde quoll, und nun stand er wie auö Erz gegossen neben der reglosen Kranken, deren Augen ihn weit aufgerissen anstarrten.

(Fortsetzung folgt.)

Ueber einen Kampf mit einem Wolf wird der Dtsch. Volksztg. aus Potenza in Südtirol berichtet: Als der Bauer Filippo Ciuccio mit seinem jungen Sohne und einem Fuhrwerke aus dem Walde zurückgekehrt war, wurde er plötzlich in der LokalitätSaletta" von einem wütenden Wolf angegriffen. Der Wolf packte den Erschrockenen mit den Zähnen an der Gurgel, und der Angegriffene wäre sicherlich getötet worden, wenn nicht der in der Nähe befindliche Fuhrmann Angela Ciurletti, der als riesenstarkcr Mann bekannt ist, den Wolf mit den Händen am Halse gewürgt hätte, so daß beide zu Boden fielen. Hier entspann sich aber zwischen dem Raubtiere und den beiden Männern ein fürchterlicher Kampf. Durch daS Hülfegeschrei der Bedrohten ausmerksam gemacht, eilten endlich einige Holzfäller mit ihren Aexten herbei und spalteten dem Raubtiere den Schädel. Die beiden aus diese Weise Geretteten wurden, am Körper schwer vetletzt, ins Spital gebracht. An dem Auskommen Ciuccios wird gezweifelt.

Alsum a. Rhein (Regbz. Düsseldorf), 4. Februar. Infolge Schneesturmes stießen heute früh zwei Schiffe zusammen. Eines sank, drei Kinder ertranken.