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herrselder Kreisblatt
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Fernsprech-Knschlutz tlr. 8
Nr. 15.
Donnerstag, den 6. Februar
1808
Amtlicher Ceil.
Bekanntmachung.
Der Königliche Rentmeister, Rechnungsrat Schultheiß hat unter seiner vollen persönlichen Verantwortlichkeit mit unserer Genehmigung seinen Privatgehülsen Ferdinand K r e i ß e r zur Erteilung von Quittungen über Zahlungen an die Kreis- und Forstkasse dortselbst bevollmächtigt. Die unter dem 10. Oktober 1901 dem Privatgehülsen Paul Westphal erteilte gleiche Vollmacht ist erloschen.
Cassel, den 22. Januar 1908.
Königliche Regierung, Abteilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten.
__________________Rudolf._________________
Hersseld, den 4. Februar 1908.
Den nachbenannten Persönlichkeiten sind im Monat Januar 1908 diesseits Jagdscheine erteilt worden:
A. Jahresjagdscheine:
a. entgeltliche:
am 9/1. dem Landwirt Johann Jakob Lenz in Reilos,
„ 11/1. „ Amtsrat Georg Freise zu Bingartes, „ „ „ Maurer und Landwirt Johann Georg Wagner in Unterneurode,
„ 13/1. „ Bäckermeister Hermann Huth in Hersseld,
„ 22/1. „ Kaufmann Ludwig Engelhardt daselbst,
b. unentgeltliche:
„ 15/1. „ Königlichen Förster Kurth in Bengendorf.
6. Tagesjagdscheine:
„ 11/1. „ Goldarbeiter Ernst Brehm aus Eisenach.
Der Königliche Landrat von G r u n e l i u s.
Die II. Schulstelle in Obergeis kommt infolge Versetzung des jetzigen Inhabers vom 1. März d. Js. ab zur Erledigung. DaS Grundgehalt der Stelle beträgt neben freier Dienstwohnung 1000 Mark; der Einheitssatz der Dienstalterszulage 120 Mark.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche und Zeugnisse bis zum 25. Februar d. Js. an den Königlichen Ortsschulinspektor — Herrn Pfarrer Gamb zu Obergeis — einreichen.
Hersseld, den 30. Januar 1908.
Der Königliche Schulvorstand:
I. 1077. I. V.:
Thamer.
Hersfeld, den 30. Januar 1908.
Die unter dem Schwcinebestande des Landwirts Johannes Völker zu Beiershausen ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 1100. Der Königliche Landrat.
J. V.:
T h a m e r.
Der Mcksbort.
Roman von H. von K l i p h a u s e n.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Mit einem freudigen Ausruf stürzte Romand auf den Knaben zu, der sich soeben in einen der Ställe begeben wollte, hielt ihn mit nervöser Hast an der Hand fest und schritt neben ihm, bis er endlich so viel Kraft gesammelt hatte, um reden zu können.
„Wo ist Gretchen?" stieß er leise hervor. Ich will zu ihrer Tante.
„Ach, die arme Tante liegt im Sterben," seufzte der Knabe traurig, „sie hat die Kleine schon kaum mehr erkannt, und wir wissen gar nicht, was man noch tun könnte."
„Aber das Kind," rief der erregte Mann ganz laut, „wenn sie stirbt, hat es niemanden?"
„O doch, den Großohm, er gibt sie nicht von sich, das weiß ich genau. Aber, Herr Direktor, soll ich das Pferd heute in die Schwemme reiten?"
Völlig abwesend schaute der finstere Mann zu Robert hin. „Was meinst Du, daß ich noch an andere Sachen denke, als an mein Kind, meine Margot?"
Robert schwieg erschrocken. Er glaubte, der Direktor habe den Verstand verloren, denn Gretchen sei doch nie und nimmer sein Kind. . ,
„Geh nach Hause," besaht Romand hart, „sieh zu, was die Tante macht, und komme mir dann Bescheid sagen; aber spute Dich! Jede Minute ist kostbar."
Sein Antlitz war fahl, seine Hände eiskalt. „Ich muß die Tante noch selbst sprechen, hörst Du?" rief er dem Davon- eilenden nach.
* * *
Es ging zu (5v.be mit Anna Neidhardt. Sie fühlte, wie der Tod näher und immer näher rückte. So schwer es ihr bis dahin auch geworben war, an das Sterben zu denken, aus einmal fühlte sie sich wie erleichtert und glücklich dadurch.
nichtamtlicher Ceil.
P-rtWlllnb ReMchtench hemRchsMh.
Die jähe Ermordung des Königs Karlos und des Kronprinzen Luiz haben das Königreich Portugal, welches sich ohnedies schon durch die Diktatur des bisherigen Ministerpräsidenten Franco in einer schweren politischen Krisis befand, in einen harten Kampf um seine monarchische Staatsform gedrängt, denn wenn man auch noch nicht sagen kann, ob die Königs- Mörder internationale Anarchisten oder portugiesische Revolutionäre waren, so weiß man doch ganz genau, daß es gedungene Mörder waren, welche das ganze portugiesische Königshaus mit einem Schlage vernichten sollten. Die blutigen Mordtaten galten also dem Sturze der portugiesischen Monarchie, und große unheimliche Mächte müssen die Gewalttat in Szene gesetzt haben. Vom Standpunkte des neuen Königs Manuel II. und seiner Ratgeber ist es daher natürlich, daß man in Portugal die noch vorhandenen monarchischen Kräfte und Einrichtungen verstärken will, und die Entlassung des unbeliebten Ministerpräsidenten Franco und die Bildung eines neuen Ministeriums unter dem Admiral Ferreira zeigt auch, daß man wahrscheinlich mit Hilfe der Gegner des früheren Ministerpräsidenten Franco die politischen Geschäfte in Portugal weiter leiten will. Dennoch entsteht die Frage, ob es sich in Portugal um eine Reaktion oder um eine Reform mit der neuen Regierung handeln wird. Wie immer bei blutigen Attentaten gegen das herrschende Fürstenhaus sind die zur Regierung berufenen Männer zu reaktipnären Maßregeln bereit, und es wäre für das portugiesische Königshaus und Portugal vielleicht das Schlimmste, wenn die Reaktion nach dem Königs- morde versuchen würde, vollständig zu triumphieren, denn daraus würden wahrscheinlich nur neue Revolutionäre und Attentate entstehen. Die übrigen Mächte sind einmütig in der Verdammung der Mordtat an dem König Karlos und dem Kronprinzen Luiz, und sie haben alle der verwitweten Königin Amalie und dem neuen Könige Manuel II. ihre Teilnahme in dem großen Unglücke ausgedrückt. Helfen werden aber die übrigen Mächte der portugiesischen Regierung in der schweren Krisis wohl nicht, denn Einmischungen in die Verhältnisse eines revolutionären Landes haben sich immer als sehr undankbar und gefährlich erwiesen. Nur auf moralische Unterstützung seitens der übrigen Mächte kann die portugiesische Regierung in der schweren Krisis rechnen, außerdem wäre es ja möglich, daß Spanien und England, um die Revolution in Portugal niederzuhalten, dem wankenden portugiesischen Throne noch einen besonderen Beistand leisten werden, wie dies England bereits durch das Erscheinen seiner Atlantischen Flotte vor Lissabon und Spanien durch die Absperrung der portugiesischen Grenze getan haben. Es ist übrigens auch nicht wahr, daß der ermordete König Karlos als ein Feind des Parlamentarismus anzusehen war und in seinem Lande
Ihre halb erloschenen Augen wurden wieder klarer, die trockenen Lippen lächelten mühsam und versuchten einige Worte hervor- zustammeln.
„Vater — ich will — meinen letzten Willen — aufsetzen."
Der alte Mann mit dem kummervollen Gesicht versuchte ihr freundlich zuzuwinken, aber es mißlang. Heiße Tränen stürzten ihm aus ben Augen, und er wandte sich jählings zur Tür, um nicht von der Sterbenden bemerkt zu werden. Aber sie hatte es dennoch gesehen.
„Weshalb weinst Du, Väterchen?" flüsterte sie halb bewußtlos. „Mir ist so wohl — und gehe ja beim ins ewige Vaterhaus — zu meiner Mutter —" und Gräfin Hedwig. Sie haben mir — heute Nacht — schon gewinkt. Sei — gut, Väterchen — weine — nicht — mehr!"
„Nein doch, Anna, ich weine ja ganz gewiß nicht mehr," erwiderte der Vater mit zitternder Stimme, „ich tomme Dir auch bald nach — ach sehr bald!"
„Aber Du mußt noch bei Gretchen bleiben, hörst Du?" bat Anna dringend. „Ich habe die Sorge für — das Kind — übernommen, und — will — nicht treulos —• erscheinen."
„Gewiß, Anna, ich bleibe bei unserem Gretchen," sagte Neidhardt kummervoll, „aber rege Dich nicht anf; ich will Dir holen, was Du zum Schreiben brauchst."
Draußen mußte sich der Greis das Gesicht mit den Händen bedecken, um das Schluchzen zu unterdrücken. Selbst am Rande des Grabes stehend, sollte ihm auch noch dieser Schmerz zu teil werden, die geliebte Tochter sterben zu sehen!
„Hergott, deine Wege sind nnersorschlich!" stöhnte er verzweifelt. „Gib mir Kraft, sie zu ertragen!"
In demselben Moniente griff eine eiskalte Hand nach der seinen. Ein leichenblasses Antlitz blickte ihn an, und eine rauhe Stimme fragte hastig:
„Ist es wahr, daß sie sterben wird? Ist Eure Tochter schon tot?"
„Nein, noch nicht, aber sie wird jedenfalls sterben," entgegnete der alte Mann tonlos; „sie liegt wohl in den letzten Zügen!"
„Ist es möglich? Ich bin Mr. Williams, den Ihr damals
als ein Tyrann galt. Der König Karlos wußte nur in den verfahrenen politischen Zuständen Portugals keinen besseren Weg, als es eine Zeitlang mit einer Art Diktatur zu versuchen. Sonst war der König wegen seiner persönlich liebenswürdigen Eigenschaften vielfach in Portugal sehr beliebt. Allerdings konnte König Karlos gegenüber den Fällen der Meuterei und offenen Revolution auch sehr streng sein, und im Jahre 1905 hat er fünfhundert Meuterer der Kriegsschiffe sehr streng bestrafen lassen. Es war aber vom politischen Standpunkte aus dem Könige darüber wohl kein Vorwurf zu machen, denn wenn diejenigen Männer, die als königliche Matrosen in erster Linie berufen sind, den Thron und die Regierung zu stützen, die Waffe gegen die Regierung selbst erheben, so wird in jedem Lande eine strenge Bestrafung stattfinden.
* *
*
Die Feier der Beisetzung des Königs Karlos und des Kronprinzen Luiz Filippe ist nunmehr amtlich auf Sonnabend vormittag festgesetzt worden. Kaiser Wilhelm entsendet dazu als seinen Vertreter den Prinzen Friedrich Leopold von Preußen und in dessen Begleitung den früheren Militärattache an der deutschen Gesandschaft zu Lissabon, Flügeladjutanten Major Freiherrn von Senden.
Außerdem begibt sich noch eine Deputation bestehend aus dem Kommandeur und mehreren Offizieren des Infanterie- Regiments Gras Tauentzien von Wittenberg (3. Branden- burgisches) Nr. 20, dessen Chef der verstorbene König von Portugal war, nach Lissabon. Von den fremden Souveränen wird der König von England vertreten sein durch den Herzog von Connaught sowie der König von Spanien durch den Jn- santen Ferdinand von Spanien.
London, 4. Februar. Aus Lissabon wird gemeldet: Die Szenen, die sich in dem Palast Necessidades abspielen, sind tief erschütternd. Königin Amalie weilt, von Militärposten und ihrer Zivilbegleitung umgeben, fast ununterbrochen im Gebet bei ihrem toten Gemahl und ihrem Sohn. Die Leichen wurden auf zwei ganz einfache Lagerstätten gebettet in einem Gemach, das früher König Karlos innehatte. Es ist das Sterbezimmer König Pedros V. von Portugal und wurde unter anderem von dem König von England anläßlich seines letzten Besuches in Lissabon bewohnt. Das Antlitz der beiden Toten zeigt einen stillen Zug des Friedens; die grauenhafte Todesstunde hat keine Spur in ihren Zügen hinterlassen. Unaufhörlich betreten Personen, denen der Zutritt gestattet ist, das Zimmer, in dem ein Altar errichtet ist und von Zeit zu Zeit ein stiller Gottesdienst abgehalten wird. Zwischen den Totenbetten steht ein hohes Kruzifix, in silbernen Kandelabern brennen die Kerzen Tag und Nacht. Der Einbalsamierungsprozedur wohnten nur Aerzte bei; danach fand die Aufbahrung der Leichen in der königlichen Schloßkapelle statt. Bis jetzt ist kaum der notdürftigste Schlaf in die Augen der Königin gekommen, sie trennt sich schwer von den Toten.
beim Schiffbruch gerettet habt. Ich bin ein Arzt, führt mich zu Eurer Tochter!"
Ein Frösteln durchlief bei diesen Worten seinen Körper; er schlang die Hände ineinander und atmete schwer, aber der alte Mann achtete nicht darauf, er hatte keine Hoffnung mehr und nickte daher nur trübe vor sich hin: „Kommt nur, wenn Ihr wollt, Mr. Williams, aber es hilft ja doch nichts. Sie jagt, sie müsse sterben, und geirrt hat sich meine Anna nie im Leben. Aber kommt nur herein."
„Aber Ihr müßt mir schwören, daß keine Hoffnung mehr auf ihre Erhaltung vorhanden ist."
Verwundert blickte Neidhardt in das bleiche, verzerrte Antlitz Williams. „Wie sonderbar Ihr redet," meinte er mit dem Kopfe schüttelnd, „als ob darüber noch ein Zweifel bestehen könnte!"
„Ich — will Euch tausend Mack geben, wenn Eure Tochter stirbt —"
Der alte Mann fuhr herum wie von einer Tarantel gestochen und fragte in grollendem Tone: „Was soll eigentlich diese Rederei? Meint Ihr, ich ließe mich von Euch täuschen und glaubte nicht an Annas Tod? Was soll das heißen, daß Ihr Geld zahlt, wenn sie stirbt?"
„Nehmt es nicht übel, Mr. Neidhardt," bat Williams seltsamer Weise ganz demütig, „es kam mir nur so in den Mund. Natürlich will ich mit Euch kommen und tun, was in meinen Kräften steht, um die Kranke zu retten."
Sein Blick streifte scheu den Alten. Dieser aber war so von seinem Kummer bewältigt, daß er nichts merkte. Mit einem tiefen Seufzer strich er das dünne graue Haar von der Stirn und wandte sich der Stube zu Williams winkend, ihm zu folgen.
Anna lag wie tot in den Kissen, die tief eingesunkenen Augen geschlossen, und beinahe schon außer Atem. Ihr Vater preßte schmerzlich die Lippen bei diesem Anblick aufeinander, schritt aber doch möglichst gelassen zu ihr hin und redete sie an: „Liebes Kind, ich bringe Dir hier Herrn Doktor Williams, der Dich behandeln und, so Gott will, retten wird. Wirst Du mit ihm sprechen?"
„Sie schlug die Augen auf und blickte müde den Arzt an: