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herrfelder Armblatt
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Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 13.
Sonnabend, den 1. Februar
1908.
Amtlicher teil.
HerSfeld, den 28. Januar 1908.
Unter dem Schweinebestande deS Johann Jakob Most in Rotensee ist die Seuche ausgebrochen.
I. 1028. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
nichtamtlicher teil.
Politischer Wochenbericht.
Die verflossene Woche hat für jeden patriotisch empfindenden Deutschen durch den Geburtstag unsers geliebten Kaisers ein auszeichnendes Gepräge und einen festlichen Charakter empfangen. Umso lebhafter aber äußerte sich diesmal die Festesfreude, als Kaiser Wilhelm nach völlig überwundener Krankheit wieder in alter Kraft und Frische seines Amtes zu walten vermag. Es ist naturgemäß, daß an dem Geburtstage eines Herrschers, der von so maßgebendem Einflüsse auf die Geschicke seines Landes und Volkes ist, auch die politischen Verhältnisse Deutschlands in den Kreis der Festesbetrachtung einbezogen werden. Da dürfen wir nun wohl mit gutem Rechte feststellen, daß im abgelaufenen Lebensjahre des Monarchen die erfreulichen Momente überwiegen. Das Kamarillageschwätz ist beseitigt, und die Blockpolitik hat sich bewährt. Gott schütze und schirme auch weiterhin den Kaiser und sein Haus, Gott kröne alles, was der Monarch in nimmer rastendem Eifer für des Landes Wohlfahrt plant und unternimmt, mit reichstem Segen und lasse unser geliebtes Vaterland unter Kaiser Wilhelms Szepter immer mächtiger und herrlicher erblühen!
AlS eine, wenn auch ein klein wenig verspätete GeburtS- tagsgabe an den Kaiser stellt sich die glatte Annahme der Flottenvorlage imReichstage dar. Für dieselbe stimmten alle Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Polen; der engere Block des deutschen Bürgertums war diesmal so zum weiteren geworden, der auch das Zentrum einschloß. Solche Tage sind in der deutschen Volksvertretung nur äußerst spärlich^ gesäet und dürfen daher als nationale Freudentage gelten. Einen Mißton in den Einklang der Reichstagsverhandlungen brächte nur der sozialdemokratische Oberhäuptling Bebel hinein. Er benutzte auch diese Gelegenheit wieder, um sich und seine Spießgesellen in der Oeffent- lichkeit zu prostituieren, indem er das eigene Vaterland vor dem Auslande zu verdächtigen und uns mit England zu verhetzen suchte.
In Oesterreich-Ungarn sind die Delegationen 511- sammcngctreten, und der Minister des Aeußcrn Freiherr v. Aehrenthal hat das übliche Expos« über die auswärtigen Angelegenheiten gegeben. Er betonte die Bedeutung der Monarchenzusammenkünste und Ministerkonferenzen, die im Laufe des letzten Jahres stattgefundcn haben, gedachte in warmen Worten der Besserung der Beziehungen zu Italien und erklärte, daß die Richtung der auswärtigen Politik der Monarchie seit der letzten Tagung der Delegationen unverändert geblieben sei. Oesterreich-Ungarn halte an der Fortführung des mazedonischen Reformwerkes fest und zwar in Formen, die der Integrität der Türkei und der Souveränität des Sultans vollauf Rechnung trügen. Es liege der österreichischen Regierung vollständig fern, auf der Balkanhalbinsel territoriale Eroberungen zu machen, Oesterreichs Aufgabe sei dort vielmehr eine ausschließlich kulturelle. Der Minister spendete im Anschlüsse hieran den großen Kulturwerken, die deutsche Arbeit in Kleinasien geschaffen, warme Anerkennung, wie er denn überhaupt mehrfach im Verlaufe seines Exposss seine Sympathien für Deutschland bekundete. So gab er unter anderm seiner Freude über die in verflossenem Jahre erfolgte Annäherung zwischen Deutschland und England herzlichen Ausdruck. Die Ausführungen des Leiters der auswärtigen Politik Oesterreichs-Ungarns sind geeignet, allenthalben einen durchaus günstigen Eindruck hervorzurufen.
In Frankreich hat die Kammerdebatte über Marokko sich dadurch noch sensationeller gestaltet, als man erwartete, daß Delcassä den Beruf verspürte, wieder einmal von sich reden zu machen. Er hielt eine lange Rede zur Rechtfertigung seiner Politik als ehemaliger, Minister des Auswärtigen. Das Interessanteste an dieser Rede war der schlecht verhüllte Haß gegen Deutschland, von dem sie sich durchtränkt zeigte. Als besonderes Verdienst rechnet es sich Delcass« an, daß durch seine Politik „bie Hegemonie Deutschlands in Europa" bedroht wurde. Die augenblickliche Regierung Frankreichs hat dem gestürzten Ränkeschmied gegen Deutschland alsbald durch den Mund PichonS eine deutliche Absage und Desavouierung zuteil werden lassen. In klarer Weise legte Pichon dar, daß der Sturz Delcassos eine Notwendigkeit war, da seine Ränke die Erhaltung deS Friedens aufs äußerste gefährdete. Der kleine Ehrgeizige ist also von der französischen Regierung abgetan worden. DieS war zwar mit größter Wahrscheinlichkeit zu erwarten ; daß es aber so prompt und vollständig geschehen ist, darf immerhin mit Genugtuung festgestellt werden.
Reichstag.
Der Reichstag, welcher seit dem Schlüsse seiner Sitzung vom 24. Januar pausierte, hat am Mittwoch seine Plenar- Verhandlungen wieder ausgenommen. Zur Erörtemng stand zunächst die Flottenvorlage, die in ihrem Kernpunkte bekanntlich die Herabsetzung der Lebensdauer unserer Linienschiffe und Kreuzer auf zwanzig Jahre vorschlägt, sie ist von der Budgetkommission unverändert angenommen worden. Nach dem vom Referenten der Budgetkommission, dem Zentrumsabgeordneten v. Thunfeld, erstatteten mündlichen Bericht, erklärten die Abgeordneten Graf Oriola (nat. lib.), Wiemer (fr. Volksp.), Spähn (Zentr.), v. Richthosen (kons.), Arendt (Reichsp.), Mommsen (fr. Verein.) und Liebermann von Sonneberg (wirtfch. Bereinig:) namens ihrer Fraktionen deren Zustimmung zur Flottenvorlage. Nur Abg. Bebel (soz.) bekämpfte die Vorlage, sie ist nach seinen Ausführungen überhaupt nicht nötig, da angeblich die Lebensdauer der deutschen Kriegsschiffe sowieso schon die kürzeste ist, außerdem soll sie nach BebelS Annahme eine gefährliche Provokation Englands bedeuten. Regierungsseitig griff der Staatssekretär des Reichsmarineamtes v. Tirpitz zweimal in die Debatte ein. Das eine Mal geschah dies, um Erklärungen zum Stande der neuen Reichssteuer- Projekte abzugeben; den Auslassungen des Herrn v. Tirpitz zufolge handelt es sich hierbei um die Verstaatlichung eines Teiles des Branntweinzwischenhandels und um eine Banderolesteuer auf Tabak und Zigarren, nähere Mitteilungen über diese Vorlagen gab der Staatssekretär nicht. In seiner zweiten Rede wies Herr v. Tirpitz die Bemängelung der Flottenvorlage durch Bebel zurück, namentlich die Behauptung des Sozialisten- führers, daß die Vorlage England beunruhigen werde. Im übrigen spielten die Vorgänge im Flottenvercin eine Rolle in der Debatte, deutlich konnte man hierbei Freunde und Gegner des Vereines unterscheiden. Schließlich wurde die Flottenvorlage gegen die Stimmen der Polen und Sozialdemokraten unverändert genehmigt.
Auf der Tagesordnung der Sitzung am Donnerstag stand die zweite Beratung des Marineetats. Bei den fortdauernden Ausgaben wendet sich Abg. Dr. Leonhart (Frs. Vp.) gegen die vom Flottenverein und Teilen der rechtsstehenden Presse gegen die Marineverwaltung und den Reichstag wiederholt gemachten scharfen Angriffe, daß nicht genug für die Flotte geschehe. Für den Bau der großen 18000 Tonnenschiffe sollten wir dem Beispiele Englands folgen und zunächst ein Probeschiff — wie die Dreadnought — bauen, anstatt gleich eine größere Anzahl davon in Bau zu geben. Redner verlangt alsdann die etatsmäßige Anstellung der jahrzehntelang bei der Marineverwaltung tätigen akademisch gebildeten Ingenieure. Anerkennung verdiene die Tätigkeit des Nachrichtenbureaus des ReichsmarineamtS, dessen „Waschzettel" selbst vom Vorwärts abgedruckt würden. Anzustreben sei eine gleichmäßige wissenschaftliche Ausbildung der Schiffsingenieure, damit ähnliche Vorkommnisse vermieden würden, wie sie in der amtlichen Darlegung über die Katastrophe auf der J«na der französischen Marine beklagt wurden. Die Militäranwärter, unter denen sich viele vorzüglich begabte Männer befinden, müßten in die besseren Subalternstellen gebracht werden. Die Tafelgelder müßten nur den Seeoffizieren bewilligt werden, die auch wirklich an Bord der Schiffe sich befinden und nicht nur dazu kommandiert sind. Die Freisinnigen würden auch künftig alles bewilligen, was notwendig sei für den Ausbau der Flotte, aber auch in der Marine möge der Geist altpreußischer Sparsamkeit Platz greifen, die mit beigetragen habe, Preußen und Deutschland groß zu machen.
Aus Jn- und Ausland.
Berlin, den 30. Januar 1908.
S e. Majestät der Kaiser nahm gestern abend während des Hofballcs die Meldungen folgender Herren entgegen: deS neu ernannten Oberpräsidenten Hegel, des neu ernannten Reichsbankpräsidenten Havenstein, des in den Frei- herrnstand erhobenen Kammerherrn Frhrn. v. Köckritz, des neu ernannten Chefs des Admiralstabes Admirals Grafen Baudisfin. Heute morgen besuchte Se. Majestät der Kaiser den Reichskanzler, nahm im Königlichen Schloß die Meldung des Admirals Büchsel, von seiner bisherigen Stellung als Chef des Admiralstabes enthoben, und des Generals v. Bernhardt als kommandierenden Generals entgegen und hörte die Vorträge des Chefs des Generalstabes und des Chefs des Militärkabinetts.
Ueber angeblich bevorstehende Unruhen der Wagogo in O st a f r i k a, die südlich von Kilimatinde und Mpapua sitzen, berichtet die Usambarapost vom 4. Januar: Der Ausstand 1904 und 1905 haben die Wagogo bekanntlich nicht mitgemacht, weil einerseits die Verwaltung die nötigen Vor- beugungSmaßrcgeln getroffen hatte, und anderseits — und das ist wohl der Hauptgrund für die damalige Zurückhaltung der Wagogo — es den Leuten allen gut ging, sie hatten ihren schönen Viehbestand und konnten durch einen Krieg nur vc» lieren. Jetzt haben sie durch die Viehseuche einen großen Teil deS Viehes verloren und wollen nun aus kriegerischem Wege
ihr Vieh wieder ersetzen. Es sind, wie von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, bereits verschiedene Anzeichen dafür gewesen, daß die Wagogo nur eine gute Gelegenheit und eine gute Ernte abwarten wollen, um auf den Kriegspsad zu gehen, d. h. eben Unruhen oder Aufstand zu machen. Der ungeheure Aberglaube, in dem das Wagogovolk noch besangen ist, macht die Gefahr nur noch größer. Auch die Häuptlinge des Stammes, die im ersten Augenblick, wenn man sie kennen lernt, sehr aufgeklärt scheinen und sich gut und sauber, sogar meist nach europäischer Art, kleiden, stecken noch im tiefsten Aberglauben und befinden sich vollkommen in der Gewalt der StammeS- zauberer, die ihnen die „Dawa" vorschreiben. Nur den Zauberern gelingt es, wenn die einzelnen kleinen Wagogo- Häuptlinge noch so feindlich gegen einander gesinnt sind und sich nicht vertragen können, sie zu einigen: Die männlichen Zauberer bedienen sich bei ihren Zaubereien neuerdings zahmer Hyänen, die weiblichen Zauberer — und deren gibt eS ebenso- viele — führen hierfür Schlangen mit sich.
Ueber Australien sind in Berlin Nachrichten eingetroffen von Eingeborenenunruhen in Deutsch-Neuguinea. Im Reichskolonialamt liegen darüber bisher keine Meldungen vor. Würde es sich, so schreibt die Cöln. Ztg., um etwas Ernstliches handeln, so wäre mit dem Lloyddampfer, der die Gerüchte nach Sydney gebracht haben soll, jedenfalls auch zur telegraphischen Weitergabe von Sydney aus durch das Gouvernement von Deutsch-Neuguinea ein Bericht erstattet worden. Aber schon der Schauplatz der angeblichen Unruhen, Potsdamhafen, läßt vermuten, daß er sich hierbei um weiter nichts handelt, als um eine der gewöhnlichen Strasexpeditionen des Bezirksamts Friedrich-Wilhelm-Hasen, da sie sich schon deS öftern gegen die in der Gegend von Potsdamhafen sitzenden Kanaken richteten. Besonders starke deutsche Interessen liegen in Potsdamhafen noch nicht vor.' Die Neuguinea-Kompagnie und die Steyler-Mission haben dort eine Station von nicht erheblicher Bedeutung. Die Eingeborenen sind heimtückisch, händelsüchtig und leicht reizbar.
Das preußische Herrenhaus trat am Mittwoch wieder zu einer Sitzung zusammen. Vizepräsident Frhr. v. Manteuffel widmete dem verstorbenen Präsidenten Fürsten zu Jnn- und Knyphausen sowie dem Geh. Rat Hintzpeter einen Nachruf. Hierauf erledigte das Haus einige kleinere Vorlagen.
Das Königliche Eisenbahnzentralamt in Berlin ist beauftragt worden, wegen Uebernahme der Herstellung von weiteren 200 Kohlenwagen und 500 offenen Güterwagen mit den Werken, die zurzeit für die preußisch-heffische StaatS- eiscnbahnverwaltung beschäftigt sind, in Verhandlung zu treten. Die Anlieferung dieser Fahrzeuge soll in der Zeit vom 1. April bis zum 31. Oktober d. Js. erfolgen.
In London hat die Eröffnung des englischen Parlaments mit einer Thronrede des Königs Eduard stattgefunden. Der König erwähnte den Besuch des deutschen Kaiserpaares und betonte, der herzliche Empfang, der diesem durch das englische Volk zuteil geworden, könne nicht verfehlen, die zwischen beiden Nationen bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zu befestigen. Die Beziehungen zu den auswärtigen Mächten feien ebenfalls dauernd freundschaftlich. Die eng- lische Regierung sei mit den Regierungen von Frankreich, Deutschland und Rußland in einem Vertrag verbunden zur Erhaltung der Integrität des Königreiches Norwegen.
Die Lage in Lissabon ist noch immer eine ungewisse. Am Mittwoch fanden wiederholte Straßenunruhen statt, wobei einige Personen verwundet wurden.
Die anarchistischen Zustände in der persischen Provinzialhauptstadt Täbris dauern fort; vereinzelte Scharmützel und offene Plünderungen kommen immer wieder vor. Ungeachtet der von dem Statthalter und den Endschumen verbreiteten gedruckten Aufforderungen bleiben die Bazare geschlossen. Infolge der in den Bazaren herrschenden Panik funttionierten die Banken am 28. Januar nicht. Der Handel erleidet ernste Verluste.
Eine Bande von 100 Afridis üb erfi el in der indischen Grenzstadt P e s ch a w a r nachts das Haus eines reichen eingeborenen Bankiers. Sie raubten die Kasse und Juwelen von bedeutendem Werte, töteten zwei Polizisten und verwundeten vier. Mit der Sicherheit in Peschawar scheint es nicht zum besten zu stehen!
DerArbeitrmarkt im Monat Dezember 1907.
Der Monat Dezember 1907 brächte eine Forschung der Rückganges der Beschäftigungsgelegenheit in einem Teil der deutschen Großgewerbe, insbesondere sind davon berührt die eisenverarbeitenden Werke der deutschen Metallindustrie und ein Teil der deutschen Webereien. Der Rückgang vollzog sich indessen auch hier nicht plötzlich, sondern nur allmählich.
Im übrigen bringt der Dezember, so wird im ReichS- Arbeitsblatt ausgesührt, durch das Voranschreiten der Jahreszeit an sich stets einen starken Rückgang der Beschästigungs- gelegenheit mit sich, soweit nicht in einer Reihe von Branchen das Weihnachtsgeschäft vermehrte Beschäftigung zur Folge hat. In diesem Jahre wurden die Verhältnisse dadurch etwaS gemildert, daß die milde Witterung des Dezember bis beinahe gegen Jahresschluß die Bauarbeiten gestattete. Von den