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fierchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 13. Donnerstag, den 30. Januar 1908.

Amtlicher teil.

Hersseld, den 23. Januar 1908.

Der Kreisassistenzarzt Dr. Malens in Hünfeld ist durch Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten in Cassel vom 11. Januar 1908, A. II. G. Nr. 1574 b auf Grund der 88 10 ff. des Gesetzes vom 24. Mai 1901 (R. G. S. 175) betr. den Verkehr mit Wein, weinhaltigen und weinähnlichen Getränken in Verbindung mit Ziffer 2 des Ministerialerlasses vom 23. Januar 1902 zum stellvertretenden Sachverständigen behufs Durchführung der im obigen Gesetze vorgesehenen Re­visionen für die Kreise Hersfeld und Hünfeld ernannt worden. I. 498. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 25. Januar 1908.

Am 1. Februar d. Js. wird die 4te Rate der für das Rechnungsjahr 1./4. 1907/8 zu entrichtenden Kreis - st e u e r fällig.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises ersuche ich, gefälligst dafür sorgen zu wollen, daß die Zahlung der fälligen Beträge zu dem angegebenen Termine pünktlich erfolgt.

Der Vorsitzende des Kreisausschusses: von Grunelius.

Schuhmacher, Sattler, Schmiede, Schneider, Schreiber, Musiker und sonstige zum freiwilligen Diensteintritt geeignete Leute können am 1. Oktober 1908 als Dreijährig-Freiwillige beim unterzeichneten Regiment eingestellt werden. Umgehende Meldung erwünscht.

Kurmärkisches Dragoner-Regiment Nr. 14 Colmar i. E.

nichtamtlicher Ceil.

Delcasfs und jpiehsn.

Was die Rede des Deputierten Delcasfs von den Reden des Ministers Delcasfs unterscheidet, das ist nur eine Nüance: der Minister pflegte Deutschland nicht zu nennen, wenn er es irgend vermeiden konnte; der Deputierte spricht den Namen Deutschland offen und ungeniert aus, und zwar gerade in Verbindung mit Ausführungen, die seine Rede den Pflegern des französischen Chauvinismus angenehm erklingen lassen. Der Deputierte ist nicht durch dieselben Rücksichten gebunden, die der mit dem diplomatischen Verkehr belastete Minister zu nehmen hatte. Es wäre daher verfehlt, Herrn Delcasfs aus seiner jetzigen freien Sprache einen Vorwurf machen zu wollen. Wohl aber darf man darin die nachträgliche Bestätigung da­für sehen, wiewohl es deren kaum mehr bedurfte daß

Der Gliicksbort

Roman von H. von K l i p h a u s e n.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Was ist denn noch aus dem Nixlein geworden?" fragte Gretchen mit leuchtenden Augen und angehaltenem Atem.

Nun, sie ist eben eine Wasserrose geblieben," meinte Robert, dessen Geschichte zu Ende war, und der nicht wußte, wie er seine kleine, neugierige Fragerin noch weiter befriedigen sollte;alle Jahre blüht sie von neuem, und Du kannst Sie auf jedem Teiche sehen. Ja so, hier im Dorfe gibt es keine Teiche."

Hast Du sie schon einmal gesehen?" forschte Gretchen unermüdlich weiter, doch Robert stand auf.

Ich muß nach Hause," sagte er hastig,und für den Vater die Zeitung holen, sonst ist er böse."

Laß mich mitgehen," rief sie, sich an seine Hand klammernd, gegen mich ist dein Vater niemals böse. Bist Du denn immer unartig?"

O nein, aber ich denke, er mag mich nicht leiden."

Armer Robert! Tante Anna und ich können Dich sehr gut leiden."

Nun, dann bin ich zufrieden," lächelte der Knabe. Komm, Gretchen, wer kann rascher lausen?"

Aber auch für die stillen Dorfbewohner sollte eine andere Zeit hereinbrechen. Ein heftiges Fieber begann sie heimzu- suchen, und in den meisten Hütten lagen Kranke. Auch Anna erwachte eines Morgens mit dumpfem Kopfschmerz. Bleischwer lag es ihr in den Gliedern, und starkes Herzklopfen, ließ sie kaum zu Atem kommen.

Vater, ich habe das Fieber," sagte sie matt zu dem Alten,es wird nicht gefährlich sein, aber ich muß mich inS Bett legen. Sorge Du für mein kleines Gretchen."

Aber Anna, Du bist ja noch nie krank gewesen," rief der alte Mann unruhig,ich kenne das gar nicht an Dir; was soll ich ohne Dich machen?"

Sei nur ruhig, eS geht in zwei oder drei Tagen vorüber."

die Persönlichkeit des Herrn Delcasfs in ihren deutschfeind­lichen Tendenzen bei uns richtig erkannt und eingeschätzt worden ist.

Deswegen sind auch diejenigen französischen Blätter, die auf eine ruhige und gleichmäßige Entwickelung der deutsch-franzö- sischen Beziehungen Wert legen, von dem Auftreten des Herrn Delcasfs keineswegs befriedigt. Sie empfinden diese Rede in der gegenwärtigen marokkanischen Situation, die immerhin eine vorsichtige Haltung gegenüber den Signataren der Algecirasakte anrät, als eine falsche Note. Sie finden es nicht angebracht, daß gerade jetzt der Mann sich wieder zum Worte meldet, dessen Amtsführung ein Ende nahm, weil sie gegen den Willen des französischen Volkes auf den Konflikt mit Deutschland hinarbeitete.

Aehnliche Empfindungen scheint das Ministerium Clemenceau bei der Rede Delcassss gehabt zu haben. Im Gegensatz zu diesem sprach der Minister des Auswärtigen Pichon am Mon­tag ruhig und besonnen und vermied namentlich jede Art von Insinuation. Er ironisierte sogar den Anspruch Delcafsss, als Riese dazustehen, weil er die Entente mit England und die Annäherung Italiens zustande gebracht habe. Zur Sache selbst äußerte Pichon:Keinerlei Einmischung in innermarokkanischen Fragen, kein Protektorat! Wir gehen weder nach Fez noch nach Marrakesch!" Damit können wir einverstanden sein.

Trotz der Versicherung des amtlichen Frankreichs, daß man sich nicht zu Abenteuern verlocken lassen werde, bleiben noch manche Unklarheiten bestehen. In der Debatte wurde von mehreren Seiten angeführt, daß Frankreich ein Mandat zur Herstellung der Ruhe in Marokko übernommen und die Pflicht habe, alle Europäer zu schützen. Die Algecirasakte enthält nur ein Mandat zur Einrichtung der Polizei in den Häfen und nichts davon, daß Frankreich den Schutz der Europäer übertragen werde. Es mag sich moralisch zu solchem Schutz veranlaßt fühlen, zumal sein übereifriges Vorgehen in Casa- blanca die Lage der Europäer sehr verschlechtert hat; es hat aber keinen rechtlichen Anspruch darauf, sich an Stelle anderer Mächte beim Schutze ihrer Angehörigen zu fetzen.

At Sirren in Marokko.

Aus Fez den 23. d. Mts. wird der Agence Havas über Tanger gemeldet:

Der Revolutionsausschuß beabsichtigt, das Eigentum der Anhänger Abdul Asis' mit einer besonderen Steuer zu belegen, deren Ertrag dazu dienen soll, eine Mahalla zu bilden, Waffen herzustellen, sowie alle Maßregeln zu ergreifen, die geeignet sind, der Revolution den Sieg zu sichern. Man befürchtet, daß es zu neuen Ruhestörungen kommen wird.

Die Situation erscheint fortdauernd kritisch. El Merani fährt in seinen Manövem fort, um ausschließlich als Herr der Situation zu erscheinen. Eine feindliche Bewegung scheint sich gegen Mulay Hafid vorzubereiten, und der Gegensatz zwischen den Einwohnern von Fez-Bali, welche Anhänger des

Aber sie fühlte doch, daß es ernster stand als sie dem Vater tröstend gesagt hatte, und abends faltete sie seufzend die Hände, während eine Träne auf ihr Kopfkissen fiel.

O mein Gott, willst Du mich schon abrufen? Soll ich nicht noch ein wenig das Kind beschützen dürfen? Aber Dein Wille geschehe im Himmel wie auf Ädcn!"

Am folgenden Morgen redete sie ihrem Vater zu, auf Fischgang zu gehen, und als der Alte, wieder um vieles rnhiger über den Zustand der Kranken, fort war, winkte sie Gretchen zu sich heran.

Wo ist Robert, Kind? Ich möchte so gern, daß er zu mir kommt."

Ich will ihn rufen, Tante Anna,"

Ja, und Du kannst indes vor der Haustür spielen, Herzchen, es ist so schönes Wetter draußen."

Kommt dann aber Robert auch zum Spielen mit?"

Gewiß, Gretchen, und nun geh, hole ihn her."

Robert," sagte die arme Kranke dann, als der hübsche dunkle Knabe vor ihrem Lager stand,komm einmal zu mir, ich habe eine große Bitte an Dich."

Nun, Tante Anna, was kann ich Ihnen besorgen?"

Ich bin sehr krank, Robert, und muß vielleicht sterben, aber vorher möchte ich noch sehr gern etwas für Gretchen in Ordnung bringen, ohne meinen alten Vater besonders aufzu- regen. Du kannst doch schreiben?"

Gewiß, liebe Muhme!"

Nun, so will ich Dir vorsagen, was Du niederschreiben mußt; denn sonst, wenn ich und vielleicht bald auch mein Vater sterben sollten, weiß niemand etwas von meiner Kleinen."

Es war eine ernste Stunde, in der die Kranke alles auf« zeichnete, was sie von Hedwigs und deren Kinde Schicksalen wußte, und als sie geendet hatte, da perlten ihr Tränen in den Augen.

Ich danke Dir, Robert, und nun nimm das Papier, siegle es dort am Tisch und stecke es zu Gretchens Sonntags­sachen und ihrem goldenen Tauskreuzchen. Den Trauring ihrer Mutter trägt sie am Halse. Mein lieber Knabe, Du hast mir einen großen Dienst erwiesen!"

liebe Tante, ich hab'S gern getan, aber Sie dürsen

Mulay Hafid, und denjenigen von Fez-Djedid, welche An­hänger des Abdul Asis find, ist im Wachsen. Die Stämme der Umgegend, die fast sämtlich auf Seiten Abdul Asis stehen, sind bereit, bei der ersten Feindseligkeit unter den einzelnen Quartieren in die Stadt einzufallen und sie zu plündern. Die Djebala-Stämme aus der Nachbarschaft von Tanger wollen ihren Kaids die Treue halten, und sobald Abdul Asis verschwunden sein sollte, aus ihnen einen neuen Sultan in Fez wählen. Allen Beamten an der ganzen Küste ist gedroht worden, wenn sie Mulay Hafid nicht zum Sultan proklamierten, würden ihre Häuser geplündert und ihre Frauen und Kinder als Sklaven verkauft werden.

Abgeordnetenhaus.

Im Abgeordnetenhaufe begann am Dienstag die zweite Beratung des Justizetats. Bei den Einnahmen wünscht Abg. Peltasohn (sreis. Vgg.) eine Reform der ersten juristischen Prüfung. Er empfiehlt eine Verlängerung des Studiums, entsprechend dem gewaltigen Anwachsen des Rechtsstoffes durch die neuen Gesetze, ferner die Einführung der Klausurarbeit im Examen und Entlastung der Referendare von den allzu aus­gedehnten Protokollarbeiten. Abg. Witzmann (natl.) wünscht eine Verschärfung des Referendarexamens, wie sie der Ober­landesgerichtspräsident Vierhaus kürzlich in einem Fachorgan gefordert hat. Abg. Roeren (Zentr.) beklagt die Mängel der juristischen Vorbereitung. Abg. Cassel (freis. Vp.) weist darauf hin, daß heute selbst Söhne von Professoren zu Repititoren gehen, auch solche, die nachher das Examen mit Auszeichnung bestehen. Dies beweist, daß die bestehenden Verhältnisse nicht ausreichen, und die Mängel im Interesse der Entwickelung unseres Juristenstandes schnellstens zu beseitigen sind. Justiz- minister Dr. Beseler erklärte, die Frage der Ausbildung der jungen Juristen beschäftige die Justizverwaltung und das Unterrichtsreffort sehr eingehend, konnte aber noch nicht zu einem abschließenden Urteil gebracht werden. Auf dem Stand­punkt stehend, daß die Ausbildung sich im allgemeinen inner­halb des Rahmens einer bestimmten Wissenschaft halten müsse, hätte er nach allgemeinen Garantien für die günstigere Ge­staltung der juristischen Ausbildung gesucht und eine Ergänzung des jetzigen Examens in Erwägung gezogen. Die Klausur­arbeit werde von entschiedenem Vorteil sein, namentlich für die, welche gut gelernt haben. Diese Einrichtung sollte nach Ablauf eines Semesters in Kraft treten.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 28. Januar 1908.

Ihre Kaiserlichen Majestäten hielten gestern abend nach der Vorstellung im Königlichen Opernhause längere Zeit Cercle im Foyer. Heute morgen besuchte Se. Majestät der Kaiser den Staatssekretär des Auswärtigen Amts und den

nicht sterben; nein, Sie bleiben noch hier beim Gretchen. Ich ich werde auch den lieben Gott darum bitten."

Und er eilte hinaus beinah als schäme er sich der letzten Worte. Als er Gretchen nach einer Weile hineingebracht hatte, ging er gedankenvoll nach Hause. Er verstand wohl noch nicht alles, was er für die Tante niedergeschrieben hatte, aber es beschäftigte ihn, aufs lebhafteste. Gretchens Vater war also ein Sänger und ihre Mutter eine sehr vornehme Dame. Er hatte einmal in London die Königin durch die Straßen fahren sehen und beobachtet, wie alle Menschen ehrerbietig grüßten. Beinah so vornehm mußte ja doch eine Gräfin auch sein!

Am nächsten Morgen war Anna Neidhardt noch kränker geworden. In den Schläfen raste das Fieber, die trockenen Lippen sogen gierig jeden Tropfen Wasser ein, und die un­heimlich großen Augen lagen tief in den Höhlen. Sie hatte keine Hoffnung mehr gesund zu werden, aber dennoch flehte ihre Seele unaufhörlich zu Gott:Mache mich noch dieses Mal gesund, um des Kindes willen!"

Gretchen war traurig am Lager der Tante niedergekniet, um ihr Frühgebet zu sprechen, und dann hinausgeschlichen, um ihren Spielgefährten zu suchen. Heute wollte die gewohnte Fröhlichkeit sich gar nicht einstellen, und am liebsten hätte sie sich tief in die Fliederbüsche versteckt, um bitterlich zu weinen; weshalb, wußte sie selbst kaum.

Auch Robert, der ihr, ein Stück trockenes Brot in der Hand, bereits entgegenkam, war niedergeschlagen. Er erzählte, sein Vater sei in die Stadt gefahren und werde wohl erst abends wiederkommen. Hand in Hand gingen sie dahin, als Plötzlich etwas Neues ihre Aufmerksamkeit erregte. Am äußeren Ende des Dorfes befanden sich mehrere grün ge­strichene Wagen, aus denen hohläugige Frauen und Kinder hervorschauten; auch allerlei HauSrat lag und stand umher und nicht weit davon waren mehrere Männer eifrig damit beschäftigt, Pfähle einzuschlagen und einen hohen Plankenzaun hinter diesen aufzurichten.

Ein großer, stattlicher Mann mit dunklem Haar und Bart, aber finsterem Gesicht beaufsichtigte die Arbeiten. Er trug in der Hand eine Reitgerte, mit der er sich die hohen Reitstiefel klopfte.