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Herchlder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage Kernsprech.Knschlutz Nr. 8 1

Nr. 11. Dienstag, den 28. Januar 1908.

Hände zum Schwur I Deutschlands Söhne, für Kaiser und Reich Hall' euer Treuschwur, dem Sturmwinde gleich, Sei euer Herzblut auf ewige Zeit Heute dem Kaiser aufs neue geweiht! Schmettert dann aber der Kriegsruf durchs Land, Ohne Besinnen die Schwerter zur Hand Fahrt wie das donnernde Wetter darein! Kaiser und Reich!" nur so darf es sein!

Dietrich Hafner.

Glück Deinem Haus!

Heil der Gemahlin, die treu mit Dir geht, Liebend und innig zur Seite Dir steht, Neu Dir geeint durch das silberne Reis! Heil auch der^Sproffen stolz blühenden! Kreis Und auch den Enkeln, die Gott Dir geschenkt, Gott, der Dein Schicksal so treu stets gelenkt: Alle das echteste Zollernsche Blut, Nehme der Himmel in sorgende Hut!

Segen und Heil!

Deutschlands Kaiser auf leuchtendem Thron, Herrlicher Ahnen vollwürdiger Sohn, Oft schon erprobt und erfunden als echt, Treu Deinen Pflichten und stark wie gerecht, Doch auf der Wacht auch zu jeglicher Zeit, Mit uns zu leben, zu sterben bereit, Schirm Dich, den Gott uns zum Stolze gesandt, Zetzund und immer des Ewigen Hand!

Deutsche heran!

Deutschlands Söhne, so treu und so stark, Seelen voll Feuer und Arme voll Mark, Donnernd ertöne von nahe und fern Euer Hurra heut dem Kaiser, dem Herrn, Gebt ihm in brausendem Jubelruf kund, Daß ihr die Seinen mit Herz und mit Mund, Daß euch das höchste sein Herrschergebot, Ob's auch gleich riefe in Kampf und in Tod.

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 23. Januar 1908.

Seitens der Kaiserlich Königl. Oesterreichisch-Ungarischen Regierung sind Aenderungen in der inneren administrativen Einteilung der im österreichischen Reichsrate vertretenen König­reiche und Länder vorgenommen worden, die eine Berichtigung der in den Anlagen I und II zum Viehseuchenübereinkommen zwischen dem Deutschen Reiche und Oesterreich-Ungarn vom 25. Januar 1905 (Reichsgesetzblatt 1906 Seite 287) ausge- führten Sperrgebiete erforderlich gemacht haben.

Der Mcksdott.

Roman von H. von Klip Hausen.

(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Wem gehört in der Stube dort das allerliebste Kind!" fragte der Fremde mit einemmale, ohne sich vom Fenster herumzudrehen.Es stammt unmöglich hier aus dem Fischerdorfe."

Nein, allerdings nicht," erwiderte Anna kurz,es ist mein und des Vaters Pflegekind. Die Eltern sind tot!"

So?" meinte Williams und trommelte mit den Fingern an den Scheiben; dann aber ging er wieder hinein, stellte sich vor Gretchens Bett und schonte unverwandt in das vom Schlafe rosig angehauchte Kindergesichtchen.

Sehr bald wurden das kleine Mädchen und Robert gute Freunde. Plaudernd und fröhlich führte sie ihn an den Strand und auf die Klippen zu all ihren Lieblingsspielplätzen, zeigte ihm Muscheln und Bernsteinstückchen, welche die Wogen ^rangespült hatten, baute Dünen und ließ kleine Hölzer als Schiffe im lockeren Sande hin- und herschwimmen. Und der schöne Knabe mit dem finsteren Blicke, der über seine Jahre hinaus ernst erschien, vergalt der kleinen Spielgefährtin alles durch unbedingte Unterwerfung und Gehorsam. Was er dem blonden Lockenköpschen nur an den Augen absehen konnte, tat er, und seine Züge hellten sich aus, wenn ihr silberhelles Lachen erscholl.

Mr. Williams hatte sich wirklich im Dorfe eingemietet und ein geheimnisvolles Treiben begonnen, das zu deu abenteuer- uchsten Vermutungen Anlaß gab. In einer kleinen nach hinten Herausgelegenen Kammer wurde gebraut und gekocht; in allerlei Phiolen stellte der Mann aus Pflanzen Flüssigkeiten bald sarblos, bald trübe, dunkel oder hellgoldig her. Es ging fast wie in einer Hexenküche zu; auch ließ er sich mitunter Kaninchen ooer Hunde kommen, die dann nur als elend verkrümmte Kadaver htnausgeschleppt wurden. Einmal traf Anna Robert an, wie er durchs Schlüsselloch seinen Vater bei diesem sonder­baren Treiben belauschte.

Die hierüber erlassene Bekanntmachung des Herrn Reichs­kanzlers vom 7. September 1907 ist in Nummer 41 des Zentralblatts für das Deutsche Reich für 1907 auf Seite 432 veröffentlicht und gelangt auch in Nummer 1 für 1908 des Ministerial-Blatts der Verwaltung für Landwirtschaft, Domänen und Forsten zum Abdruck.

Unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 26. April 1906 I. 3391 (Kreisblatt Nr. 50) mache ich die Ortspolizei­behörden des Kreises hierauf aufmerksam.

I. 737. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Robert," mahnte sie ernst,komm von der Tür fort. Es ist nnrecht zu lauschen."

Aber weshalb schließt sich der Vater ein, wenn er nicht auch etwas Unrechtes tut?"

Die Logik in diesen trotzig hervorgestoßenen Worten ließ sich nicht fortleugnen, und dennoch bestimmte Annas milde Weise den Knaben, seinen Platz zu »erlassen.Der Vater ist immer so versteckt gewesen," fuhr er mürrisch fort,als auch meine arme Mutter noch lebte."

Hast Du noch Erinnerungen an sie?"

Ich weiß nicht mehr viel, nur daß sie wunderschön ge­wesen ist. Sie sagten, daß sie eine Aegypterin war, die meinem Vater nach Amerika folgte. Zuletzt wurde sie immer bleicher und trauriger, weinte viel, sprach wenig und war eines Morgens tot. In der Nacht hatte ich wohl im Traume einen scharfen, durchdringenden Schrei gehört."

Armer Knabe," sagte Anna," freundlich über sein Haar streichend,Du hast im Leben auch schon viele ernste Stunden erlebt."

Ja, und wenn es nicht besser wird, lohnt es sich gar nicht, weiter zu leben," sagte der Knabe.

O Kind, weißt Du denn nichts von Gott, der uns inS Leben rief und auch wieder fortnehmen wird? Wir selbst dürfen ihm nicht vorgreifen."

O doch!" Sinnend faßte sich Robert an die Stirn. Ich hörte wohl erst von Gott in einer Kirche, doch es ist schon lange her, und mich kennt er, gewiß gar nicht. Nur neulich auf dem Schiff, da rief einer der versinkenden Matrosen: Allbakmherzigster Gott, nimm mich zu dir in dein Reich!" und da habe ich ebenfalls die Hände gefaltet und es ihm nachgesprochen. Doch er hat mich wohl nicht hören können, denn er nahm mich ja nicht in sein Reich."

Du wirst noch nicht reif für den Himmel fein, erwiderte Anna bewegt,deshalb eben dürfen wir Menschen der ewigen Gerechtigkeit nie vorgreisen und unserem Dasein ein Ziel setzen."

Ich glaube, meine Mutter ist an Gift gestorben," sagte dann der Knabe plötzlich.

Ich fand ein leeres Fläschchen am Boden," flüsterte ge­heimnisvoll der Knabe,nachdem mein Vater die Mutter sort-

Berlin,;W. 66,'ben 16. Dezember 1907.

Nach § 56 Absatz 1 des GewerbeunfallversicherungsgesetzeS ist jeder Unternehmer eines Versicherungspflichtigen BetriebeS verpflichtet, diesen zur Ueberweisung an die Berufsgenossen- schast bei der unteren Verwaltungsbehörde anzumelden. Nach einer Eingabe des Verbandes der Deutschen Berufsgenossen- schastcn unterbleibt diese Anmeldung in den meisten Fällen, sodaß die Berufsgenossenschaften und ihre Organe in der Regel erst nach Monaten oder Jahren zufällig von den neu ent­standenen Betrieben oder von einem Betriebswechsel Kenntnis erhalten. Zur Beseitigung der daraus für die Geschäftsführung der Berufsgenossenschaften entstehenden Unzuträglichkeiten er-

getragen hatte. Er ließ auch niemanden zu ihr hinein, und als ich dennoch durchs Schlüsselloch sah, war ihr früher ganz weißes Gesicht dunkelblau. Später suchte ich in einem von Vaters Büchern und fand, daß alle Vergifteten so aussehen."

Mein armer Knabe!"

Tante Anna," sagte Robert plötzlich und griff leiden­schaftlich nach ihrer Hand,darf ich Sie auch so nennen wie Gretchen? Ich habe Sie schon so lieb!"

Ja, Du darfst, mein guter Robert; auch ich habe Dich gern und möchte Dich gern einmal recht glücklich wissen."

Seit meine Mutter tot ist, hat noch nie ein Mensch so freundlich zu mir gesprochen wie Sie. Der Vater schlägt mich nnr oder schilt mindestens."

Er ist ein Gelehrter, der nur für seine Bücher lebt. Du mußt Dich nicht an feine rauhe Art kehren."

Wissen Sie, Tante Anna, was ich noch werden will?" fragte der Knabe mit leuchtenden Augen.Ein Kunstreiter! Ich kann reiten, und zwar sehr gut, auch wenn das Pferd ungesattelt ist. Als wir in Amerika waren, bin ich mitunter mit auf Pferdesang ausgezogen und habe den Lasso schwingen gelernt. Hei, das war ein Leben! Und nun werde ich eines Tages unter die Kunstreiter gehen."

Aber Dein Vater, was wird er dazu sagen?"

Hm, es wird ihm wohl gleich sein. Er braucht dann das Schulgeld nicht für mich zu bezahlen und ist mich los." Eine grenzenlose Bitterkeit zitterte hier durch des armen Knaben Worte; Tränen traten ihm in die Augen, und er wandte sich ab, um sie nicht sehen zu lassen.

Da klang vom Hause her ein helles Sümmchen, und wie mit Zauberschlag verwandelte sich Roberts Gesicht. Es strahlte förmlich aus.

Da ist Gretchen, Sie will mit mir spazieren gehen," rief er, wieder ganz kindlich heiter, drückte Anna rasch die Hand und eilte fort, seiner kleinen Spielgefährtin entgegen.

Wo bist Du geblieben? fragte das Blondköpfchen herrisch. Ich suchte Dich und Tante Anna. Der Großohm meinte, er wisse nicht, wo ihr hingegangen seid; aber nun rasch, komm auf die Felsklippe, Du mußt mir ein Märchen erzählen vom Meergeist!"