Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, tu
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herrselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 8. Dienstag, den 31. Januar 1908.
Amtlicher teil.
Die Schulstelle in Kemmerode kommt infolge Versetzung des jetzigen Inhabers vom 1. April 1908 ab zur Erledigung.
Das Grundgehalt der Stelle beträgt neben freier Dienstwohnung einschließlich Vergütung für den Küchendienst 1230 Mark, der Einheitssatz der Dienstalterszulage 120 Mark.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche und Zeugnisse bis zum 10. Februar d. I. an den Königlichen Ortsschulinspektor — Herrn Pfarrer Schröder zu Niederaula — einreichen.
Hersfeld, den 16. Januar 1908.
I. 583. Der Königliche Schulvorstand:
von Grunelius.
Hersseld, den 16. Januar 1908.
Die Wiederwahl des Bürgermeisters Johannes Eidam in Holzhcim als solcher für einen am 23. d. Mts. beginnenden weiteren achtjährigen Zeitraum ist von mir bestätigt worden. A. 225. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 16. Januar 1908.
Der Landwirt Johannes Schaub H. in Herfa ist heute als Bürgermeister der dasigen Gemeinde eidlich verpflichtet worden.
A. 242. Der Königliche Landrat
von Grün eliuM .
Hersfeld, den 15. Januar 1908.
Die unter dem Schweinebestande des Ritter Bube zu Gittersdorf ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 552. Der Königliche Landrat
v o nA r u n e l i u s.
Nachrichten für diejenigen Freiwilligen, welche in die Unteroffizierschulen eingestellt zu werden wünschen.
1. Die Unteroffizierschulen haben die Bestimmung, junge Leute, die das wehrpflichtige Alter erreicht haben, und die sich dem Militärstande widmen wollen, kostenfrei zu Unteroffizieren heranzubilden.
2. Der Aufenthalt in der Unteroffizierschule dauert im allgemeinen drei Jahre. In dieser Zeit erhalten die jungen Leute gründliche militärische Ausbildung und Unterricht, der sie befähigt, bei sonstiger Tüchtigkeit auch die bevorzugteren Stellen des Unteroffizierstandes (Feldwebel usw.) und des Beamtenstandes (Zahlmeister usw.) zu erlangen.
Der Unterricht umfaßt: Lesen, Schreiben und Rechnen, deutsche Sprache, Anfertigung aller Arten von Dienstschreiben, Geschichte, Erdkunde, Naturlehre, Stenographie, Hand- und Planzeichnen sowie G-sang.
Die gymnastischen Uebungen bestehen in Turnen, Bajonettfechten und Schwimmen.
3. Die Unteroffizierschüler gehören zu den Militärpersonen des Friedensstandes, stehen daher wie jeder andere Soldat unter den militärischen Gesetzen und haben beim Eintritt den Fahneneid zu leisten.
Der Glückshort.
Roman von H. von Klip hausen.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Hedwig kniete mühsam an dem letzten schwarzen Sarge nieder, der mit reichen frischen Kränzen bedeckt war. Weinend lehnte sie die Stirn an das kalte Metall, und abermals rang sie bitterlich mit all dem Jammer der letzten schweren Zeiten. Sie sah ihn vor sich stehen, den stolzen, vornehmen Vater, wie er sie zürnenden Blickes von sich wies, als sie der Liebe zu Morand nicht entsagen wollte; sie hörte seine grollende Stimme, und doch klang daneben auch das ganze volle Weh des Vaterherzens heraus. Und etwas weiter davon hatte Albrecht, ihr Bruder, mit verschränkten Armen AjundIfinsterm Antlitz gestanden. Sie hielten alle Gericht über das ungehorsame Glied der Familie, welches sich von ihnen wenden wollte um einer irrenden Liebe willen.
»O Vater, Vater," hauchte Hedwig schmerzgebrochen, „hätte ich Dir gehorcht, so läge ich jetzt nicht im Staube vor Deinem Sarge, und auch Du lebtest noch! Ich bin eine Diebin — eine Mörderin — eine Vatermörderin!"
Es war zu viel für die schwachen Kräfte der Todkranken. Ohnmächtig fiel sie vornüber, daß die Stirn gerade auf den Sarg stieß und ein dumpfer Schmerzenslaut der hinzueilenden Anna entfuhr.
„Sie stirbt, 0 mein Gott, sie ist tot!" jammerte sie und kincte schluchzend neben der Umgesunkenen nieder. „Nur daS nicht! Nur nicht hier laß sie von hinnen gehen!"
Lange dauerte es, bis die arme Anna gewahr wurde, daß sich noch ein schwacher Atem der todkranken Brust Hedwigs ^ang; da aber stieg ihr Mut wieder und mit Aufbietung aller Kräfte zog und trug sie Hedwig hinaus ins Freie, wo die frische, warme Abendlust wohltuend, ihre eingesunkenen Schläfen umfächelte.
„Kommen Sie zu sich, Gräfin! Hören Sie mich? Es ^ar ja nur ein schlimmer Traum! Lassen Sie uns zu Margot zurückkehren!"
4. Der in die Unteroffizierschule Einzustellende muß das wehrpflichtige Alter erreicht haben, also mindestens 17 Jahre alt sein, darf aber das 20. Jahr noch nicht vollendet haben.
Er muß mindestens 154 ™ groß, vollkommen gesund, frei von körperlichen Gebrechen sowie wahrnehmbaren Anlagen zu chronischen Krankheiten fein und die Brauchbarkeit für den Friedensdienst der Infanterie besitzen.
5. Der Einzustellende muß sich tadellos geführt haben, lateinische und deutsche Schrift mit einiger Sicherheit lesen und schreiben können und in den vier Grundrechnungsarten bewandert sein.
6. Die Einberufenen müssen für die Reise zu der Unteroffizierschule ausreichend mit Schuhzeug, Kleidung und Wäsche und mit 9 Mark zur Beschaffung des erforderlichen Putzzeuges versehen sein.
7. Wer in eine Unteroffizierschule ausgenommen zu werden wünscht, hat sich beim BezirkSkommando seines Aufenthaltsortes oder bei einer Unteroffizierschule (in Biebrich, Ettlingen, Jülich, Marienwerder, Potsdam, Treptow a. R. und Weißenfels! oder Unteroffiziervorschule (in Annaburg, Bartenstein, Greifenberg i. Pomm., Neubreisach, Weilburg und Wohlau) persönlich zu melden und hierbei folgende Schriftstücke vorzulegen:
a) einen von dem Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission seines Aushebungsbezirks ausgestellten Meldeschein,
b) den Konfirmationsschein oder einen Ausweis über den Empfang der ersten Kommunion,
c) etwa vorhandene Schulzeugnisse,
d) eine amtliche Bescheinigungüber die bisherige Beschäsligungs- weise, über früher überstandene Krankheiten und etwaige erbliche Belastung.
Eine Einstellung findet nur bei den Unteroffizierschulen in Biebrich, Ettlingen und Marienwerder statt und nicht bei den Unteroffizierschulen in Jülich, Potsdam, Treptow a. R. und Weißenfels, da diese sich aus Unteroffiziervorschülern ergänzen.
8. Wünsche der Freiwilligen um Zuteilung an eine der Unteroffizierschulen in Biebrich, Ettlingen und Marienwerder werden, soweit angängig, berücksichtigt.
9. Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizierschulen in Biebrich und Marienwerder findet im Monat Oktober, in die Unteroffizierschule in Ettlingen im Monat April statt.
10. Unteroffizierschüler, die sich durch mangelhafte Führung oder durch zu geringe Leistungen als nicht geeignet für den Unteroffizierberus erweisen, werden aus den Unteroffizierschulen entlassen.
11. Während ihrer Dienstzeit in der Unteroffizierschule erhalten bei guter Führung Unteroffizierschüler, die in die Heimat beurlaubt werden, eine einmalige Reiseentschädigung; auch haben die Unteroffizierschüler bei Beurlaubungen aus die den Kapitulanten zustehenden Vergünstigungen Anspruch,
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Die Sitzung des Reichstages vom 17. Januar wurde vollständig durch die Debatte über die verschiedenen Interpellationen, welche eine reichsgesetzliche Regelung des Knappschaftswesens fordern, ausgesüllt. Eingehend beschäftigte sich der Zentrumsredner Schiffer mit den Mißständen bei der Knappschaftskasse des Ruhrgebietes und^schob er dieselben auf das Konto der zu geringen Beiträge der Bergwerksbesitzer. Der Sozialdemokrat Hu4 nahm sich der westfälischen Bergleute wärmstens an und begründete unter Beibringung eines zahlreichen statistischen Materials das Verlangen einer einheitlichen gesetzlichen Regelung
Endlich regte sich Hedwig wieder. Die blutlosen Lippen öffneten sich ein wenig, und stöhnend brächte sie hervor: „Mörderin, Diebin — ich habe den Dolch genommen!"
„Den Familiendolch?" schrie Anna so entsetzt, daß die Kranke auf einmal voll die Augen öffnete,'; hatte ihr doch die alte Gräfin von demselben als dem höchsten Glückschatze der Freienbergs erzählt, dessen Verlust gleichbedeutend mit einem Zusammenbruch des alten Geschlechtes sei.
„Ja," ächzte Hedwig, ich „ich wollte — mir das Glück erringen — mit aller Gewalt — und da nahm ich die Waffe mit — als ich meinem Gatten folgte."
Anna Neidhardt schlug ganz außer sich vor Entsetzen die Hände zusammen, aber sie jagte nichts, denn es war zu spät. Die tiefste, schmerzlichste Reue über jene Tat der Ueber- eilung prägte sich ja. in den angstbleichen Zügen und den starren blauen Augen aus, die in den ihren zu lesen schienen, ob da wohl schwere Verdammung oder mildes Versöhnen geschrieben stünde.
„Arme, arme Frau!" sagte Anna milde und teilnehmend. „So bleibt Ihnen noch Zeit zu söhnen, soweit es eben möglich ist. Geben Sie den Dolch Ihrem Herrn Bruder zurück, und Sie werden versöhnt mit ihm —"
sterben, wolltest Du sagen, Liebe," ergänzte Hedwig seufzend. „Ach, auch diese Sühne ist mir nicht möglich, denn ich besitze den Dolch nicht mehr. Aber laß uns heimkehren, ich muß nun einmal büßen, was ich verbrochen habe, und niemand kann mir helsen."
So verging die Zeit. Woche um Woche, Tag um Tag schwand, das Ende kam immer näher. Eines Tages brächte Anna einen Brief, der von Nizza gekommen war. Hedwig erbrach ihn gleichgültig, wie sie jetzt alles tat, dann aber erbleichte sie, winkte der treuen Freundin, ihr ein Licht zu holen und ließ den Briefbogen langsam an der Flamme verkohlen.
„Es war — von ihm — Morand," erklärte sie dann schwer atmend, „er wollte kommen und mich und das Kind holen, aber Anna, ich will es nicht, und Du mußt mir versprechen, solange Du lebst, ihm Margot nicht auszuliefern.
des Knappschaftswesens. Regierungsseitig bedauerte der Reichs- staatssekretär v. Bethmann-Hollweg das Scheitern der Verhandlungen zwischen den Zechenbesitzern des Ruhrgebietes und den Bergleuten über das neue Knappschastsstatut und wies die Behauptung deS Abgeordneten Hus, die preußische Regierung fürchte sich vor den Bergwerksbesitzern, mit Entschiedenheit zurück. Weiter versicherte Herr v. Bethmann-Hollweg, daß die Regierungen der Einzelstaaten aufrichtig bemüht seien, das Los des Bergarbeiters zu erleichtern, schließlich riet er von einer reichsgesetzlichen Regelung des Knappschaftswesens ab. Der Nationalliberale Osan plädierte für eine Verständigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Bergwerksbetriebe, Oberbergrat Meißner wies verschiedene Angriffe des Abgeordneten Hus auf die preußische Regierung zurück; gegen Schluß der Sitzung sprachen noch die Abgeordneten Mugdan (fr. VolkSp.) und Hoeffel (Neichsp.)
Sie Wirren in Marokko.
Aus Marokko sind in Paris folgende Meldungen eingegangen :
Eine Nachricht aus Fez vom 10. Januar besagt, daß die Stadt wieder ruhig ist. El Merani hat einen jüdischen Goldschmied mit der Herstellung eines neuen Siegels mit dem Namen Mulay Hasids beauftragt. — Die Nachricht, daß die Tabakniederlagen in Mekinez geplündert sein sollten, ist unzutreffend. Der Pascha von Mekinez hat alle, die die Aufhebung der Steuern von ihm verlangten, verhaften lassen. Patrouillen bewachen die Konsulate, die Gebäude der Europäer und die der Minister Abdul Asis'. Der frühere Pascha Bendaud, der von Abdul Asis gefangen genommen war, ist wieder sreigelaffen worden. Es verlautet, daß die Proklamation Mulay Hasids in Mekinez ohne Zwischenfall ausgenommen worden ist.
Wie Admiral Philibert telegraphisch meldet, herrscht in Mogador Ruhe trotz der Proklamation des heiligen KriegeS durch Mulay Hafid. — General d'Amade telegraphiert: Das Gefecht von Scttat dauerte von 8 Uhr früh bis Mittag. Die Marokkaner hatten 150 Tote und 300 Verwundete. Durch das Gefecht ist die Linie Settat—Bcrreschid—Mediuna, die die Verbindung Marrakesch—Rabat beherrscht,* frei geworden.
London, 18. Januar. Das Reutersche Bureau erfährt: Das Auswärtige Amt hat bisher von dem britischen Gesandten in Tanger keine Nachrichten über die Proklamierung deS heiligen Krieges in Marokko erhalten. Soweit amtlich bekannt ist, befinden sich keine Fremden im Innern und alle Missionare haben die Küste erreicht.
Paris, 19. Januar. Bei einer am 12. Januar in Fez vorgenommenen Zählung wurden 75 000 waffenfähige Leute ermittelt, die auf die verschiedenen Stadtteile verteilt wurden. Bendaud wurde zum Stellvertreter des Sultans ernannt. El Merani versuchte, die Menge dazu aufzureizen, die Wohnungen der Mitglieder des Machsen zu zerstören. Im öffentlichen Gebet wurde der Name Mulay Hafids zum erstenmal am
Schreib ihm, daß ich zu krank sei, ihn zu sehen, daß ich ihm verzeihe, ihn aber nicht sehen kann."
»Ich schreiben, gnädige Frau?" fragte die Näherin voller Entsetzen. „O mein Himmel, das ist eine schwere Ausgabe für mich!"
„So will ich Dir die Worte in die Feder diktieren."
„Ja, dann gehts besser; aber nicht jetzt, erst später! Sie müssen etwas ausruhen und wieder ruhig werden."
„Ich dachte, er würde mich wenigstens ruhig sterben lassen, doch die Gewissensbisse scheinen ihn zu peinigen."
Es war nur ein kurzer Bries geworden, und doch rannen heiße Tränen über Hedwigs glühende Wangen, als sie der guten Freundin Wort für Wort vorsagte, die aus tiesstem Grunde ihrer blutenden Seele kamen:
„Ich kann Deinen Wunsch nicht erfüllen, Ludwig, denn ich bin zu krank, um die Aufregung eines Wiedersehens zu ertragen. Aber ich wünsche Dir alles Gute und flehe zu Gott, daß er Dich glücklicher werden läßt, als ich es wurde. Es soll kein Vorwurf für Dich sein, 0 nein, sondern es ist nur die natürliche Folge der göttlichen Weissagung, daß es den Kindern nicht gut geht, die von den Eltern verflucht werden. Gott sei mit Dir, Ludwig, und wenn Du mich jemals ein wenig lieb gehabt hast, so forsche weder nach Margot noch nach mir."
Der Brief wurde abgesandt, und nun erst schien wieder Friede und Ruhe in Hedwigs Seele einzuziehen. Sie schlummerte erschöpft ein, und Anna nickte zufrieden. Wie müde und für irdische Sachen gleichgültig mußte die Sterbende doch bereits sein, daß selbst jener Brief des einst so sehr geliebten Gatten sie nicht mehr zu erregen vermochte.
Auch Margots lustig erklingendes Sümmchen schien die Mutter kaum noch zu vernehmen. Nur wenn Anna daS Kind für Sekunden zur Mutter hinabbeugte, daß die kleinen weichen Händchen spielend über deren welke Wangen glitten, erhellten sich ihre Augen, und halb im Traum flüsterten die blutlosen, trockenen Lippen: „Mein Engelchen, mein einziger Sonnenstrahl!"
Und an einem sonnigwarmen Nachmittage im Oktober ging es zu Ende mit Hedwigs einst so strahlend begonnenen