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der angesetzten Stunde 12 Uhr mittags gefüllt und mußten polizeilich gesperrt werden. Der Anmarsch zu den Lokalen geschah in größeren Trupps. Die Sozialdemokraten hatten sich in ihren 600 Zahlstellen versammelt und waren von dort geschlossen abmarschiert. Die Säumigen wurden durch den sogenannten Schlepperdienst herangeholt, so daß etwa 51000 Genossen zur Demonstration aufgefordert waren, zu denen sich noch eine Anzahl sozialdemokratisch gesinnter Personen gesellte, die nicht organisiert sind. Nachdem die Versammlungen meistens gegen IV2 Uhr geschlossen worden waren, drängte die Menge nach dem Inneren der Stadt, hauptsächlich nach der Straße Unter den Linden zu. Von der Polizei auseinandergesprengte Trupps versuchten sich zu- sammenzuschließen. Sie sangen die Arbeiter-Marseillaise und stießen Schmähruse auf den Reichskanzler Fürsten Bülow aus. Im allgemeinen zeigten sich zehn große Züge, von denen jeder Tausende von Personen zählte. Es haben an den Demonstrationen etwa insgesamt 30000 Personen incl. der Versammlungsbesucher teilgenommen. Bei acht Zügen gelang es der Polizei ohne besondere Mühe die Teilnehmer auseinander zu sprengen, zwei besonders große Trupps dagegen, die eben­falls dem Königlichen Schlosse zustrebten, konnten nur mit äußerster Anstrengung abgedrängt werden. An der Friedrichs­gracht, nahe der Gertraudten-Brücke, kam es sogar zu ernsten Zusammenstößen, bei denen es mehrfach blutige Köpfe gab. In der Friedrich-Straße, zwischen, Leipziger-Straße und Unter den Linden, zogen nachmittags große Trupps meist junger Leute umher, die laut johlten und Schmähruse auf Bülow ausstießen und gegen 5Va Uhr von der Polizei, beritten und zu Fuß, mit blankem Säbel mehrmals unnachsichtlich aus­einandergetrieben wurden. Im Laufe des Nachmittags haben die Ansammlungen erheblich abgenommen. Insgesamt ist es etwa an fünf oder sechs Stellen zu Zusammenstößen gekommen, wobei einige Beamte und mehrere Demonstranten Verletzungen erlitten. Der Janghagel versuchte an verschiedenen Stellen ohne Erfolg den Omnibus- und Straßenbahnverkehr aufzuhalten.

Die zum Zwecke der Verhinderung des Kon­traktbruches der polnisch-russischen und galizischen Saison­arbeiter geplanten Einrichtung von Grenzkontrollämtern wird bereits am 1. Februar in Wirksamkeit treten. Außer den be­reits bestehenden Vermittlungsämtern der Deutschen Feld­arbeiterzentrale längs der russischen und österreichischen Grenze, die hierbei Verwendung finden, werden noch einige neue Ueber- gangsstellen errichtet, so daß die Gesamtzahl der Grenzkontroll- ämter etwa 30 betragen wird.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Das Königliche Eisenbahnzentralamt in Berlin ist beauftragt worden, wegen Uebernahme der Lieferung von 151 Lokomo­tiven verschiedener Gattung für die bestehenden Bahnen und die im Etatsjahr 1908 zu eröffnenden Neubaulinien mit den Werken, die zurzeit für die preußisch-Hessische Staatseisenbahn- verwaltnng beschäftigt sind, in Verhandlung zu treten. Die Anlieferung dieser Lokomotiven soll vom 1. April bis zum 31. Oktober d. I. erfolgen.

Italien sieht sich plötzlich durch den räuberischen Einfall ybessinischer Stämme in das italienische Kolonialgebiet an der Somaliküste in einen neuen ernsten Zwischenfall mit Abessinien verwickelt. Sollte der Einfall der Abessinier mit Wissen und Willen des Negus Menelik geschehen sein, so würde sich hieraus eine sehr kritische Situation für Italien ergeben. Agenzia Stefani meldet: Der Minister des Aus­wärtigen empfing heute über Lamn eine Depesche des Resi­denten der Kolonie Benadir, die am 4. Januar in Mogadiscio aufgegeben worden ist. Durch einen besonderen Kundschafter, der am 1. Januar von Buracaba ausbrach, habe er folgende Nachrichten erhalten, die auch von einem Verwundeten be­stätigt wurden, der an dem Zusammenstoß teilgenommen hatte : Der Kamps zwischen den Askaris des Hauptmanns Bongio­vanni und den Abessiniern fand am Morgen des 15. Dezember in Bagallei bei Bardabe statt, zehn Wegstunden von Buracaba. In diesem Gefecht wurden Hauptmann Bongiovanni, zwei eingeborene Unteroffiziere und eine kleine Zahl Askaris gerötet. Die übrigen traten in zwei Abteilungen den Rückzug an, die eine nach Lugh, die andere mit Hauptmann Molinari, der unversehrt blieb, nach einer anderen Richtung. Segre, der Vertreter der italienischen Kolonialgesellschaft hält Lugh, wohin 15 Askaris sich zurückzogen. Die Abessinier gingen, wie in Buracaba versichert wird, nach Norden zurück.

Im Opernhause zu Lissabon wurde am Freitag Abend in Gegenwart des Königs und des Thronfolgers eine anti- dynastische Radaudemonstration veranstaltet. Eine Unmasse Flugblätter mit der Proklamation des Thron­prätendenten Don Miquel nebst seinem liberalen Regierungs- programtn wurden aus den obersten Galerien in den Zuschauerraum geworfen. Die Polizei beschlagnahmte sofort die Flugblätter und nahm zahlreiche Verhaftungen vor, vielfach unter Anwendung von Gewalt. Es wurden Pereatruse auf den König und Hochrufe auf Don Miquel laut. Der König und der Thronfolger verließen das Theater vor Schluß der Vorstellung.

Aus Valparaiso, 11. Januar, wird gemeldet: Sieben Mitglieder der hiesigen Fremdenkolonie, sechs Deutsche und ein Nordamerikaner, wurden am 5. Junuar auf einem Ausfluge von chilenischen Dorfbewohnern angegriffen. Die Angreifer glaubten Räuber vor sich zu haben, durch die ihr Dorf neuer­dings wiederholt beraubt worden war. Von den Angegriffenen ist ein Deutscher namens Schmidt inzwischen im hiesigen Hospital seinen Verletzungen erlegen. Verwundet sind ferner ein Deutscher Alfred Lehmann und die Deutschen Wilhelm und Georg Brückert. Die Reichsangehörigkeit des Gestorbenen und der Verwundeten scheint sestzustehen. Von hier aus wurde sofort der zuständige Untersuchungsrichter nebst Polizeimann- schast nach dem Tatort gesandt. Der deutsche Gesandte in Santiago hat Schritte zur gebührenden Ahndung des Vorge- sallenen eingeleitet.

Aus Provinz u. Nachbargebiet.

* Verliehen wurde dem Pfarrer Friedrich Köbrich zu Grebenstein im Kreise Hofgeismar der Rote Adlerorden vierter Klasse, dem Kirchenältesten, Bäckermeister Christoph Groß zu Grebenstein im Kreise Hofgeismar das Allgemeine Ehren­zeichen,

* Eine von der Handelskammer zu Mainz beschlossene Er­klärung befürwortet den Verkehr kleiner Kassenscheine. Sie besagt: Die im letzten Jahre erfolgte Einführung kleiner Banknoten hat vorzugsweise zu dem Zweck stattgefunden, um den Geldbestand der Reichsbank zu stärken und dadurch auf ^hu Ermäßigung des hohen Diskontsatzes hinzuwirken. Die Kammer hält es für dringend wünschenswert, daß das Pub­likum in möglichst weitem Umfange diese Bestrebungen durch Annahme und Verwendung der kleinen Kassenscheine unter­stützt. Sie ist der Meinung, daß bei etwas gutem Willen die im großen und ganzen nicht begründete Abneigung gegen die Verwendung von Papiergeld leicht zu überwinden ist, und

richtet daher an ihre Bezicksein gesessenen die Bitte, die Reichs­bank in ihren Bemühungen um Unterbringung der Kassenscheine nach Kräften zu unterstützen.

):( Hersfeld, 12. Januar. Die Handwerkskammer zu Cassel hat zum erstenmal auch für Hersseld einen Meister- kursus eingerichtet. Gesellen, selbständige Handwerker und auch Meister erhalten in diesem Kursus Anleitung in Buch­führung, Kalkulation, Wechsellehre, Gesetzeskunde und Korre­spondenz, das heißt in allen Gebieten der Theorie, die zur Meisterprüsuug gefordert werden. An dem am heutigen Montag beginnenden Kursus können noch einige Herren teil- nehmen, wenn sie sich pünktlich um 8 Uhr im Unterrichtslokal einfinden. Für den gesamten Unterricht wird eine Honorar von 6 Mk. gezahlt, wofür die Handwerkskammer aber auch noch sämtliche Buchführungs- und Kalkulationshefte gratis liefert. Der Unterricht wird Abends von 810 erteilt und in dem Gasthaus zur Lullusquelle abgehalten.

):( Hersfeld, 13. Januar. Der Reichsbankdis­kont wurde auf 6V2°/o, der Lombardzinsfuß aus 71/2°/o herabgesetzt.

Heringen, 10. Januar. Der Schlosser Wolf stürzte bei Montierungsarbeiten auf Gewerkschaft Alexandershall aus be­trächtlicher Höhe herab und brach das Genick und war sofort tot.

Eschwege, 9. Januar. Schwer verbrüht hat sich gestern der etwa 1 Jahr alte Knabe einer in der Mauerstraße wohnenden Familie. Während die Mutter des Knaben mit Waschen be­schäftigt war und eben einen Topf mit heißem Wasser aus den Fußboden gesetzt hatte, fiel das Kind rücklings in das Gefäß hinein und wurde arg verbrüht. Der Zustand des unglücklichen Kindes ist sehr bedenklich.

Bon der Diemel, 9. Januar. Ein verhängnisvoller Axthieb wurde von dem Arbeiter Bokel auf der Dalbker Papier­fabrik geführt. Der Mann spaltete Holz im Stalle und traf dabei aus Versehen den jugendlichen Arbeiter Humbert mit der Schärfe des Beils so unglücklich aus den Kopf, daß der Schädel gespalten und das Gehirn blosgelegt wurde. Humbert ist an den Folgen gestorben.

Oberaula, 9. Januar. Der in dem Berliner Ehedrama vielgenannte Oberförster Lewandowsky war früher als Privat- förster in hiesiger Gegend tätig; auch hat er auf der hiesigen Obersörsterei seine Ausbildung genossen.

Bom Eichsfelde, 10. Januar. Als gestern morgen die Frau Gerloff aus Rhumspringe nach Gieboldehausen gehen wollte, um aus der dortigen Sparkasse die Zinsen zu bezahlen, wurde sie unterwegs von zwei jungen Burschen überfallen und zu Boden geworfen. Die Burschen drohten, wenn sie einen Laut von sich gebe, würde ihr die Kehle durchschnitten. Während der eine der Räuber die Tasche mit dem Portemonnaie aus dem Kleide riß, streute der andere der wehrlosen Frau Sand in die Augen und beschmierte ihr das Gesicht mit Chausseeschlamm, so daß es ihr nicht möglich war, die Augen auszuschlagen. Die Täter entkamen unerkannt. Anzeige ist erstattet.

Reinhardshausen bei Wildlingen, 10. Januar. Gestern tummelten sich zwei ältere schulpflichtige Mädchen auf dem frischen Eise des am Sonnabend enteisten Görnerschen Teiches. Plötzlich kam eins dieser Mädchen zu Falle. Das Eis war noch zu schwach, um diesen Druck aushalten zu können, das Mädchen brach ein, geriet unter das Eis und blieb mit dem Kopfe im Schlamm stecken. Das andere Mädchen brach eben­falls ein, doch gelang es ihm noch, sich heraus zu arbeiten. Auf seine Hilferufe eilte der zufällig in der Nähe befindliche Wegemeister herbei und holte das unter das Eis geratene Kind nach längerem Suchen unter dem Eise noch lebend hervor.

Kreuznach, 10. Januar. Heute mittag verunglückten auf einer hiesigen Ziegelei durch Herabfallen einer Lehmwand drei Arbeiter, die auf dieser beschäftigt waren. Während der etwa 30jährige Arbeiter Mahr aus Wallhausen, sofort tot war, erlitten die beiden anderen, die ebenfalls verschüttet waren, nur geringe Verletzungen, obwohl einer derselben bis zum Hals im Lehm steckte.

Erfurt, 10. Januar. Um die Tochter eines hiesigen reichen Metzgermelsters hatte sich ein Polizeikommissar beworben, über den ein Erfurter Detektiv- und Auskunftsbureau dem Schwiegervater in spe die denkbar schlechteste Auskunft er­teilte. Da der Kommissar dies erfuhr und Strasantrag stellte, wurde der Auskunstserteiler zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Die Erfurter Strafkammer hat in der Berufungs­instanz diese Strafe bestätigt, da falsche Auskünfte, die unter dem Siegel der Verschwiegenheit gegeben würden, sehr gefährlich werden könnten.

Heiligenstadt, 10. Januar. Uuter großem Andrange des Publikums wurde heute vor der hiesigen Strafkammer gegen denHeilkundigen" Heinrich Ausmeier aus Küllstedt (Eichsfeld) wegen fahrlässiger Körperverletzung (Gesundheits­schädigung) verhandelt. Der Angeklagte war bis vor fünf Jahren Zigarrenfabrikarbeiter und ließ sich dann, angetrieben durch den großen materiellen Erfolg seines Bruders in Kirchgandern, alsHeilkundiger" in Küllstedt nieder. Schon sein Vater, sein Großvater und Urgroßvater haben als Schäfer in Günterode die Kurpfuscherei betrieben, indem sie meist ohne die Patienten zu sehen aufgrund der Untersuchung des Harns die Diagnose stellten. Auch der Küllstedter Ausmeier erhielt bald großen Zulauf von nah und fern, besonders aus Hessen und Thüringen, und wurde schnell ein wohlhabender Mann. In neuerer, Zeit sieht man ihm schärfer auf die Finger und es schweben z. Zt. eine ganze Reihe von Strafsachen gegen ihn, von denen die erste heute zur Verhandlung stand. Ansmeier hatte einer 62jäh- rigen Frau in Wanfried a. W. Colodium cantharidatum gegen Gelenkrheumatismus verschrieben und außerdem Salicyl­säure und Asspirin zum Einnehmen. Die Kranke hatte nun die ganze rechte Hand mit Kanthariden, einer auS der sogen, spanischen Fliege" gewonnenen, stark gifthaltigen Substanz fleißig bepinselt, da der Angeklagte sie auf die Gefährlichkeit und Giftigkeit des Mittels nicht aufmerksam gemacht und ihr auch keine näheren Verhaltungsmaßregeln gegeben, sich überhaupt nicht wieder um die Kranke bekümmert hatte. Nach Verlauf von acht Tagen schwoll die Hand dick an, sie war stark entzündet, eiterige Blasen zeigten sich, hoch­gradiges Fieber stellte sich ein, so daß das Schlimmste zu befürchten stand. Der Arzt zu Wanfried wurde gerufen und dieser wandte geeignete Mittel an, wodurch das Allgemein­befinden der Kranken sich allmählich besserte. Durch die Fahrlässigkeit des Kurpfuschers ist aber ein dauernder Schaden an der Gesundheit der Frau eingetreten, da sich sog. Infiltra­tionen an der rechten Hand gebildet haben, die eine Ver­krümmung und Verwachsung der Gelenke und Versteifung der Hand zur Folge hatten. Das Urteil der Strafkammer lautete auf sechs Wochen Gefängnis und Tragung der Kosten.

* Aus den Ergebnissen der schulstatistischen Erhebung vom

20. Juni 1906 für den preußischen Staat teilt die Statistische Korrespondenz einige Hauptzahlen mit, die von allgemeinem Interesse sind. Danach bestanden 1906: 37 761 öffentliche

Volksschulen (1901: 36 756) und zwar in den Städten 4832 (1901: 4414), auf dem Lande 32 929 (1901: 32 342), Schulklassen 115 902 (104 082), davon in den Städten 48 841 (35 733) aus dem Lande 73 061 (68 349). Stellen für Lehrer waren vorhanden insgesamt 84980 (76342), in den Städten 31744 (26 881), auf dem Lande 53 336 (49 461), für Lehrerinnen zusammen 17 784 (13 866), in den Städten 11860 (9096), auf dem Lande 5924 (4770). Schul­kinder wurden gezählt 6164 398 (5 670 870), in den Städten 2 306 265 (2005134), aus dem Lande 3 858133 (3 665736) Die Zahl der Schulen ist demnach nicht in gleich starkem' Maße wie die der Schulkinder gewachsen, so daß jetzt auf eine Schule mehr Schüler und ein größerer Anteil an Klassen ent­fallen als vor fünf Jahren.

Uermischtes.

(Der Prinzals Retter.) An den Untergang des DampfersBerlin" bei Hoek van Holland erinnern mehrere Besuche, die Prinz Heinrich der Niederlande während seines Aufenthalts in Dresden dieser Tage einigen der Geretteten vom DampferBerlin" abstattete. Der Prinz hatte sich seinerzeit, wie erinnerlich, am Rettungswerk beteiligt und später auch in Berlin eine der geretteten Frauen besucht. Kürzlich hat er zwei andere gerettete Damen, das junge Fräulein Theile und Fräulein Gäbler in Dresden ausgesucht. Am andern Tage wurden die beiden Damen vom Prinzen zu einer Tafel zugezogen. Als die Unterhaltung während deS Tischgesprächs einen Augenblick stockte, meinte Prinz Heinrich in launiger Weise zu seiner Tischnachbarin:Na, Fräulein Theile, brüllen Sie einmal so, wie Sie damals gebrüllt haben, als ich im Boot zu Ihnen kam und Sie aus dem Mast holte!"

(Einer, der im Zuchthaus bleiben will.) In Appenzell in der Schweiz sollte ein Zuchthäusler nach langer Strafzeit entlassen werden. In einem Gesuch an die Kantonsregierung bat er aber flehentlich, doch ja im Zucht­haus bleiben zu dürfen. Dieses sei jetzt seine Heimat; eine andere habe er nicht mehr und er wisse nicht, wie er sich durchs Leben bringen könne. Man willfahrte seinem Wunsch und gab ihm einen kleinen Posten in dem Zucht­hause.

In einem Orte nahe Muskogee Oklahoma erschoß ein Neger einen weißen Leihstallbesitzer, der sich geweigert haben soll, dem Neger eine Kutsche zu vermieten. Der Neger wurde verhaftet und im Gefängnis untergebracht, das bereits nach wenigen Minuten von einer wütenden Menge umzingelt war. Man erstürmte das Gefängnis, schleppte den Neger nach dem nächsten Telegraphenpfahl und knüpfte ihn daran aus. Dann wurden verschiedene Salven auf ihn abgegeben. Die Leiche des Negers war von Kugeln durchbohrt wie ein Sieb.

Paris, 10. Januar. Die hiesige Polizei verhaftete einen gewissen Lemoine, der unter dem Vorwande, daß er künstliche Diamanten erzeugen könne, einen Direktor der de Beers-Gesellschast um 1 600 000 Francs geschädigt haben soll. Lemoine soll durch ein allem Anschein nach verbrecherisches Experiment glaubhaft gemacht haben, daß ihm die Erzeugung künstlicher Diamanten wirklich ge­lungen sei. ____________________

Letzte Nachrichten.

Berlin, 12. Januar. Am Abend war allgemein Ruhe eingetreten. Nur unter den Linden kam es gegen 7Va Uhr noch einmal zu lebhaften Austritten, die die Verhaftung einiger Personen zur Folge hatten. Zu dem Zusammenstoß an der Friedrichsgracht am Nachmittag ist zu bemerken, daß dort zwei Schüsse gefallen sind, von denen einer aus einem Hause, der andere aus der Menge abgefeuert wurde. Von feiten der Polizei ist durch eine Revision der Revolver der dort tätigen Beamten festgestellt worden, daß auS keinem dieser Revolver ein Schuß abgegeben ist.

Berlin, 12. Januar. Leutnant v. Kruse, der Sohn der Frau v. Elbe, hat seinen Abschied aus der Armee nach­gesucht und erhalten.

Berlin, 12. Januar. Die Konservativen und Frei- konservativen brachten im Abgeordnetenhaus eine Interpellation ein: Welche Maßnahmen gedenkt die königliche Staatsregierung zu treffen, um dem immer mehr überhandnehmenden Aus­schreitungen beim Bettieb von Kraftfahrzeugen besser als bis­her zu ^begegnen.

Berlin, 12. Januar. Wie die Morgenblätter melden, haben wie in Berlin auch in der Provinz Wahldemonstrationen der Sozialdemokraten stattgefunden, die aber durchgchend ohne Zwischenfälle verliefen, so in Frankfurt a. M., Cöln, Düssel­dorf, Hamburg, Breslau.

Rom, 12. Januar. Nach einem Telegramm des italienischen Ministerresidenten in Adis-Abeba an den Minister deS Aeußeren hat Menelik auf den formellen Protest der italienischen Re­gierung wegen des Zwischenfalls bei Lugh und die Aufforderung zur Genugtuung erklärt, daß er die Vorkommnisse, von denen er nichts gewußt hätte, aufs tiefste bedauere. Er versichere die italienische Regierung von neuem seiner Freundschaft und Loyalität und sei bereit, volle Genugtuung zu gewähren. Die Verantwortung treffe allein die Häuptlinge, die auf eigene Faust und gegen seinen Willen gehandelt hätten und exem­plarisch bestraft werden sollten.

Rom, 12. Januar. Einer Meldung der Agenzia Stefani zufolge haben die Regierungen von Deutschland, England und Frankreich ihre Vertreter in AddiS Abeba telegraphisch ange- gewiesen, die Forderungen des italienischen Ministerresidenten beim Negus Menelik zu unterstützen.

Bin gen, 12. Januar. Die Erbauung eines Bismarck- denkmals gegenüber dem Nationaldenkmal im Niederwald ist in Vorbereitung. Ein Platz auf der Elisenhöhe ist dazu bereits erworben. Die Sammlung des Baukapitals wird emsig betrieben.

Bochum, 12. Januar. Auf der Zeche Heinrich Gustav in Langendreer stürzten zwei Fahrhaucr mit dem Förderkorb in den Sumpf und ertranken.