Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, t«a

Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer ein­gespaltenen Zeile 10 Pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Zeile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.vsvLns^

BB

herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" und Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

9tr. 1.

Sonnabend, den 4. Januar

1908.

Amtlicher teil.

HerSfeld, den 20. Dezember 1907.

Der Landwirt Johannes Brandenstein zu Heimboldshausen ist heute für den Gemeindebezirk Heimboldshausen und Röhrigs- Hof als Schlachtvieh- und Trichinenbeschauer eidlich verpflichtet worden.

I. 12418. Der Königliche Landrat.

I. B.:

THamer.

Hersseld, den 21. Dezember 1907.

Die unter der Schasherde des Schäfers Dusenburg zu Lingelbach, Kreis Ziegenhain, ausgebrochene Räude ist er­loschen.

I. 12 479. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Zugelaufen: Ein schwarzer männlicher Dachshund. Meldung des Eigentümers bei dem Ortsvorstand in Schenklengsseld.

nichtamtlicher Lei!.

Politischer Wochenbericht.

Der Klang der F e i e r t a g s g l o ck e n ist verhallt und die,Schwelle des neuen Jahres überschritten. Da richten sich auch auf politischem Gebiete die Blicke erwartungsvoll in die Zukunft. Was werden uns die kommenden Tage bringen ? Im Innern gilt diese ZukunstSfraqe vor allem der Block­politik. Es ist nicht zu leugnen, daß diese Politik dem­nächst starken Belastungsproben ausgesetzt sein wird. Börsen- gefetz, Vereinsgesetz, Reichsfinanzreform, Wahlreform, Polensrage und anderes sind solche Belastungsproben. Der Block wird nur dann unversehrt aus ihnen hervorzugehen vermögen, wenn rechts und links die starre Parteidoktrin Milderungen ersährt und aus beiden Seiten der ehrliche und entschiedene Wille §ur Verständigung obwaltet. Das politische Leben beruht nun einmal aus Kompromissen, und ohne gegenseitige Zugeständnisse der maßgebenden Parteien ist eine gedeihliche Führung der öffentlichen Geschäfte undenkbar. Daß diese Ueberzeugung sich während der Parlamentsferien bei den unter dem Banner der Blockpolitik gewählten Volksvertretern festigen und vertiefen möge, um nachher in sieghafte Taten umgesetzt zu werden, ist gewiß der sehnlichste Herzenswunsch aller patriotisch gesinnten Deutschen. Möge ihm Erfüllung zuteil werden I

Um die Zeit der Wintersonnenwende pflegt nach dem Glauben des Volkes allerlei Spuk sein Wesen zu treiben. Die diesjährige Wintersonnenwende aber hat sich solchem Glauben wenig günstig erwiesen; denn gerade jetzt ist einem argen Spuk, der längere Zeit ein zahlreiches Heer von Gläubigen narrte, nämlich dem Kamarilla-Spuk, gründlich der Garaus gemacht worden. Der Ausgang der zweiten Auflage des H a r d e n - P r o z e s s e s hat für jeden, der sehen will, mit unbezweiselbarer Klarheit bargetan, daß von irgendwelchem Kamarilla- oder Kliquenwesen in der Umgebung unseres Kaisers nicht die mindeste Rede sein kann.

Nachdem in O e st e r r e i ch der Ausgleich mit Ungarn alle Stadien der parlamentarischen Beratung glücklich durch­laufen hat, haben die leitenden Regierungskreise sofort wieder die Lösung einer neuen Aufgabe von gewaltiger Tragweite, näm­lich der Nationalitätensrage, ins Auge gefaßt, und zwar handelt es sich zunächst um die Herbeiführung einer Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen. Ministerpräsident Frhr. v. Beck hat die Grundzüge eines dieser Ausgabe dienenden Programms bereits im Parlamente entwickelt und dabei auch die prinzipielle Zustimmung der maßgebenden Parteien ge­funden. In den Einzelheiten fehlt es freilich nicht an mancherlei Vorbehalten und Einwendungen, und so dürste das bedeutsame Werk noch erheblichen Schwierigkeiten begegnen. Alle aufrichtigen Freunde der österreichischen Monarchie aber werden gewiß von Herzen wünschen, daß trotz dieser Hinder­nisse endlich doch ein dauernder Ausgleich zwischen Deutschen und Tschechen zu stände kommen möge, damit die beiden Na­tionalitäten fortan frei von allem Zwist und Hader sich un­gehemmt der knlturellen Entwickelung und wirtschaftlichen Hebung ihres gemeinsamen schönen Vaterlandes widmen können.

In Rußland wurden zu gleicher Zeit zwei Prozesse von symptomatischer Bedeutung verhandelt. In der Hauptstadt des Zarenreiches haben sich hohe Offiziere wegen der Ueber- gabe der angeblich noch verteidlgungssähig gewesenen Festung Port Arthur zu verantworten, und vor einem bürgerlichen Gerichtshöfe ist 169 Angeklagten, darunter einer großen Zahl von Mitgliedern der ersten Reichsduma samt ihrem Präsidium, wegen Unterzeichnung des revolutionären Wiborger Ausrufs der Prozeß gemacht worden. In letzterem Prozesse wurde die Mehrzahl der Angeklagten zu drei Monaten Gefängnis ver­urteilt, und nur bei drei derselben erfolgte Freisprechung. Zeigt die Verhandlung vor dem Kriegsgericht die kleinlichen Elfer-

süchteleien von Generalen, die bei der Austragung persönlicher Rivalitäten die ihnen gemeinsam gestellte große Aufgabe ver­nachlässigten, so erhellt der zweite Prozeß das finstere unheil­volle Treiben der russischen Revolutionäre. AuS beiden Prozessen aber fällt ein scharfes Streiflicht aus die Zustände des Zaren­reiches.

In Frankreich hat der Minister des Auswärtigen Pichon im Senat die marokkanische Frage eingehend behandelt. Seine Ausführungen waren auf einen durchaus sanften, friedlichen und entgegenkommenden Ton gestimmt. Der Minister betonte mit großem Nachdruck, daß die französische Regierung in Marokko weder Eroberungen noch das Protektorat an'trebe und die Durchführung der Akte von AlgeciraS in allen ihren Teilen vorbereite. Hoffentlich steht die künftige Handlungsweise Frankreichs in genauem Einklänge mit diesen Erklärungen. Im übrigen bat Frankreich kürzlich ein Seitenstück zu unserm Liebknecht-Prozesse erlebt, indem auch hier gegen die antimiliraristischen Hetzer gerichtlich vorgegangen wurde. Der französische Antimilitarist H e r v 4 wurde wegen Beleidigung des Heeres zu einem Jahre Ge- sängnis und zwei seiner Mitarbeiter zu je fünf Jahren Ge­fängnis verurteilt; außerdem erhielt noch jeder der Verurteilten 3000 Mark Geldstrafe auserlegt. Die Härte dieses Urteils steht in bemerkenswertem Gegensatze zu der milden Bestrafung Liebknechts, der bekanntlich mit Festungshaft davongekommen ist. Es zeigt sich eben auch hier wieder, daß man im repu­blikanischen Frankreich in nationalen Dingen keinen Spaß versteht und jeden Anschlag auf die hohen Güter des StaatS- lebenS unnachsichtig ahndet. Die Herren Genossen nehmen natürlich von solchen Dingen keine Notiz; denn sonst würde ihaen ja der Vorwand entzogen, überdeutsche Rückständigkeit" undpreußische Brutalität" zu zetern, und das ginge doch im Interesse ihrer auf Lüge und Verleumdung ausgebauten Agitation nicht an.

At TlirstschliiA bei 8roß-Ma§

in den ersten Januartagen des JahreS 1905.

Einer der schwersten Kämpfe, die unsere Truppen in Süd- westasrika zu bestehen hatten, ist das mehrtägige Gefecht bei Groß-Nabas. Die vom Großen Generalstabe herausgegebene Geschichte dieses Krieges berichtet darüber unter anderem: Ende Dezember des Jahres 1904 hatte Oberst Deimling den Entschluß gefaßt, sich mit der gesamten ihm unterstellten Truppenmacht auf Hendrik Witboi zu werfen, der sich zu Ende des Jahres im Auobgebiete mit Simon Kopper vereinigt hatte und so über mehr als 1200 Gewehre verfügte. Er war also zur Zeit der gesährlichste Feind, mit dem in erster Linie abgerechnet werden mußte. Am 23. Dezember teilte Oberst Deimling seine Streitmacht in drei Kolonnen, die Abteilungen Meister, Ritter und Lengerke, und gab ihnen den Befehl, kon­zentrisch zum Angriff auf die Witboi gegen Gochas vorzu- marschieren, den wichtigsten Platz des Auobtales. Durch diese umfassende Bewegung hoffte man, den beweglichen Feind, der jeder Entscheidung auswich, zum Kampfe zu stellen und seine Widerstandskraft zu brechen.

Am 1. Januar war die Abteilung Ritter, bei ihr Oberst Deimling, von Gibeon aufgebrochen. Am 3. kam es zum Gefecht bei Haruchas, in dem es der kleinen Abteilung in sechsstündigem schweren Kampfe gelang, die Absicht des Feindes, die Deutschen hier vereinzelt zu schlagen, zu vereiteln. Am Abend des 4. war auch die Abteilung Lengerke bei Haruchas eingetroffen, nachdem sie eine zweitägige Durststrecke bei glühender'Hitze mit größter Anstrengung überwunden hatte. Die vereinigten beiden Abteilungen hatten am 5. das äußerst heftige Gefecht bei Gochas, das wiederum mit einem Siege der Deutschen und mit dem Zurückjagen des Feindes endigte. Freilich kostete dieser Sieg den deutschen Abteilungen vier Tote und vierzehn Verwundete. Am 6. besetzten die deutschen Truppen dann, ohne weiteren Widerstand zu finden, Gochas. Dort hatte nach t^n allgemeinen Plane die Abteilung Meister schon am 3. früh ein treffen sollen. Und doch hatte man keinerlei Kunde von ihr, hatte auch niemals Artillericfeuer ge­hört. Dies tief große Bestürzung hervor; man hegte die schlimmsten Befürchtungen.

Während man aber ursprünglich damit gerechnet hatte, der Feind werde sich mit seiner Hauptmacht gegen die beiden Ab­teilungen Ritter und Lengerke wenden, war Hendrik auf die Nachricht vom Anmärsche der Kolonne Meister dieser mit seinen Witboi bis Stamprietfontein entgegengerückt.

Major Meister hatte am Nachmittag des 31. Dezember 1904 den Vormarsch aus Stamprietfontein angetreten. Dort kam es noch am Abend zu einem Gefecht, infolgedessen aber erst im Laufe der Nacht der Feind zurückging. Ein schweres, mit gewaltiger Kraft sich entladendes Gewitter mit strömendem Regen und heftigem Donner ging nieder. Eine Verfolgung des Feindes war unmöglich.Die Truppen blieben während der sehr kalten Nacht in Schützenlinien ausgelöst, alles völlig durchnäßt, vor Kälte zitternd, Gewehr im Arm. So ermattete man den Feind um das Jahr 1905!"

Am 1. Januar wurde der Marsch auf Groß-NabaS ange­treten, ohne jedoch zum Zusammenstoß mit dem Feinde zu

führen. Am Morgen des 2. Januar dagegen erhielt die Spitze heftiger Feuer aus nahe Entfernung. Es wurde sofort er­kannt, daß der Gegner in großer Ausdehnung gegenüberstand. Major Meister entwickelte sofort seine drei Kompanien, worauf der Feind feine Stellung räumte, aber nur, um in eine zweite festungsartig verschanzte zurückzugehen, wo er nun einen klippenreichen, in der Front fast sturmfreien Höhenzug, der sich von dem höheren Dünengelände nach dem Flußtal allmählich herabsenkte, besetzt hielt. Er zählte im ganzen etwa 1000 Ge­wehre mit reichlicher Munition und war den Deutschen um das Fünffache überlegen. Hier galt es, einen ernsten Wider­stand zu brechen. Die Kompanien richteten sich hinter felsigem Geröll, so gut eS ging, ein und erwiderten das Feuer. Die feindliche Linie dehnte sich im Laufe des Tages auf 45 km auS und drohte, durch ihre Uebermacht die kleine deutsche Schar zu erdrücken. Während es tagsüber noch gelungen war, die Truppe zum Teil mit frischem Wasser zu versehen, begann im Laufe des Nachmittags das Waffer, auszugehen. Auch die Hoffnung, daß ein am Abend heraufziehendes Ge­witter den sehnlichst erwarteten Regen bringen würde, erwies sich alS trügerisch. Die Nacht vom 2. zum 3. verbrachten die Truppen, das Gewehr im Arm, in der Schützenlinie; der brennende Durst ließ aber nur wenige den ersehnten Schlaf finden.

Der 3. war wieder ein glühend heißer Tag. Der brennend heiß gewordene Dünensand bereitete den Kämpfern die furcht­barsten Schmerzen. Schon in den ersten Morgenstunden wurden einzelne Leute vor Schmerzen, Erschöpfung und Durst in der Schützenlinie bewußtlos. Die Lage wurde immer ernster, das feindliche Feuer immer heftiger; die Verluste nahmen zu. Einzelne Leute wurden vor Durst wahnsinnig. Höhnend hielt der Feind seine eigenen wohlgefüllten Wassersäcke den Halb­verdursteten entgegen. Im Lauft des Nachmittags versuchten sich die Hottentotten der Geschütze zu bemächtigen, wurden aber zurückgeworfen. Endlich ließ der Kampf an Heftigkeit auf beiden Seiten nach. Ein Zustand fast bewußtloser Er­schöpfung trat ein. Auch gelang es nach vielen Mühen, aus einer im Auobtale entdeckten Wasserstelle Wasser herbeizuschaffen. Aber dieses war bald ausgetrunken, und eine Umgehungsbe­wegung der Hottentotten im Rücken der Deutschen machte das Heranholen von mehr Waffer unmöglich. Die Lage wurde äußerst heikel; nur der Mut der Verzweiflung hielt die kleine Schar aufrecht. Den ganzen Tag über hatte man gespannt nach Süden auSgeschaut, woher man den Anmarsch der Ab­teilungen des Obersten Deimling erhoffte. Endlich mit Ein­bruch der Dämmerung hörte man aus weiter Ferne Kanonen­donner. Alles schöpfte neue Hoffnung. Trotzdem dauerte das wieder heftiger werdende Gefecht bis gegen Mitternacht.

Am Morgen der 4. erkannten die Deutschen, daß Teile des Gegners von ihnen abgezogen waren. Dieser hatte sicher auf den Rückzug der Deutschen gerechnet und wollte sich ihnen mit Teilen an einer anderen Stelle vorlegen. So kamen auch Teile des Feindes in den Rücken der Deutschen, deren Lage sich dadurch noch verzweiflungsvoller gestaltete. Da faßte der kühne Führer den äußersten Entschluß, die Wasserstelle Groß- Nabas zu stürmen, koste es, was es wolle.

Allein hieß es nicht Uebermenschliches verlangen, war es nicht ein Wahnwitzes Unternehmen, mit dieser bis zur Willen- losigkeit erschöpften Truppe, die in einem mehr als 50stündigem Kampfe unsagbare Leiden hatte ausstehen müssen und die so schwere Verluste erlitten hatte, die feindliche Stellung, die von einem überlegenen, völlig unerschütterten, entschlossenen Gegner verteidigt wurde, mit stürmender Hand nehmen zu wollen ?! Es war der feste Wille einer Schar von Helden, lieber einen schnellen, ehrenvollen Soldatentod zu erleiden, als mit den Todesqualen deS VerdurstenS langsam und rühmlos hin- zusteiben."

Nach einem letzten, starken Feuer auf die Reihen des Gegner wurde das Seitengewehr ausgepflanzt und zum letzten Sturmanlauf geschritten. Trotz mörderischen Feuers des Gegners gelang eS der übermenschlichen Anstrengung der todesmutigen Schar, den Gegner aus seiner Stellung zu verjagen. Den in wilder Flucht laut schreiend davonjagenden Feinden stürzte alles in die eroberte Stellung nach, um aus dieser den Gegner mit Feuer zu verfolgen.Die Wasserstelle Groß-Nabas war genommen. Es war ein Kamps ausgefochten worden, wie er schwerer und aufreibender, aber auch ruhmvoller wohl selten je zuvor von deutschen Soldaten gesümpft worden ist. Jener Sturmanlauf mit den halbverdursteten, durch ein 54stündiges Gefecht erschöpften Truppen ist eine Tat, die ihresgleichen in der Kriegsgeschichte sucht." Am Mittag des dritten Tages erst konnte die Truppe frisches Wasser und einige Nahrung zu sich nehmen.

Freilich waren auch die Opfer äußerst schwer gewesen, 4 Offiziere und 18 Mann hatten ihr Leben auf deni Schlacht­felde lassen müssen, 3 Mann wurden vermißt, 5 Offiziere und 42 Mann waren verwundet. Fast 32 v. H. der Abteilung waren außer Gefecht gesetzt, 148 Pferde und Maultiere waren tot. Der Feind hatte 70 Tote in der Stellung zurückgelassen, also ohne Zweifel starke Verluste gehabt. Am 7. Januar hatten die Abteilungen unter Oberst Deimling ein siegreiches Gefecht bei Zwartfontein. Am Morgen des 8. gelang es