Einzelbild herunterladen
 

«2»»»«^*^»^»*^^

W Biehrscht. W lw^^^w^^^^^^^^^i'3

Torfmull, ein bewährtes Vorbeuge- und Heilmittel gegen Maul- und Klauenseuche.

Da sich aus zahlreichen Gebieten Süddeutschlands die Nachrichten über den Ausbruch der Maul- und Klauen­seuche mehren, sieht sich dieAllgemeine Molkerei-Zei­tung" (Stuttgart) veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß das Torfmull ein bewährtes Borbeuge- und auch Heilmittel gegen diese Krankhei ist und begründet dieses folgender­maßen:

Bereits im Jahre 1892 berichtete Gutsbesitzer Vibrans- Wendhausen auf der Sitzung der Deutschen Landwirt- schafts-Gesellschaft, daß auf seinem Gute, wo statt Stroh Torfstreu verwendet werde, kein einziger Fall von Maul- und Klauenseuche vorkam, während auf den Gütern in der unmitelbaren Nachbarschaft die Seuche in besorgnis­erregender Weise herrschte.

Aber auch in bereits erkrankten Ställen übt dieses Material eine vorzügliche Wirkung auf den Heilungs­prozeß aus. So finden wir in der Zeitschrift der Land­wirtschaftskammer für die Provinz Schlesien interessante Mitteilungen eines praktischen Landwirts. Bei Ausbruch Der Seuche stellte er das erkrankte Vieh auf Torfstreu. Während nun in der Nachbarschaft die Seuche sehr bös­artig au straf und zahlreiche Rinder eingingen, war in seinen Ställen der Verlauf ein sehr gutartiger. Als seine Viehbestände schon fast geheit waren, ging ihm durch Zu- faH die Torfstreu aus und bis zum Eintreffen der neuen Sendung streute er wieder Stroh. In wenigen Tagen trat darauf bei einer Anzahl Kühe eine auffällige Ver­schlimmerung ein. Alle bereits überwunden geglaubten Krankheitserscheinungen flackerten wieder auf und die Heilung setzte erst wieder ein, als die Tiere wieder auf Torfstreu gestellt wurden.

Diese heilende Wirkung der Torfstreu wurde übrigens auch bei anderen Krankheiten erprobt, so bei der Brust­seuche der Pferde. Wahrscheinlich übt eben die Torfstreu eine desinfizierende Wirkung aus, tötet die Krankheits­erreger und saugt die tierischen Auswürfe usw. an sich und macht sie unschädlich.

Für beschlagene Hufe gelten folgende Grundsätze der Hufpflege.

Die Hufe sind täglich einmal mit kaltem Wasser, Huf­reiniger und Bürste zu reinigen. Das Wasser dringt in den aus Hornröhrchen gebildeten Hornschuh ein und macht das Horn elastisch. Um das bald eintretende Austcock- nen der so gereinigten Hufe zu verhindern, ist der ganze Huf, also auch die Sohle, mit einem eingebetteten Lappen einzureiben. Durch die dünne Fettschicht soll die Ver­dunstung der Feuchtigkeit, die in das Hufhorn eingedrun­

gen ist, verhiydect werden. Zum Einfetten nehme man Kammfett, Schweinefett, gereinigte Vaselin usw., beson­dere Hufsalben sind nicht nötig. Einschmierung der Hufe ohne vorherige Reinigung und Waschung ist nachteilig; es bildet sich dann eine Schmierkruste, unter welcher das Horn mürbe und brüchig wird. Im Stall selbst ist für guten Fußboden und saubere Streu zu sorgen. Für eine tägliche Bewegung ist Sorge zu tragen, sie befördert den Blutumlauf im Hufe und damit das Wachstum des Huf­horns. Alle vier bis sechs Wochen muß der Beschlag er­neuert werden. Der Huf wächst über dem Eisen, dieses wird zu klein und paßt nach dieser Zeit nicht mehr. Die Form des Hufes ändert sich und bei längerem Unterlassen der Beschneidung des Hufes leiden allmählich die darüber liegenden Sehnen und Gelenke. Die Pferde ermüden leicht bei der Arbeit und werden frühzeitig auf den Glied­maßen verbraucht, struppiert. Sobald Pferde längere Zeit außer Dienst gestellt werden, lasse man, wenn die Hufe sonst gesund sind, die Eisen abnehmen und die Tiere barfuß gehen.

Einfluß der Maisfütterung auf die Beschaffenheit des Fettes der Schweine.

Es hat sich gezeigt, daß nach Maisfutter das Fleisch der Schweine die wünschenswerte Festigkeit nicht erlangt. In Dänemark ist man bemüht gewesen, ein Mittel zu finden, den angegebenen Uebelstand bei der Maisfütte­rung zu vermeiden. Nach den Forschungen von Frys muß, um Fleisch von guter Qualität zu erhalten, die Maisernährung während der letzten Lebensperiode des Tieres eingestellt und die Mast mit anderen Futtermitteln beendet werden. Frys stellt die Regel auf, daß der Mais fortgelassen werden muß, wenn die Schweine ein Gewicht von 60 Kilogramm erreicht haben; mittels Gerste muß dieses alsdann auf 90 Kilogramm erhöht werden. Der­selbe Forscher hat festgestellt, daß, mit anderen konzen­trierten Futterstoffen zugleich verabfolgter Mais nicht dieselben Uebelstände betreffs der Qualität des Fleisches nach sich zieht, als wenn er allein verwendet wird. So soll man in Dänemark dahin gelangt sein, vollständig die schädliche Wirkung des Mais auszuschließen, indem man eine Mischung von ein Drittel Palmkuchen und zwei Drittel Mais verfüttert. Außerdem hat man gefunden, daß Melassefutter im Verein mit Mais die Qualität des Fleisches verbessert, indem es den Speck fester macht. Man hat mit Erfolg eine Mischung von vier Achtel Melasse, drei Achtel Kleie und ein Achtel Palmkuchen verwendet. Was die Zunahme des lebenden Gewichtes betrifft, so haben die Versuche von Frys bewiesen, daß 1,25 Kilogr. Melassefutter einen höheren Nährwert wie 1 Kilogramm Körnerfrüchte besitzen. Die dänischen Versuche, welche sich auf mehrere hundert Tiere erstreckten, haben die sehr eigentümliche Tatsache ans Licht gebracht, daß der Mais während des Winters eine ungünstigere Wirkung ausübt und in einem höheren Grade die Festigkeit des Speckes als im Sommer vermindert. Diese Tatsache scheint um so

sicherer zu sein, als sie nicht allein mit dem Mais, sondern auch mit dem Sonnenblumensamenkuchen, welcher noch mehr die Weichheit des Speckes vermehrt, beobachtet wor­den ist. Der Mais und der Sonnenblumensamenkuchen sind am schädlichsten, wenn sie während der kalten Jahres­zeit verfüttert werden. Dieser Einfluß der Temperatur könnte vielleicht die etwas widersprechenden Ansichten über den Nährwert des Mais erklären.

(Deutsche landw. Tierzucht.)

, Warzen bei Rindvieh.

Die Erfahrung lehrt, daß eine gewisse Disposition zu dieser Krankheit vererbt wird, weshalb stark von Warzen befallene Rinder von der Zucht auszuschließen sind. Auch sollte eine Trennung der Tiere, die an dem Uebel leiden, stattfinden, da sich die Warzen manchmal auf andere Tiere übertragen. Da es ein allgemeines Heilmittel gegen das Uebel nicht gibt, versucht man wohl eine etwas knappere Fütterung, die bisweilen günstig auf die Krankheit ein- wirkt. Gut gestielte Warzen, welche eine trockene Ober­fläche haben, versucht man am besten mit den Fingern ab- zudcehen oder man unterbindet sie und läßt den Faden sitzen bis zum Abfallen der Warzen. Außerdem kann man Warzen mit nicht zu großer Basis nach vorhergehendem kräftigen Anziehen mit der Schere einfach abschneiden und die entstandene Wunde mit Höllensteinstift oder Kristall­kupfervitriol berühren oder, was am einfachsten ist, mit gebranntem Alaun bestreuen. Warzen an den Lippen pflegen ohne weitere Behandlung abzufallen.

Um das Selbstaussaugen der Kühe zu verhindern, legt man ihnen um den Vorderleib einen Gurt oder lose sitzenden Strick, an welchem unten an der Bauchseite mit einer Oese ein gerader Stock befestigt ist. Der letztere wird zwischen den Vorderbeinen hindurchgeführt und am An- bindehalftec befestigt. Der Stock darf jedoch nicht so tief angebracht sein, daß er die Kuh unter der Brust drückt; er soll vielmehr nur das Seitwärtsdrehen des Kopfes verhindern.

Ein Fingerzeig für die Schafhaltung.

Wie jeder wohlerfahrene Herdenbesitzer weiß und jeder Schaffreund wissen sollte, kommt es sehr viel darauf an, daß die Schafe zu jeder Zeit ein trockenes und reinliches Lager haben. Aber besonders ist dies im-Winter und Frühling erforderlich, um Wolle und Beine in gutem Zustande zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, ist die folgende Methode zu beachten: ehe Frostwetter eintritt, werden die Schafhöfe mit einer zwei bis drei Fuß starken Strohschicht bedeckt und von einigen Pferden fest getreten. Zweck dieser Bedeckung ist, den Frost von dem Unter- gründe fernzuhalten, damit das Wasser von Schnee­schmelze und Fcühjahrsregen in den Boden eindringen kann, statt von einer wiederholentlich gelegten, nur sechs- bis achtzölligen Strohschicht aufgesaugt zu werden.

399

Ein Laaerudorf vor 50 Jahren.

(Fortsetzung.)

Kapitel 5. Arbeiter-Verhältnisse.

Die Weihnachtszeit war herangekommen. Georg hatte einen Wirtschastsplan entworfen, den er mit Onkel F. be­raten wollte, und welcher vom Neujahr an in Ausführung kommen sollte. Ohne sonderliche Vorkommnisse hatte der Administrator weiter gewirtschaftet und sein junger Herr war in diesem ersten Vierteljahre im Wirtschaftsbetriebe schon ziemlich heimisch geworden. Georg sah den Admini­strator und seine Frau alle 14 Tage des Sonntags bei sich zu Tisch und der Verkehr war ein für beide Teile ange­nehmer geblieben.

' Da Bauten in der Wirtschaft voraussichtlich würden notwendig werden, so wurde am Wege nach dem Eichvoc- weck vor dem Walde, da wo die projektierte Sekundärbahn den Weg durchschneiden würde, nach Lehm gemutet, der­selbe auch in mäßigen großen Lagern gefunden und eine beträchtliche Menge ausgeworfen, um im nächsten Früh­jahre einige Feldöfen Mauersteine brennen zu können. Gesellschaftlich hatte sich Georg seinem Nachbar hinter dem Walde, dem Landrat von Fr., der einige Jahre älter war, eine Zeit lang das Kreislandcatamt als Assessor ver­waltet hatte, nun aber sich im Kreise angekauft und Land­rat geworden war, angeschlossen. Herr v. F. war unver­heiratet und hatte seine Mutter bei sich. Frau v. Fc. stammte aus einem alten Grafengeschlechte, ihr Mann hatte als höherer preußischer Offizier in der Schlacht bei Gravelotte den Heldentod gefunden. Da nun auch Frau von Fc. eine besondere Zuneigung zu E. v. K. gefaßt, so konnte es nicht fehlen, daß die beiden Häuser nach und nach in einen sehr engen Verkehr traten, der immer inniger wurde, je mehr die beiderseitigen Interessen sich begegneten.

In der Woche vor dem Feste traf Onkel F. aus Berlin richtig ein und man machte sich bald an die Beratung des von Georg entworfenen Wirtschaftsplanes. Doch erst nach dem Feste wurde man damit fertig. Es wurde hier­nach Folgendes beschlossen. Die Brennerei sollte aufge­löst werden, weil ihr Fortbetrieb nur mit Verlusten ver­bunden war. Das Kesselhaus mit dem Maschinenraum sollte stehen bleiben, um, wenn es notwendig, vermittelst

! Transmission die Dreschmaschine, die Häckselmaschine usw. i von hier aus treiben zu können. Mit dem Mauermaterial j des niederzulegenden Brennereigebäudes sollten im näch­sten Jahre einige neue Arbeiterwohnungen gebaut wer­den. 25 alte abgemolkene Kühe und 10 alte Zugochsen waren auf Mast gestellt werden. Aus dem Erlös sollte im Herbst des nächsten Jahres neues Vieh als Grundstock zu einer zu begründenden Zuchtviehheerde angeschafft wer­den. Dem Viehlieferanten wurde der Kontrakt gekündigt. Zugleich mit Erneuerung der Kuhherde war die Aufstel­lung einer rationellen Schweinezucht mit Meißner Blut in Aussicht genommen. Da der Bau der Eisenbahn ge­sichert war, so beabsichtigte Georg, wenn sich anders das Lehmlager als mächtig genug erwiesen hatte, in der Nähe der Haltestelle einen Ringofen zu bauen und eine Ver­kaufsziegelei anzulegen.

6tägige Tagelöhnerfamilien sollten gesucht und mit ihnen zweckmäßige Kontrakte vereinbart werden.

Alle diese Verbesserungen erforderten aber nicht unbe­deutende flüssige Geldmittel. Um nun diese beschaffen zu können, ohne das Gut zu belasten, entschloß sich Georg, das Eichvorwerk, das doch nur eine Last für den Wirt­schaftsbetrieb war, zu verkaufen, und mit dem Erlös die neuen Ausgaben zu decken. Auf diesem ca. 300 Morgen großen Gute hatte seither die Hammelherde gestanden und da das Schäfereivorwerk genügend Raum bot für die ganze Schafherde, so konnte bei Wegfall des Eichvorwerks die ganze Schafdüngerproduktion auf die bessern Aecker des Hauptgutes verwendet werden. Was den Ausfall an Kartoffeln resp. Hackfrüchten betrifft, so sollte derselbe durch einen vermehrten Anbau von Runkelrüben und Oelfrüchten gedeckt werden. Durch diese Veränderung entstand auch eine größere Konzentration des Wirtschafts­betriebes, das Grundkapital des Gutes wurde nicht ge­schädigt durch den Abverkauf des Eichvorwerks, es wurde vielmehr gestärkt und erhöht durch den gesteigerten Kul­turzustand des Hauptgutes im Boden und in den Gebäu­den. Da dieses Vorwerk dem Gute des Landrats näher lag als die Besitzung unsers Georgs, so schien der erstere nicht abgeneigt zu sein, dasselbe zuzukaufen.

Und so wurde es auch. Der Verkauf des Eichvorwerks kam zustande. Man einigte sich über 135 000 Mark, wo­von 75 000 Mark Pfandbrief-Schulden übernommen wur­den, 30 000 Mark wurden zur 2. Hypothek auf Fräulein

E. von K. eingetragen, 30 000 Mark waren am Tage der Auflassung baar zu zahlen. Die Uebergabe sollte am 1. Februar erfolgen, an welchem Tage die Schafe mit allen vorhandenen Heu- und Strohvorräten, allem In­ventarium nach dem Schäferei-Vorwerk dislociert sein mußten. Nur der vorhandene Schafdünger verblieb dem Käufer. Die Schäferfamilie erhielt eine leerstehende Tage- ILhnerwohnung.

So war denn die zu den Bauten und sonstigen Neu­anschaffungen nötige Summe beschafft und mit den Ver­besserungen konnte begonnen werden.

Onkel Fcd. warnte vor Ueberstürzungen. Junge Köpfe Pflegen Häufia zu hitzig ins Zeug zu gehen und da Georg einen regen Geist hatte und mit der Zeit die Schaf­fenslust in ihm sich immer mehr entwickelte, die Liebe und Lust zu seinem Berufe von Tag zu Tag zunahm, so war er dankbar, daß sein alterOnkel ihm darin behülflich war, den Plan so zu legen, daß die Bauten den Betrieb der Wirtschaft in keiner Weise stören sollten.

Ende Mai gedachte er die Brennerei aufzulösen und mit Zuhülfenahme des mit dem Abbruch des Brennerei­gebäudes gelösten Mauersteinmaterials zu gleicher Zeit den Bau zweier 4-Familienhäuser und zweier 2Fami- lienhäuser auszuführen. Der Bau sollte so gefördert wer­den, daß 12 Familien am 1. Juli schon einziehen könnten. Die nötigen Grundsteine, der Sand und der Kalk zum Bau, sollten im Laufe des Winters angefahren werden, während das Brennereigebäude in seinem noch wohler­haltenen Holzweck den größten Teil des für die Arbeiter­häuser notwendigen Gebälkes hergab.

Die Runkel- und Kartoffelernte war ungemein reich­lich ausgefallen; es kam nur darauf an, Futtervorräte so zu konservieren, daß der Bedarf an Kraftfuttermitteln für die Monate Mai und Juni des nächsten Jahres gedeckt waren. Denn Georg sah wohl voraus, daß nicht allein durch Wegfall der Schlempe, sondern auch durch eine ma­gere Frühjahcsweide und frühem Grünfutter, ein Futter­mangel eintreten könne, sowohl bei Kühen und Ochsen, als auch bei den Schafen. Er verschaffte also ca. 1000 Zentnern tadellos gewonnener Runkeln einen kühlenAuf- bewahrungsort, damit das Treiben derselben möglichst hingehalten würde. Kartoffeln wurden gedämpft, ge­quetscht und eingesilot.

(Fortsetzung folgt.)