Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für Herrfeld vierteljährlich
1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, wa
Der Anzeigenpreis beträgt für den Raum einer eingespaltenen Seile 10 Pfg., im amtlichen Teile 20 pfg. Reklamen die Seile 25 pfg. Bei Wiederholungen wird ein entsprechender Rabatt gewährt.nL^L^^
hersselder Kreisblatt
Gratisbeilagen: Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Fernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 155* Dienstag, den 31. Dezember 1907t
Abmemts-EiMW
auf das DersfeMer Kreisblatt
Das „Hersfelder Kreisblatt", amtliches Organ des Kreises Hersfeld — ausgestattet mit Publikationskraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen
alle wichtigen Ereignisse in der
Politik des In- und Auslandes, wichtige Gerichts-Entscheidungen re., vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
Ferner gelangen in jeder Nummer
spannende Romane, Erzählungen re.
fortsetzungsweise zum Abdruck.
HCST* Die Verbindung mit einem der ersten Depeschen-Büreaus setzt uns in die Lage, die neusten Nachrichten des Tages noch in der abends erscheinenden Nummer veröffentlichen zu können. Nötigenfalls werden sehr wichtige Ereignisse durch Extrablätter bekannt gegeben. “3638
— An Gratisbeilagen — erhalten unsre Abonnenten jede Woche ein
„Illustrirtes Sonntagsblatt" und alle 14 Tage eine ausgezeichnete
„Illustrirte Landwirtschaftliche Beilage".
Anfang Mai und Oktober je einen
Auszug aus dem Eisenbahn-Fahrplan, sowie mit Beginn des neuen Jahres einen Wandkalender u. ein Märkteverzeichnis.
Der Bezugspreis beträgt für Hersfeld bei freier Lieferung ins Haus 1,40 M?., für auswärts durch die Post bezogen 1,60 Mk. ausschl. Bestellgeld vierteljährlich.
Probenummern werden auf Verlangen kostenfrei zugesandt.
Zu zahlreichem Abonnement ladet ergebenst ein Die Expedition des Hersfelder Kreisblattes.
Der Meksbott.
Roman von H. von K l i p h a u s e n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Morand ging anscheinend gleichgültig dahin, doch in seinem Hirn jagten tausenderlei Gedanken und Pläne durcheinander. Da er wie allabendlich noch in die Spielsäle ging, um mit dem italienischen Marquis sein Glück zu versuchen, so fiel ihm ein, den originellen Dolch nach Hause zir senden, damit der- selbe keinesfalls verloren ginge; denn wenn er auch nicht ahnte, daß all die funkelnden Steine echt waren, fo wußte er doch, daß die Waffe einen gewissen, zum Teil in ihrem Alter be- gründiten Wert besitze.
„Werde gleich gehen, Herr Morand," sagte der alte Theaterdiencr, dem Morand den Auftrag gegeben hatte, den in ein Päckchen gebundenen Dolch in seine Wohnung zu tragen. „Verlassen Sie sich daraus. Will nur rasch einen Bissen essen, denn es ist spät geworben.“
„Schon gut, schon gut; wenn das Päckchen nur sicher in die Hände meiner Frau kommt." Und Morand ging, eine Melodie vor sich hinpseisend und innerlich überlegend, was sich wohl tun ließe, um durch die vornehmen Schwiegereltern Geld zu erhalten. Vielleicht würde die Gräfin in ihrem Schmerze zugänglicher sein. Jedenfalls mußte Hedwig gleich morgen den ersten Versuch machen.
Drinnen im Spielzimmer waren die gewohnten Teilnehmer an der Partie versammelt, welche den eintretenben Künstler mit lautem Zuruf empfingen. „He, Morand, Sie fehlten noch; nun wird uns daS Glück hold sein/
„Aber, meine Herren, heute bin ich ziemlich mager bei Kasse," lachte dieser und trat an den Tisch, „hoffentlich ist mir Fortuna zuerst hold, damit ich wenigstens zu einem Grundkapital gelange."
„Erlauben Sie, Ihnen einen neuen Gast unseres kleinen Kreises vorzustcllen," bemerkte Graf Rinti, der PräseS deS Klubs, „Herr Fedor Sanken, Vertreter einer großen deutschen Bankfirma!"
Amtlicher teil.
Oeffentliche Bekanntmachung.
Einkommensteuerveranlagung für das Steuerjahr 1908 und Ergänzungssteuerveranlagung für die Steuerjahre 1908—1910.
Auf Grund des § 25 des Einkommensteuergesetzes wird hiermit jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagte Steuerpflichtige im Kreise Hersfeld aufgefordert, die Steuererklärung über sein Jahreseinkommen nach dem vorgeschriebenen Formular in der Zeit vom 4. Januar 1908 bis 20. Januar 1908 dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll unter der Versicherung abzugeben, daß die Angaben nach bestem Willen und Gewissen gemacht sind.
Die oben bezeichneten Steuerpflichtigen sind zur Abgabe der Steuererklärung verpflichtet, auch wenn ihnen eine besondcre Aufforderung oder ein Formular nicht zugegangen ist. Die Zusendung der Aufforderungen nebst den vorgeschriebenen Formularen wird in den nächsten Tagen erfolgen. Die Formulare werden auch von heute ab in den Amtsräumen des Unterzeichneten kostenlos verabfolgt.
Die Einsendung schriftlicher Erklärungen durch die Post ist zulässig, geschieht aber aus Gefahr des Absenders und deshalb zweckmäßig mittels Einschreibebriefes. Mündliche Erklärungen werden von dem Unterzeichneten in seinen Amtsräumen, Stift Nr. 671, während der Geschäftsstunden von 10 bis 12 Uhr Vormittags zu Protokoll entgegengenommen.
Wer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, hat gemäß § 31 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes neben der im Veranlagungs- und Rechtsmittel- verfahren endgültig sestgestellten Steuer einen Zuschlag von 5 Prozent zu derselben zu entrichten.
Wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuererklärung sind im § 72 des Einkommensteuergesetzes mit Strafe bedroht.
Gemäß § 71 des Einkommensteuergesetzes wird von Mitgliedern einer in Preußen steuerpflichtigen Gesellschaft mit beschränkter Haftung derjenige Teil der auf sie veranlagten Einkommensteuer nicht erhoben, welcher auf Gewinnanteile der Gesellschaft mit beschränkter Haftung entfällt. Diese Vorschrift findet aber nur aus solche Steuerpflichtige Anwendung, welche eine Steuererklärung abgegeben und in dieser den von ihnen empfangenen Gcschästsgewinn besonders bezeichnet haben. Daher müssen alle Steuerpflichtigen, welche eine Berücksichtigung gemäß 8 71 a. a. O. erwarten, mögen sie bereits im Vorjahre nach einem Einkommen von mehr als 3000 Mark veranlagt gewesen sein oder nicht, binnen der oben bezeichneten Frist eine, die nähere Bezeichnung des empfangenen Geschäftsgewinns aus
„Sehr angenehm!" sagte der Sänger und verbeugte sich nachlässig, und gleich daraus begann das Spiel. Es wurden hohe Summen ausgesetzt. Bankhalter war Morand, der heute mit großem Glück spielte und dabei durch lebhafte Unterhaltung die Nebligen noch mehr zum Spiel animierte. Nur der neu eingeführte Deutsche stand ziemlich einsilbig mit verschränkten Armen daneben, augenscheinlich ganz vertieft in das Spiel.
Morand mochte dieser stumme Zuschauer unbehaglich sein; er wandte sich öfters zu ihm und redete ihn an, doch Herr Sanken ging aus kein Gespräch ein.
Erst als immer und immer wieder neue Goldströme dem Bankhalter zuflossen, schüttelte Sauken unwillkürlich den Kopf und — beobachtete schärfer. Dann mit einem Male trat er vor und legte seine Hand fest auf des schönen Sängers Schulter.
„Mein Herr, möchten Sie mir wohl einmal den Coeurkönig zeigen, mit dem Sie spielen? Ich will ihn nur ansehen."
Morand erbleichte und fuhr zornig zu dem Sprecher herum. „WaS soll das heißen, mein Herr? Sie sprechen in ganz eigentümlichem Tone."
„Ich behaupte, daß auch jene Karte ganz eigentümlich beschaffen sein muß. Wenn ich mich täuschen sollte, dann will ich Ihnen gern eine Genugtuung gewähren, aber nur die Karte erst zeigen."
Die übrigen Herren blickten erstaunt den Fremden und sodann Morand an, der in der Tat sich höchst wunderbar gebärdete; endlich erhob sich der Präses des Klubs und sagte ruhig, doch sehr bestimmt: „Zeigen Sie die Karte Herr Morand, damit Herr Sanken uns mitteilt, was ihm an derselben auffiel."
Sanken ergriff kaltblütig den Coeurkönig und hielt ihn gegen das Licht. Drei kleine, unregelmäßig hineingestochene Löcher wurden sichtbar, und wer mit der Hand über die glatte Papierfläche fuhr, konnte dieselben auch fühlen. Ganz entsetzt starrten die Herren einander an, bis endlich Gras Rinti in die Worte auSbrach: „Wer hätte solch ruchlose Schurkerei für möglich gehalten! Wir sind Ihnen, mein Herr, aufs höchste verpflichtet, daß Sie den Betrug entdeckten und eS uns möglich machten, den Betrüger zu entlarven."
„Sie halten mich doch nicht etwa dafür?" fragte Morand
der Gesellschaft mit beschränkter Haftung enthaltende Steuererklärung einreichen.
Ueber die Höhe der staatlich veranlagten Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer wird auf Anfrage von dem Katasteramt hier und von mir Auskunft erteilt.
Sofern Steuerpflichtige gemäß § 26 des Ergänzungssteuergesetzes von dem Rechte der Vermögensanzeige Gebrauch machen wollen, haben sie dieselbe ebenfalls innerhalb der oben angegebenen Frist nach dem ihnen gleichfalls zugehenden Formular bei dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll abzugeben.
Aus die Berücksichtigung einer später eingehenden Vermögensanzeige bei der Veranlagung zur Ergänzungssteuer kann nicht gerechnet werden.
Wissentlich unrichtige oder unvollständige tatsächliche Angaben über das Vermögen in der Vermögensanzeige sind im § 41 des Ergänzungssteuergesetzes mit Strafe bedroht.
Eine Verpflichtung zur Abgabe einer Vermögensanzeige besteht nicht.
Es wird gebeten, mit der Abgabe der Steuererklärung nicht bis zu den letzten Tagen zu warten, sondern die Erklärungen möglichst frühzeitig innerhalb der Frist emzufenven.
Hersseld, den 14. Dezember 1907.
Der Vorsitzende der (Einkommensteuer: Veranlagungs-Kommission:
St. 2398. von Grunelius.
nichtamtlicher teil.
Politische MtsmiWo«.
In den höheren Reichsbeamtenposten und im preußischen Staatsministerium erfolgten mehrfache Personalveränderungen. Es traten von ihren Posten zurück der sehr verdiente Staatssekretär des Reichsamtes des Inneren, Graf Posadowsky, der Staatssekretär des Auswärtigen Freiherr v. Tschirschky, der Statthalter von Elsaß-Lothringen, der betagte Fürst zu Hohen- lohe-Langenburg und der preußische Kultusminister Dr. v. Studt. DaS erledigte Ressort des Reichsamtes des Inneren übernahm der bisherige Minister des Inneren v. Bethmann- Hollweg, unter gleichzeitiger Ernennung zum Vizepräsidenten des preußischen Staatsministeriums, neuer Staatssekretär des Aeußern wurde der deutsche Botschafter in Petersburg, v. Schön, und als Nachfolger des Herrn v. Studt zog der bisherige Unterstaatssekretär im Eisenbahnministerium, Dr. Holle, in das Kultusministerium ein. Minister des Inneren an Stelle v. Bethmann-Hollwegs wurde v. Moltke, zuletzt Oberpräsident in Königsberg. Dem in den Ruhestand getretenen Fürsten zu Hohenlohe folgte auf dem Straßburger Statthalterposten der seitherige deutsche Botschafter in Wien, Gras Wedel, nach,
in erkünstelt gelassenem Tone. „Wer weiß, mit welchen Karten wir heute spielten; ich bemerkte noch nie den gezeichneten König."
„Das wird eine nähere Untersuchung lehren, Herr Morand," unterbrach ihn Gras Rinti kalt. „Fürs erste sind Sie unser Gefangener, und ich muß Sie ersuchen, sich ganz widerstandslos zu halten, damit wir nicht gezwungen sind, Sie wie einen gemeinen Fälscher zu behandeln."
„Aber ich begreife nicht," stotterte Morand zornig, „daß Sie sich von diesem Menschen zum Narren machen lassen. Erst gestern habe ich große Summen verloren, und trotzdem will jener beweisen, daß ich falsch gespielt hätte."
„Nur Ruhe," schnitt ihm ein anderer die Rede ab, „mau wird es beweisen können; der Kommissar ist bereits benachrichtigt."
„Meine Herren," schrie jetzt Morand in größter Angst, „lassen Sie mich los; ich werde Ihnen Legitimationen bringen von meinem Schwiegervater, dem Grafen Frcienberg!"
„Graf Freienberg, Ihr Schwiegervater?" fiel Gras Rinti verächtlich ein. „Meinen Sie den alten Herrn, der soeben im Theater gestorben sein soll —/
„Ja, ihn selbst! Meine Frau ist die einzige Tochter der gräflichen Familie und —"
„Schon gut“, unterbrach Sanken den Redner, „das wird kein Haarbreit an der Sache ändern, und der Graf würde sich nicht allzu sehr freuen über den Schwiegersohn, der ihm solche Schande bereitet."
„Herr, was wagen Sie mir zu sagen!" schrie Morand und wollte sich auf den Sprecher stürzen, doch im selben Moment öffnete sich die Tür, ein Polizeibeamter trat ein.
„Ist Herr Ludwig Morand hier?" fragte er laut, „ich suche ihn, und man sandte mich deshalb hierher."
„Hier ist der genannte Herr," deutete Sanken verächtlich aus den am ganzen Leibe Zitternden; „Sie kommen den Wünschen der gesamten Gesellschaft hier zuvor, indem Ere unS von einem falschen Spieler befreien, dessen Tun und Treiben erkannt würbe.“
„In der Tat? Ich komme, um ihn in Haft zu nehmen, da er zu der beschleunigten Exmissionsklage seiner Hauswirtin nicht erschienen ist."