Erscheint wöchentlich dreimal und gelangt Montag, Mittwoch und Freitag nachmittag zur Ausgabe. Der Bezugspreis beträgt für k)ersfeld vierteljährlich 1.40 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark, na
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Hersfeltzer Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 152.
Dienstag, den 24. Dezember
1907.
AdMtmMDMW
auf das Ijersfdder Kreisblatt.
Das „Hersfelder Areisblatt", amtliches Organ des Areifes Hersfeld — ausgestaltet mit Publikationskraft — bringt außer den
amtlichen Bekanntmachungen alle wichtigen Ereignisse in der
Politik des In- und Auslandes, wichtige Gerichts-Entscheidungen ic., vermischte Nachrichten aus aller Welt usw.
Ferner gelangen in jeder Nummer spannende Romane, Erzählungen re.
sorlsetzungsweise zum Abdruck.
IKS“ Die Verbindung mit einem der ersten Depeschen-Büreaus setzt uns in die Lage, die neusten Nachrichten des Tages noch in der abends erscheinenden Nummer veröffentlichen zu können. Nötigenfalls werden sehr wichtige Ereignisse durch Extrablätter bekannt gegeben. *228
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Der ßlücksboit
Roman von H. von K l i p h a u s e n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Kummer, Erregung, physische Schwäche stürmten aus Hedwig in dem Maße ein, daß ein starker Schwindelanfall sie befiel und sie sich ermattet an die nächste Haustür lehnte, während ein Strom heißer Tränen ohne ihr Wollen über die abgezehrten Wangen rann.
„Was ist Ihnen denn, gute Frau?" fragte ein mitleidiger Sackträger stehen bleibend, „sind Sie krank? Sie sehen ja bleich wie der Tod aus."
„Ach, die Aermste," hier drängte sich eine gutmütige, alte Trödlerin heran, einen Krug mit Wein in Händen, „sie ist sicherlich vor Hunger oder Durst schwach geworden! Und noch so jung und sein! Na, Kind, nehmen Sie hier einen Schluck, ich geb's gern, denn Sie tun mir so leid!"
„O, ich danke,' ich danke!" stammelte Hedwig, und jetzt schoß eine Fieberglut in ihr Gesicht, „es war nichts weiter als ein Schwindelanfall. Ich kann wieder gehen, lassen Sie mich nur allein."
„WaS geht hier vor?" herrschte ein Polizeibeamter herzutretend, „fort, auseinander, Leute, im Namen des Gesetzeö."
„Ach, es fiel nur eben eine arme, kranke Frau um; ja doch, wir gehen ja schon."
Und die Menschen zerstreuten sich, während Hedwig mit gesenktem Kopfe, damit niemand ihre Tränen sehen sollte, vorwärts eilte; ihr Herz war zerrissen, eS blutete aus taufenb Wunden, und sie ersehnte nichts heißer als tief, tief unter der grünen Rasendecke zu schlummern und die Bürde deS Lebens abwersen zu dürfen. Aber nein, noch blieb ihr die kleine Margot, dies Geschenk eines gütigen GotteS, welches sie mitten im tiefsten Gram doch nicht verzweifeln ließ. O, wenn die Großeltern das liebe, blonde Enkelkind sehen könnten, ob sie auch dann noch starr und erbarmnngSloS bleiben mürben?! — „Vater, Mutter!" murmelten die bleichen Lippen; sie kamen
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 15. Dezember 1907.
Nach § 24 Abs. 1 c der Grundzüge, betreffend den Verkehr mit Kraftfahrzeugen, können die durch § 14 Abs. 1 für die Führer von Kraftfahrzeugen vorgeschriebenen Zeugnisse für die Führer außerdeulscher Krastsahrzeuge durch entsprechende ausländische Zeugnisse ersetzt werden, sofern diese von einer deutschen Behörde mit einem Anerkennungsvermerke versehen sind.
Dieser Vorschrift vermögen die Führer der in den Niederlanden heimischen Kraftfahrzeuge nicht zu genügen, da die Niederländischen Vorschriften eine behördliche Prüfung , der Kraftfahrzeuge und der Führer von solchen nicht kennen. Damit Krastfahrzeugsührer aus den Niederlanden innerhalb des Gebietes des deutschen Reichs den Nachweis führen können, daß sie mit den Einrichtungen und der Bedienung des Kraftfahrzeuges völlig vertraut sind, hat die Niederländische Regierung den NiederländischenWieloyders-Bond, Toervistenbond voor Niederland sowie den Niederländischen Automobil-Klub ermächtigt, die Prüfung der Führer von Kraftfahrzeugen auszusühren und aus Grnnd des Ergebnisses über die Befähigung der Führer Bescheinigungen nach Maßgabe des hierunter abgedruckten Musters auSzustellen. Die Bescheinigungen sind mit dem An- erkcnnungsvcrmcrke des deutschen Generalkonsulats in Amsterdam zu versehen.
Diese Bescheinigungen genügen in formeller Hinsicht den Anforderungen des § 24 Abs. 1 c der Grundzüge über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen und sind den Bescheinigungen der hiesigen Behörden glcichstchend anzuerkennen, wenn sie den AnerkennungSvermer! des deutschc / Gcueralkonjula's inAmsterdam tragen.
Vorstehendes teile ich den OrtSpolizcibchördcn des Kreises zur Kenntnisnahme mit.
I. 12 049. Der Königliche Landrat
v o n G r u n e l i u s. ♦ ♦
*
Muster:
Der A. N. W. B. Toeristcnbond voor Neederland bescheinigt hierdurch als ein durch die Niederländische Regierung als sachverständige Behörde amtlich anerkannte Stelle aus Grund der angcstclltcn Untersuchungen, daß*) .... wohnhaft zu ... . geboren **).... mit den Einrichtungen und der Bedienung von Kraftfahrzeugen völlig vertraut ist.
Arnheim, den ..... 190 . .
Für den Borstand des A. N. W. B. Toeristcnbond
vor Neederland. Der Hauptkonsul.
Boudstcmpcl.
Unterschrist des Inhabers.
*) Namen und Stand.
**) Datum.
ihr fremd vor, diese Worte, welche srüher so geläufig genannt worden waren.
In dem Psandleihamt, welche? die Unglückliche nun betrat, ging es kraus und bunt zu; überall drängten sich Männer und Frauen herzu, ihre Pländer anzubringen, oder sie über- zählten beim Herauskommen gierig den erhaltenen PreiS; fast allen standen Not, Jammer oder Laster nur zu deutlich im Gesicht geschrieben. Hedwig drückte sich ängstlich beiseite, ihr graute vor diesen Menschen, und dennoch meinte sie, unter dieselben gerechnet zu werden, denn auch sie brauchte Geld, auch sie wollte irgend ein kostbares Eigentum zu dem Zwecke fortgeben.
Fester drückte sie das Etui an sich, und erst als sie vor dem finster dreinblickenden Beamten stand, der ranh nach ihrem Begehr fragte, richtete sie sich auf.
„Bitte, seien Sie so gütig, diesen Armreis anzunehmen," sagte Sie mit einem Anfluge ihres früheren Stolzes, „er besitzt einigen Wert, denn es ist ein altes Familienstück."
Beim Klänge dieser weichen, vornehmen Frauenstimme, der man bei aller Fertigkeit des Französischen dennoch die Ausländerin anmerkte, sah der Mann überrascht auf. Die Frauen, welche sonst da vvr seinem Pulte standen, waren meist ganz anders.
„Ab, Madame," begann er verbindlich, welch ein wundervolles Armband! Aber wie kommt es in ihren Besitz, und haben Sie ein Recht, es zu versetzen? Sie verzeihen die Frage, aber wir fiub in solchen Fällen verpflichtet, zu fragen."
Hedwig wurde rot, aber sie bezwäng ihren Unmut und entgegnete nun ruhig: „Ich sagte Ihnen schon, mein Herr, es ist ein mir gehörendes Familienstück, und ich möchte nur bitten, meine Angelegenheit etmgs zu beeilen, da ich durchaus keine Zeit übrig habe."
Als der Beamte nach ihrem Namen fragte, da wollte sie zuerst, wie um sich srcizustcllen von kleinlichem Verdachte, auch den ihrer Mädchenjahre hinzufügen, doch sie bezwäng sich abermals und meinte ablehnend auf die Frage dc? Ersteren: „Ich brauche nur meinen jetzigen Namen zu nennen."
„Hm, Madame, Sie machen mir den Eindruck, als hätten Sie bessere Tage gesehen, aber ich will durchaus nicht neu
Hersfeld, den 19. Dezember 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Heinrich Klee zu Wüstfeld ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 12220. Der Königliche Landrat
von GruneliuS.
nichtamtlicher teil.
$85 friedliche Kngland.
Die rednerischen Kundgebungen der englischen Minister, so weit sie die auswärtige Politik betreffen, sind schon seit geraumer Zeit aus einen recht friedlichen Ton gestimmt, was auch von der soeben zu Berwick gehaltenen Rede Sir Edward Grey's, des Ministers des Auswärtigen, gilt. In ihr versichert der Minister, nachdem er zunächst der Förderung der deutsch-englischen Freundschaft durch den jüngsten Besuch Kaiser Wilhelms in England in warmen Worten gedacht, erneut, daß die von England mir verschiedenen sremdcn Staaten getroffenen Abmachungen gegen kein anderes Land gerichtet seien, und daß es ähnliche Abmachungen auch mit anderen Ländern bereitwillig abschließen würde. Hierbei wies Sir Edward Grey namentlich auf den Vertrag mit Rußland wegen Asiens hin und betonte, wie man den Abschluß desselben als einen Beweis zu betrachten habe, daß man jetzt aus beiden Seiten eine andere Politik gegen einander einzuschlagen gewillt sei. Die Sicherung des Friedens zwischen England und Rußland trage dazu bei, den Frieden ber ganzen Welt zu sichern. In bezug aus Mazedonien wies der Minister daraus hin, daß, wie England die I;.) intim Rußlands undOesterreich-UngarnS begrüßte und bereit sei, die von den anderen Mächten gemachten Vorschläge zu unterstützen, es auch seinerseits bereit sei, den anderen Mächten Vorschläge zu unterbreiten, die ihm wünschenswert erscheinen möchten. Unter keinen Umständen dürste eine der Mächte es darauf ankommen lassen, das Konzert der europäischen Mächte zu stören, denn hinter der mazedonischen Frage liege die türkische Frage und ohne Einigkeit der Mächte könnte die türkische Frage wieder eine Gefahr für den Frieden Europas werden. Zuletzt gedachte der Minister noch deS deutschen Flottenprogrammes und bezeichnete er dasselbe allerdings als „recht groß", doch erklärte er zugleich, hierüber klage er keineswegs, er habe das deutsche Flottenprogramm nur erwähnt, weil es wichtig sei. Wenn andere Nationen ihre Flotte vergrößerten, werde England fraglos auch die seinigc vergrößern; doch es sei im Augenblick keine Not, daß England sich deswegen in besondere Unkosten stürzen müsse. Was die englische Flotte anbelange, so sei die Situation aus alle Fälle für ein oder zwei Jahre noch völlig sicher. England brauche sich über Flottenausgaben irgend eines anderen Landes zurzeit nicht zu beunruhigen.
Das sind, alles in allem genommen, recht friedliche Aus-
gierig sein: also hier der Schein, und dort drüben werden Sie Geld erhalten."
„Ich danke Ihnen, mein Herr," antwortete Hedwig gedrückt unb schritt hinüber, um die Summe auSbezahlt zu erhalten. Ihr wars, als habe sie mit diesem letzten Armband ein Stück vom eigenen Herzen losgerissen.
Währenddessen mar Morand heimgekommen; er hatte mit einem Kollegen sehr üppig gefrühstückt und befand sich daher in rosigster Laune, so daß er sogar Klein-Margot anrief und einige Augenblicke mit ihr tändelte. Da erschien seine Wirtin, Madame Lamin, sehr vergnügt, ihren saumseligen Mieter nun endlich fest zu haben.
„Ah, Monsieur Morand, da sind Sie ja! Nun, Sie werden sich denken, daß ich wegen der rückständigen Miete zu Ihnen komme. Wenn Sie mich nicht noch heute bezahlen, so werse ich Sie morgen heraus mit allen Sachen, nur Ihre arme Frau will ich aus Barmherzigkeit nicht verjagen."
„So, Mama Lamin," scherzte Morand und wollte galant die Hand der Dicken erhäschen, „also auf mich sind Sie ganz besonders erbittert, weil ich Ihnen die paar Franks schuldig bin? O, das ist aber gar nicht hübsch von Ihnen!"
„Spielen Sie nicht Komödie mit mir," brauste die Frau erbittert auf, „Sie sollten doch endlich einsehen, daß man vor solchem Menschen wie Sie keine Achtung haben und ihm nichts glauben kann! Koipmt allnächtlich betrunken nach Hause, lärmt und schreit im Hause herum und läßt die arme, schöne vornehme Frau und das Kind darben."
„Nun ists aber genug!" unterbrach Morand wütend die schreiende Wirtin. „Das ist meine Wohnung, und mer in dieselbe eindringt ohne meine Erlaubnis, der macht sich deS Hausfriedensbruches schuldig, verstehen Sie? Und nun heraus marsch ober —"
Die Handbewegung bei den letzten Worten war nicht mi^uuerfteben; Frau Lamin wurde kreidebleich vor Wut, ging aber sogleich zur Tür. Als sie außerhalb der Schwelle stand, also in Sicherheit war, steckte sie nochmals den Kops herein und rief: „9hm sollen Sie mich aber kennen lernen und mir Ihre Schulden bezahlen, Sie erbärmlicher Mensch. Denken