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Gustav Simon, Hersffeld, Weinstratze 619, Spezialhaus für Herren- und Knaben-Garderobe, fertig und nach Matz. UM^ Von jetzt bis Weihnachten Extra-Rabatt.

geordneten Bindewald von der Reformpartei auf die Redner­tribüne, welcher eine ziemlich absprcchcndc Kritik an dem Rc- gicrungscntwurse ansüblc und einschneidende Aenderungen desselben verlangte, falls die Reformpartei ihm zustimmen sollte. Auch der Elsässer Wctterlä bemängelte allerlei au dem Entwürfe, vor allem den vielgenannten § 7. Auffallend ge­mäßigt sprach der Zentrumsredner Dr. Spähn er ließ durch- blicken, daß das Zenttum dem Reichsvereinsgesetz vielleicht beistimmen werde, wenn besonders die Angelegenheit des § 7 eine glückliche Lösung finde. Durchaus ablehnend gegenüber der Vorlage verhielten sich die Abgeordneten Legten (Soz.) und v. ChrzanowSki (Pole), während die Abgeordneten Schickert (kons.) und Everling (nat.-lib.), letztere unter scharfen Vorstößen gegen das Zentrum, im allgemeinen für den Entwurf eintraten. Zu Beginn der Mittwochssitzung waren Rechnungen erledigt und die Vorlage über die Erneuerung des Handelsprovisoriums mit England in dritter Lesung definitiv genehmigt worden.

Am Donnerstag trat der Reichstag in die Generaldebatte über die Börscngcsctznovelle ein.

Abgeordnetenhaus.

Das preußische Abgeordnetenhaus nahm am Mittwoch seine Verhandlungen näch einwöchiger Pause mit der Verhandlung über die Interpellation des nationalliberalen Abgeordneten Bachmann über die verheißene Ausbesserung der Beamtenge- bälter wieder aus. Aus der Antwort des Finanzministers v. Rheinbaben ging hervor, daß die Regierung allerdings eine umsassende Ausbesserung der Bcamtengehälter plant, doch sind die Vorarbeiten wegen der hierbei zu überwindenden Schwierig­keiten noch nicht abgeschlossen. Die Ausbesserungen dürsten insgesamt mindestens 110 Millionen Mark in Anspruch nehmen.

In der Sitzung am Donnerstag gelangte zunächst der Entwurf eines Polizeikostengesetzes zur Beratung. Die Vorlage, die aus eine Heranziehung der Gemeinden mit Königlicher Polizeiverwaltung in Höhe von zwei Fünfteln der Kosten und Teilnahme an den Einnahmen dieser Verwaltung in gleicher Höhe anstrebt und für Berlin 4. v. H. als Beteiligungsziffer festigen will, wurde vom Minister des Innern v. Mollke, wie folgt begründet: Das jetzt geltende Gesetz von 1892 hat die Erwartungen nicht erfüllt, da das Verhältnis der Polizeikosten- bcilrägc zu den Staatsaufwendungen in den Städten mit staat­licher Polizeiverwaltung sich immer mehr zu ungunsten des Slaates verschoben hat. Um diesen Mißstand abzuftellen, schlägt die Regierung vor, eine seste Quote von zwei Fünfteln den Städten zuzuweisen. Abg. von Treskow (kons.): Die bisherige Berechnung der Beiträge nach der Kopfzahl hat sich nicht bewährt. Den Städten soll kein Almosen gegeben werden. Zu prüfen wird aber sein, ob der Abschlag von 4 v. H. Berlin nicht ungerechtfertigt belastet. Wir halten den Entwurf für eine geeignete Grundlage für die Neuregelung der Materie. Wir werden die Borlage eingehend prüfen und beantragen, sie einer Kommission von 21 Mitgliedern zu überweisen. (Bei­fall rechts.)

Ein politischer Doppelmord in Sofia.

Aus der bulgarischen Hauptstadt kommt wieder einmal die Kunde von einem politischen Verbrechen, dem diesmal eines der namhaftesten Häupter der mazedonischen Bewegung zum Lpser gefallen ist. Boris Sarafow, einst der Schrecken aller Feinde seines Volksstammes, ist neben seinem Freunde Gar- wanow von der Hand eines Stammesgenossen niedergestreckt worden.

S o s i a, 12. Dezember. Boris Sarasow der bekannte bulgarische Bandenführer sowie ein Gymnasiallehrer Garwanow, beide offizielle Vertreter der mazedonischen Revolutions-Organi- jalion, wurden heute nacht im Hause Sarafows von dem Bandensührer Panitza erschossen. Die Bluttat ist offenbar ein Akt des revolutionären Strafgerichts. Sarafow und sein An­hang arbeiteten beim Ausbruch der neuen revolutionären Be­wegung in Mazedonien gegen den Willen einer anderen, mächtigen Fraktion, an deren Spitze der berüchtigte Banden- ches Sandanski, der Entsührer der Miß Stone, steht. Diesem Kreise entstammt auch der Mörder Panitza. Er war bis vor kurzem ein Anhänger Sanda'nskis. Zuletzt hatte er sich mit diesem entzweit und bot Sarasow seine Unterstützung an. Letzterer brächte gestern 3000 Frank zusammen, um für Panitza eine Bande auszurüsten und ihn mit dieser nach Mazedonien zu schicken. Gestern lud er ihn und Garwanow zum Abend­essen ein. Als sich Sarafow um Mitternacht von seinen Gästen verabschiedete, zog Panitza einen Browningrevolver und streckte Sarasow und Garwanow durch zwei blitzschnell hintereinander abgegebene Schüsse nieder. Der Mörder, ein 27jähriger in Tirnowo gebürtiger Bursche, ist entflohen,

Hur Zu» und Ausland.

Berlin, den 12. Dezember 1907.

Seine Majestät der Kaiser besuchte gestern vormittag in London den Carl of Lonsdale, dann die Ateliers der Maler Alma Todema und Martins und war später zum Lunch beim Herzog von Connaught. Abends 6V< Uhr traf Se. Majestät aus dem Charing-Croß-Bahnhof ein und wurde von dem zahlreichen Publikum, das sich innerhalb und außer­halb des Bahnhofs angesammelt hatte, lebhaft begrüßt. Eine auserlesene Gesellschaft, darunter der Herzog von Connaught, Prinzessin Luise, der deutsche Botschafter, der den Kaiser aus der Fahrt begleiten wird, die übrigen Mitglieder der Botschaft, der Lord Mayor von London und Lord Dunsdale erwarteten den Kaiser aus dem Bahnsteig. Se. Majestät sagte in Seiner Ansprache an den Lord Mayor von London beim Abschied aus der Charing-Croß-Station: Ich wünsche durch Sie der großen Befriedigung Ausdruck zu geben, welche Ich bei dem Empsang empfand, der Mir in der Guildhall zu teil wurde, und durch Sie den Bürgern von London Meine aufrichtige Freude über den entzückenden Empfang zu übermitteln, welcher der Kaiserin und Mir bei dieser Gelegenheit bereitet wurde. Der Kaiser fügte erwidernd aus eine Anfrage des Lord Mayor hinzu: Meine Gesundheit hat sich sehr gehoben, Mein Besuch in London hat Mir große Freude gemacht. Der Zug verließ den Bahnhos unter lauten Beifallsrufen, für die der Kaiser durch Grüßen dankte. Se. Majestät der Kaiser wurde in Port Victoria, wo Allerhöchstderselbe um 7 V2 Uhr eintraf, von dem Admiral Gerard Noel und dem Kommandanten der Heimatsflotte Vizeadmiral Bridgeman empfangen. Sc. Majestät begab Sich sodann an Bord der Hohenzollern. Die Jacht Hohenzollern war um 8 Uhr im Hafen von Sheerneß an die Boje gegangen, wo sie den letzten Bestimmungen gemäß die Nacht über liegen blieb. Hente früh kurz nach 7 Uhr 30 Min. ist Se. Majestät der Kaiser an Bord der Hohenzollern in See gegangen.

DieBerl. Korresp." schreibt: Verschiedene Zeitungen bringen fortgesetzt Nachrichten über Maschinengewehr­

formationen. Diese Nachrichten sind größtenteils irrig. Auch ist nachdrücklich daraus, hinzuweisen, daß derartige Veröffentlichungen den deutschen Landes- und Heeresinteressen nachteilig sind. Es würde daher ratsam sein, sämtliche An­gaben, die sich auf Maschinengewehre beziehen, von der Auf­nahme in die Tagespresse vorläufig auSzuschließen. Die Heeresverwaltung wird seinerzeit nicht verabsäumen, zuverlässige Nachrichten in dieser Angelegenheit zu veröffentlichen.

Der letzte Truppentransport aus Deutsch- s ü d w e st a s r i k a trifft in Stärke von 20 Offizieren, Sanitäts­offizieren und oberen Sanitätsbeamten, 26 Unteroffizieren und 349 Mannschaften am 15. Dezember mit dem DampferPrinzessin" in Cuxhaven ein. Seit dem 25. September 1906 sind insgesamt 10,000 Mann in Cuxhaven gelandet, während im Juni, Juli und August d. J. rund 3000 Mann Ablösungstruppen von Cuxhaven nach Südwest- asrika in See gegangen sind.

Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.

In der am 11. Dezember beendeten Berichtswoche hat der Rückgang der Preise am Gctreidemarkte ansehnliche Fortschritte gemacht. Das Angebot aus dem Jnlande hat weiter zuge- nommen, und das ungewöhnlich lange Offenbleiben der Wasser­straßen erleichtert die Zufuhr, während die Kauflust wegen der hohen Keldsätze aufs äußerste zurückhält. Wie schon häufig, so hat sich auch jetzt wieder gezeigt, daß die Landwirtschaft bei weichenden Preisen eher zum Verkaufen geneigt ist als bei anziehenden. Auf Weizen drückt auch argentinisches Angebot, für welches bei der nunmehr wohl zweifellos feststehenden be­deutenden Ernte der La Platastaaten die Forderungen wesent­lich ermäßigt waren. Aber auch der anhaltend große Weizen­export Nordamerikas, der seinen Grund in der dortigen Goldkrisis hat, trug in seiner Wirkung aus die Stimmung am Welt­märkte zur Verschlechterung der Preise bei. Die Ermäßigung belief sich in Berlin aus ungefähr 6 Mark. Von Roggen stellte sich insbesondere wegen der reichlichen Zufuhren bei eingeschränkten Käufen des Konsums der Preis für Lokoware niedriger, während die Notierungen für Lieferung sich besser behaupten konnten. Gerste litt gleichfalls sowohl in Brauware wie in Futterware unter großem inländischen Angebot. Das Hasergeschäft bewegte sich in engen Grenzen, weil der Konsum sich äußerst zurückhält. Im Licferungsgeschäst war die Haltung infolge einiger Deckungen zeitweise etwas fester. Mais schwächte sich ab, da die offenen Wasserstraßen noch viel Material heran­kommen lassen, so daß hier bedeutende Winterlager entstehen. Am Schlüsse der Woche stellten sich die Preise für Lieserung im Dezember wie folgt: Weizen 212,25 Mk., Roggen 207,00 Mk., Hafer 170,75 Mk Mais 151,50 Mk.

Aus Provinz u. Dachbargebiet.

* (Au fhebung des Feldp 0 flverkehrs mit Deutsch-Südwestafrika.) Nachdem die zur Nieder­werfung des Ausstandes in Dentsch-Südwestafrika erforderlich gewesenen Streitkräste aus dem Schutzgebiete zurückgezogen worden sind, wird der Feldpostdienst vom 1. Januar 1908 ab wieder aufgehoben. Infolgedessen kommen die für die Truppen des Schutzgebiets und für die Besatzungen der in jenen Gewässern befindlichen Kriegsschiffe gewährten Porto­freiheiten und Portoermäßigungen in Wegfall; auch findet eine Nachsendung von im Postwege bezogenen Zeitungen gegen Entrichtung einer Umschlaggebühr nicht mehr statt. Im Postverkehr mit diesen Truppen und SchiffSbesatzungen gelten vom 1. Januar 1908 ab, wie vor Einführung 'des Fcldpostdienstes, die für Den sonstigen Verkehr ' mit dem Schutzgebiet und für den Verkehr mit Kriegsschiffen bestehenden Taxen und Versendungsbedingungeu. Demnach kommen auf Briese, Postkarten, Drucksachen, Geschäftspapiere, Waren­proben und Postanweisungen im Verkehr mit der Schutz­truppe die für den Postverkehr innerhalb Deutschlands festgesetzten Portosätze und Gewichtsgrenzen zur Anwendung; Drucksachen und Geschäftspapiere sind jedoch auch im Gewicht von mehr als 1 kg bis 2 kg gegen eine Gebühr von 60 Ps. zugelassen. Ueber die für andere Gegenstände sowie sür den Verkehr mit den Kriegsschiffen bestehenden Taxen und Versendungsbedingungen geben die Postanstalten Auskunft. Es ist erwünscht, daß die Sendungen an die Truppen in Südwestafrika allgemein wieder mit der Angabe des Stations­orts der Empfänger versehen werden.

* (H u n d w erkskammer.) Die Handwerkskammer zu Cassel beabsichtigt ein Sachverständigen-Jnstitut einzurichten. Der Vorstand der Kammer ist dabei von der Annahme ausgegangen, daß durch diese Einrichtung eine schnellere Gerichtsbarkeit wie auch eine wesentliche Verbilligung derselben herbeigesührt werde. Es wird dadurch möglich sein, viele Streitigkeiten aus privatem Wege zu beseitigen. Die bereits genehmigten Vorschriften umfassen 13 Paragraphen. Im Paragraph 1 Reifst es: Zur Erstattung von Gutachten in gewerblichen Streitigkeiten, insbesondere über Güte und Preis der in ihr Fach einschlägigen Arbeiten werden noch Bedars von der Handwerkskammer zu Cassel für ihren Bezirk aus jederzeitigen Widerruf öffentliche gewerbliche Sachverständige bestellt. Die Bestellung von Sachverständigen erfolgt in der Regel nach Anhörung der in Frage kommenden Innungen oder gewerblichen Vereinigungen und noch Prüfung der Befähigung und Würdigkeit des Bewerbers. Die Be­stellung wie die Streichung aus der Liste der Sachverständigen werden in dem Amtsblatt der Handwerkskammer zu Cassel bekannt gemacht.

* Bei Verpackung von Drucksachen für die Po stbeförderung wird von den Absendern häufig dadurch gesündigt, daß nur ein Streifband verwendet und lose umge- legt oder ein ungeeigneter Briefumschlag gewählt wird. Die Postverwaltung empfiehlt folgendes Verfahren: Das beste ist die Anlegung eines Kreuzbandes an Stelle des einfachen Streif­bandes. Kann man sich aber hierzu nicht entschließen, dann sollte man wenigstens ein aus gutem Papier gefertigtes Streif­band so eng wie nur möglich um die Drucksache legen und außerdem eine feste kreuzweise Umschnürung mittels Fadens oder Gummibandes herumschlingen. Bei Drucksachen, die in größeren Briefumschlägen zur Absenkung kommen sollen, sind Umschläge anzuwenden, deren Verschlußklappe sich nicht am breiten oberen Rande, sondern an der schmalen Seite befindet. Jedenfalls soll man die Verschlußklappe nicht in den Umschlag einstecken; will man den Inhalt vor dem Heraussallen schützen, so verwende man Umschläge, deren Verschlußklappe einen zungenartigen, zum Einstecken in einen äußeren Schlitz 'des Umschlags eingerichteten Ansatz besitzen. Auch in anderen Formen hat die Papierindustrie bereits sichernde Drucksachen- hüllen aus den Markt gebracht.

* Die Mannschaften des Beurlaubten- st a n d e s werden in noch erweitertem Maßstabe als bisher

ihre gesetzlichen Uebungen in größeren Reserveverbänden ab- leisten. ES sollen, derMil.-pol. Korresp." zufolge, bei jedem Armeekorps im Jahre 1908 eine Reserve-Infanterieregiment und eine Reserve-Feldartillerieabteilung aus 14 Tage zur Ein­ziehung gelangen. Ferner werden bei denjenigen Insantcrie- regimentern, die nur zwei Bataillone haben, für die Manöver durch Einziehung von Reserven aus die Dauer von 28 Tagen dritte Bataillone ausgestellt werden. Die im vorigen Jahre bereits versuchsweise vorgenommene Ausbildung der Offiziere des Beurlaubtenstandes der Infanterie, Jäger und Schützen auf Truppenübungsplätzen soll, da sie sich gut bewährt hat, 1908 nach den gleichen Grundsätzen fortgesetzt werden.

* iP e r s 0 n a l - C h r 0 n i k.) Ernannt: der Hilfspsarrer Otto Blendin zu Bergen-Enkheim zum Pfarrer in Oberzell, Klasse Schwarzenfels, der Gerichtsassessor Ruhl zum Amtsrichter in Kiel, der Rechtsanwalt Rühmekorb in Eschwege zum Notar, die Rechtskandidaten Gail, Brandt, Wenck und Kohlhepp zu Referendaren. Beauftragt: der Pfarramtskandidat Sinning als Gehilfe des Pfarrers Niemeyer in Ronshausen, Klasse Rotenburg. Uebernommen: der Gerichtsassessor Dr. Koppen in die allgemeine Staatsverwaltung unter Ernennung zum Regierungsassessor und Ueberweisung an die Königliche Rc- giernng zu Cassel. Versetzt: der Sleuersekretär Leimbach von Lennep vom 1. Dezember ab an die Einkommensteuer-Veran- lagungskommission des Stadtkreises Cassel. In den Ruhestand versetzt: der RegierungSsekretär Schraub vom 1. Dezember d. J. ab.

~ p Hersfeld, 13. Dezember. (Zweimetallische" Sonntage.) Die beiden letzten Sonntage vor Weihnachten werden im Volke dersilberne" und dergoldene" Sonntag genannt. Dersilberne" Sonntag ist nach althergebrachter Sitte derjenige Tag, an dem das Weihnachtsgeschäft aus seine Höhe kommt. Da beginnen die Massenwanderungen, und alle Geschäftsleute hoffen, recht viel davon zu profitieren. Erweist sich Diese Hoffnung aber als trügerisch, was des öfteren, namentlich bei schlechtem Wetter, sogenanntem Matschwetter vorkommt, dann ist der letzte Hoffnungsanker derletzte" Sonntag vor dem Weihnachtsfeste, dergoldene Sonntag." Dieser bedeutet für die Geschäftswelt gewissermaßen ein Fest vor dem Feste; denn es ist eine bekannte Tatsache, daß sehr viele Leute zu Weihnachten den Einkauf ihrer Geschenke gerade bis zum Feste verschieben. Sorgsame Hausfrauen zögern mit dem Einkäufe aus verschiedenen Gründen: vielleicht ei = hält man das Gewünschte im letzten Augenblick doch noch etwas billiger, man trennt sich noch so schwer von dem er­sparten Gelde. Und dann ist es endlich für viele ein stolzes und glückliches Gefühl, ein unendliches Vergnügen, etwas Schönes kaufen zu können; man zögert daher und wartet möglichst lange, weil man weiß, daß die Freude an dem ge­wünschten Gegenstände leider nur allzuhäufig mit seinem Besitze aushört. Daher Die ungeheure Völkerwanderung an dem letzten Sonntage vor Weihnachten, demgoldenen", Der die Zeit gewährt, daß man richtig und gründlich Umschau halten kann, damit man nicht doch zuguterletzt etwas sür teureS Geld ein» kaust, was einem schließlich nicht gefüllt. Viele Hoffnungen werden freilich zuschanden, wenn Der launische Wettergott kein sreundliches Gesicht macht und den Regen, wie es gerade am Sonntage schon öfters vorgekommen ist, wiefeine Bindfäden" herabrieseln läßt. Wir wünschen aber allen Geschäftsleuten unseres Ortes, daß ihnen erst einsilberner" und dann noch ein wirklichgoldener" Sonntag beschieden sein möge.

) :( Hersfeld, 13. Dezember. Nächsten Montag Nach­mittag 4 Uhr Sitzung Der Stadtverordnete n- Bersammlung im Rathaussaale. Tagesordnung: Forst­kasserechnung. Sparkasserechnung. Kostenbewilligungen. Fluchtlinien im Hasenwinkel.- Stadtvervrdnetcnwahlen. Zinsfuß bei der Sparkasse. Sonstiges.

) :( Hersfeld, 12. Dezember. (Schöffengericht.) Ein Dienstknecht von Hos Meisebach erhielt wegen gefährlicher Körperverletzung zwei Monate Gefängnis, ein Arbeiter aus Heenes wegen Diebstahls zwei Tage Gesängnis. Ein hiesiger Pserdemetzger wurde wegen Beleidigung mit 20 Mark ev. 4 Tagen Gefängnis und Publikation bestraft. Weiter waren sieben Personen von Rotensee wegen gegenseitiger Körperver­letzung angck.agt, davon wurde einer mit vier Wochen Gc- sänguis, eine zweite Person mit 25 Mark ev. 5 Tagen Ge- säugnis bestraft, Die übrigen 5 Personen wurden frei gesprochen. Weiter wurden in zwei Einspruchssachen bezl. den Besuch der Fortbildungsschule und Versteuerung von eingesührtem Bier in hiesiger Stadt verhandelt. Das Gericht hielt sich im ersten Falle an § 8 des Ortsstatuts betreffend Besuch der Fort­bildungsschule, daß in Krankheitsfällen jeder Schüler durch eine schriftliche Bescheinigung zu entschuldigen ist. Bezüglich der zweiten Einspruchssache steht das Gericht aus dem Stand­punkt, daß bei Einführen von Bier pp. der Empfänger sowie der Spediteur zur ordnungsmäßigen Anmeldung bei der zu­ständigen Stelle verantwortlich sind.

Fulda, 9. Dezember. Während uns gestern fast an­haltendes Regenwetter beschert war, hatten die Bewohner Der Rhön zeitweiliges heftiges Schneetreiben mit eisigem Wind. Die Milseburg, Wasserkuppe, Reesberg, EierhaukobiS bis zum Dammersfeld ist alles tief in Schnee gehüllt. ZiveiseUvs wird in diesen Gegenden der Skisport bald zu seinem Recht kommen, und alsdann werden unsereRhönalpen" auch im Winter ihre Anziehungskraft ausüben.

Weilburg, 10. Dezember. Das Verschwinden des Bürgermeisters Seelbach aus dem benachbarten Alleudoif ist jetzt aufgeklärt. Die holde Weiblichkeit hat ihn auf des Schicksals verhängnisvolle Bahn getrieben. Mit der Witwe des hiesigen früheren Kreissekretärs Müller ist er nach Amerika gegangen. Seine Frau und drei Kinder hat er in dürftigen Verhältnissen zurückgelassen, da er den größten Teil seines Vermögens mitgenommen hat.

Erbach im Odenwald, 10 Dez. Infolge Genusses ge- froreuen Obstes starb das 9jährige Töchterchen des Landwirts Löw zu Ernsbach unter schrecklichen Schmerzen trotz sofortiger ärztlicher Hilfe.

Bleicherode, 11. Dezember. Heute Mittag wurde bei Dem Bahnübergänge zwischen Bleicherode und Niedergebra der Arbeiter Opermann von hier von dem Personenzuge Hallc- Cassel totgefahren. Die Schranke war geschlossen. Oppcrmauu wartete, bis ein Güterzug vorüber war, und wollte alsdann das Gleis überschreiten. Er bemerkte nicht den aus entgegen- gesetzter Richtung Heraukommcudeu Personeuzug, der den Mann erfaßte und zermalte.

Fladungen iRhön), 10. Dezember. Im Kümmrvthschcu Mühtenauwesen basier ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Der 40 Jahre alte Müller August Kümmroth wurde bei dem Auflegen eines Transmissionsriemens vom Triebwerke erfaßt und mehrmals herumgeschleudcrt, sodaß iljm der Brustkorb ein­gedrückt wurde. Der Tod war sofort eingetreten.

Tiegen, 11. Dez. Aus der Station Eintracht der Eisen-Sicgener Eisenbahn wurde der Lokomotivsührcr über- fahren und getötet.