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herrseloer Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Fernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 148.

Sonnabend, den 14. Dezember

1907

Erstes Blatt.

Amtlicher teil.

Bekanntmachung

Zum Verding der Landwege-Unterhaltungsmaterialien für das Etatsjahr 1908 Kreis Hersseld sind nachfolgende Termine festgesetzt:

Hersfeld, Dienstag den 17. Dezember 1907 vormittags 10 Uhr

in der Engelhardt'schen GastwirtschaftStiftschenke" am Lingg- Platz für die Ortschaften: Allmershausen, Asbach, Biedebach, Lingartes, Eichhof, Eitra, Friedlos, Gittersdors, Hersseld, Heenes, Kohlhausen, Meckbach, Meisebach, Mecklar, Obergeis, Oberhaun, Oberrode, Reilos, Rohrbach, Roßbach, Rotensee, Sorga, Tann, Unterhaun, Untergeis, Wilhelmshof.

Niederaula, Donnerstag den 19. Dezember 1907 vormittags V2I2 Uhr

in der Stein'schen Gastwirtschaft für die Ortschaften: Beiers- Haufen, Engelbach, GerSdorf, Gershausen, Goßmannsrode, Haltenbach, Hilperhausen, Holzheim, Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, Kruspis, Mengshausen, Niederaula, Reckcrode, Reimboldshausen, Rotterterode, Solms, Stärklos, Willingshain. Schenklengsseld, Freitag d. 20. Dezember 1907

vormittags 10 Uhr

in der Steinhauer'schen Gastwirtschaft für die Ortschaften: Aus­bach, Conrode, Hilmes, Landershausen. Malkomcs, Motzseld, Oberlengsseld, Ransbach, Schcnklmgssew, Schenksolz, Unter­weisenborn, Wehrshausen, Wippershain, Wüstseld.

Friedewald, Freitag den 20. Dezember 1907 mittags V2I Uhr

in der Zinn'schen Gastwirtschaft für die Ortschaften: Bengen- dors, Friedewald, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Hersa, Heringen, Hillartshausen, Kleinensee, Lautenhausen, Lengers, Leimbach, Philippsthal, Röhrigshöse, Unterneurode, Widdershausen, Wölfershausen.

Die Bedingungen und Steinmengen werden in den Ter­minen bekannt gemacht.

Hersfeld, den 7. Dezember 1907.

Der Landes-Bauinspektor Lyl ander, Baurat.

* *

Hersfeld, den 9. Dezember 1907.

Vorstehende Bekanntmachung des Landesbauamts dahier bringe ich zur gest. Kenntnis der Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises.

Ich ersuche diese Bekanntmachung in ortsüblicher Weise (durch die Schelle) zur öffentlichen Kenntnis der Gemeinde- Angehörigen zu bringen und letztere zur Beteiligung an dem Verding zu veranlassen.

I. 11911. Der Königliche Landrat

von G r u n e l i u s.

Hersseld, den 9. Dezember 1907.

Die bisher unter dem Namen Provinzialkasse für Hessen- Nassau in Cassel bestandene Kasse führt vom l. Januar 1908 an die einheitliche BezeichnungProvinzial-Haupt- kafse für Hessen-Nassau zu Cassel" und sind deshalb von diesem Tage ab alle für den Provinzialverband, die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft und deren Haft- pflichtvcrsicherungsanstalt, sowie die Landesversicherungsanstalt HessenZNassau bestimmten Gelder p. unter der neuen Bezeichnung der Kasse einzusenden.

Vom 1. Januar 1908 ab werden auch die Reichsbank- Girokontos für die Hessen-Nassauische landwirtschastliche Berufs- genossenschast und den Vorstand der Landesversicherungsanstalt ausgehoben und sind alsdann die Geldüberweisungen für obige Verwaltungen sämtlich auf das Reichsbank-Girokonto des Provinzial-VerbandeS der Provinz Hessen- Nassau zu bewirken. Von jeder derartigen Ueberweisung ist der Provinzial-Hanptkasse alsbald Nachricht zu geben.

I. 11 854. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a in c r.

Hersseld, den 10. Dezember 1907.

Im Verlage der Firma Hempel und Co. in Glatz sind erschienen:Kunze's Freund der Landwirtschaft" undKunze's Geschäftsfreund".

Der Preis beträgt je sechs Mark. Es sind einfache, ganz zweckmäßig ungeordnete Einnahme- und Ausgabebücher mit Musterbeispielen.

Das eine Buch ist für Landwirte, das zweite für Hand- werkSmeister, Geschäftsinhaber und sonstige Gewerbetreibende bestimmt. In ihnen wird eine leicht verständliche Anleitung einer einfachen Buchführung gegeben. Durch diese soll ein doppelter Zweck erreicht werden. Einmal soll der BetriebS- jnhaber in die Lage versetzt werden, sich jederzeit über den

Stand seiner Finanzen, wie er sich durch Gegenüberstellung der Einnahmen und der Ausgaben unter Hinzurechnung der Außenstände und Abrechnung der Schulden gestaltet, eingehend zu unterrichten. Eine derartige Kenntnis wird die Ordnung in der Wirtschaft erhöhen und für ihre sachgemäße Leitung sehr förderlich sein. Zum anderen soll die Buchführung dem Betriebsinhaber eine Handhabe bei Abgabe der Steuererklärung und für den Fall, daß er sich zu hoch veranlagt glaubt, ein zweckmäßiges Beweismittel bieten.

Interessenten können die Bücher auf dem Landratsamte einsehen.

I. 11570. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 10. Dezeinber 1907.

Unter der Schafherde des Landwirts Heinrich Schaake zu Breitenbach a/H., des Landwirts Nikolaus Corell zu Oberjosfa und des Oekonomen Bayer zu Hof Ottersbach, Kreis Ziegen- hain, ist die Räude ausgebrochen.

I. 11935. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

Politischer Wochenbericht.

Als ein hocherfreuliches Ereignis hat der Wochenbericht zunächst die in jeder Weise befriedigende Klärung der i n n er p 0 l i t i s ch e n Lage im Reiche, die sich infolge der bekannten Vorgänge im' Reichstage zugespitzt hatte, zu ver­zeichnen. Durch die loyalen Erklärungen der Vertreter der drei Gruppen der Blockparteien ist im Reichstage überein­stimmend festgestellt' worden, daß diese fest entschlossen sind, die am 13. Dezember v. I. vom Fürsten Bülow eingeleitete Politik des Zusammengehens der konservativen und der liberalen Parteien sortzusetzen und den Reichskanzler im Sinne der Block­politik zu unterstützen. Jedenfalls ist es von allen Freunden des Vaterlandes mit Genugtuung und Freude begrüßt worden, daß den nationalliberalen Führern, welche im Block die Herr- schüft ihrer Fraktion auszurichten versuchten und, statt dem Reichskanzler die Führerschaft zu überlassen, selbst Ziel und Tempo nach einem den Jungliberalen angepaßten Programm bestimmen wollten, die wenn auch unbewußte Sprengung des Blocks nicht gelungen ist. Zcntruin und Sozialdemokratie aber haben durch ihr lärmendes Gebaren im Reichstage wie in der Presse deutlich genug zu erkennen gegeben, daß sie darob sich in der Stimmung der betrübten Lohgerber befinden, denen die Felle weggeschwommen sind.

Die preußische O st m a r k e n v 0 r l a g e ist in der Kom­mission des Abgeordnetenhauses in erster Lesung zu Ende be­raten worden. Ueber die neuen Bestimmrmgen für das zu schaffende Enteignungsrecht ist es dabei noch zu keiner Einigung gekommen. Eine Reihe von Anträgen, die dazu gestellt waren, fanben keine Mehrheit, und schließlich wurden diese Bestim­mungen abgelehnt. Aber die Tatsache, daß man die übrigen Bestimmungen gut hieß und somit eine Weiterarbeit ermög­lichte, läßt daraus schließen, daß das Bestreben besteht, eine Einigung zu erzielen. ES darf deshalb die Hoffnung gehegt werden, daß in der zweiten Lesung der Kommission es dem Zusammenarbeiten von Regierung und Mehrheit gelingen wird, eine Fassung zu finden, die der Regierung eine brauchbare Handhabe dort reicht, wo die bisherigen Mittel gegen das Vordringen des polnischen Besitzes versagen, eine Handhabe, die andere Kulturvölker längst besitzen.

Durch den Tod des greifen Königs Oskar II. v 0 n Schweden ist das uns stammverwandte schwedische Volk in tiefe Trauer versetzt worden, und das deutsche Volk nimmt an dem Hingange dieses edlen Herrschers, der während seiner 35jährigen reich gesegneten Regierung ein wahrer Vater seines Landes war, aufrichtigen Anteil. Drei deutschen Kaisern in steter, im Leide bewährter Freundschaft verbunden, deutschen Fürstengeschlechtern und durch die Gemahlin seines Nachfolgers, des nunmehrigen Königs Gustav V., auch dem Hohenzollern- Hause eng verschwägert, war König Oskar kein Fremder in deutschen Landen. Wie ihm unser Kaiser in herzlicher Ver­ehrung zugetan war und diese unter anderm durch die Er- nennung zum Großadmiral der Kaiserlichen Marine bekundet hat, so galt König Oskar unserem Volke als treuer, aufrichtiger Freund des Deutschen Reiches. In feiner Person verkörperten sich die regen geistigen Beziehungen zwischen beiden Völkern, unsere Künstler und Gelehrten schätzten ihn hoch als verständ­nisvollen Förderer aller kulturellen und idealen Bestrebungen. Auch wird man bei uns nicht vergessen, daß ihm die Pflege auch deS wirtschaftlichen Verkehrs zwischen Schweden und dein Deutschen Reiche stets am Herzen lag. DaS Andenken deS entschlafenen KönigS, dem die Nachrufe der schwedischen Zeitungen den Beinamen desGuten" geben, wird darum auch in Deutschland hoch in Ehren gehalten werden.

Der W i e d e r a u s b a u der s p a n i s ch e n F l 0 t t e, die im Kriege mit den Vereinigten Staaten zerstört wurde,

soll nunmehr zur Wirklichkeit werden. Die Vertreter sämtlicher Parteien im spanischen Parlament haben den betreffenben An­trägen des Ministerpräsidenten ihre Zustimmung in begeisterten Worten gegeben. Es besteht in Madrid gegenwärtig volle Uebereinstimmung in den maßgebenden Kreisen darüber, kein Opfer zu scheuen, um selbst mit Gewalt die Selbständigkeit Marrokkos aufrecht zu erhalten und die Festsetzung einer fremben Macht an der Nordküste des Scherifenreiches zu verhindern. Zu diesem Zwecke besonders will man die Flotte bauen. Die Stellungnahme Spaniens dürste nicht ohne Einfluß auf daS Verhalten Frankreichs bleiben.

In der britischen Oranjesluß-Kolonie, dem früheren Oranje-Freistaat der Buren, haben, wie früher bereits in der Transvaal-Kolonie, nunmehr die durch die Einführung der von England gewährten neuen Verfassung bedingten Wahlen stattgefunden. Das Ergebnis ist dasselbe wie seinerzeit in der Transvaal-Kolonie gewesen: die Vertreter der Buren haben durchweg den Sieg davongetragen. Von den 38 Ab­geordneten der Zweiten Kammer sind 30 Buren. Entsprechend diesem Ergebnis der Wahlen ist denn auch das Ministerium dieser Kolonie ebenso wie das der Schwesterkolonie aus Buren- sührern gebildet worden. Nur in den Oberhäusern dieser beiden Kolonien, deren Zusammensetzung nicht durch Wahlen erfolgt, besitzt England genügende Vertretung. Trotzdem gibt man sich in England keinerlei Besorgnissen für die Zukunft hin. Sind doch die Vorteile, die diesen Gebieten unter englischer Herr­schaft bereits erwachsen sind und noch zu erwarten stehen, so groß, und ist doch der Burenbevölkerung eine so große Be- wegungssreiheit belassen, daß wohl kaum ein neuer Losreißungs- versuch unternommen werden wird.

At ÄMiiimtitii aus Amerika.

Zu den auffallendsten Erscheinungen in der gegenwärtigen großen Geld- und Wirtschaftskrisis, die sich über fast alle Kulturländer verbreitet und in Nordamerka ihren schärfsten Ausdruck gefunden hat, gehören auch die massenhaften Rück­wanderungen von Arbeitern, Handwerkern, Technikern und Landwirten aus Nordamerika nach Europa. Die ersten großen Vorboten für diese eigenartige und ganz auffällige Erscheinung traten allerdings schon im vorigen Frühjahr aus, in dem mehrmals ungefähr sechs- bis achthundert Auswanderer, die aus Rußland und Oesterreich nach Amerika gereist waren, von dort zurückkamen und unter den armseligsten Verhältnissen in die alte Heimat zurückkehrten. Die große Wirtschaftskrisis in Amerika hat aber für alle Einwanderer die schlimmsten Zustände geschaffen. Sie finden in Amerika weder Arbeit, noch irgend eine Unterstützung während der Dauer der Arbeits­losigkeit. Das ist auch erklärlich, weil in Nordamerika selbst Hunderttausende von Arbeitern arbeitslos geworden sind. Die Rückwanderungen eingewanderter Europäer nehmen daher jetzt die größten Dimensionen an. Die großen Dampfer des Nord­deutschen Lloyd und der Hamburg-Amerika Linie, welche sonst immer nur viele Tausende von Auswanderern nach Amerika brachten, haben seit einigen Wochen kaum Platz genug, um die Rückwanderer aus Amerika nach Europa zu bringen. In Bremen sind in den letzten Tagen mit den Dampfern des Norddeutschen Lloyd über 6000 Rückwanderer eingetroffen und fünf große Lloyd-Dampfer mit etwa 5000 Zwischendeck- passagieren sind von New-Iork nach Bremen noch unterwegs. Die großen Dampferlinien haben in anerkennenswerter Weise die Rückreise für die armen Rückwanderer auch dadurch er- leichtert, daß sie den Fahrpreis um etwa 20 Prozent ermäßigt haben. Diese großen Rückwanderungen aus Amerika bestätigen leider die traurige Tatsache, daß es diesmal mit der wirtschaft­lichen Krisis in Nordamerika ganz besonders schlimm steht. Man muß sich auch sehr darüber wundern, daß die nord- amerikanische Regierung nicht durch Angebot billigen Landes in den wenig bevölkerten westlichen Staaten unb durch ent­sprechende Unterstützungen versucht hat, einen Teil der Ein­wanderer an Amerika zu fesseln, denn bekanntlich sind die Einwanderer nicht ganz mittellos und haben auch meistens noch Unternehmungsgeist und Lust zur Arbeit. Angesichts solcher entsetzlichen Zustände für die Auswanderer in Amerika werden wohl die Regierungen eingreifen müssen, um künftig die Auswanderungen zu hemmen oder doch in sichere Sahnen zu lenken, denn es ist für das Mutterland eine außerordentliche Kalamität, wenn viele Tausende von AuSwanderew, nachdem sie ihr Geld und Gut durch die Reise verloren haben, gänz­lich mittellos in die Heimat zurückkehren, und nun den Kampf um das Dasein unter viel härteren Bedingungen wieder auf­nehmen müssen. Auch die Meinung, daß in Amerika das Fortkommen und der Gelderwerb viel leichter sei als in Europa, wird durch die Erscheinungen der zahlreichen Rückwanderungen nunmehr wohl nicht mehr geglaubt werden.

Reichstag.

Der Reichstag führte am Mittwoch die erste Lesung der Vorlage über das RcichSvcrcinSgcsctz nach dreitägiger Dauer zu Ende und verwies die Borlage dann an eine Commission. Die Diskussion vom genannten Tage brächte zunächst den Ab-