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herchlder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt' und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 147.
Donnerstag, den 12. Dezember
1907.
Amtlicher Ceil.
Die Schulstelle zu GitterSdors kommt infolge Versetzung des jetzigen Inhabers vom 1. Januar 1908 ab zur Erledigung.
Das Grundgehalt der Stelle beträgt neben freier Dienstwohnung einschl. Vergütung für den Kirchendienst 1250 Mk., der Einheitssatz der Dienstalterszulage 120 Mk.
Bewerber wollen ihre Meldungsgesuche und Zeugnisse bis zum 28. Dezember d. I. an den Königlichen Ortsschulinspektor Herrn Pfarrer Gamb zu Obergeis einreichen.
Hersfeld, den 6. Dezember 1907.
Der Königliche Schulvorstand:
von Grunelius.
Hersseld, den 9. Dezember 1907.
Die Herren Ortsoorstände erhalten in den nächsten Tagen die Rekrutierungsstammrollen von den Jahrgängen 1885, 1886 und 1887 zurück. Dieselben sind mit den Anlagen in der Gemeinderepositur gemäß § 46,12 der W. O. sorgfältig auf- zubewahren.
M. 1266. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 5. Dezember 1907.
Der Schreiner Johannes Schäfer in Kruspis ist heute als Schlachtvieh- und Fleischbeschauer für den Gemeinde-Bezirk Kruspis widerruflich bestellt und eidlich verpflichtet worden. I. 11728. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
—
Hersfeld, den 8. Dezember 1907.
Unter dem Scheinebestande deS Wilhelm Lehn zu Friedlos ist Rotlaufseuche ausgebrochen.
I. 11828. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersseld, den 4. Dezember 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Müllers Franz Heuer zu Heringen ausgebrochene Rotlausscuche ist erloschen. I. 11704. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 6. Dezember 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Heinrich Mohr zu rfa ausgebrochene Rotlausscuche ist erloschen.
11774. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 5. Dezember 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts George
Der GlikksborL
Roman von H. von K l i p h a u s e n.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Der junge Russe fuhr betroffen zurück.
„Und mit wem, wenn es kein Geheimnis ist?“
„Ich fürchte, Ihnen wch zu tun, mein Freund," wie weich und einschmeichelt ihre Stimme klang, „aber vielleicht ist es besser, ich teile es ihnen mit, als daß der Schlag Sie unver- mutct von anderer Seite trifft."
Lermanoff fühlte unwillkürlich ein Gefühl warmer Dankbarkeit für das schöne Mädchen in seiner Seele erwachen, die so teilnehmend zu ihm sprach und ihn so treu ansah.
„Ich danke Ihnen," entgegnete er gepreßt, „und will nun auch meinerseits beichten, daß ich in der Tat hoffte, Komtesse Freienberg werde meine ehrerbietige Bewerbung nicht ungünstig aufnehmen. Aber wenn ich mich täuschte, so muß auch dies ertragen werden."
Juliens kleine Hand legte sich in diesem Augenblick in die seine, und mit den dunkeln Samtaugen ihn taubenhaft an- sehend, sagte sie leise: „Auf Ihr Kavalierswort, Dnrchlaucht, daß es unter uns bleibt; Komtesse Hedwig ist das Weib Ludwig MorandS, des Sängers, geworden und wird, von ihren Eltern verstoßen, mit ihm die Heimat schon in diesen Tagen verlassen, weil er in Paris angestellt ist."
Der Fürst taumelte fast zurück. Er starrte die schöne Erzählerin verwirrt an, als habe sie ihm Unglaubliches gesagt, dann faßte er mit der kalten Hand an die Stirn und stieß erregt hervor:
„Es ist nicht möglich! Wie kann eine Dame der ersten Gesellschaftskreise etmus derartiges tun! Gnädiges Fräulein, Sie müssen falsch berichtet worden sein."
„O nein, mein Freund, ich komme soeben von der Gräfin, die mir den Bescheid über Hedwig mitgab, sie sei von den Ihrigen für immer verstoßen. Man wird ihr Gepäck und einen unbedeutenden Zuschuß im Kloster der grauen Schwestern abgeben, wo sie sich aushält, und von da aus reist sie mit
Klebe zu Kohlhausen ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 11591. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Hersfeld, den 8. Dezember 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Wilhelm Steinert zu Frielingen ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen.
I. 11834. Der Königliche Landrat
von Grunelius.
Gefundene Gegenstände:
Eine Pferdedecke. Meldung beim Ortsvorstand in Hedders- dors.
nichtamtlicher Ceil.
As Ieiitsch-Mwestlifrikli.
In Deutsch-Südwestafrika wurde nach amtlicher Meldung am 5. Dezember zwischen Arahoab und Kowisekolk von feindlichen Banden ein Ochsenwagen angegriffen. Dabei fielen auf deutscher Seite drei Reiter, ein Reiter wurde schwer verwundet.
Bei diesem Ueberfall handelt es sich wohl um Raubgesindel, das sich aus Nahrungsmangel eines Verpflegungswagens bemächtigen wollte. Nicht ausgeschlossen aber ist eS auch, daß die Räuber zu der Bande Simon Coppers gehören, der sich bisher noch nicht der deutschen Herrschaft unterworfen hat, sondern in die äußerst schwer zugängliche Kalahari ausgewichen ist. Mehrfache Versuche, ihn dort zu fassen, mußten infolge Wassermangels aufgegeben werden. Die Verfolgung kann erst im Frühjahr 1908 ausgenommen werden, da erst zu diesem Zeitpunkt die wafferersetzende Tsamasfrucht (Kürbisart) reif ist. Die Kapregierung hat ihre Unterstützung bei der Unternehmung gegen Simon Copper zugesagt. Gegenwärtig wird er von den am Westrand der Kalahari befindlichen Stationsbesatzungen durch Kamelreiter-Patrouillen beobachtet.
Sie Ursachen Der internationalen StIhoL
Die wirtschaftlichen und finanziellen Sorgen der Gegenwart sind für alle Staaten so groß, daß sie die politischen Angelegenheiten vollständig in den Hintergrund drängen, und alle Regierungen, Volksvertretungen und Handelskammern nur noch daran denken, wie den wirtschaftlichen Notständen und der Geldknappheit ein Ende zu machen sei. Bei den riesigen Umsätzen des Güteraustausches im Welthandel vergißt man dabei inbezug auf das Entstehen der Geldnot eine Hauptursache. Es gibt in Wirklichkeit gar nicht genug bares Geld an Gold und Banknoten, um die großen Warenumsätze von Stadt zu Stadt und von Land zu Land mit Geld zu bezahlen. In
ihrem Gatten ab, ohne Eltern und Brunder nochmals zu sehen. Glauben Sie nun meinem Berichte?"
Er kämpste Hart mit sich selbst und atmete beinah erleichtert, als sie nun vor der Ronauschen Wohnung anlangten und Julie ihm zum Abschied herzlich beide Hände reichte. „Gott mit Ihnen, mein armer Fürst! Nehmen Sie allen Mannesmut zusammen, um diesen schweren Schlag zu überwinden, und vergessen Sie nicht, daß ich voll treuer Freundschaft, wenn Sie mich brauchen können, Ihnen beistehen will."
Er eilte davon und war froh, in feiner Wohnung mit sich allein den Kamps der ersten Liebe durchsechten zu können. Wie halte er das schöne, blonde, vornehme Mädchen angebetet, die nun eines Sängers Weib geworden! Er knirschte mit den Zähnen, ballte die Fäuste und schritt ruhelos auf und nieder, bis endlich aus diesem nächtlichen Chaos seines Empfindens ein anderes Antlitz mild und sanft lächelnd austauchte und eine weiche, teilnehmende Stimme ihm im Ohre widerklang: „Mein armer Freund, ich will Ihnen voll treuer Teilnahme beistehen!"
Am Abend desselben Tages stand Anna Neidhardt vor Gräfin Freienberg, bleich aber mutig entschlossen. „Gräfliche Gnaden haben nach mir geschickt. Was befehlen Frau Gräfin?"
„Anna," sagte die Dame mit fester Stimme, „ich weiß, daß Du eine treue, anhängliche Seele bist, der man auch etwas anvertrauen kann, was nicht alle Welt erfahren soll; deshalb ließ ich Dich rufen, um Dir einen Auftrag zu geben."
„Frau Gräfin haben nur zu befehlen."
„Meine Tochter", hier stockte die Gräfin einen Moment, fuhr jedoch sogleich eiskalt fort, „hat sich zu einet Heirat entschlossen, die unter unserem Range und gegen unseren Willen ist, so daß mir ihr feierlich erklärt haben, nichts mehr mit ihr zu schaffen zu haben."
„O, Frau Gräfin, Gnade, Barmherzigkeit! Wie ist dies möglich? Ihre einzige Tochter!"
„Schweig", fuhr die Dame finster empor, „und höre, was ich Dir zu sagen habe. Hedwig will nun sogleich mit ihrem Gatten abreisen, und da sie nicht mehr in unser Haus zurück-
ruhigen und normalen politischen und wirtschaftlichen Zeiten werden die riesigen Warenumsätze des einheimischen Handels wie des Ausfuhrhandels meistens durch Gegenrechnungen, bei denen der Wechsel direkt und indirekt eine große Rolle spielt, beglichen. Wenn aber, wie jetzt Nordamerika, ein Land in eine wirtschaftliche und finanzielle Krisis gerät, so hört die Begleichung der Forderungen durch Gegenrechnung meistens mehr oder weniger aus, und man verlangt von dem betreffenden Lande für geleistete Lieferungen den Gegenwert in Geld. Auf diese Weise ist Nordamerika in eine ungeheure Geldklemme geraten, und hat sich, um bares Geld für seine notwendigen Zahlungen zu erhalten, auf die Banken Europas gestürzt, um dort Geld zu erhalten. Aber gerade die größten europäischen Handels- und Industriestaaten, England und Deutschland, haben selbst für ihre großen geschäftlichen Unternehmungen nicht genug flüssiges Geld und mußten in ihren Banken sofort zu bedeutenden Erhöhungen des Zinsfußes schreiten, um ihre Goldvorräte einigermaßen vor den Ansprüchen Nordamerikas zu schützen, und alle anderen europäischen Staaten mußten dem Beispiele Englands und Deutschlands folgen. Gegenüber einer solchen internationalen finanziellen Notlage gibt es kein Heilmittel durch irgend ein Gesetz, das der Reichstag oder daS englische Parlament beschließen könnten. Solche Erscheinungen sind elementar und sie müssen ertragen werden, bis sie durch Gegenwirkungen wieder beseitigt werden. Dabei muß noch auf die seltsame Tatsache hingewiesen werden, daß diejenigen Staaten, welche keine große Industrie und keinen allzubedeutenden Welthandel treiben, in der gegenwärtigen Krisis noch das meiste Geld haben. Zu diesen Staaten gehört in erster Linie Frankreich, welches infolge seiner eigenartigen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse und seines Bankgesetzes immer den größten Goldvorrat besitzt. ES klingt nun unglaublich, aber es muß doch gesagt werden, daß zu den Ländern mit verhältnismäßig großem Goldvorrate auch Rußland gebärt. Diese auffällige Tatsache ist deshalb entstanden, weil die russische Regierung aus Vorsorge vor schlimmsten Zuständen einen Teil der von Frankreich und England geborgten Milliarden in feinem Staatsschätze aufgespeichert hat. Wirtschaftlich bringt dieser Goldvorrat dem russischen Reiche direkt mehr Schaden als Nutzen, denn er dient nicht zur Stütze des russischen Handels und zum Aufblühen der russischen Industrie. Man kann aber wohl zugeben, daß er noch eine große Stütze für den russischen Staatskredit im Auslande darstellt und die Ausnahme neuer russischen Staatsanleihen ermöglicht, obwohl es höchste Zeit wäre, daß das Ausland den Russen keinen Pfennig mehr borge und ihnen klar mache, daß sie endlich mit ihren eigenen Einnahmen und Geldmitteln auskommen müssen.
Reichstag.
Die am Montag begonnene Generaldebatte des Reichstages über den Entwurf eines ReichSvereinsgesetzes wurde vom Staatssekretär des Inneren von Bethmann-Hollweg mit einer
kehrt — aber was siehst Du mich so traurig an? Ich wünsche, daß meine Befehle ausgeführt werden — also da sie sich im Kloster der grauen Schwestern aushält, so brauche ich jemanden, der ihre ganzen Sachen packt und sie ihr überbringt! Willst Du es tun, Anna?"
„Ja, Frau Gräfin, gern!"
„Auch ist hier »och ein Geldbrief zu übergeben," fuhr die alte Dame mit der gleichen Starrheit fort; „ich vertraue Dir denselben an und wünsche nur, daß alle Sachen noch heute in den Händen der Besitzerin sind."
„Haben Frau Gräfin nicht noch eine einzige Botschaft zu bestellen?" fragte Anna, allen Mut zusammenraffend. „Man hört beim Scheiden so gern noch ein letztes, liebes Wort."
Eine Minute lang schaute die Gräfin starr und hart die Fragende an, dann erhob sie sich und deutete nach der Tür: „Nein, Anna, ich habe gar nichts zu bestellen, hörst Du? Du kannst nun gehen."
Und doch, als die Tür sich hinter Anna Neidhardt geschlossen hatte, wankte die Gräfin zu derselben, schob den Riegel vor und sank dann halb bewußtlos vor Weh und Jammer in die Knie. Nun es niemand sah, brach allmählich und unaufhaltsam die Mutterliebe bei der Gräfin durch, die sich nicht trennen wollte von dem Kinde, von der einzigen Tochter. Lange, lange lag sie so am Boden, und erst als ein Klopsen von draußen sich hören ließ, richtete sie mühsam ihr Haupt empor. „Ich komme!" rief sie wie umgewandelt und mit herrischem Tone hinaus, und dann, als sie sich auf- richtete, hatte sie überwunden und war wieder die kalte, unnahbar stolze Frau, der ihr fleckenloses Wappenschild mehr galt als das eigene Kind.
Am nächsten Tage schon wollte Ludwig Morand mit seiner jungen Gemahlin nach Paris abreifen; die Koffer standen gepackt, der Wagen wartete, unb nun kam für Hedwig der letzte schwere Abschied. „Wie lange wird cS noch daueru, ehe mein Mann kommt, mich abzukwlen?" hatte sie vor einer halben Stunde die treue Anna gefragt, die ihr bis zuletzt mit Mutter Rosamunde half.