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Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Fernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 143.

Dienstag, den 3. Dezember

1907>

Amtlicher Ceil.

Das Proviantamt Fulda hat den Heuankauf wieder ausgenommen. Das Heu kann je nach Wunsch in das Magazin in Fulda eingeliefert oder aus der nächsten Bahn­station verladen werden.

Anfragen sind an das genannte Proviantamt zu richten, welches jede weitere Auskunft erteilt.

Hersfeld, den 28. November 1907.

Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r..

Hersfeld, den 28. November 1907.

Die unter dem Schweinebestandc des Bürgermeisters Croll und Konrad Reinhardt zu Gittersdorf ausgebrochene Rotlaus­seuche ist erloschen. I. 11463. Der Königliche Landrat. I. V.:

Thamer.

Hersseld, den 25. November 1907.

Unter der Schafherde in Kerspenhausen ist die Räude ausgebrochen. I. 11308. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 28. November 1907.

Unter dem Schweinebestand des Maurers Heinrich Klee zu Wüstseld ist die Rotlausseuche ausgebrochen. I. 11467. Der Königliche Landrat.

I. V.:

Th amer.

nichtamtlicher Ceil.

Reichskanzlerrede»».

In den ersten Tagen der Etatsberatung hat der Reichs­kanzler Fürst von Bülow bereits zweimal das Wort ergriffen, um in großen Reden die brennenden Fragen der Gegenwart zu beleuchten und den Angriffen aus die Leitung der Reichs­politik entgegenzutreten. Es waren, wie wir das ja an unserm Reichskanzler gewohnt sind, wiederum Meisterwerke der Bered­samkeit, in denen sich fast jeder Satz von schlagender und zündender Wirksamkeit erwies. Aus der Fülle des Darge­botenen, für dessen eingehende Wiedergabe uns der Raum fehlt, mögen hier nur einzelne bedeutsame Punkte hervorgehoben werden.

Der filiicksbort

Roman von H. von K l i p h a u s e n.

Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Albrecht wurde aufmerksamer.Von wem ist dies Bukett?" fragte er ernst.

Seine Schwester nannte den bekanntesten Kunstgärtner der Stadt, doch er wehrte ungeduldig:Nein, wer gab es Dir? Keine Ausflüchte, Hedwig sei offen!"

Herr Morand."

Ah, also doch! Es ist eine große Anmaßung von dem Manne, und ich muß sagen, ich finde, daß er feine Verehrung für Dich offener znr Schau trägt, als eS für seine gesellschaftliche Stellung paßt. Du darfst die Blumen nicht tragen."

Sie sah ihn beinahe trotzig an.Und weshalb nicht? Wenn es mir beliebt und ich dadurch dem Fürsten zeigen kann, daß ich aus feine Huldigungen nicht achte, so tue ich es auch ohne deine Erlaubnis."

Hedwig, spiele nicht mit dem Feuer! Der Fürst ist eine so vortreffliche Partie nach jeder Richtung hin. Zudem halte ich eS nicht für edel, jenem Sänger entgegenzukommen, nur um einen unbequemen Freier abzuschütteln."

Du wirst doch nicht verlangen, daß ich den russischen Krösus heirate, wen» er mir antipathisch ist? O nein, Albrecht, zu verkaufen braucht sich eine Freienberg noch nicht."

Er sah mit stolzem Wohlgefallen die schöne Schwester an, die sich hoch ausrichtete und mit blitzenden Angen zu ihm hinblickte. Auch nicht eine Sekunde kam ihm dabei der Ge­danke, daß HedwigS Herz sich ernstlich dem Sänger zuwenden könnte. Daß Morand sich aber in sie verliebte, fand er natürlich, und er bedauerte ihn deshalb.

Hedwig, aber ich denke immer, du wirst den guten Fürsten Alexei Lermanosf noch lieben lernen, und fei versichert, du kannst mit keinem Manne so glücklich werben als eben mit ihm."

Darin sind ja wohl die Ansichten verschieden, bester Albrecht. Ah, da kommen schon die Gäste!"

Die Angriffe gegen die oberste Leitung der Reichsange­legenheiten, gipfelten in dem Vorwurf der Kamarilla. Fürst Bülow hat in seinen Ausführungen dem Gespenste der Kamarilla ein für allemal den Garaus gemacht. Er hat über­zeugend dargelegt, daß die erste Voraussetzung dieser Giftpflanze die Abgeschlossenheit und Unselbständigkeit des Monarchen sei, daß aber gerade gegen Kaiser Wilhelm II. ein derartiger Vor- wurs wohl noch nirgends erhoben worden sei. Darum soll mandas Gerede, das Geraune und Geflüster über die Kamarilla dahin werfen, wohin es gehört, nämlich in die Ver­gangenheit." Mit dem Vorwurfe der Kamarilla hängt eng zusammen das von Zentrum und Sozialdemokratie verbreitete Gerücht, Fürst Bülow habe den Reichstag aufgelöst, um sich gegen eine Kamarilla, die auf seinen Sturz hinarbeite, zu schützen. Fällt dieses Gerücht schon mit der Abwesenheit jeglicher Kama­rilla, so hat der Reichskanzler noch im besonderen Gelegenheit genommen, alles Gerede über einen Zusammenhang zwischen der Reichstagsauflösung und seiner persönlichen Stellung als unbegründet nachzuweisen, und er hat zugleich nochmals die wirklichen Gründe dieser Reichstagsauflösung mit aller Schärfe unb allem Nachdruck verkündet. Diese Gründe liegen nach der Erklärung des Fürsten Bülow darin, daß die Regierung sich die ihm vom Zentrum zugedachte Behandlung nicht ge­fallen lassen durste, und daß ein Kanzler, der am 13. Dezember anders hätte handeln wollen, nicht nur das Vertrauen der verbündeten Regierungen, sondern auch Ehre und Reputation verloren hätte. Diese Worte enthalten zugleich das Bekenntnis des Reichskanzlers, unerschütterlich an der Blockpolitik sesthalten zu wollen, und sind insofern von hoher politischer Bedeutung.

Im höchsten Maße interessant und bedeutsam waren auch die Ausführungen des Reichskanzlers über einzelne Fragen der auswärtigen Politik. So ließ er sich in äußerst höflicher und entgegenkommender Weise über das Vorgehen der Franzosen in Marokko aus, betonte aber dabei doch auch mit Festigkeit den Standpunkt des Deutschen Reiches, der durch die Algeciras- akte gegeben ist. Launig zerpflückte er ferner die Mär von der Kriegsgefahr, in der sich Deutschland nach den Offen­barungen Bebelscher Weisheit vor nicht langer Zeit infolge einer nicht zustande gekommenen Zusammenkunft des Kaisers mit dem Präsidenten der französischen Repulik befunden haben soll. Nachdem er ferner die mazedonische Frage kurz berührt hatte, gedachte er alsdann mit warmen Worten der Wieder­annäherung der deutschen und englischen Nation, deren äußeres Zeichen der Besuch unseres Kaiserpaares und dessen glänzender Empsang in England gewesen sei. Den Schluß der Dar­legungen des Reichskanzlers über auswärtige Politik endlich bildete ein Rückblick auf die Haager Konferenz. Der Kanzler betonte hierbei, daß Deutschland mit den Ergebnissen der Konferenz durchaus zufrieden sein könne, und spendete dem Wirken des deutschen Vertreters auf der Konferenz, Freiherr» v. Marschall, wärmste Anerkennung.

Recht unangenehm dürfte wiederum Herr Bebel das Auf­

Bald darauf begannen die Geladenen zu erscheinen, und fröhliches, buntes Leben herrschte in all den schönen Räumen. Mit Orden geschmückte Fracke wechselten mit blitzenden Uni­formen und kostbaren oder duftig hellen Damentoiletten ab; man lachte, plauderte, kokettierte und unterhielt sich, während die zahlreiche Dienerschaft überall Eis, Wein, Leckerbissen, Tee und Gebäck herumreichte. Unter all den anwesenden Damen jedoch strahlte Hedwig als erste Schönheit, und die Herren umschwärmten sie mit größtem Eifer.

Ludwig Morand hielt sich sehr reserviert im Hintergründe; das Bewußtsein, daß sie, die Königin des Festes, ihm allein gehöre, machte ihn so stolz, daß er es gar nicht zu bemerken schien, wie Graf Albrecht, der ihn sonst so liebenswürdig ins Gespräch gezogen hatte, ihn heute völlig zu übersetzen schien.

Er hatte heute Hedwig eine Neuigkeit mitzuteilen und suchte eifrig eine günstige Gelegenheit dazu; doch war es vor dem Souper nicht möglich, und erst nach demselben schien ihm das Schicksal hold zu sein.

Man forderte Gräfin Hedwig zum Singen auf und sogleich war Morand zur Stelle, um sich zur Begleitung auf den Flügel anzubieten.Ich habe so oft den Vorzug, die Damen zu begleiten," lächelte er gewandt,daß ich mir auch heute diese Auszeichnung nicht nehmen lassen werde. Sie erlauben es doch, gnädigste Komteß?"

Hedwig wurde blutrot, stammelte einige unverständliche Worte und legte sodann ihren Arm in den beS Künstlers, der sie zum Flügel führte.

Was soll ich spielen?" fragte er laut und fügte dann zu ihr gewandt mit halber Stimme hinzu:

j,Hedwig, mein Liebling, nun ist unser Glück besiegelt. Die Bestätigung meines Engagement bei der großen Oper in Paris ist seitens der Oberbchörde eingetroffen, das Engagement ist unwiderruflich abgeschlossen." Komteß Hedwig wurde in einem Atem rot und bleich und sie flüsterte:Gott sei Lob und Dank. Aber ivas soll ich jetzt singen? Ich glaube, ich bin dazu jetzt nicht imstande.

Du mußt singen. Sieh hier daS schlichte Thüringer Volkslied: Ach, wie ist's möglich, denn!"

Mühsam bezwäng sich Hedwig so weit, um einigermaßen

treten des Reichskanzlers empfunden haben. Der sozialdemo­kratische Parteipapst hatte es sich natürlich nicht nehmen lassen, auch bei der diesjährigen Etatsbcratnng wieder seine öden Kannegießereien und unfreiwilligen Späße zu verzapfen. Da­für wurde er vom Reichskanzler unbarmherzig zerzaust. Köst­lich schilderte dieser dierote Kamarilla", die vor demKönig Demos", der blöden Masse, aus dem Bauche rutscht und in ihrem Gebaren weit ekelhafter ist. als irgend eine Kamarilla, die sich je an einen Fürsten herangedrängt hat. Desgleichen geißelte er mit scharfen Worten den Despotismus der Sozial­demokratie und schloß seine zweite Rede mit den Worten, daß die Tyrannei von unten die drückendste und schlimmste von allen Tyranneien sei.

Die Reden des Reichskanzlers, die von der Mehrheit des Reichstages mit stürmischem, nicht endenwollendem Beifall aus­genommen wurden, haben in der gegenwärtigen, leider durch böswilligen Klatsch vielfach vergifteten Atmosphäre wie ein reinigender Luftzug gewirkt, und es bleibt nur zu hoffen, daß ihnen eine dauernde Wirkung beschieden sein möge.

Reichstag.

Die Generaldebatte des Reichstages über den Etat ent­wickelt sich fortgesetzt in interessanter Weise. Wie am Donners­tag, so sprachen auch am Freitag mehrere Vertreter der Reichs­und der preußischeu Regierung. Von ihnen ließ sich zunächst der preußische Finanzminister v. Rheinbaben vernehmen. Er polemisierte hauptsächlich gegen die absällige Kritik, welche der Nationalliberale Bassermann in der vorangegangenen Sitzung an der Steuer- und Finanzpolitik der verbündeten Regierungen geübt halte. Mit Entschiedenheit erflärte sich Herr v. Rhein­baben gegen die nationalliberalerseits vorgeschlagenen Steuer- projekte, gegen die Wehrftener, die Reichseinkommensteuer und die Reichsvermögenssteuer, aber er selber hüllte sich betreffs der neuen Einnahmequellen des Reiches, die er für geeignet hält, einigermaßen in Stillschweigen, nur so zwischendurch deutete er auf eine Erhöhung der Tabaksteuer und eine Zigarren- Banderollsteuer hin. Nach dem preußischen Finanzminister erhielt der sozialdemokratische Abgeordnete Bebel das Wort; seine Ausführungen waren selbstverständlich auf einen scharf oppositionellen Ton gestimmt. An der Finanz- und Steuer­politik des Reiches ließ er kein gutes Haar, er wies aus die anhaltende Teuerung der notwendigsten Lebensmittel hin, ver­dammte die neue Flottenvorlage nnd behandelte schließlich von seinem speziellen Standpunkte aus das Thema von der Berliner Hofkamarilla und die Enthüllungen des Moltke-Harden-Prozcß. Der preußische Kriegsminister v. Einem, welcher jetzt in der Rednerliste folgte, behandelte ebenfalls den Moltke-Harden- Prozeß und erörterte namentlich die Fälle der Grasen Hohenau und Lynar mit anerkennenswertem Freimut und versicherte im übrigen, die maßgebenden militärischen Kreise hätten von den Vorgängen in der Lynarschen Villa zu Potsdam vor den Ausschlüssen des Moltke-Horden-Prozesses keine Ahnung gehabt.

befriedigend das Lied vorzutragen, dann aber wandle sie sich an die Zuhörer und sagte mit einem schwachen Versuche zu scherzen:Ich bin heute durchaus nicht disponiert, meine Herrschaften, und muß schon sehr bitten, mich zu entschuldigen. Vielleicht ist Frl. von Ronau so liebenswürdig eine Rhapsodie von Lißt vorzuttagen; wir können ja alle ihr musikalisches Talent"'

Fräulein Julie saß neben Graf Albrecht und eS schien ihr keineswegs angenehm zu sein, unterbrochen zn werden, und sie lehnte etwas kühl die ergangene Aufforderung ab. Eine andere Dameopferte" sich, um die Unterhaltung der Gäste, die bei Musik viel lebhafter wurde, anzuregen. Langsam und unauf­fällig zog sich erst Hedwig und dann Morand in das Treib­haus zurück, welches an einem der Seitensäle sich befand. Tief erregt eilte Hedwig dort auf ihn zu und fragte ihn leidenschaftlich:

Was ist geschehen, Liebster? Sage mir noch einmal alles."

Zärtlich nahm er sie in seine Arme, küßte ihre Stirn und sagte nochmals feierlich:Hedwig, ick habe meine Anstellung als Sänger für drei Jahre an der Großen Oper in Paris, die anfänglich nur durch ein Konzertbureau provisorisch abge­schlossen war, von der Direktion der Großen Oper vollauf bestätigt erhalten, und Werbe schon morgen zu Deinem Vater gehen, um von ihm Dich als mein Weib zu begehren."

Es war zuviel deS Glückes. Schwindelnd lehnte sie ihr Köpfchen an seine Schulter, und Tränen tropften aus den schönen, blauen Augen; doch Worte fand sie noch immer nicht. Morand dagegen begann mit dem ganzen Feuer seiner Kunst ihr künftiges Leben zu schildern, so lockend und schön, so voller Glück, Ruhm und Glanz, daß Hedwig nach und nach gleichfalls ruhiger und zuversichtlicher wurde.

Sie werden schon zustimmen," hauchte sie, zu dem Ge­liebten emporblickend,Sie können nicht so hartherzig fein mein Louis, denn Sie sieben mich doch auch, und Albrecht"

Das ist mir gleichgültig,' ivaS Dein Bruder benfr," fuhr der schöne Sänger aus,er hat mich schon heute völlig ge­mieden. Was liegt mir an seiner Meinung!

Sprich nicht so," bat sie unruhig,er hat großen Einfluß