Einzelbild herunterladen
 

wahrscheinlich vorstellen, was das heißen will, den ganzen Tag in der glühenden Sonne und im Sande der Sahara zu marschieren. Verwünscht sei die Stunde, da ich diese Dummheit beging. Ich habe mir selbst fünf Jahre, sogar die besten meines Lebens, geraubt. Werter Herr Pfarrer! Ich hätte gern den Bries sreigemacht, aber die Mittel fehlen mir dazu, dies zu tun. Darum verzeihen Sie mir, daß ich Ihnen noch Unkosten mache. Der Herrgott wird's vergelten. Ich muß schließen, denn wir brechen aus, um weiter zu marschieren. Mit herzlichen Grüßen ein der Verzweiflung naher Sohn ..." Obwohl die Franzosen mit den leichtsertigsten Lockmitteln arbeiten, um ihre Fremdenlegion mit Deutschen auszusüllen, indem sie ihnen die Besörderung zum Offizier verheißen oder Staatspension Hinweisen, die nach 15jährigem Dienst zu erlangen sei, sollte man doch nach so unzähligen Enthüllungen Betrogener glauben, kein Gimpel werde mehr aus diesen Leim gehen. Statistisch steht sest, daß bisher noch nie ein Deutscher Offizier der Fremdenlegion geworden ist. Und die Wendungnach 15= jähriger Dienstzeit" ist gleichbedeutend mit der anderen:10 Jahre nach dem Tode". Denn kein Sterblicher hält bei der Fremdenlegion die furchtbaren Strapazen in dem heißen Klima, die maßlos rohe Behandlung durch die Vorgesetzten 15 Jahr hindurch aus. Dazu kommt der schlechte Umgang mit ver- worfenen Elementen, der zu zerrüttenden Lastern führt. Und doch fordert die Fremdenlegion noch jedes Jahr Massenopser deutschen Blutes!

Ueber eine geplante Aenderung der Tele­phongebühren berichtet die Straßb. Post: Die von der Reichspostverwaltung geplante anderweite Festsetzung der Gebühren für die Benutzung der Fernsprechleitungen wird eine Abänderung der Fernsprech-Gebührenordnung vom 20. De­zember 1899 ersordern. Letztere ist Reichsgesetz, es können also die bisherigen Bestimmungen nur auf Grund eines Ge­setzes anderweit geregelt werden. Da die neuen Tarife somit vorerst dem Bundesrat und Reichstag zur Beratung und Be­schlußfassung vorgelegt werden müssen, so werden sie frühestens am 1. April 1908 in Kraft treten können. Ueber die Neu­regelung der Fernsprechgebühren sind endgültige Entschlüsse von der Reichspostverwaltung noch nicht gefaßt; eingehende Beratungen hierüber sind aus der letzten im Reichspostamt abgchaltenen Konferenz gepflogen worden, zu welcher sämtliche Oberpostdirektoren sowie einzelne Direktoren von Post- und Telegraphenämtern zugezogen waren. Die Ergebnisse dieser Konferenz sind noch nicht bekannt geworden, es soll aber über die nachfolgenden Punkte eine Einigung erzielt worden sein: Die von dem Fernsprechteilnehmer zu zahlende Pauschgebühr kommt in Fortsall; es wird nur die Einzelgesprächsgebühr zur Erhebung gelangen, welche für jedes vermittelte Gespräch 3 Psg. betragen solle; die vom Teilnehmer zu entrichtende Ge­samtgebühr muß aber vierteljährlich mindestens 20 M. be­tragen. Es ist aber noch ungewiß, inwieweit diese Tarife wirklich zur Anwendung gelangen werden.

Dem Reichstage ist die Uebersicht über die Ergebnisse des Heeresergänzungsges chästs für das Jahr 1906 zugegangen. In den Listen wurden an 20-, 21-, 22jährigen im Aushebungsbezirk oder im Auslande ge­borenen und älteren Heerespflichligen insgesamt 1145 386 geführt. Von diesen wurden 921 ausgeschlossen, 33 327 aus­gemustert, 116 584 dem Landsturm, 82 846 der Ersatzreserve, 1854 der Marineersatzreserve überwiesen und 219 995 ausge­hoben, und zwar 207 335 zum Dienst mit der Waffe, 3158 zum Dienst ohne Waffe und 8902 für die Marine. End­gültig abgefertigt sind 510 735 Heerespflichfige oder 55,88 v. H. der Gesamtzahl, in das Heer eingestellt sind 275 403, darunter 14 473 (5,26 v. H.) zu einjähriger Dienstzeit, 226 892 (82,39 v. H.) zu zweijähriger Dienstzeit und 34 038 (12,36 v. H.) zu dreijähriger Dienstzeit.

Das zweitwichtigste Parlament in Deutschland, der p r e u - ßische Landtag, tritt an diesem Dienstag zu seiner neuen Session zusammen. Der Reichskanzler wird die Session in seiner Eigenschaft als preußischer Ministerpräsident mit der Ver­lesung einer Thronrede eröffnen; nach der gemeinschaftlichen Eröffnungssitzung halten beide Häuser ihre erste geschäftliche Sitzung ab. Wie verlautet, gedenkt Fürst Bülow in derjenigen des Abgeordnetenhauses die angekündigte neue Polenvorlage einzubringen und persönlich zu begründen. Die geplante Ent­eignung von Grundbesitz in. den Ostmarken soll nicht bloß auf den Geschäftsbereich der Ansiedelungskommisfion begrenzt werden, sondern auch nur so lange gelten, als die für ihre Zwecke in Aussicht genommene Summe von 400 Millionen Mark nicht ausgebraucht sein wird.

Ernste Nachrichten über revolutionäre S t r ö m u n g en in Portugal kommen aus Lissabon. Die Zensur wird sehr streng geübt. Inländische werden mit Deportation nach Afrika bedroht. Ein schwarzes Kabinett öffnet alle verdächtigen Briese. In Oporto wurden 13 Zeitungen gerichtlich belangt. Bedeutende Politiker schlagen sich zu den Republikanern. Der Sturz der Monarchie wird als unvermeidlich angesehen. In der Straße Barento in Lissabon kam eine Bombenexplosion vor, durch die zwei Personen getötet und eine schwer verletzt wurden. Die Verfertiger der Bombe waren ein Arzt, ein Elektriker und ein Seeoffizier. Die Bombe war für das könig­liche Theater bestimmt. Sofort erfolgten 38 Verhaftungen, später noch Hunderte. Zahlreiche Familien wandern nach Spanien und Frankreich aus; die Aufregung ist allgemein.

Hur Provinz u. Nachbargebiet.

* (Die neuen Zehnmarkscheine.) Die jetzt zur Ausgabe gelangenden neuen Zehnmarkscheine sind 14 cm breit und 9 cm hoch. Sie sind in grünlich-grauem Kupferstich­druck auf wellig geriffeltem Hanspapier hergestellt, das ein be­grenztes Wasserzeichen und aus der Rückseite links einen mit gemischten (orangeroten und grünen) Pflanzenfasern durchsetzten Streisen enthält. Die rechte Hälfte der Vorderseite zeigt das Kniestück einer Frauengestalt, deren rechte Hand, auf einen Sockel gestützt, einen Palmenzweig und einen Aeskulapstab hält, während die linke ein Ruder umfaßt. Der Sockel zeigt aus verziertem Untergründe die dunkle Ziffer 10 und dahinter den lichten Buchstaben M. Die Rückseite ist ähnlich den übrigen deutschen Kassenscheinen.

"(Die Fl eif chb e s ch a n in H es sen - N as sa n.) Im dritten Vierteljahr 1907 stellt sich die Zahl der Schlacht­tiere, die in Hessen-Nassau der Fleischbeschau unterworfen wurden, wie folgt: Pferde und andere Einhufer 498 (gegen 521 im zweiten Vierteljahr), Ochsen 9372 (8885), Bullen 1902 (1408), Kühe 15 296 (13 998), Rinder 13 701 (10113), Kälber 50 264 (50 268), Schweine 129 710 (127 046), Schafe 14 628 (11 207), Ziegen 127.2 (4544). Während in den verschiedenen anderen Provinzen auch Hunde geschlachtet wurden, so z. B. in Schlesien 237, ist in Hessen- Nassan kein derartiger Fall statistisch verzeichnet.

):( Hersfeld, 25. November. Die am Sonnabend abend in den Saal des Hotel Stern einberufene Versammlung zur Gründung eines Lehrlingsheims war aus

allen Kreisen der hiesigen Gewerbetreibenden, Handwerksmeister und Lehrerschaft recht gut besucht. Nach einigen einleitenden Worten des den Vorsitz führenden Herrn Pfarrers Schrader erteilte derselbe Herrn Rektor Schünemann das Wort zu seinem VortrageWas kann und muß für die schulentlassene Jugend geschehen?". In klaren Ausführungen entledigte sich der Herr Redner seines Themas aus das beste und zeichnete mit kurzen Strichen ein Bild, wie ein unter Mitwirkung weitester Kreise gebildeter Verein zur Fürsorge der schulentlassenen Jugend wirken und nutzen könne, um der immer mehr zu­nehmenden Verrohung unserer heutigen Jugend Einhalt zu tun. Der Herr Redner verbreitete sich auch dann im einzelnen über die Einrichtung eines Lehrlingsheims und dessen Aufgaben. Hier soll den Lehrlingen Gelegenheit geboten werden, in ihrer freien Zeit Unterhaltung durch Spiele, Lesen guter Bücher und dergl. zu finden. Belehrende Vorträge, gemeinsame Spaziergänge, Chorgesang von Volksliedern, dramatische Vor- träge, sowie Pflege der Handarbeiten, und Gründung einer Bibliothek und Sparkasse müßten angestrebt werden. Zum Schluß sprach der Herr Redner den Wunsch aus, daß sich die Mittel und vor allem die rechten Männer in unserer Stadt für diese für Vaterland und Gemeinde wichtige Aufgabe finden möchten. Nachdem Herr Pfarrer Schrader dem Herrn Redner für seine sehr interessanten Ausführungen gedankt hatte, entspann sich eine recht rege interessante Dis­kussion, an welcher sich die Herren Bürgermeister Strauß, Kaufmann Karl Schimmelpseng, Lehrer Hallenberger, k Kaufmann Hirschberger, Maurermeister Schulz, Metzgermcister Ko nrad Sander, Pfarrer Schrader, Schlossermeister T r a u t v e t t e r und Maschinenfabrikant S e x a u e r beteiligten. Nachdem sich fast alle Herren dafür ausgesprochen hatten, vorerst nur ein Lehrlingsheim zu gründen, beschloß die Versammlung demgemäß. Hiernach wurde eine aus den Herren Bürgermeister Strauß, Pfarrer Schrader und Rektor Schünemann bestehende Kommission gewählt, welche ein Statut ausarbeiten sollen, um es einer später ein- zuberufenden Versammlung zur Beratung vorzulegen, die als­dann auch den Vorstand wählen soll. Mit dem Wunsche, die nächste Versammlung noch zahlreicher zu besuchen, schloß Herr Pfarrer Schrader.

):( Hersfeld, 25. November. Anläßlich des Toten- sonntags herrschte aus den Friedhöfen bereits am Sonn­abend ein äußerst reger Verkehr, um die Gräber der Verstorbenen mit Kränzen und Blumen zu schmücken. Am gestrigen Sonntag war der Besuch der Grabstätten ganz außerordentlich zahlreich. Am, frühen Morgen bedeckte zwar die erste S ch n e e s ch i ch t dieses Winters die Gräber, doch schmolz die weiße Decke im Lause des Vormittags bereits wieder.

):( Hersfeld, 25. November. In der vergangenen Nacht kam es zwischen einigen jungen Burschen in der Brüdergasse zu Streitigkeiten, wobei ein junger Mann durch Messerstiche verletzt wurde. Der Täter ist unbekannt.

Homberg, 21. Nov. In Lehrbach wurde einem russischen Arbeiter von der Dreschmaschine ein Bein ausgerissen. Der Mann starb alsbald.

Schlächtern, 21. Nov. In Elm ist vorgestern nach­mittag ein schwerer Unglücksfall passiert. Ein junger 16jähriger Mann stürzte von einem Gerüst und erlitt derart schwere Ver­letzungen, daß er, ehe ärztliche Hilfe kommen konnte, seinen Geist ausgab.

Schlächtern, 22. Nov. Erhängt hat sich im benach­barten Langenau nach einem häuslichen Streite der Wald­arbeiter Huber. Der Bedauernswerte befand sich im betrunkenen Zustande, als er die unselige Tat beging.

Beverungen, 22. November. Ein unbekannrer Mann wurde gestern nacht in der Nähe von Nienhagen erfroren aufgesunden.

Mosheim, Kr. Homberg, 23. Nov. Einen schweren Unfall erlitt der hiesige Landwirt H. Wenderoth 1. Derselbe wurde beim Häckselschneiden von der Transmissionsstange, die seine Kleider gefaßt hatte, mehreremale herumgeschleudert, wodurch ihm ein 3facher Armbruch zugesügt wurde; auch wurden noch sonstige Verletzungen sestgestellt. Wenderoth hat auch schon vor einigen Jahren einen ziemlich schweren Unfall bei der Getreidemähmafchine erlitten.

Butzbach, 22. Nov. Ein tragisches Geschick traf die Familie des Lehrers Dallinger in'Oberkleen. Ihr einziger, 24 Jahre alter Sohn studierte in Marburg Philologie und befand sich im Examen. Anscheinend aus Sorge, er möge dieses nicht bestehen, erschoß sich der hoffnungsvolle Mann.

Brückenau (Rhön), 22. November. Bei der Kirchweihe in Wernarz kam es in der Mahlmeisterschen Wirtschaft zu einer Schlägerei, in deren Verlaus einem Brückenauer Einwohner ein Teil des Ohres, sowie eine Fingerspitze abgebiffen wurden.

Marsberg, 19. November. Durch einen kalten Trunk hat ein Arbeiter in Warstein den Tod gesunden. Der Mann trank, durch die Arbeit stark erhitzt, eine größere Menge kalten Bieres. ©leid}- nachher fühlte er sich unwohl, mußte sich zu Bett legen und starb nach zwei Tagen. Er hinterläßt eine Witwe und zwei Kinder.

Hanan, 21. November. Im benachbarten Dorfe Erbstadt erhängte sich der Gastwirt Balzer, als der Vollziehungsbeamte erschien, um einen Auftrag auSzuführen. Der Beamte wurde ersucht, kurze Zeit zu warten, der Wirt ging auf den Boden und verübte Selbstmord.

Frankfurt a. M., 21. November. Vor der Haustür der israelitischen Suppenanstalt wurde gestern abend ein Mädchen im Alter von 68 Wochen ausgesetzt. Das Kind hatte einen Bries bei sich, in dem stand, es würden der Anstalt jährlich 200 Mark und Kleider für das Kind geschickt. Die Mutter ist vollständig unbekannt.

Frankfurt a. M., 23. November. In einem Dorfe in der Nähe Frankfurts hat sich kürzlich folgende lustige Ge- schichte ereignet. Ein von auswärts an dem Apfelweinstamm­tisch der JagdgesellschaftGut Schuß" erschienener Landwirt gab eines Abends, als man dem Rauscher schon erheblich zu­gesprochen hatte, dem Wunsche Ausdruck, einmal eine Wildkatze zu schießen.Das könne Se hier hawwe", sagt Christian, der Präsident der Gesellschaft, und es wurde verabredet, daß man sich am nächsten Nachmittag nach Schluß der Arbeit am Waldeingang znm gemeinschaftlichen Pirschgang treffen wollte. Wenn ich eine Wildkatz schieß", sagt der Auswärtige,dann stift ich e Fäßche Aeppclwein und zweimal Rchbrate fürn Stammtisch." Am nächsten Morgen sah man den Christian schon in aller Frühe ins Feld fahren. WaS er da zu tun hatte, war eigentlich niemand recht klar. Aber als er gegen Mittag in die WirtSstubetrat, um einen Dauborner zu trinken, schmunzelte er ganz vergnügt. Nachmittags zur verabredeten Stunde traf sich die Jagdgesellschaft, der AuSwärtige hat seinen Drilling bei sich, wie er sagte,für alle Fälle." Man streifte einige Stunden im Walde umher und Christian hatte Gelegen­heit' seinen Getreuen zu sagen, daß sie zu allem, was heute geschehe, schweigen sollten. Es wurde allmählich fast dunkel und man näherte sich schon allmählig dem AuSgang deS

Waldes, ohne auf ein Stück Wild gestoßen zu sein, alS plötzlich Christian stehen blieb und flüsterte:Do owe sitzt aan!" Gleichzeitig deutete er mit der Hand nach einer ziemlich nied­rigen Buche, auf der man tatsächlich ein katzenartigeS Tier erblickte. Der Ausländer machte lebhafte Zweifel geltend, daß es sich hier um eine Wildkatze handle. Aber Christian wußte ihn zu beschwichtigen, indem er sagte:Ich mach jed Weitung, es is aan." In demselben Moment riß der Ausländer seinen Drilling an die Backe und feuerte einen Rehposten und eine halbe Sekunde später eine Schrotladung nach dem Katzentier ab, das, ohne noch ein Glied zu rühren, vom Baum purzelte. Tell, apporte", sagte Christian, und wenige Minuten später legte der brave Grision seinem Herrn die Jagdbeute vor die Füße.Ein stattliches Exemplar", sagten alle Mitglieder über­einstimmend, und der alte Heiner, der weit über die siebzig ist, erklärte feierlich:So e Mordsvieh hab ich mei Lebtag noch net gesch." N^r der Ausländer war etwas mißtrauisch, benn die Wildkatze kam ihm etwas klein vor, aber er konnte nicht anders, als die Jagdbeute einstweilen freudig mitzunehmen und für die freundlichen Glückwünsche der Jagdgesellschaft danken. Man zog in die Kneipe, das Fäßchen Aepfelwein wurde auf­gelegt, der frische Rehbraten erschien, und so war die Stimmung die allerbeste. Am allervergnügtesten war Christian. Am nächsten Tage stand im Lokalblättchen:Weidmannsheil! Der bekannte Nimrod Herr X. hatte das seltene Jagdglück, im Revier der JagdgesellschaftGut Schuß" einen prächtigen Wildkater zu erlegen, wohl eins der letzten Exemplare, dienoch in unserer Gegend vorhanden waren." Direkt darunter laS man:Ein srecher Diebstahl. Der spanische Riesenkater, den, wie seinerzeitgemeldet, der Gastwirt Müller dahin direkt auS Madrid bezogen hatte, ist in einer der letzten Nächte gestohlen worden. Die Polizei fahndet eifrig nach dem Täter." Am nächsten Vormittag trat Christian, der Präsident der Jagd­gesellschaft, in eine längere Verhandlung mit dem Gastwirt Müller, die damit endete, daß die Gesellschaft ihren Stammtisch dorthin verlegte.

Frankfurt a. M., 23. Nov. Die SchlosserSsrau Luise Merker, die sich am 20. August d. Is. Hier ver­heiratete, hat kurz vor Eingehen ihrer Ehe ihren zweijährigen außerehelichen Sohn zuerst zu erdrosseln versucht und ihn dann im Kleiderschrank versteckt, wo er erstickt ist. Später hat sie die Leiche in einen eisernen Tops getan, Asche daraus geschüttet und den Topf im Keller vergraben. Der Ehemann hatte keine Ahnung von der schrecklichen Tat seiner Frau. Jüngst wurden nun Recherchen nach dem Kinde angestellt und die Leiche von der Kriminalpolizei im Keller entdeckt. Die Frau hat ihre Tat eingestanden.

Nordhausen, 22. Nov. Ein schwerer Unfall ereignete sich auf dem Bahnhof Sollstedt. Um den fahrplanmäßigen Schnellzug pasfieren zu lassen, sollte eine Vorspannlokomotive auf ein blindes Gleis gesetzt werden. Irrtümlicherweise glaubte der Führer der Maschine, ein dem Casseler Zuge gegebene» Signal gelte ihm, und fuhr mit Volldampf aus einen Prell- bock, sodaß die Maschine die Böschung herabstürzte. Der Lo­komotivführer erlitt schwere innere Verletzungen und der Heizer ist gleichfalls schwer verletzt.

Aus Thüringen, 21. Nov. In Jena mußte ein junger Mann aus Eisenberg sich einer Operation unterließen, um sich ein Zündholz aus der Luftröhre entfernen zu lassen, das ihm in frevelhaftem Scherz von einem Bekannten inS Bier geworfen und so in den Hals geraten war. Auf Bahnhof SanderS- dors versuchte der Schlosser Bruno Rau von Lütterfeld aus den bereits im Gange befindlichen Zug zu springen, glitt aber aus und geriet unter die Räder. Er wurde fürchterlich ver­stümmelt und verschied nach wenigen Augenblicken. In Herda sprang der Schreiner Friedrich Rabich in der Scheune von einem Gerüst herab, wobei er auf den Stiel einer Heu­gabel fiel, sodaß diese ihm in den Leib eindrang. Der Ver­letzte mußte ins Krankenhaus nach Eisenach verbracht werden,, wo er inzwischen verstorben ist.

Eisenach, 22. November. Das große Los der preu­ßischen Klassenlotterie in Höhe von 500 000 Mark ist nach Eisenach in die Kollekte des Herrn Gustav Seiffert gefallen. Die Gewinner sollen kleine Geschäftsleute und Beamte sein.

800 Millionen Franks soll die in Gens verstorbene Baronin Rothschild hinterlassen haben. Die Stadt hat 20 Millionen Erbschaftssteuer zu beanspruchen.

Königsberg i. Pr., 21. November. Wie die Abendblätter melden, sind im Mühlenteich von Lauth bei Königsberg gestern vier Kinder beim Spielen aus der dünnen Eisdecke eingebrochen und ertrunken.___________________________

Letzte Nachrichten.

Tanger, 24. November. Ein Funkentelegramm meldet aus Mazagan, daß die scherifischen Truppen die Stadt ohne Zwischenfall besetzten und von der Bevölkerung lebhaft begrüßt wurden. Auch von Muley Hafid eingesetzte Beamte nahmen an der Begrüßung teil.

Rabat, 24. November. Nach hier eingetroffenen Meldungen fand ein Kamps zwischen den Truppen Buchta Ben Bagdadis und Muley RaschidS statt, letzterer hatte einen Ver­lust von zwei Toten, behauptete jedoch daS Feld und setzte den Vormarsch fort.

Reims, 24. November. Durch eine gewaltige Explosion wurde eine Weberei zum größten Teil zerstött. Zahlreiche Arbeiter wurden verwundet oder getötet. Zwei Arbeiter mürben bisher tot unter den Trümmem hervorgezogen. 500 Arbeiter sind durch die Katastrophe brotlos geworden.

M a d r i d, 24. November. Madrider Preßberichte schildern die Lage in Portugal als sehr ernst. Alle Reservisten seien einberufen.__

Brünn, 24. November. Etwa 45000 Personen hielten heute wegen der Höhe der Lebensmittelpreise eine Protestversammlung ab, in der sozialdemokratische Führer An­sprachen hielten. Hieran schloß sich ein Umzug durch die Straßen der Stadt.

London, 24. November. Als der HandelSminister Lloyd George sich heute im Automobil von Manchester nach London begab, wurde er in der Nähe von Lichtfield infolge eine» Stoßes des Wagens an einet unebenen Stelle der Landstraße gegen den gläsernen Windschirm geworfen. Dem Minister wurde durch Glassplitter daS linke Augenlid ausgeschnitten, sodaß eS genäht werden mußte. Hierauf setzte der Minister die Reise nach London fort.