verstorbenen Großherzogs von Baden niedergelegt worden sei. Nachdem dann daS Haus das Andenken der seit Beginn der sommerlichen Vertagung verstorbenen Abgeordneten Nißler und Dasbach in der üblichen Weise geehrt hatte, trat man in die Tagesordnung ein. Sie wies lediglich Berichte der Petitions- kommission aus, die erörterten Petitionen fanden fast sämtlich nach den Anträgen der Kommission Erledigung. Nur bei einer Petition, welche vom Bunde deutscher Barbier- und Friseur-Innungen eingereicht worden ist und die den Innungen die Berechtigung eingcräumt wissen will, Mindestpreise für bestimmte Leistungen festzusetzen, drang der Kommissionsvorschlag nicht durch. Die Kommission hatte Ucberweisung an den Reichskanzler als Material beantragt, nach längerer Debatte nahm Zidesien das HauS einen Antrag des Zentrumsabge- ordneten Ick an, die Petition zur Berücksichtigung zu überweisen. Von sonst noch allgemeiner interessierenden Petitionen wurden eine Petition wegen Ausbaues der sozialpolitischen Gesetzgebung dem Reichskanzler ebenfalls zur Berücksichtigung, eine andere, vom allgemeinen Handwerkerverein zu Dresden stammende Petition, welche sich gegen eine weitere Belastung der Arbeitgeber zu sozialpolitischen Zwecken wendet, zur Kenntnisnahme überwiesen. Am Sonnabend beschäftigte sich der Reichstag mit dem deutsch-niederländischen Versicherungsvertrag und mit der noch aus der ersten Sejsionshälste restierenden Vorlage,. betr. die Einschränkung wegen Bestrafung der MajestätSbckeidigungcn. Dem Reichstage liegen von größeren ganz neuen Beratungsstoffen bis jetzt vor der Etat für 1908, die Novellen zum Flottengesetz und zum Börsengesetz, der Ge- setzentwurs über das Neichsvereinsrecht und die Wechselprotest- vorlage. Weiter sind dem Haus zugegangen die Uebersicht über das Heeresergänzungsgeschäft für 1906 und eine Interpellation Kanitz über die stuttgefundene Erhöhung des Reichs- bankdiskontS.
Am. Sonnabend teilte der Präsident Graf Stolberg- Wernigerode zu Beginn der Sitzung mit, daß mehrere neue Interpellationen eingegangen sind. Die Sozialdemokraten fragen an, was der Reichskanzler gegen die Teuerung der Lebensrnittel und Kohlen zu tun gedenkt, die Konservativen interpellieren wegen des hohen Standes der Kohlenpreise. Auf der Tagesordnung stand der in Berlin unterzeichnete Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und den Niederlanden über Unfallversicherung. Der nationalliberale Abgeordnete Junck bemängelte die unklare Fassung des Textes, erklärte sich aber inhaltlich mit der Vorlage einverstanden. Der Sozial- demokrat Stadthagen wollte in dem Vertrage keine Vorteile für die deutschen Arbeiter finden und beantragte Kommissionsberatung. Direktor Caspar vom Reichsamt des Innern gab dem Bedenken Ausdruck, daß dadurch das rechtzeitige Zustandekommen des Vertrages, aus das die Industrie großen Wert lege, gesährdet werden könnte. Der Abgeordnete Dr. Dove von der Freisinnigen Vereinigung befürwortete trotzdem Ueber- weisung an eine Kommission, da diese Vorlage die erste ihrer Art sei und vermutlich auch die Grundlage für ähnliche Ver- träge in der Zukunft bilden würde.
Der Zentrumsabg. Schiffer trat für den Antrag ein und polemisierte dabei gegen den Abg. Stadthagen, wonach sich eine längere Auseinandersetzung zwischen Zentrum und Sozial- demokratie entspann. Die Debatte schloß mit der Ucberweisung der Vorlage an eine Kommission von 14 Mitgliedern.
Darauf trat das Haus in die erste Beratung des Gesetzes betr. die Bestrafung der Majestätsbeleidigung. Der Staatssekretär deS Reichsjustizamts Dr. Nieberding emvsahl den Entwurf zür Annahme; er solle einen vorläufigen Ausgleich zwischen dem allgemeinen Rechtsempfinden und den strengen Ersorderniffen der formalen Justiz darstellen. Er habe also nur eine interimistische Bedeutung. Er solle überleiten zu dem Strafgesetzbuch einer nahen Zukunft. Die Revisionsarbeiten seien soweit fortgeschritten, daß der Abschluß noch im Lause des Sommers zu erwarten sei. Der Entwurs solle Mißstimmungen beseitigen und dem inneren Frieden dienen.
Gustav Simon, Hersfeld, Weinstratze 619, Sperlalhaus für Herren- und Knaben Garderobe, fertig und nach Maß.
MT Neu eröffnet. ^WWU
Str ntnt Reichselat.
Aus dem Reichshaushaltsetat für 1908 hat die „Nordd' Allg. Ztg." bemerkenswerte Zahlen und Einzelheiten veröffentlicht. Danach erfordert das Auswärtige Amt bei einer Einnahme von 1379 760 Mk., das ist gegen das Vorjahr mehr 198 030 Mk., an fortdauernden ordentlichen Ausgaben 17 569 032 Mk., mehr 694 550 Mk., an einmaligen Ausgaben 360 950 Mk., weniger 409 400 Mk. Der Fonds zur Förderung deutscher Schulen- und Unterrichtszwecke im Auslande ist von 650 000 aus 8ö0 000 Mk. erhöht. • Im Etat der Reichsjustizverwaltung find die Einnahmen mit 863 755 Mk., mehr 60 000 Mk., die fortdauernden Ausgaben mit 2 563 930 Mk., mehr
„3a doch, im Ernst. Ich werde ihm im Kotillon eine Schleife bringen, verlassen Sie fich daraus."
„Und mir nicht?"
„Mit Ihnen tanze ich ja, da iff§ nicht nötig," erwiderte sie kokett berechnend.
Sie sah lächelnd zu ihm auf, und der junge Offizier vergaß bald über der Bewunderung, die ihm diese Augen ein- flößten, völlig ihre Warnung, die ihm ja auch nur wie ein törichter Scherz vorkam. Auch als er im Kotillon Morand und seine Schwester miteinander tanzen sah, dachte er nur, daß wie er viele andere Herren heute seiner Schwester huldigten.
Aber die Liebe hatte schon gesiegt. Zehn Minuten vor Beginn des Tanzes hatte Ludwig Morand vor der schönen Gräfin auf den Knieen gelegen, ihr seine Liebe gestanden und geschworen, daß er nicht leben könne ohne sie. Und Hedwig? Wie im Traume hörte sie ihm zu, litt es, daß er ihre Hand leidenschaftlich küßte, und versprach sein Weib werden zu wollen, koste es, was immer es wolle. Dann, als die Klänge der Musik zum Kotillon riefen, eilte sie hinein in den Saal, weltvergessen und doch überselig auf den Wogen des Tanzes weiter zu träumen von ihrem jungen Glück.
So ging es den Winter über fort; sie sahen sich aus der Eisbahn täglich, und Ludwig Morand drängte ungestüm, den Ehebund hnmlich zu schließen, um dadurch mit einem Schlage alle sich entgegentürmenden Hindernisse zu beseitigen. Hedwig sträubte sich energisch gegen dieses Ansinnen, ihr ganzes Leben lehnte sich aus bei dem Gedanken, ohne Wissen und Willen der Eltern diesen ernsten Schütt zu tun.
So blieb die heiße Liebe wie das ersehnte Eheglück der Komtesie und Morands heimlich und ungestillt und schier unerreichbar, während gerade unter diesen Verhältnissen ihre liebeglühende Leidenschast immer mächtiger emporloderte.
Ludwig Morand sann da aus immer neue und kühnere Pläne, um die Komteß als feine Gemahlin zu erringen. Eines Abends erklärte er Hedwig, er werde in Paris an der Großen Oper Drei Gastspielrollen auf Engagement fingen, und wenn er dort mit einem Honorare von hunderttausend FrancS jährlich eingestellt werde, dann könne er ihr alles bieten, was die vornehmsten Damen beanspruchen, und sie müsse
46 240 Mark, vorgesehen. Das Reichskolonialamt weist aus an ordentlichen Einnahmen 260 665 Mk., an außerordentlichen 168 000 Mk. als vierte Tilgungrate des Reichsdarlehns an Togo, an fordauernden Ausgaben 1 899147 Mark, mehr 250119 Mk. Hervorzuheben ist die Erhöhung des Fonds zur Vorbereitung von Krästen für den Kolonialdienst von 42 000 aus 130 000 Mk.
Die einmaligen Ausgaben des ordentlichen Etats für die Schutzgebiete betragen einschließlich der Reichszuschüsse 45 768 783 Mk., mehr 9 780 326 Mk. Zur Erforschung des Eingeborenenrechts soll eine besondere Kommission von Rechtsgelehrten und Mitgliedern des Reichstages berufen werden. Für die Vorarbeiten zur Erschließung der Schutzgebiete werden 100 000 Mk. anstatt wie bisher 50 000 Mk. gefordert. Der Haushaltsetat der Schutzgebiete schließt in Einnahme und Ausgabe mit 84 022 647 Mk. ab. Die eigenen Einnahmen des Ostafrikanischen Schutzgebietes sind mit 5 803 738 Mk., die sortdauernden Ausgaben mit 1 422651 Mk., die einmaligen Ausgaben mit 1040 200 Mk. und der Reservefonds mit 14 149 Mk. vorgesehen. Der Etat für Kamerun ist in Einnahme und Ausgabe auf 6 610 239 Mk. veranschlagt. Die eigenen Einnahmen des Schutzgebietes betragen 3 830 100 Mk., der Reichszuschuß 2 780139 Mk. Das Schutzgebiet Togo bedarf auch im nächsten Rechnungsjahre keines Reichszuschusses. Der Etat schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2 070 060 Mk. ab. Die eigenen Einnahmen von Südwestasrika sind mit 4 904 000 Mk. veranschlagt, dazu tritt eine Ersparnis aus dem Rechnungsjahre 1904 von 184 086 Mk. Zur Balan- zierung der Ausgaben von 48 751357 Mk. ist also ein Reichs- zuschuß von 43 663 271 Mk. erforderlich. Im Hauptposten der einmaligen Ausgaben bildet die drittletzte Rate die Fortführung der Bahn Lüderitzbucht-Kubub nach Keetmanshoop mit 8 200 000 Mk. Die eigenen Einnahmen des Schutzgebietes Neuguinea sind mit 381 000 Mk. veranschlagt. Als Reichszuschuß sind 1141569 Mk. erforderlich. Für die Karolinen-, Palau-, Marionen- und Marschallinseln ist bei einer eigenen Einnahme des Schutzgebietes von 175171 Mk. ein Reichszuschuß von 383 369 Mk. erforderlich. Die eigenen Einnahmen des Schutzgebietes Samoa sind auf 560100 Mk. veranschlagt. Es ist ein Reichszuschuß von 144482 Mk. notwendig. Für Kiautschou ist bei eigenen Einnahmen von 1725 800 Mk. ein Reichszuschuß von 10 601600 Mk. erforderlich.
Die Verwaltung der Reichseisenbahnen Hot an Einnahmen im ordentlichen Etat 124 532 000 Mk. und im außerordentlichen Etat 370 910, an fortdauernden Ausgaben 95148 000 und an einmaligen 6 832 870 Mk. Bei der Gesamtausgabe des ordentlichen Etats von 101 980 870 Mark verbleibt also ein Ueberschuß von 23 551 130 Mark. Im außerordentlichen Etat werden 19 736 500 Mk. verlangt. Im Etat des Reichsamts des Innern werden zur weiteren Förderung des Zeppelinschen Luftschiffunternehmens 2150000 Mk. gefordert. Im Etat für das preußische Militärkontingent ist beim Trainwesen 1 Million als erste Rate zur Beschaffung von fahrbaren Feldküchen eingestellt.
Dem Marineetat ist eine Denkschrift beigegeben, in der auch der Entwurf eines Gesetzes wegen Aenderung des § 2 des Flottengesetzes vom 14. Juni 1900 berücksichtigt ist. Sie enthält eine neue Berechnung der voraussichtlichen Gestaltung des Marincetats 1908 bis 1917 und erörtert die Gründe, welche die eingetretene Steigerung des Geldbedarfs und damit die Ausstellung der neuen Geldbedarssberechnung notwendig gemacht haben. Es werden erste Bau- und Armierungsraten gesordert für drei Linienschiffe — Ersatzbauten sür die Schiffe „Oldenburg", „Siegfried" und „Beowulf" — für einen großen Kreuzer — planmäßiger Vermehrungsbau —, für zwei kleine Kreuzer — Ersatzbauten für die Schiffe „Schwalbe" und „Sperber", —, für ein weiteres Flußkanonenboot zur Vertretung der Handelsinteressen aus den Strömen Chinas und für eine Torpedobootsflottille.
Ae Kirren in Rarokkn.
Paris, 24. November. Einer vom 21. November datierten Meldung aus Casablanca zufolge hat General Drude am letzten Mittwoch die Verteidigungswerke von Casablanca besichtigt, von denen sich noch mehrere im Bau befinden. Diese Forts sollen einen vollständigen Ring um Casablanca bilden und die Stadt und das Lager vor den Angriffen der Eingeborenen schützen. Die Spanier beginnen mit dem Bau von Winterbaracken. Die spanische Kavallerie ist jetzt vollständig in die Heimat zurückgezogen, es bleiben nur eine Abteilung des 69. Infanterie-Regiments und einige Geniesoldaten zurück.
Oran, 24. November. Eine von Portsay abgegangene
ihm nach Paris als feine Gattin folgen. Morand betonte auch, was er schon früher erklärt hatte, daß ein Urgroßvater ein französischer Baron gewesen und als politischer Flüchtling während der großen französischen Revolution sein Hab und Gut verloren und nach Deutschland geflohen sei, wo er den Adel aus Armut habe ablegen müssen.
Aber eine Seitenlinie der Barone von Morand lebe noch in Frankreich, und wenn er als Sänger in der Großen Oper zu Paris zu Ansehen und Vermögen gelange, so könne er mit Hilft der Barone von Morand auch den verloren gegangenen Baronstitel wieder erlangen.
Die Schilderung dieser verlockenden Aussichten klang natürlich wie Engelsmusik in Hedwigs Ohren, und im nächsten Monate ging Morand tatsächlich nach Paris zum Gastspiel an der Großen Oper.
(Fortsetzung folgt.)
— (Das Wagenrad im Damenhutkarton.) Ein ungewöhnliches Postkuriosum wird aus Gr.-Cronau bei Allenstein in Ostpreußen gemeldet. Die Ehefrau eines dort ansässigen Gastwirts erhielt vor kurzem von ihrer Schwester aus Schönbrück ein Paket, dessen Inhalt, wie der Adressatin bekannt war, aus einem Damenhut im Werte von etwa 18 Mark bestand. Bei Ausgabe deS Pakets wog es iVa Kilogramm, bei der Zustellung in Gr.-Cronau aber merkwürdigerweise — ganze 9 Kilogramm. Der Gastwirtsfrau wurde daher die Sendung erst nach Zahlung eines dem großen Uebergewicht entsprechendes Strasportos ausgehändigt. Bei Oeffnung des Pakets fand sich des Rätsels Lösung. In dem Hutpaket lag noch ein zweites, daS an den Schmiedemeister Krämer in Wartenberg adressiert war und ein 7V2 Kilogramm schweres Wagenrad enthielt. Das Rad hatte auf der Post oder während des Transportes den Hutkarton durchgestoßen und war, ohne daß es jemand bemerkte, in diesen hineingeraten. ES hat sich in dem Karton offenbar sehr wohl befunden, da ihm der Damenhut ein weiches Lager bot; dem Hute dagegen gereichte die ungewohnte Last weniger zum Vorteil, auS der ursprünglichen modernen Glockensorm war zum Entsetzen
RekognoSzierungS-Abteilung ist in den Schluchten am Flusse Kiß von einer großen Zahl Marokkaner angegriffen worden. Der Kampf dauerte von 8 Uhr morgens bis mittags. Aus Seite der Franzosen wurden sechs Mann verwundet. Die Marokkaner zogen sich schließlich zurück. Die französischen Truppen besetzten den Platz und nahmen viel Vieh weg.
Lalla Marnia, 23. November. Zwei Kompagnien Tiralleure, zwei Kompagnien Zuaven, eine Kompagnie der Fremdenlegion, eine Schwadron Spahis, eine halbe Batterie Feldartillerie und eine halbe Sektion Gebirgsartillerie sind um Mitternacht unter dem Kommando des Obersten Felineau ins Gebiet der Beni Snassen abmarschiert. Seit 7 Uhr morgens hört man ohne Unterbrechung Kanonendonner von dem Hügel Verbuch her. — Die Expedition gegen die Beni Snassen verfolgte den Zweck, sie zur Zahlung einer Kontribution von 5000 Franks zu zwingen, die sie wegen ihres im Oktober ausgeführten Angriffs zu entrichten versprochen hatten.
Ae Sorgänge in WM.
Odessa, 23. November. Bor dem Kriegsgericht werden sich demnächst zwei Personen, ein Student und ein Bauernmädchen, unter der Anklage zu verantworten haben, im Frühjahr 1907 im Verein mit anderrn Personen einen gewissen Melnikow, Mitglied des Russischen Verbandes, gemartert zu haben. Die Angaben Melnikows riefen damals ungeheure Erregung hervor.
Baku, 23. November. Zwanzig Räuber drangen an Bord des der kaukasischen Handelskompagnie gehörigen Schiffes Cesarewitsch, das die Post nach Krasnovodsk brächte. Sie nahmen die Post weg, nötigten den Kapitän in der Nähe von Baku anzuhalten und verschwanden bei dem Dorsr Zikh.
W l a d i w 0 st 0 k, 24. November. Die Untersuchung über die Meuterei des Minenbataillons am 29. Oktober und mehrerer Torpedoboote am 30. Oktober ergab Schuldbeweift für 198 Untermilitärs des Minenbataillons, dreier Torpedoboote, des Kreuzers Askold und der 15. Kompagnie des sibirischen Geschwaders. Diesen, den Kommandeuren zweier Torpedoboote und zwei Bauern wird seitens der Militärgerichte der Prozeß gemacht werden. Die Verhandlung wird morgen beginnen und unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfinden.
Aus jn* und Ausland.
Berlin, den 25. November 1907.
AuS Highclisfe, 24. November, wird gemeldet: Der Kaiser unternahm gestern nachmittag eine Ausfahrt im Automobil und arbeitete später allein. Nach dem Diner wurde aus dem Buche des Generals Frhrn. von der Goltz „Von Jena bis Preußisch-Eylau" vorgelesen. Heute war das Wetter prächtig. Der Kaiser besuchte mit sämtlichen Herren des Ge- solges den Gottesdienst in der Kirche von Highcliffe. Das Publikum, das sich am Eingänge des Schlosses versammelt hatte, begrüßte den Kaiser ehrerbietig. Nach dem Gottesdienst sprach der Kaiser im Park die Familien des Obersten Stuart Wortley und des Sir Alfred Coppers. Zum Frühstück waren die Kommandanten der „Hohenzollern", der „Königsberg" und des „Sleipncr" geladen. Nachmittags machte der Kaiser eine Ausfahrt.
(Eine nicht oft genug zu wiederholende Warnung!) Die Literatur über die grenzenlos traurigen Erfahrungen, die gerade Deutsche in der französischen Fremdenlegion machen, füllt jetzt schon eine kleine Bibliothek. Aber die Dummen werden nicht alle. Aus Furcht vor dem gelinden Zwange unserer heimatlichen Heeresdisziplin setzen sie sich dem Siechtum oder dem Tode in der französischen Kolonialtrnppe aus. Meist zu spät gehen ihnen dann die Augen aus und über. So schreibt wieder ein deutscher Fremdenlegionär, der aus Mülheim an der Ruhr stammt, an seinen Pfarrer nach Hause: „Sie können nicht glauben, welche Reue ich über meinen Leichtsinn habe, aber es ist zu spät. Ich muß die fünf Jahre, für die ich unterschrieben habe, aushalten. Aber wie! Mit Hohn und Verachtung von feiten der Franzosen. Werter Herr Pfarrer! Besonders jetzt, wo wir jeden Tag nach Marokko gehen können . . . damit ich für ein sremdes Land in den Krieg ziehen kann, wo es nichts als Entbehrungen, Hunger und Durst und Verwünschungen noch dazu gibt. Ich habe schon öfters geweint . . . weil ich mein Vaterland so leichtsinnig verlassen habe. Ich glaubte, in der Legion die Kriegspalme zu holen, aber wie anders war die Wirklichkeit! 10 Sous (40 Pfennig!) alle zehn Tage ist die ganze Löhnung, die der Soldat bekommt. Dafür muß er im Süden den ganzen Tag aus Wache oder auf Erkundigung sein. Sie können sich
der Empfängerin diejenige eines Eierkuchens entstanden. Der Gastwirt hat daher namens seiner Frau Schadenersatz für den unbrauchbar gewordenen Hut beantragt, und die Post dürste nach Lage der Sache auch dafür auskommen müssen.
— (Das lautsprechende Telephon im Reichstag.) Eine interessante Neuerung auf dem Spezialgebiete der Telephone ist im Reichstag eingesührt worden: Der Präsidentensitz ist ganz unauffällig mit dem Journalistenrestaurant einerseits und dem Bureau deS Direktors andererseits durch ein lautsprechendes Telephon von Mix u. Genest verbunden. Sämtliche Vorgänge im Reichstage werden den Vertretern der Presse nach diesen Räumen durch den „Lautsprecher" so deutlich mitgeteilt, als ob sich die Herren auf ihren Plätzen im Sitzungssaals befänden. Den Journalisten ist aus diese Art Gelegenheit gegeben, sich in anderen Räumen auszuhalten, ohne Sorge haben zu Mssen, Ereignisse von Bedeutung zu verfehlen. Es dürste interessant sein, zu sehen, wie der Uneingeweihte überrascht ist, wenn der „Lautsprecher" während der Unterhaltung alles übertönt und verkündet: „Der Herr Reichskanzler hat das Wort!", denn die Apparate sprechen derart laut, daß sie alle Nebengeräusche, Stimmengewirr usw. übertönen und in jeder Ecke des „EntenpsuhlS" klar und deutlich zu verstehen sind.
— Eine traurige Erinnerung auS dem H e r e r 0 - A u f st a n d bringt die „SüdwestasrikanischeZtg.": Ende Juni d. Js. unternahm Lentnant Bullrich, der Stationschef von Rictsontein-Ost mit acht Kamelen einen Ritt zur Erkundung des KalaharigebietS nördlich Rietsontein. Leutnant Bullrich fand im Omuramba den Platz, an dem die Herero im Jahre 1904 lange gesessen hatten (nach dem Kamps am Waterbcrge, wo ihre Macht gebrochen worden war), bis sie durch Austrocknen der Wasserstelle gezwungen wurden, ins Englische überzutreten. Fast bis an diesen Platz ging im November 1904 der Zug des HauptmannS Klein. Einsam und verlassen stand noch eine Protze da mit vielen Granaten und Schrapnells, die von Hauptmann Klein dort gelassen wurde. Dann fand Leutnant Bullrich in einem kleinen Nebental ein Feld menschlicher Knochen, die von verdursteten Herero herrührten.