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Hersfelder Kreisblatt
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage*
• Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8
Nr. 140t Dienstag, den 26. November 1907»
Amtlicher teil.
Hersfeld, den 21. November 1907.
Nachstehend veröffentliche ich die Nachmessung über die
Ergebnisse der Herbstkörung der Zuchtbullen im Kreise.
Die Ortspolizeibehörden und die Königliche Gendarmerie haben strengstens darüber zu wachen, daß die für untauchlich befundenen Bullen zur Nachzucht nicht verwendet werden. Zuwiderhandlungen gegen die Polizeiverordnung vom 17.
Verzeichnis der zur Herbstkörung angemeldeten Bullen.
Januar 1879 — Kreisblatt Nr. 8 — sind unnachsichtlich zur Bestrafung zu bringen.
I. 11031. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Thamer.
<s
Gemeinde.
Anzahl der
Bullen.
Namen
der Bullenhalter
Datum der
Körung.
Resultate bet Körung.
Abstammung
Bemerkung««.
Alter und Race der Bullen.
Farbe und Abzeichen.
Befund.
1
Asbach
1
Orth Andreas, Landwirt
31. 10. 07.
1^/4 Jahr Simmentaler
Gelbrotschack Gelbschack
untauglich
K.Zuchtnachw.vorh.
BeierShausen
1
1V2 Jahr
3. G. HerSfeld
zu gering entwickelt
2
1
Schüler Adam, Landwirt
31.1'5. 07.
20 Monate
Gelbschack weiße Stirn
gekört j
3- G. HerSfeld
Biedebach
1
16 Monate
Gelbrotschack w. Stirn
3. G. HerSfeld
3
1
Schreiber Wilhelm, Landwirt
4. li. 07.
IV2 Jahr
Gelbsch.w. Blatt w.Kopf
ziemlich gut
Sreitenau
4
Conrode
1
Riebold George, Ackermann
1. 11. 07.
1V2 Jahr
Gelbschack
ziemlich gut nicht gekört
ManSbach
5
Friedlos
1
Strüber Christian
4.11.07.
IV2 Jahr Franken Kreuz.
Gelbschack weiße Stirn
Heyerode b. Sontra
6
Heringen
1
Gemeinde Heringen
1. 11. 07.
15 Monate
Simmentaler
Gelbschack weißer Kopf
untauglich
3. G. AlSfeld
7
KathuS
1
Paul Johannes, Landwirt
1. 11. 07.
IV2 Jahr
Gelbschack
gut i
3. G. GerSfeld
8
Kirchheim
1
Hold Wilhelm, Landwirt
y inzwischen verkauft
1
st
9
Kohlhausen
1
Stuckhard Philipp, Landwirt Wegfahrt Heinrich, Landwirt
31. 10. 07.
IV2 Jahr
Gelbschack w. Kopf
fast gut
3. G. Hünfeld
der Große
10
Mengshausen
1
31. 10. 07.
21/4 Jahr
Rotschack
nicht gekört
'elbstgezogen
1
Schüler Peter, Landwirt
IV4 Jahr
Gelbschack w. Kopf
ziemlich gut
3. G. HerSfeld
darf vor März n. springen
11
Reckerode
1
31. 10. 07.
10 Monate
Gelbschack
ziemlich gut
3. G. Hünfeld
12
StärkloS
1
Fischer George, Landwirt
31. 10. 07.
11/2 Jahr
Gelbschack
gut
3. G. Lauterbach
13
Tann
1
Niemeyer, Gutsbesitzer
4. 11. 07.
IV2 Jahr
Gelbschack
ziemlich gut
3- G. HerSfeld
14
Wippershain
1
Trinter Konrad, Landwirt
1. 11. 07.
11/4 Jahr
Gelbschack
ziemlich gut
3- G. Hünfeld
15
Wehrshausen
1
Fischer Karl, Landwirt
1. 11. 07.
11/2 Jahr
Gelbschack w. Kopf
ziemlich gut
3. G. Hünfeld
16
Heimboldshausen
SolmS
1
Bock, Wirt
i. 11. 07.
IV2 Jahr
Gelbschack w. Stirn
gut
3. G . AlSfeld
17
1
Eidt Ludwig, Landwirt
31. 10. 07.
11/4 Jahr
Rotschack w. Kopf
gut
Z. G. Lauterbach
18
GitterSsdorf
1
Opfer Johannes, Landwirt
4.11.07.
IV2 Jahr
Gelbschack w. Sttrn
ziemlich gut
Z. G. Hersfeld
19
HerSfeld
1
Cornelius Heinrich, Posthalter
4. 10. 07.
1V2 Jahr
Gelbschack
Rotgelbschack
ziemlich gut
8. G. HerSfeld , 3. G. GerSfeld
20
Ausbach
1
Rudolf, Johannes
1.11. 07
IV2 Jahr
fast gut
Hersseld, den 21. November 1907.
Unter dem Schweinebestande des Karl Stock zu Nicderjossa ist Rotlaufseuche ausgebrochen.
I. 11134. Der Königliche Landrat.
I. V.: Thamer.
Hersseld, den 21. November 1907.
Die unter dem Schweinebestande des Landwirts Heinrich Stock zu Niederjossa ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 11127. Der Königliche Landrat.
, J. V.:
Thamer.
Bekanntmachung.
Die von mir erlassenen Bestimmungen über die Anstellung, sowie die Rechte und Pflichten der Bezirksschornsteinseger vom 22. Februar d. Js. (Amtsblatt S. 65/66) werden von dem
Der 61ück$hort.
Roman von H. von K l i p h a u s e n. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
In diesem Augenblick bog eine stattliche Männergestalt um die Ecke. Blitzschnell übersah der Ankömmling die Gefahr und stürzte vorwärts, dem Tier in die Zügel greifend. Ein gewaltiger Ruck, und eS stand lammfromm, wenn auch noch an allen Gliedern bebend.
„Seien Sie beruhigt, Komteß, die Gefahr ist vorüber," sagte eine wohlklingende Männerstimme, und Hedwig, welche einer Ohnmacht nahe in den Kissen des Wagnes lehnte, schaute in die Höhe; vor ihr stand daS Ideal ihrer Träume, Ludwig Mormid.
Ein wonniger Schauer durchrieselte ihre Glieder; sie streckte ihm, noch keines Wortes fähig, beide Hände entgegen, die er huldigend und mit der vollendeten Haltung des Weltmannes an die Lippen führte. Schon nach wenigen Minuten jedoch hatte sie sich so weit erholt, daß sie die Zügel wieder ergreifen konnte; mehr mit Blicken als Worten dankte sie dem Retter, der sich lächelnd und mit der wiederholten Bersicherung entfernte: „ES war mir eine ebenso große Ehre wie Freude, der gnädigen Komteß einen Dienst erweisen zu dürfen, und mein schönster Dank ist der, Ihre liebenswürdige Bekanntschaft ge- macht zu haben."
Dann fuhr Hedwig fort, und Morand schritt weiter, aber in beiden Herzen lebte die feste Ueberzeugung fort, daß dieses erste Begegnen keineswegs daS letzte sein würde.
Und in der Tat sandte noch am selben Abend Gras Freienberg seine Karte nebst einer höchst verbindlichen Auf- sorderung zum einfachen Tee an den berühmten Sänger; dieser nahm dankend an, machte am folgenden Tage zur gebührenden Zeit seinen Besuch und wurde auch vom Präsidenten und dessen Sohne ausS zuvorkommendste empfangen. Die Damen blieben aber an diesem Abende unsichtbar. Morand bemerkte nicht einmal, als er beim Verlassen deS Regierungs-
lctzten Satz des Abschnitts 1 durch folgenden Zusatz ergänzt:
„Bewerber, welche der Militärpflicht genügt haben und infolgedessen erst nach Vollendung deS 24. Lebensjahres die Meisterprüfung haben ablegen können, ist bei Festsetzung des Alters ihrer Anstellungsberechtigung die Militärzeit ganz ober mit soviel Monaten anzurechnen, als zwischen dem vollendeten 24. Lebensjahre und der Ablegung der Meisterprüfung liegen." Cassel, am 24. Oktober 1907. (A. II. G. 1494.)
Der Regierungs -Präsident.
I. V.: Schenk zu Schweinsberg.
Hersseld, den 21. November 1907. Wird veröffentlicht.
Der Königliche Landrat.
I. V.:
Thamer.
gebäudeS die Fensterreihen musterte, daß einer der Vorhänge droben im ersten Stock sich ohne Anlaß bewegte.
Von nun an sahen sich die beiden jungen Leute sehr häufig, denn seltsamerweise trafen sie oft auf der Straße oder Promenade zusammen und dann nie, ohne wenigstens einige flüchtige Worte zu tauschen.
Der Sänger hatte auch in anderen vornehmen Familien Zutritt erhalten, wo Komteß Hedwig verkehrte. Man lud ihn häufig im kleinen Kreise ein, und er war stets liebenswürdig bereit, geäußerten Wünschen nachzukommen und ein Lied zu singen. Daß er es dann meist so einrichtete, als sei es für Gräfin Hedwig bestimmt, wenn diese zugegen, war selbstverständlich.
Niemand ahnte wohl die stets wachsende Gefahr, am wenigsten die Eltern und der Bruder des schönen Mädchens; sie würden überhaupt niemals daraus verfallen sein, zu denken, Gräfin Hedwig Freienberg, Tochter eines so altseudalen Geschlechtes, könne im Ernste ihre Neigung einem Künstler zu- menben, der seinen Beruf aus der Bühne gefunden hatte. Nein, das war ihrer Ansicht nach überhaupt völlig undenkbar. Trieben doch fast alle jungen Damen der Aristokratie einen Kultus mit Ludwig Morand, der ein großer Künstler und ein allgemein beliebter Gesellschafter war, der Verkehr mit Morand halle daher an sich nichts Auffälliges.
An einem großen Gartenfest im Spätherbst geschah es dann aber, daß die beiden jungen Leute sich ihre Liebe gestanden und sich ewige Treue schwuren — eS war eben die alte Geschichte, die doch ewig neu bleibt. Man hatte Bilder gestellt. Gräfin Hedwig als Gretchen stand neben dem eleganten Faust, der ihr seinen Arm und Geleit antrug, und wies ihn hold errötend ab. Der junge russische Fürst Lermanoff, ein Freund Gras Albrechts, stellte den Faust dar. Er sah sehr gut au§ und schien ganz hingerissen von der lieblichen Mädchenerscheinung, die ihm im altdeutschen Anzug gegen* überstand. Ja, Hedwig war bezaubernd schön an diesem Abend, und gleich, alS der Vorhang ausging und ihre Blicke denen Ludwig Morands, der auch da war, begegneten, sagten dieselben ihr ein gleiches.
Dreimal mußte daS Bild gezeigt werden, immer von neuem
Hersfeld, den 21. November 1907.
Die unter dem Schweinebestande deS Johannes Jäger zu Heddersdors ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 11126. Der Königliche Landrat.
I. V.:
Thamer.
nichtamtlicher teil.
Reichstag.
Die am Nachmittag des 22. November erfolgte Wiederaufnahme der Reichstagsverhandlungen wurden vom Präsidenten Grasen Stolberg mit geschäftlichen Mitteilungen eingeleitet. Wetter teilte Graf Stolberg mit, daß vom Präsidium im Namen des Reichstages ein Kranz am Sarge des
verlangten die Zuschauer dasselbe zu sehen; es bildete den Glanzpunkt des Abends. Vielfach in ber, vornehmen Gesellschaft nahm man in diesem Abende an, daß Komteß Hedwig sich mit dem ihr innig huldigenden Fürsten Lermanoff verloben würde, aber eS kam ganz anders. Gleich nach Beendigung der Bilder erschien Komteß Hedwig im Kostüm unter der Ge- sellschaft, die sie glückwünschend umringte. Die Herren stürmten ihr Tanztäfelchen, aber mit dem liebenswürdigsten Lächeln hielt sie den Kotillon zurück: Er ist vergeben! erklärte sie. Sie wußte, wer darauf wartete. Und als sich endlich Ludwig Morand durchdrängte und um den Borzug eines TanzeS bat, reichte sie ihm mit anfstrahlendem Blicke daS Elfenbeinblättchen. „Er ist für Sie," flüsterte sie, auf den bedeutungsvollen Schlußtanz zeigend.
. Fräulein von Ronau, die als reizende Venezianerin ein lebendes Bild gestellt hatte und ebenfalls hinreißend schön aussah, bemerkte das Minenspiel der beiden und wandte sich an Graf Albrecht, der neben ihr stand.
„Aber bester Graf, sind Sie denn gar nicht ein wenig vorsichtig mit Ihrer hübschen Schwester? Ich finde, daß Herr Morand ihr doch zu stark den Hof macht."
„DaS glaube ich wohl," nickte der Befragte, nachlässig dem schönen Sänger nachblickend, der sich jetzt in der Menge verlor. „Hedwig wird heute von den meisten Männern, die ihr begegnen, sehr ausgezeichnet. Weshalb sollte ich da Dor* sichtig sein?"
„Nun, es könnte sich doch eine später recht unliebsame LiebeSvffäre anspinnen."
„O bewahre, gnädiges Fräulein, wo denken Sie hin! Er gehört doch nicht ^u unserer Gesellschaft, und meine Schwester hat in Bezug aus eine Verheiratung genau dieselben aristokratischen Ansichten wie ich und wir alle. Ich würde eher an den Einsturz des Himmels als an ein tiefes Interesse ihrerseits für den Herrn glauben."
„Sie meinen, weil eS ein Sänger ist, ein Bühncnbcld. Nun, waS sagen Sie aber, wenn ich Ihnen versichere, daß er fast alle Damen entflammt, begeistert hat, auch mich!"
„Gnädiges Fräulein —" flüsterte Gros Albrecht erschrocken.