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Gustav Simon, Hersfeld, Weinstratze 619, Spezialhaus für Herren- und Knaben-Gardero-e, fertig und nach Mas:, swr Neu eröffnet. "3M

September, 1 Uhr nachmittags und erreichten das 24 Meilen entfernte Longklip in fünf Stunden. Außerdem schickte ich einen Meldereiter von Zwartmodder aus nach Koctvlei mit dem Befehl, daß die dort stehenden berittenen Kap-Jäger sich mit mir in Longklip vereinigen sollten, was bereits an dem­selben Tage abends 9 Uhr 30 Minuten geschah.

Unterinspektor Currie begab sich daraus aufs neue zu Morenga, um mit ihm einen Ort zu verabreden, an dem ich mit ihm verhandeln könne. Currie kehrte nach etwa vier Stunden zurück mit dem Bescheide, daß Morenga seine Stellung geräumt habe, worauf ich dem Unterinspektor Mander mit seiner Abteilung unter Zuteilung von zwei Führern den Auf­trag erteilte, die Spur aufzunehmen, so schnell wie möglich mit fDioreuga in Verbindung zu treten und ihn festzuhalten. Als ich Gous erreichte, erhielt ich eine Meldung von Unterinspektor Mander, daß er Morenga gestellt und sein möglichstes getan habe, um ihn einzuschließen, daß er selbst sich aber in einer schlechten Stellung befände, und daß bei Eintritt des Tages­lichtes wahrscheinlich alle seine Pserde abgeschossen würden. Ich befahl ihm daher, noch während der Dunkelheit sich aus seiner Stellung zurückzuziehen und eine andere einzunehmen, von der aus er Morenga unter Feuer halten könne. Mittler­weile ließ ich, nachdem Unterinspektor Burges sich mit seiner Abteilung mit mir vereinigt hatte, satteln und rückte nach Middelpüts vor, wo meine Pferde getränkt wurden. Daraus folgte ich, die Straße »erlassend, unter Führung von Scouts den Spuren Morengas in der Wüste und marschierte den Rest der Nacht so rasch wie möglich vor, wobei allerdings das Wechseln des Gepäcks mancherlei Aufenthalt nötig machte.

Um etwa 8 Uhr morgens befand ich mich auf der Stelle, von der aus Unterinspektor Mander seine Meldung geschickt hatte. Leider hatte Morenga bereits während der Nacht sein Lager unter Zurücklassung von Gegenständen aller Art abgebrochen und sich, wie die Spuren im Sande erkennen ließen, auf Händen und Füßen aus der ihm drohenden Umzingelung herausgezogen. Mander war ihm gefolgt; ich konnte daher die Spur aufnehmen, war aber nicht imstande, Morenga ttotz fünfstündigen scharfen Reitens einzuholen, und so mußte ich, da die Pferde sieben Stunden unter dem Sattel gegangen waren, für eine halbe Stunde absatteln lassen, worauf wir die Verfolgung wieder aufnahmen. Etwa um 1 Uhr nachmittags verkündetenHurras" von der Spitze, daß Unterinspektor Mander in Sicht gekommen sei. Nachdem wir ihn erreicht hatten, wurde mir Morengas Stellung gezeigt, die sich rechtwinklig von der unsrigen befand. Ich brächte die Züge meiner Eskadron in Ordnung, ließ die Gurte lockern und eine Ruhepause von fünf Minuten eintreten, worauf ich die Aufklärer unter Unterinspektor Currie voraus, Unterinspektor Burges mit dem dritten Zuge als Avantgarde vorschickte, dem Leutnant Cowley mit den berittenen Kap- Schützen auf 150 Iards Entfernung folgte. Die Mann­schaften waren aus 4 Iards Abstand auseinandergegangen. Der 2. und 4. Zug bildeten in gleicher Formatton die Reserve. Bei Beginn des Vormarsches sah man verschiedene Ein­geborene, die, aus demKamme der hohen Sanddüne, die Morengas Stellung bildete, stehend, sich deutlich gegen den Himmel abhoben. Jedenfalls hofften sie, daß ich sie angreifen würde. Aus dem Schritt in Trab fallend und zum Galopp über­gehend, machte die Schwadron in der beschriebenen Formation einen viel stärkeren Eindruck, als sie wirklich besaß. Im ganzen versügte ich nur über rund hundert Mann aller Dienstgrade. Das Feuer begann alsbald, als wir an der linken Flanke Morengas vorüberjagten. Unterinspektor Burges zog sich darauf mit seinem Zug nach links zurück, wo er im Schutze einer Sandkuppe absitzen ließ und sich in der linken Flanke Morengas einnistete. Die berittenen Kapschützen zogen sich mehr rechts, dem Beispiel des Untettnspektors Burges folgend, während die Reserven ebenfalls absaßen und dahinter Stellung nahmen. Das feindliche Feuer wurde daraus stärker, richtete jedoch infolge der guten Deckung, in der wir uns befanden, wenig Schaden an.

Nachdem ich die feindliche Stellung rekognosziert hatte, kam ich zu dem Entschluß, die Hottentotten von einem dem Mittelpunkte meiner Stellung gegenüber liegenden Kopje (Hügel) zu vertreiben, und befahl, sofort anzugreisen. Nachdem ich Unterinspektor Mander die nötigen Erklärungen gegeben hatte, erteilte ich ihm den Auftrag, mit seiner Abteilung vor- zugehen, und befahl schließlich dem Unterinspektor Gash, mit feinem Zuge Salven auf das Kopse abzugeben, indem ich die Entfernung mit 500 Aards angab. Manders Leute gingen, vom linken Flügel beginnend, sprungweise vor. Darauf begab ich mich im Galopp zu den berittenen Kapschützen und befahl Leutnant Cowley, ebenfalls vom linken Flügel aus vorzugehen. Kapitän v. Hagen von der kaiserlich deutschen Armee, der sich bei meiner Truppe befand, erhielt auf sein Ansuchen die Er­laubnis, sich dem Sturm anzuschließen. Ich ließ daraus das SignalStopsen" blasen und, als meine Leute die Spitze des Hügels erreicht hatten, sofort wieder das SignalFeuern" geben. Etwa sechs Hottentotten, die aus Sandlöchern heraus auf meine Leute feuerten, wollten sich nicht ergeben und wurden teils niedergemacht, teils schwer verwundet. Während des Vorgehens des Untettnspektors Mander, der, mit dem Re­volver in der Hand, in äußerst kaltblütiger Weise seinen Leuten voranritt, wurden zwei Mann erschossen. Als der Hügel erstiegen war, wurde der Feind von dort aus auf ver­schiedene Entfernungen mit Salvenseuer überschüttet, das seine Wirkung tat. Um 5 Uhr nachmittags nahm das Feuer all- mählig ab und verstummte alsbald gänzlich. Als eine aus- geschickte Patrouille meldete, daß vom Feinde nichts mehr zu sehen sei, ging ich mit Kapitän v. Hagen und noch einem Offizier über das Schlachtfeld, wo uns die Spuren von Bäumen und Büschen, sowie die siebartig durchschossenen Ein- gebvrenenleichen bewiesen, daß die Wirkung des etwa zehn Minuten hindurch von 60 Mann abgegebenen Salvenfeuers eine furchtbare gewesen war.

Infolge Wassermangels und sonstiger VerpflegungSschwierig- teiten hielt ich es nicht für ratsam, weiter in die Kalahari vorzudringen. Mannschaften wie auch Pferde hatten den ganzen Tag über nichts erhalten. Ich marschierte daher nach Schluß des Gesichtes direkt nach Upington, das ich über Norokei und Areachap am 22. September 2 Uhr 30 Minuten nachmittags erreichte. Die Entfernung beträgt 40 englische Meilen. Besondere Aufmerksamkeit möchte ich aus die Leistungen des Supinspektors Mander und des Unter­inspektors Currie mit seinen Ausklärern lenken. Diese beiden Offiziere leisteten mir unschätzbare Dienste und bewiesen sich unermüdlich in bezug aus Tatkraft und Umsicht. Dank dem energischen Vorgehen von Major Elliot wurde die Vereinigung von Morenga und Simon Kopper vereitelt, nach deren Voll­ziehung die schlauen Hottentottenführer in der Kalahariwüste schwer zu fassen gewesm wären. Uebttgens war Morenga im Gefecht gefallen.

Wehte nicht! rgum Totenfeste.)

Weine nicht! In süßem Frieden Schläft, o Mutterherz, dein Kind, Und die Engel Gottes hüten Treu fein Bcttlein leis und lind.

Sel'ge Weihnachtsfreude leuchtet Aus denAeuglein hell und licht Sag, warum dein Blick sich feuchtet? Mutterherz, o meine nicht!

Weinet nicht, ihr Kindlein bange! Vater, Mutter sind wohl fern, Ruhen nach deS Lebens Dränge Aus auf einem schönern Stern. Doch der Vater aller Kinder Sorget, daß euch nichts gebricht, Und ein Frühling folgt dem Winter Waijenkindlein, weinet nicht!

Weine nicht! O deine Tränen, Einsam Weib, sind all gezählt! Gott kennt deines Herzens Sehnen, Weiß, was dich bedrückt und quält. Ein Versorger und Berater Wacht dir überm Sonnenlicht, Deiner Kindlein bester Vater Arme Witwe, meine nicht!

Weine nicht! Nach lichtem Tage Schied dein schönstes Erdenglück, Und kein Murren, keine Klage Ruft die Gattin dir zurück Doch in deiner Kinder Lächeln Tröstend ihre Stimme spricht Fühlst nicht ihres Odems Fächeln? Treuer Gatte, meine nicht!

Weinet nicht! Den Toten allen Ist aufs lieblichste das Los Nach des Lebens Sturm gefallen In des ew'gen Vaters Schoß. O wie selig, wenn hienieden Einst die letzte Schranke bricht! Störet nicht der Schläfer Frieden Glückliche beweint man nicht!

Paul Lips.

Aus > und Ausland.

Berlin, den 21. November 1907.

Se. Majestät der Kaiser spielte am Montag Abend in Highcliffe Castle nach dem Diner eine Partie Karten und zog sich dann früh zurück. Am Dienstag früh erledigte er Rcgierungsgeschäste und machte dann nach dem Frühstück mit dem Grafen Wolff-Metternich und dem Gefolge um 11 Uhr eine Spazierfahrt im Automobil nach dem New Forest, von der er um 1 Uhr zum Lunch zurückkehrte. Um 2 Uhr wurde eine Fahrt nach Christchurch unternommen, von der Seine Majestät um 4 Uhr zurückkehrte. Der Kaiser wurde unterwegs vielfach von den Dorsschulkindern, die, sich am Wege ausstellten, begrüßt. Am Mittwoch Morgen erledigte Seine Majestät der Kaiser Rcgierungsgeschäste. Am Nachmittage um 4 Uhr traf Seine Majestät mit dem Botschafter Grafen Wolff- Metternich im geschlossenen Automobil in Bournemouth ein. In weiteren vier Automobilen folgten der Oberhofmarschall Graf zu Eulenburg sowie die übrigen Herren des Gefolges. Der Kaiser, der sich in bester Stimmung befand, wurde sehr herzlich mit Hochrufen und Hüteschwenken empfangen. Die Gesellschaft kehrte von Bournemouth direkt nach Highcliffe Castle zurück. Der in Highcliffe weilende Spezialkorrespondent des Reuterschen Bureaus wurde heute vom Oberhosmarschall Grasen Eulenburg empfangen, der ihm mitteilte, daß der Kaiser sich seiner Muße freue und bei bester Gesundheit sei. Er sei von seinem Aufenthaltsort überaus angenehm berührt und würde während seines Verweilens von den Geschäften ausruhen und keine Besucher empfangen. Er sei deshalb gezwungen ge­wesen, mehrere freundliche Einladungen von Städten der Nachbarschaft abzulehnen. Das Datum der Abreise sei noch nicht festgesetzt, der Kaiser würde aber gewiß seinen Aufenthalts­ort vor Ablauf der nächsten vierzehn Tage nicht verlassen. Die Hohenzollern werde die Abreise Seiner Majestät auf der Höhe von Netley abwarten.

Wie der Schwäbische Merkur berichtet, hat die Reichsre­gierung sich entschlossen, noch als Nachtragsetat für das laufende Jahr 400,000 Mk. zu fordern, um den Grafen Zeppelin in den Stand zu setzen, so schnell wie möglich mit dem Bau eines neuen großen Luftschiffes zu beginnen. Dieser Bau soll so beschleunigt werden, daß das Luftschiff bei Eintritt günstiger Witterung fertig ist. Von dem Ergebnis der mit dem neuen Luftschiff zu unternehmenden Probefahrten, bei welchen die von Graf Zeppelin in Aussicht gestellten weiteren Erfolge nachgewiesen werden sollen, wird es abhängen, ob die im Etat des Reichsamts des Innern für 1908 beantragte Summe von 2,150,000 Mk. zum Austrag des genannten Zeppelinschen Unternehmens verwendet wird. In dieser Summe sind die Barauslagen des Grasen Zeppelin sowie eine angemessene Entschädigung für seine nunmehr zehnjährige Tätigkeit enthalten. Der Standpunkt der Reichsregierung wird in einer im Etat des Reichsamts des Innern beigesügten Denkschrift darge­legt werden.

Der Bau derEisenbahnOtaviGrootfontein in Deutsch-Südwestasttka ist soweit gediehen, daß der Oberbau die erste Station Otaviberg, Kilometer 8, erreicht haben dürste. Der Unterbau der insgesamt 91 Kilometer langen Strecke ist Ende Oktober sertiggestellt worden. Schwierigkeiten macht nach wie vor die Beschaffung von Arbeitern.

Seit Erlaß der Anweisung des Ministers des Innern zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens vom 17. Februar 1907 hat die Zigeunerplage nach den übereinstimmenden Berichten der Provinzialbehörden in Preußen erheblich nach­gelassen. Nicht nur, daß überall ein geringeres Austreten von Zigeunern, und zwar meist in kleineren Trupps wie bisher feftgeftellt wurde, es hat sich auch in einzelnen Fällen ein Streben nach Seßhaftwerden unter ihnen bemerkbar gemacht. Diese günstigen Wirkungen der Verordnung sollen dadurch noch erweitert und befestigt werden, daß Vereinbarungen mit den übrigen Bundesstaaten wegen gleichmäßiger Behandlung der Zigeuner im ganzen Deutschen Reiche angebahnt werden. Die in dieser Hinsicht schwebenden Verhandlungen streben ins­besondere an, daß die Ausweisnng nicht reichsangehöriger Zigeuner in allen Staaten gleichmäßig über die Reichsgrenze und nicht nur über die Landesgrenze zu erfolgen hat, und daß die Verfolgung vagabondierender Zigeunerbanden durch Polizei­beamte auch über die Grenze eines Bundesstaates hinaus ge­

stattet werden soll. Die Durchführung der zur Bekämpfung des Zigeunerunwesens in Preußen erlassenen Bestimmungen ist im übrigen nur insofern aus Schwierigkeiten gestoßen, als manche Ortspolizeiverwaltungen die Kosten scheuen, welche ihnen möglicherweise durch ihr Einschreiten gegen die Zigeuner erwachsen können. Einige Kreisverwaltungen haben sich insolge- dessen bereit erklärt, derartige Kosten, soweit sie nicht vom Staate zu tragen sind, aus Kreismitteln zu decken.

Der Gesetzentwurf-betreffend das Vereins - und Ver­sammlungsrecht ist vom Bundesrat genehmigt worden.

Das Ministerium des Innern warnt vor Z u d r a n g zum h ö h e r e n F o r st d i e n st, da das Bedürfnis nach Anwärtern befriedigt ist. Die Studierenden des Forstsaches hätten damit zu rechnen, daß in Zukunft nur eine sehr be­schränkte Anzahl nach Bestehen der Hochschulprüfung zum Vorbereitungsdienst zugelassen werde.

Den Auswüchsen des A u t o m o b i l i s m u s miH die bayerische Regierung schärfer an den Kragen gehen. Es hat nämlich das Justizministerium in einer Anweisung an die Staatsanwaltschaft verlangt, daß die auszusprechenden Strafen mehr dem Vermögen der Schuldigen und besonders der Ge­fährlichkeit der Uebertretungen entsprechen sollen.

Aus den Schlußmitteilungen über den Reichsetat ist zu entnehmen, daß daS Defizit im Jahre 1908 auf lüO Mill. Mk. zu veranschlagen ist. Die gesamte Reichsschuld be­trug am 1. Okt. 1907 4 003 500 000 Mk. An neuen Krediten für 1908 treten hinzu 260 506 091 Mk, an offenen Krediten sind noch realisierbar 134163 334 Mk. Die Verzinsung dieser Reichsschuld erfordert die Summe von 145 784 524 Mk. Der Etat selbst schließt in Einnahme und Ausgabe mit 2750058401 Mk. ab. Der Reichskanzler wird ermächtigt, Schatzanweisungen bis zur Höhe von 350 Mill. Mk. auszugeben. Die gesetzlich vorgeschriebene Tilgung der Reichsschuld für 1908 soll ander­weitig geregelt werden.

Vor dem Senat zu Rom spielt noch immer der Sen­sationsprozeß gegen den ehemaligen Unterrichtsminister Nasi. In der Mittwochsverhandlung kam es zu einem Krach", die Verteidiger des Angeklagten legten wegen der Beschränkung der Redesreiheit durch den Präsidenten die Ver­teidigung nieder und verließen den Saal. Nasi billigte in einer erregten Rede das Verhalten seiner Verteidiger. Der Präsident erklärte, falls die Verteidiger nicht zu ihrer Pflicht zurückkehren würden, würde er die schärfsten Maßnahmen gegen sie ergreifen.

Japan soll der spanischen Regierung das Anerbieten gemacht haben, den Neubau der spanischenFlotte zu einem weit billigeren Preise zu übernehmen, als dies von irgend einer anderen Seite geschehen könnte. Bei der keines­wegs glänzenden Lage der japanischen Finanzen erscheint diese Nachricht nicht glaubwürdig.

Wochenbericht der Berliner Produktenbörse.

Während der am 19. November beendeten Berichtswoche unterlag die Preisbewegung im Getreidehandel mehrfachen, teilweise erheblichen Schwankungen, ohne daß schließlich die Notierungen gegen den Stand der vorhergehenden Woche we­sentliche Abweichungen zeigen. Die Geldteuerung hinderte die Unternehmungslust an größerer Betätigung, und so hielten sich die Umsätze in verhältnismäßig engen Grenzen. Nordamerika ist andauernd bemüht, möglichst viel Getreide außer Land zu schaffen, um Gold einführen zu können. Wenn hierdurch einer Aufwärtsbewegung der Preise am Weltmärkte entgegengewirkt wurde, so führten anderseits die Nachrichten aus Rußland über die (Setreibeteuerung in einzelnen Gegenden und die infolge­dessen trotz aller amtlichen Gegenäußerungen immer wieder austanchenden Befürchtungen eines russischen Getreideausfuhr­verbotes zeitweise zu einer erheblichen Befestigung der Tendenz. Auf Brotgetreide blieb in Deutschland der Umstand nicht ohne Einfluß, daß in den an Rußland grenzenden deutschen Landes­teilen Käufe zur Ausfuhr nach Rußland erfolgten. Die Russen erhalten infolge der bestehenden deutschen Ausfuhrvergütung das deutsche Brotgetreide um 50 bis 55 Mk. billiger, als es die deutschen Müller bezahlen müssen, und machen noch ein gutes Geschäst mit dem Verkauf der aus dem deutschen Ge­treide gewonnenen zollfrei in unser Land eingehenden Kleie. In Weizen zeigte sich am Berliner Markt mehr Angebot aus dem Zulande, die Kauflust blieb aber schwach, Roggen hat seine feste Haltung bewahrt trotz des vermehrten Angebots der Provinzen. In Hafer ist das Geschäst nicht lebhafter ge­worden, weil die hohen Forderungen des Inlandes gegenüber sich der Konsum zurückhaltend zeigt. Mais war im Einklang mit den Auslandsmärkten etwas billiger. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für Lieferung im Dezember wie folgt: Weizen 229,50 Mk., Roggen 216,25 Mk., Hafer 175,50 Mk., Mais 157,75 Mk.

Aus Provinz u. Naedbargebiet.

* In der preußischen Klassenlotterie fiel der Gewinn von 500 000 Mark auf die Nummer 231881 und ein Gewinn von 200 000 Mark aus die Nummer 11852.

* (Hessisches aus dem M ili r e ta t.) Der Militäretat für 1908 enthält u. a. folgende Posittoncn: Er­richtung eines Meldeamts in Treysa 1842 Mk., Truppen­übungsplatz für das 11. Armeekorps 3 000 000 Mk.

* Gerichts-Assessor Ruhl, bisher als Hülfsarbeiter im Justizministerium in Berlin tätig, wurde zum Amtsrichter ernannt und an das Amtsgericht in Kiel versetzt.

* (Saatenstand in Preußen Mitte November 1907.) Winterweizen 2,5; Winterspelz 2,3; Winterrogen 2,4; Winterraps und Winterrübsen 2.3, wenn 2 gut, 3 Mittel bedeutet. In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz heißt es: Auch in der zweiten Oktoberhälste hielt im ganzen Staatsgebiete, besonders in den östlichen Landesteilen, die ungewöhnlich milde, vorwiegend trockene Witterung an. Um den 5. November stellten sich plötzlich einige kalte Tage mit ziemlich starken Nachtsrösten ein (bis 8° C.), die jedoch weniger den Westen trafen, und gegen Ende des eben abgelaufenen Berichtsmonats (Mitte November) trat bei wieder steigender Temperatur fast überall der lange ersehnte Regen ein. Aus einigen Gegenden kommen Nachrichten, die Wassermangel befürchten lassen, wenn ergiebigere Niederschläge noch länger'ausbleiben. Die Kartoffel- und Zuckerrübenernte konnte bei dem schönen Herbstwetter bis aus geringe Reste beendet werden. Ueber ihren Ausfall finden sich wenig Angaben. Soweit aber solche vorliegen, sind die Urteile sehr verschieden. Ueberwiegend heißt es, daß sowohl die Knollen wie die Rüben kleiner als gewöhnlich geblieben seien, und daß sich unter ersteren auch mehr kranke finden als in anderen Jahren. Infolge der späten Räumung der Aecker wurde die Herbstbestellung nicht zeitig genug vorgenommen. Obgleich das Wetter auch diesen Arbeiten im allgemeinen recht günstig war, konnten sie doch bei weitem nicht beendet werden. Einesteils wurde dies, abgesehen von den wenigen noch nicht