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herrselder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 189

Sonnabend, den 23. November

1907*

Amtlicher teil.

Hersfeld, den 21. November 1907.

Es sind vielfach Zweifel über die Ausfüllung der Zähl­karten Formular A. II. entstanden, die bei der Viehzählung am 2. Dezember d. Js. zur Verwendung kommen.

Zur Vermeidung von Weiterungen verfehle ich nicht, die Ortspolizeibehörden des Kreises unter Bezugnahme auf mein Ausschreiben vom 27. März 1903 Kreisblatt Nr. 39 darauf hinzuweisen, daß diese Zählkarten bei Hausschlachtungen, da solche der allgemeinen Schlachtvieh- und Fleischbeschau unterliegen, nicht auszufüllen sind.

Eine Ausnahme hiervon machen indes Schlachtungen von Schafen und Ziegen, da diese dem Bcschauzwang nicht unter­liegen, sofern das Fleisch dieser Schlachttiere im eigenen Haushalt verwendet wird.

Die Zählkarten Formular A. II. sind sonach nur in letzteren Fällen auszufüllen.

k 11086. Der Königliche Landrat.

I. V.: '

Thamer.

Hersseld, den 16. November 1907.

Die unter dem Schwcinebestande des Wilhelm Eidam zu Wippershain ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 10928. Der Königliche Landrat.

I. V.: T h a m e r.

Hersseld, den 16. November 1907.

Unter dem Schweinebestande des Valentin Fey zu Stärklos ist Rotlausseuche ausgebrochen. I. 10939. Der Königliche Landrat.

J. V.:

T h a m e r.

Hersseld, den 19. November 1907.

Die unter dem Schweinebestande des Konditors Johannes Hettler zu Hersseld ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 11016. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Hersfeld, den 16. November 1907.

Die unter dem Schweinebestande des Wilhelm Jckler zu Gittcrsdorf ausgebrochene Rotlausseuche ist erloschen. I. 10925. Der Königliche Landrat.

I. V.:

T h a m e r.

Am 15. November 1907 wird in dem zum Landbestellbezirke der Kaiserlichen Postagentur in Friedewald (Bez. Cassel) ge­hörigen Orte Weißenborn eine Posthilsstelle eröffnet, deren Verwaltung dem Gutsbesitzer Hoßbach übertragen ist.

Cassel, 14. November 1907.

Kaiserliche Ober-Postdirektion. Hossmann.

nichtamtlicher Teil.

Politischer Wochenbericht.

Während der Berichtswoche ist der Inhalt der erwarteten Flottenvorlage in authentischer Form veröffentlicht worden. Es ergibt sich daraus, daß die Regierung ihre For­derungen auf ein Mindestmaß beschränkt hat. Nur die Herab­setzung der Lebensdauer der Linienschiffe und Kreuzer von 25 Jahren auf 20 Jahren wird verlangt. Die Kosten, die durch diese Aenderung des geltenden Flottengesetzes verursacht werden, kommen etwa den Kosten von 3 Linienschiffen gleich. Da die bisherige Fristbestimmung beibehalten ist, wonach die Ersatz­frist von der Bewilligung der ersten Rate deS zu ersetzenden Schiffes bis zur Bewilligung der ersten Rate des Ersatzschiffes rechnet, so wird durch die Neuforderung in Wirklichkeit die zurzeit etwa 30 Jahre zählende Lebensdauer erst auf 25 Jahre herabgesetzt. Es entspricht dies den Wünschen, die die Regie­rung von Anfang an hegte, und es werden durch die neue Vorlage nur die ursprünglichen Forderungen der Marine wicdcrhergestellt. Daß die Blockparteien so maßvollen und absolut notwendigen Forderungen widerstreben sollten, darf wohl als ausgeschlossen betrachtet werden. Aber auch vom Zentrum steht' nach der Rede seines Führers Spähn zu erhoffen, daß eS sich der Mitwirkung bei dem unumgänglichen Ausbau unserer Rüstung zur See nicht entziehen wird.

Die Tage des offiziellen Besuches unseres Kaisers und unserer Kaiserin in England haben ihren Abschluß gesunden. Der Rückblick auf ihren Verlaus liefert ein hoch- ersreulicheS Ergebnis. Mit aufrichtiger Befriedigung hat man in den weitesten Kreisen der deutschen Nation von der kaum zu übertreffenben Herzlichkeit Kenntnis erhalten, die unserem Herrscherpaare allenthalben entgegengebracht wurde, so oft sich

die Gelegenheit hierzu bot. Im Trinkspruch des Königs, in der Rede des Lord Mayors von London, in den Begrüßungen durch die Vertreter anderer Gemeinden, in der Ansprache Lord Curzons im Namen der Universität Oxford, in ungezählten Auslassungen der britischen Presse und nicht minder in der unmittelbaren Bewillkommnung durch das britische Volk hat diese Herzlichkeit ihren erhebenden Ausdruck gesunden. Die Tage des Kaiserbesuches haben auch unsere Auffassung be­stätigt, daß diesem Besuche, trotz des Fehlens spezieller Pro­bleme, dennoch auch nach der politischen Seite hin eine hervor­ragende Bedeutung beizumessen sei. Die Betonung des festen Willens der führenden Persönlichkeiten hüben wie drüben sowie das zutage getretene aufrichtige Bestreben des deutschen und englischen Volkes, in Frieden und Freundschaft miteinander zu leben, hat dem Kaiserbesuche in England das Gepräge eines hochbedeutsamen politischen Ereignisses ausgeprägt. Besonders bemerkenswert erscheint, daß auch solche englische Preßorgane, die bisher die Schürung des Argwohns gegen Deutschland förmlich systematisch betrieben, ihre Auslaffungen aus einen Ton gestimmt haben, der mit der allgemeinen freundlichen und friedlichen Stimmung im Einklang stand. Wir begrüßen diesen Durchbruch richtiger Erkenntnis mit hoher Genugtuung und bauen darauf die Hoffnung, daß nunmehr eine dauernde Aera bessern Verständnisses und größerer Annäherung für die beiden stammverwandten Nationen anbrechen werde. Erfüllt sich diese Hoffnung, so werden nicht nur das deutsche und das britische Volk dankerfüllten Herzens des Besuches unseres Kaiserpaares in England gedenken, sondern auch alle aufrichtigen Freunde des Friedens ohne Unterschied der Nationalität und staatlichen Zugehörigkeit werden ihn als ein überaus segensreiches Ereig­nis feiern.

In Rußland hat sich die dritte Duma mit der Wahl ihres Präsidiums nunmehr konstituiert. Wie, bei ihrer Zu­sammensetzung nicht anders zu erwarten war, sind die Wahlen zum Präsidium durchweg auf Männer der Rechten und Okto- bristen gefallen. Zum ersten Präsidenten wurde Chomjakow, zum ersten Vizepräsidenten Fürst Wladimir Wolkonski und zum zweiten Vizepräsidenten Baron Meyendorff gewählt. Der letztem Wahl kommt insofern besondere Bedeutung zu, als hiermit auch das deutsch-baltische Element gebührende An­erkennung gefunden hat. Mit der Eröffnung und Kon­stituierung der dritten Duma bieten sich zweifelsohne günstige Aussichten für die Fortentwicklung der innern Zustände Ruß­lands dar, tiesbetrübend aber bleibt an Dem gegenwärtigen Bilde dieser Zustände vor allem die gänzliche Zuchtlosigkeit und Verwahrlosung der russischen Jugend und insbesondere ihres studierenden Teils. Daß Prüflinge ihren Examinatoren Drohbriefe zur Erpressung eines günstigen Urteils zusenden, oder daß sie gar während des Prüfungsaktes die Examinatoren beschimpfen oder tätlich insultiren, gehört nachgerade schon zu den alltäglichen Vorkommnissen. Einen großen Teil der Schuld an dieser sittlichen Verwahrlosung der akademischen Jugend trägt das liberale Professorentum infolge seines Fraternisierens mit allen revolutionären Bestrebungen selber. Nur der radikalste Bruch mit diesen Bestrebungen und die strengste Beschränkung der lernenden Jugend auf das ihr zustehende rein geistige Gebiet kann hier Wandel schaffen. Dieser Wandel aber ist nötig, wenn Rußlands Zukunft gesichert werden soll.

Aus Marokko verlautet, daß Mulay Hafid von den Truppen des Sultans geschlagen worden sei und seine Unter­werfung angeboten habe. Es bleibt abzulvartcn, ob dadurch die Gesamtlage eine wesentliche Aenderung erfährt. In Eng­land bereiten sich anscheinend wichtige innerpolitische Dinge vor. Balsour hat seinem alten Rivalen Chamberlain einen Besuch gemacht, der zu dem Ergebnis führte, daß der Kampf gegen den Freihandel und das ganze Programm der imperia­listischen Politik Chamberlains wieder ausgenommen werden soll. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika endlich verliert die große Finanzkrisis allmählich ihren akuten Charakter, und es darf als zweifellos angesehen werden, daß die gegen­wärtig eingetretene wirtschaftliche Depression bald wieder über­wunden sein wird.

Totrnf«stg<dank«n.

Heut kommen stille Boten Zu dir im Morgenrot: Gedenk' an deine Toten, Gedenk' an deinen Tod!"

Sie flüstern's deinem Herzen, Sie sind dir nah gesellt.

Du fühlst mit süßen Schmerzen Ein Wehn aus jener Welt.

Das sind die Gedanken, die am Totenfeste des Menschen Brust durchdringen. Wir treten ein durch die Pforte auf den Friedhof, an bett stillen Ort, der unter den kleinen Hügeln die Schläfer birgt. Neben dem Marmorsteine, der in goldenen Buchstaben des Toten Namen, Stand unb Lebensalter trägt, ragt manch morsches Kreuzlein aus Holz, auf dem Regen und Wind alles verwebt haben. Verweht! ES ist Herbst, und an die letzte Rose lehnt lebenssatt sich das letzte lose, welke Blatt. Wie es raschelt, daS vergilbte Laub unter unsern Füßen, und wie frostig der Lusthauch weht in der matten Sonne des Spätherbstes! Und wie gern hätte mancher von denen, die da unten schlafen, die süße Gewohnheit des Lebens auch am Herbsttage wohl noch ertragen! Selten nur kommt

der Tod als der erwünschte Bote, der dem Müden die Tür zum Schlaskämmerlein ausschließt; und auch da noch tut das Scheiden weh. Ja, wir spüren es jedesmal: wir sind zum Leben geschaffen und nicht für den 5 ob. Gerade am Toten­feste, wenn wir die langen Gräberreihen durchschreiten, werden wir es inne, welch furchtbare Herrschaft der Tod ausübt.

Totenfest! Wie das Wort uns so eigenartig stimmt! Aus dem Läuten der Sonntagsglocken, das unser Ohr oft kaum beachtet, hören wir an diesem Tage im Jahre, der den Toten gehört, den frommen Klang betender Liebe, den Feier- klang des stillen Kirchhoffriedens, und dieser weckt in uns wieder altes Weh und alte Träume, alte Sehnsucht und altes Glück. Es ist wohl keiner, der nicht die Bedeutung deS TageS an seiner eigenen Andacht fühlt, keiner, der da sagen könnte, er habe niemand zu beweinen; es gibt wohl keine Familie, in die nicht das Andenken an tote Eltern oder Kinder oder Geschwister oder geliebte Verwandte und treue Freunde am Totenfeste eine Stimmung ernster Trauer bringt.

Wie viele legen daS schwarze Kleid der Trauer an und gehen mit feuchtem Auge zum Friedhof hinaus, um daS stille Grab eines lieben Angehörigen ober treuen Freundes zu suchen, um den Kranz, den die fromme Liebe gewidmet hat, darauf niederzulegen und dann ein inniges Gebet zu verrichten. Und wer das Grab eines dahingeschiedenen Angehörigen weit in der Ferne weiß, vielleicht im fernen Lande ober gar drüben jenseits des Ozeans, der glaubt sich in Gedanken an dem ge­liebten Grabe und betet das Gebet der treu gedenkenden Liebe ebenso warm und innig.

Totenfest! Wer nur das Mahnen dieses Wortes richtig versteht! Es gibt so manchen, dessen Trauer nur in bangem, beklemmendem, friedlosem Schmerze besteht. Ist das aber die richtige Trauer? Nein, die rechte Trauer ist die ruhige und reinigende Trauer, die nicht schreiende Qual, sondern stillen Frieden bringt. Die echte Trauer ist diejenige, in deren Tränen sich der Trost mischt, daß die Liebe das Grab überdauert. Wer sich in die Frieden bringende Ueberzeugung trägt:

Das Herz hat auch sein Ostern, wo der Stein

Vom Grabe springt, den wir dem Staube weihten;

Und was du ewig liebst, ist ewig dein!

der wird an das Grab der Verstorbenen gehen, nicht um seinen Schmerz lauter und quälender werden zu lassen, sondern um ihn zu beruhigen mit dem Troste:Die man da ins Grab gelegt hat, sind nicht tot; ihre Liebe lebt um uns und über uns und in uns, und ihr Andenken lebt alle Zeit in uns fort." Aber selbst wer mit dem Namen Atheist prahlt und sich zu der schönen Hoffnung eines Wiedersehens im Jenseits nicht zu erheben vermag, auch über den wird die Stimmung des Totenfestes kommen und wird ihm die Andacht geben, die das Andenken an geliebte Tote in sich schließt. Auch er wird die stille Pietät der Liebe fühlen, die ihm die Tränen der Trauer quellen läßt, auch er wird die Hände falten und

vielleicht unwillkürlich denken:

Wie schwer mich auch die Stunden trafen,

Da du im Todesweh verblaßt:

Ich weiß dich ruhn, ich weiß dich schlafen,

Wo du des Friedens Fülle hast.

Und fort und fort auf meinen Wegen Blüht mir des Trostes stiller Sttauß:

Es währt der Liebe heil'ger Segen

Auch über Tod und Grab hinaus.

Major tot über seine Operationen gegen Morenga

Ueber die Operationen gegen Morenga berichtet Major F. H. Elliot, jener tapfere englische Offizier, der den Hottentotten- führer Morenga endgültig unschädlich gemacht hat unD für diese brave Tat vom Kaiser Wilhelm durch Verleihung eines hohen Ordens ausgezeichnet worden ist, an den Kommandeur der berittenen Kappolizei in Kapstadt wie folgt:

Ich entschloß mich am 14. September Longklip zu ver­lassen und nach Zwartmodder zu marschieren. Am darauf­folgenden nächsten Tage, einem Sonntage, wurde geruht und Verschiedenes, die Eskadron Betreffendes, geordnet. Am Montag entsandte ich Leutnant Cowley mit den berittenen Kap-Schützen und Aufklärer unter Unterinfpektor Corrie nach ArrieS und Nakob mit dem Austrage, die Eingeborenen unter Morenga auszusuchen und mir darüber Meldungen zugeben zu lassen. Currie kehrte am DienStagnachmitlag zurück _unb meldete auf Befehl von Leutnant Cowley, daß er die Spuren voNver­schiedenen Eingeborenen verfolgt habe, die, von Deutsch-Süd- Westafrika kommend, nach den Hügeln in der Nähe von Long­klip führten, während Leutnant Cowley nach Nakab marschiert sei. Er habe auch Morenga in einer tiefen Schlucht gesunden, hätte aber nicht selbst zu ihm Vordringen können und nur durch dessen Stiefsohn Petrus erfahren, daß Morenga bereit sei, in Fricdensvcrhandlungen zu treten, jedoch nur mit mir selbst, und daß er mir zwei Tage Zeit lasse, einen Beschluß zu fassen, ob ich mich aufmachen wolle, um ihn auszusuchen. Auf diese Nachricht hin entschloß ich mich, wieder nach Longklip zu marschieren. Wir verließen Zwartmodder am Mittwoch, 15.