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Hersfelder Kreisblatt

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-slnschlutz Nr. 8

Nr. 13V. Dienstag, den 19. November 190V.

Amtlicher teil.

Berlin, den 22. Oktober 1907.

Auf den gefälligen Bericht vom 20. Juni d. Js. A. III. No. 3218, dessen Anlagen wieder beigefügt werden.

Wenn den Anträgen aus Ausstellung polizeilicher Führungs­zeugnisse stattgegeben wird, so sollen die Zeugnisse nach der Anordnung des Erlasses vom 23. April 1902 I. b. 82 1 eine vollständige Auskunft über diejenige Zeit erteilen, auf welche ihre Angaben sich beziehen. Diese Bestimmung steht, insoweit nicht die besonderen Umstände des einzelnen Falles Bedenken nahe legen, grundsätzlich der Beschränkung auf einen bestimmten Zeitabschnitt nicht entgegen. Es kann den Be­hörden, Gesellschaften u. s. w., welchen die Zeugnisse vorgelegt werden sollen, überlassen bleiben zu beurteilen, auf welche Frist sie die Prüfung des Vorlebens erstrecken wollen.

Ich ersuche, hiernach bezüglich der vorgelegten Beschwerde das Geeignete zu veranlassen.

Der Minister des Innern. I. V. gez. v. Bischosfshausen. An den Herrn Regierungs-Präsidenten in Stettin. II. a. 7274. * " *

Hersseld, den 14. November 1907.

Vorstehendes teile ich den Ortspolizeibehörden des Kreises zur Kenntnisnahme und Beachtung mit.

I. 10843. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

Hersseld, den 14. November 1907.

Die unter der Schafherde des Ritlergutspächters Schlabach in Willingshausen Kreis Ziegenhain ausgebrochene Räude ist erloschen.

I. 10850. Der Königliche Landrat

von Grunelius.

nichtamtlicher teil.

3« MtWsMmtrilt des WstWs.

In kurzem tritt der Reichstag von neuem zusammen, um die unterbrochene Session fortzusetzen. Aus dem ersten Teil der Session liegt noch eine Anzahl unerledigter Ausgaben vor, und dazu dürfte noch eine ganze Reihe neuer bedeutsamer Vorlagen treten, so daß das Arbeitspensum des Reichstages reichlich bemessen ist. Es bedarf daher pflichttreuer und fleißiger Arbeit unserer Reichsboten, um des ArbeitSstoffes Herr zu werden, und vor allem einer Eindämmung der unge­zügelten Redeflut, die unserm Parlamentarismus mehr und mehr zu nachhaltigem Schaden zu gereichen droht.

Aus dem bisherigen Sessionsabschnitte harren an wichtigeren Vorlagen noch ihrer Erledigung der Entwurf betreffend die

Gin

um s Eicht

Roman von Carlo Carraky.

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

Oliver Garden« und Blaine betonten in derGoldenen Sonne" gesonderte Zimmer.

Mürrisch trennten sie sich, aber Blaine wußte sich Olivers Zimmer zu merken.

Es war nach Mitternacht, als Blaine ohne Schuhe leise den Korridor entlang schritt. An Olivers Tür horchte er. Er faßte an die Tür; sie war verschlossen.

Er lachte höhnisch, zog eine jehr feine, gut geölte Säge hervor und schnitt gemächlich, dann und wann horchend, das Schloß aus.

Garden« schlief noch immer fest. Jetzt war die Tür offen und Blaine schlüpfte hinein in's Zimmer.

Er horchte, der Inhaber des Raumes atmete regelmäßig. Leise schlich er näher, seine langen, mageren Finger um­klammerten plötzlich den Hals seines Opfers, das nur leise röchelte und endlich still ward. ES war tot.

Blaine lachte wieder höhnisch, zündete nun Licht an und untersuchte die Kleidung des Gemordeten. Bald war daS Geld gesunden. Er steckte es ein und durchsuchte auch den Koffer, den er mit den Schlüsseln gemächlich öffnete. Auch hier fand er noch Geld in Papier. Er raffte auch dieses an sich, löschte das Licht, schlich in sein Zimmer zurück, zog feine Stiesel au, stieg leise die Treppe hinab und ließ sich vom Korridor aus mittelst eines Bettuches durch ein Fenster aus die stille Straße hinab.

Ungefährdet erreichte er den Bahnhof, löste ein Billett nach Manchester und brauste mit dem Zuge davon.

Am andern Morgen standen Volksmassen vor derGoldenen Sonne" und besprachen den Mord.

Zu ihnen gesellte sich Slix. Nachdem er genug erfahren ging er sogleich in's Hotel hinein. Hier suchte er den Inhaber einen Mr. Hawksbury, aus.

Ach," sagte dieser, daß mir daS passieren mußte! Der

Abänderung der Gewerbeordnung (sog. kleiner Befähigungs­nachweis), der Entwurf betreffend die Herstellung von Zigarren in der Hausindustrie, der Entwurf betreffend die Bestrafung der Majestätsbeleidigungen, der Entwurf betreffend die Aende­rung des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz, der Ent­wurf eines Gesetzes über die Hülsskassen und der Entwurf über die Sicherung von Bauforderungen. So tief auch ein­zelne dieser Entwürfe in das wirtschaftliche Leben der Nation eingreifen, so kommt doch keinem derselben eine hohe politische Bedeutung zu, und es ist deshalb auch nicht anzunehmen, daß ihre Beratung zu einem erhitzten Zusammenstoß der Meinungen Anlaß geben wird. Erregte Debatten und schwierige Verhandlungen sind vielmehr nur von den erst noch einzu- bringenden Vorlagen zu erwarten.

Als solche neuen Vorlagen stehen besonders in Aussicht ein Vereins- und Versammlungsgesetz, das abgeänderte Börsen- gesetz, eine Flottenvorlage, ein Entwurf betreffend Aufbesserung der Beamtengehälter und ein Viehseuchengesetz. Ferner wird auch die Sozialpolitik in den Verhandlungen des Reichstages voraussichtlich wieder einen großen Raum einnehmen. Zwar die erwartete große Reform der gesamten sozialen Versicherung wird noch nicht kommen. Die Vorarbeiten hierfür sind so schwieriger und zeitraubender Art, daß darüber noch eine geraume Frist verstreichen dürste, zumal auch der neue Staats­sekretär des Reichsamtes des Innern doch genügende Zeit haben muß, um sich' in dir überaus weitschichtige Materie gründlich einzuarbeiten. Auch wird man nicht gerade behaupten können, daß es wohlgetan wäre, ein so tiefeingreifendes Re­formwerk übers Knie zu brechen. An sozialpolitischem Be­ratungsstoff wird es aber trotzdem nicht fehlen. So ist die Vorlage eines Gesetzentwurfes über die Herabsetzung des els- stündigen Maximalarbeitstages für die erwachsenen Arbeiterinnen auf zchn Stunoen nach Den "halbamtlichen Ankündigungen in dem bevorstehenden Sessionsabschnitte wohl mit Sicherheit zu erwarten. Auf handelspolitischem Gebiete endlich dürsten unsere Beziehungen zu Großbitannien eine Neuregelung erfahren, da das englische Provisorium mit dem Schlüsse dieses Jahres abläuft.

Den Verhandlungen des wiederzusammentretenden Reichs­tages wird mit begreiflicher Spannung entgegengesehen, handelt es sich doch um die Frage, in welchem Umfange die bei den letzten ReichStagSwahlen vollzogene Neugruppierung der Par­teien auch fernerhin bestehen bleiben wird. Es will uns aber scheinen, als ob bei den endlosen Preßerörterungen, die gegen­wärtig über Blockpolitik und ihre bevorstehenden Belastungs­proben im Schwange sind, vielfach eine totale Verkennung des wirklichen Tatbestandes mit unterläuft. Der Begriff der Blockpolitik wird unsers Erachtens ganz ungebührlich ausge­dehnt, wenn man ihn gegenüber dem gesamten Aufgabenpensum des Reichstages in Anwendung bringt. Ob Konservative und Liberale bei dieser oder jener Vorlage dissentieren, ändert an dem Fortbestehen des Blocks und feiner Bewährung absolut nichts. Nur bei den großen Lebensfragen der Nation gegen-

Gemordete ist ein angesehener Herr von drüben, von Anglesca!"

So?"

Ja ein gewisser Garden«, der Neffe Mr. Morley'S!"

Wer?"

Mr. Oliver Garden«!"

Himmel!"

Kannten Sie ihn, Sir?"

Mehr; ich suchte ihn behufs wichtiger Mitteilungen!"

Wollen Sie die Leiche sehen?"

Bitte!"

Die Ankunft des Leichenbeschauers vertrieb Slix. Er wandte sich an die Bediensteten des Hotels, denn ein böser Verdacht war in ihm aufgestiegen.

Wer kam mit dem Ermordeten?" fragte er den Hausknecht.

Es war spät," sagte dieser aus,ein langer, hagerer Mensch war bei ihm!"

Hat er sich eingeschrieben?"

Ja, als Mr. George WilkinS!"

Können Sie ihn mir näher beschreiben?"

Der Mann tat sein Bestes.

Ich danke Ihnen; und wann wird er das Hotel ver- laffen haben?"

Ich stehe um 5 Uhr aus! Da fand ich das Fenster dort offen! Hier muß er feine Flucht bewerkstelligt haben!"

All right! Sagen Sie, mein Lieber, wann gingen Sie denn zu Bette?"

Um 12 Uhr, Sir!"

War schon alles still im Hause?"

Alles! Ich wenigstens hörte nichts mehr!

Es ist gut! Hier hahen Sie eine halbe Krone für ihre Gefälligkeit!"

Er ging direkt zum Bahnhof und an den Fahrkartenschalter.

Sie entschuldigen," sagte er zu dem Beamten,diese Nacht kam zwischen 12 unb 5 Uhr ein hochgewachsener Mann an den Schalter und forderte ein Billett! Wohin, wenn ich fragen darf?"

Der Beamte besann sich:

Ganz richtig," bemerkte er daraus,es war nach Manchester, Sir!"

über, wie sie besonders in militärischen und kolonialen For- derungen ihren Ausdruck finden, kann in Wahrheit von Blockpolitik die Rede sein; hier hat sich die Koaliton der Parteien vom 13. Dezember vorigen Jahres zu bewähren, und wir hoffen zuversichtlich, daß dies der Fall sein wird. Kund­gebungen wie die des freisinnigen Reichstagsabgeordneten Professor Elckhoff in Solingen erwecken nach dieser Richtung die beste Aussicht. Im übrigen wäre es freilich mit lebhafter Freude zu begrüßen, wenn das Zusammen­gehen bei der letzten Reichstagswahl auch auf die son­stigen Beziehungen zwischen rechts und links abfärbte und auch in anderen weniger wichtigen Dingen eine Einigung aus der mittleren Linie erleichterte resp, ermöglichte; denn dies kann auf die nationale Blockpolitik nur fördernd einwirken. Zu einer solchen Einigung aber gehört parteipolitische Selbst­zucht und Mäßigung aus beiden Seiten, und diese wünschen wir den Parteien d« Linken und Rechten beim Wiederzu- sammentritte des Reichstages aufs dringendste.

$tr Besuch in England

ist äußerlich glänzend verlausen. Das wäre nicht allzuviel, wenn die innere Bedeutung hinter dem äußeren Glänze zurück- bliebe; man kann auch unedles Metall vergolden. In den öffentlich gewechselten Reden wurde von Politik wenig ge­sprochen. In den Reden des Kaisers und des Königs wurde ein persönlicher Ton angeschlagen und festgehalten, und auch in der Guildhall blieb es im wesentlichen bei dn Versicherung freundlicher, friedlicher Gesinnungen.

Obgleich dies so war und vielleicht weil dies so war, übte der Besuch eine tiefe Wirkung aus. Allgemein ist der Eindruck, daß ihm eine große politische Bedeutung zukommt. WaS unseren deutsch-englische» Beziehungen entgegenstand, waren nicht politische Streitfragen, nicht miberstreitenbe Ansprüche aus Macht und Einfluß in bestimmten Ländern, sondern eine geistige Atmosphäre zwischen ben beiden Völkern, in dn Miß­trauen und Aerg« obenauf waren. Eine schwarze Wolke des Argwohns hing über der Nordsee und hemmte hüben und drüben freundlichen Ausblick. Jetzt ist sie im Schwinden und nach der einmütigen Ansicht der englischen Preffe schon nicht mehr vorhanden.

Wie das gekommen ist, das läßt sich nicht wie ein Rechen­exempel erklären; unwägbare Dinge haben mitgewirkt, wir haben das Gefühl, daß fortgesetzt« Völkergroll den Frieden stört und nützliche Geschäfte verhindert. Die Haltung der öffentlichen Meinung in England war so allgemein von warmer Sympathie erfüllt, daß an ihrer Aufrichtigkeit nicht zu zweifeln ist.

In Frankreich schien man sich anfangs damit trösten zu wollen, daß in Windsor eine Familienversöhnung abgehalten werde, die eine politische Bedeutung nur dadurch gewinnen könnte, daß König Eduard seinen Kaiserlichen Neffen für die Interessen des französischen Freundes in Marokko gewinne. Wir glauben nicht, daß in den intimen Gesprächen von Windsor

Ich danke Ihnen!"

Er nahm ebenfalls ein Billett nach Manchester, aber Blaine, welcher der Mörder sein mußte, hatte einen bedeutenden Vorsprung.

Slix ließ sich Zeit. Er ging in's Hafenbureau und ließ sich die Liste aller fälligen Schiffe vorlegen. Nun wandte er sich den Kontors der verschiedenen Linien zu. Zu feiner größten Ueberraschung hatte Blaine, der sich richtig als Wilkins einge­tragen hatte, ein Schiff nach Hamburg, dieAllemannia", zur Fahrt gewählt, aber dieselbe war bereits vor einer Stunde ausgelaufen.

Und wann fährt das nächste Boot?" fragte Slix.

In drei Tagen!"

Ich danke Ihnen!"

Er ließ sich sofort ein Kursbuch geben und blätterte darin. Plötzlich sprang er auf:

Gefunden!"

Er nahm eine Karte zum Eilzug nach Hull und löste hin sofort einen Fahrschein auf die Königin Viktoria, welche in direkter Fahrt nur 7 Tage nach Hamburg gebrauchte, während dieAllemannia", die verschiedentlich anlegte, 12 Tage zur Fahrt verwandte.

Ich werde ihn noch an Bord verhaften lassen!" lächelte Slix und trat an das Büffet, seinen inneren Menschen zu bedenken, der fast völlig aufgelöst ihm den Gehorsam kündigen zu wollen schien.

In Grünhaus herrschte große Freude; Sir Archibald war wieder jung geworden; er konnte sich garnicht von Ralph trennen und dankte Gott wieder und wieder, daß er ihm einen so würdigen Sohn gegeben.

Da erschien Dr. Moriffon.

Sir Archibald bemerkte bald, daß er mit Ralph und JameS leise flüsterte, daß seine Söhne bestürzte Gesicht« machten.

Da sagte Mr. Morley:

Doktor, waS ist geschehen? Ich will eS missen! Sie brauchen auf mich keine Rücksicht zu nehmen! Ich bin nicht mehr krank!"

Nun denn," erklärte da der Advokat,Ihr Neffe Oliv« Garden« ist vor zwei Nächten in derGoldenen Sonne" zu